Happy Death Day (Christopher Landon, USA 2017)

Posted by – 17. November 2017

Aus eigener, ja sogar tagesaktueller Erfahrung weiß ich – Geburtstage können eine sehr schöne Sache sein. Wenn man allerdings, wie eine grantige Studentin in „Happy Death Day“ den gleichen Tag immer wieder erlebt und zu allem Überfluss noch jedes Mal wieder vom einem maskierten Killer getötet wird, ist das natürlich unschön. Denke ich zumindest. Da habe ich aber keine Erfahrungswerte. Der Film von Christopher Landon hingegen, den ich gesehen und für Kino-Zeit rezensiert habe, ist, anders als das Thema, das er behandelt, – hier weiß ich wovon ich spreche – eine ganz schöne Sache. Was sich wie eine wenig uninspirierte Version von Harold Ramis famosen „Groundhog Day“ im Horror-Genre liest, entpuppt sich als spannend-rasanter Mystery-Thriller mit viel Freude am Zitat, dem richtigen Quäntchen Humor und sympathischen moralischen Message. Hier geht’s zum Text.

Machines (Rahul Jain, Deutschland, Indien, Finnland 2016)

Posted by – 7. November 2017

Ich schaue nicht den ganz Tag Filme und schreibe heimlich tollte Texte dazu, die ich euch dann, statt sie hier zu veröffentlichen, fies vorenthalte. Bei mir passiert bewegtbildmäßig gesehen gerade wirklich nichts. Tote Hose. Bzw. fast nichts. Denn es gibt – apropos Hose – zumindest einige wenige Ausnahmen. Für Kino-Zeit.de habe ich mir neulich eine bildgewaltige Dokumentation über die Zustände in einer indischen Textilfabrik angesehen und ein paar Zeilen dazu geschrieben. Wer das lesen will… <Klick>.

The Chinese Lives of Uli Sigg (Michael Schindhelm, Schweiz 2017)

Posted by – 3. September 2017

Jetzt habe ich ganz vergessen zu berichten, dass ich neulich mal für auswärts was zu Michael Schindhelms Doku über Uli Sigg geschrieben habe. Der läuft seit Anfang August im Kino. Wahrscheinlich ist mir das entfallen, weil ich den Film nicht besonders gut fand. Auf Kino-Zeit habe ich ein paar Sätze dazu geschrieben. Hier klicken (oder auch nicht und stattdessen lieber etwas Sinnvolles tun.)

Spider-Man: Homecoming (Jon Watts, USA 2017)

Posted by – 13. Juli 2017

Trotz Filmkrise schaffe ich es alle Jubeljahre doch mal ins Kino. Für Kino-Zeit.de habe ich mir „Spider-Man: Homecoming“ angesehen – und für gut befunden. Das kam für mich ehrlich gesagt ein wenig überraschend, denn nach dem etwas unglücklichen Ausklang des an sich fantastischen Raimi-Runs und den beiden schrecklichen Nachfolgern („The Amazing Spider-Man“, nachzulesen hier und hier sowie ,„The Amazing Spider-Man 2“), hatte ich nicht damit gerechnet, dass ein so baldiger Reboot und die Integration von Spider-Man das erzählerisch doch ziemlich schlichte Marvel Cinematic Universe meinen Geschmack treffen würde. Aber doch, was Jon Watts („Clowns“) da abgeliefert hat, hat mir irgendwie gefallen. Watts schafft es, die Comic-Vorlage sowie die Vorarbeit seiner Regisseurkollegen zu ehren und gleichzeitig noch etwas Interessantes zur Figur wie auch zum aktuellen Superhelden-Kino beizusteuern. Aber ehe ich weiter schreibe – klickt doch einfach hier und lest selbst.

Expedition Happiness (Felix Starck, Selima Taibi, Deutschland 2017)

Posted by – 4. Mai 2017

Und gleich noch einer hinterher: Ein weiterer Film, den ich wieder für Kino-Zeit.de ausführlicher besprochen habe, ist „Expedition Happiness“ von Felix Starck & Selima Taibi. Auf den hatte ich ziemlich Lust, weil ich mich Glück (das eigene wie das anderer Menschen) interessiert. Nach der Fahrrad-Doku „Pedal The World“ in reisen Starck und Freundin Taibi sowie ihr Hund ihrem neuen Film nun in einem umgebauten Schulbus quer durch den Amerikanischen Kontinent. Macht das glücklich? Bestimmt nicht jeden ­– und auch die beiden Protagonisten beileibe nicht immer. Trotzdem ist es schön ihnen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, ihres Glückes Schmied zu sein und dafür im wahrsten Sinne bereit sind, den Hammer selbst in die Hand zu nehmen. Die Expedition hätte für meinen Geschmack zwar durchaus noch etwas tiefer in die Untiefen des Glücks vordringen dürfen, aber auch so macht der Film Spaß und ist auf sympathische Weise inspirierend. Nicht dass man den beiden nacheifern müsste, ein Beispiel hat ihren Mut und Engagement nehmen, werden sich viele bestimmt schon.

P.S. Das Glück Arbeit bedeutet, habe ich übrigens am eigenen Leibe gemerkt. Der verflixte Film, der immerhin 21 GB groß ist, wollte sich anfangs partout nicht downloaden lassen. Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wie oft ich das in den letzten Tagen, meiner ganz persönlichen „Expedition Happiness“, versucht habe, nur um auf den letzten Metern wieder fassungslos auf die Nachricht „Download fehlgeschlagen“ zu starren. Aber irgendwann hat’s doch geklappt. Puh.

Ich. Du. Inklusion. Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft (Thomas Binn, Deutschland 2017)

Posted by – 4. Mai 2017

Inklusion – das bedeutet, dass alle Menschen jeder geistigen und körperlichen Einschränkung zum Trotz selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wie läuft das eigentlich mit der Inklusion in der Schule? Dieses Thema hat Thomas Binn in seiner Dokumentation „Ich. Du. Inklusion“ unter die Lupe genommen. Ich hingegen habe einen genaueren Blick auf diese Doku geworfen – und für okay befunden. Dass das wie immer mit der Schule nicht so leicht ist, hätte man sich ja denken können. Mehr über die konkreten Ursachen zu erfahren, die das Projekt Inklusion zu scheitern drohen lassen, ist dennoch interessant. Währenddessen schieben sich die Beteiligten sich gegenseitig die Schuld zu und man fragt sich – wenn nicht mal die Zuständigen, von denen wir annehmen sollten, dass keine besondere Unterstützung benötigen, zusammenarbeiten können, ist die Frage, wie wir das von hilfebedürftigen Kindern verlangen können, bei deren Unterstützung durch fähiges Personal dann auch noch geknausert wird. Auf Kino-Zeit.de habe ich noch ein paar Sätze mehr dazu geschrieben.

Verehrte Blogbesucherinnen und Besucher…

Posted by – 20. April 2017

… bereits im letzten Jahr habe ich schon mal „Filmkrise!“ gerufen. Seitdem habe ich zwar noch ab und an einen Text veröffentlicht – wirklich gelungen, regelmäßig und in einer Frequenz, die mich befriedigt, etwas zu schreiben, ist es mir leider nicht. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Woran liegt’s?

Ich könnte jetzt natürlich die geliebte Familie, den neuen Job, eine recht arbeitsintensive Fortbildung, meinen Versuch, regelmäßig zu Laufen und ein paar längere Krankheitsphasen anführen. Aber letztlich verantwortlich – bin natürlich ich. Irgendwie gelingt es mir gerade nicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Und ohne, dass ich die bewusste Entscheidung getroffen habe, ist das Filmeschauen sowie das Schreiben über Filme still und heimlich hinten runter gefallen. Trotzdem möchte ich jetzt nicht sagen: Das war’s jetzt. Im Gegenteil! Mein Wunsch ist es, dieser Leidenschaft wieder mehr Platz in meinem Leben einzuräumen, und ich bin auf der Suche nach Wegen, wie das gehen kann. Ob ich hier von Wochen oder Monaten spreche, kann ich gerade selbst noch nicht sagen. Aber ich bin zuversichtlich, dass mir da schon irgendwann etwas einfällt.

Wem es beim großen Angebot von Texten im Netz nicht besonders wichtig ist, ob gerade in diesem Blog neue Beiträge erscheinen – der hat es gut. Allen anderen empfehle ich, vielleicht noch einmal bei den älteren Beiträgen hier vorbeizuschauen. Das machen ich selbst gelegentlich. Und freue mich.

Death Sentence (James Wan, USA 2007)

Posted by – 24. Januar 2017

Schönes Filmplakat: In reinem Schwarz-Weiß gehalten wächst die Silhouette eines Mannes im Anzug aus der Finsternis. In der Hand hält er einen Baseball-Schläger von dem es heftig tropft. Die Substanz lässt sich unschwer als Blut deuten.

Das Filmplakat gibt klar die Richtung des neuen Films von „Saw“-Regisseur James Wan vor. Es geht um den erfolgreichen Risikoanwalt und netten Familienvater Nick Hume (Kevin Bacon), der mit seinen beiden Söhnen Brendan (Stuart Lefferty), Lucas (Jordan Garrett) und seiner hübschen Frau Helen (Kelly Preston) ein beschauliches Leben führt. Das ändert sich allerdings auf dramatische Weise als Brendan vor den Augen seines Vaters auf brutale Weise von einer Gang ermordet wird. Vater Hume sieht rot: Anstatt die Polizei dabei zu unterstützen, den Schuldigen hinter Gitter zu bringen, beschließt er, das Recht selbst in die Hand zu nehmen. Aber Rache will gelernt sein und schon bald befindet sich der Selbstjustiuz-Anwalt und seine restliche Familie auf der Abschussliste der Gangster…

Regisseur James Wan sagt, er habe mit dieser Selbstjustiz-Geschichte (nach einem Drehbuch von Ian Jeffers, das wiederum auf dem gleichnamigen Roman von Brian Garfield beruht) eines der elementarsten Themen überhaupt aufgegriffen und ihm nur einen modernen Rahmen gegeben. „Es ist eine ganz klassische Geschichte, sie hat etwas von Shakespeare“, findet Wan und erläutert weiter im Presseheft: „Ein Mann ringt mit seinen inneren Dämonen. Er fühlt sich seiner Familie gegenüber in der Verantwortung und gerät in einen Strudel voller Gewalt und sieht sich ständiger Vergeltungsschläge ausgesetzt, die sein Leben zerstören. Letzten Endes muss er feststellen, dass Gewalt absolut sinnlos ist.“ Mag sie auch absolut sinnlos sein – das ist ja eh wie ein filmischer Gemeinplatz –, so ist sie doch leider das einzige in „Death Sentence“, das von gewisser filmischer Qualität ist. Der pseudo-moralische Guss, mit dem Wan seinen Film überzogen hat, ist es jedenfalls nicht – der ist genauso schwer genießbar wie eine Vielzahl von Klischees und eine Handvoll ungeschickter Entscheidungen von Wackelkameras über Found Footage bis hin zur Musikauswahl. Wäre der Film doch nur etwas mehr wie das Filmplakat, einfach und direkt, hätte er sich seiner Tragödie nur gedankenlos hingegeben, ohne die unglaubwürdigen Bemühungen, alles politisch korrekt erscheinen zu lassen.

Ganz so unzufrieden wie damals im Kino war ich mit „Death Sentence“ beim zweiten Sehen allerdings nicht. Drei Punkte lassen sich zu seiner Ehrenrettung anführen. Erstens: Kevin Bacon. Der hatte zwar in letzter Zeit häufig Pech mit seinen Filmen, aber wenn jemand in der Lage ist, aus uninteressanten Drehbüchern das Maximale herauszuholen, da er. Zweitens: Durchaus auch spannende Momente sowei zwei bis drei wirklich Action-Sequenzen. Die liegen Regisseur Wan offensichtlich wesentlich besser als alles, was Fingerspitzengefühl verlangt. Zum ersten Mal richtig mitreißend wird es, als Hume (der bis auf seinen Namen nichts mit dem berühmten Philosophen gemein hat, insofern ist die Wahl auch ziemlich lächerlich, da wird nur einmal mehr Anspruch und Tiefe suggeriert, die der Film einfach nicht hat) von der Gang verfolgt wird. Über die Straße, durch Häuser bis in ein Parkhaus zieht sich die Verfolgungsjagd, bei der Anwalt nur knapp dem Tod entgeht. Der Überfall der Gang auf Humes Haus ist kurz, aber ebenfalls spannend. Richtig zur Sache geht es noch mal am Ende, als der waffenbepackte Hume das Hauptquartier der Gang stürmt. Das hat zwar immer noch nichts von Shakespeare, dafür aber ein paar andere, hochkalibrige Qualitätsmerkmale. Drittens: Obwohl „Death Sentence“ in seinem Bemühen, es allen Recht zu machen, unglaubwürdig und letztlich unentschlossen wirkt, ist er trotz moralinsüßen Überzug eine ziemlich bittere Pille. Hinten raus würde ich ihn nicht als gelungen bezeichnen, aber er ist auf schizophrene Weise gescheitert. Und angesichts seines – anspruchsvollen – Rache- und Selbstjustiz-Themas ist das ja schon fast wieder ein kleiner Sieg in der Niederlage.

Bild © Concorde Video

The Wraith (Mike Marvin, USA 1986)

Posted by – 23. Januar 2017

You want a race? ‚Cause I’ll show you a race!“

 Wer von ihnen herausgefordert wird, kann seinem schicken Auto schon mal Lebewohl sagen – denn niemand gewinnt gegen Packard Walsh (Nick Cassavetes) und seine Rocker-Gang bei den illegalen Straßenrennen, deren Sieger stets das Gefährt des Kontrahenten erhält. Dieses scheinbar unverrückbare Naturgesetz wird erst außer Kraft gesetzt, als ein Gespenst aus der Vergangenheit (Charlie Sheen) auftaucht und Packard seine Vormachtstellung auf der Straße und bei seiner Freundin Keri Johnson (Sherilyn Fenn) streitig macht.

„The Wraith“ – den meisten wohl besser bekannt unter seinem deutschen Titel „Interceptor“ – war eigentlich nie einer meiner Lieblingsfilme, aber ich würde ihn auf jeden Fall trotzdem zu den Filmen zählen, die aus Gründen wichtig für mich waren. Aus welchen Gründen? Das weiß ich selbst nicht so genau. Fest steht, dass mir Mike Marvins beim letzten Sehen gut, ja verdammt gut gefallen hat. Und ich denke, das hat weniger mit irgendwelchen konkreten Umsetzungsstrategien in Form und Inhalt zu tun, als mit der vereinnahmenden Naivität, mit der diese Rachegeschichte erzählt wird.

Ich komme aus einer Gegend, da feiert man den Führerschein gerne mal mit zwei falschen Korn in der Dorfdisco – um danach bei einem Rennen über die nächtlichen Landstraßen Papas Auto mit 120 Km/h gegen einen Baum zu setzen. Das ist dumm, fühlt sich während man für die Kumpels an der Bar die Getränke bestellt, gemeinsam feiert und dann ins Auto steigt aber noch wie die beste Idee überhaupt an. Die Parallelen zu Mike Marvins Film sind nicht einfach herbeigeschrieben, das Gefühl des allgegenwärtigen Stumpfsinns ist in den Dorfkneipen dieser Welt ebenso real wie in Marvins Films: So einfältig wie die Figuren in „The Wraith“ – Packards Crews ist ein Gruppe dauerbreiter Blödiane, die vielleicht Benzin im Blut, aber auf alle Fälle Bremsflüssigkeit im Hirn haben, und auch er selbst vermag es nicht, über sein Interesse an Autos und seiner Freundin hinauszudenken –, so primitiv ist auch die Geschichte, die hier erzählt wird. Doch das hört sich jetzt vielleicht negativer an als es gemeint ist. Es ist nämlich sogar in keiner Weise als Kritik von mir gedacht – im Gegenteil. Die allumfassende Stupidität von Gut und Böse, vom Rächer, Ge- und Berächten, ist so entwaffnend ehrlich – da ist es, seinen Nebenbuhler zu Tode zu foltern und dessen Rache als zurückgekehrter Alien-Geist mit einem Schulterzucken abzutun, genauso normal wie besagte mörderische Autorennen – dass mir „The Wraith“ beinahe schon wie „aus dem Leben gegriffen“ vorkommt.

Es ist auch nicht das einzig Gute, das ich über den Film zu sagen hätte. Ich könnte mich noch ein ganzes Weilchen darüber auslassen, was für markige Figuren Marvin hier erdacht hat, besonders lange würde ich von dem liebestollen und ebenso -wütigen Packard schwärmen, der von Nick Cassavetes wirklich mit genau der richtigen Dosierung als Ernst und Karikatur dargeboten wird. Die Dialoge in diesem Film sind der Hammer. Da mag man keine einzelne Zeile herausgreifen, das gesprochene Wort ist hier in Gänze Ultrakunst, und egal ob man den Film nun ernst nimmt wie ich oder ihn als 1980er-Jahre Sumpfsinn abtun will – man wird mit ihm seinen Spaß haben. Apropos Spaß haben: Der Soundtrack bestehend aus Hits wie „Secret Loser“ (Ozzy Osbourne), „Where’s the Fire“ (Tim Feehan), „Rebel Yell“ (Billy Idol), „Power Love“ (Lion) und und und macht irre Spaß. Wenn man denn etwas an diesem Film bemängeln möchte (was ich eigentlich nicht möchte, aber ich will ja nichts verschweigen…), dann ist es höchstens, dass die restliche Audiospur mit dem grandiosen Soundtrack nicht ganz mithalten kann. Vor allem während der Autorennen klingt der Film leider etwas dünn. Aber das ist Heulen auf hohem Niveau, ich halte „The Wraith“ alles in allem trotzdem für einen faszinierenden Film, der nicht trotz, sondern wegen seines naiven Innenlebens so gut funktioniert. Oder um es mit den Worten von Skank (David Sherrill) zu sagen: „Jesus, this shit’s got some kick!

Bild © Marketing

Detektive (Rudolf Thome, Deutschland 1969)

Posted by – 23. Januar 2017

Nach meinen ersten zwei Filmen von Rudolf Thome – „Das rote Zimmer“ und „Der Philosoph“ –, die sich in gewisser Weise sehr ähnelten, glaubte ich schon, ihn auf ein Thema festlegen zu können. Thome dreht „Liebesutopien“ habe ich mir damals gedacht und hoffte seitdem, diese Hypothese mal verifizieren zu können. Nachdem ich nun sein Debüt, „Detektive“, gesehen habe, scheint meine Annahme be- und widerlegt zugleich.

Der Film handelt von den Privatdetektiven Sebastian West (Marquard Bohm) und Andy Schubert (Ulli Lommel) sowie ihrer Sekretärin Micky (Uschi Obermaier), die in ihrem ersten Fall im Auftrag von Busse (Peter Moland) zunächst seine Flamme Annabella Quant (Iris Berben) beschatten, dann aber umschwenken und Annabella vor dem angeblich aufdringlichen Busse beschützen. Noch ehe dieser erste Fall so richtig gelöst ist, verfranzt sich das mittlerweile zum Quintett angewachsene Detektiv-Duo gleich in seinen nächsten Fall: Der alte, wohlhabende Krüger (Walter Rilla) verdächtigt seine Geliebte, Christa (Elke Haltaufderheide), ihm an die üppige Lebensversicherung zu wollen. Was genau ihnen wichtig ist – das Geld, die Frauen, Ruhm & Ehre oder Abenteuer,… –, das wissen die Detektive zum diesem Zeitpunkt auch noch nicht so genau…

„Kein Staub nirgends, alles rotzfrech“, schreibt Michael auf Nachtsichtgeräte. Und weil ich das gar nicht treffender formulieren kann, zitiere ich einfach mal weiter: „Kesse Mädels, schnoddrige Pseudo-Machos, Wummen gegen das Establishment, Knete, und zwischendurch mal kurz ein Nümmerchen. Aber bloß kein Aufhebens drum machen, denn in zehn Minuten sieht schon wieder alles anders aus! Dazu flotter Jazz von der Tonspur und Wodka, der direkt aus der Flasche getrunken wird.“  Dieser kurze Abschnitt gibt das Gefühl, das ich beim Sehen von „Detektive“ hatte, sehr gut wieder. Der Krimi-Plot tritt, auch wenn er überraschend komplex und für die Geschehnisse alles andere als unwichtig ist, schnell in den Hintergrund. Es sind die lässigen Typen und undurchschaubaren Frauen, die die Blicke auf sich ziehen und den Zuschauer durch den Film führen. Meine persönlichen Highlights waren Uschi Obermaier als Doppelagentin bzw. –assistentin Mickey und Peter Moland als schnöseliger Busse, den ich nach einiger Zeit sogar noch cooler fand als die möchtegerncoolen Möchtegerndetektive.

Aber vielleicht sollte man die Geschichte vor lauter Style doch noch nicht ganz vergessen, schließlich geht es um was. Nichts ist hier so richtig wichtig – der Detektivjob ist es nicht, das Geld ist es nicht, weder Freundschaft noch Liebe ist es –, aber vielleicht ist gerade das von Bedeutung, dass hier nichts zählt, die Figuren sich trotzdem nicht einfach zur Ruhe legen und gar nichts tun. Über die formale-filmgeschichtliche Seite angenähert, könnte man wie Thomas in seinem Filmtagebuch sagen, es sei „die Liebe zum amerikanischen Kino durch die französische Brille“; und auch, wenn ich mich weder mit den französischen noch amerikanischen Referenzfilmen wirklich auskenne, sagt mir mein Gefühl, dass das irgendwie stimmt. (Irgendwie will mir mein Hirn gerade sogar weismachen, dass Thomes Film Ähnlichkeiten mit Jean Rollins Detektiv-Geschichte hat..) hat da etwas vor Augen, das er schon mit diesem Debüt nach einem Drehbuch von Max Zihlmann erkundet, aber ich weiß nicht, ob es wirklich die Liebe zum Medium ist als vielmehr eine neugierige Zugewandtheit zu ihm, weil man mit ihm etwas tun kann, was man in der echten Welt nur mit sehr großem Risiko tun kann, nämlich die Welt und ihre Ideen – für sein Debüt zunächst einmal im sicheren Rahmen des Genrekinos – erkunden.

Ich bleibe dabei: Thomes Filme sind Utopien. Allerdings geht es nicht allein um die Liebe zwischen den Menschen. In seinen Filmen – davon legt schon sein schnoddriges Debüt eindrucksvoll Zeugnis ab – geht um die Sehnsucht, die Sehnsucht zu anderen Beziehungen, einem anderen Kino und vielleicht auch ganz einfach einer anderen Welt. Wie genau die aussehen soll, das wissen Thomes Figuren nicht so recht, soviel ist jedoch klar: wo auch immer die Expedition hingehen soll, nur zusammen…

Bild © ZWEITAUSENDEINS