Captain America: Civil War (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2016)

Posted by – 25. April 2016

Wenn Superhelden die Welt retten, geht oft so einiges kaputt. Dass dabei auch Menschen umkommen, wird in Film und Comic allerdings oft verschwiegen. Nachdem DC in Zach Snyders „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ dieses Thema angegangen ist, zieht nun auch Konkurrent Marvel nach lässt die Regisseure Anthony Russo & Joe Russo, die sich schon mit „Captain America: The Winter Soldier“ für einen der besten Marvel-Filme verantwortlich zeichneten, das Kind aus dem Brunnen holen, frei nach dem Motto: Ernst, das können wir auch! Das Ergebnis, „Captain America: Civil War“, kann sich, wie ich finde, nicht nur sehen lasse – es ist ein Highlight innerhalb des leider etwas eintönigen Marvel Cinematic Universe. Dabei erfinden Russo & Russo das Rad gar nicht neu, im Gegenteil – ihr Film fügt sich bestens in die Reihe der bereits existierenden Filme ein. Aber sie schaffen es eben auch, das Franchise in eine neue, ernstere Richtung zu lenken, Akzente zu setzen indem sie einen zeitgemäßen, nachvollziehbaren Konflikt präsentieren, die Figuren glaubhaft agieren lassen und kraftvolle Szenen kreieren, die in Erinnerung bleiben. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird, ich glaube, es ist der richtige. Auf Kino-Zeit habe ich ein wenig mehr dazu geschrieben.

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Posted by – 24. April 2016

Neuer Job, wieder weniger Zeit, deswegen nur ganz kurz:

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Zweitsichtung. Schon das erste Mal mochte ich ihn sehr.Vermutlich bisher mein Lieblingsfilm aus dem Marvel Cinematic Universe. Und das, obwohl ich mit Captain America eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber die Russo-Brüder haben da einen echt feinen Film hinbekommen, der sich sowohl gut in die bisherige Reihe einfügt als auch eigene Akzente setzt. Das Superhelden-Genre ist noch nicht ausgelutscht, da ist noch was drin! Habe übrigens vor ein paar Tagen „Captain America: Civil War“ gesehen, ebenfalls von Anthony Russo & Joe Russo. Ein längerer Text, in dem ich vermutlich so was schreiben werde, wie, dass der Film gut, aber eben doch nicht ganz so gut wie „Winter Soldier“ ist, folgt.

The Bling Ring (Sophia Coppola, USA 2013)

„The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ finde ich toll und auch die allgemein nicht mehr ganz so gut aufgenommenen Folgefilme haben mir gefallen. „The Bling Ring“, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte über Jugendliche, die in die Villen von Prominenten einbrechen und Luxusartikel stehlen, ist der erste Film von Sophia Coppola“ mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Oberflächlichkeit hat sie mit „Marie Antoinette“ schon einmal wesentlich interessanter in Szene gesetzt.

The Visit (M. Night Shyamalan, USA 2015)

Wenn man hinterher mal ein wenig genauer darüber nachdenkt, macht die Geschichte von M. Night Shyamalan über zwei Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern treffen und in deren Haus Zeuge allerlei gruseliger Geschehnisse werden, nicht besonders viel Sinn. Währenddessen ist „The Visit“ aber äußerst spannend und mit angenehmer Ironie erzählt. Und die beiden Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould machen ihre Sache wunderbar. Ich bleibe dabei: Shyamalan ist ein einfallsreicher, fähiger und ungeheuer vielseitiger Regisseur, dem der Ruf als One-Hit-Wonder absolut zu Unrecht angehängt wird.

10 Cloverfield Lane (Dan Trachtenberg, USA 2016)

Weil „The Witch“ auf den Fantasy Filmfest Nights ausverkauft war, habe ich kurzerhand umdisponiert und mir „10 Cloverflied Lane“ angesehen. Zwar hatte mir „Cloverfield“ damals gar nicht gefallen, aber über den Nachfolger habe ich viel Gutes gehört. Leider ist mir so wieder bewusst geworden, wie wenig man sich doch auf den Geschmack anderer verlassen kann. Nicht, dass ich Trachtenbergs Debüt schlecht fand, aber für mich war das wieder ein Fall von einem zum Langfilm aufgeblasenen Kurzfilm, der außer seiner Grundidee nicht viel zu bieten hat. Ja, John Goodman spielt – wie immer gut – prima, aber dass seine Figur jetzt besonders vielschichtig angelegt und ihr Verhalten überraschend wäre, habe ich nicht gesehen. Insofern war ich von „10 Cloverfield Lane“ milde gelangweilt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA 2016)

Ups, den neuen Film von Jeff Nichols habe ich schon Mitte Februar gesehen und eigentlich wollte ich dazu etwas aufschreiben. Aber die damals frischen Gedanken sind im Licht der letzten Tage zu Staub zerfallen. Wie alle Filme von Nichols ist auch „Midnight Special“ wieder ein subtil eigenartiger Film, aber diesmal einer, zu dem ich nicht so richtig Zugang gefunden habe. Nur als Science-Fiction-Beitrag gesehen, ist das alles in der Tat etwas mager. Wenn man die Geschichte allerdings als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt sie an Bedeutungsreichtum und Intensität. Was mich möglicherweise von der großen Liebe zu diesem Film abhält, ist einfach die Tatsache, dass man zu viel denken muss, um genügend zu fühlen.

Visions (Kevin Greutert, USA 2015)

Posted by – 19. April 2016

Da hat mal wieder wer Visionen: Eveleigh (Isla Fisher) ist verwickelt in einen Unfall, bei dem eine andere Familie ihr Baby verliert. Um das Trauma zu überwinden zieht sie mit ihrem Ehemann David (Anson Mount) auf ein Weingut nach Kalifornien zieht. Kaum dort angekommen wird sie von Visionen heimgesucht. Doch während ihr Mann sowie ihr Arzt (Jim Parsons) ihre Wahrnehmungen auf eine Schwangerschaftsdepression schieben, hat Eveleigh einen anderen Verdacht und stellt Nachforschungen an. – „Visions“ von Kevin Greutert ist kein guter Film. Aber interessant ist er irgendwie doch, weil hier Form und Inhalt auf frappierende Weise auseinanderklaffen und so, vermutlich unabsichtlich, den Twist im Finale gleich noch einmal überraschender machen. Wer hätte gedacht, dass der von Greutert so plump inszenierte Film nach einem auch nicht gerade preisverdächtigen Drehbuch von L.D. Goffigan und Lucas Sussman eine eigentlich ganz schöne Idee zugrunde liegt. Schade, dass „Visions“ niemand mit etwas mehr Sachverstand in die Hand genommen hat, da wäre mehr drin gewesen. Und apropos mehr: Auf Kino-Zeit.de schreibe ich etwas mehr dazu.

Batman v Superman: Dawn Of Justice (Zack Snyder, USA 2016)

Posted by – 2. April 2016

Ja, ich mag ihn. Ich mochte schon „Man Of Steel“, aber „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ finde ich sogar noch besser. Einige Gründe dafür nenne ich hier. Man könnte den Film auch noch aus etlichen weiteren zu schätzen wissen, z.B. für diese irritierende WTF-Traumszene (die unkluger Weise schon im Trailer verbraten wird) sowie gefühlt 300 andere Momente, die mehr Kraft haben, als das Meiste, was Konkurrent Marvel bisher zu Stande gebracht hat – angefangen bei der kurzen, aber berauschenden Origin-Skizze Batmans, oder der frühen Sequenz, die an den Vorgänger Teil anschließt und in der Bruce Waynes Hass auf Superman legitimiert wird bis hin zur Inszenierung des Endes. Als der Vorhang fiel, hätte ich mir den Film gleich noch mal ansehen können. Ganz zu schweigen davon, dass ich ziemlich gespannt darauf bin, wie es weiter geht mit Batman (Ben Affleck), Superman (Henry Cavill), Wondergirl (Gal Gardot) und der Justice League. Zu den Petitionen, die bewirken wollen, dass Snyder aus den Folgeprojekten abgezogen wird, sage ich mal nichts. Natürlich gibt es auch Kritikpunkte, viele teile ich sogar, aber ehrlich sagt – das einzige, das mich an dem Film wirklich gestört hat, war Lex Luther. Hier hat mir weder Jesse Eisenberg gefallen, der auf mich irgendwie wirkte, als hätte er sich aus einem anderen in diesen Film verirrt, noch der „Plan“ seiner Figur, welcher mir freundlich gesagt eines Masterminds nicht würdig erschien.

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Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Sleepaway Camp (Robert Hiltzik, USA 1983)

Posted by – 31. März 2016

sleepaway camp_Es ist kaum etwas Schöneres als nichtsahnend in einen tollen Film zu stolpern. So ist es mir vor ein paar Tagen mit „Sleepaway Camp“ geschehen, den ich eigentlich nur angemacht hatte, weil ich mich mal wieder nicht richtig entscheiden konnte und mir von Robert Hiltziks Film kurzweilige, entspannende Genre-Unterhaltung versprochen hatte. Und dann war es eines der schönsten Filmerlebnisse der letzten Wochen, ich bin immer noch wie verzaubert von diesem kleinen aber feinen Slasher.

In einem Feriencamp muss ein Kind mit ansehen, wie seine Familie bei einem Bootsunglück ums Leben kommt. Jahre später wird Angela (Felissa Rose) zusammen mit ihrem Cousin Ricky (Jonathan Tiersten) von ihrer Tante Martha (Desiree Gould) wieder in ein Camp geschickt. Das stille Mädchen wird schnell Opfer von Hänseleien. Nur Ricky und sein Kumpel Paul (Christopher Collet) setzen sich für das Mädchen ein. Die auf einmal beginnende Reihe von „Unfällen“ wird vom Camp-Leiter Mel (Mike Kellin) lange Zeit heruntergespielt – bis es zu spät ist…

Ja, aber warum fand ich den Film denn jetzt so gut? Zum einen er für einen Film dieses Genres auffällig gut gemacht ist und Hiltzik offensichtlich eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, was er wollte und man diese zielgerichtete Energie dem Film jederzeit anmerkt. Das hängt natürlich mit dem folgenden Punkt zusammen, das handwerkliche Können des Regisseurs und der gelungene Subtext bedingen sich ja gegenseitig. Gut gemacht heißt hier nicht, dass der Film teuer ist oder die Rollen mit hochrangigen Darstellern besetzt sind (im Gegenteil: viele der Darsteller sind Laien), sondern dass hier alles in sich stimmig und zweckdienlich umgesetzt wurde. Der Film enthält eine ganze Reihe wirklich unheimlicher, intensiver Szenen, der Unfall am Anfang beispielsweise, die Beinahe-Vergewaltigung Angelas durch den Koch usw.; und doch ist er nicht nur in solchen besonderen Momenten gut, sondern auch dazwischen. Hier stimmen der (Erzähl-)Fluss, das Timing und die Atmosphäre. Sogar die Figuren sind für das Genre ungewöhnlich plastisch und in ihren Bedürfnissen glaubhaft, vielleicht mit Ausnahme von Camp-Leiter Mel, dessen Verhalten für mich nie ganz nachvollziehbar war und Karen Fields als Zicke Judy, die Angela besonders hartnäckig malträtiert. Die beiden sind für meinen Geschmack in ihren Rollen unklar (Mel) oder etwas zu übertrieben und grobmaschig (Judy) anlegt.

Zum anderen fand ich „Sleepaway Camp“ so stark, weil er mir zwar, wie für einen Slasher üblich, sehr bekannt vorkam, ich aber gleichzeitig trotzdem schnell gerafft habe, dass er irgendwie anders ist, was sich im weiteren Verlauf – und mit Paukenschlag vor allem am Ende! – auch bestätigt. Gut, ich kannte das Ende schon von Hörensagen, aber so ist mir erst richtig bewusst geworden, wie gekonnt dieser Film angelegt ist. Soviel sei verraten, es geht um etwas, um das es versteckt in den meisten Slasher geht, zumindest ist dieses „Etwas“ ein fester Bestandteil des Genres. Nur wird es hier, wie ich finde, auf eine andere Art und clevere Weise aufgegriffen. Obwohl ich eigentlich nicht daran glaube, dass man gute Filme spoilern kann: Dass ich hier so um den heißen Brei herumrede, liegt tatsächlich mal daran, dass ich niemandem die Chance nehmen möchte, sich von dem Film überraschen zu lassen. Ich kannte wie gesagt den Twist schon, und es hat den Guckspaß vielleicht sogar noch erhöht, weil ich auf andere Dinge geachtet habe, aber es ist ja nicht gesagt, dass es anderen genauso geht.

Ganz allgemein: Im Slasher geht es ums Töten. Ein Killer bringt eine Reihe von Personen, meist eine Gruppe von Teenagern oder jungen Erwachsenen kreativ um die Ecke. Der Einfallsreichtum der Morde steht oft im Gegensatz zum Leben der Ofer, das man trotz Sex, Drogen und Partys – oder Ausflügen in die Backwoods – in den meisten Fällen als trist und öde bezeichnen muss. Die Gründe des Killers sind unterschiedlich, oft ist das Töten eine Folge von in der Kindheit erlittener Traumata, die Rache für erfahrenes Unrecht o.ä. Interessant sind Slasher oft durch die implizite Moral – sind die Opfer doch meist Personen, die direkt oder indirekt in die Kränkung des Killers verwickelt waren und/oder oder sich eines lasterhaften Lebenswandels schuldig gemacht hatten. Dies lässt viele Slasher puritanisch oder sogar reaktionär erscheinen. Vielleicht sind es einige auch. Interessanter finde ich allerdings Ansätze, welche die auffälligen Gewaltszenen im Kontext der Handlungsarmut und Monotonie der Geschichten interpretieren und sich bei der Analyse des Genres auch auf diesen offensichtlichen Kontrast – zwischen schillernden Morden einerseits und der Tristesse des Rests andererseits –beschäftigen. Ich bin mit meinen Gedanken hierzu noch nicht am Ende, aber bei diesem Ansatz wäre doch denkbar, dass Slahser in der Mehrheit keine reaktionäre, sondern (gesellschafts-)kritische Haltung haben, in denen sich die Gewalt als Reaktion auf verschiedene Formen von (sexueller) Repression und Unterdrückung zeigt – nicht in dem sie moralisch legitimiert sondern, sondern dass sie ästhetisch auffällig wird?

Ich will jetzt auch nicht zu dick auftragen: „Sleepaway Camp“ ist ja irgendwie immer noch ein handelsüblicher Slasher der 1980er Jahre und wohl kein verschollenes, subversives Meisterwerk. Aber es ist eben auch einer, der sich besonders gut dazu eignet, sich darüber Gedanken zu machen, worum es in dem Genre eigentlich geht, was seine Standards sind und welche Funktion sie erfüllen (können). Das hat Robert Hiltzik ganz offensichtlich mit großer Hingabe getan. Ich halte den Film für wichtig.

Bild © Anchor Bay Entertainment

Malastrana (Aldo Lado, Deutschland / Italien / Jugoslawien 1971)

Posted by – 22. März 2016

MalastranaMal gleich mit der Tür ins Haus gefallen: „Malastrana“ (OT: La corta notte delle bambole di vetro) ist einer der besten Filme, die ich in den letzten Monaten gesehen habe. Auf meiner Liste der bereits gesehenen, gemeinhin als „Gialli“ bezeichneten italienischen (Psycho-)Thriller, würde ich in spontan zu den Top-10 zählen. Lado Aldos Geschichte ist ein unglaublich pessimistischer, über alle Maßen deprimierender Alptraum, gegen den sich die Romane von Franz Kafka fast schon heiter erweisen. Selbst ein paar Tage nach meiner ersten Begegnung mit diesem Film sitzt mir die Erfahrung tief in den Knochen und lässt mich frösteln.

Das fängt schon mit der Prämisse des Films an: Der Protagonist, ein amerikanischer Journalist namens Gregory Moore (Jean Sorel), liegt tot auf dem Tisch des Leichenbeschauers. Scheinbar tot! Ist er aber nicht, er hat nur keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Die Obduktion ist bereits angesetzt. Die Geschichte von „Malastrana“ entspinnt sich an Gregorys Erinnerungen, sein eingesperrter Verstand versucht dahinter zukommen, was ihn in diese Lage gebracht hat. Gregory erinnert sich: Seine Freundin Mira (Barbara Bach) hatte ihn besucht. Als er nach einer Party, bei der er Mira eine Reihe Leuten vorgestellt hat, noch einen Arbeitstermin wahrnehmen muss und wieder nach Hause zurückkehrt, ist sie fort. Er macht sich auf die Suche, Polizei und Kollegen sind ihm dabei kaum eine Hilfe. Bei seinen Recherchen findet er heraus, dass seit jüngst eine ganze Reihe von jungen Frauen vermisst wird. Je tiefer er gräbt, desto größer werden die Widerstände. Bald gibt es die ersten Toten…

„Malastrana“ (= ein Stadtteil Prags, tschechisch: Malá Strana) ist natürlich auch eine Parabel auf den totalitären Staat, in dem die Reichen elitäre Geheimbünde, unterstützt von korrupten Polizisten, die Herrschaft übernommen haben. Ein Menschenleben ist hier nicht viel wert – das eines einheimischen Mädchens allerdings noch weniger als das eines amerikanischen Journalisten. Das Gleichnis ist allgegenwärtig, doch ich hatte nie das Gefühl, dass Lado die Parallelen zwischen dem paralysierten Journalisten und dem ohnmächtigen Individuum im Faschismus übertreibt, sondern dass ihm in erster Linie daran gelegen ist, seine ungewöhnliche Geschichte möglichst effektiv zu präsentieren. Die Bilder von Kameramann Giuseppe Ruzzolini vermitteln das Gefühl von Einsamkeit und Schwere, die tieftraurige Cello-Musik von Meister Ennio Morricone tut sein Übriges, den Zuschauer immer tiefer in den Abgrund zu reißen. Es ist kaum übertrieben, Lado zu bescheinigen, dass er mit „Malastrana“ der Stadt Prag ein ähnlich atmosphärisches Denkmal gesetzt hat, wie es zwei Jahre später Nicolas Roeg mit „Don’t Look Now“ für Venedig gelingen sollte.

Von Aldo kenne ich bisher „Night Train Murders“ und „Who Saw Her Die“, die mir beide ebenfalls sehr gut gefallen haben. „Malastrana“ – oder auch „Short Night of the Glass Dolls“ wie er international heißt – ist meiner Meinung nach aber noch einmal ein Stück stärker, weil er das Gefühl der Machtlosigkeit sehr eindrucksvoll einfängt. Wenn man sich mal klar macht: Die Geschichte, die wir sehen, besteht ja lediglich aus den Erinnerungen des paralysierten Protagonisten. Jede Entdeckung, die er macht, jedes weitere Puzzlestück des Rätsels, schafft lediglich ein Gefühl von Fortschritt. In Wirklichkeit aber ist alle Souveränität in diesem Film eine Illusion. Ein besseres Verständnis seiner Situation ist die einzige Freiheit, die dem unfreien Individuum bleibt. Bitterer kann die Moral der Geschicht’ wohl nicht.

Bild © Camera Obscura

The Psychic (Lucio Fulci, Italien 1977)

Posted by – 20. März 2016

The PsychicUnter einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung versteht man eine Vorhersage, die nur deswegen eintritt, weil sie ausgesprochen wurde. So ergeht es auch Virginia (Jennifer O’Neill) in Lucio Fulcis „The Psychic“ (OT: Sette note in nero), die eines Tages die Vision eines Mordes an einer Frau hat. In der Villa ihres Mannes Francesco (Gianni Garko) erkennt sie Fragmente daraus wieder – und ruft die Polizei. Diese findet eine eingemauerte Leiche. Allerdings ist das nicht die Frau aus Virginias Vision. Zusammen mit dem Parapsychologen Luca Fattori (Marc Porel) stellt sie Nachforschungen an, bis sie der Wahrheit gefährlich nahe kommt…

Seit zwei Jahren lag eine DVD von Luci Fulcis „The Psychic“ bei mir ungesehen im Regal. Dabei gab es in letzter Zeit kaum einen Film, auf den ich mich mehr gefreut habe. Warum das lange Warten? Ich hatte mir den Film dooferweise in der RC1-Version gekauft, die meine Playstation leider nicht abspielen kann. Auf der letzten Filmbörse habe ich mir dann das Mediabook aus dem Hause „84 Entertainment“ von „The Psychic“ bzw. „Die sieben schwarzen Noten“, wie er hierzulande heißt, gegönnt. Das hat sich als ausgezeichnete Entscheidung herausgestellt, denn es ist bestimmt auch der an Extras reichen Veröffentlichung (vor allem dem Audiokommentar von Marcus Stiglegger) zu verdanken, dass ich den Film nicht nur nett, sondern schlussendlich sogar ziemlich gut, wenn nicht sogar toll fand.

Von Beginn an hat „The Psychic“ einen ganz eigenartigen Sog. Eigenartig deswegen, weil ich ihn zuerst gar nicht richtig wahrgenommen habe, sondern erst am Ende – vielleicht sogar erst richtig, als der Film schon vorbei war. Man kann den Zuschauer in gewisser Hinsicht mit der Protagonistin vergleichen, der, wie Virginia in ihrer Vision, irgendwie in diesem Film gefangen, ihm sozusagen ausgeliefert ist. „The Psychic“ hat in mehrfacher Hinsicht etwas Geschlossenes. Die Protagonistin ist ganz mit ihren Nachforschungen befasst, diese „Welt“ verlässt sie nie. Doch jedes Puzzleteil des Verstehens, ist gleichzeitig ein Stein, aus dem sie ihr Schicksalsgefängnis baut. Das ist inszenatorisch von Fulci sehr geschickt umgesetzt, so dass sich das Gefühl der Unausweichlichkeit subtil ins Hirn des Zuschauers fräst. Wie die Protagonistin wird auch er wie auf Autopilot durch die Geschichte gezogen, wie sie ahnt auch er zumindest eine Zeitlang nicht, welches Ende die Autoren Dardano Sacchetti und Roberto Gianviti unter der Mithilfe des Regisseurs vorgesehen haben.

Überhaupt ist auch dieser Film Fulcis wieder sehr schön. Durch Gegenlicht-Aufnahmen von Kameramann Sergio Salvati erhalten viele Momente etwas träumerisches, eine ganz eigene Aura und Schönheit, die im Kontrast zu der düsteren Geschichte steht. Gleiches gilt für den stimmungsvollen Score und die einprägsame, Titelmelodie von Franco Bixio, Fabio Frizzi und Vince Tempera. Wie schon in „A Lizard In A Womans Skin“ geht es in „The Psychic“ – das hat er mit mehreren Filmen von Dario Argento gemeinsam – um die Rekonstruktion und anfänglichen Fehlinterpretationen einer Wahrnehmung; und wie auch in Fulcis anderen Gialli ist auch „The Psychic“ wieder ein untypischer Vertreter des Genres, dessen Standards ihm in mehrfacher Hinsicht abgehen, ohne dass dieses Fehlen in irgendeiner Hinsicht ein Mangel wäre. Im Gegenteil, der freie Umgang mit dem Netzwerk an Giallo-Stilismen, macht diesen Film so reich und reizvoll. Und dass er mit der tückischen, sich selbst erfüllenden Prophezeiung bzw. Vision ein – wieder nicht ganz genretypisch – ein echtes Thema hat, das er spannend, originell und formal stimmig umsetzt. Ich sage jetzt auch mal etwas voraus: Wenn das so weiter geht, werde ich noch zum Fulci-Fan..

Bild © 84 Entertainment

Libido (Ernesto Gastaldi, Vittorio Salerno, Italien 1965)

Posted by – 19. März 2016

LibidoNicht so werden zu wollen wie seine Eltern – darüber wird der ein oder andere bestimmt schon nachgedacht haben. Und auch mir fallen da spontan gleich mehrere Menschen einen, die diesen Wunsch mal geäußert haben. Auch der Protagonist im frühen Giallo von Ernesto Gastaldi & Vittorio Salerno möchte auf keinen Fall in die Fußstapfen seines Vaters treten. Denn als Kind musste Christian mit ansehen, wie dieser eine Frau umbrachte und hinterher Selbstmord beging. Die nächsten Jahre verbringt Christian unter psychiatrischer Aufsicht. Um seinen gesundheitlichen Zustand zu testen kehrt er als Erwachsender (Giancarlo Giannini) zusammen mit seiner Gattin Eileen (Dominique Boschero), seinem Anwalt Paul (Luciano Pigozzi) sowie dessen Frau Brigitte (Mara Maryl) zum Haus seiner Kindheit zurück. Schon bald findet Christian immer mehr Anzeichen dafür, dass irgendetwas in dem alten Haus nicht stimmt. Lebt sein Vater etwa noch?

„Libido“, der kurz nach Mario Bavas Klassiker „Blood And Black Lace“ entstanden ist, ist, noch kein typischer Giallo, wenngleich die Elemente des Genres, eine Mordserie, ein unbekannter Killer, schwarze Handschuhe, sexuelle Traumata, einprägsame Musik u.ä. hier durchaus vorkommen. Auch das Thema Beobachten spielt, wie vor allem in den Gialli Dario Argentos, eine Rolle wichtige eine Rolle. Lediglich die Kamera des in schwarz-weiß gedrehten Films agiert bis auf wenige Ausnahmen eher giallo-untypisch einfallslos. Wenn „Libido“ optisch auch nicht gerade brillant daher kommt, ist die Geschichte mit Spuk-Touch trotzdem sehr spannend umgesetzt und psychologisch nicht ganz abwegig. Man merkt, dass sich der Schreib-Profi Ernesto Gastaldi und Vittorio Salerno (der Regisseur von „No il caso è felicemente risolto“, den ich mir die nächsten Tage ansehen möchte), die sich neben der Regie auch für das Buch verantwortlich zeichnen, hier ernsthaft einen Kopf gemacht und versucht haben, die Motivation der Figuren plausibel zu machen. Geglückt, würde ich sagen. Dass das recht gut funktioniert, liegt auch an den Darstellern, die mich hier, von Giancarlo Gianninis leichtem Overacting mal abgesehen, wirklich überzeugt haben. Der Zuschauer bleibt bis zum Ende im Unklaren, wer hier was aus welchen Gründen tut, doch wenn schließlich die Auflösung präsentiert wird, ist das, anderes als in vielen späteren Filmen, in denen der Täter unvermittelt aus dem Hut gezaubert wird, ist das Ergebnis nachvollziehbar und stimmig. Mir hat es gefallen, dass gerade die wahnsinnige Figur letzten Endes die wahrhaftigste war.

Schade, dass ein Film wie „Libido“ so wenig bekannt ist, nicht nur, weil man ihn in vielerlei Hinsicht als Wegbereiter des in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren aufblühenden Giallo begreifen kann. Das Thema, nicht wie die eigene Eltern werden zu wollen, ist universell und nachvollziehbar und hier wird hier filmisch auf eine sehr spannende Weise präsentiert. In Christians Fall klappt das, soviel sei verraten, wenn auch auf eine andere Weise als erwartet, nicht so ganz. Ich hoffe, das ist jetzt kein Spoiler, sondern ein Aspekt, der neugierig macht und alle, die das hier lesen motiviert, diesem kleinen aber feinen Früh-Giallo eine Chance zu geben.

Bild-Quelle: IMDB

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Posted by – 13. März 2016

Spectre (Sam Mendes, GB 2015)

Schon von „Skyfall“ war ich enttäuscht, aber mit „Spectre“ hat der Craig-Run für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die zusammen mit John Logan für die letzten beiden Filme verantwortlich sind, geht dies leider völlig ab. Der aktuelle Teil führt die losen Handlungsfäden zwar irgendwie zusammen, so richtig beeindruckt davon, dass hinter allem eine beleidigte Leberwurst mit Komplexen steht, dürfte aber niemand sein. Der Held? Craigs Bond ist mittlerweile ein arroganter Gockel und widerlicher Witwentröster geworden, der sein Hirn durchbohrende Nadeln besser wegsteckt als andere Leute Mückenstiche. Und selbst die bemüht imposanten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema, lassen den „Spectre“ auf magische Weise nur noch peinlicher wirken.

Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, Deutschland 1961)

Damals fand ich sie gruselig, heute nehme ich die Edgar-Wallace-Filme eher als verspielt, witzig und selbstironisch wahr. Den grünen Bogenschützen hatte ich zwar schon einmal vor urlanger Zeit gesehen, meine Erinnerung war aber dementsprechend nebulös. Beim erneuten Sehen präsentiert sich der fünfte Film der Wallace-Reihe (1959 bis 19729) als noch nicht ganz so elaboriert, wie spätere Vertreter, doch durchaus unterhaltsam, wenn auch für meinen Geschmack etwas Bogenschützen-arm. „Der grüne Bogenschütze“ ist bestimmt kein Highlight der Reihe, aber wegen seiner gelungenen Bösewichte – Gerd Fröbe als cholerisches Ekelpaket, Stanislav Ledinek als sein unangenehmer Handlanger –, finde ich ihn auch heute noch ganz nett.

Seven Blood-Stained Orchids (Umberto Lenzi, Italien 1972)

Ob man den Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannt ist (OT: Sette orchidee macchiate di rosso), eher als konservativen Giallo oder als progressiven Versuch betrachtet, der Wallace-Reihe neues Leben einzuhauchen – schlecht ist er jedenfalls nicht. Er handelt von einer Mordreihe, bei welcher der Killer immer ein Schmuckstück in Form eines silbernen Halbmonds am Tatort zurücklässt. Giulia (Uschi Glas) und ihr Mann Mario (Antonio Sabato) forschen nach und geraten bald selbst in Gefahr. Was den Film so tragisch und damit auch gut macht: Zum Schluss erweisen sich die Morde als eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer. Der Versuch, die Wallace-Reihe hierdurch wiederzubeleben ist allerdings gescheitert. „Seven Blood-Stained Orchids“ war das 38. und letzte Wallace-Kapitel.

Spotlight (Thoms McCarthy, USA 2015)

Wenn der Film vorüber ist, kommt einem wahrscheinlich sofort folgende Frage in den Sinn: Was ist eigentlich aus der Katholischen Kirche geworden? Nach dem riesigen Missbrauchsskandal und dessen Aufdeckung durch ein paar couragierte Journalisten des Boston Globe im Jahr 2001 müsste die Kirche doch in den letzten Zügen liegen. Schließlich hatte der Missbrauch sowie dessen Vertuschung Methode. Dann der Schreck und einem klar, dass sich nichts geändert hat; und diese Erkenntnis ist in gewisser Weise noch furchterregender und trauriger als die zahllosen Vergewaltigungen Jugendlicher durch ein paar notgeile Würdenträger. Die katholische Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge ausgesessen, was soll ihr ein so kleines Skandälchen schon anhaben? Ehe ich zynisch werde, möchte ich einfach noch sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen, die Musik Howard Shore ebenso. Nur die deutsche Synchronisation, klingt leider, als wären da nur zwei Sprecher am Werk gewesen.

I Spit On Your Grave 3 (R.D. Braunstein, USA 2015)

Nachdem sie brutal vergewaltigt worden ist, hat sich Jennifer (Sarah Butler) ein neues Leben aufgebaut. Um die furchtbaren Erinnerungen zu verarbeiten, besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Als ihre Freundin auf brutale Weise umgebracht wird, sieht Jennifer rot… – „Rape & Revenge“-Filme befriedigen in der Regel gleich zwei niedere, voyeuristische Interessen: Die Lust an Gewalt und die an nackter Haut. Das Perfide an Filmen dieser Art ist, dass sich der Zuschauer durch die Rache irgendwie auf der richtigen Seite fühlen darf und schnell den ästhetisierten Gewaltakten auf den Leim geht. Diesen Vorwurf kann man „I Spit On Your Grave 3“, der die Geschichte des Remakes weiterführt, allerdings kaum machen. Braunstein geht sehr zurückhaltend mit den exploititativen Elementen seiner Geschichte um, er verzichtet auf nackte Haut und meidet, von zwei, in der deutschen Fassung noch mal entschärfte Ausnahmen abgesehen, brutale Szenen. So richtig gelungen ist der Film, der es offensichtlich gut meint, allerdings trotzdem nicht. Zwar wird durch die Figur der Jennifer deutlich, dass Opfer häufig auch Tätermuster entwickeln. Den anderen Figuren des Films bleibt ein differenziertes Profil allerdings versagt.

Projekt X (Nima Nourizadeh, USA 2012)

Weil seine Eltern übers Wochenende verreist sind, wollen Thomas (Thomas Mann) und Kumpels eine große Party schmeißen. Die anfängliche Angst, dass niemand kommt, erweist sich als unbegründet. Das gute Marketing seines Freundes Costa (Oliver Cooper) geht voll auf. Zum Schluss zählt die Party beinahe 2000 Gäste – und läuft völlig aus dem Ruder. – Inspiriert von einer wahren Begebenheit, bei der ein Teenager in den USA über Facebook einlud und von Partygästen förmlich überrannt wurde, erzählt die Regisseurin Nima Nourizadeh in ihrem im Food-Footage-Stil gedrehtes Debüt die Geschichte einer Eskalation ohne Gefühl. Die Kritiken zum Film waren sehr gemischt. Ich würde den Film auch scheiße finden, wenn ich ihn als den Versuch einer Komödie betrachten würde. Doch wenn man ihn als Horrorfilm sieht, geht’s eigentlich. Mir haben diese Menschen im Film jedenfalls ziemlich Angst gemacht.