A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master (Renny Harlin, USA 1988)

Posted by – 6. Februar 2016

nightmare boxAus einer Laune springe ich mitten in den Alptraum..

Der Dämon Freddy Krueger (Robert Englund) wurde zwar im letzten Teil „A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors“ unter die Erde gebracht, doch dort hält es ihn nicht lange. In „A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master“ ist er wieder zur Stelle und schafft sich zunächst die verhassten Traumkämpfer aus dem Vorgänger vom Leib. Kruegers neuster Trick (Vorsicht, kompliziert) – er nutzt die Fähigkeit von Kristen (in Teil 3 noch gespielt von Patricia Arquette, diesmal von der schauspielerisch wesentlich weniger begabten Tuesday Knight), die diese kurz vor ihrem Tod noch Alice (Lisa Wilcox) übertragen konnte, andere Leute in ihre Träume zu holen, um so an Opfer zu kommen, um einen Jugendlichen nach dem anderen ins Schlummerland zu entführen und dort kreativ abzumurksen. Wieso, weshalb? Das ist eigentlich gar nicht so wichtig. In Teil vier geht es mehr um das Wie als um das Warum.

Ich halte die ersten beiden Teile von „A Nightmare on Elm Street“ aus ganz unterschiedlichen Gründen für zwei unglaublich starke Filme, nicht nur visuell, sondern vor allem auch inhaltlich. Und auch der dritte, erscheint mir immerhin noch als eine sinnvolle Auslotung des Themas. Spätestens ab Teil vier wird leider nur noch aufgewärmt. Ab hier fehlen der Reihe ganz offensichtlich Ideen, wie die Geschichte sinnvoll weitererzählt werden kann – eine Entwicklung, die meiner Erinnerung nach mit jedem weiteren Teil schlimmer wird. Die Storys werden immer abstruser, die Effekte greller und der einst so unheimliche Antagonist verkommt zusehends zum Sprücheklopfer.

Teil vier ist da wie gesagt keine Ausnahme, alles was noch schlechter werden soll, ist hier schon zu erkennen, auch hier gibt es nur mehr desgleichen, das allerdings, das muss man zur Ehrenrettung von Renny Harlin sagen, auf einem recht hohen Niveau. Was Harlin nach einer Story von William Kotzwinkle mit Kameramann Steven Fierberg hier hinbekommen hat, ist trotz auffälliger Ideenarmut sehenswert, weil – „A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master“ ist so reich an einprägsamen Szenen, dass es eine Freude ist. Wenn ich diesen Teil als Kind gesehen hätte, ich wette – der ein oder andere Moment hätte mich bis heute verfolgt. Der Tod im Wasserbett, die Verwandlung eines Mädchens in eine Schabe, der leer gesaugte Nerd und und und. Die schlimmste Szene für mich hat allerdings nichts mit Freddys fantasievollen Schreckensszenarien zu tun. Es ist – und damit greifen Harlin/Kotzwinkle ein Motiv aus den Vorgängern auf – als die Mutter ihrer Tochter ohne deren Wissen Schlaftabletten gibt! Die Erwachsenen nehmen die Träume ihrer Kinder nicht ernst, sie sind blind für ihre Wünsche und – vor allem! – für ihre Ängste. Und ihnen fällt, wenn es mal unbequem wird, nichts weiter ein, als ihre Sprösslinge in die Ohnmacht zu zwingen. Leider hat diese Idee hier nur die Funktion eines Zitats und wird – wie alles an dem Film – thematisch nicht weiterentwickelt.

Mein Fazit zum Film fällt, wie wohl schon herauszulesen war, etwas unentschlossen aus. Schauspielerisch ist das alles nicht gerade erste Liga, eigentlich alles aus dem Film ist aus den Vorgängern zusammengeklaut, Teil 4 ist weder so clever wie Teil 1 & 2 und auch nicht so hemdsärmelig wie Teil 3. Und trotzdem macht „A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master“ wirklich Spaß. Harlin inszeniert zweckdienlich geradeaus und die Story von Kotzwinkle liefert den nötigen Irrsinn, um diesen „Nightmare“-Film zu einem erlebenswerten, extrem kurzweiligen Alptraum zu machen. Ich persönlich bin mir gerade gar nicht sicher, ob ich ihn nicht vielleicht sogar lieber mag als den gefühlt sehr geschätzten Teil drei. Bei einem Einspielergebnis von 50 Millionen Dollar bin ich auf jeden Fall nicht der einzige, der ihn mag.

Bild © Warner Home Video

 

Zuletzt gesehen (4)

Posted by – 21. Januar 2016

Seraphim Falls (David Von Ancken, USA 2006)

Von der Regel, dass ich neben „Once Upon A Time In The West“ und „The Quick And The Dead“ keine Western mag, gibt es eine weitere Ausnahme. Aufgrund einer Empfehlung von vertrauenswürdigen Tipp-Gebern auf Twitter habe ich mir „Seraphim Falls“ angesehen – und für gut befunden. Ein Mann (Liam Neeson) jagt darin einen anderen (Pierce Brosnan). Warum, erfährt man erst viel später. Aber eigentlich ist der Grund auch egal, Von Ancken scheint es hier in seinem Rache-Western eher ums Grundsätzliche zu gehen. Der Film beginnt sehr realistisch – man spürt die Kälte, fühlt sie durch Mark und Bein gehen; später kommt die Hitze, der Durst, die Erschöpfung… – driftet aber immer mehr ab und wird zur Parabel, die uns in eindrucksvollen Bildern deutlich macht, dass Rache… – Ach, ich will nicht zuviel verraten, schaut euch den Film selber an.

The Shiver of the Vampires (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Isa und Antoine geraten auf ihrer Hochzeitsreise in ein Vampir-Schloss. Isa gerät unter den Einfluss der Vampirkönigin Isolde, Antoine versucht seine Angetraute zu retten. – Warum „The Shiver Of The Vampires (OT: Le Frisson des Vampires) mancherorts im Internet als einer der besten Filme von Jean Rollin bezeichnet wird, weiß ich nicht. Im Prinzip steht überall das Gleiche, und zwar das, was bei allen Rollin-Vampir-Filmen steht: Irgendwas mit Kunst & Trash, Gothik & Erotik, psychedelisch & surreal. Ob bei Tageslicht, in der Morgendämmerung oder nachts, bei Kerzenschein – ich habe alles probiert – bei mir hat „The Shiver of the Vampires“ nicht funktioniert. Ich fand ihn beliebig. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch irgendwie an mir liegt. Schließlich fand ich bisher eigentlich alles, was ich von Rollin gesehen habe, gut bis sehr gut.

Coffy (Jack Hill, USA 1973)

Trash-Commando von Trash-O-Meter hat mir einen Stapel Filme mitgegeben, um mich in die Welt der Blaxpoitation einzuführen. Dann mal los! Den Anfang machte ein „sehr bedenkliches Action-Drama, das Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren propagiert“ (Lexikon des internationalen Films) von Jack Hill. „Coffy“ war für mich gleich ein Volltreffer, was weniger an dem Film selbst lag – eine Frau nimmt für ihre abhängige Schwester Rache an der Drogenmafia –, sondern an seiner famosen Hautdarstellerin Pam Grier, die ich Ungebildeter bisher tatsächlich erst aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kannte. Ich mag Grier als Frau gerne leiden, aber ich fand auch ihre Figur der Coffy Coffin stark. Und ich möchte dem katholischen Filmdienst an dieser Stelle gerne widersprechen und behaupten, dass hier nicht das Recht des Stärkeren propagiert, sondern die Gewalt gegen den Schwächeren für ein B-Movie auf gar nicht so unclevere Weise thematisiert wird. Im Spannungsfeld Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß, Mann gegen Frau erweist sich die Protagonistin nicht nur als jemand, der wegen der Umstände in den Widerstand geht, sondern eben auch als amoralisches Produkt eben dieser Umwelt, in der besagtes Recht des Stärkeren gilt. Doch ist dies keine Propaganda im Sinne von Werbung für ihr Handeln, sondern immer auch zutiefst tragisch, weil Coffys naiver Rachefeldzug für eine bessere Welt im Kern chancenlos ist. Ich danke Herrn Trash-Commando für die sehenswerte Leihgabe.

Shaft (Gordon Parks, USA 1971)

Gleich noch mal einen Dank in die gleiche Richtung. Björn goes Blaxpootaion Part II. Es ist schon ein bisschen witzig, dass ich diesen „Klassiker“ erst kurz vor der Rente sehe. Aber besser spät als nie bzw: eigentlich auch egal. Ich war noch nie ein großer Freund von Krimis, großen Wummen und coolen Sprüchen. Daran hat leider auch „Shaft“ nichts geändert. Aber die Musik, die war gut, und dass Isaac Hayes einen Oscar für den Besten Song gewonnen hat, leuchtet mir – auch wenn mir sonst wenig an den Oscars einleuchtet – voll uns ganz ein.

One, Two, Three (Billy Wilder, USA 1961)

Zum ersten Mal gesehen und – darf ich das hier sagen? – ich finde diesen Film ganz furchtbar. Ja, ich weiß, Billy Wilder und alle reden ganz schnell und lustig, har har, aber warum diese Zusammenschau von billigen nationalen Klischees einen so guten Ruf hat, verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich finde „One, Two, Three“ nicht nur nicht lustig, ich finde ihn in seinem kaum verhohlenen Spott über alle nicht-amerikanischen Menschen bedenklich. Die meisten Witze gehen auf Kosten der Russen, aber auch gegen Bürger der DDR, gegen die Deutschen und Frauen wird ordentlich ausgeteilt. Ich bin niemand, der besonderen Wert auf politische Korrektheit legt, aber wenn auf Kosten anderer gelacht werden soll, dann bitte als Provokation und nicht in Form einer vermeintlichen Wohlfühl-Komödie.

 

Long Weekend (Jamie Blanks, Australien 2008)

Posted by – 10. Januar 2016

Long WeekendWir trampeln auf ihr herum, hinterlassen überall unseren Müll, nehmen ihr die Luft zum Atmen, vergiften ihr Blut und töten gedankenlos ihre Kinder. Doch in unbeobachteten Momenten schlägt sie zurück. Die Rede ist von der Natur, die in Jamie Blanks Ökothriller „Long Weekend“ aufbegehrt. Dass man diese lieber nicht zum Feind haben möchte, muss ein Pärchen am eigenen Leib erfahren, als es im australischen Outback Urlaub macht.

Peter (James Caviezel) und seine Frau Carla (Claudia Karvan) planen Camping-Wochenende an einem verlassenen Ort an der australischen Küste. Der Urlaub dient allerdings nicht nur der Erholung. Das Paar hofft auch, so ihre Ehekrise in de Griff zu bekommen. Doch schon auf dem Weg in die Wildnis schleichen sich Misstöne in die Gruppe ein: Nicht nur, dass Peter aus Unachtsamkeit ein Känguruh überfährt, auch was die Richtigkeit der Route betrifft, machen sich Zweifel breit. Und auch, als Peter und Carla schließlich den Strand erreichen, bleibt die Unsicherheit, ob sie wirklich den beabsichtigten Ort gefunden haben.

„Long Weekend“ ist eine sehr ausbalancierte Mischung aus Ehedrama, Ökohorror und Psychoterror. Regisseur Jamie Blanks hat gut daran getan, Film von Colin Eggleston aus dem Jahr 1978 noch einmal neu aufzuleben, schließlich ist das Thema aktueller denn je. Dank des nuancierten Spiels von James Caviezel und Claudia Karvan und der –für einen Genrefilm – subtilen Regie wird das wahre Thema des Films bis zum Schluss in der Schwebe gehalten. Zwar erhält der Zuschauer immer wieder Hinweise auf das Fehlverhalten von Carla und vor allem Peter, wodurch ein Rachefeldzug von Mutter Gaia gegen die menschlichen Eindringlinge suggiert wird, doch letztlich bleibt offen, ob ob es nun die Natur ist, die den beiden ans Leder will, oder ob sich die beiden selbst zugrunde richten. Betrachtet man den Menschen als Teil der Natur, unterscheiden sich die beide Lesarten möglicherweise nicht einmal groß von einander.

Es sind weniger explizite Szenen, sondern vielmehr die Momente unterschwelliger Bedrohung, aus denen der Film seine Spannung zieht. Blanks lässt sich nicht dazu hinreißen, dem Horror ein Gesicht zu geben, und gerade auf diesem Weg wird ein starkes Gefühl des Unbehagens erzeugt. Für den Splatter-Fan ist „Long Weekend“ dementsprechend nix. Dafür  bietet der Film nicht genug unfreiwillig abgegebene Körperflüssigkeit. Doch alle Freunden der gepflegten Gänsehaut, möchte ich dieses Remake gerne ans Herz legen. Vom (ebenfalls gruseligen) Cover-Text – „Der ultimative Thriller von Regisseur von Düstere Legenden“ – sollte sich niemand abschrecken lassen.

Bild © Tiberius Film

Zuletzt gesehen (3)

Posted by – 10. Januar 2016

Mal wieder nur kurz.

Fantastic Four (Josh Trank, USA 2015)

Nachdem ich so widersprüchliche Dinge über diesen Film gelesen habe, bin ich schließlich doch neugierig geworden und muss sagen, dass ich die sich eindeutig in der Minderzahl befindlichen Verteidiger von Josh Tranks „Fantastic Four“-Reboot zumindest verstehen kann. Denn vom Marvel-Einheits-Superbrei hebt er sich ab. Probleme gibt es natürlich auch. Es ist wahrscheinlich müßig, Superhelden-Filmen fehlenden Realismus vorzuwerfen, wobei das doch gerade ein Markenzeichen dieses Genres ist, aber ich muss sagen, für mich hatte der Film tatsächlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Z.B. als die vier beschließen, auf eigene Faust in die neue Dimension aufzubrechen; oder als sie, nachdem Reed wieder eingefangen wurde, unvermittelt wieder ins Jenseits geschickt werden. Aber gut. Meckern könnte man noch lange. Zum Beispiel lang und leidenschaftlich über das gruselige CGI, die holprige Erzählung, der man anmerkt, dass nicht nur eine Hand daran herumgewerkelt hat, oder das versemmelte Finale. Doch man kann nicht ignorieren, dass Trank versucht, etwas anders zu machen. Im fertigen Produkt ist seine verwässerte Vision – eine düstere Mischung aus Coming-of-Age Geschichte und Body Horror – immerhin noch zu erahnen.Alles in allem? War das nix. Aber der Film war mir trotzdem nicht unsympathisch. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen

Case of the Scorpion’s Tail (Sergio Martino, Spanien / Italien 1971)

Obwohl mir bisher kein Film von Sergio Martino so richtig gut gefallen hat, gebe ich nicht auf. Diesmal war „Case Of The Scorpion’s Tail“ (OT: La Cola del escorpión), ein früher, aber doch nicht ganz gewöhnlicher Giallo an der Reihe. Die Geschichte beginnt mit Lisa Baumer (Ida Galli), die sich gerade mit ihrem Liebhaber im heimischen Bettlager dem Höhepunkt entgegenkuschelt als das Flugzeug ihres Mannes hoch oben in den Lüften explodiert. Die Witwe kommt damit in den Genuss der Lebensversicherung von einer Millionen Dollar, die ihr in Griechenland ausgezahlt werden soll. Weil die Versicherungsgesellschaft der Dame nicht traut, wird Lisa durch den Privatdetektiv Peter Lynch (George Hilton) beschattet. In Athen lauern außerdem noch andere Anwärter auf das Geld. Bald gibt es die ersten Toten. Auch dieser Film von Martino war für meine Begriffe jetzt keine Offenbarung, trotzdem will ich nicht leugnen, dass er weder ein 08/15-Giallo ist, noch sich überhaupt so leicht in das Genre einfügen lassen will.. Eine recht spannende Geschichte, Bruno Nicolais schräger Score und wirklich haufenweise seltsame Kamera-Perspektiven machen ihn auf jeden Fall sehenswert. Noch etwas mehr Freude macht der Film, wenn man sich zuvor mit dem schönen Booklet von Rochus vom kinderfilmblog einstimmt, der mir die DVD freundlicherweise ausgeliehen hat.

Captain Phillips (Paul Greengrass, USA 2014)

Ja, spannend. Ich mag Greengrass’ Filme eh und auch „Captain Phillips“, den ich nun endlich nachgeholt habe, hat mir wieder gut gefallen. Es geht um ein Containerschiff, das in der Nähe von Somalia von Piraten angegriffen und schließlich gekapert wird. Mich haben die Verhältnisse und Kontraste fasziniert, wenn ich das mal so abstrakt sagen darf – die Reichen und Armen, die Schwarzen und Weißen. Die großen Schiffe und die kleinen. Wer hätte gedacht, dass man ein großes Containerschiff einfach so kapern kann? Nun gut, so einfach ist das nicht, aber mit der richtigen Portion an Verzweiflung und Wagemut, über die die Piraten ohne Frage verfügen, ist es möglich. Den Teil des Films, der auf dem Frachter spielt, fand ich sehr mitreißend, den Teil, in dem sich die Piraten mit Captain Phillips (Tom Hanks) in einem Rettungsboot auf der Flucht befinden, etwas weniger, keine Ahnung warum. Vielleicht hat mich in dem Teil die gleiche Schockstarre überfallen, wie den gebeutelten Captain, der erst im sehr emotionalen Finale, wie ich dann auch wieder, die Fassung verliert. Starker Film jedenfalls.

21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Zweitsichtung. Diesmal mit Frau und Eltern vor dem heimischen Fernseher. Interessantes Meinungsspektrum nach dem Film, das von 2/10 Punkten (Mutter) bist hin zu 8/10 Punkten (Papa) reichte. Ich sortiere mich irgendwo dazwischen ein. Ich fand ihn ähnlich gut wie bei der Erstsichtung (hier etwas mehr dazu) und sogar auf Deutsch war er nicht unlustig. Diesmal ist mir sogar noch mehr klar geworden, was für ein Glücksfall dings und dings sind. Die beiden harmonieren so prächtig, dass der Film nur so flutscht und sich die Gags quasi von selbst schreiben. Lediglich das Ende, der Genitalschuss, den ich geschmacklos und billig finde, stört mich nach wie vor.

Inside Out (Pete Docter, Ronnie del Carmen, USA 2015)

Es ist natürlich ganz wunderbar, wie die Innen- und Gefühlswelt der jungen Protagonistin in diesem Animationsfilm dargestellt wird. Ihre Gefühle – Freude, Wut, Angst und Ekel – sind hier agierende Figuren, die in der Psyche der Hauptfigur allerlei anstellen und schließlich wieder richten. Und ich würde auch sagen, dass dieser Pixar mal wieder zu den stärkeren Filmen des Studios gehört. Dennoch kann ich nicht so ganz in den allgemeinen Lobgesang einstimmen, weil ich „Inside Out“ erzählerisch als sehr konventionell und damit von den visuellen Attraktionen abgesehen fast schon als langweilig empfunden habe. Die Prämisse und die optische Seite sind ohne Frage toll, aber mir fehlte da irgendwie noch etwas, das die Geschichte spannender macht wie auch ein wenig mehr dazu, was die Behauptung des Films, dass – unsere Persönlichkeit und unsere Handlungen – vollständig durch die Mechanik unserer Innenwelt bestimmt werden, für unser Selbstverständnis als Mensch bedeutet.

Terminator Salvation (McG, USA 2009)

Posted by – 29. Dezember 2015

Terminator SalvationWir schreiben das Jahr 2018. Die Maschinen von Skynet haben die Macht übernommen. Die letzten Menschen stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben sich unter der Führung von John Connor (Christian Bale) in den Widerstand begeben und versuchen einen letzten verzweifelten Schlag gegen die Roboter. In dieser postapokalyptischen Welt erwacht Marcus Wright (Sam Worthington). Dessen letzte Erinnerung ist seine Zeit in der Todeszelle, in der er vor vielen Jahren auf die Hinrichtung gewartet hat. Wie er ins Jahr 2018 gelangt ist, ist ihm ein Rätsel, er weiß nur, dass er sich ins Innere der Organisation von Skynet begeben muss. Zusammen mit dem jungen Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin) und der stummen Star (Jadagrace) macht er sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Bestimmung.

Der Film geht los. Der langweiligste Vorspann sein – keine Ahnung! flackert über den Bildschirm. Das kann ja nur besser werden. Nach den ersten drögen Minuten machen sich bei mir die ersten Zweifel breit. Kommt da noch was? Ja, aber leider nichts Gutes. Das Ganze fängt schon damit an, dass Christian Bale („The Dark Knight“, „American Psycho“) eigentlich für die Rolle des Marcus vorgesehen war. Aber der Herr wollte lieber die Prestige-Rolle des John Conner, weswegen diese eigentlich kleine Rolle für den Star unverhältnismäßig aufgeplustert wurde. Völlig nichts sagend bleibt sie dennoch. Das Drehbuch von John D. Brancato und Michael Ferris zeigt nicht das geringste Gefühl für die Storyentwicklung und Figurenzeichnung und lässt die Schauspieler inhaltslose Onliner von sich geben. Aber „Terminator Salvation“ wäre ja nicht der erste Film, der trotz schlechtem Drehbuch und uninteressanter Figuren noch passabel unterhält. Doch hier kommt Regisseur McG ins Spiel. Dieser Mann sorgt dafür, dass selbst das nicht der Fall ist. Selten hat man so wenig mitreißende, seelenlose Action-Szenen erleiden dürfen wie hier. Immer wenn McG nicht weiter weiß, lässt er irgendwas explodieren, was aber genauso wenig für Spannung sorgt wie der Einsatz einer Handkamera und sinnlose Kamerafahrten für Dynamik. Den einst von James Cameron durch „Terminator“ und„Terminator 2“ geschaffenen -Mythos , den selbst ein durchwachsener dritter Teil nicht zerstören konnte, wurde mit „Terminator Salvation“ gründlich ruiniert.

Was qualifiziert eigentlich einen Regisseur, dessen größter „Erfolg“ bisher die beiden „Drei Engel für Charlie“-Filme waren, deren Action nebenbei gesagt völlig misslungen war, ein Mega-Projekt wie dieses zu verfilmen? Ich weiß es nicht. Und zu den Fällen, bei denen Filmemacher über sich hinausgewachsen, gehört „Terminator Salvation“ leider auch nicht. Der vierte Teil versagt auf allen Ebenen. Die Frage drängt sich auf: Was ist diesem Machwerk wirklich gut? Die Antwort ist einfach: Absolut nichts. Zwar ist nicht alles gleich miserabel – so strahlt Sam Worthington ein gewisses Charisma aus und das Sounddesign des Films hat ebenfalls überdurchschnittliche Momente – aber unter dem Strich ist der Film ein Komplettdesaster geworden. Nach knapp 120-minütiger, bildgewordener Enttäuschung wirkt dann das Filmende tatsächlich wie: The Salvation – die Erlösung.

Bild © UCA

Eastern Promises (David Cronenberg, Großbritannien / Kanada 2007)

Posted by – 28. Dezember 2015

Eastern PromisesVom frühen Body Horror über das neue Fleisch bis zum heutigen Spiel mit den Identitäten sind fast 40 Jahre vergangen. Und trotzdem wirkt das Kino des David Cronenberg alles andere als angestaubt. Im Gegenteil! Die Filme des Kanadiers dürfen zu den vitalsten gehörten, die die Filmwelt derzeit zu bieten hat. Cronenbergs Themen haben sich im Laufe der Jahre scheinbar gewandelt, doch wer genauer hinsieht, erkennt nach wie vor den rote Faden seines Schaffens. Nachdem die körperlichen Verwandlungen als Sujet seiner Filme mit dem neuen Jahrtausend ausklangen, widmete sich der Filmemacher mehr und mehr psychischen Transformationen und der Fragilität von Identität. „Eastern Promises“ und handelt von der Russenmafia in London. Kein Cronenberg Thema? Auf den ersten Blick nicht, doch unter der grandios inszenierten Oberfläche warten Schicht um Schicht alternative Realitäten auf den Zuschauer.

Die Story: Vor den Augen der Krankenschwester Anna Khitrova (Naomi Watts) stirbt die schwangere Tatiana (Sarah-Jeanne Labrosse). Das Baby überlebt. Anna nimmt daraufhin das russische Tagebuch der Toten an sich und forscht darin nach einer Kontaktadresse. Im Buch findet sie auch die Adresse eines russischen Restaurants. Den Besitzer Semyon (Armin Mueller-Stahl) bittet sie um Übersetzung des Tagebuches, nicht ahnend, dass sie an einen Paten der Londoner Vory V Zakone, einer mafiösen Vereinigung geraten ist.

Cronenberg interessiert sich im weiteren Verlauf weniger für den vordergründig konventionellen Genreplot als viel mehr für die Personen – Personen, die auf den ersten Blick wirken, als wären sie leicht zu durchschauen: Die hilfsbereite Krankenschwester, die fiesen Gangster der Russenmafia… Doch wie so oft bei Cronenberg trügt auch hier der Schein. Sicherlich hat „Eastern Promises“ auch als Gangsterfilm seine Stärken; doch wer  einen normalen Spannungsbogen oder auch nur genre-typische Action erwartet, wird –von einem denkwürdigen WTF!-Scharmützel in einem Dampfbad einmal abgesehen – möglicherweise enttäuscht. Ein wenig erinnert der Film an einen guten Tee, der sich erst nach und nach, mit jedem Aufguss in wenig anders und die vollständig offenbart, sondern bis zuletzt einige seiner Geheimnisse bewahrt.

Nach „History Of Violence“ und vor „A Dangerous Method“ ist „Eastern Promises“ der zweite Cronenberg-Film, in dem Viggo Mortensen die Hauptrolle übernahm. Er spielt Nikolai, den Chauffeur und Bodyguard von Semyons Familie. Wie schon im Vorgänger läuft Mortensen zu Höchstleistungen auf und präsentiert sich als einer der interessantesten und wandlungsfähigsten Schauspieler des jungen Jahrtausends. Sein Spiel, aber auch das der anderen Darsteller hat Oscarqualität. Hier seien vor allem der hier mal ultra-gruselige Armin Mueller-Stahl als gefährliches Familienoberhaupt wie Vincent Cassel als sein Sohn Kirill genannt, die alle anders sind als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aus diesem Grund, weil in „Eastern Promises“, diesem ruhigen, hypnotischen Thriller mit mehr als einem doppelten Boden, nichts ist wie es ist, sondern alles zwischen alternativen Möglichkeiten oszilliert, kann ich ihn mir immer wieder mit großem Genuss ansehen.

Bild © 20th Century Fox

Noah (Darren Aronofsky, USA 2014)

Posted by – 27. Dezember 2015

noahWas muss ein Film über Noah, seine Arche und die Sintflut, welche alle Menschen vom Angesicht der Erde tilgt, leisten, um ein guter Film zu werden? Naja, episch könnte er zum Beispiel sein und die Katastrophe mit moderner CGI- und Tricktechnik besonders eindrucksvoll zeigen. Oder er könnte uns etwas Interessantes über Noah und seine Familie erzählen. Es ging doch bestimmt nicht ohne Konflikte ab, mit seinen Liebsten auf einem großen Holzschiff gefangen zu sein. Nicht zuletzt könnte der Film natürlich auch eine interessante Interpretation des Bibeltextes bieten, die eine für heutige Zeit relevante Sicht auf die Dinge liefert. Nichts davon klappt.

Dabei hat sich Darren Aronofsky wahrscheinlich all das vorgenommen, als er sich entschied, die französische Comicbuch-Serie „Noé“ zu verfilmen. Man merkt schon, dass er etwas sagen wollte zu dem Mann, der das Leben auf der Erde vor dem Aussterben rettete, indem er je einen männlichen und weiblichen Vertreter jeder Spezies auf seine Arche mitnahm, seine Beweggründe, seine Familie, die inneren und äußeren Konflikte. Allein – das ist alles schon schrecklich platt und naiv und darüber hinaus auch noch schlecht gespielt, dass es wahrlich keine Freude ist, Aronofskys Noah-Vision beizuwohnen. Noahs Handeln ist einerseits biografisch motiviert – sein Vater wurde erschlagen, deswegen hat Noah (Russell Crowe) seit jeher keine allzu hohe Meinung von den Menschen – andererseits hat er eine Vorahnung einer großen Flut und nach dem Motto „viel hilft viel“ lässt Aronofsky ihn um ihn herum auch noch ein paar entsprechende Wunder erleben. Wer da nicht anfängt, eine Arche zu bauen, hat echt den Schuss nicht gehört. Interessanter könnte es werden, was seine familiäre Situation angeht – schließlich können nicht er und seine Frau Naameh (Jennifer Conelley) allein für den ganzen Nachwuchs nach der Sintflut sorgen. Zum Glück sind da noch seine Söhne Ham (Logan Lerman), Sem (Douglas Booth) und Jafet (Leo McHugh Carroll). Doch die Frau namens Ila (Emma Watson), die für Ham am Wegesrand liegt, ist leider unfruchtbar und für die anderen beiden Söhne gibt es gar niemanden. Das macht Sem so unfroh, dass er schließlich sogar mit dem Feind Tubal-Kain (Ray Winstone) kooperiert, um seinen Vater Noah umzubringen.

Spannend wird der Film aus diesem Konflikt resultierend kurz mal nach der digitalen Sintflut – und zwar auf der Arche. Denn da offenbart sich Noah als Fanatiker, der das Kind der durch ein Wunder gebärfähig gewordenen Ila umbringen will, weil – egal – jedenfalls kann man den zornigen Ham und den um Frau und Kind früchtenden Sem gut verstehen, dass sie ihren Papa aus dem Weg schaffen wollen. Schade, dass die Frauen, Ila und Naameh hier so passiv bleiben – Noahs Frau sagt zwar, dass sie ihm das alles nicht verzeihen wird und auch die schwangere Ila äußert ihre Unzufriedenheit mit der Situation, im Großen und Ganzen machen die beiden dem Captain der Arche sein Recht, auf seinem Schiff umzubringen wen er für richtig hält, nicht streitig. Hier für ein wenig mehr charakterliche Tiefe bei den weiblichen Figuren zu sorgen, ist ein Potenzial, das Aronofsky leider nicht einmal annähernd ausschöpft.

Und so ist auch alles Weitere, das mir zu „Noah“ einfällt, irgendwie nichts Gutes. Eine interessante neue Sicht auf die Bibelgeschichte hat sich mir nicht eröffnet, die Figuren wirken platt, die Schauspieler von der Regie alleine gelassen. Die Effekte sind mäßig und der digitale Look sorgt zumindest bei mir dafür, dass sich alles ziemlich unecht anfühlt. Zugute halten kann man dem Film vielleicht noch, dass er irgendwie auch mutig ist. Man hat das Gefühl, Aronofsky tut hier das, was er tun will – ohne Rücksicht auf Verluste. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, ich hätte diese Mischung aus Bibel- und Katastrophenfilm und „Der Herr der Ringe“ lieber von Roland Emmerich oder zur Not sogar von Michael Bay gesehen. (Oh je, das klingt jetzt ganz schön schlimm.)

Bild © Paramount

Kino 2015: Meine Top 10

Posted by – 26. Dezember 2015

In diesem Jahr kann ich keine ersthafte „Top 10“-Liste aufstellen. Dazu habe ich einfach zu wenig gesehen. Dachte ich. Und so hatte ich mich eigentlich schon entschlossen, die Liste entweder wegzulassen oder mich auf die „Top 5“ zu beschränken. Nur ca. 30 Mal war ich im Kino – so wenig wie seit 20 Jahren nicht. Doch bei der Filminventur 2015 ist mir aufgefallen, dass unter den 30 Filmen etliche gute bis sehr gute zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in diesem Jahr recht ausgewählt ins Kino gegangen bin und mir vor allem Filme angesehen habe, von denen ich erwarten konnte, dass sie mir gefallen. Deshalb gibt es nun auch in diesem Jahr wieder eine „Top 10“-Liste. Auch wenn zumindest die letzten drei es in einem anderen Jahr vermutlich nicht auf das 10er-Treppchen geschafft hätten, sind es doch gute Filme, und ihr Listenplatz ist nicht total abwegig.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

„The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ ist ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt der stärkste Teil der Reihe. Ehrlich gesagt, finde ich es auch sinnlos, zu entscheiden, welcher Teil der beste ist, weil sie nämlich zusammen gehören und ein ganz vorzügliches Gesamtwerk bilden. Nach meiner derzeitigen Gefühlslage braucht sich „Hunger Games“nicht hinter meinen Lieblingsreihen „Star Wars“ oder „Spider-Man“ verstecken. Francis Lawrence und allen Beteiligten ist hier etwas ganz Großes gelungen. Wieso weshalb warum lest ihr hier, hierhier und schließlich hier.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Mein Lieblingsfilm der letzten Berlinale, der auch einen regulären Kinostart hatte. Michael Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken über Filme zu schreiben. Die Dokumentation von Dominik Graf setzt dem 2011 verstorbenen Filmkritiker ein Denkmal. Ich hatte Tränen in den Augen. Meisterwerk.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Bester Sci-Fi-Film der vergangenen 10 Jahre. Weil man hier etwas über den Menschen lernt, lernt man auch etwas über künstliche Intelligenz. Eine Maschine ist intelligent und menschenähnlich, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit seinesgleichen oder einem Roboter kommuniziert – so die gemeine Einschätzung. Alex Garland geht in seinem enorm stylischen Film noch einen Schritt weiter und sagt, sich gegenseitig zu betrügen, sei die wesentliche menschliche Eigenschaft. Wenn Maschinen darin genauso oder sogar besser sind, dann haben sie das Label KI wahrlich verdient. Hier etwas mehr dazu.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Ja, was soll man dazu sagen? „Mad Max: Fury Road“ ist kein Film, den man sich über’s Denken aneignet, sondern über’s Fühlen und Erleben. Er ist ein Film der Bilder, der Bewegung, der Action. Ich habe ihn 1,5 Mal gesehen. Das zweite Mal begonnen habe ich ihn auf dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum Film.

Victoria (Sebastian Schipper, Deutschland 2015)

Ich liebe „Absolute Giganten“ (hier zu meiner Filmstarts-Kritik), mag „Ein Freund von mir“, finde „Mitte Ende August“ (hier zur Kritik und zu einem Interview mit Sebastian Schipper) sogar noch etwas besser. Nach zwei Filmen, die nicht ganz an die Stärke des Debüts anschließen konnten, ist Sebastian Schipper mit „Victoria“ ein ganz starker Film gelungen. Der in Hannover geborene Filmemacher hat schon immer ein außergewöhnliches Gespür dafür, alltägliche Beziehungen in leicht überhöhter Form und trotzdem jederzeit nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. In allen seinen Filmen geht es um Freundschaft. In „Victoria“, seinem düstersten, ruhelosesten und mitreißendsten Film, der aus einer einzigen, atemberaubenden Plansequenz besteht, geht es um deren Schattenseiten. Um in einer Berliner Partynacht nicht allein zu sein, schließt sich die junge Spanierin Victoria einer Gruppe von jungen, feiernden Männern an. Gemeinsam erleben sie einen wunderbaren Abend – bis alles irgendwann eskaliert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Whiplash (Damien Chazelle, USA 2014)

„Whiplash“ ist der Film, bei dem ich mir am unsichersten bin, an welche Stelle meiner Top 10 er gehört. Je nach Stimmung, die sich von Minute zu Minute ändern kann, ist er wahlweise noch höher platziert oder gar nicht in der Liste. Aber dass Chazelles Fim so ambivalent ist, ist gleichzeitig auch eine seiner größten Stärken. Ob er ein heimliches Loblied auf die Leistungsgesellschaft oder eine hintergründige Kritik an ihr ist, bleibt offen und liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zur Kritik hier entlang:

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Die Brenner-Filme sind großartig. Ich weiß gar nicht genau, welcher mir am besten gefällt, wahrscheinlich „Der Knochenmann“ (2009). Aber auch „Das ewige Leben“ ist ein ganz feiner Film, denn hier erfährt der Zuschauer mehr über die Person Simon Brenner als je zuvor. Wer ist dieser Mann, der seine Karriere bei der Polizei begann, dann Privatdetektiv wurde und sich seitdem von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, dem das Scheitern zur zweiten Natur geworden ist und der trotzdem niemals locker lässt, auch wenn er dafür einiges einstecken muss? Doch nicht nur der Zuschauer erfährt viel. Auch der Brenner selbst erfährt einiges über sich und darüber, was ihm im Leben wichtig ist. Hier geht’s zu meiner Kino-Zeit-Kritik.

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Die letzten drei Filme hätten es in einem anderen Jahr mit mehr Kinobesuchen vermutlich nicht in meine Top 10 geschafft. Bei „It Follows“ hätte ich mir direkt nach dem Kinobesuch nicht einmal vorstellen können, dass er auch nur entfernt ein Kandidat sein könnte, wie hier nachzulesen ist. Aber der Film ist ordentlich nachgereift und hat sich ganz heimlich, still und leise zu den besten Filmen gesellt, die ich in diesem Jahr gesehen habe. „It Follows“ ist so sehr Traum, dass er, wenn man das erst einmal so richtig begriffen hat, mir zumindest umso mehr Angst gemacht hat. Ganz ehrlich, nach „It Follows“ habe ich ein paar Male schlecht geträumt. Und ein schöneres Kompliment kann man einem Horror-Film ja wohl nicht machen.

Star Wars – The Force Awakens (J. J. Abrams, USA 2015)

Wie so viele andere Menschen bin ich ein großer „Star Wars“-Fan und liebe Episode 4-6. Und wie ebenfalls nicht wenige, bin ich durch die Episoden 1-3 schwer traumatisiert worden. Als dann bekannt wurde, dass J. J. Abrams, der schon das StarTrek-Reboot vielleicht nicht kommerziell, aber doch künstlerisch gegen die Wand gefahren hatte, die Saga fortsetzen sollte, kümmerte mich das trotzdem nicht besonders, denn schlimmer als die letzten Filme konnte es ja nicht werden. Als Lawrence Kasdan zum Team der Fortsetzung hinzustieß und dann sogar der erste Trailer nicht so schlecht aussah, wurde mein Interesse schließlich doch geweckt. Lange Rede: Jetzt habe „Star Wars – The Force Awakens“ vor ein paar Tagen gesehen und… – Das krieg ich jetzt auf die Schnelle nicht in Worte gefasst, aber: Ich habe ein bisschen was zu mäkeln, aber der Daumen geht tendenziell hoch! Allein Daisy Ridley als Neu-Jedi Rey. So gut! Ein längerer Text folgt.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Ich habe immer noch nicht die Vorlage dieses Remake/Sequels gesehen, deswegen fehlt mir eigentlich ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Film wirklich einschätzen zu können. Aber, wie hier schon im Blog geschrieben, muss ich immer noch sagen: Auffällig guter, prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms. „The Town That Dreaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, der Film beeindruckt durch extremen Stilwillen und Inszenierungsfreude. Ich muss sagen, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr gesehen habe, was so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Sehr fein.

Es gibt noch eine Handvoll Filme, die ich eigentlich sehen wollte und von denen ich vermute, dass sie eine Chance auf einen Top-10-Platz gehabt hätten. Dazu gehören beispielsweise„Eisenstein in Guanajuato“,„Ich seh, ich seh“,„Duke Of Burgundy“„Everest“, „Sicario“, „Macbeth“ oder „Steve Jobs“. Aber dieses Jahr war echt wenig Zeit, so dass ich es einfach nicht hinbekommen habe. Es deutet sich allerdings an, dass sich bei mir nächstes Jahr etwas ändert. Im besten Fall bedeutet das, dass ich wieder mehr Zeit fürs Kino und Bloggen habe. Man darf mir gerne die Daumen drücken!

Zuletzt gesehen (2)

Posted by – 21. Dezember 2015

Ich merke jetzt schon, dass mich diese Rubrik eher nervt als zu kompensieren, dass ich gerade so wenig Zeit für Film, Kino und Schreiben habe. Nur so ein paar Sätze über ihn zu schreiben, das hat kein Film verdient. Und mir bringt es eigentlich auch nicht viel. Bei knappen 1000 Zeichen springt das Hirn noch nicht an. Aber egal – das habe ich zuletzt gesehen:

The Dark Knight (Christopher Nolan, USA / UK 2008)

Mein drittes Mal „The Dark Knight“. Ich bleibe bei meiner Meinung: Dies ist der beste Batman-Film, der bisher gemacht worden ist. Warum? Auch, weil hier Nolans Stärken (realistischer Ansatz, tolles Design) mit einer guten (Kriminal-)Geschichte zusammenkommen. Aber vor allem natürlich weil Heath Leadgers Darstellung des Jokers so überragend ist. Gut und böse, Ordnung und Chaos, Ying und Yang – dieser „Batman“ traut sich an die großen Fragen und bleibt trotzdem mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Toll.

Man Of Tai Chi (Keanu Reeves, USA, China, Hongkong 2013)

Ich kann schon verstehen, warum dieser Film so wohlwollend aufgenommen wurde. Kenau Reeves versucht in „Man Of Tai Chi“ das Prügelkino der 1980er und 90er Jahre ins neue Jahrtausend zu transferieren. Und das gelingt ihm gar nicht mal so schlecht, bei allen Stärken und Schwächen, die das Genre ausmacht. Meine Probleme mit „Man Of Tai Chi“ lagen vor allem darin begründet, dass ich die Kämpfe mäßig fand und ich auch keinen wirklichen Spannungsanstieg im Verlauf des Films feststellen konnte. Keanu Reeves als Endgegner war ein Flop. Ich bin sicher, dass man als Liebhaber des Genres auch noch etliche positive Aspekte des Films nennen kann, aber ich belasse es mal bei diesen kurzen Anmerkungen und der Feststellung, dass mich der Film nicht besonders gut unterhalten hat.

The Punisher (Jonathan Hensleigh, USA / Deutschland 2004)

Hatte ich irgendwann schon mal gesehen. Fand ich damals so lala und diesmal leider auch nicht viel besser. Mich stört nichts so richtig, aber es gibt auf der anderen Seite auch wenig echte Stärken, die „The Punisher“ zu einem Superhelden-Film mit Erinnerungswert machen. Vielleicht ist es sogar sein Superhelden-untypisches Setting, das ihn innerhalb der Marvelfilme noch am besten auszeichnet. Nimmt man ihn als Action-Film, hat er wiederum zu wenig Alleinstellungsmerkmale. Highlight des Films ist sicherlich der Fight des Punishers gegen den Herren im gestreiften T-Shirt, und auch sonst gibt es den ein oder anderen Moment, in dem ich freundlich Richtung Fernseher genickt habe, aber alles in allem hat der Film einfach zu wenig, um mein Interesse zu wecken und zu halten. Meiner Lust, mich mal näher mit den „Punisher“-Comics auseinanderzusetzen, habe ich durch den Film jetzt erst mal einen Dämpfer verpasst. Ist aber nicht schlimm. Mehr Zeit für andere Sachen.

Bone Tomahawk (S. Craig Zahler, USA 2015)

Und nach dem Film alle so: Äh? Ratlose Blicke. Nicht falsch verstehen, die Geschichte um ein paar Cowboys, die zwei Geiseln aus der Gewalt von Kannibalen-Indianern befreien wollen, ist jetzt auf den ersten Blick für einen Genre-Film nichts Ungewöhnliches, aber für den zweiten dann eben schon. Was genau an ihm nicht stimmt, ist gar nicht so leicht zu sagen. Vielleicht lässt es sich am besten so beschreiben: Der Film ist absolut leer. Aber – kann das wirklich sein? Soviel Trara, so bekannte Schauspieler, offensichtliche Können seitens S. Craig Zahler – und dann ist da nichts sonst? „Bone Tomahawk“ war der einzige Film, den ich in diesem Jahr auf den Fantasy Filmfest White Nights gesehen habe und noch zwei Wochen nach Sichtung, weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Ist da was? Ist nichts? Ich weiß es nicht…

Contraband (Lucio Fulci, Italien 1980)

Wieder ein Fulci zu dem man eigentlich ganz viel sagen könnte und sollte, aber angesichts des anstehenden Artikels zu „Das Haus an der Friedhofsmauer“ drückt sich mein Gehirn gerade davor, überhaupt irgendwas Sinnvolles zu diesem Regisseur auszuspucken. Immerhin habe ich mit „Contraband“ (OT: Luca il contrabbandiere) einen der letzten Filme, den ich mir zur Vorbereitung noch zu Gemüte führen wollte, angesehen und endlich mal wieder einen Fulci gesehen, der mir ziemlich viel Spaß gemacht hat: Schmutzig, düster, trostlos, kraftvoll inszeniert, auffällig stringent und sehr spannend. Guter Fulci, wenn man einmal davon absieht, dass er an ein, zwei Stellen wirklich unnötig brutal ist.

Elvis (John Carpenter, USA 1979)

Posted by – 5. Dezember 2015

ElvisJohn Carpenter einmal ganz anders. Mit dem Biopic über den großen Elvis Presley zeigt der Regisseur, der bis zu diesem Zeitpunkt schon „Dark Star“ (1974), „Assault on Precinct 13“ (1976), „Someone’s Watching Me!“ (1978) und „Halloween“ (1978) gedreht hatte, dass er nicht nur Horror, Comedy und Thriller kann, sondern dass er auch realistische Dramen beherrscht und durchaus in der Lage ist, das Leben einer berühmten Persönlichkeit inszenatorisch interessant und von inhaltlichem Mehrwert auf die Leinwand zu bringen. Eine Fähigkeit, die nicht viele Regisseure haben.

Carpenters Film beginnt mit einem Quasi-Selbstmord: Elvis, der gerade im International Hotel eingecheckt ist, „erschießt“ einen Fernseher, in dem gerade über ihn berichtet wird. Der Anfang, der im Jahr 1970 spielt, ist gleichzeitig das chronologische Ende der Geschichte. Danach erzählt Carpenter vom Großwerden des Stars Elvis Aaron Presley, dessen bewegtes Leben (1935 – 1977) auch heute noch die Welt rührt. Was macht Carpenter anders, was macht er besser als so viele Kollegen? Nun, in Biopics soll dem Protagonisten ein Denkmal gesetzt werden. Das Ergebnis sind in der Regel ziemlich vorhersehbare und damit öde Geschichten vom Aufstieg und Fall ihrer Helden, die meist auf Glorifizierung und übertriebenes Sentiment setzen und sich dabei im Allgemeinen verlieren. Natürlich erfüllen auch solche Filme ihren Sinn, schließlich möchte man etwas für die Vitrine, und das Erinnerungsstück soll bitteschön auch hübsch anzusehen sein. Legitim – aber langweilig. Vielleicht tue ich dem Genre gerade Unrecht und mir kommen im Moment nur die falschen Filme in den Sinn. Aber was ich von einem Biopic erwarte, ist, dass man eine Meinung zu seinem Subjekt hat. Einfach nur die Wikipedia-Fakten aneinanderzureihen, ein bisschen Aufstieg, ein bisschen Liebe, ein bisschen Krise, hach, so eine Berühmtheit hat es schon nicht leicht, das reicht mir nicht. Carpenters Films jedenfalls kann ich diese Art von Vorwürfen nicht machen, sein Film ist spezifisch, er hat etwas zu sagen, das über die Platituden anderer Musiker- und Starbiografien hinausgeht.

Elvis hatte viel Energie, sogar für zwei, aber auch für zwei sollte sie nicht für sein ganzes Leben reichen. Er hatte von Anfang an ein Bild von sich, dem er nacheiferte. Er ist geworden, was er wollte. Aber dieses Bild seiner Selbst war nicht differenziert genug – äußerlich geprägt von seiner Musik, seinem Look, den Statussymbolen, die ihm sein Ruhm verschafft hat, aber innerlich, emotional, verkümmert. Sspätestens ab dem Moment als seine Mutter stirbt ­– wobei es zu den größten Stärken des Films zählt, dieses quasi-telepahtisch, irritierend intime Verhältnis überhaupt in dieser Form herauszuarbeiten – ist Elvis verloren. Mit der äußeren Fülle ging schon die innere Leere einher, und der Verlust seiner Mutter ließ ihn innerlich ins Bodenlose stürzen. Seine Kraft war noch da, mit großer Anstrengung stellte er sich dem körperlichen Verfall und gefühlten Sinnlosigkeit entgegen, sein Bild von sich, das ihm wie ein Leuchtfeuer in der Nacht die Orientierung gab, wurde zum einzigen Bezugspunkt seines immer unglücklicher werdenden Lebens. Neben Carpentens behutsamer Regie, die das Innenleben seines Protagonisten andeutet ohne es plakativ auszustellen, ist es vor allem Russels meisterhafter Darsteller-Leistung zu verdanken, dass Elvis für den Zuschauer lebendig wird und man als Zuschauer zunehmend den Stress, der sich in dem Star aufbaut, spürt und ein Gefühl dafür bekommt, wie und warum Elvis mehr und mehr verbrennt.

Und wenn ich oben gesagt habe, „Carpenter einmal ganz anders“, dann muss ich das zum Schluss wieder ein Stück zurücknehmen. Denn das, was man bei diesem Regisseur oft verkennt, ist, dass er nicht nur im Spannungsfach ein absoluter Meister ist. Auch wenn es vielleicht etwas verdächtig klingt, dass ich als bekennender Biopic-Verächter und jemand, der mit Elvis eigentlich wenig anfangen kann, hier so ein Loblied singt – das hat nichts damit zu tun, dass ich ein großer Carpenter-Fan bin. Dieser Film ist meiner Meinung nach wirklich toll und eine viel zu wenig beachtete Perle sowohl des Genres als in dem Werk dieses großartigen Filmemachers. Wenn Elvis tatsächlich noch irgendwo lebt, dann in Carpenters Film.

Bild © Edel Germany