Filmkrise, kurze Pause

Posted by – 22. August 2016

Kurz notiert (12)

Posted by – 4. August 2016

Eigentlich (wie ich dieses Wort liebe!) wollte ich nicht mehr kurz notieren, sondern immer einen zumindest etwas detaillierteren Text fabrizieren… Hier jedenfalls mal wieder nur ein paar schäbige Notizen.

The Assassin (Hsiao-Hsien Hou, Taiwan / China / Hong-Kong / Frankreich 2015)

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Ich fand den umjubelten „The Assassin“ nur so lala. Nennt mich einen Banausen, aber für die Kunst, die Hsiao-Hsien Hou hier darbietet, fehlen mir irgendwie die Antennen. Die zweifellos hübschen Bilder haben mir jedenfalls nicht geholfen, in die Geschichte zu kommen. Vielleicht sollte man das ja auch nicht, vielleicht sollte der Zuschauer irgendwie draußen bleiben; und vielleicht werden deswegen gefühlt die Hälfte des Films alle Figuren nur schemenhaft zu erkennen hinter wehenden Vorhängen gezeigt. Aber warum? Keine Ahnung. Ich war jedenfalls froh, als es vorbei war. Schon allein deswegen, weil zum Schluss noch mal ein richtig feines Stück Musik kommt. Für mich der Höhepunkt des Films.

Station Agent (Tom McCarthy, USA 2003)

Toller Film – eigentlich. Station Agent hätte ich wohl mal zu meinen Lieblingsfilmen gerechnet, ich habe irgendwo sogar noch eine Liste meiner Top 10 der ersten Dekade des neuen Jahrtausends und da ist er drauf, aber dieses Mal konnte ich mich nicht so richtig auf ihn einlassen. Vielleicht nutzen sich Filme irgendwann ab, drei, vier, fünf Mal funktionieren sie, aber bei sechsten Ansehen dann, plötzlich, mag das Gehirn nicht mehr. Vielleicht lag es ja daran, dass ich „Station Agent“ diesmal in sonderbarer Gesellschaft gesehen habe, so sonderbar, dass die Sonderbarkeit der Figuren im Film dagegen einfach nicht ankommt. Auf diese Theorie kann ich jetzt allerdings aus Respekt vor lebenden Personen, die das hier bestimmt nicht lesen, aber vielleicht ja doch (wer weiß das schon?) nicht weiter eingehen. Aber toller Film eigentlich.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Zu diesem Film, für den der Ausdruck „Meisterwerk“ zu klein und damit völlig ungeeignet ist, nur einen Satz zu schreiben, das geht natürlich gar nicht.

The Shallows (Jaume Collet-Serra, USA 2106)

Wohin das Auge sieht: Haie! . „Supershark“, „Sharktopus“, „Dinoshark“ „Sharknado“ eins, zwei, drei usw. Selbst im Supermarkt ist man vor ihnen nicht sicher! Ich kann mir dieses ganze Zeug nur mit Mühe ansehen. Dass es sich bei „The Shallows“ um einen ernstgemeinten Hai-Horror handeln sollte, hat dann aber doch mein Interesse geweckt. Und wirklich, nicht übel, was „House of Wax“- und „Orphan“-Regisseur Jaume Collet-Serra hier abliefert, gar nicht übel. Dazu braucht er nicht mehr als eine junge Surferin (Blake Lively) und einen blutrünstigen Hai. Ich finde es jedenfalls super, dass sich jemand dieser Tage traut, einen unironischen Hai-Thriller zu drehen, zumal das Ergebnis durchaus sehenswert ist (spannend, toll fotografiert, überzeugende Hauptdarstellerin). Da kann ich auch verschmerzen, dass Zufälle die an sich sehr reizvoll reduzierte Geschichte etwas zu sehr dominieren und die existenzialistische Dimension von „The Shallows“ eher unterentwickelt ist.

The Lobster (Giorgos Lanthimos, Frankreich / Irland / Großbritannien, Niederlande / Griechenland 2015)

Ich frage mich seitdem täglich, welches Tier ich wohl wäre. Jedenfalls kein Hai.

Demolition (Jean-Marc Vallée, USA 2016)

Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal) verliert seine Frau bei einem Autounfall. Statt ordnungsgemäß zu trauern, öffnet er sich in Briefen dem Kundenservice einer Automatenfirma – und erhält überraschend Antwort von Karen Moreno (Naomi Watts), die sich sehr interessiert an seinen Gefühlen zeigt. Die beiden lernen sich kennen. Nach und nach erkennt Davis, dass er zuerst sein altes Leben auseinandernehmen muss, ehe er ein neues beginnen kann. Dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, wird häufig behauptet. Der Protagonist des Films scheint diese Meinung nicht zu teilen oder der These zumindest von Grund auf nachgehen zu wollen, indem er zwanghaft alles auseinanderbaut, was ihm unter den Schraubenschlüssel kommt. Dieser Akt der Zerstörung ist die grundlegende Metapher dieses ambitionierten aber leider völlig überkonstruierten und unglücklicherweise auch bis zum Bersten vollgestopften Drehbuchs. Doch anders als in der Geschichte fügt sich der Film leider nicht wie durch ein Wunder zu einem kunstvollen Großen und Ganzen zusammen. „Demolition“ ist eins der raren Beispiele für etwas, das weniger ist, als die Summe seiner Teile.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Österreich / Deutschland / Frankreich 2016)

Mal von „Toni Erdmann“ abgesehen, hat mich kein Film in den letzten Wochen so beeindruckt wie die Stefan Zweig Biografie von Maria Schrader. In „Vor der Morgenröte“ wimmelt es von Irritationen und ich denke, das ist Konzept und soll die Situation und Zerrissenheit seiner Hauptfigur zeigen. Der Film wird getragen von Josef Harder. Harder ist ein großartiger, aber – das vergisst man vielleicht ab und an, wenn man ihn nur als den Brenner kennt – auch sehr vielseitiger Schauspieler, der hier einen neuen Bereich seines Könnens demonstriert. Ich sage mal vorher, dass dieser Film in meinen Jahres-Top-10 sein wird.

Lights Out (David F. Sandberg, USA 2016)

Posted by – 3. August 2016

Dunkelheit und Horrorfilme – das gehört irgendwie zusammen. So eng gekoppelt wie in David F. Sandbergs Debüt, eine Adaption seines eigenen Kurzfilms, waren Schatten und Schrecken vielleicht noch nie. In „Lights Out“ geht es um einen Geist, der nur in der Dunkelheit existieren kann – bzw. um eine Familie, die unter ihm zu leiden hat. Das Ergebnis erinnert ein wenig an Jennifer Kents „Babadook“, weil sich auch hier die übernatürliche Bedrohung als Metapher auf die Befindlichkeit seiner Figuren interpretieren lässt. So richtig gut gefallen hat mir „Lights Out“ allerdings nicht, zum einen, weil man ihm seine Kurzfilm-Herkunft zu stark anmerkt, zum andern weil er den hintergründigen Schrecken zugunsten abstruser Erklärungen immer mehr aufgibt. Für Kino-Zeit habe ich einen kleinen Text zum Film geschrieben.

 

Star Trek Beyond (Justin Lin, USA 2016)

Posted by – 20. Juli 2016

Wahrscheinlich habe ich es schon einige Male hier im Blog erwähnt – ich bin kein großer Freund von J.J. Abrams (Filmen). Besonders mit seinem „Star Trek“-Reboot kann ich, freundlich gesagt, nichts anfangen. Nachdem ich „Star Trek“ (2009) wie auch den Nachfolger „Star Trek Into Darkness“ (2013) ziemlich bescheiden fand, hatte ich irgendwie stillschweigend angenommen, dass es wohl den meisten so gehen müsse. Und war davon ausgegangen, dass das Reboot irgendwann in nicht allzu naher Zukunft erneut rebootet werden würde. Damit lag ich falsch. Oder zumindest nicht ganz richtig. Denn hier ist er, „Star Trek Beyond“, der dritte Teil der Abram’schen alternative „Star-Trek“-Timeline. Diesmal hat allerdings nicht Abrams selbst, sondern der mehrfache „Fast & Furious“-Regisseur Justin Lin auf dem Regiestuhl Platz genommen. Für das Drehbuch zeichnen sich Scotty-Darsteller Pegg und Doug Jung verantwortlich. Beides wirkt sich positiv aus. Zwar ist das Ergebnis ein relativ konventioneller Blockbuster und bestimmt kein Meisterwerk, doch irgendwie ist es wieder da, dieses „Star Trek“-Feeling! Und ich würde mich nicht wundern, wenn dieser Film den oder anderen Verächter der letzten beiden Teile versöhnt und wieder zurück ins Boot holt. Auf Kino-Zeit schreibe ich ein wenig mehr zu meinen Gefühlen

The Mutilator (Buddy Cooper, USA 1985)

Posted by – 11. Juli 2016

The Mutilator„Mutilate“ – das heißt verstümmeln. Wie gut der Titel zu Buddy Coopers Film passt, ist mir aber erst mit etwas Abstand klar geworden. Natürlich geht der Antagonist des Films ganz und gar nicht sanft mit seinen Opfern um. Wenn ich nicht irre, meint der Name des Films aber noch etwas anderes. Dazu gleich mehr.

Die Geschichte von „The Mutilator“ ist ein wenig sonderbar, aber simpel: Ein Junge tötet aus Versehen seine Mutter. Sein Vater kann ihm nicht verzeihen und rächt sich Jahre später blutig an seinem Sohn und dessen Freunden. Das Gefühl, das dieser Film bei mir auslöst, ist schon um einiges komplexer. Die scheinbare Unbefangenheit des Sohnes, das Glück, das er während seines Ausflugs ins elterliche Heim mit seinen Freunden empfindet, steht im Kontrast zur grenzenlosen Verletztheit seines Vaters, die in ultrabrutalen Morden ihren blutigen Ausdruck findet. Die ältere Generation, die der jüngeren missgönnt, dass es ihr gut geht oder sogar die Schuld für die eigene Misere gibt, ist ein wie ich finde recht interessanter Subtext des Films, der soweit ich das überblicke, in Rezensionen nicht thematisiert wird. Zumal man dieses Verhältnis zwischen Jung und Alt ja auf verschiedene mögliche reale Relationen der Generationen beziehen kann: Den (Vietnam-)Krieg beispielsweise, an dem die einen noch kauen, während die anderen bitteschön nichts mehr davon wissen und lieber Spaß haben wollen. Oder auch die Freude der Jugend an Gewaltfilmen, die von den alten Sittenwächtern mehr als skeptisch beäugt wird. Denn – und hier kommt meine These –: die Alten setzen ja auch das Messer an, um die teuflischen Filme ihrer Kinder aufs Grausamste zu verstümmeln.

Vielleicht geht gerade mal wieder die Interpretation mit mir durch, aber könnte es nicht sein, dass der brutale „The Mutilator“ eigentlich (der Versuch) eine(r) Satire ist? Dazu passen würden ja auch noch einige weitere Seltsamkeiten, die ins Auge stechen, wenn man erst einmal anfängt, genauer hinzusehen. Z.B. ein weiterer Kontrast: Einerseits ist da diese große Brutalität, andererseits aber gibt es auch immer wieder einige komödiantische Ausflüge, die sich von diesem auf den ersten Blick recht trostlosen Film auffällig abheben. Dazu gehören eine sonderbare Zeitraffersequenz wie die im Abspann gezeigten Outtakes. Was einerseits nicht so recht passen will, macht beim vorgeschlagenen Interpretationsansatz doch irgendwie Sinn finde ich. Zumal sich vor diesem Hintergrund auch ein paar weitere Besonderheiten gut einfügen: So ist der Mörder die ganze Zeit bekannt. Überhaupt geht Cooper sehr offen mit dem Täter um. Der Zuschauer weiß wer es ist, meist wo er sich aufhält, und über die Motive gibt es eigentlich auch nichts zu diskutieren. Wenn der Film wirklich eine Satire auf die bzw. eine Kritik an der Zensurwut der Alten ist, die vermeintlich zum Schutz der Jugend, in Wirklichkeit aber aus einer reaktionären Haltung heraus, Kunst ihrer Kinder lieber zerstören als den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen, dann ist es natürlich ein subtil wunderbarer Zug von Cooper, kein Geheimnis daraus zu machen, wer hier der Bösewicht ist. Und wer gegen diese Deutung jetzt einwendet, es sei schließlich der Junge gewesen, der seine Mutter getötet und damit sozusagen den Krieg begonnen hat, der darf ruhig mal darüber nachdenken, wer denn hier ein Gewehr in der Wohnung leicht zugänglich stehen hatte.

Diese Eigenschaften, die seltsame Prämisse, die Brutalität und einige „Kontraste“, lassen „The Mutilator“ mehr als nur ein kleines bisschen aus der Masse der 1980er-Jahre-Slasher heraustreten. Wie gut ich den Film jetzt fand, kann ich nach der Erstsichtung noch gar nicht sagen. Nicht schlecht jedenfalls. In mancherlei Hinsicht bemerkenswert. Er ist wieder so ein Film, aus dem ich die meisten Morde dank des in meiner Schulzeit herumgereichten VHS-Tapes schon kannte, den ich aber nun zum ersten Mal in voller Länge gesehen habe. Zumindest fast. Denn ich habe nur die um 7 Sekunden gekürzte DVD von Vipco gesehen, bei der es zwar auch heftig zur Sache geht, der aber manche Gewaltspitzen fehlen. Eine komplett ungeschnittene Version hinterlässt möglicherweise noch einen anderen Eindruck. Wobei wir wieder beim Thema wären: Zensur. Und angesichts meiner Deutung ist es ja eigentlich auch ganz passend, den Verstümmer in einer geschnittenen Version zu sehen.

Bild © Vipco

The Witch (Robert Eggers, USA / Kanada 2015)

Posted by – 13. Juni 2016

The WitchWeil William (Ralph Ineson) auf eine andere Auslegung der Heiligen Schrift besteht, wird er im 17. Jahrhundert in Neuengland zusammen mit seiner Familie, seiner Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kinder aus seinem Heimatdorf verstoßen. Die Familie lässt sich am Rande eines düsteren Waldes mitten in der Wildnis nieder, um hier ein gottgefälliges Leben zu führen. Doch ihr Glaube wird immer wieder auf die Probe gestellt: Zuerst geht die Ernte ein, dann verschwindet das jüngste Kind, kurze Zeit später auch der älteste Sohn Caleb (Harvey Scrimshaw), der bald allerdings wie verwandelt wieder auftaucht. Hat die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) etwas damit zu tun? Oder die Zwillinge Jonas (Lucas Dawson) und Mercy (Ellie Grainger)? Oder treiben dunkle Mächte ihr teuflisches Spiel mit der Familie?

Nachdem ich neulich beim Fantasy Filmfest doch glatt keine Karte mehr bekommen habe, habe ich den Film nun im regulären Kino nachgeholt. Was ich davon halten soll, weiß ich aber auch einige Tage später noch nicht so genau. „The Witch“ ist seinem Ruf definitiv vorausgeeilt und ich kann nicht behaupten, dass ich ihn unbefangen gesehen hätte. Nein, ich habe tatsächlich einiges erwartet und ich bin mir unsicher, ob mir diese Erwartungshaltung im Wege steht; oder eben dazu führt, dass ich immer noch über diesen Film grüble , obwohl ich ihn einem ersten Impuls nach „ganz nett“, aber auch „unentschlossen“ genannt habe.

Natürlich ist Eggers Film auch recht gruselig und teilweise wunderbar fotografiert. Interessant wird er für die meisten aber wohl vor allem durch das Spannungsfeld zwischen den Polen konkret und abstrakt. Eigentlich ist von Beginn an klar: Das Böse gibt es wirklich. Schließlich sieht man nach dem Säuglingsraub eine Szene, in der sich eine alte Frau an dem Kind der Protagonisten-Familie zu schaffen macht. Und wer die Realität des Übernatürlichen im Laufe des Films vergisst, bekommt mitten drin noch eine Exorzismus-Szene präsentiert, bei der es nur schwerlich mit rechten Dingen zugehen kann; und am Ende gibt es noch einmal den unzweifelhaften Beweis für die Existenz von Hexen. Trotzdem muss man kein besonders cleveres Köpfchen sein, um den Realitätsgehalt des Gesehenen in Frage zu stellen. Warum? Zum einen, weil die religiösen Überzeugungen der Familie für den durchschnittlichen westlichen Zuschauer in heutiger Zeit wohl etwas Befremdliches, ja, Wahnhaftes haben und somit die Vermutung einer kollektiven Psychose nicht ganz von der Hand zu weisen ist; zum anderen, weil die wenigen eindeutig übernatürlichen Elemente sich sehr gut als mentale Episoden einer Figur interpretieren lassen und sich Eggers ansonsten, bei Szenen, in denen sich ein wenig Zweideutigkeit angeboten hätte, eindeutig realistisch positioniert.

Interessant ist „The Witch“ aber nicht, weil er die Frage nach dem Realitätsgehalt besagter Bilder offen lässt – im Gegenteil. Hier gibt es Hexen, aber der Zuschauer will das nicht wahr haben und die Geschichte lieber als religiös induzierte Wahnvorstellung deuten. (Wenn der Film mitunter klischeehaft wirkt, liegt das daran, dass hier die Ursprünge unserer kollektiven Vorstellungen über Zauberei und Hexen thematisiert werden, wie sie auch Märchen zu Grunde liegen. Dass man die entsprechenden Bilder schon tausendmal gesehen hat – und gesehen haben muss! – , liegt in der Natur der Sache.) Eigentlich zeigt sich hier schon die ganze Brillanz des Films, verführt er doch den Zuschauer genau dazu, was dieser den Figuren vorwirft – sich dem Offensichtlichen zu verweigern und die Welt lieber durch die Brille seiner Glaubenssysteme zu beurteilen. Eggers macht Aberglaube nachvollziehbar, indem er den Zuschauer selber dazu verleitet.

Doch da ist noch mehr. Auch unabhängig von der Frage des Realitätsgehalts macht „The Witch“ eine gute Figur. Das liegt an der von Anya Taylor-Joy stark gespielten Figur der Thomasin, der in dem Film in doppelter Hinsicht eine Schlüsselrolle zukommt. Zum einen ist sie – wenn hier überhaupt jemand halluziniert – wohl diejenige welche. Zumindest macht es bei dieser Interpretationsvariante am meisten Sinn. Zum anderen offenbart sich an ihrer Figur aber noch ein weiteres Thema, das manch einen sogar dazu angeregt hat, „The Witch“ als feministischen Film zu bezeichnen. Ich kann diese Sicht nachvollziehen, auch wenn sie mir ein wenig durch den Tunnel geblickt erscheint. Ich würde eher sagen, „The Witch“ ist in seinem Herzen ein tristes Coming of Age-Drama. Ich denke, dass es weniger um die Befreiung einer Frau geht (vielleicht geht es nicht einmal um Befreiung!), sondern dass hier gezeigt wird, wie ein Gedankensystem an seine Grenzen gerät. Dabei spielt Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Anfangs wird William aufgrund seines Glaubens aus der Dorfgemeinschaft geworfen. Später, im Exil, bilden sich in seiner Familie verschiedene Arten von Allianzen, doch eine stabile Gruppe will nicht entstehen. Der Fundamentalismus des Familienpatriarchen ist nicht in der Lage, ein beständiges Zusammenleben zu ermöglichen. Die Situation eskaliert, das System bricht zusammen, Rose sprengt die inneren und äußeren Fesseln, nur um sich danach in die Gefangenschaft einer neuen Ideologie zu begeben. Ob diese besser oder schlechter ist, bleibt offen. Aber immerhin darf man bei dieser nackt durch den Wald tanzen.

Bild © Universal Pictures Germany

The Prowler (Joseph Zito, USA 1981)

Posted by – 13. Juni 2016

The ProwlerWenn mir die große Liebe nicht vergönnt ist, dann bitte auch niemandem sonst – denkt sich ein geprellter Soldat und bringt daraufhin seine untreue Freundin und ihren Lover um. Er selbst kommt davon. Jahre später, während des Abschlussballs einer High School, macht er sich erneut ans blutige Werk.

Wieso? Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Joseph Zitos Slasher aus den frühen 1980er Jahren sich durchaus sehen lassen kann. Von Zito kannte ich bis dato nur „Friday the 13th: The Final Chapter“, der ja nicht zu den schlechtesten Teilen der Reihe gehört, und auch „The Prowler“ ist wieder ein sehenswerter Genrebeitrag. Es gibt zwar ein wenig Leerlauf anfangs und im letzten Drittel, aber eben auch einen markant kostümierten Killer, mindestens zwei sehr spannende Sequenzen und ein paar Morde, die dank Make-up-Spezialist Tom Savini ziemlich weh tun.

Dass ich jetzt nicht in Jubelgeschrei ausbreche, liegt vor allem daran, dass ich hier bis auf solides Handwerk nichts entdecken kann. Man könnte ja meinen, Zito mache etwas aus der Idee, dass es eben ein enttäuschter Kriegsveteran ist, der sich hier auf den blutigen Rachefeldzug begibt, aber Fehlanzeige. Und zwar auf der ganzen Linie. Ein wie auch immer gearteter Subtext, wie er für viele Slasher interessant würde, fehlt hier, was gerade im Hinblick auf seinen Plot doch verwundert. Vielleicht könnte man sagen, dass „The Prowler“ zumindest insofern schon wieder interessant und zweifelsohne ein nicht unwichtiger Vertreter der Slasher-Weller der 1980er Jahre ist, weil er sich eben nicht für irgendwelche Hintergründe, Gesellschaftskritik, Psychologie seiner Figuren u.ä. kümmert, sondern zu fast 100 Prozent dem Ruf entspricht, den Filme dieses Genres heute (zu unrecht?) „genießen“. Ich weiß es nicht und kann im Moment auch nicht mehr dazu sagen, außer, ja, ganz nett, für Slasher-Fans auf jeden Fall sehenswert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir etwas mehr „zwischen den Zeilen“ gewünscht hätte oder ob ich „The Prowler“ gerade so, wie er ist, pur, „ohne alles“ besonders zu schätzen weiß.

Bild © Blue Underground

Just Before Dawn (Jeff Lieberman, USA 1981)

Posted by – 29. Mai 2016

just before dawnDamals in den 1980ern war die Welt noch in Ordnung, da war das Horrorgenre noch weitestgehend frei von ironischen Meta-Beiträgen. Nach der enttäuschenden Zweitsichtung von „Tucker And Dale Vs Evil“ tut es deswegen gut, ein paar Worte zu Jeff Liebermans „Just Before Dawn“ zu verlieren. Lieberman, der vor allem für den Wurm-Horror „Squirm“ (1975) bekannt ist, zeigt mit seinem Backwood-Slasher, dass auch geradlinige Genrebeiträge durchaus gehaltvoll sein können.

Die Story ist simpel: Fünf junge Leute wollen Urlaub machen, irgendwo im Amerikanischen Hinterland. Auf die Warnungen des ortsansässigen Rangers (George Kennedy) hören sie nicht, und so kommt’s wie es kommen muss – einer nach dem anderen fällt einem mysteriösen Killer zum Opfer.

Doch genauso, wie die Jugendlichen im Laufe des Films immer mehr ihr wahres Gesicht zeigen, wird auch der Killer entmystifiziert. Konnte der Zuschauer zu Beginn, als das Ungeheuer durch ein Loch in der Kirchendecke auf seine ersten Opfer hinabblickt, noch glauben, man hätte es mit einem naturgleichen Monster zu tun, stellt sich irgendwann heraus – Menschen, die den Film unbefangen sehen wollen, sollten hier nicht weiterlesen – dass es sich nicht um einen einzelnen Mörder, sondern um die degenerierten Söhne einer Hinterwäldler-Familie handelt.

Thematisch bewegt sich „Just Before Dawn“ eher auf den Spuren von Filmen wie John Boormans „Deliverance“ als sich wie ein typischer Genrebeitrag anzufühlen. Es geht hier, denke ich, allerdings weniger um das in Filmen schon lange angespannte Verhältnis zwischen arroganten Städtern und verrohten Hinterwäldlern, sondern eher um das Verhältnis von Kultur und Natur – allerdings nicht in der Hinsicht, dass das eine oder andere besser wäre, sondern darum, dass die Natur immer schon vom Menschen korrumpiert ist. Die Schönheit der Landschaft steht in auffälligem Kontrast zu den unschönen, lärmenden Eindringlingen, aber eben auch zu den verrohten Waldbewohnern. Harmonie zwischen Mensch und Natur ergibt sich auch nicht einfach daraus, dass man in ihr lebt und seinen Bedürfnissen nachgeht (die man an den inzestuösen Killerzwillingen sieht). Mensch und Umwelt, sie sollen sich in diesem Film einfach nicht näher kommen.

Das Lexikon des internationalen Films macht es sich mit dem Fazit „„Miserabel gespielte Billigkost, gewalttätig und spekulativ“ mal wieder etwas einfach, denn selbst, wenn man zugesteht, dass „Just Before Dawn“ billig, gewalttätig und nicht gerade großes Schauspielerkino ist, kommt man kaum umhin zu erkennen, dass es Lieberman hier durchaus an der Umsetzung einer Idee und nicht allein am Schock der Zuschauer gelegen war. Das sieht man bereits daran, dass sich Lieberman auffällig viel Zeit für seine Geschichte nimmt und die Morde, genreuntypisch, eben nicht in ihrem Zentrum stehen. Wem das nicht reicht, kann die Besonderheit des Films aber auch an der Wandlung seiner zwei Hauptfiguren ablesen: Während sich der Obermacker Warren (Gregg Henry) immer mehr zu Heulsuse entwickelt, geht in seiner Freundin Constance (Deborah Benson) eine gegenteilige Entwicklung vom unscheinbaren Mäuschen zum Vamp vor, die ihren Gegner mit der bloßen Faust erstickt. Die sexuelle Komponente ist hier nicht zu übersehen. Und ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass sich „Just Before Dawn“ vielleicht nur vordergründig in das Backwood-Slasher-Genre einsortiert, in Wirklichkeit aber ein – wenn auch denkbar abstraktes – „Rape & Revenge“-Movie ist, in dem nicht nur der Mann die Frau, sondern auch die Menschheit Mutter Natur – erfolglos – angeht.

Ich denke nicht, dass ich „Just Before Dawn“ komplett durchschaut habe. Was aber bleibt, ist das angenehme Gefühl, einen visuell wie inhaltlich sorgfältig gearbeiteten Film vor sich zu haben, der – im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres – es weder nötig hat, zu posten noch sich sklavisch an die Genre-Regel zu halten, weil es eben Substanz hat. Ein guter Film. Allerdings einer, den man sich nicht unbedingt von Odeon Entertainment besorgen sollten, so wie ich es getan habe. Die Bildqualität ist dermaßen schlecht, dass man dafür eigentlich kein Geld verlangen dürfte.

Bild © Odeon Entertainment

Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

Posted by – 27. Mai 2016

Tucker DaleAuf den ersten Blick sieht Craigs Debüt-Langfilm vielleicht aus, wie ein 08/15-Horrorfilmchen, bei dem es eine Gruppe von College-Kids bei einem Zelturlaub mit den Einheimischen zu tun bekommt. Doch schon der Titel deutet an, dass sich nicht alles ganz so zuträgt, wie der Genrekenner es erwartet: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind nämlich in diesem Fall nicht die Bösen. Im Gegenteil! Bei den beiden Landeiern handelt es sich um grundsympathische Typen, die in den Wäldern einfach etwas an einer Hütte basteln und sich beim Fischen entspannen wollen. Ein Missverständnis führt dazu, dass die College-Kids Tuckers und Dales Rettungsversuch der hübschen Allison (Katrina Bowden) für eine Entführung halten – und fortan mit allen Mitteln versuchen, gegen die beiden Freunde vorzugehen.

Es gibt sie, die Horrorfilme, die einfach Spaß machen. Sam Raimis „Evil Dead“-Filme fallen mir da spontan ein; oder Peter Jacksons „Bad Taste“ und „Braindead“; oder der wunderbare „Return Of The Living Dead“; oder „Re-Animator“; oder oder. Und auch in jüngster Zeit gab es wohl immer mal wieder Versuche, die man dazu zählen könnte. Leider ist deren Anzahl, denen die Melange aus Gewalt und gute Laune gelingt, meiner Meinung – oder sagen wir lieber meinem Geschmack nach, nicht besonders groß. Auch „Tucker And Dale Vs Evil“ steht ja in dem Ruf, diesen Spagat zu schaffen, und beim ersten Sehen fand ich ihn auch ganz nett. In der Zweisichtung hat er mich allerdings freundlich gesagt weniger überzeugt.

Sicher, das Spiel mit den vertauschten Rollen, bei dem die Collegekids die Psychopathen und die Hinterwäldler die Sympathieträger sind, funktioniert an und für sich ganz gut und macht deutlich, wie vieles, das wir als filmische Wahrheiten unhinterfragt akzeptieren, eigentlich eine Frage der Perspektive ist. Das ist der zentrale Witz von „Tucker And Dale Vs Evil“ und ja, das ist schon irgendwie ganz ok gemacht und zumindest beim ersten Sehen fand ich es ja auch amüsant bis lustig. Wenn der Zuschauer das Prinzip allerdings einmal durchschaut hat (was ziemlich schnell der Fall ist), geht dem Film schnell die Puste aus.

Ich bin nach dem zweiten Sehen der Meinung, dass Craig zum einen zu früh klar macht, wohin der Hase läuft und sich zum anderen quasi schon zu Beginn des Films auf die witzige Seite seiner Horror-Komödie schlägt, sprich, die spannende geschweige denn gruselige dafür leider viel zu kurz kommt. Mir ist bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und natürlich immer davon abhängt, was man gerne sieht; ich kann mir vorstellen, dass viele den Film gerade für seinen Charme, seinen Witz wie seine sympathisches Protagonisten-Duo mögen. Mir hätte er vermutlich besser gefallen, wenn nicht alles so leicht zu durchschauen wäre, sondern wenn Craig vor allem etwas mehr Ernst bei seinen Figuren und dem Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an den Tag gelegt hätte. So ist mir das ganze zu sehr Nummernrevue ohne echtes Drama, ohne Fallhöhe.

„Tucker And Dale Vs Evil“ ist guter Stoff für das Fantasy Filmfest, wo jeder Fun-Splatter frenetisch bejubelt wird; oder vielleicht auch für den Fortgeschrittenen Anfänger in diesem Genre, der sich darüber freuen kann, dass er erkennt, was hier witzig sein soll. Aber es ist kein guter Film in dem Sinne, dass hier eine Geschichte dramaturgisch geschickt erzählt wird, dass es einen spannenden Konflikt oder interessante Figuren gibt, dass hier etwas entwickelt wird, dass mehr ist als die Summe seiner mehr oder weniger spaßigen Teile. Nein, „Tucker And Dale Vs Evil“ ist nicht mein Ding. Vielleicht liegt dieses etwas harsche, zweite Urteil aber auch nur daran, dass ich, was Humor in Filmen angeht, eh ein schwieriger Kandidat bin

Bild © Universum Film

Friday the 13th: A New Beginning (Danny Steinmann, USA 1985)

Posted by – 16. Mai 2016

Nachdem ich mir vor anderthalb Jahren die ersten vier „Friday“-Filme (hier die Texte zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4) sowie das Reboot von Marcus Nispel angesehen hatte, meinte ich gestern wieder genug Energie für die zweite Hälfte der Reihe gesammelt zu haben und habe ich deswegen voller Elan an den fünften Teil, „Friday the 13th: A New Beginning“ gemacht. Leider scheint die Zeit nicht ausreichend gewesen zu sein, die Ermüdungserscheinung, die mich beim letzten Run spätestens ab Teil 3 ereilten, setzen dieses Mal fast umgehend ein.

Der Film beginnt mit einer Hatz durch den Wald, bei der der bereits aus dem letzten Teil bekannte Tommy (Corey Feldman) ein unbekanntes Ziel ansteuert. Dort angekommen, erkennt der Zuschauer, dass es sich um die Grabstätte von Jason Voorhees handelt. Tommy beobachtet wie zwei Halbstarke das Grab schänden und kurz darauf von dem auferstandenen Jason umgebracht werden. Dann wendet sich der Killer Tommy zu…

… doch zum Glück ist alles nur ein Traum. Tommy (John Shepherd), mittlerweile erwachsen und durch seine damaligen Erlebnisse immer noch schwer traumatisiert, wird in eine Einrichtung für psychisch kranke Jugendliche gebracht. In Folge bringt erst ein Mitinsasse einen anderen um, dann geschehen in der Umgebung weitere Morde. Hat Tommy etwas mit den Vorfällen zu tun? Oder ist Jason von den Toten zurück? – Ich spoiler mal ein klein wenig und sage: Weder noch. Das finale Kapitel wurde erzählt, Zeit für einen neuen Anfang. Und soviel muss ich Danny Steinmann und den Autoren Barney Cohen und Martin Kitrosser dann doch zugutehalten, dass sie in diesem fünften Teil tatsächlich versuchen, die Sache um den Killer mit der Eishockeymaske neu zu überdenken. Geplant war ab hier für jeden folgenden Teil einen neuen Täter zu wählen, der in die Rolle Jasons schlüpft und als Copykiller in dessen Fußstapfen tritt. Was von der Grundidee durchaus interessant ist, entpuppt sich im fertigen Film leider als recht uninspirierte Fortschreibung des Status Quo. Mir jedenfalls war es ziemlich egal, wer denn nun eigentlich der Killer ist, da sich hier alles anfühlt wie in den Teilen zuvor. Ein wirklicher Neuanfang ist somit nicht geglückt. Positiv hervorzuheben bei „Friday the 13th: A New Beginning“ lässt sich neben der Absicht, hier etwas Neues zu versuchen, dass immerhin das Szenario um die Crazy Kids nicht schlecht ist. Das gibt Steinmann die Möglichkeit mit ein paar übertriebenen, sehr schrillen Figuren zu arbeiten, wobei ich leider gleich wieder einwenden muss, dass er auch hier weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Weiterhin bleibt zu erwähnen, dass zumindest Stephen L. Posey hier ein paar ganz schön ausgeleuchtete Szenen hinbekommt, die zwar nicht wirklich für die allgemeine Langeweile komplett entschädigen, aber doch den einen oder anderen Akzent setzen, so dass der Film vielleicht doch ein klein wenig länger in Erinnerung bleibt als er es verdient hätte.

Das war er also, der neue Anfang der „Friday“-Reihe. Doch jedem Anfang wohnt ein Ende inne, und ich bin jedenfalls erst mal wieder bedient. Wir sprechen uns vielleicht in ein bis zwei Jahren wieder. Gute Nacht.

Film ist immer noch aus der gleichen Box (s. Teil 1), deswegen kein Bild des Covers.