The Witch (Robert Eggers, USA / Kanada 2015)

Posted by – 13. Juni 2016

The WitchWeil William (Ralph Ineson) auf eine andere Auslegung der Heiligen Schrift besteht, wird er im 17. Jahrhundert in Neuengland zusammen mit seiner Familie, seiner Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kinder aus seinem Heimatdorf verstoßen. Die Familie lässt sich am Rande eines düsteren Waldes mitten in der Wildnis nieder, um hier ein gottgefälliges Leben zu führen. Doch ihr Glaube wird immer wieder auf die Probe gestellt: Zuerst geht die Ernte ein, dann verschwindet das jüngste Kind, kurze Zeit später auch der älteste Sohn Caleb (Harvey Scrimshaw), der bald allerdings wie verwandelt wieder auftaucht. Hat die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) etwas damit zu tun? Oder die Zwillinge Jonas (Lucas Dawson) und Mercy (Ellie Grainger)? Oder treiben dunkle Mächte ihr teuflisches Spiel mit der Familie?

Nachdem ich neulich beim Fantasy Filmfest doch glatt keine Karte mehr bekommen habe, habe ich den Film nun im regulären Kino nachgeholt. Was ich davon halten soll, weiß ich aber auch einige Tage später noch nicht so genau. „The Witch“ ist seinem Ruf definitiv vorausgeeilt und ich kann nicht behaupten, dass ich ihn unbefangen gesehen hätte. Nein, ich habe tatsächlich einiges erwartet und ich bin mir unsicher, ob mir diese Erwartungshaltung im Wege steht; oder eben dazu führt, dass ich immer noch über diesen Film grüble , obwohl ich ihn einem ersten Impuls nach „ganz nett“, aber auch „unentschlossen“ genannt habe.

Natürlich ist Eggers Film auch recht gruselig und teilweise wunderbar fotografiert. Interessant wird er für die meisten aber wohl vor allem durch das Spannungsfeld zwischen den Polen konkret und abstrakt. Eigentlich ist von Beginn an klar: Das Böse gibt es wirklich. Schließlich sieht man nach dem Säuglingsraub eine Szene, in der sich eine alte Frau an dem Kind der Protagonisten-Familie zu schaffen macht. Und wer die Realität des Übernatürlichen im Laufe des Films vergisst, bekommt mitten drin noch eine Exorzismus-Szene präsentiert, bei der es nur schwerlich mit rechten Dingen zugehen kann; und am Ende gibt es noch einmal den unzweifelhaften Beweis für die Existenz von Hexen. Trotzdem muss man kein besonders cleveres Köpfchen sein, um den Realitätsgehalt des Gesehenen in Frage zu stellen. Warum? Zum einen, weil die religiösen Überzeugungen der Familie für den durchschnittlichen westlichen Zuschauer in heutiger Zeit wohl etwas Befremdliches, ja, Wahnhaftes haben und somit die Vermutung einer kollektiven Psychose nicht ganz von der Hand zu weisen ist; zum anderen, weil die wenigen eindeutig übernatürlichen Elemente sich sehr gut als mentale Episoden einer Figur interpretieren lassen und sich Eggers ansonsten, bei Szenen, in denen sich ein wenig Zweideutigkeit angeboten hätte, eindeutig realistisch positioniert.

Interessant ist „The Witch“ aber nicht, weil er die Frage nach dem Realitätsgehalt besagter Bilder offen lässt – im Gegenteil. Hier gibt es Hexen, aber der Zuschauer will das nicht wahr haben und die Geschichte lieber als religiös induzierte Wahnvorstellung deuten. (Wenn der Film mitunter klischeehaft wirkt, liegt das daran, dass hier die Ursprünge unserer kollektiven Vorstellungen über Zauberei und Hexen thematisiert werden, wie sie auch Märchen zu Grunde liegen. Dass man die entsprechenden Bilder schon tausendmal gesehen hat – und gesehen haben muss! – , liegt in der Natur der Sache.) Eigentlich zeigt sich hier schon die ganze Brillanz des Films, verführt er doch den Zuschauer genau dazu, was dieser den Figuren vorwirft – sich dem Offensichtlichen zu verweigern und die Welt lieber durch die Brille seiner Glaubenssysteme zu beurteilen. Eggers macht Aberglaube nachvollziehbar, indem er den Zuschauer selber dazu verleitet.

Doch da ist noch mehr. Auch unabhängig von der Frage des Realitätsgehalts macht „The Witch“ eine gute Figur. Das liegt an der von Anya Taylor-Joy stark gespielten Figur der Thomasin, der in dem Film in doppelter Hinsicht eine Schlüsselrolle zukommt. Zum einen ist sie – wenn hier überhaupt jemand halluziniert – wohl diejenige welche. Zumindest macht es bei dieser Interpretationsvariante am meisten Sinn. Zum anderen offenbart sich an ihrer Figur aber noch ein weiteres Thema, das manch einen sogar dazu angeregt hat, „The Witch“ als feministischen Film zu bezeichnen. Ich kann diese Sicht nachvollziehen, auch wenn sie mir ein wenig durch den Tunnel geblickt erscheint. Ich würde eher sagen, „The Witch“ ist in seinem Herzen ein tristes Coming of Age-Drama. Ich denke, dass es weniger um die Befreiung einer Frau geht (vielleicht geht es nicht einmal um Befreiung!), sondern dass hier gezeigt wird, wie ein Gedankensystem an seine Grenzen gerät. Dabei spielt Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Anfangs wird William aufgrund seines Glaubens aus der Dorfgemeinschaft geworfen. Später, im Exil, bilden sich in seiner Familie verschiedene Arten von Allianzen, doch eine stabile Gruppe will nicht entstehen. Der Fundamentalismus des Familienpatriarchen ist nicht in der Lage, ein beständiges Zusammenleben zu ermöglichen. Die Situation eskaliert, das System bricht zusammen, Rose sprengt die inneren und äußeren Fesseln, nur um sich danach in die Gefangenschaft einer neuen Ideologie zu begeben. Ob diese besser oder schlechter ist, bleibt offen. Aber immerhin darf man bei dieser nackt durch den Wald tanzen.

Bild © Universal Pictures Germany

The Prowler (Joseph Zito, USA 1981)

Posted by – 13. Juni 2016

The ProwlerWenn mir die große Liebe nicht vergönnt ist, dann bitte auch niemandem sonst – denkt sich ein geprellter Soldat und bringt daraufhin seine untreue Freundin und ihren Lover um. Er selbst kommt davon. Jahre später, während des Abschlussballs einer High School, macht er sich erneut ans blutige Werk.

Wieso? Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Joseph Zitos Slasher aus den frühen 1980er Jahren sich durchaus sehen lassen kann. Von Zito kannte ich bis dato nur „Friday the 13th: The Final Chapter“, der ja nicht zu den schlechtesten Teilen der Reihe gehört, und auch „The Prowler“ ist wieder ein sehenswerter Genrebeitrag. Es gibt zwar ein wenig Leerlauf anfangs und im letzten Drittel, aber eben auch einen markant kostümierten Killer, mindestens zwei sehr spannende Sequenzen und ein paar Morde, die dank Make-up-Spezialist Tom Savini ziemlich weh tun.

Dass ich jetzt nicht in Jubelgeschrei ausbreche, liegt vor allem daran, dass ich hier bis auf solides Handwerk nichts entdecken kann. Man könnte ja meinen, Zito mache etwas aus der Idee, dass es eben ein enttäuschter Kriegsveteran ist, der sich hier auf den blutigen Rachefeldzug begibt, aber Fehlanzeige. Und zwar auf der ganzen Linie. Ein wie auch immer gearteter Subtext, wie er für viele Slasher interessant würde, fehlt hier, was gerade im Hinblick auf seinen Plot doch verwundert. Vielleicht könnte man sagen, dass „The Prowler“ zumindest insofern schon wieder interessant und zweifelsohne ein nicht unwichtiger Vertreter der Slasher-Weller der 1980er Jahre ist, weil er sich eben nicht für irgendwelche Hintergründe, Gesellschaftskritik, Psychologie seiner Figuren u.ä. kümmert, sondern zu fast 100 Prozent dem Ruf entspricht, den Filme dieses Genres heute (zu unrecht?) „genießen“. Ich weiß es nicht und kann im Moment auch nicht mehr dazu sagen, außer, ja, ganz nett, für Slasher-Fans auf jeden Fall sehenswert. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir etwas mehr „zwischen den Zeilen“ gewünscht hätte oder ob ich „The Prowler“ gerade so, wie er ist, pur, „ohne alles“ besonders zu schätzen weiß.

Bild © Blue Underground

Just Before Dawn (Jeff Lieberman, USA 1981)

Posted by – 29. Mai 2016

just before dawnDamals in den 1980ern war die Welt noch in Ordnung, da war das Horrorgenre noch weitestgehend frei von ironischen Meta-Beiträgen. Nach der enttäuschenden Zweitsichtung von „Tucker And Dale Vs Evil“ tut es deswegen gut, ein paar Worte zu Jeff Liebermans „Just Before Dawn“ zu verlieren. Lieberman, der vor allem für den Wurm-Horror „Squirm“ (1975) bekannt ist, zeigt mit seinem Backwood-Slasher, dass auch geradlinige Genrebeiträge durchaus gehaltvoll sein können.

Die Story ist simpel: Fünf junge Leute wollen Urlaub machen, irgendwo im Amerikanischen Hinterland. Auf die Warnungen des ortsansässigen Rangers (George Kennedy) hören sie nicht, und so kommt’s wie es kommen muss – einer nach dem anderen fällt einem mysteriösen Killer zum Opfer.

Doch genauso, wie die Jugendlichen im Laufe des Films immer mehr ihr wahres Gesicht zeigen, wird auch der Killer entmystifiziert. Konnte der Zuschauer zu Beginn, als das Ungeheuer durch ein Loch in der Kirchendecke auf seine ersten Opfer hinabblickt, noch glauben, man hätte es mit einem naturgleichen Monster zu tun, stellt sich irgendwann heraus – Menschen, die den Film unbefangen sehen wollen, sollten hier nicht weiterlesen – dass es sich nicht um einen einzelnen Mörder, sondern um die degenerierten Söhne einer Hinterwäldler-Familie handelt.

Thematisch bewegt sich „Just Before Dawn“ eher auf den Spuren von Filmen wie John Boormans „Deliverance“ als sich wie ein typischer Genrebeitrag anzufühlen. Es geht hier, denke ich, allerdings weniger um das in Filmen schon lange angespannte Verhältnis zwischen arroganten Städtern und verrohten Hinterwäldlern, sondern eher um das Verhältnis von Kultur und Natur – allerdings nicht in der Hinsicht, dass das eine oder andere besser wäre, sondern darum, dass die Natur immer schon vom Menschen korrumpiert ist. Die Schönheit der Landschaft steht in auffälligem Kontrast zu den unschönen, lärmenden Eindringlingen, aber eben auch zu den verrohten Waldbewohnern. Harmonie zwischen Mensch und Natur ergibt sich auch nicht einfach daraus, dass man in ihr lebt und seinen Bedürfnissen nachgeht (die man an den inzestuösen Killerzwillingen sieht). Mensch und Umwelt, sie sollen sich in diesem Film einfach nicht näher kommen.

Das Lexikon des internationalen Films macht es sich mit dem Fazit „„Miserabel gespielte Billigkost, gewalttätig und spekulativ“ mal wieder etwas einfach, denn selbst, wenn man zugesteht, dass „Just Before Dawn“ billig, gewalttätig und nicht gerade großes Schauspielerkino ist, kommt man kaum umhin zu erkennen, dass es Lieberman hier durchaus an der Umsetzung einer Idee und nicht allein am Schock der Zuschauer gelegen war. Das sieht man bereits daran, dass sich Lieberman auffällig viel Zeit für seine Geschichte nimmt und die Morde, genreuntypisch, eben nicht in ihrem Zentrum stehen. Wem das nicht reicht, kann die Besonderheit des Films aber auch an der Wandlung seiner zwei Hauptfiguren ablesen: Während sich der Obermacker Warren (Gregg Henry) immer mehr zu Heulsuse entwickelt, geht in seiner Freundin Constance (Deborah Benson) eine gegenteilige Entwicklung vom unscheinbaren Mäuschen zum Vamp vor, die ihren Gegner mit der bloßen Faust erstickt. Die sexuelle Komponente ist hier nicht zu übersehen. Und ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass sich „Just Before Dawn“ vielleicht nur vordergründig in das Backwood-Slasher-Genre einsortiert, in Wirklichkeit aber ein – wenn auch denkbar abstraktes – „Rape & Revenge“-Movie ist, in dem nicht nur der Mann die Frau, sondern auch die Menschheit Mutter Natur – erfolglos – angeht.

Ich denke nicht, dass ich „Just Before Dawn“ komplett durchschaut habe. Was aber bleibt, ist das angenehme Gefühl, einen visuell wie inhaltlich sorgfältig gearbeiteten Film vor sich zu haben, der – im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres – es weder nötig hat, zu posten noch sich sklavisch an die Genre-Regel zu halten, weil es eben Substanz hat. Ein guter Film. Allerdings einer, den man sich nicht unbedingt von Odeon Entertainment besorgen sollten, so wie ich es getan habe. Die Bildqualität ist dermaßen schlecht, dass man dafür eigentlich kein Geld verlangen dürfte.

Bild © Odeon Entertainment

Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

Posted by – 27. Mai 2016

Tucker DaleAuf den ersten Blick sieht Craigs Debüt-Langfilm vielleicht aus, wie ein 08/15-Horrorfilmchen, bei dem es eine Gruppe von College-Kids bei einem Zelturlaub mit den Einheimischen zu tun bekommt. Doch schon der Titel deutet an, dass sich nicht alles ganz so zuträgt, wie der Genrekenner es erwartet: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind nämlich in diesem Fall nicht die Bösen. Im Gegenteil! Bei den beiden Landeiern handelt es sich um grundsympathische Typen, die in den Wäldern einfach etwas an einer Hütte basteln und sich beim Fischen entspannen wollen. Ein Missverständnis führt dazu, dass die College-Kids Tuckers und Dales Rettungsversuch der hübschen Allison (Katrina Bowden) für eine Entführung halten – und fortan mit allen Mitteln versuchen, gegen die beiden Freunde vorzugehen.

Es gibt sie, die Horrorfilme, die einfach Spaß machen. Sam Raimis „Evil Dead“-Filme fallen mir da spontan ein; oder Peter Jacksons „Bad Taste“ und „Braindead“; oder der wunderbare „Return Of The Living Dead“; oder „Re-Animator“; oder oder. Und auch in jüngster Zeit gab es wohl immer mal wieder Versuche, die man dazu zählen könnte. Leider ist deren Anzahl, denen die Melange aus Gewalt und gute Laune gelingt, meiner Meinung – oder sagen wir lieber meinem Geschmack nach, nicht besonders groß. Auch „Tucker And Dale Vs Evil“ steht ja in dem Ruf, diesen Spagat zu schaffen, und beim ersten Sehen fand ich ihn auch ganz nett. In der Zweisichtung hat er mich allerdings freundlich gesagt weniger überzeugt.

Sicher, das Spiel mit den vertauschten Rollen, bei dem die Collegekids die Psychopathen und die Hinterwäldler die Sympathieträger sind, funktioniert an und für sich ganz gut und macht deutlich, wie vieles, das wir als filmische Wahrheiten unhinterfragt akzeptieren, eigentlich eine Frage der Perspektive ist. Das ist der zentrale Witz von „Tucker And Dale Vs Evil“ und ja, das ist schon irgendwie ganz ok gemacht und zumindest beim ersten Sehen fand ich es ja auch amüsant bis lustig. Wenn der Zuschauer das Prinzip allerdings einmal durchschaut hat (was ziemlich schnell der Fall ist), geht dem Film schnell die Puste aus.

Ich bin nach dem zweiten Sehen der Meinung, dass Craig zum einen zu früh klar macht, wohin der Hase läuft und sich zum anderen quasi schon zu Beginn des Films auf die witzige Seite seiner Horror-Komödie schlägt, sprich, die spannende geschweige denn gruselige dafür leider viel zu kurz kommt. Mir ist bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und natürlich immer davon abhängt, was man gerne sieht; ich kann mir vorstellen, dass viele den Film gerade für seinen Charme, seinen Witz wie seine sympathisches Protagonisten-Duo mögen. Mir hätte er vermutlich besser gefallen, wenn nicht alles so leicht zu durchschauen wäre, sondern wenn Craig vor allem etwas mehr Ernst bei seinen Figuren und dem Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an den Tag gelegt hätte. So ist mir das ganze zu sehr Nummernrevue ohne echtes Drama, ohne Fallhöhe.

„Tucker And Dale Vs Evil“ ist guter Stoff für das Fantasy Filmfest, wo jeder Fun-Splatter frenetisch bejubelt wird; oder vielleicht auch für den Fortgeschrittenen Anfänger in diesem Genre, der sich darüber freuen kann, dass er erkennt, was hier witzig sein soll. Aber es ist kein guter Film in dem Sinne, dass hier eine Geschichte dramaturgisch geschickt erzählt wird, dass es einen spannenden Konflikt oder interessante Figuren gibt, dass hier etwas entwickelt wird, dass mehr ist als die Summe seiner mehr oder weniger spaßigen Teile. Nein, „Tucker And Dale Vs Evil“ ist nicht mein Ding. Vielleicht liegt dieses etwas harsche, zweite Urteil aber auch nur daran, dass ich, was Humor in Filmen angeht, eh ein schwieriger Kandidat bin

Bild © Universum Film

Friday the 13th: A New Beginning (Danny Steinmann, USA 1985)

Posted by – 16. Mai 2016

Nachdem ich mir vor anderthalb Jahren die ersten vier „Friday“-Filme (hier die Texte zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4) sowie das Reboot von Marcus Nispel angesehen hatte, meinte ich gestern wieder genug Energie für die zweite Hälfte der Reihe gesammelt zu haben und habe ich deswegen voller Elan an den fünften Teil, „Friday the 13th: A New Beginning“ gemacht. Leider scheint die Zeit nicht ausreichend gewesen zu sein, die Ermüdungserscheinung, die mich beim letzten Run spätestens ab Teil 3 ereilten, setzen dieses Mal fast umgehend ein.

Der Film beginnt mit einer Hatz durch den Wald, bei der der bereits aus dem letzten Teil bekannte Tommy (Corey Feldman) ein unbekanntes Ziel ansteuert. Dort angekommen, erkennt der Zuschauer, dass es sich um die Grabstätte von Jason Voorhees handelt. Tommy beobachtet wie zwei Halbstarke das Grab schänden und kurz darauf von dem auferstandenen Jason umgebracht werden. Dann wendet sich der Killer Tommy zu…

… doch zum Glück ist alles nur ein Traum. Tommy (John Shepherd), mittlerweile erwachsen und durch seine damaligen Erlebnisse immer noch schwer traumatisiert, wird in eine Einrichtung für psychisch kranke Jugendliche gebracht. In Folge bringt erst ein Mitinsasse einen anderen um, dann geschehen in der Umgebung weitere Morde. Hat Tommy etwas mit den Vorfällen zu tun? Oder ist Jason von den Toten zurück? – Ich spoiler mal ein klein wenig und sage: Weder noch. Das finale Kapitel wurde erzählt, Zeit für einen neuen Anfang. Und soviel muss ich Danny Steinmann und den Autoren Barney Cohen und Martin Kitrosser dann doch zugutehalten, dass sie in diesem fünften Teil tatsächlich versuchen, die Sache um den Killer mit der Eishockeymaske neu zu überdenken. Geplant war ab hier für jeden folgenden Teil einen neuen Täter zu wählen, der in die Rolle Jasons schlüpft und als Copykiller in dessen Fußstapfen tritt. Was von der Grundidee durchaus interessant ist, entpuppt sich im fertigen Film leider als recht uninspirierte Fortschreibung des Status Quo. Mir jedenfalls war es ziemlich egal, wer denn nun eigentlich der Killer ist, da sich hier alles anfühlt wie in den Teilen zuvor. Ein wirklicher Neuanfang ist somit nicht geglückt. Positiv hervorzuheben bei „Friday the 13th: A New Beginning“ lässt sich neben der Absicht, hier etwas Neues zu versuchen, dass immerhin das Szenario um die Crazy Kids nicht schlecht ist. Das gibt Steinmann die Möglichkeit mit ein paar übertriebenen, sehr schrillen Figuren zu arbeiten, wobei ich leider gleich wieder einwenden muss, dass er auch hier weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Weiterhin bleibt zu erwähnen, dass zumindest Stephen L. Posey hier ein paar ganz schön ausgeleuchtete Szenen hinbekommt, die zwar nicht wirklich für die allgemeine Langeweile komplett entschädigen, aber doch den einen oder anderen Akzent setzen, so dass der Film vielleicht doch ein klein wenig länger in Erinnerung bleibt als er es verdient hätte.

Das war er also, der neue Anfang der „Friday“-Reihe. Doch jedem Anfang wohnt ein Ende inne, und ich bin jedenfalls erst mal wieder bedient. Wir sprechen uns vielleicht in ein bis zwei Jahren wieder. Gute Nacht.

Film ist immer noch aus der gleichen Box (s. Teil 1), deswegen kein Bild des Covers.

No, the Case Is Happily Resolved (Vittorio Salerno, Italien 1973)

Posted by – 15. Mai 2016

No il caso è felicemente risoltoDer Schalterbeamte Fabio Santamaria (Enzo Cerusico) beobachtet den brutalen Mord an einer Frau. Aber auch er wird gesehen. Fabio ergreift panisch die Flucht, zögert später aber, die Tat bei der Polizei zu melden. Ein Fehler! Der Mörder, der angesehene Prof. Ranieri (Riccardo Cucciolla), kommt Fabio zuvor und und gibt sich bei der Polizei als Zeuge des Mordes aus und liefert eine Beschreibung des arglosen Schalterbeamten.

Wenn man etwas zu „No, the Case Is Happily Resolved“ (OT: No il caso è felicemente risolto) von Vittorio Salerno sagt, ist es möglicherweise sinnvoll, zunächst das seltsam unpassend wirkende Ende zu erwähnen: Da wird ein Mann, um dessen Hals sich die Schlinge den ganzen Film lang immer fester zuzieht, innerhalb von wenigen Sekunden begnadigt. Der wahre Schuldige hat sich erhängt. Fall gelöst, der Gerechtigkeit ist genüge getan. HÄ? Und der Film beginnt schon mit einer Irritation: Man sieht das Fußballstadion – Ruhe. Man sieht den Wald – man hört einen Sprecher und Stadiongeräusche. Umkehr der Verhältnisse, ein Spiel mit den Perspektiven – das sieht man an mehreren Stellen im Film

Natürlich erzählt „No, the Case Is Happily Resolved“ auch eine interessante Geschichte, welche Richtung sie einschlägt und wie die implizite Kritik am italienischen Rechtssystem beschaffen ist, zeichnet sich aber recht schnell ab. Nein, es ist nicht das Was, es ist das Wie, das Salernos Film von der ersten bis zur letzten Minute ausmacht, dieses permanente Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, das fesselt. Enzo Cerusico und vor allem Riccardo Cucciolla spielen ihre Rollen des Weiteren wirklich großartig, Cerusico als zaudernder Beamter und Cucciolla als anfangs bedrohlicher und später jämmerlich selbstgerechter Bildungsbürger – das hat definitiv was. Einer der (schauspielerischen) Höhepunkte des Films war für mich, als der Professor den Schalterbeamten überredet, sein Spiel mitzuspielen, weil er, der Professor durch das Wissen, die Tat begangen zu haben und die dadurch herrührenden Alpträume schon gestraft genug sei.

Aber noch einmal zurück zum Ende: Die abrupte Schlussszene wurde meines Wissens von den  nachträglich eingefügt, wohl weil den Geldgebern „No, the Case Is Happily Resolved“ ansonsten zu pessimistisch vorgekommen wäre. Nun, solche Eingriffe gelingen selten gut. Auch in diesem Fall wird sich – zu Recht! – viel darüber mokiert. Doch ich kann mir nicht helfen, ich finde das erzwungene Ende, das gar nicht zum Rest des Films passt, gar nicht so schlimm. Mehr noch, meiner Meinung hat es sogar noch einen interessanten Effekt und wird damit fast schon zum i-Tüpfelchen dieses Krimis.

Der Ausdruck „verschlimmbessert“ wird verwendet, wenn bei dem Versuch, etwas zum Positiven zu wenden, das Gegenteil erreicht wird. Hier, im Falle des nachträglich eingefügten Endes, hatte es meiner Meinung nach allerdings nicht den negativen Effekt, der zu erwarten gewesen wäre. Hier handelt es sich eher um einen Fall einer „Verbesserschlimmerung“, wenn man so sagen will, bei der die positiven Absichten, die eigentlich schlechte Folgen haben müssten, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz etwas Gutes bewirken (oder zumindest einen interessanten Effekt haben). Dieser offensichtliche Eingriff von Außen in das Kunstwerk lässt sich durchaus in Beziehung setzen zur Story des Films, bei dem die Dinge ja auch nicht so sein dürfen, wie sie eigentlich sind. (Der Professor kann ja schlecht der Schuldige sein, er ist ja Professor.) Ja, man kann, wie der arme Fabio hier demonstriert, mit den besten Absichten Scheiße bauen – aber, wie im Falle des Films, dich auch aus Versehen etwas richtig machen. Mir hat „No, the Case Is Happily Resolved“ jedenfalls – auch in dieser Form, mit diesem Ende – richtig gut gefallen, das war definitiv mein Krimi-Highlight der letzten Monate!

Bild © Cde

50 First Dates (Peter Segal, USA 2004)

Posted by – 14. Mai 2016

50 first datesEs hat ein paar Filme gedauert, bis ich herausgefunden habe, was sich krank am besten schauen lässt. Die Antwort lautet ohne Wenn und Aber: Adam-Sandler-Filme. Ich will jetzt nicht zu allen, die ich in den letzten auf dem Sofa verbrachten Tagen gesehen habe, etwas aufschreiben. Aber wenn einer mir sogar das ein oder andere Tränchen abringt, weil er so lustig, romantisch, traurig, weise und zusammengefasst einfach wundervoll ist, dann sollte ich wohl doch ein paar Sätze dazu sagen.

Der Tierarzt Henry Roths (Adam Sandler) kann sich nicht beklagen. Das Leben auf Hawaii ist sonnig und warm, die Touristen liegen ihm zu Füßen. Eine feste Bindung kann er sich nicht vorstellen – bis er Lucy Whitmore (Drew Barrymore) trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick und schöner noch, Lucy scheint das gleiche zu empfinden. Doch als er sie am nächsten Tag wieder trifft, kann sie sich nicht an ihn erinnern. Denn die junge Frau hatte einen Unfall, seitdem kann sie keine neuen Informationen abspeichern. Jeden Morgen wacht sie in der Annahme auf, dass es sich um den Tag vor ihrem Unfall handelt. Während Lucys Vater Marlin (Blake Clark) und ihr Bruder Doug (Sean Astin) versuchen, Lucy ihr Schicksal zu verheimlichen und ihr den gleichen Tag immer und immer wieder vorzuspielen, will Henry sich nicht damit abfinden. Er macht sich daran, Lucys Herz jeden Tag erneut zu erobern, in der Hoffnung, dass sie sich vielleicht irgendwann an ihn erinnert…

Nun denn, warum ist „50 First Dates“ so gut?

Auch wenn die Geschichte natürlich an „Groundhog Day“ erinnert, würde ich sie als hochgradig originell durchgehen lassen. Eine Liebesgeschichte, die auf diese Weise erzählt wird, ist mir von Harold Ramis Film abgesehen nicht bekannt. Auch die Parallelen hierzu relativieren sich, wenn man sich genauer anschaut, was Adam Sandler an diesem Stoff eigentlich interessiert: In „50 First Dates“ geht es ja nicht um den Reifungsprozess des Protagonisten angesichts dessen Situation, sondern darum wie Menschen (wichtig, Mehrzahl!) mit einer schwierigen gesundheitlichen Situation einer weiteren Person umgehen, die wiederum gleichzeitig niemals zum Objekt gemacht, sondern ab einer bestimmten Phase des Film selbstbestimmt ihr Schicksal in die Hand nimmt. George Wing, der neben diesem, glaube ich, nur noch das Drehbuch für „Outsourced“ und ein paar Folgen der daraus entstandenen Serie geschrieben hat, ist hier wirklich ein sensationelles Script gelungen, bei dem zwar nicht jeder Gag zündet, bei dem aber das große Ganze stimmt.

Das ist natürlich nicht alles. Damit ein Film wie „50 First Dates“ funktionieren kann (ok, ok das gilt jetzt wahrscheinlich für die allermeisten Vertreter dieser Spezies), ist es natürlich essentiell, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Und man muss schon ein wenig länger überlegen, um ein Film-Paar zu finden, das so gut harmoniert wie Adam Sandler und Drew Barrymore. Harrison Ford und Carrie Fischer vielleicht, oder Patrick Swayze und Demi Moore, oder Leonardo DiCaprio und Kate Winslet und vielleicht noch ein paar. Aber so viele gibt’s da nicht, denn in dieser Liga wird Luft ganz dünn.

Doch so wichtig die Schauspieler sind, kein Film ist allein ihretwegen gut. Und natürlich muss es deswegen auch noch einen wirklich guten Grund abseits der bereits genannten geben, warum 50 First Dates“ mich so umgehauen hat. Der Clou des Films ist ja – für Sandler-Filme typisch, aber oft übersehen – dass er überhaupt einen hat. Er macht ja nicht einfach eine albern-kurzweilige Liebeskomödie, sondern ein Werk, das etwas zu sagen hat. Es hat – wie bisher alles, was ich von Sandler gesehen habe – Sinn, Verstand und ganz viel Herz und diesmal und darüber hinaus auch große aktuelle Brisanz. Mir fällt auf die Schnelle jedenfalls kein anderer Film ein, der das Thema Krankheit innerhalb einer Beziehung warmherziger und liebevoller umgesetzt hat. Denn darum geht es ja eigentlich, um ein Paar, das ob der schweren Erkrankung des einen Partners und aller weiteren Widrigkeiten zum Trotz zusammenfinden und -bleibt. „50 First Dates“, eine Liebeskomödie, die sich subversiv von allen Liebesfilmklischees emanzipiert ohne dabei auf irgendetwas zu verzichten, was die Zuschauer sehen wollen und was dieses Genre ausmacht.

Also – darum!

Schön, dass dieser Film mal nicht wie so viele andere Sandler-Komödien in Deutschland am Publikum vorbeigerauscht ist, sondern die Anerkennung erhalten hat, die er meiner Meinung nach definitiv verdient. Denn wie gesagt, „50 First Dates“ ist einfach wundervoll!

Bild © Sony Pictures Home Entertainment

The Hateful Eight (Quentin Tarantino, USA 2015)

Posted by – 14. Mai 2016

hateful eightUnd hier noch ein paar Sätze zu einer Filmleiche. Ich habe den Film zwar schon vor Monaten gesehen, irgendwie war mir jedoch der Textentwurf verrutscht und ich habe ihn gerade erst wiedergefunden und zu Ende getippt.

Ein paar Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg kreuzen sich die Wege von acht Personen in einer einsamen Herberge namens „Minnies Kurzwarenladen“. Bevor ich etwas zu dem Film sage, vielleicht ganz kurz etwas zu meinem ambivalenten Verhältnis zu Quentin Tarantino, dies ist ja mein erster Text zu einem Film von ihm hier im Blog: Obwohl mir schon immer, also seit „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“, klar war, welch außergewöhnlicher Filmemacher er ist, sind mir seine Filme bis heute nicht so richtig ans Herz gewachsen. Ich hatte bei ihm stets ein komisches Gefühl, vielleicht weil er für einen guten Gag seine Figuren verraten würde; dadurch haben seine Filme für mich auch immer etwas Zynisches habt. Trotzdem bin ich schwer beeindruckt von den genannten und einigen weiteren seiner Filme. Trotz Tarantinos geringen Outputs hat sich aber in letzter Zeit noch ein weiteres Gefühl zu meiner ohnehin skeptischen Grundhaltung eingeschlichen. Auch wenn er inhaltlich verschiedene Themen bearbeitet, so kommen mir seine Filme formal recht ähnlich vor. Kernstück seiner Filme sind die geschliffenen, von dem typischen Tarantino-Humor geprägten Dialoge. Und auch, wenn sich diese nicht wiederholen, scheint das Prinzip stets das gleiche. Deswegen hatte ich auch bei „The Hateful 8“ – vielleicht so stark wie nie zuvor – das Gefühl, alles schon zu kennen. Direkt nach dem Film war ich also zunächst enttäuscht. Wo sich andere stilbewusste Filmemacher weiterentwickeln oder ihr Können chamäleonhaft in den Dienst der Sache stellen, tritt Tarantino auf der Stelle. So zumindest meine erste, enttäuschte Reaktion.

Doch nach ein wenig Bedenkzeit sehe ich das Ganze etwas anders. (Das ist meiner Meinung nach übrigens das Schöne an der Beschäftigung mit Film o.ä. – sich dabei zu beobachten, wie seine Meinung reift, sich ändert und manchmal zum genauen Gegenstück des ersten Eindrucks wird…) Sicherlich, auch in „The Hateful Eight“ hat Tarantino seine Figuren mal wieder überhaupt nicht lieb. Aber in diesem Fall kann ich es ihm dann doch nicht übel nehmen. Schließlich gab es noch keinen so wütenden Film von ihm, der Titel ist hier so was von Programm! In seinem Film „tastet sich Tarantino in die Abgründe von Rassismus, Hass und Willkür hinein, aus denen sich die heutige US-Gesellschaft mit ihren Brüchen und Härten geformt hat,“ wie es Andreas Borcholte bei Spiegel Online Kultur formuliert. Ich würde sogar sagen: nicht nur das. Auch der Krieg der Geschlechter, die Gewohnheiten der Amerikanischen Herzen sind seine Themen. Und er tastet sich nicht nur heran. Er schießt einen Pfeil mitten in dieses Herz und sieht seinen Figuren beim Sterben zu – wohlweislich, dass die Lebensform, die hier in ihren Umrissen karikiert wird, sich auch heute noch bester Gesundheit erfreut.

Was ich an „The Hateful Eight“ nebenbei gesagt noch interessant finde – das darf man sich jetzt eher als theoretisches Hintergrundrauschen und noch nicht komplett durchdachte Fußnote vorstellen – ist, wie hier zwei moralische Systeme gegeneinander antreten, eine „Staatsmoral“, die den Prinzipien von Law & Order folgt sowie eine „Kumpelmoral“, die Familienbande in ihr Zentrum stellt. Ich weiß nicht, wer sich mal näher mit Lawrence Kohlberg und seiner Theorie der Moralentwicklung beschäftigt hat. Ihm nach verläuft die moralische Entwicklung des Menschen in sechs Stufen, die sich in drei Ebenen zuordnen lassen – der präkonventionellen, der konventionellen und der postkonventionellen Ebene. Die Figuren des Films agieren alle auf der konventionellen Ebene, den Stufen drei („good boy/nice girl“-Orientierung“) und vier („Orientierung an Gesetz und Ordnung“). Was die Theorie und Kohlbergs Stufenmodell aber in Bezug auf den Film spannend macht, ist natürlich, dass die Figuren, die ja symbolische Stellvertreter für Gründungsväter der USA sind, sich fern jedes postkonventionellen moralischen Niveaus bewegen. Aber genau auf solchen Prinzipien muss ein Staat natürlich aufgebaut sein. Wenn Tarantino meint, dass dies für die USA nicht gilt, hätte er die Message tatsächlich kaum besser verpacken können als in diesem bitterbösen, von unangenehmen Menschen bevölkerten ultra-brutalen, achten Wert.

Aus diesen Gründen, aber auch weil „Daisy Domergue“ einfach mal der allerbeste Figurenname ist, den sich Tarantino bisher ausgedacht hat und Jennifer Jason Leigh als eben selbige alle Herren des Films (die ihre Sache auch nicht schlecht machen) an die Wand spielt, mag ich „The Hateful Eight“ doch sehr gern. Und wieder ist es eine Hassliebe, aber diesmal passt’s ja.

Bild © Universum Film

Blended (Frank Coraci, USA 2014)

Posted by – 14. Mai 2016

BlendedWenn man älter wird, verschieben sich die Prioritäten. Davon wollen Liebesfilme in der Regel nichts wissen. Nur sehr selten bekommen sie es hin, mal etwas anderes als die üblichen Beziehungsanbahnungen und -konstellationen überraschungsfrei rauf und runter zu dudeln. Da überrascht es, dass einer der interessantesten Beiträge ausgerechnet ein Adam Sandler Film ist. Oder eben nicht. Denn nach den wenigen Begegnungen mit seinen Filmen kann ich schon sagen, dass keiner so oberflächlich ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

In „Blended“ geht es um die allein erziehenden Eltern Lauren (Drew Barrymore) und Jim (Adam Sandler). Sie treffen sich zu einem Blind Date – und können sich auf den Tod nicht ausstehen! Doch schon wenig später führt sie das Schicksal nicht nur erneut zusammen, sondern ermöglicht den beiden Familien sogar einen gemeinsamen Afrika-Urlaub. Auch wenn am Anfang ordentlich die Funken sprühen, müssen die beiden Streithähne bald feststellen, dass sie doch gar nicht so schlecht zusammenpassen.

Neben diesem ganz individuellen Fall geht es in „Blended“ – und das macht ja schon der Titel deutlich – um eine im Liebesfilm weniger häufig betrachtete Form des Zusammenfindens und –lebens, nämlich um das derjenigen, die die erste Runde schon gespielt haben und nun mit Kindern ein Leben leben, das genauer zu betrachten den meisten romantischen Komödien wohl zu anstrengend wäre. Schließlich brauchen Kinder, wie in „Blended“ mal gesagt wird, 99% deiner Zeit und nur 1% bleibt da für den Partner übrig. 1% – das wäre vielen Filmen wohl zu wenig, um hier romantisch auf Touren zu kommen, deswegen lassen es die meisten lieber gleich sein. Nicht so Sandler, der sich hier mit seinen Autoren Clare Sera und Ivan Menchell wie Regisseur Frank Coraci geradezu mit kindlicher Begeisterung auf das Thema „Patchworkfamilie“ (mit allem was dazu gehört) stürzt und im Ergebnis nicht nur einen der lustigsten und romantischsten Liebesfilme abliefert, die ich seit Jahren gesehen habe, sondern auch einen der endlich mal etwas übers (Zusammen)Leben zu sagen hat.

Denn bei aller Albernheit – und davon gibt es bei „Blended“ natürlich auch genug, man nehme nur diese scheußlich-herrlich afrikanische Musik-Combo, die zu den unpassendsten Momente aus dem Nichts auftaucht und die alle peinlichen Momente noch peinlicher macht – ist es Sandler hoch anzurechnen, dass er sich nicht scheut, auch komplizierte Beziehungen mit allem was dazu gehört auf seine ganz eigene Art unter die Lupe zu nehmen. Neben der Beziehung Lauren und Jim – die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist indes ganz hervorragend! – muss es, dem Thema entsprechend, natürlich auch oder sogar vor allem um das Leben mit den Kindern der beiden gehen. Im Detail sind das Laurens Söhne, der überdreht-aggressive Tyler (Kyle Red Silverstein) und Brendan (Braxton Beckham), der mitten in der Pubertät steckt und seine Sexualität noch nicht ganz unter Kontrolle hat sowie Jims Töchter, die alle sehr unter der abwesenden Mutter leiden, die kleine Lou (Alyvia Alyn Lind), die nach einem Sportsender benannte Espn (Emma Fuhrman), wie die älteste Tochter Hilary (Bella Thorne), der ihr männliches Aussehen sehr zu schaffen macht.

Ich kann verstehen, wenn man Sandler vorwirft, er würde oberflächlich sein und nicht davor zurückscheuen, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich sehe das bzw. empfinde das allerdings nicht so. Sicherlich mögen manche „interkulturellen“ Gags grenzwertig und diskutabel sein, was die grundsätzlich positive Einstellung Sandlers zu den Charakteren seiner Filme angeht, darauf lasse ich nichts kommen. Ich finde es im Gegenteil sogar höchst erstaunlich, wie es Sandler immer wieder gelingt, mir auch bei jedem noch so grenzdebilen Scherz trotzdem wie ein großer Humanist vorzukommen. In seinem Film lachen wir nicht über die Figuren – wir lachen mit ihnen, weil wir spüren, dass auch wir hätten diejenigen sein können, die sich aufs Pupskissen setzen. In seinen Filmen sind wir alle eine große Familie.

Bild © Warner Home Video

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Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.