Ghost (Jerry Zucker, USA 1990)

Posted by – 30. Juli 2014

Wie oft ich diesen Film mittlerweile gesehen habe, weiß ich schon gar nicht mehr. Aber an das erste Mal werde ich mich immer erinnern: „Ghost“ gehört zu den wenigen Filmen, die ich als 15-jähiger von meinem Taschengeld nicht einmal, sondern gleich zweimal kurz hintereinander im Kino gesehen habe. Das ist mir auch deswegen so gut in Erinnerung, weil ich ein paar skeptische Freunde mit einiger Anstrengung überredet habe, mich beim zweiten Kinobesuch zu begleiten („Ich verspreche euch, der wird euch gefallen…“), und weil es hinterher etwas Ärger gab („Wir hören nie wieder auf deine Empfehlungen!“). Wahrscheinlich wurde meiner Karriere als Filmkritiker hier der Weg geebnet. Hier zeigte sich erstmals mein missionarischer Eifer Leute von meinem Zeug zu begeistern, zweitens meine Frustrationstoleranz bezüglich ihrer Geringschätzung meiner Tipps und drittens meine Gabe, filmische Meisterwerke zu erkennen. Wie im Falle von „Ghost“. Gestern Abend, 25 Jahre nach Erstsichtung, habe ich ihn mal wieder entzückt angeschaut. Immer noch wahnsinnlich gut. Er ist so toll geschrieben, auf den Punkt inszeniert, und die Besetzung ist ein echter Coup! Und nicht nur mir hat er gefallen. Auch Daniel und Sebastian von unserem kleinen aber feinen Twitterfilmclub, die ihn gestern auch gesehen haben, waren begeistert. Das hätte bestimmt ein lustiges Bild abgeben: drei heulende Kerle, die flennen, weil Molly und Sam sich so lieb haben.

Für Filmstarts habe ich 2007 was zu „Ghost“  geschrieben (klickst du hier!), sehe ich im Prinzip heute alles noch genauso.

Final Destination (James Wong, USA / Kanada 2000)

Posted by – 28. Juli 2014

Final Destination„Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt“ – Arthur Schopenhauer

Fast fünfzehn Jahre hat es gedauert (Mann, wie die Zeit vergeht!), bis ich „Final Destination“ gestern Abend noch einmal gesehen habe. Damals auf dem Fantasy Filmfest hat er mir recht gut gefallen und ich erinnere mich noch, wie spannend ich ihn seinerzeit fand. Und auch das Quäntchen Humor – nicht zu viel, nicht zu wenig – war nach meinem Geschmack. Genauso nervenaufreibend wie beim ersten Mal finde ich ihn jetzt nicht mehr, dafür hatte ich mehr Gelegenheit, die Stimmung auf mich wirken zu lassen und mich auf Details zu konzentrieren.

Schon der Vorspann hat beim erneuten Sehen schwer beeindruckt. Der Wind weht durchs Zimmer und vermittelt dem Zuschauer ein Gefühl davon, dass manchmal nur ein Hauch über Leben und Tod entscheidet. Die folgende halbe Stunde gehört dann auch mit zum Besten, was ich aus dem Grusel/Mystery-Bereich kenne: Die „Zeichen“, die Protagonist Alex (Devon Sawa) am Flughafen und dann im Flugzeug bemerkt und (richtig) deutet – das ist alles ganz wunderbar inszeniert, dezente Andeutungen und donnergrollende Omen halten sich perfekt die Waage. Das ist wie wenn ich selbst im Flugzeug sitze. Meine panikgeschärfte Wahrnehmung sieht auch überall Zeichen der drohenden Katastrophe: Sehen die Passagiere vertrauenerweckend aus? Hat der Captain nicht etwas müde Augen? Das Geräusch beim Einfahren des Fahrwerks, ist das nicht anders als sonst? Und genauso ergeht es Alex. Er sieht voraus, dass es ein Unglück geben wird und verlässt mit ein paar Mitschülern und einer Lehrerin das Flugzeug, welches tatsächlich kurz nach dem Start explodiert. Doch die dem Tode knapp Entronnenen haben lediglich eine kurze Gnadenfrist bekommen. Denn der Sensenmann lässt sich nicht so gerne ins Handwerk pfuschen…

„Final Destination“ hat ein großartiges, vor allem im Auftakt unglaublich präzises Drehbuch, das von Jeffrey Reddick eigentlich für eine „Akte X“-Folge geschrieben wurde. Statt einem fassbaren Bösewicht ist es hier Gevatter Tod selbst, der für das Ableben der Figuren verantwortlich ist. Alex hat am Flughafen einige seiner Mitschüler gerettet, doch ihre Zeit war ohnehin abgelaufen, und jetzt holt sich der Sensenmann, was eigentlich bereits das Seine war. Dabei tritt er nie in Erscheinung, er ist nicht mehr als ein Luftzug, ein dunkler Schatten, ein Tröpfchen Wasser. Er ist der Zufall, die Kausalkette, die über einige Umwege doch immer zum Tod seines Opfers führt. Ein wenig merkt man der Story zwar an, dass sie eigentlich für ein kürzeres Format gedacht war, aber immer wieder, wenn man denkt, ihm würde die Puste ausgehen, holt der Film noch einmal ganz tief Luft und überrascht den Zuschauer mit einem neuen spektakulär-überraschenden Todesfall. Sehr gelungen finde ich dabei den Witz, der dezent, aber doch vorhanden, das Sterben wie auch den Weg dorthin begleitet. Oft stört mich Humor in Horrorfilmen, aber hier machen sich James Wong und Jeffrey Reddick nicht über die Opfer lustig, sondern stellen in fast schon existenzialistischer Manier die Absurdität des Lebens und Sterbens generell heraus. Und im Finale wird – das ist mir bei zweiten Sehen erst aufgefallen – sogar der Sensenmann selbst ein wenig auf die Schippe genommen, wenn er von seiner anfänglichen Präzisionsarbeit abweicht und herrlich ungestüm Jagd auf seine Opfer macht.

Ein komisches Gefühl hat „Final Destination“ auch diesmal bei mir hinterlassen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich ihn zutiefst verstörend finde. Selten haben sich Menschen einem so übermächtigen Feind gegenüber gesehen wie dem Schicksal. Aber am Ende finde ich es fast auch ein wenig beruhigend, dass man ihm nichts entgegensetzen kann: Wenn die Feinmechanik unserer Lebensuhr die Glocke schlagen lässt, ist es mit mathematischer Gewissheit unwiderruflich vorbei. Den Tod überlisten, da man weiß, wie er arbeitet und weil man die Gleichung kennt? Unmöglich. Auch wenn es kurz den Anschein haben mag, jedes Schnippchen, das man dem Tod schlägt, ist nichts als ein weiteres Element im großen Plan. Insofern ist – und das ist mir auch erst bei dieser Neusichtung aufgegangen – „Final Destination“ auch irgendwie ein Film übers Filmemachen. Die elegante Macht des Schicksals ist vergleichbar mit der Macht des Filmemachers, der im Hintergrund die Fäden in der Hand hält und für die perfekte Illusion sorgt. Da ist es fast ein bisschen schade, dass der Tod im Film sichtbar eingreift und aktiv die Dinge beeinflusst. So zieht sich das Wasser, das für Tod Waggners („Tod“ ist in diesem Falle mal ein Vorname, gespielt wird die Figur von Chad E. Donella) Ableben verantwortlich ist, nach dessen Dahinscheiden wieder zurück. Hier flackert die Illusion des Films wie die des perfekten Kausalnexus kurz auf und lässt die im Hintergrund wirkenden Mächte schemenhaft hervortreten. Das ist für mich ein kleiner Riss in der sonstigen Eleganz und Makellosigkeit des Films. Dies und auch die eine oder andere Länge oder weniger gelungene Szene (z.B. Tony Todd als dem Zuschauer die Geschichte erklärender Bestatter) mindert den Gesamtgenuss geringfügig. Trotzdem: Ein wirklich gelungener Film, ich freue mich auf die Fortsetzungen!

Bild © Studiocanal

Village of the Damned (John Carpenter, USA 1995)

Posted by – 27. Juli 2014

Village Of The DamnedJohn Carpenter hatte seinen Zenit bereits überschritten als er sich zum zweiten Mal an dem Remake eines Klassikers versuchte. Nachdem ihm seine Version von „ The Thing“ Weltruhm bescherte, konnte er mit seiner Neuinterpretation von Wolf Rillas „Village of the Damned“ (1960) niemanden so recht beeindrucken. – Mit diesem Hintergrundwissen habe ich mir Carpenters Film (einer der wenigen, die ich bisher nicht kannte) angesehen und ich muss leider eingestehen: Viel zur Ehrenrettung dieses Werks fällt mir so überhaupt nichts ein.

Die Bewohner des Küstendorfs Midwich bereiten sich gerade auf ein Dorffest vor, als um Punkt 10 Uhr alle Menschen und Tiere für exakt 6 Stunden in Ohnmacht fallen. Weder der Dorfarzt Alan Chaffee (Christopher Reeves), noch die Wissenschaftlerin Dr. Susan Verner (Kirstie Alley) von der National Science Foundation haben dafür eine Erklärung. Und nun folgt eine Reihe unheimlicher Ereignisse…

Ich kenne die Romanvorlage „The Midwich Cuckoos“ von John Wyndham nicht. Die Idee, dass nach einer Massen-Bewusstlosigkeit alle Frauen des Dorfs schwanger sind und bald darauf zahlreiche Kinder von ähnlichem Aussehen geboren werden, die sich im Verlauf der Handlung als äußerst bösartig herausstellen, finde ich jedenfalls schon richtig klasse. Was mir vor allem daran gefällt, ist, dass die Frauen die Kinder bekommen und großziehen. Der genrekundige Zuschauer erkennt natürlich die Gefahr, und auch die Frauen scheinen zumindest eine Ahnung zu haben, doch die Kinder sind in ihnen gewachsen, sie haben sie auf die Welt gebracht und können nun nicht anders, als sie zu lieben. Die Mütter sind auf ihre „Kuckuckskinder“ geprägt. Aber das ist nicht Carpenters noch die Idee des Drehbuchautoren David Himmelstein gewesen und deswegen kann ich den Film schlecht hierfür loben. Loben kann ich ihn allerdings dafür, wie er sie in Szene setzt. Das macht er ordentlich, routiniert – leider auch konventionell und gemessen daran, was er eigentlich als Regisseur drauf hat, einfallslos. Ich bin beileibe kein Carpenter-Purist, der nur seine klaustrophobischen, von prägnantem Score untermalten Filme mag. Und ich rechne ihm auch nicht jeden peinlichen Macho-Moment über alle Maßen kritisch an. Aber „Village of the Damned“ hat bei mir trotzdem nicht gezündet. Wer weiß, hätte ich ihn als Kind gesehen, vielleicht hätte er sich auf ewig einen Platz in meinem Herzen erobert.

Einen Film zum ersten Mal sehen, ist ja immer einen wenig wie ein Samenkorn pflanzen. Schöne Sache! Trotzdem interessieren mich mehr die Früchte. Deswegen warte ich nun ein paar Jahre und gebe dem Film dann noch eine Chance. Mal sehen, was bis dahin aus ihm geworden ist.

Bild © Universal Pictures

F (Johannes Roberts, Großbritannien 2010)

Posted by – 25. Juli 2014

FAls der Lehrer Robert Anderson (David Schofield) die Klassenarbeiten austeilt, wird er von einem Schüler, den er hat durchfallen lassen, angegriffen. Die Eltern des Schülers drohen mit einer Klage, schließlich ist die Note „F“ ein Tabu im britischen Schulsystem. Einige Monate nach dem Vorfall nimmt Robert den Unterricht wieder auf, doch ganz erholt hat er sich von dem Vorfall nicht: Er hat ein massives Alkoholproblem, seine Frau (Juliet Aubrey) hat ihn verlassen und seine Tochter (Eliza Bennett), die auch seine Schülerin ist, hat sich von ihm abgewendet. Doch dann erhält Robert die Chance, sich zu rehabilitieren. Als eines Abends die Schule von mörderischen, vermummten Männern angegriffen wird, ist er der erste, der die Gefahr erkennt.

Der Amoklauf an der Columbine High School im Jahre 1999 war nicht der erste Amoklauf an einer Schule, doch man kann sagen, dass seit diesem grausamen Vorfall das Thema einen Platz im öffentlichen Bewusstsein hat. Der Dokumentarfilm von Michael Moore „Bowling for Columbine“ hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Es ist eine Wunde entstanden, die seit dem unaufhörlich schmerzt. Zumal der Amoklauf an der Columbine High nicht der einzige blieb. Wir haben Amokläufe an Schulen in Eching, Erfurt, Coburg, Emsdetten, Kauhajoki, Blacksburg, Winnenden, Newtown erlebt. Politiker, Pädagogen, Psychologen und Medienwissenschaftler grübeln, wie es zu den Taten kommen kann, und natürlich gibt es auch ein ganzes Regal voller Filme, die sich in der einen oder anderen Form mit dem Thema auseinandersetzen. Johannes Roberts „F“  gehört – seines reißerischen deutschen Untertitels „London Highschool-Massaker“ zum Trotz – nicht dazu.

Ehrlich gesagt stellt mich der Film vor ein Rätsel. Eine Auseinandersetzung mit Schulgewalt (in der einen oder anderen Form) ist er auf den ersten Blick ebenso wenig wie ein klassischer Slasher. Am Anfang wird man verleitet zu glauben, der Film würde einen Vorstoß in die dunkle Welt der Schule wagen, in ein System, in dem Menschen andere Menschen bewerten, sie aburteilen und körperliche wie seelische Gewalt an der Tagesordnung sind. Kein Wunder, wenn sich die Schüler irgendwann für die schlechte Behandlung rächen. Dann wieder wirkt der Film wie ein Sozialdrama. Ist es vielleicht der Lehrer selbst, der durch die unfassbar anstrengende Situation, die fehlende Anerkennung durch die Schüler und den nicht vorhandenen Rückhalt seiner Kollegen, in den Wahnsinn getrieben wird? Alles falsche Fährten! Die vermummten Gestalten, welche die Schüler überfallen und sich einen nach dem anderen vorknöpfen, sind wahrscheinlich keine Schüler; und dass Lehrer Anderson selbst der Täter ist, wäre nur dann möglich, wenn die Erzählung des Films eine absolut unzuverlässige ist. Aber auch als Slasher, als bloßes Effekt- und Spannungskino, macht „F“ eine komische Figur. Ich würde fast sagen: durchgefallen. Zwar mochte ich David Schofield als heruntergekommenen Lehrer und sehr gut gefallen hat mir die Musik, aber wirklich spannend oder – von der Irritation einmal abgesehen – inhaltlich interessant ist „F“ nicht.

„F“ steht im britischen Schulsystem für durchgefallen. Vielleicht geht es am ehesten noch um seinen Protagonisten Robert Anderson, der sowohl als Lehrer, aber vor allem auch als Ehemann und Familienvater versagt hat. Das „F“, das er am Anfang des Films einem Schüler mit einer spöttischen Bemerkung austeilt und das vermeintlich die Ereignisse in Gang setzt, ist eigentlich das Zertifikat seines eigenen Versagens. Insofern ist es nur folgerichtig, dass der Film so unvermittelt endet: Als er sich zum Schluss entscheidet, seine verwundete Tochter ins Krankenhaus zu fahren, anstatt, wie es Männer in Filmen so gerne tun, in größerem Maßstab zum Held zu werden, tut Anderson vielleicht zum ersten mal das absolut Richtige. So endet dieser wenig spannende, unentschlossen und unfertig wirkende Film immerhin noch mit einem Happy End.

Für die Akten: Irgendwann in den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2014 habe ich – nachdem ich zwecks Freischaltung der „ab 18“-Inhalte durch das extrem unkomfortable PostIdent-Verfahren 2 Mal persönlich zur Post und gefühlte 70 Mal Handy-Pins eingeben musste – „F“ über  Watchever angesehen. Vielleicht ist es auch der leichten PostIdent-Genervtheit oder der Müdigkeit, die mir seit ein paar Tage in den Knochen sitzt geschuldet, dass ich den Film nicht mit komplett offenen Augen und gebührend wachem Geist sehen konnte. Aber eines ist sicher: Ich werde mich immer an den Film erinnern, denn „F“ war der erste Film, den ich nach der Geburt meines Sohnes gesehen habe.

Bild © Universal Pictures

Grown Ups (Dennis Dugan, USA 2010)

Posted by – 5. Juli 2014

KindskpfeDie Freunde Lenny, Eric, Kurt, Marcus und Rob treffen sich nach dem Tod ihres Coachs, mit dessen Hilfe sie vor 30 Jahren die Basketball-Meisterschaft gewonnen haben, wieder. Sie beschließen, dem letzten Wunsch des Verstorbenen folgend, gemeinsam mit ihren Familien ein Wochenende auf dem Land zu verbringen und die Asche ihres Coachs auf einer Insel zu verstreuen. Das Wochenende wird turbulent – und das nicht nur, weil ihre damaligen Finalgegner der Meisterschaft sie zu einer Revanche herausfordern.

Über „Grown Ups“ hatte ich vor allem Negatives gelesen. Und da Komödien eh nicht meine Welt sind, ist es mir bisher nicht besonders schwer gefallen, die Finger von ihm zu lassen. Seit kurzem – wahrscheinlich sind es die Hormone – habe ich aber doch Lust auf leichte, gerne auch etwas alberne Filmkost. Tja, und so bin ich diesen Adam-Sandler-Film, den er zusammen mit seinem Stammregisseur Dennis Dugan und einem Haufen Kumpels (Kevin James, Chris Rock, David Spade, Rob Schneider, Salma Hayek, Maria Bello, Maya Rudolph) gedreht hat, geraten. Und, was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht, meine Erwartungen wurden sogar um einiges übertroffen. Ich fand den Film unglaublich entspannt – eine Handlung im klassischen Sinne gibt es nicht – und bemerkenswert warmherzig, was man von so vielen Komödien ganz und gar nicht sagen kann. Auch in „Grown Ups“ soll man darüber lachen, dass jemandem ein Missgeschick passiert. Aber im Gegensatz zu widerwärtigen Filmen wie „Hangover“ (den ich hier als Beispiel wähle, weil er bei genauerer Betrachtung ein ähnliches Thema hat wie „Grown Ups“), verstehen es Sandler und Dugan ihre Figuren nicht auszustellen und zu Erfüllungsgehilfen eines billigen Gags zu reduzieren.

Was mir an „Grown Ups“ ebenfalls gut gefallen hat: Der Film schafft es tatsächlich ein Stück Jugend zurückzuholen, ja, er hat mich sogar ein bisschen an Peter Pan erinnert. Eine einzelne Figur, die der Hauptfigur von James Matthew Barrie Jugendroman nahe kommt, gibt es zwar nicht, aber ihr Urlaubsdomizil, das Haus im Wald, ist doch so eine Art Nimmerland. Und vielleicht sind Lenny, Eric, Kurt, Marcus und Rob ja alle ein wenig Peter Pan – die „verlorenen Jungs“, die sich an diesem Wochenende neu (er)finden müssen, sind sie auf jeden Fall! „Grown Ups“ ist ein Film, der, wenn man es zulässt, zum schwärmen bringt, zum nostalgisch werden einlädt: Damals, als man noch nicht den ganzen Tag am Computer saß, als ein gutes Zeitmanagement noch nicht oberstes Gebot war und das Spielen mit Freunden an der frischen Luft noch einen ganz anderen Stellenwert hatte… „Stellenwert“ – das klingt schon wieder so nach einer Vokabel aus einem Lebensbereich, der zu dem Film überhaupt nicht passt. Kindheit ist Neugier, ist Spiel, ist Bewegung, ist Albernheit. Und irgendwie schafft es „Grown Ups“ dies dem Zuschauer vielleicht ein wenig zu rosarot, aber trotzm auf eine ehrliche, authentische Art in Erinnerung zu rufen.

Bild ©  Sony

The Raid 2 (Gareth Evans, Indonesien 2014)

Posted by – 30. Juni 2014

Kaum ein Film hat mich in den letzten Jahren so durchgerüttelt wie „The Raid“ (OT: Serbuan maut). In diesem irren Gewalttrip des walisischen Regisseurs Gareth Evans prügelten sich Polizisten und Gangster in einem Hochhaus fast 100 Minuten gegenseitig ins Nirwana. Anstelle des klaustrophobischen Szenarios setzt die Fortsetzung auf eine wesentlich komplexere Story sowie ein elaborierteres künstlerisches Konzept. Mehr noch als der Vorgänger wird der zweite Teil so zu einer Reflexion über das Wesen des Kämpfens an sich. Das hat durchaus seinen Reiz. Die Wucht und die Dringlichkeit des ersten Teils aber bleiben in der – mit zweieinhalb Stunden etwas langen – Fortsetzung ein wenig auf der Strecke. Mehr dazu, was mir an „The Raid 2” (OT:The Raid 2: Berandal)  gefallen hat und was nicht, gibt’s zu lesen auf Kino-Zeit.de.

The Mongolian Whore House (Jan Haukau, Niederlande / Deutschland / Mongolei 1981)

Posted by – 28. Juni 2014

The MWH 3Es war einmal eine VHS-Kassette, die in einer holländischen Ferienwohnung meinem jüngeren Selbst in die Hände fiel. „The Mongolian Whore House“ stand handgeschrieben auf dem schmierigen Schuber. Kaum waren die Eltern zu Bett gegangen, hockten mein Cousin und ich im dunklen Wohnzimmer vor dem Fernseher… Es gibt Filme, die ich bis aufs Blut hasse, denen ich aber trotzdem einen gewissen Respekt entgegen bringe, weil sie etwas mit mir gemacht haben. Nach dem Film fühlte ich mich wie gefressen, verdaut und wieder ausgekotzt; und dem Cousin ging es wohl genauso. Nach dem Abspann (von dem man aufgrund der schlechten Bildqualität kaum einen Namen lesen konnte) herrschte zunächst betretenes Schweigen, dann trafen wir eine Entscheidung. Aber davon später mehr.

Die Zwillinge Mirja (Betje Zweigeld) und Zarina (Sormuunirschiin Lee Straaten) werden von ihrer Mutter ins nahegelegene Kloster und von dort gleich weiter an die Puffmutter Katharina Ortega (Jen Demsey) verkauft. Diese betreibt das titelgebende Etablissement, in dem junge Frauen aus aller Welt zur Prostitution gezwungen werden. Die Zwillinge erweisen sich als äußerst geschickt in der Kunst der Verführung – und schon bald sind sie nicht nur die Attraktion des Bordells, sondern haben Ortega auch ihren Ehemann, den ehemaligen Boxer Pete (Dolf Van Veen), ausgespannt. Mit seiner und der Hilfe der anderen Prostituierten überfallen sie das Kloster, versklaven die Nonnen und beginnen mit dem Bau eines Bootes. Denn Mirja und Zarina wissen: Die Flut wird kommen…

Am Anfang flattert ein Segel im Wind, zumindest lässt das Geräusch vermuten, dass es sich um ein Stück Segelleinen handelt, das von einer kräftigen Meeresbrise geschüttelt wird. Der Zuschauer sieht nur ein schmutziges Weiß. Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo. Oder vielleicht in die Mongolei? Dann hätte der Titel des Films wenigsten eine Bedeutung.  Denn „The Mongolian Whore House“ liegt mit ziemlicher Sicherheit nicht in der Mongolei, sondern in irgendeinem niederländischen Kaff; und bis auf die beiden Hauptdarstellerinnen und einige Figuren des Bordell-Personals dürften auch unter den „Darstellern“ keine Mongolen gewesen sein. Insofern bleibt auch der Titel ein Geheimnis – wie so vieles an dem Film, dessen Entstehungsgeschichte schon äußerst skurril und rätselhaft ist; der Regisseur wurde während der Dreharbeiten von einer Darstellerin gebissen und dirigierte einen Teil der Aufnahmen von da an aus dem Krankenhaus.

Meine Lust, dieses enigmatische Ungetüm zu dechiffrieren, hält sich allerdings – auch Jahre später noch – in engen Grenzen. Manche Schranktüren sollten lieber geschlossen bleiben, wenn man nicht gerade gesteigerten Wert darauf legt, dass einem das darin befindliche Monster das Gesicht wegkratzt. Dabei sind es gar nicht so sehr die sichtbaren Gräueltaten, die den Film so unangenehm machen. Dass das Steuerrad des Bootes aus Petes Knochen hergestellt wird, nachdem man eine gefühlte Ewigkeit irre dreinblickenden Nonnen dabei zusehen musste, wie sie den armen Mann zerlegen, lässt sich ebenso aushalten wie die vielen unappetitlichen Szenen im Hurenhaus. Es ist eher das, was man nicht sieht, sondern nur erahnt und nicht versteht, was nachhaltig verstört. Man ist einfach zu nah dran! Links Hurenhaus, rechts Hurenhaus, überall Hurenhaus! Wir sehen einen seltsamen Sexclub von innen, aber es ist gleichzeitig, als würden wir aus den beschlagenen Fenstern des Clubs in eine unwirkliche Landschaft starren, in denen Gespenster umherirren. Wir können nicht raus, wir würden sonst verschwinden. „Wirklich“ sind allein die von widerwärtig schwülem Dunst durchzogenen Räume des Bordells, die von solch grausamer Heimeligkeit sind, dass man am liebsten auf der Stelle in die kalte Unendlichkeit des Alls geschossen werden möchte. Hier sei beispielhaft auch noch einmal die Haarwaschszene genannt, in der Zarina der Puffmutti die Locken schamponiert – als Mirja plötzlich aus dem Dunkel hinter ihre Schwester tritt und ihr wiederum, ohne dass Katharina etwas davon merkt, den Kopf wäscht. Doch die Tonspur passt nicht. Es klingt eher, als würde jemand durch ein Meer aus Gedärm watschen – dazu der schräge Pfeifenscore von Enno Peterson jr. Scary!

Und das Ende? Schweigen. Schwarzblende, und wieder: Das Geräusch eines im Wind ungeduldig flatternden Segels, ein Geräusch im Übrigen, das als einziges so etwas wie einen Funken Hoffnung vermittelt. Wohin die Reise geht? Hoffentlich weit weg! „The Mongolian Whore House“ ist ein verschwindend kleiner Punkt im hintersten Zipfel dieser Welt, aber dieser Punkt brennt und die Entzündung breitet sich aus. Ein G-Punkt des Schmerzes, alles und nichts. Das Nichts verschlingt alles, die vollkommende Leere. Das Hurenhaus ist diese Welt: ein erdumspannendes Purgatorium für unsere gepeinigten Seelen! Wir haben die VHS-Kassette postwendend vernichtet. Heute wünschte ich, wir hätten es nicht getan, hätten sie vielleicht eher mitgehen lassen. Denn ich würde den Film gern noch einmal sehen, um mich – wie bei einem Film-Exorzismus – von den Bildern, den Geräuschen und dem Gefühl, das er in mir ausgelöst hat, zu befreien. Einen Zuschauer nunmehr schon fast 20 Jahre in den Bann seines Werkes zu schlagen – das muss erst einmal ein Filmemacher schaffen. Chapeau, Jan Haukau! Mögest du in der Hölle schmoren!

Bild © Fake Orgasme Pic.

Wara No Tate (Takashi Miike, Japan 2013)

Posted by – 25. Juni 2014

Nachdem ich neulich von „13 Assassins“ schon so angetan war, habe ich nun gleich ein weiteres Highlight neueren Datums des japanischen Tausendsassas Takashi Miike gesehen. „Wara No Tate“ heißt der Film, was soviel bedeutet wie „Schild aus Stroh“. Der Titel spielt darauf an, wie fragil unser Rechtssystem ist, und dass das Recht schnell dort endet, wo der Betrag – in diesem Fall ein Kopfgeld von einer Milliarde Yen – hoch genug ist. „Wara No Tate“ handelt von einer Gruppe Polizisten, die einen Kinder-Mörder nach Tokio überführen soll. Auf dessen Kopf ist allerdings besagte Belohnung ausgesetzt, so dass quasi jeder – egal ob normaler Bürger oder Staatsdiener – hinter ihnen her ist. Es ist Miike wunderbar gelungen, verschiedene Artendes Bösen gegenüberzustellen: den psychopathischen Killer, der aus Lust tötet und den selbstgerechten Medienmagnaten, der sich Genugtuung ohne Rücksicht erkaufen will. Der Film lässt einen mehr als einmal moralisch taumeln. Und sehr spannend ist er obendrein! Eine längere Kritik von mir zum Film gib es auf Kino-Zeit.de.

King Of Ants (Stuart Gordon, USA 2003)

Posted by – 25. Juni 2014

king of antsBei einem Job lernt der Handwerker Sean (Chris McKenna) den Elektriker Duke (George Wendt) kennen, der ihn mit dem zwielichtigen Ray (Daniel Baldwin) bekannt macht. Ray engagiert Sean, er soll jemanden für ihn aus dem Weg räumen. Sean willigt ein, wird jedoch, als er auf seiner Bezahlung besteht, von Ray und seinen Schergen verschleppt und gefoltert. Sean kann entkommen – und beschließt, sich zu rächen.

Ich würde mich nicht als Stuart-Gordon-Fan bezeichnen, schon allein, weil ich einfach noch zu wenige Filme von ihm kenne. Aber zumindest „Re-Animator“ und „From Beyond“ mag ich sehr und „The Pit And The Pendulum“ sowie „Castle Feak“ finde ich immer in Ordnung. Ich war also sehr gespannt auf „King Of Ants“, meinen fünften Gorden-Film, der das Pendel irgendwie in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen würde. Und das hat er auch, allerdings nicht in die erwünschte Richtung. Denn obwohl „King Of Ants“ mir nicht richtig schlecht gefallen hat, wollte der Funke bei dieser Rache-Geschichte nicht überspringen. Was mir fehlte, um den Film richtig würdigen zu können, wären plastischere, nachvollziehbarere Figuren gewesen. Vielleicht tue ich „King Of Ants“ bereits an dieser Stelle ein wenig Unrecht, denn verglichen mit vielen anderen Filmen hat er sich bei den Figuren schon merklich mehr Mühe geben. Die typischen Genre-Knallchargen sucht man jedenfalls vergeblich. Trotzdem hätte das Screenplay von Charlie Higson meiner Ansicht nach, zumindest im Hinblick auf die Hauptfigur, differenzierter ausfallen müssen. So weiß man zwar, dass Sean sich mit Jobs über Wasser hält, aber das er jemand ist, der für ein bisschen Geld bereit ist, einen Mord zu begehen, das überrascht dann doch. Auch anders herum kommt mir der Plan der Bösewichte, Sean so lange auf den Kopf zu hauen, bis er verblödet, angesichts der Situation nicht besonders nachvollziehbar vor. Seltsam: Statt schon während der Misshandlungen auf Rache zu sinnen oder direkt nach der – hallo Zufall! – Rettung durch seinen Kumpel George (Timm Sharp), entschließt sich Sean erst, es seinen Häschern heimzuzahlen, nachdem Susan (Kari Wuhrer), die Frau des Mannes, den er umgebracht hat und mit der er nach seiner Befreiung ein Verhältnis beginnt, durch einen Unfall umkommt. Das ist genre-psychologisch positiv formuliert zumindest unkonventionell.

Ich könnte die Liste, der Dinge, die mir nicht plausibel erscheinen, fortführen, will jetzt aber nicht über das Ziel hinausschießen und mich zu sehr an diesen Details auslassen. Insgesamt hat mir „King Of Ants“ doch recht gut gefallen: Die einfache Geschichte, die aber doch ein paar Kapriolen vollführt, der manchmal fast dokumentarische Stil, ein paar recht seltsame Einfälle, die den Film aus der Masse hervorragen lassen, die teils drastischen, aber irgendwie auch bodenständigen Gewaltszenen… Nur einen neuen großartigen Film von Stuart Gordon habe ich eben nicht gesehen. „Re-Animator“ und „From Beyond“ stehen immer noch alleine da auf weiter Flur.

Bild ©  Whv
 

Tarantula (Jack Arnold, USA 1955)

Posted by – 21. Juni 2014

TarantulaMit „Tarantula“ schließe ich – 3 Wochen verspätet – den #Monstermay. Film Nummer 7 war „Dainipponjin“ von Hitoshi Matsumoto, zu dem mir aber nicht so recht etwas eingefallen ist. Aber zumindest zum 8. und letzten Film, dem einzigen aus der Liste, den ich bereits kannte, möchte ein paar Sätze schreiben. Dazu muss ich aber etwas ausholen.

Meine erste Begegnung mit Monsterfilmen hatte ich als Kind in der NDR-Spielfilmreihe „Das Gruselkabinett“ (wer kennt das noch?). Es lief „Tarantula“ von Jack Arnold, ein Film über eine mutierte Riesenspinne. Ich erinnere mich, dass meine Eltern, die abends ausgingen, mich unvernünftiger Weise vor dem Film warnten, so dass ich selbstverständlich nicht widerstehen konnte. Hätte ich auf meine Eltern gehört, wäre ich wahrscheinlich von einigen schlaflosen Nächten verschont geblieben. Aber dann hätte meine filmische Sozialisation auch einen anderen Weg eingeschlagen. Jedenfalls hat mich in „Tarantula“ gar nicht so sehr die riesige Spinne geängstigt, sondern die Mutation, die einer der Wissenschaftler erleiden musste –hervorgerufen durch den Selbstversuch mit einem Wachstumsserum. Die Bilder haben sich festgebrannt.

Vieles, was mich in den folgenden Jahren an Monsterfilmen faszinieren sollte, war bereits in Arnolds Film angelegt. Zum einen – und das ist wahrscheinlich für die meisten Menschen der Grund, Monsterfilme zu mögen – ist es die Angst vor diesen unschönen Kreaturen und die wohlige Gänsehaut, sie aus der sicheren Entfernung des Fernsehsessels beobachten zu können. Hier spiegelt sich die Angst des Menschen vor dem Anderen wider, hier erklärt sich, warum das Monster immer schon ein ausgegrenztes Wesen war, das in unserer Gesellschaft keinen Platz findet und deshalb Monsterfilme oft auch traurige Filme sind. Zum anderen fasziniert mich schon immer, dass die meisten Monster von uns selbst erschaffen oder zumindest irgendwie durch menschliches Verhalten hervorgerufen werden. Das prominenteste Beispiel ist wohl der König aller Monster, „Godzilla“, der als Teil der emotionalen Verarbeitung der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki  gesehen werden kann – das Monster als unsanfter Mahner, unsere Seele nicht der Technik zu verschreiben. Es gibt noch einen dritten Punkt, den ich spannend finde – und auch der ist bei Arnold präsent: Das Monster zielt nicht allein auf die Angstlust der Zuschauer. Es ist ein Wesen, das zwar außerhalb der menschlichen Gesellschaft steht, diese aber gleichzeitig (be)stärkt, weil es ein Symptom des Wunsches nach Verwandlung sind. So unwahrscheinlich das klingt: Im Monster drückt sich die menschliche Sehnsucht anders zu sein, ja nach Transzendenz aus.

Nachdem ich „Tarantula“ nun endlich noch einmal gesehen habe, bin ich sehr erfreut, dass der Film – obwohl ich dem schreckhaften Alter mittlerweile entwachsen bin – seine Wirkung immer noch nicht verfehlt. Das liegt, wie gesagt, weniger an der Spinne und an den für Mitte der 1950er Jahre guten Spezial-Effekten, sondern an den Figuren. Prof. Deemer gespielt von Leo G. Carroll und seine Kollegen sind ein ganz wunderbarer mad scientists, schon allein deswegen, weil sie eigentlich kein Stück verrückt ist. Sie tuen das, was man als Wissenschaftler auch heute eben so tut. Der Wunsch, mehr über die Welt zu wissen und ein größeres Maß an Kontrolle über sie zu haben, reicht völlig aus, um seine Handlungen plausibel zu erklären. Dem Thema „Größe“ eine tiefere Bedeutung oder auch philosophische Qualität abzuringen, wie es ihm dann zwei Jahre später mit„The Incredible Shrinking Man“ glücken sollte, ist ihm hier noch nicht gelungen. In „Tarantula“ ist das große Tier zunächst und vor allem eine Bedrohung für den Menschen – und Sprengstoff das Mittel der Wahl, dieses Problem zu lösen. Was mich zum traurigen aber gleichwohl dann wieder äußerst geglückten Ende des Films bringt: Wer groß ist, bietet auch viel Angriffsfläche. Bye bye Tarantula!

Bild © Koch Media