Trauma (Dario Argento, Italien / USA 1993)

Posted by – 19. Juni 2015

TraumaAls sich Aura (Asia Argento) das Leben nehmen will, kommt ihr der Zeichner David (Christopher Rydell) zur Hilfe. Kurze Zeit später wird die junge Frau von der Polizei festgenommen und zu ihren Eltern (Piper Laurie & Dominique Serrand) gebracht. Als diese in der darauf folgenden Nacht von einem Killer umgebracht werden, ruft Aura David um Hilfe. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder.

Und wie so oft bei Dario Argento liegt auch hier des Rätsels Lösung um den traumatisierten Killer tief in der Vergangenheit begraben; und wie z.B. auch „Sleepless“, der 8 Jahre später folgen sollte, wirkt „Trauma“ schon wie eine Art Best-Of oder vielleicht besser – wie eine thematische Zusammenschau von Argentos Schaffen. Sein erster amerikanischer Film mutet zwar insgesamt etwas anders an als seine italienischen Vorgänger, ist aber immer noch unverkennbar ein Werk des Regisseurs, über das es viel Positives zu sagen gibt: Tolles Licht, eine eigenartige Stimmung, das sympathische Hauptdarsteller-Pärchen, einige recht spannende Momente, eine Handvoll fieser Morde… Bis der Zuschauer weiß, wer der Killer ist, muss er viele falsche Fährten und Holzwege beschreiten, aber das ist – wie so oft – gerade das Schöne bei den Filmen des Italieners.

Komplett in den Bann gezogen, wie manches seiner anderen Werke, hat mich „Trauma“ trotzdem nicht, wobei ich auf keinen Fall sagen würde, dass der Film in irgendeiner Hinsicht unzulänglich wäre. Er ist nur eben nicht ganz so eigen wie einige der Vorgänger, mit denen sich Argento seinen Ruf erarbeitet hat. Er ist eher ein Querschnitt seines Werks für ein anderes Publikum, das sich, wie der Titel schon sagt, mit einem Grundthema des Filmemachers auseinandersetzt: dem Trauma als einer seelischen Verletzung, die häufig einer körperlichen Verwundung nachfolgt und in dem Opfer zu einer Stressspannung führen kann – die es oftmals als weitere Folge selbst zum Täter bzw. zur Täterin werden lassen. Diese Kausalität ist in seinen Filmen nicht selten zu beobachten, auch wenn sich Argento weniger für die psychologischen Facetten des Themas zu interessieren scheint als für die Tatsache, dass frühkindliche Verletzungen und die – zeitlich weit auseinanderliegenden – Folgen überhaupt zusammenhängen, ohne dass wir es auf den ersten Blick wahrnehmen können. Oftmals ist dieser Zusammenhang genau vor unseren Augen, doch von unserem auf Autopilot geschalteten Wahrnehmungsapparat nicht gleich zu erkennen. Auch in „Trauma“ liegt das Geheimnis im Unbewussten verborgen und auch hier ist es eigentlich offensichtlich – wenn man nur in der Lage gewesen wäre, genau hinzusehen. Dieses Gefühl zu vermitteln, dass da etwas ist, das sich aber knapp außerhalb des Sichtfelds versteckt, beherrscht Argento meisterhaft.

An „Trauma“ ist ansonsten noch auffällig wie verkopft er daher kommt. Zumindest wenn man Argentos neues Faible für Enthauptungen so deutet. Die Köpfe sprechen nach der unfreiwilligen Entfernung vom Halse sogar gelegentlich noch ein wenig, was einige Zuschauer bereits als die ersten Anzeichen der in den 1990er Jahren einsetzenden Trashisierung des einstigen Meisterregisseurs deuten. Ich für meinen Teil mochte es, auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen könnte, was das bedeuten soll. Vielleicht dass das Leid sowohl über das Individuum als auch den Tod hinausreicht, was ja sowohl im Hinblick auf Argentos Gesamtwerk als auch für einen Film mit dem Titel „Trauma“ Sinn machen würde.

Bildm © Optimum Home Entertainment

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Posted by – 15. Juni 2015

It FollowsAlptraum! Alles scheint für die 19-Jährige Jay (Maika Monroe) gut zu laufen – sie hat nette Freunde und mit Hugh (Jake Weary) auch einen süßen Freund. Doch dann, bei einem Date, nach dem Sex, betäubt Hugh sie plötzlich mit Chloroform. Auf einem Stuhl gefesselt erwacht sie in einer leeren Fabriketage und Hugh eröffnet ihr, dass sie sich von nun an in Acht nehmen müsse. Er wäre von einen Dämon verfolgt worden, den er Jay durch den Sex übertragen hat. Gut aufpassen, dass der Dämon dich nicht erwischt. Und vielleicht mal in Erwägung ziehen, mit jemandem zu schlafen und ihn so loszuwerden. Viel Glück und Tschüss.

Alptraum – das passt nicht nur zu dem was Jay erlebt hat und im Laufe des Films noch erleben wird. Auch für das Gefühl, dass „It Follows“ in mir ausgelöst hat, ist es ein guter Begriff. Denn David Robert Mitchell ist bei seinem zweiten Langfilm weniger darin interessiert, eine plausible Geschichte zu erzählen als eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, die man aus Träumen kennt. Sein Film folgt der Logik eines Traums, und diese fatalistische Atmosphäre, die in einem besonderen Tempo (der Dämon sieht jedes Mal anders aus und kommt langsam aber unaufhaltsam direkt auf seine Opfer zu) und den teilweise optisch wirklich eindrucksvollen Szene ihren Ausdruck findet, dieses Gefühl, irgendwie in einer „falschen“ Welt mit ihren eigenen Regeln festzustecken, all das überträgt sich auch auf den Zuschauer und macht den besonderen Reiz von „It Follows“ aus.

Komplett begeistert war ich dennoch nicht, was zum einen daran liegt, dass durch das gemächliche Erzähltempo und die Repetition zwar Nähe zum (Alp)Traum und Atmosphäre gewonnen, aber auch ein wenig die Chance verspielt wird, dem wachen Zuschauer das für Spannung notwendige Gefühl der Dringlichkeit zu vermitteln. Zum anderen ist das Potenzial der Tatsache, dass sich der Dämon durch Sex überträgt, meiner Meinung nach nicht voll ausgeschöpft. Die Zeit, in der man seine Sexualität entdeckt, ist sicherlich eine ambivalente Zeit, die sowohl Freude als auch Schrecken für die Jugendlichen bereithält. Und die Idee, aus dieser Spannung heraus einen Horrorfilm zu entwickeln, ist an sich prima. Das sexuelle Erwachen wird zum Alptraum. Aber leider versäumt Mitchell es hier sowohl auszuloten, was das für seine Figuren bedeutet als auch aufzuzeigen, wie das Thema gesellschaftlich einbettet ist.

Fazit: Ansprechende Prämisse, atmosphärische Umsetzung. Allerdings auch mit Längen und nach meinem Empfinden thematisch auch nicht voll entwickelt. Im Horrorbereich würde ich den Film in diesem Jahr trotzdem als Highlight bezeichnen. Die Chance, ihn im Kino zu sehen (Start: 09. Juli) sollte man sich nicht entgehen lassen!

© Weltkino Filmverleih

Metalhead (Ragnar Bragason, Island 2013)

Posted by – 14. Juni 2015

MetalheadMal ehrlich – wenn etwas wahrhaft Tragisches passiert, ist es sehr schwer an einen allmächtigen gleichwohl gütigen Gott zu glauben. Nicht umsonst hat sich schon Voltaire über Leibniz’ Gottesbeweis lustig gemacht, indem dieser das Unheil der Welt damit erklären wollte, dass wir eben in der besten aller möglichen Welten leben. Auch die 12-jährigen Hera (Diljá Valsdóttir) bekommt eine Stinkwut auf den lieben Gott, als sie mit ansehen muss, wie ihr Bruder bei einem Unfall ums Leben kommt. Jahre später (nun gespielt von Þorbjörg Helga Dyrfjörð) hat sich die junge Frau von ihren Eltern (Ingvar Eggert Sigurðsson & Halldóra Geirharðsdóttir) wie der ganzen Gemeinde abgewendet und sich in die Welt des Heavy Metal zurückgezogen. Erst mit dem neuen Dorfpfarrer (Sveinn Ólafur Gunnarsson) bahnen sich Veränderungen an.

Heavy Metal ist, dem Titel zum Trotz, aber eigentlich gar nicht so wichtig für die Geschichte. Interessant ist der Film auch weniger, weil man ein Gefühl für die vermeintliche Außenseiterin bekommt, sondern für das Gesamtsystem bestehend aus ihren Eltern, ihrem Freund Gunnar (Þröstur Leó Gunnarsson) und der Gemeinde, von denen jeder auf seine Weise irgendwie erstarrt zu sein scheint: Hera und ihre Familie im Leid, Gunnar in seiner unerfüllten Liebe, die Gemeinde im Aufrechterhalten des Status Quo. Feindbilder sind, wie in diesem Fall, eine bestimmte Musikrichtung oder aus Heras Perspektive ihre gefühlskalte Umwelt, schnell ausgemacht, aber wenn „Metalhead“ eines deutlich macht, dann dass die Probleme immer anderswo zu suchen sind.In diesem Fall in nicht verarbeiteter Trauer und Angst.

„Metalhead“ ist für mich kein perfekter Film, nicht jedes Klischee wird umgangen, die Hauptfigur wirkt manchmal etwas holzschnittartig und die Message, „Die Trauer frisst unser Leben auf, wenn wir sie nicht irgendwann besiegen“, die ein wenig an „The Babadook“ erinnert, wurde mir auch etwas zu sehr runtergebetet. Doch ich will mich gar nicht beschweren, denn alles in allem hat mir Ragnar Bragasons Film wirklich gut gefallen. Für mich ist er gerade so etwas wie das in mehrfacher Hinsicht positive Gegenstück zu „We Need To Talk About Kevin“ – zum einen aufgrund seiner trotz allem optimistischen Haltung, die ich angesichts der Thematik wirklich bewundere, zum anderen weil ich ihn einfach wesentlich bessere finde als den gekünstelt-kühlen aber doch irgendwie nichtssagenden Film von Lynne Ramsay.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Und die Musik tut es auch nicht. Hier zeigt der „Metalhead“ eindrücklich wie sie angesichts existenzieller Krisen jämmerlich versagt. Aber wir selbst können es. Gemeinsam. Nicht alle, aber doch einige Wunden. Wenn wir uns etwas anstrengen. Wenn wir aufeinander zugehen.

© Meteor Film

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Posted by – 14. Juni 2015

mad max 4Die himmelhoch jauchzenden Hymnen zu diesem geisteskranken Wunderwerk sind alle schon gesungen. Ich reihe mich da mitsummend einfach mal ein und gestehe, dass auch ich von diesem Wahnsinn überwältigt wurde und immer noch bin, ja – seit dem Kinobesuch, der nun schon wieder etwas zurück liegt, denke ich eigentlich beinahe täglich daran, wann ich „Mad Max: Fury Road“ endlich noch einmal sehen kann.

Zum Film: Ich versuche mich kurz zu fassen, nur einen Gedanken zum Film in Kontext der drei Vorgänger (1, 2 & 3)  möchte ich hier zur Diskussion stellen.

Was an dieser späten Fortsetzung besonders ins Auge sticht: Max (Tom Hardy) kommt diesmal über weite Stecken eine besonders passive Rolle zu. Gleich zu Beginn wird er von Immortan Joes (Hugh Keays-Byrne) Waterboys gefangen genommen und dient im ersten Filmdrittel zunächst als Blutreserve; danach ist sein Kopf für längere Zeit in einem eisernen Gesichtskäfig gefangen. Überhaupt ist es nicht Max, der hier die Richtung der Handlung bestimmt, sondern Imperator Furiosa (Charlize Theron), die mit ein paar Sklavinnen vor Joe und seinen Schergen ausbüxt. Dass die Männer in dem hier skizzierten patriarchalen Gesellschaftssystem nicht gut wegkommen, war dann gleich Anlass für lächerliche Kritik seitens eines Grüppchens von „Männerrechtlern“, die zum Boykott des Films aufriefen. Die Kritik, die auf der einen Seite nicht gerade von besonderer Cleverness zeugt, deutet noch einmal auf der anderen Seite auf den bereits erwähnten Aspekt hin, der an „Mad Max: Fury Road“ tatsächlich auffällig ist: Die Absenz seines Helden. Die „gefühlte Nebensächlichkeit“ der Hauptfigur ist zwar bereits seit dem ersten Teil ein bekanntes (wenn auch wenig diskutiertes) Phänomen, aber im aktuellen Teil ist Max eine derart zentrale Randfigur von solcher augenfälliger Unscheinbarkeit, dass man hierüber vielleicht doch einmal kurz nachdenken und auch die Vorgänger im Lichte der wohl möglich gewonnenen Erkenntnis neu betrachten sollte.

Denn Individuen spielen in Millers Filmen kaum eine Rolle. Der ehemalige Unfallarzt interessiert sich offensichtlich für Kollisionen, Explosionen und Destruktion bewegter Körper, aber auch diese – so scheint es mir nach Sichtung der vier Teile – sind wahrscheinlich stellvertretend für etwas ganz anderes gedacht, nämlich den Konflikt und Zusammenprall von unterschiedlichen Denkrichtungen und Gesellschaftssystemen. Die „Mad Max“-Reihe wäre insofern natürlich dem Actiongenre zuzuordnen, aber es ist „soziologische Action“, nicht psychologische. Es geht nicht darum, dass ein Held, ein Individuum, irgendwelche famosen Dinge vollbringt, sondern darum wie sich die Gesellschaft nach der Apokalypse neu formt. Rückblickend finde ich es interessant, wie sich jeder der Teile mit Themen, die uns in den letzten 30 Jahren umgetrieben haben – von den „Grenzen des Wachstum“ über den „Clash Of Cultures“ bis hin zum „Krieg der Geschlechter“ – auseinandersetzt. Dass Max als Person hierbei keine besondere Rolle spielen kann, versteht sich von selbst. Als Funktion ist er allerdings zentral. Denn seine Madness als ein „Verrückt-Sein“, ist keine individuelle Eigenschaft. Es der von ihm (für den Zuschauer) eingenommene Blickwinkel von außen auf die Systeme, die Miller für uns in den vier wunderbaren Filmen so eindrucksvoll gegen die Wand rasen lässt.

© Warner Bros.

Antiviral (Brandon Cronenberg, Kanada / USA 2012)

Posted by – 10. Juni 2015

AntiviralWenn der Sohn meines Lieblingsregisseurs einen Film über Krankheiten macht, muss ich das natürlich sehen. Umso erstaunlicher, dass der Antiviral von Brandon Cronenberg dafür jetzt schon über ein Jahr ungesehen im Regal liegen blieb. Neben Vorfreude scheint die Angst vor Enttäuschung nicht unerheblich dafür verantwortlich gewesen zu sein.

In „Antiviral“ geht es um einen Mann (Caleb Landry Jones), der im eigenen Körper Krankheiten aus einer Firma schmuggelt, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Genauer gesagt geht es um ganz besondere Krankheiten, nämlich die des Stars Hannah Geist (Sarah Gadon). Eigentlich ist sein Job, diese Viren gut zahlenden Kunden zu injizieren, damit diese ihren Idolen besonders nah sein können, doch außerhalb der Firma bekommt er eine Menge Geld für den „Stoff“. Außerdem ist er auch selbst ein wenig verliebt in Frau Geist.

Im Body Horror geht es per Definition um die sichtbare Zerstörung des menschlichen Körpers, sei es durch Krankheiten, Parasiten, Mutation oder Verfall. David Cronenberg galt als einer der wichtigsten Vertreter dieses Subgenres des Horrorfilms und auch sein Sohn Brandon hat ganz offensichtlich ein Faible hierfür. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man den Vergleich zwischen Vater und Sohn trotz vermeintlich offensichtlicher Bezüge überstrapazieren sollte, denn direkt nebeneinander gestellt, wirkt Brandons Film irgendwie leer. Während Cronenberg Senior sich für die Wandlungsfähigkeit der Spezies Mensch interessiert, scheint es dem Junior eher an einer Art Gesellschaftskritik gelegen zu sein, die er mit blutigen Metaphern ausmalt. Mit großem Stilwillen und thematisch interessant, aber leider auch recht deutlich, ja plakativ und in gewisser Weise naiv. Starkult hat zu allen Zeiten die bizarrsten Formen angenommen und es ist ein erschreckend plausibler Gedanke, dass die fortschreitende Technik weitere Möglichkeiten der Verehrung hervorbringen wird.

Aber was ist bei Cronenberg jr. der Punkt? Dass es ganz schön eklig ist, dass manch einer sich darüber freut, den gleichen Herpes wie sein Idol zu haben? Dass es doch irgendwie „krank“ ist, dass es Firmen geben könnte, die die Infektion ihrer Kunden zu ihren Dienstleistungen zählt? Was interessiert ihn an seiner Geschichte um eine Welt, in der die Menschen ganz wild darauf sind, die Krankheiten ihrer Stars in sich zu tragen, außer dem Offensichtlichen, dem Blut und den Bildern des Verfalls? Denn weder das Individuum mit seinen Sehnsüchten, noch die futuristische Gesellschaft und das, was sie antreibt und im innersten zusammenhält, macht Cronenberg jr. leider transparent. Nicht auszuschließen, dass er sich dabei etwas gedacht hat, aber ich komme gerade nicht darauf. Außerdem – aber da bin ich mir nicht sicher, ob es an mir liegt oder ob ich es auch dem Film in die Schuhe schieben kann – löst „Antiviral“ bei mir im Moment nicht den Wunsch aus, mich länger mit ihm auseinanderzusetzen. Vielleicht beim nächsten Mal…

Bild © Momentum Pictures

Mad Max Beyond Thunderdome (George Miller, George Ogilvie, Australien 1985)

Posted by – 10. Juni 2015

Als Max (Mel Gibson) sein Gefährt geklaut wird, sieht er sich gezwungen, die Händler-Siedlung Bartertown aufzusuchen. Dort hofft er seine alte, kamelgezogene Fahrzeugkarosse wiederzubekommen. Stattdessen gerät er mit der Möchtegern-Herrscherin Aunty Entity (Tina Turner) aneinander, mit der er aber einen Deal machen kann: Gelingt es Max, ihren Widersacher MasterBlaster (Angelo Rossitto & Paul Larson) aus dem Weg zu räumen und ihr so den Weg zur absoluten Macht über die Stadt zu ebnen, bekommt er seinen Wagen zurück.

Ich kann gut verstehen, dass der dritte Teil nicht ganz den Beliebtheitsgrad erreichen konnte wie die beiden Vorgänger. Kurzweilig ist freilich auch er. Doch was gibt es nach „Mad Max 2: The Road Warrior“ eigentlich noch zu erzählen? Jedenfalls konnte es nicht weiter bergab gehen, deswegen musste der dritte Teil wieder ein Stück zivilisierter zugehen. 15 Jahre sind seit Max‘ Auseinandersetzung mit Humungus und dessen Bande vergangen. Zwar ist das Benzin knapper denn je, doch haben sich die Menschen wieder zusammengefunden in dem Versuch, ein Stück Zivilisation zurückzubringen. In Bartertown hat man begonnen, Handel zu treiben und es sogar geschafft, ein paar rudimentäre Regeln für das Zusammenleben aufzustellen. Gibt’s Zoff, müssen die beiden Streithähne ihre Zwistigkeiten in der Donnerkuppel austragen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Konflikte klein bleiben und schnell gelöst werden. So weit, so schön. Aber vielleicht ist das für die Fans der ersten beiden Teile eben auch etwas zu schön. Klar, das Benzin ist knapp, das Wasser ist verseucht und auch mit der Zahnpflege ist es in dieser Zukunft nicht weit her. Aber es gilt eben nicht mehr nur das Recht des Stärkeren respektive Schlaueren, sondern man scheint dies- und jenseits der Donnerkuppel gewillt, etwas aufzubauen. Vom Nihilismus der Vorgänger ist jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Außerdem hat der Film (für mich fühlt er sich sogar ein wenig wie zweieinhalb Filme an) anderes als die beiden Vorgänger eine richtige Geschichte.

Wie gesagt, ich finde es nachvollziehbar, dass sich Teil 3 vielleicht etwas zu sehr nach Hollywood für den einen oder anderen nicht mehr so ganz nach „Mad Max“ anfühlt. Doch ich gebe zu bedenken, dass George Miller hier ganz folgerichtig weiterführt, was er in den beiden Vorgängern begonnen hat. Kompromisse macht er auch hier keine. Wenn die große Überschrift des drei- bzw. mittlerweile vierteiligen Anti-Evangeliums möglicherweise das Scheitern ist, so geht es in „Mad Max Beyond Thunderdome“ doch eindeutig um Visionen des Wiederaufbaus bzw. deren Dekonstruktion. Während die Materialisten von Bartertown ihr Utopia auf Schweinemist errichten (daraus gewinnen sie Energie), hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in einer Oase tief in der Wüste hausen und scheinbar einen recht nachhaltigen Lebensstil pflegen, ganz aufs Hoffen verlegt. Hoffen, dass jemand kommt und sie rettet. Hoffen, dass dieser jemand sie ins Paradies – nach Übermorgenland – bringt. Der Retter wider Willen ist natürlich mal wieder Max, der zwar weiß, dass der Garten Eden verloren ist, der den Jünglingen ihren Glauben aber nicht ausreden kann.

Irgendwie fühlt es sich für mich so an, als wäre die Reihe mit dem dritten Teil in ihre spirituelle Phase eingetreten. Anhand von zwei Gruppen stellt Miller zwei Glaubenssysteme vor, die sich in Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit und dem Untergang der Zivilisation herausgebildet haben. Wenn ich dem Film einen Vorwurf machen müsste, dann wäre das nicht, dass er nichts Neues zu erzählen hat, sondern dass er seine Ideen nicht konsequent genug weiterentwickelt. Irgendwann treffen Oasenbewohner auf Bartertownerianer zusammen, es kommt zu einer Verfolgungsjagd im Stile des zweiten Teils und dann war es das leider auch schon mit dem Film. Andererseits kann man Miller dankbar sein, dass er ganz zum Schluss zumindest insofern konsequent ist, dass der zu einfachen Denksystemen eine Absage erteilt und den Zuschauer wieder mit einer Irritation entlässt: Da sitzen die Jünglinge im ersehnten Übermorgenland, aber was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Happy End aussieht, ist in Wirklichkeit nur ein Exitus Interuptus und man darf sich durchaus fragen, ob die Idee mit dem Schweinemist nicht vielleicht doch die bessere war.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins & zwei.

The Quick And The Dead (Sam Raimi, USA 1995)

Posted by – 7. Juni 2015

Western sind eigentlich nicht mein Fall, aber es gibt Ausnahmen. „The Quick And The Dead“, mit dem Sam Raimi nach dem Abschluss seiner „Evil Dead“-Trilogie und seinem meisterlichen „Darkman“ zeigt, dass er auch dieses Genre zu bereichern weiß, gehört dazu. Ich habe ihn mittlerweile schon recht oft gesehen und vor ein paar Jahren auch mal eine etwas längere Kritik dazu geschrieben. Dem habe ich nach der gestrigen Sitzung nicht besonders viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich heute nicht mehr so sehe, dass der Star-gespickte Trip ingesamt zu wenig Überraschungen bieten würde. Auch wenn der grobe Fahrplan bekannt ist, bietet der Film im Detail doch Highlights en masse. Eine komplizierterer Rahmenhandlung hätte diesem gradlinigen Film bestimmt eher geschadet. Es geht um einen jährlichen Duell-Wettbewerb in einem kleinen miesen Western-Kaff, den tyrannische Bürgermeister John Herod (Gene Hackman), der das Duell regelmäßig gewinnt und eine geheimnisvolle Rächerin (Sharon Stone) die es offensichtlich auf seinen Kopf abgesehen hat. Schon zwischen dem Hauptpersonal knistert die Luft, aber es gibt etliche weitere originelle Figuren, die Raimi mit der ihm typischen Inszenierungsfreude einfallsreich gegeneinander antreten lässt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich wohl nur eine andere Hauptdarstellerin favorisiert und weiterhin vorgeschlagen, ihre genauen Motive im Dunkeln zu lassen. Aber auch ohne meine Hilfe ist „The Quick And The Dead“ ein ganz wunderbar kurzweiliger, verspielter und boshafter Western geworden, den ich mir in 20 Jahren noch nicht über gesehen habe.

Mad Max 2: The Road Warrior (George Miller, Australien 1981)

Posted by – 4. Juni 2015

Apokalypse – das ist, wenn die Welt untergeht. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Enthüllung“, „Entschleierung“. Gemeint ist damit der tatsächliche Welt-Untergang, das Ende der Geschichte und – wie manche glauben – das Reich Gottes. In George Millers „Mad Max“-Fortsetzung liegt das Ende schon hinter uns. Wer denkt, schlimmer als die Vernichtung der Zivilisation könnte es den Menschen nicht treffen, sieht sich durch „Mad Max 2: The Road Warrior“ eines besseren belehrt. Vom Paradies jedenfalls keine Spur.

In einem postapokalyptischen Ödland streiten sich die letzten Überlebenden um die verbliebenen Ressourcen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Die geänderten Umstände haben auch den Menschen geändert, der Wahnsinn steht den meisten ins Gesicht geschrieben. Und in ihrer Garderobe äußert er sich auch. Der Ex-Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) ist einer der wenigen, die das Pech haben, zu stark zu sein, um zu sterben. Ziellos düst der Einzelgänger mit seinem aufgemotzten Ford Interceptor durch die kargen Weiten Australiens. Er wurde einst verlassen, jetzt verlässt er sich auf niemanden mehr. Das einzige Lebewesen, das er in seiner Nähe duldet, ist ein Hund, der ihn auf seinem Weg begleitet. Alle anderen weißt er schroff von sich. Doch es ist klar – ewig kann man alleine nicht zu recht kommen. Als er eine Gruppe von Menschen trifft, die über größere Benzinvorräte verfügen, aus diesem Grund von einer Horde Outlaws unter der Führung des brutalen Humungus (Kjell Nilsson) bedroht werden, sieht er sich gezwungen, zu kooperieren.

Was folgt, ist ein bizarrer, fiebriger Action-Trip, in dem sich eine markante Szene an die nächste reiht, wobei die Teile aber mehr ergeben als endzeitliches Stückwerk. Wie schon der Vorgänger ist „Mad Max 2: The Road Warrior“ weniger Geschichte als ein Gefühl. Und zwar kein Schönes! Wenn man sich als Sci-Fi-, Endzeit- und Action-Fan natürlich auch ordentlich freuen darf, ist der Film hinter aller cineastischen Energie von Nihilismus und einer diffusen Traurigkeit geprägt. Meine Lieblingsszene kommt gleich am Anfang: Max hat den Straßenkampf gegen ein paar Rowdys gewonnen und darf nun die Belohnung einheimsen: Ein liegengebliebenes Fahrzeug hat noch etwas Benzin im Tank: Während Max misstrauisch die Straße im Blick behält und mit ein paar Schüsseln das herauslaufende Benzin auffängt, sieht der Zuschauer wie sich der Treibstoff mit dem Blut des Fahrzeuginsassen mischt. Eindrucksvoller als durch dieses Bild kann man das Thema von „Mad Max 2: The Road Warrior“ nicht zum Ausdruck bringen. Die Lebensenergie der Motoren ist zur Lebensenergie des Menschen geworden. Aber wenn Sprit alles ist, worum es geht, dann ist klar, dass etwas auf der Strecke bleibt.

Große Katastrophen beinhalten, auch wenn das zynisch klingen mag, immer die Chance auf einen Wandel. Nicht in diesem Fall. Die Menschen hier konnten die Vergangenheit nicht loslassen und klammern sich immer noch an das schwarze Gold, das sie in Bewegung hält, aber eigentlich Stillstand bedeutet. Damit geht es im Vorgänger wie in der Fortsetzung ums Scheitern – das der Zivilisation wie das des Protagonisten. Während im ersten Teil Max‘ fader Sieg gegen die Mörder seiner Familie eigentlich eine Niederlage war, ist hier sein Scheitern in gewisser Weise ein Erfolg. Max, ein Messias wider Willen, ist für uns gescheitert, aber nicht für unsere Erlösung und unser Seelenheil, sondern damit wir weiter sündigen können. Nach der Entschleierung und dem Ende der Geschichte beginnt nicht hier das Reich Gottes, sondern ein endloses, leeres Jammertal.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins.

Mad Max (George Miller, Australien 1979)

Posted by – 31. Mai 2015

mad max trilogieIn einer nicht allzu weit entfernten Zukunft beherrschen motorisierte Banden die Straßen. Sie terrorisieren die Bevölkerung, stehlen Benzin und auch vor Vergewaltigung und Mord schrecken sie nicht zurück. Die Polizei ist nahezu machtlos. Als bei einer Verfolgungsjagd der aus dem Gefängnis entflohene Nightrider (Vincent Gil) umkommt, sind seine Banden-Kollegen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) und Bubba Zanetti (Geoff Parry), die ohnehin nicht gut auf die Polizei zu sprechen sind, noch aufgebrachter. Als Cop Jim „Goose“ Rains (Steve Bisley) und Max Rockatansky (Mel Gibson) auch noch Johnny „the Boy“ Boyle (Tim Burns), ein Mitglied ihrer Gang, verhaften, eskaliert die Lage zwischen den Outlaws und den Gesetzeshütern.

Lang ist es her. Damals war auch die Zukunft eine andere. Endlose, verdorrte Weiten, in denen sich eine Handvoll verrohter Überlebender um die letzten Rohstoffe zanken und das Recht des Stärkeren gilt. In George Millers erstem „Mad Max“-Film war dieses Szenario zwar nicht voll ausgeprägt, doch darf man wohl behaupten, dass hier – auch wenn es z.B. mit „The Last Man on Earth“ (1964), dem wunderbaren „A Boy And His Dog“ (1974) und weiteren schon andere stilbildende postapokalyptische Filme gab – sowohl was die visuelle als auch die inhaltliche Ebene dieser Erzählungen betrifft, ein wichtiger Vertreter das Licht der Welt erblickt hat. In meiner Erinnerung war der erste Teil immer der schwächste der Reihe. Als ich ihn mir vor ein paar Tagen – heiß gemacht durch den famosen „Mad Max: Fury Road“ und anlässlich der Veröffentlichung der ersten 3 Filme auf Blu-Ray – endlich mal wieder gesehen habe, musste ich wie so manches Mal feststellen, dass die Erinnerung trügt, bzw. dass der Geschmack sind ändert.

Viele reden bei den „Mad Max“-Filmen immer von rudimentären Geschichten oder zumindest solchen, die „kein Gramm Fett zu viel“ enthalten. Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Schon beim Schreiben der Inhaltsangabe ist mir aufgefallen, wie schwer es ist, den Finger drauf zu legen, was an „Mad Max“ eigentlich wichtig ist. Zumindest scheint es sich hier um alles andere als eine gradlinige Rachegeschichte zu handeln. Der Konflikt zwischen jenen, die krampfhaft versuchen, die kümmerlichen Reste der alten Ordnung aufrecht zu erhalten und jenen, die ihre eigenen Regeln machen, ist sicherlich elementar. Allerdings geraten die Figuren im Film eher unvermittelt aneinander. Dass es gerade Max ist, der mit den Straßenrockern in Konflikt gerät und dass das Schicksal gerade ihn ins Finale spült, ist eher dem Zufall geschuldet. So wie ich das sehe, erzählt „Mad Max“ dem Titel zum trotz weniger die Geschichte von einer bestimmten Person als vom Untergang der Zivilisation. Die Polizei – das sieht man schon am Anfang des Films – ist den Straßen-Rowdies sehr ähnlich. Max fürchtet sich davor, eine Grenze zu überschreiten und so zu werden, wie die, die er jagt: „Any longer out on that road and I’m one of them.“ Als sein Partner schwer verwundet wird, entschließt er sich dazu, den Dienst zu quittieren und mit seiner Familie aufs Land zu fahren, vom Helden im klassischen Sinne hier noch keine Spur. Als dann das Schicksal ihm alles nimmt wofür erlebt, will sich Max trotzdem nicht so recht in das Bild seiner heroischen Zunft fügen.

Damals war, wie gesagt, unser Bild der Zukunft ein anderes. Die „Mad Max“-Filme geben hiervon Zeugnis. Wenn, beziehungsweise – vielleicht sogar weil der ebenfalls wahnsinnig gute „Mad Max 2: The Road Warrior“ als der prototypische Vertreter des Endzeit-Films gilt, mag ich diesen ersten heute sogar noch etwas lieber. Das liegt zum einen daran, dass er so roh, so anarchisch und hoffnungslos ist und zum anderen so pointiert eine Welt zeigt, welche sich in der Umbruchphase zur sozialen Entropie befindet. In wenigen Filmen dieser Gattung sieht man besser als in George Millers Debütfilm, warum alles den Bach runter geht. „Mad Max“ ist sicherlich ein unangenehmer, aber auf den zweiten Blick auch ein großer und wichtiger Film über das Scheitern.

Bild © Warner Home Video

Poltergeist (Gil Kenan, USA 2015)

Posted by – 26. Mai 2015

Mit so einem Poltergeist ist nicht zu spaßen. Und schwer wieder loszuwerden ist er auch. Schwer loszuwerden sind aber nicht nur Poltergeister, sondern auch Filme über sie. Auch nur eine ungefähre Schätzung abzugeben, wie viele Haunted-House-Filme in den letzten Jahren im Kino gestartet und direkt in den Videotheken versumpft sind, überfordert mich. Nun startet mit Gil Kenans „Poltergeist“ das Remake des Hooper/Spielberg-Klassikers von 1982. Auch wenn Kenans den Spuk-Film nicht neu erfindet, so zeichnet sich sein Film immerhin durch eine respektvolle Nähe zum Original, mehrdimensionale Figuren und die einfallsreiche Inszenierung aus. Ob man es allerdings schafft, einen anderen als ökonomischen Sinn darin zu sehen, einen Film, den es schon gibt, noch einmal zu drehen, hängt stark von der Phantasie der Zuschauer ab. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine etwas längere Kritik von mir.