Halloween II (Rick Rosenthal, USA 1981)

Posted by – 24. Oktober 2014

halloween box#Horrorctober 9

John Carpenter ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure und „Halloween“ mein Favorit aus seinem mehr als 20 Langfilme umfassenden Œuvre. Auf Filmstarts habe ich 2007 mal ein keines Loblied auf ihn verfasst. Kein Wunder, dass ich mich an die Fortsetzung bisher nicht heran getraut habe. Aber so ein #Horrorctober hat ja auch was mit Mut zu tun. Deswegen habe ich mir endlich einen Ruck gegeben und den zweiten Teil jetzt in den DVD-Player gelegt. So schlimm wie befürchtet war das gar nicht, im Gegenteil.

Die Fortsetzung schließt nahtlos an den ersten Teil an: Dr. Loomis (Donald Pleasence) hat Michael Myers ein paar Kugeln verpasst, woraufhin dieser vom Balkon gestürzt ist. Doch als Loomis unten nachsieht, ist Myers verschwunden. Während Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die einzige Überlebende der Ereignisse, ins Krankenhaus gebracht wird, versuchen Loomis und der Sheriff (Charles Cyphers) Myers zu finden.

Wenn „Halloween“ wie ein unter zunehmendem Druck stehender Behälter ist, der schließlich explodiert, dann ist „Halloween II“ der sich ausbreitende, außer Kontrolle geratene Flächenbrand. Loomis und der Sheriff suchen den Killer, Laurie liegt untätig in ihrem Krankenbett, Myers macht sich auf den Weg ins Hospital. Dort angekommen, dürfen wir ihm dabei zusehen , wie er sich einfallsreich durchs Personal mordet. Eben dieses Personal macht bis dahin, was Krankenhauspersonal eben so macht, z.B. ein heißes Liebes-Bad in irgendeinem Bottich nehmen. Ein wenig, das liest man vielleicht schon in der kurzen Inhaltsangabe , krankt „Halloween II“ daran, dass hier alles drunter und drüber geht respektive sich voneinander wegzubewegen scheint. So richtig spannend ist „Hallween II“ deswegen eine lange Strecke nicht. Aber gerade in dem fehlenden Fokus und der Art, wie Debütant Rick Rosenthal das Drehbuch von John Carpenter und Debra Hill in Szene setzt, ist es ganz wunderbar. Wenn John Carpenter stets die Begrenzungen des Raums interessieren, lotet Rosenthal stattdessen seine Weitläufigkeit aus. Besonders die Sequenzen, in denen wir Michael auf seinem Weg ins Krankenhaus begleiten, haben es mir angetan. Die Nacht ist in diesem Moment so greifbar, die Figuren sind wie Rußteilchen im Wind, die nach der „Explosion“ (als Metapher verstanden) im Finale des ersten Teils durch die Gegend wehen.

Nicht wenige finden den zweiten Teil sogar noch besser als den ersten, was ich zumindest nachvollziehen kann. Denn anders als im Vorgänger gibt es hier keine 40-minütige Exposition, sondern es geht gleich ordentlich zur Sache. Mein Fall ist das nicht, und ich habe in vielen Momenten Carpenters Genie vermisst. Aber ich leugne nicht, dass mir diese Fortsetzung, die rein inhaltlich völlig überflüssig ist, doch recht gut gefallen hat. Und am Ende gibt es sogar noch die Explosion, die ich mir im ersten Teil nur eingebildet habe.

Bild © Anchor Bay Entertainment
 

The Zero Theorem (Terry Gilliam, UK / Rumänien / Frankreich / USA 2013)

Posted by – 23. Oktober 2014

The Zero TheoremWenn da nicht sein Job wäre – er knackt für eine Firma Entitäten – würde Qohen Leth (Christoph Waltz) am liebsten den ganzen Tag zu Hause sitzen und auf den Anruf warten, der ihm den Sinn seines Lebens verrät. Dann erlaubt Management (Matt Damon) Qohen auf einmal die Heimarbeit, er muss dafür allerdings als Gegenleistung das sogenannte „Zero Theorem“ lösen. Unterstützt wird er dabei von Managements Sohn Bob (Lucas Hedges) und der Prostituierten Bainsley (Mélanie Thierry). Sollte er den Code knacken, winkt als Belohnung genau jener Anruf auf den er seit Jahren verzweifelt wartet.

Terry Gilliam hat der Welt schon so manches Meisterwerk beschert. Allen voran „Brazil“, seine persönliche Version von Orwells „1984“, aber auch den rührenden „König der Fischer“, die kultige Bibelsatire „Das Leben des Brian“, den düsteren Zeitreisefilm „12 Monkeys“ und den schrägen Zeitreise-Trip „Time Bandits“. Doch er hatte es selten leicht mit seinen Filmen. Ein permanenter Kampf gegen die Studios, kreative wie auch finanzielle Restriktionen und tragische Zufälle wussten schon so manches seiner Werke zu beeinflussen oder sogar zu verhindern. Fast wirkt sein Schaffen wie das des Don Quijote – einen Film den er – erfolglos – seit Jahren zu realisieren versucht. Mit „The Zero Theorem“ hat er es ein weiteres Mal geschafft, dem Nichts einen Film abzuringen. Das ist zunächst mal etwas sehr Schönes! Wenngleich „The Zero Theorem“ alles andere als ein freundlicher Etwas geworden ist. Hinter dem bunten Reigen ist die gewohnte Gesellschaftskritik des unangepassten Filmemachers unschwer zu erkennen, doch die Bitterkeit des Films, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennt, ist sogar für Gilliam ungewöhnlich.

Was seine Geschichten verbindet, ist das Thema Fantasie. Aber nicht solche Art von Fantasie, die bei Einhörnern schon ihr Ende findet. Gemeint ist Fantasie als Gegenpol zur konformisierenden Gesellschaft, als menschliches Vermögen und potentiell grenzenloses Refugium innerhalb unserer Köpfe, Fantasie die letzten Endes nichts weniger ist als die Voraussetzung für Freiheit schlechthin. Darum geht es auch in „The Zero Theorem“. Hier stellt Gilliam die Sinnfrage. Der Film ist ein buntes Potpourri aus seinen Ideen. Munter mischt Gilliam Fragmente aus seinen Stoffen zusammen, fertig ist das Alterspatchwork, ein Museum der aussortierten Dinge, ein Schrottplatz seiner ganz persönlichen Ideen-Geschichte. Lustig ist das nicht und nicht immer unterhaltsam, mitunter sogar etwas nervig. Aber es ist mit der Eindringlichkeit eines Mannes vorgetragen, der weiß, dass er gegen Windmühlen kämpft. In der alternativen Realität des Films kommt Gilliam dann auch zu dem gar nicht so alternativen, sondern sehr wirklichkeitsnahen Ergebnis, dass die Suche nach einer tieferen Bedeutung längst zugunsten zügellosen Konsums aufgegeben wurde. Freiheit, Glück, Sinn hat das System beinahe jeden glaubend gemacht, ist nur innerhalb des Systems möglich. Lediglich der Protagonist, Qohen Leth, der in einer heruntergekommenen Kirche haust, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Eine Zeit lang glaubt er, dass irgendwann das Telefon klingeln und eine Stimme ihm den Sinn seiner Existenz offenbaren wird. Traurig ist Gilliams Film nicht deswegen, weil Qohens Glauben zum Schluss erschüttert wird, sondern weil er Erlösung findet – in einer quietsche-bunten, künstlichen Traumlandschaft von der Stange.

Bild © Concorde Filmverleih
 

Final Destination 4 (David R. Ellis, USA 2009)

Posted by – 19. Oktober 2014

final destination 4#Horrorctober 8

Der Vollständigkeit halber, und weil ich mich an die anderen, bestimmt großartigen aber auch herausfordernden Filme aus meiner #Horroctober-Liste gerade nicht herantraue, gibt’s mit „Final Destination 4“ – dem Teil der Reihe, der mir noch fehlt – noch einmal Horror-Fastfood. Diesmal hat ein junger Mann namens Nick (Bobby Campo), der mit seinen Freunden ein Autorennen besucht, die Vision eines schrecklichen Unfalls. Viele Zuschauer wie auch er selbst kommen dabei ums Leben. Er und ein paar andere verlassen daraufhin die Rennstrecke – und kommen gerade so mit dem Leben davon. Zumindest vorläufig, denn der Tod lässt sich nicht so einfach ausbremsen.

Wesentliche Unterschiede zwischen diesem und den anderen Teilen gibt es nicht, wohl aber ein paar Details, die ihm einen gewissen Wiedererkennungswert geben, von denen einige ihn meiner Meinung nach aber zu dem schlechtesten der Reihe machen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist z.B. , dass die Todesfälle bis auf wenige Ausnahmen das indirekte Resultat einer moralisch fragwürdigen Handlung sind. Eine Figur will sich beispielsweise an einer anderen rächen – und setzt damit die Ereignisse, die zu ihrem Tod führen erst in Gang. Eine andere gibt einem Penner zu wenig Geld, wieder eine andere drängt eine Frisörin dazu, trotz Ladenschluss ihr noch die Haare zu schneiden. Diese moralische Note hat mich gestört, weil sie eine der Grundprinzipien der Reihe unterläuft. Der Tod macht keinen Unterschied zwischen den Menschen, wer dran ist, ist dran, Geschlecht, Hautfarbe, Charakter oder politische Einstellung spielen beim Sterben keine Rolle. Anders bei „Final Destination 4“, hier scheint der Tod die Sünden der Menschen zu bestrafen. Das ist nicht prinzipiell verkehrt, sondern vielmehr sehr typisch für das Genre. „Final Destination“ gräbt sich so aber selbst das Wasser ab, weil es eine Besonderheit aufgibt. Und im konkreten Fall ist das außerordenlich ärgerlich, weil Ellis, bzw. die Auroren Eric Bress und Glen Morgan hier nicht nur jeden Geschmack vermissen lassen, sondern schlicht nicht nachgedacht haben. Samantha (Krista Allen), eine der Überlebenden der Katastrophe, wird schon während des Rennens als Rabenmutter charakterisiert, weil sie ihre Kinder mit Tampons vor dem Geräusch der fahrenden Autos zu schützen versucht. Nach dem Unglück will sie sich mit Freunden treffen und benötigt dazu noch eine neue Frisur. Ihre Kinder schickt sie derweil in die nächste Spielhölle. Die „Strafe“ folgt auf den Fuß: Bei verlassen des Frisörsalons wird ihr Kopf – vor den Augen ihrer Kinder – von einem umherfliegenden Metallteil zerschmettert.

Unabhängig von solchen Verfehlungen, auf die bestimmt nicht jeder Zuschauer gleich sensibel reagiert, gibt es noch einiges mehr zu beanstanden. Die Tode sind seltsam lieblos in Szene gesetzt, jedenfalls wollte sich bei mir nie Spannung einstellen. Mein Highlight wäre noch der Tod in der Autowaschanlage gewesen (ich weiß schon, warum ich da so ungern durchfahre!). Wäre gewesen. Denn leider erkennt Ellis nicht, dass er hier den Stoff zu einem Highlight der ganzen Reihe in den Händen gehalten hat und bringt die potenziell nervenaufreibende Sequenz denkbar lahmarschig zum Abschluss. Das auffälligste Manko sind allerdings die CGI-Effekte, die wie aus dem günstigsten japanischen Gore-Flick aussehen. Meiner Meinung nach ist die Bedeutung von Spezial-Effekten überschätzt, aber im Falle von „Final Destination 4“ haben sie mich gestört bzw. herausgerissen. Wenn Sterben nicht mehr ist als ein paar rote Pixel, dann hat der Tod seinen Schrecken verloren.

Ich will nicht ungerecht sein. Verglichen mit den anderen Teilen schneidet der vierte (von den auffallend mangelhaften Effekten abgesehen) wahrscheinlich nicht einmal besonders schlecht ab. Wer weiß, hätte ich die Filme in einer anderen Reihenfolge oder diesen in anderer Stimmung gesehen, wäre mein Urteil vielleicht anders ausgefallen. So halte ich „Final Destination 4“ knapp nach dem ebenfalls von Ellis inszenierten zweiten Teil für den schlechtesten der Reihe.

Bild © Warner Home Video
 

Zeder (Pupi Avati, Italien 1983)

Posted by – 4. Oktober 2014

Zeder#Horrorctober 7

Beinahe jede Art von Schrecken hat uns die ohne Unterlass fleißig produzierende Horror-Industrie inzwischen gezeigt. Dass man mal etwas wirklich Neues sieht, kommt ähnlich selten vor, wie dass ein tausendmal durchgekauter Stoff wirklich noch eine Gänsehaut erzeugt. Insofern hatte es Pupi Avatis „Zeder“, der weder das eine, noch das andere tut, nicht leicht. In seinem Film bekommt der Autor Stefano (Gabriele Lavia) von seiner Frau Alessandra (Anna Canovas) eine Schreibmaschine geschenkt, in der er eine Nachricht des vorherigen Besitzers Paolo Zeder entdeckt. Dieser berichtet darauf von sogenannten K-Zonen, die es möglich machen, aus dem Reich der Toten zurückzukehren. Stefano ist fasziniert von seiner Entdeckung und macht sich daran, der Sache nachzugehen.

Zombies waren in den 1980er Jahren schon lange keine neue Sache mehr. 1978 erschien George Romeros „Night Of The Living Dead“ und zog eine Welle (mehr oder weniger) ähnlicher Filme nach sich. Doch es gab in dieser Zeit immer schon Autoren und Filmemacher, die sich ein wenig eigenständiger mit dem Thema auseinandersetzen, als die Mehrheit ihrer Kollegen. Im Jahr 1983 erschien z.B. auch Stephen Kings „Pet Sematay“, der sich ähnlich wie Pupi Avati mit der Zombie-Thematik befasst. Was wäre, wenn wir die Toten zurückholen könnten, wenn wir sie an einer ganz bestimmten Stelle begrüben? King macht daraus eine handfeste Horrorgeschichte um einen traumatisierten Vater, der seinen verstorbenen Sohn wiederhaben will, Avati geht eher den Weg des Verschwörungs- und Gruselkrimis, es ist hier bei ihm nicht das Was (die Tatsache, dass an den K-Feldern etwas dran zu sein scheint und dass Stefano schon bald mit einigen Toten zu tun haben wird), sondern das Wie. Pupi Avati erzählt seine Geschichte mit aller Ruhe der Welt, es geht ihm nicht um vordergründige Schockeffekte, er konzentriert sich auf die Schnitzel-Jagd Stefanos und versteht es dabei geschickt, dem Zuschauer ein stetig wachsendes Gefühl der Unruhe zu vermitteln. Was hat es mit der Entdeckung von Paolo Zeder auf sich? Wer weiß davon? Was sind das für Leute, was haben sie vor und was sind sie bereit zu tun, damit das Geheimnis der K-Felder unentdeckt bleibt?

Genaugenommen wird keine der Fragen vollständig beantwortet. Stefanos kleine Tragödie ist wie ein kurzes, trauriges Aufglimmen einer Motte, die im Licht vergeht. Danach ist wieder Nacht, der Zuschauer steht im Dunkeln. Nach dem Film, der so gar nicht wie ein Produkt der Massenwahre herstellenden Horror-Industrie anfühlt, hatte ich das Gefühl, nur den vagen Umriss einer noch viel größeren Geschichte gesehen zu haben. Die verschweigt uns Avati allerdings. Und ich bin ihm nicht böse deswegen. Ich bin kein Freund von prätentiösen Andeutungen, hinter denen nichts steht, aber ich liebe es, wenn ich die Sicht auf einen kleinen Ausschnitt – die Spitze des Eisbergs – erhasche, der aber eine Ahnung des bedrohlichen Ganzen in sich trägt.

Auf der schönen DVD von „Zeder“ aus dem Hause CMV ist übrigens noch ein interessanter Audiokommentar von Christian Keßler. Ich habe da bisher erst reingehört, aber ich freue mich schon auf die nächste Sichtung des Films – dann mit Kommentar! – bei dem es sicherlich noch viel zu entdecken gibt.

Bild © CMV
 

Invaders From Mars (Tobe Hooper, USA 1986)

Posted by – 3. Oktober 2014

Invasion vom Mars#Horrorcober #6

Tobe Hooper hat nicht nur rein äußerlich ein wenig Ähnlichkeit mit Steven Spielberg, auch beruflich haben die beiden Regisseure einiges miteinander gemein. In den frühen 1980er Jahren drehte Hooper für Spielberg „Poltergeist“, 20 Jahre später wirkte er an Spielbergs Miniserie „Taken“ mit; und auch Toopers „Invaders From Mars“ ist so etwas wie die Alptraum-Version von Spielbergs „Close Encounters Of The Third Kind“

Der jungeDavid (Hunter Carson) beobachtet eines Nachts aus dem Fenster wie hinter dem Hügel seines Elternhauses ein Ufo landet. Seine Eltern glauben ihm nicht. Am nächsten Morgen ist sein Vater (Timothy Bottoms), der nach eigenem Bekunden hinter dem Hügel nachgesehen und nichts gefunden hat, irgendwie verändert. Und auch in der Schule beobachtet David seltsame Veränderungen. So verhält sich seine Lehrerin Mrs. McKeltch (Louise Fletcher) eigenartig. Oder ist es normal, dass sie die Frösche, die eigentlich für den Bio-Unterricht gedacht waren, plötzlich selber isst? Zusammen mit Mrs. Magnusson (Karen Black) und General Wilson (James Karen) macht sich David daran, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Natürlich sind mal wieder Außerirdische schuld, genauer die im Titel schon erwähnten Marsianer. Aber obwohl man das ja schon von Anfang an weiß, wird im Film die Katze für meinen Geschmack trotzdem zu früh aus dem Sack gelassen. Ich mag „Invaders From Mars“ solange er etwas von „Invasion of the Body Snatchers“ hat, doch wenn die klopsigen Marsianereinmal ins Bild kommen, ist das Ganze einfach nur noch putzig und für einen Erwachsenen, der versucht, sich im Rahmen des #Horroctober etwas zu gruseln, einfach nicht das Richtige. Die Effekte, vor allem das Monsterdesign wie auch zahlreiche zähe, und ein paar einmalig kauzige Momente im Verlauf des Films, machen es dem gruselwilligen Zuschauer nicht leicht. Man wird einfach das Gefühl nicht los, die Autoren hätten die Essenz der Geschichte nicht verstanden. (Oder wollten sie wohlmöglich etwas ganz anderes, als man erwartet?) Schade, denn Szenen wie solche, als erst Davids Eltern und später noch andere Personen hinter dem Hügel verschwinden und später verändert zurückkehren, haben sich tief in mein Gehirn gebrannt. Vor allem der anfängliche Charakterwandel von Davids Vater hat mich damals als Jugendlicher wirklich gegruselt. Nach dem Film habe ich meine Eltern tatsächlich eine zeitlang argwöhnisch beäugt und mich jedes Mal, wenn sie abends vom Sport wiedergekommen sind, gefragt, ob es noch die gleichen Eltern sind.

Ein wenig ging es mir mit „Invaders From Mars“ wie mit „Fright Night“ und „Night Of The Creeps“, feine Filme zweifellos, aber sie entfalten leider nicht mehr die Wirkung, wie sie es bei mir als Teenager getan haben. Hoopers Remake wirkt wie eine proportionslose, irgendwie groteske Version eines Spielbergfilms – und ist übrigens Jugend(alp)traum im doppelten Sinne: Nicht nur, weil ich ihn damals besser fand, auch das internationale Ende bietet einen Twist, der die Seltsamkeit des Films noch einmal in ein anderes Licht rückt und viele seiner sonderlichen Einfälle konzeptionell einbindet. So war ich zum Schluss, auch wenn die ganz große Begeisterung ausblieb, doch irgendwie wieder versöhnt.

Bild © Koch Media
 

Friday The 13th (Marcus Nispel, USA 2009)

Posted by – 19. September 2014

Friday the 13th Remake#horrorctober 5

Die „Friday The 13th“-Reihe und sein Star Jason sind Kult – warum weiß allerdings niemand so genau. An dem ersten Teil von Sean S. Cunningham aus dem Jahre 1980 kann es schwerlich liegen, in dem atmosphärischen, aber ansonsten wenig Besonderheiten aufweisenden Slasher spielt Jason noch nicht einmal mit. Es gehört ja fast schon zum Allgemeinwissen, dass Jason Voorhees Mutter im ersten Teil ihren Sohn rächt, der im nahen See des Camps beinahe ertrunken wäre. Sohnemann Jason ist ab Teil zwei dabei, ist aber erst seit dem dritten der hünenhaften Killer mit der Hockeymaske. Doch auch in den folgenden Filmen, die sich Meinung vieler vor allem durch primitive Drehbücher und die einfallslose Inszenierung unterschiedlicher Regisseure auszeichneten und die für gewöhnlich des Zuschauers Vorstellung von „Friday The 13th“ entsprechen, machen nicht ganz klar, wie die Reihe größer werden konnte als die Summe ihrer Teile.

Aber nun zum #horrorctober und der 2009er-Version von „Friday The 13th“. Es ist schon verständlich, dass Produzent Michael Bay sich entschlossen hat, nach diversen Remakes verschiedener Horrorklassiker, auch der „Friday“-Reihe etwas zu spendieren, das Bay wohl als Frischzellenkur bezeichnen würde. Oder er wollte einfach nur den Goldesel am Schwanz fassen. Als Regisseur wurde der deutsche Marcus Nispel verpflichtet, der für Bay bereits Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ neu inszeniert hatte. Ich konnte damit, wie auch mit Nispels „Pathfinder“, recht wenig anfangen, weswegen es wohl verständlich ist, dass ich auch mit seinem „Friday“-Reboot meine Probleme habe. Zunächst zum Positiven: Nispel hat die Vorlage, denke ich, schon verstanden. Er versucht gar nicht erst aus deren starren Korsett auszubrechen, geschweige denn sich groß abzusetzen, sondern hat einen Film gedreht, der sich ganz wunderbar einfügt. Sein „Friday“ ist so etwas wie die Zusammenfassung der ersten vier, aber er könnte genauso gut ein eigenständiger Teil der Reihe sein. Unterschiede von Nispels Version zu den Vorgängern lassen sich in dem zeitgemäßen Look, aber vor allem Ausmaß der Brutalität auffinden. Laut Wikipedia ist „Brutalität“ nach Meyers Konversations-Lexikon von 1888 als „viehisches, rohes Betragen“ beschrieben und genau das trifft auf „Friday The 13th“. Hier ist alles pure Gewalt: Der Sound, der Schnitt, der „Humor“, die Art wie die Figuren miteinander umgehen. Dass es, wenn Jason zur Tat schreitet, rabiat zur Sache geht, versteht sich von selbst. Jason ist auch bei Nispel, zumindest in den meisten Fällen, kein Sadist, der seine Opfer quält, sondern jemand der schnell und hart zuschlägt. Doch die Art, wie Nispel die Morde zeigt, hat trotzdem etwas „Genüssliches“, das mich abgestoßen hat. Noch unangenehmer ist mir allerdings aufgestoßen, wie er seine Figuren inszeniert. Besser als durch „viehisches, rohes Betragen“ lässt sich das nicht beschreiben. Ich will jetzt gar nicht mit Sexismus, Rassismus und Misanthropie anfangen, sondern nur sagen, dass ich das verrohte Zwischenmenschliche, das mir Nispel hier zeigt, extrem widerwärtig fand. Ob da ein tieferer Sinn verborgen ist, ob es beispielsweise eine Fehlinterpretation der Reihe oder nachher sogar noch lustig gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen.

Man hört es sicherlich heraus: Gefallen hat mir von Nispel auch „Friday The 13th“ nicht. Ich hatte keinen Spaß mit dem Film, obwohl auch einiges richtig gemacht wurde: Dieses Reboot ist nah dran an den Filmen, die es zum Leben erwecken will, es geht rein visuell in Ordnung und hat ordentlich Druck. Und auch Jason, gespielt von Derek Mears, hat in diesem Teil unheimliche Präsenz. Was dem Film fehlt, ist eine Seele. Kein Wunder, wenn Nispel nicht einmal seinen Figuren eine zugesteht. So ergibt das Paradox, dass der wuchtigste und spannendsten „Friday“-Film für mich gleichzeitig der langweiligste ist. Vielen anderen Menschen auf diesem Planeten hat er auch nicht so richtig gefallen. Das erhoffte Comeback des Kult-Killers der Film zunächst nicht. Zwar war er finanziell recht erfolgreich – bei Produktionskosten von 16 000 000 $ spielte er weltweit über 90 Millionen Dollar ein – aber die allgemeine Resonanz war eher bescheiden, so dass man Folgeprojekte erst einmal auf Eis legte. Doch egal wie gut oder schlecht man Nispels Version findet – anhaben konnte diese dem Kult um Jason nichts. Das haben schon ganze andere nicht geschafft. Und das wird auch dem nächsten Teil nicht gelingen. Paramount plant nämlich ein weiteres Reboot für 2015.

Bild © Paramount
 

Friday the 13th: The Final Chapter (Joseph Zito, USA 19984)

Posted by – 17. September 2014

#horrorctober 4

Nach drei Teilen „Friday the 13th“ stellen sich erste Ermüdungserscheinungen ein und ich bin froh, dass Nummer vier, „The Final Chapter“, für mich schon das Ende meines Wiedersehens mit Jason im Rahmen des #horrorctober einläutet. Das finale Kapitel hat alles was die Reihe ausmacht und ist damit Höhe- und (vorläufiger) Tiefpunkt gleichermaßen.

Der Film von Joseph Zito, der für Filme wie „Missing In Action“ und „Red Scorpion“ bekannt ist, beginnt mit einer schönen, kleinen Plansequenz, die Kamera zeigt uns den Tatort des letzten Teils, überall Polizisten, Sanitäter, dann blicken wir in die Scheune, in der Jason mit einer Axt niedergestreckt wurde. Die Axt wird eingepackt, Jason zugedeckt, „Friday the 13th: The Final Chapter“ beginnt. Der vermeintlich tote Jason (Ted White) wird ins Krankenhaus gebracht (und ich frage mich, wie oft ich das schon gesehen habe, dass der Killer dann gleich im Krankenwagen oder später im Hospital zum Leben erwacht, das Personal platt macht und entkommt?), wo er bald darauf aufersteht, zwei Ärzte niedermetzelt und sich wieder auf den Weg zum Crystal Lake macht. Nach diesem ordentlich Auftakt beginnt das Business as usual – ein paar junge Leute in einer Ferienwohnung am Crystal Lake und Jason, der das gar nicht gut findet –, und bei mir hat sich ein sehr ähnliches Gefühl eingestellt wie im Teil zuvor: Langeweile. Dabei waren es doch vor allem beim ersten und mit Abstrichen auch noch zweiten Teil gerade das zwischenmenschliche Geplänkel, das mir besonders gut gefallen hat. Zwar hat die Reihe auch in Teil vier ihr Gespür für kauzige Figuren nicht völlig verloren, und es lässt sich eine Art von tiefgreifender Verzweiflung, die noch über ihre offensichtliche, sexuelle Frustration hinausreicht, bei den Protagonisten feststellen. Junge Menschen, die am Anfang ihres Lebens stehen, vielleicht gerade noch ebenso ein bisschen Liebe machen und einen Joint durchziehen durften und dann – nichts. Ist es vorbei, ohne Sinn. Aber dieses Gefühl der Sinnlosigkeit, des Verlorenseins, das ich irgendwie mit der „Friday“-Reihe verbinde, hat in diesem Fall gereicht, um mich über den recht zähen Mittelteil des Films hinwegzutrösten. Schön immerhin noch: Corey Feldman als der junge Tommy Jarvis, der mit seiner Mutter am See wohnt und dem im Verlauf eine entscheidende Bedeutung zukommt. Süß wie er fast vor Freude ausflippt, als der die nackte Nachbarin am Fenster sieht. Doch dann kommt seine Mutter ins Zimmer, er stellt sich schlafend, sie schließt die Fensterläden, gibt ihm einen Kuss und verlässt das Zimmer.

Ansonsten gab es noch ein paar schöne Szenen von hellen Nächten (ich liebe helle Nächte), einige bizarre Dialoge und ein gutes Finale – aber gleichzeitig ist alles in dem Film unglaublich egal. Wer stirbt spielt keine Rolle und auch das Wie ist nur ein Regentropfen im Toten Meer. Die einzige Wahrheit des Films ist sein ikonischer Killer, eine leere Figur, die nichts will als die Leute um und umzu seines Sees zu dezimieren. Jason ist seit dem letzten Teil gewachsen, zumindest äußerlich, innerlich ist er verarmt. Durch seine Maske ist er unverwechselbar, hat paradoxerweise den letzten Rest Individualität eingebüßt. Seine Spannung zieht „Friday the 13th“ deswegen auch nicht aus den konkreten Ereignissen, spätestens seit dem vierten Teil besteht der Schrecken der Reihe in der ziellosen, zermürbenden Wiederholung des Immergleichen, wie ein Versprechen, das stets erneuert, aber niemals eingelöst wird. So ganz konnte ich mich auch diesmal dem trist-monotonen Treiben nicht entziehen, aber ich habe auch gemerkt, dass mir das alles langsam aufs Gemüt schlägt. Deswegen belasse ich es vorläuft auch dabei und widme mich – von Marcus Nispels Neuinterpretation mal abgesehen, den will ich mir die Tage noch einmal ansehen – bald anderen, hoffentlich erfreulicheren #Horrorctober-Filmen.

Friday the 13th Part 3 (Steve Miner, USA 1982)

Posted by – 14. September 2014

BÄMM, und plötzlich ist er da, Jason, der Killer mit der Eishockey-Maske. Ruhig steht er auf dem Bootssteg, hebt die Harpune, visiert die Frau an, die ein paar Meter vor ihm im Wasser steht – und drückt ab. Aber der Reihe nach.

„Friday the 13th Part 3“ beginnt, wie der Teil zuvor mit einem Rückblick, dann geht’s los mit dem Vorspann, Nebel, Disco-Mucke und billigen 3-D-Effekten. Die Reihe ist endgültig in den 1980er Jahren angekommen. Der Anfang des Films und damit der dritten Episode in Sachen #horrorctober 2014 ist auch gleich schon nach meinem Geschmack: Jason tötet einen Ladenbesitzer und seine Frau. Diese Sequenz ist mit viel Liebe inszeniert, die Figuren haben Charaker, es gibt bunte Vorhänge und ein süßes Karnickel. Was will man mehr? Nach dem schönen Auftakt macht sich dann aber erst einmal Langeweile breit. Die Jugendlichen Chris (Dana Kimmell), Andy (Jeffrey Rogers), Vera (Catherine Parks), Debbie (Tracie Savage) und Shelly (Larry Zerner) wollen ein Wochenende am Crystal Lake verbringen. Was ich bei den Vorgänger-Filmen noch als positiv wahrgenommen habe – das sinnlose, aber auch naiv-charmante Rumgeplänkel zwischen den Figuren – hat mich im dritten Teil nicht besonders interessiert. Ausnahme ist das Aufeinandertreffen von Clown Shelly und Vera mit den Motorradrockern Fox (Gloria Charles), Loco (Kevin O’Brien) und Ali (Nick Savage) im nahegelegenen Supermarkt, was in der hinreißend doofen Szene mündet, dass die drei Rocker aus Rache für ihre umgefahrenen Motorräder den Jungs und Mädels am Crystal Lake das Benzin klauen wollen und dabei Jason in die Arme laufen.

Die „Qualität der Morde“ (ohje, wie das klingt) schwankt von uninteressant bis äußerst gelungen. Mich stören die kurzen, unspektakulären Todesfälle nicht weiter, für mich gehören diese sogar zu Reihe dazu. Nichtsdestotrotz ist mein Lieblingsmord (BÄMM) – der erste, bei dem Jason seine Maske trägt – meines Erachtens nicht nur der beste des Films, sondern einer der interessantesten der bisherigen Reihe. In diesem kurzen Moment, in dem sich Jason und Vera taxieren, er auf besagtem Bootssteg, sie im Wasser, scheint die Zeit stehen zu bleiben – ein absoluter Höhepunkt des 1982 noch jungen Franchise. Ebenfalls gefallen hat mir die Szene, in der Chris nach Rick sucht. „Rick, help me“ ruft sie, denn sie weiß noch nicht, dass auf Männer in diesem Genre – den Killer mal ausgenommen – kein Verlass ist. Doch Rick kann nicht antworten, ihm wird von Jason hinterm Haus der Mund zugehalten. Jason ist im Übrigen nicht mehr der gleiche. Er ist selbstbewusster, energischer geworden. Schien er sich im Teil zuvor noch für seine verstorbene Mutter zu rächen, kommt er mir in Teil drei eher vor wie jemand der kurz davor ist zu rufen: „Get off my lawn“. Doch er ist kein Sadist. Er ist ein effizienter Totmacher, keiner der seinen Opfern ein langes Leiden beschert. Im zweiten Sequel ist er noch jemand, der durchaus mal etwas ungestüm und vor allem fehlbar ist. In meiner sehr nebulösen Erinnerung an die folgenden Teile wird sich das ändern.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Mit Nacktheit ist „Friday the 13th Part 3“ zurückhaltender als die Vorgänger, dafür ist sowohl der Gewalt- als auch der Humorpegel höher. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird mich das vermutlich bald stören. Hier fand ich das Verhältnis gerade noch okay, so dass ich Teil drei lange nicht so stark wie den ersten, aber doch einen Tacken besser als den zweiten finde. Den Film am Stück zu sehen, war neben dem Weg eine komische Erfahrung. Ich kannte zwar etliche der Morde schon, wahrscheinlich von dieser bereits mehrmals erwähnten VHS-Kasette, die einen Zusammenschnitt der besten Mordszenen enthielt, aber den kompletten Film noch nicht. Diese Jahrzehnte alten Lücken sind nun endlich gefüllt.

Fantasy Filmfest 2014

Posted by – 14. September 2014

Fantasy Filmfest 2014Es ist schon etwas her, dass ich beim Fantasy Filmfest so wenig gesehen habe wie in diesem Jahr. Lediglich zu vier Filmen im Kino und einer heimischen DVD-Sichtung hat es gereicht. Die Ausbeute? Mager. Aber immerhin zwei Filme waren dann doch so großartig, dass es mir fast egal ist, wie viel Ausschussware ich dafür noch mitnehmen musste. Ein paar Sätze zu den Filmen in chronologischer Reihenfolge.

Starred Up (David Mackenzie, Großbritannien 2013)

Den ersten großartigen Film des Festivals gab es für mich gleich zu Beginn: David Mackenzies „Starred Up“ ist intensives Vater- und Sohn- wie Knastdrama gleichermaßen. Es ist ein Film der Spannungen – zwischen den Figuren, aber auch zwischen ihnen und ihrem Lebensraum. „Starred Up“ nach dem Debütdrehbuch von Jonathan Asser gehört zu den wenigen Gefängnisfilmen, in denen es kein Außerhalb gibt, es werden keine Ausbruchspläne geschmiedet und am Ende steht auch keine Entlassung wegen guter Führung. Der Knast ist die einzige Realität für die Figuren. Diese Spannung überträgt sich auch auf den Zuschauer. Ich jedenfalls saß die gut 100 Minuten Filmdauer verkrampft in meinem Kinosessel. Toll. Muss sich nicht hinter „Un Prophète“ verstecken.

Blue Ruin (Jeremy Saulnier, USA 2013)

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch ist. Bei diesem Film beispielsweise lagen ich und das Gros des Publikums auseinander. Einige haben ihn als präzisen, realistischen Rachethriller gesehen, ich habe ihn als aufgedunsenen und nervig prätentiösen Film empfunden. Es geht um einen Mann, der nach dem Tod seiner Eltern als Obdachloser am Rande der Gesellschaft vor sich hin vegetiert – bis der Mörder auf freien Fuß kommt und er die Chance auf Rache wittert. Mein Problem mit dem Film? Ich glaube das alles nicht. Weder die Story, die sich von der einen zur anderen Unwahrscheinlichkeit hangelt, noch die Figuren, die im Falle der Schurken zum Schluss auch grimassierenden Ungeheuern werden müssen. Dass „Blue Ruin“ ein paar gute Momente hatte, will ich dennoch nicht verschweigen. Als die Hauptfigur sich im Haus seiner Schwester gegen den bevorstehenden Angriff der Gangster wappnet – das hatte schon was.

Extraterrestrial (Colin Minihan, USA 2014)

Ein ungewöhnlicher Alien-Film, aber nicht im positiven Sinne. „Extraterrestrial“ von Colin Minihan und Stuart Ortiz aka The Vicious Brothers zitiert sich ungelenk durch das Genre, was aber eher für peinliche als lustige Momente sorgt. Ein bisschen wirkt der Film wie eine monströse, aus Versatzstücken zusammengeklebte Collage, hergestellt von Menschen ohne Sinn für Proportionen. So ist das größte Problem des Films auch sein Timing – als es kurz gegen Ende im Raumschiff der Aliens spannend wird, ist der Film auch schon vorbei. Schön immerhin: Wiedersehen mit Michael Ironside als durchgeknalltem Hanfbauern. Schlecht allerdings: was die bösen Brüder aus dieser Idee machen.

Under The Skin (Jonathan Glazer, Großbritannien, Schweiz, USA 2013)

Und noch einmal: Ein ungewöhnlicher Alien-Film, diesmal aber ein ganz fantastischer! Man kann ihn sicherlich einfach als klassisches – wenn auch eigenwilliges – Werk der Science Fiction sehen, wohl aber auch als Allegorie auf Prostitution. Zumindest war letzteres mein erster Gedanke sofort nach dem Kinobesuch. Für diese Deutung spricht einiges, was ich gerne, demnächst, wenn ich den Film noch einmal gesehen habe, ausführe. Mich jedenfalls hat „Under The Skin“ nahezu komplett glücklich gemacht und ich bin kurz davor „Meisterwerk“ in die Welt hinauszurufen. Vielleicht hat Glazer in der Entwicklungsphase doch noch etwas Angst vor der eigenen Courage bekommen und hat – in Massengeschmack vorauseilendem Gehorsam – im letzten Drittel dem Drang nachgegeben, doch noch eine Geschichte zu erzählen. Zuviel „Handlung“ späteren Verlauf des Films – das wäre derzeit aber auch meine einzige Kritik. Viel ist über Glazers Film und den ihm versagten Kinostart im Vorfeld gesprochen worden, und, nachdem ich ihn nun endlich gesehen habe, schlage ich mich eindeutig auf die Seite derer, die sagen, dass Bild- und Klanginstallation auf die große Leinwand gehört. Geht nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen? Blödsinn! Wenn diese allein bestimmen, was in den deutschen Kinos läuft, haben wir bald nur noch die Wahl zwischen dem Transformers, dem nächsten Marvel-Film oder irgendeiner reaktionären Rom-Com.

Nurse 3D (Douglas Aarniokoski, USA 2013)

Vorher habe ich noch gedacht: Was kann man bei einem Film über eine hübsche Killerkrankenschwester, die, wenn sie nicht gerade Kollegen und Patienten auf fiese Art und Weise ins Jenseits befördert, ihren wohlgeformten Körper nackt der Kamera präsentiert, eigentlich falsch machen? Jetzt weiß ich: So einiges. Müsste ich es an einen Punkt festmachen, würde ich sagen, dass Aarniokoski sich nicht entscheiden konnte, ob er einen sleazigen Psychothriller oder vergnügliches Splatter-Fest drehen wollte. Klingt vielleicht als würde beides zusammengehen, hebelt sich meiner Meinung nach aber in diesem Fall aus. Einen nicht unerheblichen Anteil an meinem Missfallen hat auch Paz de la Huerta, die so unmöglich, ich möchte fast sagen: bizarr schauspielt, dass es mir mehrmals kalt den Rücken herunterlief. Und das ist jetzt nicht nett gemeint. Brr.

Bild © Rosebud Entertainment 
 

Maps To The Stars (David Cronenberg, USA 2014)

Posted by – 9. September 2014

maps to the starsEs gehen Geister um in Hollywood: Die Schauspielerin Havana (Julianne Moore) z.B. wird von ihrer toten Mutter (Sarah Gadon) heimgesucht. Wie besessen versucht sie in deren Fußstapfen zu treten. Der 13-jährige Kinderstar Benjie Weiss (Evan Bird) sieht ebenfalls Gespenster. Ihm erscheint ein totes Mädchen (Kiara Glasco). Und dann betritt ein ganz reales Gespenst die Bildfläche: Benjies Schwester Agatha (Mia Wasikowska), die vor Jahren Benjie mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend das Haus in Brand gesetzt hatte…

Es gibt kaum einen anderen Filmemacher, der so stark an seinem Thema arbeitet, ohne sich jemals zu wiederholen. David Cronenberg ist als Regisseur und Autor wie ein Forscher, der immer weitere Fragen stellt und immer neue Aspekte seines Forschungsgegenstandes enthüllt. Auch „Maps To The Stars“ ist wieder ein echter Cronenberg, in der sich der kanadische Filmemacher noch weiter in die Untiefen menschlicher Existenz(ver)form(ung)en wagt.

„Wissenschaft, die sich gegen den Menschen wendet“ war das Thema, auf das man Cronenberg am Anfang seiner Karriere oft reduziert hat. Doch dies sollte sich nur als ein Aspekt von etwas viel Größerem herausstellen, nämlich der Wandlungsfähigkeit des Menschen schlechthin. Anfangs waren es noch die vor allem körperlichen Transformationsszenarien einer der grenzenlosen Wissenschaft ausgelieferten Welt, die Veränderung des menschlichen Körpers, seine Verschmelzung mit der Maschine. Body Horror nannte man das. Doch immer deutlicher wurde, dass es Cronenberg um den Übergang zu neuen Existenzformen geht, die nicht mehr nur den menschlichen Körper, sondern ebenso dessen Geist umfassen. Denn Transformation bedeutet bei Cronenberg mehreres – sie ist zivilisatorische Dystopie, Vision eines tief greifenden, gesellschaftsverändernden Wandels, vor allem aber die Mutation des Individuums und seiner Persönlichkeit. Und wo könnte man die Verformungen der menschlichen Seele besser erforschen als in Hollywood?

In „Maps To The Stars“, der auf der Romanvorlage „Dead Stars“ von Bruce Wagner beruht, geht es nicht nur um einen Brand, welcher der Auslöser der Geschichte ist – auch der Film selbst ist ein hellgleißender, feuriger Himmelskörper, der in Hollywood, dem Filmzentrum dieser Welt, zu Boden geht und alles in seiner Glut zu Asche werden lässt. Doch das Feuer ist kein Purgatorium, es reinigt nicht. Aus der Asche erheben sich die Geister der Verstorbenen, um ihre inzestuösen Nachfahren zu peinigen – bis diese aus Verzweiflung selbst in die Flammen steigen. Ein Teufelskreis, aber vielleicht auch der perverse, generationsübergreifende Mechanismus, aus dem die (Alp-)Traumfabrik die Energie für ihre Produkte schöpft. Eine bitterböse, nachthimmelschwarze, aber auch stellar funkelnde Satire hat Cronenberg seinem Publikum hier geschenkt. Und apropos Stern: Noch nie war ein Cronenberg-Film so voller Stars. Neben den genannten sind außerdem zu sehen: Olivia Williams als Benjies Mutter und John Cusack als sein Vater, Robert Pattinson als ehrgeiziger Chauffeur und Carrie Fisher ganz groß (!!!) als – Carrie Fisher. Zu zeigen, wie formbar dieses Wesen „Mensch“ ist, wäre ohne diese großartigen Darsteller nicht möglich gewesen.

Bild © MFA