Friday the 13th Part 3 (Steve Miner, USA 1982)

Posted by – 14. September 2014

BÄMM, und plötzlich ist er da, Jason, der Killer mit der Eishockey-Maske. Ruhig steht er auf dem Bootssteg, hebt die Harpune, visiert die Frau an, die ein paar Meter vor ihm im Wasser steht – und drückt ab. Aber der Reihe nach.

„Friday the 13th Part 3“ beginnt, wie der Teil zuvor mit einem Rückblick, dann geht’s los mit dem Vorspann, Nebel, Disco-Mucke und billigen 3-D-Effekten. Die Reihe ist endgültig in den 1980er Jahren angekommen. Der Anfang des Films und damit der dritten Episode in Sachen #horrorctober 2014 ist auch gleich schon nach meinem Geschmack: Jason tötet einen Ladenbesitzer und seine Frau. Diese Sequenz ist mit viel Liebe inszeniert, die Figuren haben Charaker, es gibt bunte Vorhänge und ein süßes Karnickel. Was will man mehr? Nach dem schönen Auftakt macht sich dann aber erst einmal Langeweile breit. Die Jugendlichen Chris (Dana Kimmell), Andy (Jeffrey Rogers), Vera (Catherine Parks), Debbie (Tracie Savage) und Shelly (Larry Zerner) wollen ein Wochenende am Crystal Lake verbringen. Was ich bei den Vorgänger-Filmen noch als positiv wahrgenommen habe – das sinnlose, aber auch naiv-charmante Rumgeplänkel zwischen den Figuren – hat mich im dritten Teil nicht besonders interessiert. Ausnahme ist das Aufeinandertreffen von Clown Shelly und Vera mit den Motorradrockern Fox (Gloria Charles), Loco (Kevin O’Brien) und Ali (Nick Savage) im nahegelegenen Supermarkt, was in der hinreißend doofen Szene mündet, dass die drei Rocker aus Rache für ihre umgefahrenen Motorräder den Jungs und Mädels am Crystal Lake das Benzin klauen wollen und dabei Jason in die Arme laufen.

Die „Qualität der Morde“ (ohje, wie das klingt) schwankt von uninteressant bis äußerst gelungen. Mich stören die kurzen, unspektakulären Todesfälle nicht weiter, für mich gehören diese sogar zu Reihe dazu. Nichtsdestotrotz ist mein Lieblingsmord (BÄMM) – der erste, bei dem Jason seine Maske trägt – meines Erachtens nicht nur der beste des Films, sondern einer der interessantesten der bisherigen Reihe. In diesem kurzen Moment, in dem sich Jason und Vera taxieren, er auf besagtem Bootssteg, sie im Wasser, scheint die Zeit stehen zu bleiben – ein absoluter Höhepunkt des 1982 noch jungen Franchise. Ebenfalls gefallen hat mir die Szene, in der Chris nach Rick sucht. „Rick, help me“ ruft sie, denn sie weiß noch nicht, dass auf Männer in diesem Genre – den Killer mal ausgenommen – kein Verlass ist. Doch Rick kann nicht antworten, ihm wird von Jason hinterm Haus der Mund zugehalten. Jason ist im Übrigen nicht mehr der gleiche. Er ist selbstbewusster, energischer geworden. Schien er sich im Teil zuvor noch für seine verstorbene Mutter zu rächen, kommt er mir in Teil drei eher vor wie jemand der kurz davor ist zu rufen: „Get off my lawn“. Doch er ist kein Sadist. Er ist ein effizienter Totmacher, keiner der seinen Opfern ein langes Leiden beschert. Im zweiten Sequel ist er noch jemand, der durchaus mal etwas ungestüm und vor allem fehlbar ist. In meiner sehr nebulösen Erinnerung an die folgenden Teile wird sich das ändern.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Mit Nacktheit ist „Friday the 13th Part 3“ zurückhaltender als die Vorgänger, dafür ist sowohl der Gewalt- als auch der Humorpegel höher. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird mich das vermutlich bald stören. Hier fand ich das Verhältnis gerade noch okay, so dass ich Teil drei lange nicht so stark wie den ersten, aber doch einen Tacken besser als den zweiten finde. Den Film am Stück zu sehen, war neben dem Weg eine komische Erfahrung. Ich kannte zwar etliche der Morde schon, wahrscheinlich von dieser bereits mehrmals erwähnten VHS-Kasette, die einen Zusammenschnitt der besten Mordszenen enthielt, aber den kompletten Film noch nicht. Diese Jahrzehnte alten Lücken sind nun endlich gefüllt.

Fantasy Filmfest 2014

Posted by – 14. September 2014

Fantasy Filmfest 2014Es ist schon etwas her, dass ich beim Fantasy Filmfest so wenig gesehen habe wie in diesem Jahr. Lediglich zu vier Filmen im Kino und einer heimischen DVD-Sichtung hat es gereicht. Die Ausbeute? Mager. Aber immerhin zwei Filme waren dann doch so großartig, dass es mir fast egal ist, wie viel Ausschussware ich dafür noch mitnehmen musste. Ein paar Sätze zu den Filmen in chronologischer Reihenfolge.

Starred Up (David Mackenzie, Großbritannien 2013)

Den ersten großartigen Film des Festivals gab es für mich gleich zu Beginn: David Mackenzies „Starred Up“ ist intensives Vater- und Sohn- wie Knastdrama gleichermaßen. Es ist ein Film der Spannungen – zwischen den Figuren, aber auch zwischen ihnen und ihrem Lebensraum. „Starred Up“ nach dem Debütdrehbuch von Jonathan Asser gehört zu den wenigen Gefängnisfilmen, in denen es kein Außerhalb gibt, es werden keine Ausbruchspläne geschmiedet und am Ende steht auch keine Entlassung wegen guter Führung. Der Knast ist die einzige Realität für die Figuren. Diese Spannung überträgt sich auch auf den Zuschauer. Ich jedenfalls saß die gut 100 Minuten Filmdauer verkrampft in meinem Kinosessel. Toll. Muss sich nicht hinter „Un Prophète“ verstecken.

Blue Ruin (Jeremy Saulnier, USA 2013)

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch ist. Bei diesem Film beispielsweise lagen ich und das Gros des Publikums auseinander. Einige haben ihn als präzisen, realistischen Rachethriller gesehen, ich habe ihn als aufgedunsenen und nervig prätentiösen Film empfunden. Es geht um einen Mann, der nach dem Tod seiner Eltern als Obdachloser am Rande der Gesellschaft vor sich hin vegetiert – bis der Mörder auf freien Fuß kommt und er die Chance auf Rache wittert. Mein Problem mit dem Film? Ich glaube das alles nicht. Weder die Story, die sich von der einen zur anderen Unwahrscheinlichkeit hangelt, noch die Figuren, die im Falle der Schurken zum Schluss auch grimassierenden Ungeheuern werden müssen. Dass „Blue Ruin“ ein paar gute Momente hatte, will ich dennoch nicht verschweigen. Als die Hauptfigur sich im Haus seiner Schwester gegen den bevorstehenden Angriff der Gangster wappnet – das hatte schon was.

Extraterrestrial (Colin Minihan, USA 2014)

Ein ungewöhnlicher Alien-Film, aber nicht im positiven Sinne. „Extraterrestrial“ von Colin Minihan und Stuart Ortiz aka The Vicious Brothers zitiert sich ungelenk durch das Genre, was aber eher für peinliche als lustige Momente sorgt. Ein bisschen wirkt der Film wie eine monströse, aus Versatzstücken zusammengeklebte Collage, hergestellt von Menschen ohne Sinn für Proportionen. So ist das größte Problem des Films auch sein Timing – als es kurz gegen Ende im Raumschiff der Aliens spannend wird, ist der Film auch schon vorbei. Schön immerhin: Wiedersehen mit Michael Ironside als durchgeknalltem Hanfbauern. Schlecht allerdings: was die bösen Brüder aus dieser Idee machen.

Under The Skin (Jonathan Glazer, Großbritannien, Schweiz, USA 2013)

Und noch einmal: Ein ungewöhnlicher Alien-Film, diesmal aber ein ganz fantastischer! Man kann ihn sicherlich einfach als klassisches – wenn auch eigenwilliges – Werk der Science Fiction sehen, wohl aber auch als Allegorie auf Prostitution. Zumindest war letzteres mein erster Gedanke sofort nach dem Kinobesuch. Für diese Deutung spricht einiges, was ich gerne, demnächst, wenn ich den Film noch einmal gesehen habe, ausführe. Mich jedenfalls hat „Under The Skin“ nahezu komplett glücklich gemacht und ich bin kurz davor „Meisterwerk“ in die Welt hinauszurufen. Vielleicht hat Glazer in der Entwicklungsphase doch noch etwas Angst vor der eigenen Courage bekommen und hat – in Massengeschmack vorauseilendem Gehorsam – im letzten Drittel dem Drang nachgegeben, doch noch eine Geschichte zu erzählen. Zuviel „Handlung“ späteren Verlauf des Films – das wäre derzeit aber auch meine einzige Kritik. Viel ist über Glazers Film und den ihm versagten Kinostart im Vorfeld gesprochen worden, und, nachdem ich ihn nun endlich gesehen habe, schlage ich mich eindeutig auf die Seite derer, die sagen, dass Bild- und Klanginstallation auf die große Leinwand gehört. Geht nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen? Blödsinn! Wenn diese allein bestimmen, was in den deutschen Kinos läuft, haben wir bald nur noch die Wahl zwischen dem Transformers, dem nächsten Marvel-Film oder irgendeiner reaktionären Rom-Com.

Nurse 3D (Douglas Aarniokoski, USA 2013)

Vorher habe ich noch gedacht: Was kann man bei einem Film über eine hübsche Killerkrankenschwester, die, wenn sie nicht gerade Kollegen und Patienten auf fiese Art und Weise ins Jenseits befördert, ihren wohlgeformten Körper nackt der Kamera präsentiert, eigentlich falsch machen? Jetzt weiß ich: So einiges. Müsste ich es an einen Punkt festmachen, würde ich sagen, dass Aarniokoski sich nicht entscheiden konnte, ob er einen sleazigen Psychothriller oder vergnügliches Splatter-Fest drehen wollte. Klingt vielleicht als würde beides zusammengehen, hebelt sich meiner Meinung nach aber in diesem Fall aus. Einen nicht unerheblichen Anteil an meinem Missfallen hat auch Paz de la Huerta, die so unmöglich, ich möchte fast sagen: bizarr schauspielt, dass es mir mehrmals kalt den Rücken herunterlief. Und das ist jetzt nicht nett gemeint. Brr.

Bild © Rosebud Entertainment 
 

Maps To The Stars (David Cronenberg, USA 2014)

Posted by – 9. September 2014

maps to the starsEs gehen Geister um in Hollywood: Die Schauspielerin Havana (Julianne Moore) z.B. wird von ihrer toten Mutter (Sarah Gadon) heimgesucht. Wie besessen versucht sie in deren Fußstapfen zu treten. Dder 13-jährige Kinderstar Benjie Weiss (Evan Bird) sieht ebenfalls Gespenster. Ihm erscheint ein totes Mädchen (Kiara Glasco). Und dann betritt ein ganz reales Gespenst die Bildfläche: Benjies Schwester Agatha (Mia Wasikowska), die vor Jahren Benjie mit Medikamenten ruhiggestellt und anschließend das Haus in Brand gesetzt hatte…

Es gibt kaum einen anderen Filmemacher, der so stark an seinem Thema arbeitet, ohne sich jemals zu wiederholen. David Cronenberg ist als Regisseur und Autor wie ein Forscher, der immer weitere Fragen stellt und immer neue Aspekte seines Forschungsgegenstandes enthüllt. Auch „Maps To The Stars“ ist wieder ein echter Cronenberg, in der sich der kanadische Filmemacher noch weiter in die Untiefen menschlicher Existenz(ver)form(ung)en wagt.

„Wissenschaft, die sich gegen den Menschen wendet“ war das Thema, auf das man Cronenberg am Anfang seiner Karriere oft reduziert hat. Doch dies sollte sich nur als ein Aspekt von etwas viel Größerem herausstellen, nämlich der Wandlungsfähigkeit des Menschen schlechthin. Anfangs waren es noch die vor allem körperlichen Transformationsszenarien einer der grenzenlosen Wissenschaft ausgelieferten Welt, die Veränderung des menschlichen Körpers, seine Verschmelzung mit der Maschine. Body Horror nannte man das. Doch immer deutlicher wurde, dass es Cronenberg um den Übergang zu neuen Existenzformen geht, die nicht mehr nur den menschlichen Körper, sondern ebenso dessen Geist umfassen. Denn Transformation bedeutet bei Cronenberg mehreres – sie ist zivilisatorische Dystopie, Vision eines tief greifenden, gesellschaftsverändernden Wandels, vor allem aber die Mutation des Individuums und seiner Persönlichkeit. Und wo könnte man die Verformungen der menschlichen Seele besser erforschen als in Hollywood?

In „Maps To The Stars“, der auf der Romanvorlage „Dead Stars“ von Bruce Wagner beruht, geht es nicht nur um einen Brand, welcher der Auslöser der Geschichte ist – auch der Film selbst ist ein hellgleißender, feuriger Himmelskörper, der in Hollywood, dem Filmzentrum dieser Welt, zu Boden geht und alles in seiner Glut zu Asche werden lässt. Doch das Feuer ist kein Purgatorium, es reinigt nicht. Aus der Asche erheben sich die Geister der Verstorbenen, um ihre inzestuösen Nachfahren zu peinigen – bis diese aus Verzweiflung selbst in die Flammen steigen. Ein Teufelskreis, aber vielleicht auch der perverse, generationsübergreifende Mechanismus, aus dem die (Alp-)Traumfabrik die Energie für ihre Produkte schöpft. Eine bitterböse, nachthimmelschwarze, aber auch stellar funkelnde Satire hat Cronenberg seinem Publikum hier geschenkt. Und apropos Stern: Noch nie war ein Cronenberg-Film so voller Stars. Neben den genannten sind außerdem zu sehen: Olivia Williams als Benjies Mutter und John Cusack als sein Vater, Robert Pattinson als ehrgeiziger Chauffeur und Carrie Fisher ganz groß (!!!) als – Carrie Fisher. Zu zeigen, wie formbar dieses Wesen „Mensch“ ist, wäre ohne diese großartigen Darsteller nicht möglich gewesen.

Bild © MFA
 

Friday the 13th Part 2 (Steve Miner, USA 1981)

Posted by – 8. September 2014

Fünf Jahre sind seit den Ereignissen im Camp Crystal Lake vergangen. Damals hatte Pamela Voorhees dort aus Rache für ihren ertrunkenen Sohn Jason ein Blutbad angerichtet. Nun bereiten sich Paul (John Furey), der Leiter des Ferienlagers, seine Freundin Ginny (Amy Steel) und ein paar weitere junge Leute darauf vor, das Camp bald wieder zu eröffnen. Doch in einer mondhellen Nachts beginnt das Morden erneut.

#horrorctober zum Zweiten, was passt da besser, als mir die Fortsetzung von „Friday The 13th“ zu Gemüte zu führen. Diese ist in Deutschland als „Freitag der 13. – Jason kehrt zurück“ bekannt, obwohl er hier zum ersten Mal richtig auftaucht, nein, stimmt nicht ganz, denn auch diesem Teil merkt man an, dass die Reihe noch in der Findungsphase ist. Jason muss sich hier noch mit einem Kartoffelsack als Gesichtsschmuck begnügen, seine Eishockeymaske erhält er erst im nächsten Teil. Ansonsten verhält es sich mit „Friday the 13th Part 2“ ähnlich wie mit dem Vorgänger: Die Figuren, die im Laufe des Films nacheinander gewaltsam ableben, werden kurz eingeführt, einige bleiben recht gesichtslos, andere werden immerhin mit einigen plakativen Eigenschaften ausgestattet (der Spaßvogel, die Clevere, der Rollstuhlfahrer, die Joggerin etc.). Männer reparieren Autos, Frauen sollen während ihrer Periode auf die Hygiene achten, und alle denken nur an das eine: an Sex (außer Jason, der denkt ans Töten). Aber – und das möchte ich positiv herausstellen –, wie schon in Part 1 haben gerade die Szenen, in denen eigentlich nichts besonderes passiert, eine ganz wunderbare Lockerheit, die mir fast besser gefallen als die Slasher-Momente des Films. In Part 2 übt sich Jason mehr oder weniger erfolgreich in der Kunst des kreativen Tötens und imitiert dabei teilweise die Morde seiner Mutter, denkt sich aber auch ein paar eigene Kills aus. Unter den Morden findet sich übrigens auch ein dreister Todes-Diebstahl, nämlich als Jason ein kopulierendes Pärchen mit einem Speer durchbohrt. Diese Szene, nur besser, gab es ja bereits in Mario Bavas großartigem „Bay Of Blood“.

Insgesamt hat mir die „Friday“-Fortsetzung ganz gut gefallen, auch wenn ich gegenüber Teil eins doch einige Kritikpunkte habe: Man merkt, dass Regisseur Steve Miner und Drehbuchautor Ron Kurz noch nicht so richtig viel mit ihrer Hauptfigur anfangen konnten. Jason (maskiert Steve Dash, unmaskiert Warrington Gillette) sieht in seinem Kartoffelsack-Outfit nicht besonders gruselig aus und hat auch „charakterlich“ noch nicht seine Bestimmung gefunden. Er wird an einer Stelle als das zurückgebliebene Kind im Männerkörper beschrieben, aber so richtig mag man diesen Habitus in seinem Verhalten nicht erkennen. Zwar stolpert er am Ende bei jeder Gelegenheit, aber seine Aktionen sind insgesamt doch zu planmäßig und gezielt durchgeführt. Aber nicht nur Jason wirkt optisch wie charakterlich unfertig, der ganze Film ist weniger geschlossen als der erste. Er beginnt mit dem Mord an Alice (Adrienne King), der Überlebenden des ersten Teils in ihrer Wohnung, verlegt sich dann in das nahe des Camps gelegene Dorf und erst dann ins Camp Crytal Lake, macht ein paar Ausflüge in den Wald, zum See, in Jasons Hütte, in eine Kneipe, bevor er wieder ins zurück Camp zurückkehrt und es schließlich zum Showdown in Jasons Walddomizil kommt. So richtig angekommen bin ich als Zuschauer nirgends.

„Making love while a young boy drowned“ ist der Vorwurf von Pamela Voorhees an die jungen Menschen dieser Welt, die ihren Sohn haben ertrinken lassen, weil sie unachtsam waren. Als es sich anbahnt, dass das Camp wieder eröffnet wird, schreitet Pamela ein und erinnert unsanft an die Vergangenheit. Wie so viele Horrorfilme ist damit auch „Friday the 13th“einer über Geschichtsvergessenheit. Es ist hier allerdings nicht in erster Linie Sex und Drogenmissbrauch, die geahndet werden, sondern die fehlende Sensibilität gegenüber zurückliegenden Ereignissen. „Friday the 13th Part 2“ ist weiterhin ein Film über den Teufelskreis und die Absurdität von Rache: Erst rächt Pamela ihren Sohn Jason Voorhees, ab dem zweiten Teil rächt dieser seine enthauptete Mutter, die er ja nur sinnvoll rächen kann, weil der Grund ihrer Rache – sein Tod – nicht stattgefunden hat. Das macht alles nicht besonders viel – aber genau deswegen auf gewisse Weise besonders Sinn.

Zum Schluss noch ein kleines Gespräch zwischen mir und meiner Mutter:

Mutter (gerade zu Besuch, schaut mir beim schreiben dieses Textes über die Schuler): Wer ist denn Jason?

Ich: Jason Voorhees, ein Killer mit na Eishockeymaske auf..

Mutter: Mhm…

Ich: Hatte er aber nicht immer auf, im zweiten Teil ist es nur ein Kartoffelsack. Und im ersten spielt er gar nicht mit.

Mutter: Im ersten spielt er nicht mit?

Ich: Nein, da mordet seine Mutter aus Rache für ihren ertrunkenen Sohn. Im zweiten Teil kommt heraus, dass er doch nicht ertrunken oder wiederauferstanden ist.

Mutter: Wie Jesus…

Ich: Hm, so ähnlich. Im zweiten Teil ist jedenfalls Jason der Mörder.

Mutter: Warum rächt denn die Mutter den Sohn, wenn er gar nicht tot ist?

Ich: Ich weiß nicht genau.

Mutter: Und warum hat sich der Sohn nicht gleich bei der Mutter gemeldet?

Ich: Äh.. Also, die Mutter stirbt ja auch am Ende des ersten Teils. Ihr wird mit einem Spaten der Kopf abgehackt.

Mutter: Aua.

Ich: Tut glaube ich gar nicht so weh. (Wir googeln, finden aber nichts)

Mutter: Und warum trägt der Mann eine Maske, ist er hässlich?

Ich: Naja.. (wir googeln)

Mutter: Ok, mit Maske ist besser.

 * Diesmal kein Extra Cover, Freitag 1-8 sind alle in der Box, die ich schon beim ersten Teil gepostet habe.
 

Leprechaun 4 – In Space (Brian Trenchard-Smith, USA 1997)

Posted by – 8. September 2014

Leprechaun4Eine Gruppe Space-Marines befreit eine Prinzessin aus den Händen eines Leprechaun. Der Geldgeber der Mission, Dr. Mittenhand, hat es auf die sich selbst heilende DNA der Prinzessin abgesehen. Doch der Leprechaun ist nicht tot und hat es an Bord des Raumschiffs geschafft, wo er die DNA-Mixtur manipuliert, woraufhin sich Mittelhand in eine gigantische Killerspinne – Dr. Mittenspider – verwandelt. Für die Crew beginnt der Kampf ums Überleben.

Wer schon bei der Inhaltsangabe denkt, was für ein Scheiß, hat auf jeden Fall den richtigen Riecher. Aber zunächst zum Guten: „Leprechaun 4 – In Space“ hat mir die Chance gegeben, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Erstens ist der Film der Auftakt meines #Horrorctober, den ich in diesem Jahr aus Zeitmangel statt im Oktober bereits im September beginne. (Eigentlich wollte ich ihn schon im Rahmen des #MonsterMay schauen, aber auch da – Zeitmangel! Die Liste der Filme, ich in diesem Jahr gucken will, findet ihr hier.) Nun aber. Zweitens wurde ich herausgefordert. In der #RainbowChallenge der Blogkollegen von Trash-O-Meter wurde mir das Foto eines Regenbogens gezeigt, was den Betrachter – wenn ihm sein Leben lieb ist – unbedingt dazu veranlassen sollte, sich schnellstens einen Teil der „Leprechaun“-Reihe anzuschauen. Challenge accepted, mission accomplished! Und drittens ist mir „Leprechaun 4 – In Space“ bisher von so vielen Menschen empfohlen worden, dass es ohnehin mal an der Zeit war.

Ich weiß nicht, wie sich die Reihe seit dem von mir geschätzten ersten Teil entwickelt hat. Der vierte jedenfalls ist vor allem Trash, der sich selber nicht ernst nimmt. Die Spezialeffekte sind auf dem Niveau einer Folge Raumschiff Enterprise (und überhaupt denke ich gerade, mit etwas mehr Ernst und Mühe, hätte das eine wirklich gute Folge abgegeben…), das kann man bestimmt mögen oder sogar zum Kult erklären. Ich will auch nicht sagen, dass ich ihn komplett doof fand, als Posse über ausufernde, galaxienumspannende Gier, hat er seine Momente. Aber durch Referenzen an alle möglichen Klassiker wie „Star Wars“, „Aliens“ und „Starship Troopers“ oder „The Fly“ heischt er geradezu um das Gefallen eines einigermaßen allgemeingebildeten Cineasten, weswegen ich nicht so richtig warm geworden bin mit diesem trotz aller Skurrilitäten blutleeren Werk. Der Film hätte sein sollen wie eine Nasendusche mit Domestos, aber er ist eher wie ein Schluck abgelaufenes Brausepulver. Ich habe nichts gegen Unvollkommenheit, aber ich mag es nicht besonders, wenn ein Film damit kokettiert und seine Makel bewusst und selbstironisch ausstellt. Überhaupt: Ironie sollte man abschaffen oder so herunterdrehen, dass sie auf kleiner Flamme lodert, aber nicht den ganzen Film verschlingt.

„Am richtigen Ort zur richtigen Zeit werden wir alle zu Killern“ sagt einer der Knallchargen im Film. Das gilt übrigens auch für Kritiker. Ein ähnlich schmutziges Geschäft, in dem man auch mal wild auf Unschuldige ballert.

Bild © AVU
 

Friday The 13th (Sean S. Cunningham, USA 1980)

Posted by – 31. August 2014

Freitag der 13.Freddy Kruger, Michael Myers, Jed Sawyer alias Letherface: alle kult. Und auch Jason Voorhees hat es irgendwie geschafft, in die Gruppe der legendären Filmkiller aufgenommen zu werden. Dabei spielt er im ersten Teil seiner eigenen Reihe noch nicht einmal mit. Und auch in der ersten Fortsetzung ist er noch nicht der, für den ihn seine Fans lieben. Ich habe schon seit einiger Zeit Lust, mir die Filme der „Friday The 13th“-Reihe und die Entwicklung seines „Helden“ genauer bzw. überhaupt mal anzusehen. Nur vom ersten Teil kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich ihn kenne. Über ihn habe ich 2009 mal was geschrieben (–> KLICK). Die anderen Teile bilden in meinem Kopf einen undefinierbaren Brei.

Nach dieser erneuten Begegnung mit „Friday The 13th“ kann ich schon mal sagen: er hat mir ein gutes Stück besser gefallen als 2009. (Dass ich ihn „Unglückswerk“, „reizlosen Film“, künstlerisch belanglos und „langweilig“ genannt habe, ist mir fast ein bisschen peinlich.) Der erste Teil ist interessanterweise derjenige, mit dem ich keine Jugenderinnerungen verbinde. Ein paar von den Teilen, in denen Jason der eishockeybemaskete Killer ist, habe ich schon zu meiner Schulzeit, in einem zarten Altern in dem man solche Filme vermutlich noch nicht sehen sollte, zu Gesicht bekommen. Ich erinnere mich noch, wie ein älterer Junge den Film aus dem Bus herausgereicht hat. Dazu musste ich immer morgens wenn es noch dunkel war zur Bushaltestelle, wo ich wartete und hoffte, dass er wieder einen Film für mich dabei hatte. Jedenfalls, den ersten Teil habe ich erst wesentlich später gesehen und ich weiß noch, dass ich mehr als nur ein bisschen enttäuscht war, dass er mit der späteren Reihe so wenig zu tun hatte.

Auch wenn ihm der leicht verruchte, nihilistische Charme seiner schmuddeligen Nachfolger etwas abgeht, halte ich heute „Friday The 13th“ für einen Film, der zu Recht zu den Klassikern des Genres gerechnet werden kann. Die Story um ein paar Junge Leute, die in einem Camp am See von einem Unbekannten niedergemetzelt werden, verdient zwar keinen Preis und auch handwerklich konnte ich keine wirklichen Innovationen ausmachen. Aber in Sachen Atmosphäre hat Cunninghams Film, der immer wieder durch die feine subjektive Kamera oder tolle Shots aus schrägen Perspektiven positiv heraussticht, einiges zu bieten. Und auch farbdramaturgisch gibt es tolle Momente: diese bunten Regenmäntel, die die Figuren in der regnerischen Nacht tragen, haben es mir auch diesmal wieder angetan. Einen Großteil des Films sind sie einfach helle, bunte Punkte in der endlosen Finsternis, Irrlichter, die durchs Camp am Crystal Lake huschen, die, ohne es zu wissen, eigentlich schon tot sind. Passend dazu: Die Musik von Harry Manfredini, die  zwischen nervig und genial schwankt und in ihren besten Momenten richtiges Giallo-Feeling aufkommen lässt.

2009 schrieb ich über den Film: „Was zwischen den Morden passiert, ist so schrecklich banal. Das Drehbuch bleibt vor allem wegen seiner platten Dialoge in Erinnerung.“ Das sehe ich inzwischen anders. Besonders der ruhige Anfang und das Geplänkel zwischen den Figuren kam mir diesmal sehr locker und mit leichter Hand inszeniert, mitunter sogar improvisiert vor. Die Szene mit der Schlange im Zimmer, die ich in dem Filmstarts-Text für den unfreiwilligen Humor des Films herausstellte, fand ich diesmal richtig toll. Betsy Palmer betitelte das Drehbuch als einen Haufen Scheiße, machte aber trotzdem mit, weil sie ein neues Auto brauchte. So ist das wahrscheinlich oft im Leben, man weiß erst später, wofür es eigentlich gut war. Auch Cunningham hat sich wohl nicht gedacht, dass er mit „Friday The 13th“ den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Horrorreihen ins Leben rufen würden. Und auch ich hätte mir bei meiner Erstbegegnung mit dem Film nicht vorstellen können, dass ich ihn von mal zu mal besser und mittlerweile gar nicht mal so übel finden würde.

Bild © Paramount Home Entertainment

Final Destination 3 (James Wong, USA 2006)

Posted by – 29. August 2014

final destination 3Anscheinend  hat mich die Todessehnsucht doch wieder überkommen. Denn trotz der angekündigten  „Final Destination“-Pause hab ich mir jetzt doch den dritten Teil angesehen. Schlecht ist auch der nicht. An seinen großen Wurf aus dem Jahr 2000 reicht James Wong, der wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, trotzdem nicht heran.

Auch im dritten Teil dreht sich das Todeskarussell weiter, diesmal ganz wörtlich, denn der Film beginnt auf einem Jahrmarkt. Dort wollen eine Gruppe Teens Achterbahn fahren, doch als Wendy (Mary Elizabeth Winstead) eine Vision von einem Unfall hat und durchdreht, werden sie und ein paar ihrer Freunde von Sicherheitsleuten aus der Achterbahn entfernt. Zum Glück, wie ich herausstellt. Denn der Unfall, den Wendy vorausgesehen hat, passiert wirklich. Ob wirklich Glück? Das ist hier die Frage, denn der Tod lässt sich nicht so leicht austricksen.

Was folgt ist das altbekannte Muster. Die Überlebenden sterben – und das auf grausam skurrile Weise. Mir angetan hat es besonders das besonders fiese Ableben zweier Tussen im Solarium („Dude, are we like the only cool people that come here or what?“), die, auch wenn das jetzt gar nicht so klingt, mir die liebsten Figuren im Film waren. Schade, dass sie gleich die ersten sind, die dran glauben müssen. Aber auch die anderen Figuren des Films haben mir eigentlich ganz gut gefallen. „The people in this movie are some of the stupidest people in the history of movies“, findet Richard Roeper von der  Chicago Sun-Times. Ich hab sie zumindest als die witzigsten der „Final Desitnation“-Reihe empfunden. Es gibt so viele schöne kleine Gags in den Dialogen zwischen ihnen, aber auch mal echtes Gefühl, z.B. bei der kurzen Umarmung zwischen Wendy und Kevin (Ryan Merriman). Das hat mir fast mehr Spaß gemacht als das handelsübliche Gemetzel (welches einfallsreich und brutal wie nie  auch nicht ohne ist).

Das Problem, dass nach Teil eins eigentlich alles erzählt war, macht die zweite Fortsetzung zur Tugend: Hier wird gar nicht erst versucht, eine Geschichte zu erzählen. Im dritten Teil hat das Sterben  eine neue, abstrakte Dimension erreicht.

Persönliches Fazit: Wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist, dann ist der Tod eine Tube Mayonnaise.

Bild © Warner Home Video
 

The Impossible (Juan Antonio Bayona, Spanien 2012)

Posted by – 28. August 2014

the impossibleWenn ich über „The Impossible“ lese, es sei ein „ einseitig inszeniertes Katastrophen-Drama“ regt sich Widerspruch. Auch die Worte „Schmonzette“ oder „Exploitation“, die ich nach einem kurzen Streifzug durchs Netz aufgeschnappt habe, kann ich nur schwer mit dem Film in Zusammenhang bringen. Aber man muss wohl damit leben, dass andere Menschen durch ganz andere Brillen Filme schauen, in diesem Fall auf Juan Antonio Bayonas Katastrophen-Drama über den Tsunami, der am 26. Dezember 2004 viele Küsten Südostasiens verwüstete und über 250 000 Menschen das Leben kostete. Mich hat der formal beeindruckende, inhaltlich sehr sensible und meiner Meinung nach vielschichtige Film sehr mitgenommen. Schon der Titel weist auf verschiedene Bedeutungsebenen des Films hin. „The Impossible“, könnte auf die Unmöglichkeit anspielen, Geschehnisse wie das Seebeben und den darauf folgenden Tsunami überhaupt in eine Geschichte zu pressen. Es könnte aber auch sein, dass Bayona hier bewusst auf das so unwahrscheinliche Happy End anspielt. Oder, negativ formuliert, könnte der Titel herausstellen, wie wenig Kontrolle der Mensch über Katastrophen wie diese gezeigte hat. Er ist wie ein Stück Treibgut im reißenden Strom der Ereignisse.

Ich will zur Abwechslung mal nicht schreiben, warum ich den Film mochte. Ich will kurz ausführen, welche Kritikpunkte am Film ich inhaltlich falsch und unangemessen finde. Eine Kritik, die mich besonders aufregt ist eine aus der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wie der Rezensent Andreas Schneider dort schreibt, „hat der Regisseur alles falsch gemacht“, und „nur Naomi Watts und Ewan McGregor überzeugen“ und ach ja, gegen die Spezialeffekte „kein Wort“, denn die „Tricktechniker, die aus einem 45-Millionen-Dollar-Budget schöpften, beweisen ihr Handwerk und geben das Desaster in großer Wucht wieder“, aber ansonsten: alles falsch. Was denn nun eigentlich? Schneider meint, der Film sei „ein Ärgernis angesichts der realen Tragik“, weil – und hier folgt er Michael Haneke, auf den er sich explizit bezieht – es irgendwie nicht gut sei „Schreckliches aus der Historie in Unterhaltung zu verpacken“, wie das Bayonas Film seiner Meinung nach tut „Unangenehm ergötzt sich der Film an dem Desaster. Es ist der reinste Katastrophen-Porno“. Und dann noch gleich der nächste Kritikpunkt hinterher, nämlich „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert.“

Wenn man ernst genommen werden will, sollte man vorsichtig sein mit pauschalen Urteilen. Ich bin trotzdem kurz davor zu sagen, nicht der Regisseur – sondern der Rezensent dieses Zeit-Artikels hat alles falsch gemacht. Vielleicht sollte ich zu Beginn noch erwähnen, dass ich mich persönlich beleidigt fühle. Der „Katastrophen-Porno“, der es sogar in die Überschrift der Zeit-Rezension geschafft hat („Ein Drama als Katastrophen-Porno“) wertet meine durch den Film hervorgerufenen Gefühle – Mitleid, Trauer, Entsetzen, Wut, aber auch den Genuss durch die gedankliche Auseinandersetzung mit ihm – auf die Qualität eines billigen Orgasmus ab. Aber auch unabhängig davon kann ich an ein paar Punkten deutlich machen, warum die Kritik ins Leere geht. Beispielsweise, weil die Dinge zurecht gebogen werden, wie es gerade passt. Was der Rezensent etwa als „zynischen Running Gag“ bezeichnet, nämlich dass die auseinandergerissene Familie sich mehrmals um Haaresbreite verpasst, ist das Finale des Films. Das Wort „Running Gag“ mit dem Adjektiv „zynisch“, vermittelt den Eindruck, der Regisseur würde sich den Film lang einen Spaß daraus machen, die gepeinigten Figuren aneinander vorbeirennen zu lassen. (Zynisch ist da eher die Sicht des Rezensenten auf die Figuren: „Wenn sich diese Menschen im Katastrophengebiet nicht finden, dann treffen sie halt zu Hause beim Frühstück wieder aufeinander.“) Aber auch sonst ist die Rezension nicht besonders nah am Film. Es wird zum Beispiel moniert, „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert“. Diagnose: westlicher „Tunnelblick“. Richtig ist: Die (an eine in Wirklichkeit spanische Familie angelehnten) Protagonisten sind Europäer. Entscheidet man sich dafür, die Hauptfiguren zu Europäern zu machen, bedeutet das nicht automatisch Eurozentrismus, genauso wenig wie thailändische Protagonisten einen „asiatischen Tunnelblick“ bedeuten würden. Abgesehen davon spielen viele Thailänder mit, und ihr Leid wird auch nicht ausgespart, im Gegenteil. Aber dazu gleich noch zwei Sätze mehr. Man kann in einem Film nicht alles erzählen, es müssen Entscheidungen getroffen werden, das ist das Grundprinzip des Geschichtenerzählens. „Das Erdbeben im Indischen Ozean löste eine Flutwelle aus, die mehr als eine Viertelmillion Menschen tötete. Bayona interessiert sich für eine Handvoll Überlebende.“ Genauso gut könnte man dem Film vorwerfen, er würde sich auf Thailand konzentrieren. Was ist mit Indonesien, Sri Lanka, Indien? Dort gab es immerhin wesentlich mehr Tote als in Thailand. Und warum überhaupt dieser Tsunami-Tunnelblick? Es gibt doch wohl auch noch andere Katastrophen! Genauso ärgerlich ist ein anderes Totschlagargument des Textes, „ein Ärgernis“ sei der Film „angesichts der realen Tragik“, das sich durch den ganzen Text zieht und auch bei den schon genannten Punkten mitschwingt. Es ist auffällig, wie Rezensenten immer wieder versuchen, reale Katastrophen gegen das Artefakt Film auszuspielen, so als mache man sich schon deswegen schuldig, das Wagnis einzugehen, ein reales Ereignis zu thematisieren. Wenn das ein echter Kritikpunkt wäre, hatte Schneider dem Katastrophen-Film, ja sogar jedem Film, der, wie z.B. wie „Gandhi“, „Schindler’s List“ oder „La vita è bella“ Beziehung zur wirklichen Welt steht, als Kunstform seine Existenzberechtigung abgesprochen. Argumente solchen Niveaus zu lesen, tut weh, vor allem, wenn sie in einer Kinokritik der „Zeit“ stehen.

Zum Schluss noch ganz kurz zum Titel und dazu, „wie wenig sich der Film um das Schicksal der Thailänder schert“. Auch wenn der Film die Ereignisse am Beispiel einer nicht-thailändischen Familie zeigt, ist das Grauen, das die Katastrophe für die Menschen im thailändischen Khao Lak bedeutet, omnipräsent und jeder Zeit spürbar. Seinen richtigen Coup landet Bayona aber tatsächlich dadurch, dass wir in der Tat mit der von Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin und Oaklee Pendergast glaubhaft verkörperten Familie mitfiebern und teilhaben an ihrem Schicksal, das es am Ende in beinahe unmöglicher Weise gut mit ihnen meint. Doch wenn ihr Flugzeug zum Schluss abhebt und der Zuschauer das Ausmaß der Zerstörung am Erdboden in seiner ganzen Schrecklichkeit zu sehen bekommt, sollte ihm schlagartig klar werden, dass er es in „The Impossible“ nicht mit einem Happy End zu tun hat. Das Ausmaß des Leids ist grenzenlos. Glück für alle ist angesichts einer solchen Katastrophe unmöglich.

Bild © Concorde Video

Highlander (Russell Mulcahy, Großbritannien / USA 1986)

Posted by – 24. August 2014

highlanderLeute, schon dieser mit Queens „Princes Of The Universe“ unterlegte Vorspann, gefolgt vom hammergeilen Anfang, der Kamerafahrt durch das Wrestling-Stadion auf eine im Schatten sitzende Person auf der Zuschauertribüne – die kurz darauf in die Tiefgarage eilt und sich dort mit einem anderen Mann ein Schwertduell liefert, das in einem orgasmischen Hupkonzert ejakuliert: der absolute Wahnsinn! Und das ist nur der Anfang, eigentlich bleibt es so gut, hier folgt eine Szene zum Niederknien der nächsten, sie drängeln sich sozusagen gegenseitig aus dem Bild bis zum alles entscheidenden Kampf des ekstatischen Finales.

Der Mann auf der Tribüne ist Russel Nash alias Conner MacLeod (Christopher Lambert) vom Clan der MacLeod, ein unsterblicher Schotte, der sich mit anderen Unsterblichen seit Jahrhunderten durch das Weltgeschehen kämpft. Wer seinen Kopf verliert ist endgültig tot, und bisher hat MacLeod sich ziemlich geschickt dabei angestellt, seinen zu behalten. Am Ende kann es nur einen geben, dem winkt eine ganz besondere Belohnung. Nur noch ein paar Unsterbliche sind übrig, MacLeods härtester Konkurrent ist der zottelige Krieger Kurgan (zum Niederknien: Clancy Brown), der auch schon seinen Lehrmeister Ramirez (Sean Connery) auf dem Gewissen hat.

Für mich war „Highlander“, als ich ihn als Jugendlicher zum ersten Mal gesehen habe, eine Art Offenbarung, die mir mit einem Schlag eine ganze Reihe toller Ideen in mein begieriges Hirn ballerte: Unsterbliche, von düsteren Mächten am Leben gehaltene Schwertkämpfer, von Blitzen und Explosionen begleitete Enthauptungen, ein mysteriöser Preis; und natürlich die visuelle Seite des Films, auch heute noch bewundere Mulcahys sehr gutes Gespür für Bilder und den Einsatz von Musik, indem sich sein Hintergrund als Regisseur von Musikvideos deutlich zeigt. Ein wenig schade ist es, dass das Drehbuch von Gregory Widen stark überarbeitet wurde, die Urfassung soll noch etwas düsterer und mehr auf die unterschiedlichen Figuren und deren Hintergründe ausgerichtet gewesen sein, aber auch so ist „Highlander“, von der einen oder anderen unfreiwillig komischen Stelle („Hi, I’m Candy“ – „Of course you are“) abgesehen, alles andere als ein fröhlicher Film. Bei meinem letzten Sehen ist mir aufgefallen, was für eine seltsame martialische Botschaft er doch aufzuweisen scheint.

Während der Frau ein Platz auf der Tribüne zugewiesen ist, wird das Weltgeschehen bestimmt von der ewigen Auseinandersetzung des Mannes. Ich bin sonst eigentlich niemand, der in jeder Waffe gleich eine Schwanzverlängerung sieht, aber bei „Highlander“ ist die sexuelle Ebene der Geschichte schon sehr präsent. Der Orgasmus wird als der kleine Tod bezeichnet, wenn jedoch ein Unsterblicher einen anderen tötet, dann ist das schon ein großer! Erst sorgt die Sprinkleranlage oder ein umkippender Wassertank für das richtige Maß an Feuchtigkeit, dann blitzt und donnert es, Metall birst, Glas zerspringt und der Sieger kommt hart! Die Szene, in der sich MacLeod von Love Interest Brenda (Roxanne Hart) erst einmal erstechen lassen muss, bevor er Lust auf Beischlaf hat, ist hier ebenso zu nennen, wie die Rückblende, in der MacLeod beim Degenduell wieder und wieder erfolglos erstochen wird, bis sein frustrierter Kontrahent seinen Adjutanten erschießt, um wenigstens irgendwen umzubringen. Ob das jetzt freiwillig, unfreiwillig oder gar nicht komisch ist, weiß ich gerade auch nicht. Jedenfalls macht dieser Aspekt einen der wenigen Kritikpunkte an dem Film, dass ich mir nämlich stärkere Frauenrollen gewünscht hätte – ja warum eigentlich keine Highlanderin? – gegenstandslos, ja dann muss das so, dann ist „Highlander“ nämlich nicht nur ein ganz fantastischer Phantastischer Film, dann ist er auch ein nicht besonders freundlicher Kommentar zur Lage der Welt, die durch die Todesgeilheit des Mannes maßgeblich bestimmt wird. Ob das weibliche Geschlecht die Geschicke unserer Erde besser gelenkt hätte, ist bei den Frauenfiguren des Films allerdings ebenso fraglich.

Bild © Studiocanal

Fright Night (Tom Holland, USA 1985)

Posted by – 24. August 2014

fright nightCharley (William Ragsdale) ist überzeugt, dass sein neuer Nachbar ein Vampir ist. Das will ihm jedoch niemand glauben. Seine Freundin Amy (Amanda Bearse) ist sogar hochgradig von der Besessenheit genervt, mit der er seinen Nachbarn Jerry Dandridge (Chris Sarandon) observiert. Der ist übrigens in der Tat ein Vampir und hat es schon auf Charley abgesehen. Hilfe erhofft sich der Junge von Peter Vincent (Roddy McDowell), der im TV die Horrorreihe „Fright Night“ moderiert.

Nachdem ich mich vor etwas über einem Jahr über meine erste Begegnung mit Tom Hollands „Child’s Play“ gefreut hatte, war ich sehr gespannt auf ein Wiedersehen mit seinem Debütfilm, der Vampirkomödie „Fright Night“. Damals war ich sehr angetan davon, wie sehr der Film nach dem komödiantischen Beginn, besonders im Finale, wenn die Trickspezialisten nochmal alle Register ziehen, in die Vollen geht. Die markante, selbstbewusste Inszenierung war auch diesmal das größte Pfund des Films, Beste Szene – nicht nur, weil hier die Effekte stimmen, sondern weil sie auch der emotionalste Moment der gesamten Laufzeit war –: der Vampir-Tod von Charleys Freund Ed (Stephen Geoffreys), der sich windet und seinem Mörder immer wieder hilfesuchend die Hand entgegen streckt. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die homoerotische Komponente erwähnenswert, die „Fright Night“ nachgesagt wird und sie sich vor allen in der Beziehung zwischen Obervampir Jerry und seinem (nicht-so-ganz-)menschlichen Gefährten Billy (Jonathan Stark), aber auch in der Verwandlung von Ed durch Jerry zeigt („Hello, Edward. You don’t have to be afraid of me. I know what it’s like being different…“). Vielleicht aber auch nicht. Schließlich ist Anziehung, die von Vampiren zu Mitgliedern jedes Geschlechts ausgeht, fast schon ein fester Bestandteil des Genres, so dass man auf diesem Punkt nicht übermäßig herumreiten muss.

Die ganz große Begeisterung ist diesmal irgendwie ausgeblieben. Das lag vermutlich an den Figuren, die ich oft nicht nachvollziehbar, mitunter sogar nervig fand. Bezogen auf Charley und seine Freundin Amy kam mir ein erheblicher Teil des Films vor, wie ein Witz über fehlgeschlagene Kommunikation in Dauerschleife. Weiterhin schade fand ich, dass Charleys Beobachtungsfetisch (eine nette Anspielung auf „Rear Window“), nicht wirklich ausgespielt wurde. Und auch aus dem Misstrauen gegenüber seinem Nachbarn hätte Holland meiner Meinung nach mehr machen können. Gerne gesehen habe ich „Fright Night“ diesmal, ich würde ihn auch immer noch zu den Eckpfeilern des Genres zählen, nur hatte ich ihn einfach mit dem gewissen Etwas in Erinnerung, das mir bei dieser Sichtung irgendwie gefehlt hat. Ganz schön finde ich noch die implizite Aussage, dass alles was wir im TV sehen, doch einen wahren Kern hat oder anderes gesagt: dass den Artefakten unserer Kultur ein eigenständiger, nicht immer gutmütiger Geist innewohnt. Vielleicht überinterpretiere ich gerade ein wenig, aber so gesehen lassen sich in „Fright Night“ schon Spuren der subversiven Kraft von „Child’s Play“ erkennen.

Bild © Sony