Sisters (Brian de Palma, USA 1973)

Posted by – 10. Mai 2013

SistersIch versuche gerade ein paar meiner Bildungslücken in Sachen Brian de Palma zu schließen. Da stolpere ich vor ein paar Tagen doch zufällig in einem kleinem Weddinger Laden für gebrauchte CDs und DVDs über seinen mir bisher unbekannten Thriller „Sisters“. 2,90 Euro.

Der Film handelt zunächst von Danielle (Margot Kidder), die einen Mann namens Philip (Lisle Wilson) bei der TV-Show „Peeping Tom“ kennen lernt.  Die darauf folgende Liebesnacht überlebt Philip nicht. Danach verschiebt sich die Perspektive: Danielles Nachbarin, die Journalistin Grace Collier (Jennifer Salt), hat den Mord beobachtet und beschuldigt Danielle. Doch die Polizei glaubt ihr nicht. Der Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt schon etwas schlauer als Grace, der weiß nämlich, oder darf zumindest begründet vermuten, dass für den Mord nicht Danielle, sondern ihre Zwillingsschwester Dominique verantwortlich ist. Zusammen mit dem Detektiv Joseph Larch (Charles Durning) versucht sie das auch zu beweisen. Während Larch dem Sofa folgt, in dem beide die Leiche vermuten, macht sich Grace auf den Weg in die Anstalt, in der Danielle und ihre Schwester damals gewohnt haben.

Auch in diesem frühen Film von ihm lassen sich schon viele seiner Trademarkts auffinden: Hitchcock-Zitate, tolle Kamerafahrten, das Zwillingsmotiv, Splitscreens.  Und auch das Wirre, das Irre, das psychologisch Abstruse, sexuell Aufgeladene, dümmlich Genialistische, das in vielen späteren Filmen – mal mehr mal weniger – vorhanden ist, findet sich hier. Was ich an „Sisters“ allerdings vor allem bemerkenswert finde, ist, wie stark  der (schwarze) Humor ausgeprägt ist. Anfangs wähnt man sich noch in einem normalen Thriller, aber je weiter die Zeit voran schreitet, desto kurioser wird alles. Als Grace in der Anstalt angekommen ist, wird für den Zuschauer noch einmal erklärt, was dieser ohnehin schon vermutet: nämlich dass Danielle und Dominique einmal siamesische Zwillinge waren, aber irgendwann getrennt wurden. Seitdem ist Danielle verrückt und kann nicht so gut mit Männern. Und auch die Rolle des Herrn, der sich zuvor als ihr Mann ausgegeben hatte, Emil Breton (William Finley), wird klar: Eigentlich ist er auch noch Danielles Arzt. Soweit. Aber auf das Was kommt es im letzten Filmdrittel sowie viel weniger an als auf das Wie. In der Anstalt wird Grace dann für eine Patientin gehalten und später dann noch von Breton hypnotisiert. Die weitere Geschichte und die Rückblenden, gestalten sich für den Zuschauer als eine Art Rausch, bei dem man nie so ganz sicher sein kann, was davon wahr und was Traum war. Das ist alles ziemlich durchgeknallt und mündet schließlich in einer grandiosen Schlusssequenz, die ich jetzt mal hier nicht verrate, nachdem ich ja schon alles andere gespoilert habe. Und wenn ich auch während des Films lange Zeit nicht sicher war, ob mir „Sisters“ wirklich gefällt, spätestens am Ende war ich dann doch ziemlich amüsiert – und zufrieden. Die 2,90 Euro habe ich jedenfalls nicht bereit.

Bild © Indigo
 

Fascination (Jean Rollin, Frankreich 1979)

Posted by – 8. Mai 2013

Fascination

Der Betrüger Mark (Jean-Pierre Lemaire) flüchtet sich, von seinen ehemaligen Komplizen verfolgt, die Taschen voller Gold, in ein verlassen aussehendes Schloss. Ganz verlassen ist es dann aber doch nicht: Neben ihm befinden sich in dem Gemäuer auch noch Eva (Brigitte Lahaie) und Elisabeth (Franca Maï). Die beiden hübschen jungen Damen versuchen ihren Gast zu überreden, bis zum Abend zu bleiben, denn da kommen weitere Besucher in das Schloss und Mark könnte der Ehrengast bei dieser mysteriösen Zusammenkunft sein.

Jetzt bist du in der Welt von Elisabeth und Eva, in der Welt von Wahnsinn und Mord.

Im Zentrum des mitternächtlichen Fests – ich glaube, ich verrate hier nicht zu viel – steht natürlich ein Menschenopfer. Inspiriert wurde Jean Rollin, wie er in den Extras der DVD berichtet, zu seinem Film dadurch, dass es früher für einen Teil der Oberschicht wohl gang und gäbe war, regelmäßig ein Schlückchen frisches (Tier-)Blut zu trinken. Dadurch sollte der Alterungsprozess aufgehalten werden. Die Frauen in „Fascination“ wollen sich aber nicht mehr mit Ochsenblut begnügen, sondern opfern lieber einen Menschen. Die Rolle des Opfers war für den Strolch Mark vorgesehen, doch weil Elisabeth sich  in den hübschen, selbstsicheren Mann verguckt, läuft nicht alles ganz nach Plan.

„Fascination“ ist trotzdem wahrscheinlich kein Film über Frauen, die dem Schönheitswahn verfallen sind (obwohl – das vielleicht auch?), sondern eher einer – wie schon der Titel suggeriert – über die Anziehung des Verbotenen. Diese funktioniert reziprok: Trotz aller Warnungen und Anzeichen von Gefahr – schließlich hat Eva ihre Widersacher mal kurzerhand mit der Sense weggesäbelt – will Mark unbedingt bleiben und an der mitternächtlichen Zeremonie teilnehmen. Nicht nur er ist fasziniert vom Schloss, den schönen Frauen (auch ich habe mich etwas in Brigitte Lahaie verliebt), der geheimnisvollen Veranstaltung um Mitternacht und der Gefahr, in der er sich offenkundig befindet. Auch die Frauen, zumindest Elisabeth, für welche die Welt aus „Wahnsinn und Mord“ Normalität darstellt, ist angezogen vom Anderen in Form des jungen Mannes, der für eine Welt steht, die ihr ganz unbekannt ist. Insofern geht es in „Fascination“ meiner Ansicht nach weder um Gut und Böse, noch um Liebe wie hier und da zu lesen ist. Es geht um den Reiz des Unbekannten, den Magnetismus des Fremden, den Wunsch, dass es noch irgendetwas jenseits sattsam Bekannten geben möge. In einer der plakativsten aber trotzdem schönsten Szenen des kommt das Ying und Yand des Films sehr gut zum Ausdruck: Da steht  Eva, nackt und unschuldig wie die erste Frau, auf der Brücke zum Schloss – und schwingt die Sense. Leben und Tod, Lust und Grauen, Rein- und Verdorbenheit – all das steckt in diesem Bild. Auf der anderen Seite – und das ist, soweit ich mir das Kino von Rollin  bisher erschlossen zu haben glaube, eine etwas versteckte aber dennoch ebenfalls wesentliche Aussage des Films – geht es hier nicht um die naive Sehnsucht einer (schwarzen) Romantik. Rollin scheint sehr genau zu wissen, dass die Vorstellung oft prunkvoller ist als die Wirklichkeit. Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es ja auch. Und so müssen sowohl Mark als auch Elisabeth schließlich erkennen , dass am Ende der Suche nach dem verheißungsvollen Unbekannten nur Enttäuschung steht.

Der Film hat mich zwar insgesamt etwas weniger fasziniert als „The Iron Rose“ und als es mich der Titel vermuten ließ. Gefallen hat er mir aber trotzdem. Im Moment scheint mir, dass man sich bei  diesem Film am besten einfach fallen lässt – und genießt. „Fascination“ war meine zweite Begegnung mit Jean Rollin. Nächste Station: „The Night Of The Hunted“.

Bild © X-NK
 

Dead Shadows (David Cholewa, Frankreich 2012)

Posted by – 5. Mai 2013

Dead Shadows

Auch bei Filmen gibt es bei mir so etwas wie Prokrastination. Statt einen guten oder wichtigen, schaue ich mir manchmal lieber einen schlechten Film an. Da verschmerze ich es eher, wenn ich hinterher nichts drüber schreibe. Auch „Dead Shadows“ war eigentlich als Prokrastinations-Film gedacht. Die Story: Damals in der Nacht, als ein Komet am Himmel erschienen ist, hat Chris seine Eltern verloren. Noch Jahre später ist der junge Mann (Fabian Wolfrom) traumatisiert. Dem erneuten Erscheinen eines Kometen sieht Chris deswegen mit großer Besorgnis entgegen. Zu Recht! Denn mit Eintreffen des Himmelskörpers bricht die Hölle los. – Und das ist dann stellenweise so bizarr, dass ich jetzt doch zwei Sätze dazu schreiben möchte. „Dead Shadows“ ist schlecht. Richtig übel. Er erinnert an ein unförmiges Monster, das aus Teilen von „Slithers“, „Grabbers“, „Attack The Block“, „The Thing“, „The Signal“ und noch etlichen weiteren Titeln ungelenk zusammengebaut wurde. Alles schon irgendwo gesehen, aber selten so amateurhaft. Die Schauspieler agieren wie Leute, die zum ersten Mal in einem Film mitspielen, die Musik wabert nebenher und scheint aus ganz anderes Sphären zu kommen. Die Story ist wirr, so etwas wie eine Dramaturgie existiert praktisch nicht. Eine Zeitlang habe ich deswegen sogar überlegt, ob ich „Dead Shadows“ einfach ausmache…

…doch dann zaubert der junge Franzose David Cholewa in seinem Debüt auf einmal Szenen aus dem Hut, die von apokalyptischer Schönheit sind. Irgendwann im letzten Drittel wird „Dead Shadows Dead Shadows“ zu einem psychotischen (Body-)Horror-Trip, der es in sich hat. Meine Lieblingsszene: Chris sitzt nach dem Kampf mit paar Typen erschöpft in einer Ecke, als ein Wesen, halb Frau, halb Spinnenmutant auftaucht, das Carpenters „The Thing“ entsprungen sein könnte. Doch das Wesen greift ihn nicht etwa an, sondern schmiegt sich zärtlich an seinen Rücken. Erst in diesem Moment habe ich erahnt, worum es Cholewa eigentlich geht. Die Monster des Films, sie alle haben irgendwie mit Chris zu tun. Vielleicht ist sogar er der Ursprung allen Grauens – weil er es als Kind selbst erlebt hat – und „Dead Shadows“ ist am Ende eine seltsame Variante des Coming-of-Age-Films? Wenn zum Schluss die Apokalypse über die Welt hereinbricht, wirkt das jedenfalls nicht wie das Ende von allem, sondern wie ein vielversprechender Anfang – zumindest für Chris.

Ich will „Dead Shadows“ nicht gutreden und würde ihn auch nicht weiterempfehlen, aber so schlecht wie ich am Anfang dachte, war er dann doch nicht. Ja, es gibt sogar einiges zu entdecken. Und dass er an ein paar Stellen an die Filme John Carpenters erinnert, ist, wie man in den Extras der DVD erfährt, auch kein Zufall: Cholewa ist nämlich ein ganz großer Fan von ihm. Und Carpenter-Fans kann man ja eigentlich nichts übel nehmen.

Bild © Mad Dimension
 

Star Trek Into Darkness (J. J. Abrams, USA 2013)

Posted by – 4. Mai 2013

star trek into darknessDer neue „Star Trek“ trägt den Untertitel „Into Darkness“. Aber „Rüpel im Weltraum“ hätte auch gepasst.

Eigentlich sollte Captain James T. Kirk (Chris Pine) seines Kommandos über das Rauschiff Enterprise enthoben werden, weil er mal wieder nicht auf die erste Direktive geachtet hat. Als dann aber die Föderation vom Superterroristen John Harrison (Benedict Cumberbatch), einem ehemaligen Mitglied der Flotte bedroht wird, darf Kirk doch Captain des Schiffs bleiben. Zusammen mit seiner Crew, dem Vulkanier Spock (Zachary Quinto), dem Bordarzt Leonard „Pille“ McCoy (Karl Urban), Lt. Nyota Uhura (Zoë Saldaña), Ensign Pavel Chekov (Anton Yelchin) und Lt. Hikaru Sulu (John Cho) düst er los Richtung Heimatwelt der Klingonen, wo sich Harrison mutmaßlich aufhält. Nur Chefingenieur Lt. Montgomery „Scotty“ Scott (Simon Pegg) bleibt zu Hause. Der ist sauer auf Kirk, weil dieser erlaubt hat, die Enterprise mit unbekannten Torpedos zu bewaffnen.

Manch einer sagt, Regisseur, Autor und Produzent J. J. Abrams stehe für die Zukunft des Kinos. Mit „Alias“ und vor allem „Lost“ hat er der Serienwelt neue Impulse gegeben. Und auch der vor sich hinsiechenden „Mission: Impossible“-Reihe hat er einen modernen Anstrich verpasst. Richtig warm geworden bin ich mit Abrams’ Filmen bisher allerdings nicht. Durch seinen „Star Trek“-Reboot  ist mir jetzt bewusst geworden, dass er für mich – nicht böse sein, liebe Abrams-Fans – weniger Erneuerer als vielmehr eine Art „Gozer“ des Kinos ist. Abrams reißt alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist, vergisst aber leider oft, hinterher wieder etwas Gleichwertiges aufzubauen. Aber ehe ich mich in solch abstrakten Aussagen verliere, hier mal ein paar Beispiele dazu, was mir am neuen „Star Trek Into Darkness“ (das wie der erste auf einem Drehbuch der Söldner Roberto Orci, Alex Kurtzman und – diesmal neu hinzugekommen – Damon Lindelof beruht) nicht gefällt.

Zugeben, der Film hat mich schon in den ersten Minuten verloren. Da rennen Pille und Kirk auf irgendeinem Planeten, alles hübsch bunt, durch den Wald – verfolgt von Eingeborenen. Plötzlich taucht ein großes Tier vor Kirk auf, das von ihm ohne Zögern erschossen wird. Pille weist Kirk kurz darauf hin, dass dieses Tier ihnen zur Flucht verholfen hätte, aber hey, was soll’s, weiter geht’s. Diese Szene, die für einen Lacher sorgen sollte, ist symptomatisch für den gesamten Film, in dem für einen kleinen Gag oder eine mittelgroße Sensation alles geopfert wird: Der Charakter der Figuren, die erste Direktive, ein Leben, der Frieden, egal: Hauptsache es wummst. Die Werte, die der Film – ob absichtlich oder fahrlässig – propagiert, sind damit keine, die irgendetwas mit dem alten „Star Trek“-Universum zu tun haben. Abrams’ Figuren sind einfach nur noch Rüpel im Weltraum: Kirk ist ein von Rachegedanken getriebener Cowboy, Pille spielt kaum mit und der ursprünglich emotionslose Vulkanier hat sich in dieser alternativen Star-Trek-Realität erst zum brodelnden Vulkan, dann zur Heulsuse entwickelt. Der lustvoll overactende Benedict „Sherlock“ Cumberbatch macht da noch den besten Eindruck. Und Uhura, neben dem neuen Besatzungsmitglied Carol Marcus (Alice Eve) die einzige Frau im Film, darf Ohrringe tragen und zum Schluss mal auf den Bösewicht schießen, womit  sich ihre Rolle ganz gut zusammenfassen lässt.

Ich könnte das alles auch einfach mit einem Achselzucken abtun, wenn „Star Trek Into Darkness“ wenigstens genug visuelle Ideen parat hätte, die für mich einen Film ganz wesentlich ausmachen. Und in der Tat ist dies der einzige Bereich, wo der Film an einigen Stellen Punkte machen kann. Eine (leider sehr kurze) Raumschlacht kann hier genannt werden; oder auch das Faustduell zwischen Spock und dem bösen Harrison. Für einen 130 Minuten langen Film sind ein paar Action-Fitzelchen allerdings zu wenig, zumal es keine wirklich interessante Geschichte gibt, die die Zeit bis zur nächsten Action-Szene überbrückt. Und wenn man an die Tonnen von Geld denkt, die in dieses Projekt geschüttet worden sind, ist es fast schon verwunderlich, wie wenig spektakulär „Star Trek Into Darkness“ daherkommt. Eine handvoll Szenen sehen nach hochwertiger CGI-Arbeit aus, andere wieder gar nicht. Und auch das 3D scheint mir nicht immer gelungen, vor allem wenn an den Bildrändern nach einem Zoom verschwommene 3D-Nasen ins Bild ragen.

Soweit so schlecht. Wer das hier liest, sollte sich allerdings trotzdem nicht zu sehr abschrecken lassen. Als Indikator dafür, ob er gefällt oder nicht, nehme man am besten den ersten Teil des Reboot in Augenschein. Ich vermute: Wer diesen „Star Trek“-Film mochte (warum auch immer), der wird den Into Darkness voraussichtlich noch besser finden. Ich habe schon mit dem ersten gefremdelt, und da Abrams hier den beschrittenen Weg weitergeht, ist es kein Wunder, dass ich damit immer noch nichts anfangen kann. Abrams macht alles kaputt und verkauft dem Zuschauer die Trümmer als zeitgemäße Kunst. Operation gelungen, Patient tot. Und das Publikum? Amüsiert sich prächtig. Und jetzt liegt auch das von Gene Roddenberry so liebevoll erdachte und von Rick Berman einfallsreich ausformulierte Star-Trek-Universum in Schutt und Asche. Düstere Zeiten für Science-Fiction-, pechschwarze für Star-Trek-Fans. Ja, der neue „Star Trek“ führt wirklich direkt in die Dunkelheit. Insofern passt der Titel doch. Ich will da nicht mit. Ich bin raus.

Bild © Paramount Pictures 
 

Es wird eng! (3)

Posted by – 4. Mai 2013

Ich möchte mich wieder mal von einigen DVDs, BDs und einem PS3-Spiel verabschieden. Zur Auswahl stehen:

es wird eng 3

Wenn du etwas davon geschenkt haben möchtest: Wünsch dir bis zu 3 Filmen und schreib mir als Kommentar unter diesen Post kurz, warum die Filme gerade bei dir besonders gut aufgehoben wären. Und lasst eine funktionierende E-Mail-Adresse da. Ansonsten alles wie beim letzten Mal. Ich entscheide, wer was bekommt.

Iron Man 3 (Shane Black, USA 2013)

Posted by – 3. Mai 2013

iron man 3Tony Stak kann nicht schlafen. Seit seinen Erlebnissen in „The Avengers“ wird er von Angstattacken geplagt. Und auch seine Beziehung zu Pepper (Gwyneth Paltrow) steht nicht zum Besten. Ausgerechnet jetzt wird Amerika von dem geheimnisvollen Mandarin (Ben Kingsley) bedroht. Als Starks Freund und Bodyguard (Jon Favreau) bei einem Anschlag des Mandarin schwer verletzt wird, fordert er den Superterroristen heraus – und sieht bald darauf sein Heim in Schutt und Asche gelegt. Kann der Multimillionär auch ohne seine Rüstung dem Bösen Paroli bieten?

Eigentlich wollte ich das Blog mit einer schwungvollen „Iron Man“-Retrospektive rocken an deren Ende dann der glorreiche dritte Teil rezensiert worden wäre. Aber wie das immer so ist. Lust und Laune sind so unberechenbar wie das Wetter, weswegen ich die  Besprechung zu Teil eins und zwei erst einmal verschiebe und bezüglich des dritten auf meine Kritik bei Kino-Zeit.de und meine Unterhaltung mit Michael, Patrick und Sophie verweise. Nur soviel: Mir hat der Shane Blacks Sequel  ziemlich gut gefallen. Black ist nicht nur ein würdiger, sehr unterhaltsamer, sondern auch ein cleverer „Iron Man“-Teil gelungen: Stark gespielt, hervorragende, spritzige Dialoge, explosiv und trotzdem mit Gespür für den einen oder anderen ruhigen Moment. „Iron Man 3“ ist nicht ohne Fehler. Aber wie auch der „Iron Man“-Rüstung ihre Dellen habe zumindest ich dem Film ein paar Macken gern verziehen. Alles weitere am angegebenen Orte.

Bild © Concorde
 

The Red Queen Kills Seven Times (Emilio Miraglia, Italien 1971)

Posted by – 28. April 2013

The Red Queen 2Ein verlockender Titel, ein paar guten Kritiken und ein gesundes Grundinteresse am Giallo haben mich neugierig gemacht auf Emilio Miraglias „The Red Queen Kills Seven Times“ (OT: La Dama rossa uccide sette volte). Der Film handelt von der Familie Wildenbrück. Im Mittelalter soll es zwei Schwestern gegeben haben, die schwarze und die rote Königin. Die schwarze ermordete ihre rote Schwester, doch diese kam von den Toten zurück, tötete zunächst sechs Unschuldige – bevor sie sich an Schwester rächte. Einer Legende nach wiederholen sich diese Geschehnisse alle hundert Jahre. Auch im zwanzigsten Jahrhundert hat sich die Prophezeiung zumindest schon zum Teil erfüllt, denn aus Versehen brachte Kitty Wildenbrück (Barbara Bouchet) ihre Schwester Evelyn um. Als plötzlich weitere Personen grausam ermordet werden, scheint sich die Familienlegende wieder einmal zu erfüllen.

Ich kann gar nicht genau sagen wieso, aber irgendwie ist der Film an mir vorbeigerauscht und ich habe keinen Moment gefunden, in dem ich wirklich einsteigen konnte. Vielleicht habe ich ihm einfach nicht die nötige Aufmerksamkeit entgegengebracht. Eigentlich waren alle wichtigen Giallo-Ingredienzien vorhanden, die Stimmung stimmte, der Film spielt im schönen Würzburg, es gab eine Handvoll atmosphärischer Momente und viele Tote (schon wieder 7!), der Score von Bruno Nicolai hat meine Ohren umschmeichelt und die Auflösung war gar nicht mal sooo doof. Trotzdem bin ich nicht reingekommen und kann am Ende nur sagen, dass „The Red Queen Kills Seven Times“ wahrscheinlich sogar ein überdurchschnittlicher Giallo war – nur eben nicht mit mir kompatibel.

Das Beste am Film: Eine (Traum-)Sequenz, in der die rote Königin messerschwingend und in Zeitlupe einen Gang entlang läuft, die ich schon aus dem Trailer kannte, die ich gestern Nacht ironischer Weise sekundenschlafbedingt irgendwie verpasst haben muss, so dass ich sie mir gerade noch mal herausgesucht habe. Schade, dass es in „The Red Queen Kills Seven Times“ nicht mehr solcher Momente gegeben hat. Dann hätte es etwas werden können mit mir und der roten Königin.

Bild © Eyecatcher Movies
 

Berberian Sound Studio (Peter Strickland, Großbritannien 2012)

Posted by – 28. April 2013

Berberian Sound Studio„Berberian Sound Studio“ – ein Film über die Macht von Gemüse?

Der Tontechniker Gilderoy (Toby Jones) reist nach Italien, um den Giallo „The Equestrian Vortex“ von Meisterregisseur Santini (Antonio Mancino) zu vertonen. Zusammen mit Produzent Francesco (Cosimo Fusco) macht er sich ans Werk. Doch schon bald verliert er sich immer mehr in der Geräuschwelt des Films. Und auch in der Realität beginnen ihm die Dinge seltsam vorzukommen. Verliert er den Verstand?

Viel passiert nicht in Peter Stricklands Film. Die meiste Zeit verbringt man damit, Gilderoy bei der Arbeit zuzusehen oder viel mehr – zuzuhören. Synchronsprecherinnen kommen und gehen, Gilderoy prügelt, zerhackt, zerstückelt derweil verschiedene Gemüsesorten, um den perfekten Sound für den Film zu finden. Außerdem versucht er seine Reisekosten erstattet zu bekommen, was sich als ziemlich schwierig herausstellt. Doch irgendwas passiert mit Gilderoy. Die Welt um ihn herum erscheint ihm immer seltsamer. Hat das mit dem Film zu tun? Für ihn wird es ständig schwieriger zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Nach und nach wird aus ihm ein anderer. Am deutlichsten wird das wohl in der Szene, in der der sonst so schüchterne Mann plötzlich eine der Frauen, die für die Schreie im Film zuständig ist, durch quälende Geräusche über den Kopfhörer zu Höchstleistungen ankurbeln will.

Auf einer abstrakten Ebene ist mir der Film sehr sympathisch. Unser Gehirn braucht nicht nur visuelle Reize, um die überzeugende Illusion der Wahrheit eines Films zu konstruieren. Wie wichtig hierfür auch akustische Signale sind, merken wir in jedem Horrorfilm – und das zeigt uns Strickland auch kunstvoll in „Berberian Sound Studio“. Verglichen mit den Neo-Gialli „Amer“ und „Masks“ schneidet er meinem Geschmack nach jedenfalls recht gut ab. So ganz hin und weg bin ich aber trotzdem nicht. „Katalin Varga“, Stricklands Debütfilm, hat mich vor ein paar Jahren auf der Berlinale bereits ratlos zurückgelassen. Das hat der Regisseur mit „Berberian Sound Studio“ nun erneut geschafft. Worum geht es Strickland und worum geht es in seinem Film? Keine Ahnung. Ist es eine Homage an Gruselfilme im Allgemeinen und den Giallo im Besonderen? Bestimmt zumindest zum Teil. Geht es um die Macht der Geräusche und jemanden, der sich im Universum der Klänge verliert? Wahrscheinlich auch nicht ganz falsch. Aber irgendwie verliere ich mich auch selbst beim drüber Nachdenken und komme zu keinem vernünftigen Ergebnis. Offenes Ende.

Zuschauer bzw. –hörer mit einem akustischen Faible werden diesen originellen Film bestimmt mögen. Mich hat dieses Experiment leider nicht komplett überzeugt und gestern Nacht vor allem müde gemacht – bin ich doch eher Freund von Bildern und Geschichten. „The Equestrian Vortex“ wäre insofern sicherlich eher etwas für mich gewesen. Aber jetzt: Silenzio.

Bild © Artificial Eye

The Phantom (Paolo Barzman, USA / Kanada 2009)

Posted by – 28. April 2013

The PhantomVor vielen Jahren habe ich auch mal das eine oder andere „Phantom“-Comic gelesen. Insofern hatte ich zumindest ein Grundinteresse an diesem zweiteiligen Film. Manchmal sind es ja gerade die Sachen mit besonders schlechtem Artwork, die dann doch positiv überraschen. Leider hat die Comic-Verfilmung von Paolo Barzman selbst diese vage Hoffnung enttäuscht.

Chris Moore (Ryan Carnes) interessiert sich weniger für die Uni als mit seinem Kumpel über die Dächer der Stadt zu flitzen. Doch als ihm eine geheime Organisation mitteilt, dass er tatsächlich der Spross eines Superhelden „Phantom“ ist und seine Adoptiv-Eltern plötzlich  umgebracht werden, muss der junge Mann Verantwortung übernehmen und sich entscheiden, ob er das Erbe seiner Vorfahren antreten will.

Es gibt eine ganze Reihe von „Phantom“-Verfilmungen. Ohne einen davon gesehen zu haben, erlaube ich mir trotzdem anzunehmen, dass Barzmans Umsetzung zu den schlechtesten gehört. Hier stimmt eigentlich gar nichts. Story (dumm), die Figuren (uninteressant), die Schauspieler (mäßig), das Design (billig) usw. Dabei fand ich zumindest  den Anfang, als die Hauptfigur als junger, eigensinniger Parcours-Sportler vorgestellt wird,  noch ganz interessant. Doch damit ist es spätestens vorbei, als er auf eine Geheimorganisation trifft, die ihn mit seinem Erbe vertraut macht und er in seinen kugelsicheren, kraftverstärkenden, aber trotzdem völlig deppert aussehenden Trainingsanzug schlüpft. Mein persönliches Highlight am Film? Dass Chris, wenn er nicht gerade in seinem Kostüm unterwegs ist, eine lila Mütze auf hat. Corporate Color quasi. Bis auf die lustige Mütze ist „The Phantom“ leider ein ziemlich mickriges Filmchen. Selbiges war als Pilot für eine Serie gedacht, die verständlicherweise nie produziert wurde.

Bild © Koch Media
 

Oblivion (Joseph Kosinski, USA 2013)

Posted by – 17. April 2013

oblivionDie Erde wurde angegriffen. Die Menschheit hat gegen die Aliens gewonnen – doch  ihre Heimat liegt nun in Schutt und Asche. Während sich ein Großteil der überlebenden Menschheit auf den Weg zum Mond Titan gemacht hat, halten der Techniker Jack (Tom Cruise) und seine Frau Victoria (Andrea Riseborough) die Stellung auf der Erde. Sie überwachen den Abbau wertvoller Ressourcen,  halten die Maschinen in Gang und verteidigen diese gegen Plünderer. Dann fällt plötzlich eine Frau vom Himmel (Olga Kurylenko), die Jack aus seinen Träumen zu kennen glaubt…

Diebstahl von Ideen, Unoriginalität, Logiklöcher & Plotholes, Tom Cruise, Style Over Substance… – „Oblivion“ Joseph Kosinski hat sich schon so einiges vorwerfen lassen müssen. Hinzu kam noch die peinliche Sache mit der Graphic Novel, auf der die Story angeblich beruhte, bei der es sich dann aber doch nur um ein paar-seitiges Werbematerial handelte. Ich will jetzt gar nicht einzeln auf alle Punkte eingehen und auch nicht meine eigenen Kritikpunkte an den Film ausführen (die Action-Szene mit den drei Drohnen, Morgan Freeman). Ich möchte nur sagen, dass es mir manchmal recht willkürlich zu sein scheint, ob man das Werk eines Filmemachers als cleveres Zitatkino, liebevolle Hommage oder eben als Plagiat einstuft. In diesem Falle finde ich es jedenfalls nicht schlimm, dass Kosinski vor vielen Science-Fiction-Klassikern würdevoll seinen Hut zieht. Mir hat das Wiedererkennen der Vorlagen jedenfalls Spaß gemacht.

Im Zusammenhang mit dem „Das haben wir doch alles schon gesehen“-Vorwurf möchte ich auch noch meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass damit allem Anschein nach auch die Grundidee des Films gemeint ist. Meiner Meinung nach ist sie weder aus einem anderen Film „geklaut“ noch kann man ihr eine gewisse Cleverness absprechen. Jetzt muss ich mal spoilern: Es geht ja im Wesentlichen darum, dass sich außerirdische Invasoren der Menschen selbst bedienen, um die Erde zu erobern bzw. auszubeuten. Sie nutzen genau das, was sie beim Erstkontakt vorfinden: Ein Spaceshuttle und die darauf befindlichen Informationen – inklusive Besatzung. Sehr treffend lässt sich ein großer Teil des Films, verstärkt durch die kühlen, technisch-glatten Bilder, deswegen auch als Metapher der Entfremdung des Menschen von sich selbst interpretieren. Der Mensch wird als Instrument einer fremden Macht zu seinem eigenen Feind. Ohne es zu wissen. Schon dieser Teil des Plots ist meiner Meinung nach gute Science Fiction. Kosinski hebt seine Geschichte allerdings noch auf eine höhere Ebene. Denn: Warum merkt der Mensch eigentlich nicht, dass er manipuliert wird? Warum schöpft er keinen Verdacht? Ganz einfach: weil er vergisst.

Er vergisst und zwar alle fünf Jahre. Und hier kommen wir zum Titel – „Oblivion“. Im Film sind die Aliens dafür verantwortlich, weil sie ihre menschlichen Werkzeuge alle fünf Jahre einer Gedächtnislöschung unterziehen. So wird aufkeimender Verdacht im Keim erstickt. In der Zwischenzeit reicht eine gute Geschichte aus den Bestandteilen Mann, Frau, wichtiger Job, Zukunftsplan und Hoffnungen, um die Protagonisten auf Spur zu halten. Im Film sind es Aliens, die Menschen vergessen lassen, aber in Wirklichkeit vergisst die Menschheit auch ganz gut allein, oder? Und auf einmal ist „Oblivion“ nicht einfach nur gute Science Fiction, sondern ein tiefenpsychologischer Ökothriller und eine drastische Gesellschaftskritik, die man hinter den spiegelnden Oberflächen des Films nicht so leicht erkennt. Dort sieht man nur sein eigenes Gesicht.

Bild © Universal Pictures