Ich versuche gerade ein paar meiner Bildungslücken in Sachen Brian de Palma zu schließen. Da stolpere ich vor ein paar Tagen doch zufällig in einem kleinem Weddinger Laden für gebrauchte CDs und DVDs über seinen mir bisher unbekannten Thriller „Sisters“. 2,90 Euro.
Der Film handelt zunächst von Danielle (Margot Kidder), die einen Mann namens Philip (Lisle Wilson) bei der TV-Show „Peeping Tom“ kennen lernt. Die darauf folgende Liebesnacht überlebt Philip nicht. Danach verschiebt sich die Perspektive: Danielles Nachbarin, die Journalistin Grace Collier (Jennifer Salt), hat den Mord beobachtet und beschuldigt Danielle. Doch die Polizei glaubt ihr nicht. Der Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt schon etwas schlauer als Grace, der weiß nämlich, oder darf zumindest begründet vermuten, dass für den Mord nicht Danielle, sondern ihre Zwillingsschwester Dominique verantwortlich ist. Zusammen mit dem Detektiv Joseph Larch (Charles Durning) versucht sie das auch zu beweisen. Während Larch dem Sofa folgt, in dem beide die Leiche vermuten, macht sich Grace auf den Weg in die Anstalt, in der Danielle und ihre Schwester damals gewohnt haben.
Auch in diesem frühen Film von ihm lassen sich schon viele seiner Trademarkts auffinden: Hitchcock-Zitate, tolle Kamerafahrten, das Zwillingsmotiv, Splitscreens. Und auch das Wirre, das Irre, das psychologisch Abstruse, sexuell Aufgeladene, dümmlich Genialistische, das in vielen späteren Filmen – mal mehr mal weniger – vorhanden ist, findet sich hier. Was ich an „Sisters“ allerdings vor allem bemerkenswert finde, ist, wie stark der (schwarze) Humor ausgeprägt ist. Anfangs wähnt man sich noch in einem normalen Thriller, aber je weiter die Zeit voran schreitet, desto kurioser wird alles. Als Grace in der Anstalt angekommen ist, wird für den Zuschauer noch einmal erklärt, was dieser ohnehin schon vermutet: nämlich dass Danielle und Dominique einmal siamesische Zwillinge waren, aber irgendwann getrennt wurden. Seitdem ist Danielle verrückt und kann nicht so gut mit Männern. Und auch die Rolle des Herrn, der sich zuvor als ihr Mann ausgegeben hatte, Emil Breton (William Finley), wird klar: Eigentlich ist er auch noch Danielles Arzt. Soweit. Aber auf das Was kommt es im letzten Filmdrittel sowie viel weniger an als auf das Wie. In der Anstalt wird Grace dann für eine Patientin gehalten und später dann noch von Breton hypnotisiert. Die weitere Geschichte und die Rückblenden, gestalten sich für den Zuschauer als eine Art Rausch, bei dem man nie so ganz sicher sein kann, was davon wahr und was Traum war. Das ist alles ziemlich durchgeknallt und mündet schließlich in einer grandiosen Schlusssequenz, die ich jetzt mal hier nicht verrate, nachdem ich ja schon alles andere gespoilert habe. Und wenn ich auch während des Films lange Zeit nicht sicher war, ob mir „Sisters“ wirklich gefällt, spätestens am Ende war ich dann doch ziemlich amüsiert – und zufrieden. Die 2,90 Euro habe ich jedenfalls nicht bereit.
Bild © Indigo

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