Nikita (Luc Besson, Frankreich / Italien 1990)

Posted by – 19. April 2014

nikitaEine Gruppe Rowdys bricht nachts in eine Apotheke ein. Bei der folgenden Schießerei mit der Polizei sterben mehrere Menschen. Einer der Einbrecher, die drogensüchtige Nikita (Anne Parillaud), wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch anstatt dass Nikita normal ihre Strafe verbüßt, wird ihr Selbstmord vorgetäuscht – und die aggressive junge Frau befindet sich auf plötzlich in den Händen des französischen Geheimdienstes. Der will sie zur Killerin ausbilden!

Eigentlich wollte ich gestern mit meiner kleinen John Badham Retrospektive starten. Als Einstieg hatte ich den mir schon bekannten „Point Of No Return“ ausgesucht. Aber leider musste ich nach ein paar Minuten feststellen, dass es sich um die zwar nur um wenige Minuten, aber doch sehr unschön verstümmelte FSK-16-Fassung handelt. Deswegen bin ich kurzerhand auf das französische Original umgeschwenkt, was mich bei meiner Badham-Retro kein Stück voranbringt, aber ansonsten eine absolut gute Entscheidung war. Ich hatte echt nicht mehr auf dem Schirm, was für ein meisterhafter, aber irgendwie auch todtrauriger Film Besson da doch gelungen ist.

Schon gleich am Anfang gibt es eine Szene, die mir sehr nahe gegangen ist. Da sitzt die zugedröhnte Nikita in der Apotheke auf dem Boden und hört Musik – während ihre Kumpels sich mit dem Apotheker und der Polizei ein Feuergefecht liefern. Sie bekommt davon nichts mit. Erst nach der Schießerei findet sie ein Polizist zusammengekauert auf dem Boden. Er nimmt ihr sanft die Kopfhörer ab. Sie sieht ihn an, hebt die Waffe, drückt ab. Ein Impuls, eine Emotion, die sich Tief aus dem Inneren einer geschundenen Seele tödlichen Ausdruck verleiht. Aber auch die weitere Filmhandlung steht ganz im Zeichen des Tötens und geht nicht minder an die Nieren. Nikita wird weggesperrt und lernt nicht nur Computer zu bedienen und sich zu schminken, sondern auch ihre Wut zu kanalisieren und ihre letalen Reflexe in den Dienst der Regierung zu stellen. Freilich präsentiert Besson seine Geschichte im Gewand des Unterhaltungskinos, aber „Nikita“ ist mehr als ein spannender Thriller über einen Menschen, der zum Killer ausgebildet wird. Es ist auch eine Geschichte über Entfremdung. Hier wird der freie Wilde erst durch seine Dressur zum wahren Monster. Er tötet nicht mehr, weil er Angst hat oder wütend ist, sondern weil es ihm so beigebracht wurde. Wenn das Telefon klingelt und Nikita den Namen „Josephine“ hört, wird ihr Gesicht zur Maske. Alles neugewonnene Glück fällt von ihr ab. Sie wird zum Rädchen in der Maschine, das nur weiß, dass es zu funktionieren hat – weil es sonst ersetzt wird. Doch Nikita ist eine Kämpferin. Ihr Freiheitsdrang ist nie ganz erloschen. (Im Gegensatz zu ihrem von Tchéky Karyo gespielten Chef und Ausbilder Bob, dessen Fähigkeit zu Lieben sich nur noch im Befolgen der Regeln niederschlägt.) Zu kämpfen und zu siegen kann in Nikitas Fall nur heißen: aufgeben. Sich von der Chance auf ein besseres Leben endgültig verabschieden. Das System verlassen. Und, als wenn das nicht schon traurig genug wäre, hier scheint sich der Kreis auf tragische Weise wieder zu schließen. Schließlich begann der Film auch mit einer  drogensüchtigen jungen Frau, die außerhalb des Systems stand – sei es, weil sie ausgespien wurde oder weil sie die Gesellschaft selbst nicht mehr ertragen konnte. Hoffentlich geht die Geschichte, die auf den Abspann folgt, anders weiter.

Bis vor kurzem habe ich nur alte Erinnerungen mit alten Erinnerungen verglichen. Da schnitt „Point Of No Return“ nicht schlecht ab. Ich kann mir aber jetzt kaum noch vorstellen, dass er mit Bessons „Niktia“ mithalten kann. Denn bei ihm handelt es sich, falls das noch nicht genug durchgekommen ist, um einen wirklich schmerzhaft guten Film!

Bild © Studiokanal

Odd Thomas (Stephen Sommers, USA 2013)

Posted by – 16. April 2014

Odd-Thomas„I can see dead people“. Dieser Satz könnte ein Zitat aus sehr, sehr vielen Filmen sein. Auch zu „Odd Thomas“ passt er. Es geht um den Imbisskoch Odd Thomas (Anton Yelchin), der eine besondere Gabe hat: Er kann die Toten sehen und mit ihnen reden. Außerdem sieht er die Bodachs, unheimliche Wesen, die vom Unglück der Menschen angezogen werden. Wenn Odd einen Bodach sieht, dann lässt ein grausiges Ereignis nicht lange auf sich warten.  Eines Tages betritt ein Mann Odds Diner, für den sich nicht nur ein Bodach interessiert, sondern gleich eine ganze Horde der Wesen. Odd weiß – etwas Schreckliches wird passieren und er muss das irgendwie verhindern.

Ich mag die Idee, dass hinter der sichtbaren Welt eine andere, unsichtbare liegt, eine, in der ganz andere Gesetze gelten, die aber trotzdem irgendwie mit unserer verbunden ist. An der Prämisse habe ich deswegen auch gar nichts auszusetzen. Wie wäre es wohl, wenn man – als einziger – Wesen sehen könnte, die Unheil ankünden? Ich erinnere mich an „Metastasen“, eine Kurzgeschichte von Dan Simmons, in der ein Mann nach einem Unfall „Krebsvampire“ sehen kann und dadurch weiß, wer sterben wird. Gruselig fand ich die Geschichte! Und traurig! Ein bisschen traurig ist auch „Odd Thomas“ geraten, gruselig hingegen kaum. Das liegt vermutlich nicht an der zugrunde liegenden Geschichte von Horrorautor Dean R. Koontz, sondern an Regisseur Stephen Sommers selbst, der auch das Drehbuch zu verantworten hat. Er hatte wohl eher einen Gespenster-Krimi à la Peter Jacksons feinem „The Frighteners“ im Sinn, der unterhaltsam, flott und actionreich sein sollte, was ihm meiner Ansicht nach auch gelungen ist. Ich fühlte mich wohl  in „Odd Thomas“. Allerdings hätte ich mir den Film weniger poppig inszeniert gewünscht, dafür aber mit mehr Ruhe und mit einem stärkeren Fokus darauf, wie es ist, Odd Thomas zu sein und seine Beziehung zu Stormy (Addison Timlin) und Polizeichef Wyatt Porter (Willem Dafoe). Es ist nicht so, dass der Film in dieser Hinsicht gar nichts böte, es gibt immer wieder Stellen, in denen Akzente gesetzt werden, beispielsweise wenn Odd den Cop mal wieder aus dem Bett klingelt oder ihn dabei stört, wenn er mit seiner Frau gerade ein Techtelmechtel hat. Porter nimmt das stets entspannt, er traut dem jungen Mann mit den besonderen Fähigkeiten. Diese Szenen sind weniger gut, nicht weil hier ein Running Gag etabliert wird, sondern weil sich hier zeigt, dass die Figuren schon eine lange Geschichte miteinander hatten, bereits ehe die erste Szene über den Bildschirm flimmert. Gleiches gilt für Odd und Stormy. Sie müssen sich nicht erst ineinander verlieben, sie sind bereits zusammen und ein eingespieltes Team und Traumpaar obendrein. Aber gerade weil solche Momente zu den Stärken des Films gehören, hätte ich mir davon mehr gewünscht. Und wenn die Bodachs wirklich wie aus einer unbekannten Dimension und nicht wie aus einem günstigen Computer kommend ausgesehen hätten, wäre das auch nicht schlimm gewesen. Es ist aber definitiv kein Fehler, sich „Odd Thomas“ anzusehen. Gut, dass ich mich nicht vom Cover der DVD habe abschrecken lassen. Da steht nämlich: „Vom Regisseur von „G.I. Joe“.

Bild © Ascot Elite
 

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Posted by – 14. April 2014

Das Spider-Man-Reboot durch Marc Webb wurde gemischt aufgenommen. Ich gehörte zu den Leuten, die nur wenig gute Worte für den Film gefunden haben. Zwei Jahre sind vergangen, nun erscheint mit „The Amazing Spider-Man 2 die Fortsetzung (hierzulade gewohnt umständlich: „The Amazing Spider-Man: Rise Of Electro“). Und Überraschung, die hat mir tatsächlich ein gutes Stück besser gefallen – auch wenn sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, wie der erste Teil. In aller Kürze: Webb ist ein Meister des Augenblicks, der einige grandiose Momente aus dem Ärmel schüttelt. In manchen Szenen war sie da, diese Gänsehaut – das Spider-Man-Gefühl! Außerdem rechne ich es dem Regisseur hoch an, dass zumindest versucht, das Spider-Man-Universum zu erweitern und der Geschichte neue Facetten abzuringen. Auch wenn er sich hier leider verzettelt. Webb hat zu viele Elemente in der Luft, hantiert mit sehr unterschiedlichen Stimmungen, macht viel ein bisschen, aber wenig richtig. Superschurke Electro (Jamie Foxx) hin oder her: bei Kernstück des Films – der Beziehung zwischen Peter Parker und Gwen Stacy (Emma Stone) – scheitert Webb. Hier frühen einfach keine Funken. Meine komplette Kritik gibt’s auf Kino-Zeit.

Fantasy Filmfest Nights 2014

Posted by – 12. April 2014

The Sacrament (Ti West, USA 2013)FFN14

Die Vice-Reporter Sam (AJ Bowen), Jake (Joe Swanberg) und Patrick (Kentucker Audley) reisen in den Urwald, wo Patricks Schwester Caroline (Amy Seimetz) in der Gemeinde der Eden Parish lebt. Obwohl sich die Mitglieder der sektenartigen Kommune anfangs durchaus freundlich zeigen und ihr geistiges Oberhaupt (Gene Jones) in einem Interview die Vorzüge der Gemeinschaft betont, wird bald deutlich, dass hinter der glücklichen Fassade doch nicht alles gut ist, wie alle behaupten. Ich möchte in diesem Moment noch gar nicht so viel über den Film sagen, lieber später noch einmal, mit etwas Abstand, wenn ich ihn verdaut habe. Vielleicht nur so viel: Er hat mich cineastisch wahnsinnig glücklich und gleichzeitig unglaublich traurig gemacht. Meisterwerk.

Enemy (Denis Villeneuve, Kanada / Spanien 2013)

Hab ich ja schon was zu gesagt (klick!). Nach dem Film haben wir kurz rumgeblödelt: „Enemy“ sei ein wenig wie Marc Fosters „Stay“ – nur aus Sicht einer Spinne. Und so ganz falsch ist dieser Ansatz sicherlich nicht, sich dem Film nicht über die faktischen Figuren, sondern eher über ein im Hintergrund angenommenes Bewusstsein zu nähern, dessen Gefühlswelt es zu entschlüsseln gilt.

In Fear (Jeremy Lovering, GB 2013)

Tom (Iain De Caestecker) und Lucy (Alice Englert) wollen eigentlich zu einem Festival, doch Tom hat eine Überraschung für Lucy: Er hat eine Nacht in einem abgelegenen Hotel im englischen Nirgendwo gebucht. Doch der Weg dahin erweist sich als schwierig. Was von Tom als romantische Liaison geplant war, entwickelt sich zum Alptraum. Bald haben sich die beiden jungen Leute hoffnungslos in einem Labyrinth von fremden Wegen und unwirklichen Landstraßen verirrt. „In Fear“ ist einer dieser Filme, der reift. Während des und direkt nach dem Schauen, habe ich noch dazu tendiert, Jeremy Lovering Debüt als ganz spannendes, aber letztlich konventionelles Horrorfilmchen abzutun, ein paar Tage später gefällt er mir aber richtig gut und ich würde ihn sogar als für mich größte positive Überraschung der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights bezeichnen. Ist das Gesehene alles nur ein düsterer Schatten, der seinen wahren Gegenstand nur in Andeutungen enthüllt? Oder gibt es tatsächlich einen fiesen Killer, der heimlich Schilder umstellt? Ich sage jetzt extra nicht, welche Variante mir besser gefällt.

Rigor Mortis (Juno Mak, Hongkong 2013)

Dass die Filmwelt absurd ist, die wirkliche Welt aber noch viel absurder sei, heißt es ausgerechnet am Anfang eines Films in dem im Showdown der wiederbelebte Held, unterstützt von einem ulkigen Mann im Bademantel, gegen zwei Vampire im Geist gewordenen Körpers eines Zombies antritt. Wobei das Wort Vampir hier mit Vorsicht zu genießen ist – mit klassischen Vampirfilmen hat „Rigor Mortis“ so wenig zu tun wie Gepfähltwerden mit einer Herzrhythmus-Massage. Vielleicht ist Juno Maks Geisterbahnfahrt insgesamt etwas zu verworren erzählt, der Schlusstwist wohl möglich sogar nötig und der Look zu digital, aber irgendwie mochte ich diesem komischen Film trotzdem.

Witching & Bitching (Álex de la Iglesia, Spanien / Frankreich 2013)

„Mad Circus“ war für mich nicht leicht zu konsumieren, aber letzten Endes fand ich diesen visuell starken und inhaltlich reichhaltigen Trip ziemlich toll. Grund genug sich auf „Witching & Bitching“ (OT: Las brujas de Zugarramurdi) zu freuen. Wie man es von de la Iglesia gewohnt ist, ist der Film eine Provokation, allerdings in der Hinsicht, dass man weniger bekommt als erwartet. Ein brachialer Trip mit starkem Anfang und durchgeknalltem Finale ist der Film ohne Frage, doch die Zeit dazwischen zieht sich hin, trotz aller Hektik. Mit der richtigen Einstellung macht diese alberne Achterbahnfahrt voller Geschlechterklischees und Krötenschleim vielleicht Spaß, diese zu entwickeln wollte mir allerdings nicht so ganz gelingen.

Snowpiercer (Bong Joon-Ho, Südkorea / USA /Frankreich / Tschechien 2013)

Nach einer vom Menschen gemachten Katastrophe versinkt die Erde in eine neue Eiszeit. Die Überlebenden rasen mit dem Zug „Snowpiercer“ durch die Eiswüste. Die Mehrheit der Passagiere lebt im hinteren Zugteil in großer Armut, eine reiche Minderheit genießt in den vorderen Waggons ihren Luxus. Der Zeigefinger – wir sitzen alle in einem Zug! – fuchtelt dem Zuschauer vom ersten Augenblick störend im Gesichtsfeld herum. Auf der anderen Seite versucht Bong Joon-Ho sein Szenario möglichst detailversessen, ernsthaft und realistisch umzusetzen. Für mich ging das nicht zusammen. Das Parabelhafte verhindert, dass man wirklich mitfühlt und wirkt, nebenbei gesagt, nicht besonders durchdacht. Spoilerwarnung: Das im Zug hergestellte Gleichgewicht wird mit  billigen, in erster Linie ästhetischen Mittel als das Falsche „entlarvt“, um dann – fast schon unverschämt – die Lösung aus der Box zu zaubern: Dass das im Film propagierte „Off the track“-Thinking als probates Mittel zum Systemsturz erscheinen kann, funktioniert nur, weil Bong Joon-Ho kurzerhand die Regeln eben dieses Systems ändert. Könnt ja rausgehen, ist ja gar nicht kalt.

Wolf Creek 2 (Greg Mclean, Australien 2013)

Für mich ist Greg Mcleans „Wolf Creek“ einer der stärksten Horrorfilme der letzten 10 Jahre. Mit der Fortsetzung, „Wolf Creek 2“, in der Mcleans vor allem auf Steigerung setzt, habe ich allerdings große Probleme. Mehr Gewalt, mehr „Witze“, mehr Zynismus ist die Formel, nach der dieser Film gestickt ist. Die einst so interessante Figur des Psychopathen Mick Taylor ist zum unbesiegbaren Superschurken und Sprüche klopfenden Irren verkommen. Sehr schade. Wären da nicht ein paar inszenatorische Highlights, bei denen Mclean zeigt, was er drauf hat – z.B. als der Killer einen einsamen Highway entlang fährt und dabei gleich eine ganze Reihe Kängurus überfährt, während im Hintergrund „The Lion Sleeps Tonight“ trällert; oder das bizarre Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Paul und Mick – dann würde ich „Wolf Creek 2“ wahrscheinlich einfach nur komplett Scheiße finden.

Bild © Fantasy Filmfest
 
 

Ghost Rider: Spirit of Vengence (Mark Neveldine, Brian Taylor, USA 2012)

Posted by – 12. April 2014

ghostrider2Um seinen Vater vor dem nahenden Tod zu retten, hat Johnny Blaze (Nicolas Cage) einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Seither ist er dazu verdammt, sich in einen Dämon – ein Skelett mit brennendem Schädel: den Ghost Rider – zu verwandeln und Jagd zu machen auf verdorbene Seelen. Sich im hintersten Eckchen Osteuropas zu verstecken und dort in einer finsteren Baracke mit seinem Schicksal zu hadern, hilft Blaze nicht wirklich – auch hier findet ihn sein Schicksal. Und zwar in Gestalt des gottesfürchtigen Moreau (Idris Elba), der versucht, Blaze für einen himmlischen Auftrag zu gewinnen: Er soll mithilfe seines inneren Dämonen den kleinen Danny (Fergus Riordan) beschützen, auf dessen Fersen sich der Teufel persönlich (Ciarán Hinds) geheftet hat. Denn Danny ist das uneheliche Kind des Herrschers der Finsternis.

Nach der ersten „Ghost Rider“-Verfilmung durch Mark Steven Johnson im Jahr 2007 stand es nicht allzu gut um den finsteren Marvel-Helden. Die Begeisterung des Publikums hielt sich in engen, sehr engen Grenzen und auch die Kritik reagierte hämisch. Zur Überraschung nicht Weniger wurde trotzdem ein Teil aus der Taufe gehoben, der – und hier kann man wirklich staunen – fast auf ganzer Line überzeugt. Nach dem ersten Sehen wollte ich schon laut „Meisterwerk!“ in den Kinosaal rufen. Und obwohl sich die anfängliche Euphorie bei der ebigen Zweitsichtung etwas gelegt hat, finde ich den eigenwilligen Film immer noch sehr gut. Das Regisseur-Team Mark Neveldine und Brian Taylor, bekannt geworden durch „Crank“ und „Gamer“, scheren sich kaum um den ersten Teil, sondern gehen den (Anti-)Helden-Stoff ganz neu an. Heiße Öfen, brennende Schädel und sehr viel Action ist die neue Direktive und auch wenn der extrovertierte, überbordende Stil der beiden Regisseure meine Sache bisher nicht war – in diesem Fall kann ich mir kaum etwas besseres vorstellen. Neveldine und Taylor tunen den Antihelden-Stoff um den Ghost Rider nach allen Regeln der Kunst, treten ordentlich auf’s Gaspedal und rasen mit Vollgas durch die plotlochdurchzogene Story.

Logik? Egal! Nachvollziehbare Figuren und plausibles Verhalten? Wozu!? Hauptsache es bratzt! Und das tut es (auch wenn das Finale leider etwas abfällt). Es sind aber nicht nur die Action-Szenen und viele insznenatorische Ideen, wie z.B. die, dass der Film in manchen Fights in eine andere Dimension wegzudriften scheint, die gefallen. Auch die Gags zünden, wie etwa als Blaze ausführt, wie der Ghost Rider pinkelt. Zumindest mein Humor war das. Wer’s glatt poliert mag, sieht definitiv den falschen Film. Wer nichts gegen Schlaglöcher hat und es mag, wenn’s heftig qualmt und ruckelt, ist hier aber genau richtig! Und auch wer glaubt, er hätte schon jede Nicolas-Cage-Grimasse sehen, kann hier noch etwas entdecken.

Bild © Universum Film
 

Phantasm 3 (Don Coscarelli, USA 1994)

Posted by – 12. April 2014

phantasm 3Die Pause tat gut, haben sich bereits nach dem zweiten Teil leichte Ermüdungserscheinungen eingestellt. Aber jetzt will ich doch endlich wissen wie es mit Mike, Reggie, dem Tall Man und seinen Zwergen weitergeht. Im zweiten Teil hatten Mike (James LeGros) und sein Freund Reggie (Reggie Bannister) dem Tall Man (Angus Scrimm) den Kampf angesagt. Unterstützt wurden die beiden von der telepathisch begabten Liz (Paula Irvine). Der dritte Teil beginnt im Auto, genau dort wo der zweite endete: Mike (diesmal wie im ersten Teil gespielt von A. Michael Baldwin), Liz und Reggie befinden sich im Kampf mit dem Tall Man, Liz kommt ums Leben, Reggie wird aus dem Auto geschleudert, überlebt aber. Mike wird von Tall Man entführt. Reggie macht sich daraufhin auf die Suche nach Mike. Unterstützt wird er von dem kampferprobten Jungen Tim (Kevin Connors), der seine Eltern an den Tall Man verloren hat und der Soldatin Rocky (Soldatinnen Rocky).

„Phantasm 3“ ähnelt in vielerlei Hinsicht seinen Vorgängern. Mit dem Tall Man, den Spheres, den Killerzwergen auf der einen Seite und Reggie, dem Eisverkäufer, der sich von einer Nebenfigur zum Helden gemausert hat auf der anderen, sind die Markenzeichen der Reihe vorhanden. Auch die typische, irgendwie apokalyptische „Phantasm“-Atmosphäre, zu deren wesentlichen Bestandteilen die Titelmelodie und assoziative, oft eher einer Traumlogik als einer echten Handlung folgenden Erzählweise gehören, finden sich im dritten Teil. Man kann während des Schauens noch so nüchtern sein, bereits einen Tag später erinnert man sich an den Film als hätte man ihn heftig angetütert gesehen.

Und doch gibt es auch kleine Unterschiede bzw. Erweiterungen zu den Vorgängern. Weniger Killerzwerge zum Beispiel. Und der Tall Man kommt ungewöhnlich gesprächig daher, der Zuschauer erfährt außerdem mehr über den Hintergrund der Spheres, dieser seltsamen Metallkugeln. Hinzu kommt, dass sich Coscarelli hier schon fast als konventioneller Filmemacher präsentiert, „Phantasm 3“ orientiert sich lange Zeit an der Struktur eines Roadmovies, in dem Reggie mit dem Auto durch ein seltsam leergefegtes Amerika düst. Vom Mainstream ist der Film dennoch weit entfernt. In gewisser Weise ist der dritte Teil sogar von noch mehr luzider Energie erfüllt als die Vorgänger. Figuren tauchen wie zufällig auf, verschwinden wieder, die Toten wachen auf, Lebenden träumen. Der Zuschauer? Seite Muskeln sind entspannt, die Augen zucken, der Blutdruck steigt, Atmung- und Herzfrequenz erhöhen sich, das Gehirn gibt auf und ertränkt den Geist in Bildern, Erektion, REM-Phase! „What the hell is happening here?“ fragt Reggie irgendwann im Film. Sein verstorbener Freund Jody Pearson hat darauf eine Antwort parat: „Seeing is easy. Understanding? Well, it takes a little more time“. Kein Problem, die Zeit nimmt man sich gerne. Mehr noch: Man wünscht sich, dass der Film niemals endet. In dieser Hinsicht klingen die letzten Worte des Tall Man auch nicht wie eine Drohung, sondern eine Verheißung: „It’s never over!“

Bild © Anchor Bay
 

Enemy (Denis Villeneuve, Spanien / Kanada 2013)

Posted by – 8. April 2014

EnemyAlles beginnt mit einer Spinne: Ein Mann, von dem der Zuschauer später erfahren wird, dass es sich um den B-Movie-Darsteller Anthony Claire (Jake Gyllenhall) handelt, wohnt in einem Sex-Club einer seltsamen Darbietung bei: Er beobachtet, wie eine nackte Tänzerin eine große Spinne freilässt und sie hinterher zertritt. Schnitt. Der Geschichtsprofessor Adam Bell (ebenfalls Jake Gyllenhall) führt ein unspektakuläres, ja, freudloses Leben. Doch dann entdeckt er in einem Film auf einmal einen Schauspieler, der ihm aufs Haar gleicht. Adam beginnt Nachforschungen anzustellen. Er findet heraus, dass es sich bei dem Doppelgänger um den bereits erwähnten Anthony Claire handelt, der mit seiner schwangeren Frau Helen (Sarah Gadon) in einem unscheinbaren Apartment-Komplex wohnt.

Wem im Anschluss an „Enemy“ nicht gleich alles klar ist, muss sich nicht wundern. Dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve ist mit der Adaption des im Jahr 2002 erschienenen Romans „Der Doppelgänger“ des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago ein filmisch-psychologisches Rätsel gelungen, das sich rein rationalen Erklärungsversuchen enzieht. Am Ende steht keine Auflösung, sondern eine weitere Irritation. „A man who wants to leave his mistress and go back to his pregnant wife must confront his worst enemy: himself“ bringt Villeneuve in einem Interview mit der Zeitschrift Film Comment einen möglichen Interpretationsansatz ins Spiel. Doch stellt sich die Frage, ob der Bedeutungsspielraum der Geschichte nicht sogar noch größer ist und ob sich der Konflikt tatsächlich vor allem zwischen verschiedenen Versionen des Subjekts bzw. des Protagonisten verorten lässt. Da kämen für mich die anderen Figuren des Films wie die Ehefrau/Geliebten eindeutig zu kurz. Arachnida – Spinnentiere – werden nicht nur mit menschlichen Ängsten, sondern ebenso mit Weiblichkeit und Mutterschaft assoziiert. Es darf angenommen werden, dass ein Teil des Subjekts seine Zukunft als Familienvater als ebensolche Gefahr wahrnimmt wie ein anderer Teil seine zwielichtige Vergangenheit samt Sex-Clubs und Affären. Die Akzeptanz der einen Realität führt immer auch zur Aufgabe der anderen. Der Protagonist hat sich in einem klebrigen Netz verfangen, aus dem es keine leichte Flucht gibt. Überhaupt sind es neben den erwähnten Spinnen-Szenen auch Visualisierungen von (Spinnen)Netzen, die sich vielerorts in Villeneuves kunstvoll gewobenem Film auffinden lassen. Bedrohlich, aber gleichzeitig wunderschön. Wie eine Spinne. Die folgerichtig auch am Ende des Films auf den Zuschauer wartet.

Ein wenig führe ich diese Gedanken noch aus in der Mai-Ausgabe des AGM-Magazins.

Bild © Capelight Pictures
 

The Amazing Spider-Man (Marc Webb, USA 2012)

Posted by – 8. April 2014

Um mich auf den zweiten Teil „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ vorzubereiten, habe ich mich ein weiteres Mal an Teil eins gewagt. Das letzte Mal konnte ich mit ihm, wie hier nachzulesen, nicht besonders viel anfangen. Oder war das nur der erschreckte Schmerzensschrei eines Raimi-Fans? Hat mir Marc Webbs Reboot vielleicht nur aus einer Laune heraus nicht gefallen? Diese Hoffnung hat sich leider bereits in den ersten Minuten der Neusichtung zerschlagen. Ich bin schon fast soweit zu sagen, dass der Film aus einer Aneinanderreihung von schlechten Entscheidungen besteht: Viele kleinere und größere Drehbuchschwächen (da wüsste ich gar nicht wo ich anfangen soll!), Anschlussfehler noch und nöcher, ein Schnitt, der den Film förmlich zerhackt, alles ist so offensichtlich, so platt, das Casting… Mir ist es ein Rätsel, wie das, was Andrew Garfield da macht – sein Peter Parker ist ein genialistisch-nervöser Hipster-Nerd mit Skateboard –, mit differenziertem Schauspiel verwechseln kann. Und auch Emma Stone zieht in dem Film ein paar Grimassen, die in anderen Jobs ein Kündigungsgrund wären. Zum Glück sind Spinnen sehr widerstandsfähig. Auch mit einem 08/15-Drehbuch und einem anscheinend überforderten Regisseur bekommt man den Spider-Man-Stoff nicht kaputt. Und wer weiß, vielleicht hat Webb in den letzten zwei Jahren ja Kraft geschöpft, das quasi komplett neue Team nicht zu vergessen, angefangen bei den neue Autoren, dem dynamischen Duo Alex Kurtzman und Roberto Orci, dem neuen Kameramann, einem neuen Cutter… Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

P.S.

Aber ich möchte abschließend noch einmal meine Verwirrung zum Ausdruck bringen. Wie kann man Filme nur so unterschiedlich wahrnehmen? Ich habe haufenweise Reviews gelesen, die genau die Aspekte des Films, die ich für grottenschlecht halte, in den Himmel loben. Und ich habe mittlerweile auch mit vielen Menschen gesprochen, von denen, für mich nicht nachvollziehbar, viele Webbs Film für zumindest ganz ordentlich, wenn nicht sogar für ziemlich prima halten. Mit den Filmen kann die Meinung über Filme also nicht allzu viel zu tun haben. Klar, über Geschmack lässt sich nicht streiten blabla. Aber ich will ja auch nicht streiten. Ich will Meinungen verstehen! Der Inszenierung, der Geschichte, den Produktionswerten, der Leistung der Darsteller usw. Adjektive wie orgasmisch bist versaubeutelt zuzuweisen (etwas anderes habe ich im Geschreibsel weiter oben ja auch nicht geschafft) und sich darauf auszuruhen, kommt mir weder besonders sinnvoll vor, noch hilft es mir, die Position anderer zu verstehen. Ich mag es, wenn Autoren ein hohes Reflexionsniveau bezüglich ihrer Meinung haben, wenn sie transparent machen, warum sie finden, was sie finden, sie, wenn nötig, ihren Hintergrund einfließen lassen, wenn sie eine unterhaltsam zu lesende Geschichte aus ihrer Sicht auf einen Film machen, eine Geschichte nach deren Lektüre mir das Ansehen eines Films mehr Spaß macht als wenn ich es nicht getan hätte (und das ganz unabhängig davon, ob dem Schreiber oder der Schreiberin der Film gefallen hat oder nicht). Ich sage nicht, dass mir selbst das jemals gelungen ist. Aber ich arbeite daran. Versprochen.

P.P.S.

Apropos Transparenz. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine sehr schöne Aktion hinweisen, die Marco Siedelmann auf Hardsensation ins Leben gerufen hat. In „Reden über Schreiben über Film(e)“ interviewt er verschiedene Filmschreiber & -denker und lässt so den Menschen hinter der Meinung sichtbar werden. Den Anfang macht ein sehr lesenswertes Gespräch mit Oliver Nöding von Remember It For Later.

#MARCHialArts 6-8 (Liu Chia-Liang, Tsui Hark, John Hyams, HK, HK, USA 1978/97/2012)

Posted by – 24. März 2014

8 der 9 Filme der #MARCHialArts-Aktion habe ich hinter mir. Wegen Schreibfaulheit und viel um die Ohren kommt hier nur ein Sammelpost der letzten drei Filme:

The 36th Chamber Of Shaolin (Liu Chia-Liang, Hongkong 1978)

Mit „The 36th Chamber Of Shaolin“ (OT: Shào Lín sān shí liù fáng) habe ich wohl einen der Klassiker des chinesischen Kung-Fu-Kinos gesehen. Die Story: Im China der Qing-Dynastie herrschen die Tataren. Der junge Liu Yu Te will die Knechtschaft nicht länger hinnehmen und besucht das berühmte Shaolin-Kloster, um dort Kung-Fu zu lernen. Dazu muss er 35 Kammern durchlaufen, in denen er jeweils einen bestimmten Aspekt der Kampfkunst erwirbt. Diese Lernphase hat mir an „The 36th Chamber Of Shaolin“  eigentlich am besten gefallen. Was den Film aber weiterhin interessant macht, ist nicht nur die erstaunliche Akrobatik der Darsteller, sondern außerdem Einblicke in die Philosophie des Kampfsports und die freiheitliche Message: Kung-Fu ist für alle da! Es lebe die 36. Kammer!

Double Team (Tsui Hark, USA 1997)

Eigentlich unvorstellbar, dass „Double Team“, dieser fantastische Film, seit drei Jahren ungesehen in meinem Regal vor sich hinvegetiert. Es war einer der ca. 70 Filme, die wir von unseren Gästen zur Hochzeit bekommen haben. Warum hat es so lange gedauert bis ich – bekennender Tsui-Hark-Fan! – den endlich gesehen habe? Was von seinen Anlagen eindeutig ein B-Movie ist, wird in den Händen von Tsui Hark und mit schlagkräftiger Unterstützung des einzigartigen Jean-Claude van Damme zur Genre-Perle. Man muss sich nur kurz vorstellen, wie van Damme und Mickey Rourke im Minen gespickten Kolosseum von Rom den Endkampf ausfighten, während Dennis Rodman mit dem Motorrad und einem Kind unterm Arm ab und an durch’s Bild düst – und ach ja, dann ist da noch der Tiger… Soviel nur, um einen Eindruck des Irrsinns zu bekommen, dessen Celluloid gewordene Manifestation dieser Film ist. Danke, Mr. Hark!

Universal Soldier – Day Of Reckoning (John Hyams, USA 2012)

Mein einziger #MARCHialArts-Rewatch, aber ich musste dieses schmerzhafte Action-Manifest einfach noch einmal sehen (Eindruck vom letzten Mal hier). Schon im letzten Teil, „Regeneration“, hat John Hyams begonnen, den Mythos des verbesserten Menschen zu dekonstruieren. Doch während die Soldaten dort nicht mehr Herren über ihre Körper waren, geht Hymas hier noch einen Schritt weiter und raubt ihnen die Seelen. Im ersten Film von Emmerich waren es noch die Erinnerungen, welche die Soldaten zu Individuen machten und ihnen die Möglichkeit gaben, sich der Kontrolle des Militärs zu entziehen. Jetzt können sie sich nicht einmal mehr auf ihre Erinnerungen verlassen. Das einzige, was den Soldaten bleibt, ist die Lüge in ihrem Kopf. Dafür kämpfen sie. Das ist unsäglich traurig. Und lässt einen nicht mehr los.

Next Stop #MARCHialArts 9: „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Posted by – 22. März 2014

Es ist nicht die Zeit für patriotische Helden, deren Kostüm aussieht, wie aus einer Amerika-Flagge zusammengenäht. Habe ich gedacht. Das erste Solo-Abenteuer von Captain America vor drei Jahren hat mich in dieser Ansicht bestärkt. Mit „Captain America: The Winter Soldier“ haben mich Anthony und Joe Russo nun allerdings eines Besseren belehrt. Geht anscheinend doch. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen. Ein wenig geschwätzig zwar und in manchen Momenten over the top, war ich dennoch erstaunt, wie offensiv und mutig hier die Gefahr, die von allmächtigen Geheimorganisationen ausgeht, kritisiert wird. Dass die Antwort auf diese Bedrohung gerade ein Mann in nationalfarbenen Strumpfhosen sein soll, ist bestimmt diskussionswürdig, aber auf jeden Fall weniger trivial als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Systeme können sich nicht selbst heilen. Dazu bedarf es Menschen. Und zwar solche, die transparent agieren, die vertrauenswürdig sind und in der Lage, selbst zu vertrauen. Woran man denn die Bösen erkennt, wird im Film einmal gefragt. Das sind die, die auf dich schießen, antwortet Captain America. So einfach ist es vielleicht nicht. Doch den Impuls, die totale Überwachung und Waffensysteme, welche angeblich der Sicherheit dienen, unbedingt und entschlossen abzulehnen, kann ja wohl so falsch nicht sein. Dass diese Haltung gerade von einem Mann vertreten wird, der aus der Vergangenheit der USA kommt, ist vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen natürlich besonders interessant. Ja, „Captain America: The Winter Soldier“ hat mich überrascht. Ein unterhaltsamer Film. Und vielleicht sogar ein schlauer. Die Action-Szenen nicht zu vergessen. Zumindest derer drei sind ziemlich geil. Für Kino-Zeit.de habe ich eine Kritik geschrieben.