Month: März 2012

Clash Of The Titans 2: Wrath of the Titans (Jonathan Liebesman, USA 2012)

Posted by – 28. März 2012

Ok, Titanen, kommen immer noch nicht vor. Aber immerhin einer: Kronos. Um die Herrschaft über die Welt zu erringen, hatten Zeus (Liam Neeson) und seine Brüder, Poseidon und Hades (Ralph Fiennes), ihren Titanen-Vater bekämpft, besiegt und nach Tartaros verbannt. Durch eine Intrige droht der Titan nun aber zu entkommen. Perseus (Sam Worthington), die Kriegerkönigin Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn Agenor (Toby Kebbell) machen sich daran, das Schlimmste zu verhindern.

Ich hätte es nach dem ersten Teil nicht gedacht, aber „Wrath Of The Titans“ hat tatsächlich seine Momente. Wie die Autoren des Vorgängerteils geben sich zwar auch Dan Mazeau und David Johnson in „Wrath Of The Titans“ alle Mühe, jeden Eindruck von Figurenentwicklung zu verhindern; und auch Jonathan Liebesman („Battle Los Angles“, „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“) lässt keine besonderen Qualitäten als Regisseur erkennen: Die Action-Szenen sind hektisch, dennoch ohne Schwung, die Kämpfe einfallslos. Aber halb so schlimm. denn der eigentliche Star im Film ist sowieso das Titanen-Gefängnis Tartaros, dieses düstere Gebilde mit seinen unendlichen Labyrinthen. Ich habe mich angenehm an das Reich der Cenobiten aus „Hellbound: Hellraiser 2“ erinnert gefühlt. So werden immerhin die Tartaros-Szenen dafür sorgen, dass ich mich an den ansonsten wenig inspirierten Film erinnere.

Eine Sache fand ich an „Wrath Of The Titans“ ebenfalls noch interessant. Es macht nämlich richtig Spaß, ihn nach Zitaten zu durchkämmen.  Natürlich findet sich Diebesgut aus „Herr der Ringe“, aber überraschenderweise auch aus Filmen „Ghost Rider 2“ oder „Spider-Man“ u.ä. Was ich allerdings recht witzig fand, war die Fülle von Anspielungen auf „Star Wars“: Vater, Sohn, dunkle Seite – alles dabei. Und zum Schluss fliegt Perseus auf Pegasus sogar in den riesigen Kronos hinein, um seinen Superpeer auf dessen Herz zu werfen. Ich weiß nicht, ob es an den vielen Zitaten zuvor gelegen hat. Aber ich habe in diesem Moment nur noch Lando Carissian im Millenium Falcon auf seinem Weg ins Zentrum des Todessterns gesehen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn am Ende noch der Satz „may the force be with you“ gefallen wäre. Oder ist er’s vielleicht sogar?

Bild © Warner Bros.
 

Clash Of The Titans (Louis Leterrier, USA 2010)

Posted by – 28. März 2012

Ich bin mir nicht sicher, was „Clash Of The Titans“ überhaupt hier verloren hat. Auch wenn ich Fantasy gegenüber sehr aufgeschlossen bin, hat mir schon jeder Screenshot  und Trailer überdeutlich gemacht, dass es hier für mich nichts zu holen gibt. Vielleicht, weil ich ihn im TV gesehen habe und gerade ein Word-Dokument offen hatte. Hier jetzt trotzdem ein paar Gedanken.

„Clash Of The Titans“ beruht, anders als der Titel suggeriert, vage auf der  Perseussage. Perseus (Sam Worthington), Sohn des Zeus, wächst bei Fischern auf. Als seine Familie einem göttlichen Vergeltungsakt in die Quere kommt, ist der Weg frei für ein großes Abenteuer, das in Form einer Riesenkrake auch nicht lange auf sich warten lässt. Ach ja, Zeus, Hades, Kassiopeia, Andromeda, Io, Aphrodite, Hermes und Medusa spielen auch irgendwie mit.

Das Autoren-Dreiergespann Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi hat sich sichtlich keine Mühe gegeben, ihre Story einigermaßen im Gleichklang mit der griechischen Mythologie zu erzählen. Ich kenne mich in der Materie aber nicht besonders aus, und will mich deswegen hier auch nicht darüber echauffieren. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte würde auch überhaupt nicht ins Gewicht fallen, wenn Louis Leterrier („Transporter“, „The Incredible Hulk“) wenigstens an anderer Stelle Punkte holen würde. Aber in „Clash Of The Titans“ stimmt nichts. Stars wie Niam Neeson (Zeus), Ralph Fiennes (Hades) oder Mads Mikkelsen (Draco) können nichts gegen das lahme Buch ausrichten. Zwischen den Figuren funkt es einfach nicht. Überraschenderweise ist auch die Inszenierung alles andere als explosiv. Die Bilder bewegen sich zwar, eine Energieübertragung zum Zuschauer findet leider nicht statt.

Hätte es Leterrier und sein Team mit den 15 Millionen US-Dollar hier und da geschafft, Atmosphäre zu erzeugen, ich würde „Clash Of The Titans“ trotzdem nicht als guten Film bezeichnen – aber immerhin als einen, den man sich in der richtigen Stimmung durchaus ansehen kann. Aber da ist nichts. Charakterlose Helden in toten, digitalen Landschaften.

Letzter Gedanke: Keine Titanen. Wo sind die Titanen? Egal. Titanen hätten diesen Film auch nicht besser gemacht.

Bild © Warner Bros.
 

What Have You Done To Solange? (Massimo Dallamano, Italien 1972)

Posted by – 25. März 2012

Nach „Der Tod trägt schwarzes Leder“ (OT: La polizia chiede aiuto) war „What Have You Done To Solange?“ (OT: Cosa avete fatto a Solange?) mein zweiter Film von Massimo Dellamano. Shame-Fact: Ich habe bisher nicht einmal „Für eine Handvoll Dollar (OT: Per un pugno di dollari) oder „Für ein paar Dollar mehr“ (OT: Per qualche dollaro in più) bewusst gesehen, bei denen Dellamano den Kameramann gemacht hat. Wobei sich das Schämen auch in Grenzen hält. Western konnte ich noch nie wirklich etwas abgewinnen.

Wie dem auch sei: „What Have You Done To Solange?“ Die Frage stellt sich erst später im Film. Am Anfang steht – wie sollte es anders sein – ein grausames Verbrechen: Der Sport- und Italienischlehrer Henry Rossini (Fabio Testi) vergnügt sich gerade mit einer seiner Schülerinnen im Londoner Hyde Park als das junge Mädchen plötzlich einen Mord gesehen haben will. Rossini glaubt dem Mädchen anfangs nicht. Erst als am nächsten Tag in der Presse von einer gefundenen Frauenleiche berichtet wird, begibt  sich der Lehrer an den Tatort – nur um daraufhin selbst ins Visier der Polizei zu geraten. Inspektor Barth (Joachim Fuchsberger) von Scotland Yard erkennt schnell, dass Rossini nicht der Mörder ist, bemerkt aber auch, dass der Mann einiges zu verbergen hat und es auch in der Schule des Mädchens vor Geheimnissen nur so wimmelt.

In Deutschland hat man versucht, Dellamanos Film unter dem Titel „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ als Edgar-Wallace-Film zu vermarkten. Was die Spannung und das Rätselhafte dieses Krimis angeht, gibt es tatsächlich einige Ähnlichkeiten zu der einen oder anderen Verfilmung, die auf Werken des britischen Schriftstellers Wallace beruhen. Zudem bietet natürlich Joachim Fuchsberger  eine gewisse Verbindung zu den Wallace-Streifen. Was die Stimmung anbelangt, könnte der Unterschied allerdings kaum größer sein. Der Ton, den Dellamanto in „What Have They Done To Solange?“ anschlägt, ist von Beginn an rau und eisig. Das liegt gar nicht so sehr an den brutalen Verbrechen, sondern an der Stimmung der ganzen Geschichte. Der erste Mord legt eigentlich nur offen, wie verdorben das ganze System ist. Das Verhältnis des Lehrers zu einem zu jungen Mädchen und das „Verständnis“ seiner Kollegen gehören noch zu den beinahe nachvollziehbaren Aspekten der Geschichte. Je tiefer Kommissar Barth gräbt, desto schwärzer wird die Erde. Und am Ende ist einfach nur abgrundtiefe Dunkelheit.

Lange Rede: Mir hat „What Have You Done To Solange?“ richtig gut gefallen. Nicht nur, weil er überdurchschnittlich spannend war. Ich mochte, dass die Figuren nicht die sind, als die sie im ersten Moment erscheinen – oder sich zumindest nicht so verhalten, wie man es von ihnen erwartet. Der Held: Ein Lehrer, der auf junge Schülerinnen steht. Der Inspektor ein genervter, unsensibler Geselle. Die Mädchen.. naja, und so weiter. Und am Ende, wenn der Fall gelöst ist und man bei anderen Filmen eine gewisse Zufriedenheit darüber empfinden mag, dass alles aufgeklärt und der Schuldige gefasst ist, habe ich im Falle dieses Films nur eine trostlose Leere empfunden. So müssen Krimis sein!

Und noch einen Satz zur DVD-Fassung. Ich habe die verglichen mit dem Original um 7 Minuten gekürzte deutsche Fassung gesehen. Eigentlich voll doof. Aber wie ich denke herauszulesen war, haben diese fehlenden Minuten mir den Film nicht verdorben. Bei der nächsten Sichtung dann aber auf alle Fälle uncut.

Bild © Tobis
 

A Lizard in a Woman’s Skin (Lucio Fulci, Frankreich/Italien/Spanien 1971)

Posted by – 24. März 2012

Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir das letzte Mal etwas von Lucio Fulci angesehen habe. Mit seinen Splatterfilmen bin ich bisher noch nicht so richtig warm geworden. Und „Don’t Torture A Duckling“ (OT: Non si sevizia un paperino) habe ich irgendwann mal todmüde nachts gesehen, ohne ihn richtig genießen zu können. Jedenfalls war ich schon fast dabei, Fulci unter „nicht mein Ding“ weg zu sortieren. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich jetzt die Gelegenheit hatte, seinen Giallo „A Lizard In A Woman’s Skin“ (auch bekannt unter dem Namen „Schizoid“, OT: Una lucertola con la pelle di donna) zu erleben. Nach diesem formidablen Film habe ich große Lust, mich im Werk von Fulci noch etwas weiter umzutun.

Wenn Carol Hammond (Florinda Bolkan) träumt, dann von ihrer Nachbarin Julia (Anita Strindberg). Julia führt ein ausschweifendes Leben, während Carol, Tochter eines angesehenen Politikers (Leo Genn), in einer Ehe mit ihrem Mann Frank (Jean Sorel) fest sitzt. In ihren erotischen Träumen haben die Frauen ein Verhältnis – bis die Stimmung umschlägt und Carol Julia ersticht. Und anscheinend nicht nur im Traum: Auch im wirklichen Leben wurde  Carols Nachbarin umgebracht..

Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Giallotypisch werden dem Zuschauer eine Reihe von Verdächtigen präsentiert. Ist Carol selbst die Täterin? Hat ihr Mann etwas damit zu tun?  Oder ihre Tochter? Oder vielleicht ihr Vater? Auch Carols Psychiater, dem die Frau ihre Träume erzählte, wirkt nicht ganz unverdächtig. Oder war es doch der rothaarige Hippie, dem recht schnell ein Geständnis zu entlocken ist? Man weiß es nicht. Und das gehört sich in einem Giallo ja auch so. Sicherlich trägt auch bei „A Lizard In A Woman’s Skin“ das Rätsel um die Frage, wer denn nun die Nachbarin ermordet hat, viel zur Spannung des Films bei. Zumal die Story hier – im Gegensatz zu manch anderen Gialli – nicht bloßes Beiwerk ist. Trotzdem, auch wenn die Substanz stimmt, die psychologische Geschichte erzählenswert ist, ist der Stil, den Lucio Fulci hier offenbart, Wahnsinn. Dario Argento („Deep Red“) wird – zu recht – für sein Stilbewusstsein über den Klee gelobt, aber genauso oft für seine flachen Geschichten kritisiert. Was Fulci und Kameramann Luigi Kuveiller (übrigens auch Kameramann bei Argentos „Deep Red“) hier zeigen, muss sich hinter keinem Film von Argento und wahrscheinlich auch keinem anderen Giallo verstecken.

Es sind nicht nur eine Handvoll guter bis großartiger Szenen – wie Carols Traum zu Beginn des Films, oder die grandiose Fluchtsequenz, die von atemraubenden Settings bis zu surrealen Szenen (Stichwort Hunde) alles bietet –, sondern es ist der durchweg anspruchsvolle „Kitt“, der die Highlights zusammenhält und den Film als Ganzes, stimmig, anspruchsvoll und visuell berauschend macht. Hier trüben keine mäßigen Darstellerleistungen den Gesamteindruck. Florinda Bolkan („Don’t Torture A Duckling“) reißt nichts an sich. Mich hat ihr Spiel dennoch gefesselt, irgendwas ging von ihr aus, das mich durch den Film geführt hat und sie, trotz ihrer Zurückhaltung zum körperlichen und geistigen Zentrum der Geschichte gemacht hat.

Letztlich faszinierte mich an „A Lizard In A Woman’s Skin“ auch, dass ich mir zum Schluss nur zum Teil erklären konnte, was genau ich an ihm eigentlich so gut finde. Zumindest nach dem ersten Sehen wirkt er, als wäre er mehr als die Summe seiner Teile. Die Geschichte ist komplex und die Bilder scheinen nicht immer die Wahrheit zu erzählen, es bleibt Unsicherheit darüber, was man eigentlich gesehen hat, was stimmt und was nicht, was Traum, was Wirklichkeit war. Ich persönlich mag diese Offenheit sehr gerne, sie führt dazu, dass ich länger über den Film nachdenke, ihn wirken lasse, mir Fragen stelle, auf ihn zurück komme. All das ist bei „A Lizard In A Woman’s Skin“ der Fall. Und zusätzlich gehen mir einige der Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Ohne den Film jetzt hier nach einer ersten Sichtung abfeiern zu wollen – was will man mehr?

Bild © Umbrella

Take Shelter (Jeff Nichols, USA 2011)

Posted by – 22. März 2012

Curtis (Michael Shannon) führt ein gutes Leben. Eigentlich hat er wenig Grund zum Klagen. Er und seine Frau Samantha (Jessica Chastain) sind glücklich verheiratet. Zusammen haben sie eine Tochter (Tova Stewart). Doch dann beginnen Curtis‘ Albträume zu  quälen: er träumt von einem aufkommenden Sturm, öligem Regen und tot vom Himmel fallenden Vögeln. Obwohl Curtis Mutter unter Schizophrenie leidet und der junge Familienvater deswegen auch bei sich psychische Probleme vermutet, kann er nicht anders, als seine Visionen ernst zu nehmen. Sein Ziel ist es von da an, einen Schutzbunker im Garten zu bauen. Seine Umgebung beobachtet ihn argwöhnisch und  seine Ehe wird durch sein Tun auf eine harte Probe gestellt.

Ein Sturm zieht auf. Ein gewaltiger, doch lautloser Sturm, einer, der alles vernichten wird und von dem noch niemand etwas ahnt. Niemand, außer Curtis. Michael Shannon spielt Curtis mit malenden Kiefern, so als hätte der Sturm in ihm schon sein vernichtendes Werk begonnen. Seiner Präsenz und seiner Fähigkeit, diesem stillen Wahnsinn, eine Gestalt zu geben (dieses hat er auch schon in Filmen wie „Bug“ oder „My Son, My Son, What Have You Done“ gezeigt), ist es zu verdanken, dass „Take Shalter“ der Film geworden ist, der er ist. Dem Zuschauer fällt es immer schwerer die Bedrohung zu lokalisieren. Speist sie sich direkt aus dem Wahnsinn, den Visionen oder geht sie nachher vielleicht von Curtis selbst aus? Ein Sturm zieht auf. Vielleicht. Aber zunächst ist da ein Mann, der sich immer mehr von seiner Umwelt, seinen Freunden, seiner Familie entfernt.

Ein weiteres Mal ist Jeff Nichols ein Ausnahmefilm gelungen. Schon in „Shotgut Stories“ (2007) hat sich Regisseur und Autor Nichols als  genauer Beobachter US-amerikanischer Befindlichkeiten hervorgetan. War sein Debüt noch im einsamen Arkansas angesiedelt, spielt „Take Shelter“ irgendwo im nicht wesentlich belebteren Ohio. Die ländlichen Gegenden scheinen für Nichols Geschichten eine besondere Rolle zu spielen. Auf dem Land ist jeder irgendwie mit jedem verbunden. Hier darf man noch wortkarg sein und sein Ding machen, trotzdem steht man, vielleicht weil so wenig passiert, unter strenger Beobachtung der Mitmenschen. Jedes Handeln hat Folgen und lässt den empfindlichen Mikrokosmos der Gemeinschaft vibrieren. Dies ist es auch, was Curtis immer mehr zu schaffen macht. Sein Umfeld reagiert auf sein seltsames Verhalten wie die Antikörper, die einen Virus entdeckt haben.

„Take Shelter“ ist ein sehr eigener Film, einer, der es dem Zuschauer nicht leicht macht. Die Offenbarungs-Thematik und der starke christliche Bezug haben das Potenzial anzuecken. Außerdem dürfte weder das typische Thriller-Publikum – dazu entwickelt sich Nichols Film zu bedächtig – noch jenes, das auf einen raffinierten Mystery-Plot aus ist, sich in dem Film so richtig zu Hause fühlen. Auch, wenn man am Ende immer noch nicht mit Sicherheit weiß, was dran ist an Curtis Visionen, fügen sich die verschiedenen Puzzleteile doch recht passend zusammen.  Und trotzdem: „Take Shelter“ hinterlässt so ein Gefühl, dass da mehr gewesen sein muss, als man gesehen hat. Vielleicht ist es das existenzielle Grundstimmung des Films, das unsere tiefsten Gefühle, unseren Glauben und das, was wir für Wissen halten, so unangenehm berührt; oder vielleicht ist es die politische Dimension, die im Film zu jeder Zeit spürbar aber doch so wenig greifbar ist, wie der unsichtbare Sturm, der durch Curtis Kopf braust.

Am Ende bricht die Katastrophe über alle herein. Das ist beruhigend, weil man nun endlich weiß, woran man ist. Aber gleichzeitig ist man über alle Maßen verstörend, weil man das Gefühl hat, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Etwas, das aus dem Film etwas ganz Anderes machen könnte.

Bild © Ascot Elite
 

Kino 2011: Meine Top 10

Posted by – 22. März 2012

Seit 2005 führe ich Listen über meine Kinobesuche und versuche mich am Ende des Jahres zu entscheiden, welche 10 Filme mir am besten gefallen haben. Leider sind die meisten Listen mit der unangekündigten Auflösung des Filmstarts-Forums im digitalen Nirwana verschwunden. Nur die von 2011 konnte gerettet – und soll hier aus archivarischen Gründen verewigt werden. Filme ungefähr in Reihenfolge des Gefallens.

Melancholia (Lars von Trier, Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland 2011)

Lars von Trier lässt die Welt untergehen wie noch keiner die Welt untergehen lassen hat. In „Melancholia“ verbinden sich die Experimentierfreunde des Dänen mit hohem ästhetischen und inhaltlichem Anspruch und exzellentem Schauspiel. Ich habe Kirsten Dunst noch nicht so gut gesehen. Gänsehaut. Und auch Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, Alexander und Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling und viele mehr spielen als ginge es wirklich um ihr Leben. Etliche Szenen lassen mich einfach nicht mehr los. Dass Beste an „Melancholia“ ist allerdings, dass man ihn sowohl als Drama über das Ende der Erde sehen kann, als auch dieses Ende als Metapher für die von der Hauptfigur durchlebten Depression sehen kann. Film des Jahres. Ohne Frage.

Super (James Gunn, USA 2010)

Ich habe „Super“ auf dem Fantasy Filmfest 2011 gesehen und war sprachlos. So einen mächtigen Film hätte ich von James Gunn nicht erwartet. Ich mag „Slither“, mir gefallen seine „PG-Porn“-Sachen und ich schmunzle ab und zu über seine Nachrichten auf Twitter. Aber „Super“ stellt mal all das in den Schatten und beweist, dass Gunn ein bemerkenswerter Filmemacher ist, hinter dessen albernem Auftreten ein kluger Kopf steckt, der bösen Witz mit sensiblem Ernst verbinden kann. „Super“ ist jedenfalls super.

Perfect Sense (David Mackenzie, UK, Schweden, Dänemark, Irland 2011)

Ein ein Film über die Liebe, einer, der sie in höchsten Tönen besingt, ja, ihr ein Mahnmal schafft – das Bildnis zweier Menschen, in eine Umarmung versunken –und dabei unglaublich traurig ist, so dass man mit dem Weinen gar nicht mehr aufhören mag. Vielleicht ein wenig auch aus Freude, schließlich ist David Mackenzies sechster Film ein ganz toller, einer, der trotz aller Tristesse doch etwas Hoffnung spendet. Denn vielleicht gibt es ihn ja wirklich, den perfekten Sinn?

Source Code (Duncan Jones, USA 2011)

Direkt nach dem Sehen kam mir „Source Code“ vor wie eine Mischung aus Jones’ erstem Film „Moon“, „Twelve Monkeys“ und einer explosiven Variante von „Groundhog Day“. Keine Ahnung ob diese Vergleiche weiterhelfen. Soviel ist sicher: „Source Code“ ist exzellente Science Fiction, die durch die gekonnt umgesetzte, visionären Grundidee besticht. Diese offenbart sich allerdings nicht auf den ersten Blick, sondern will gefunden werden.

Black Swan (Darren Aronofsky, USA 2010)

Für mich der beste Film von Darren Aronofsky: dicht, bild- und tongewaltig, unheimlich – und möglicherweise so nah dran an der Wirklichkeit manch geschundener Ballerina, dass man gleich doppelt Gänsehaut bekommen kann.

Das rote Zimmer (Rudolf Thome, Deutschland 2011)

Mein erster Film von Rudolf Thome war gleich eine kleine Offenbarung. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt weder etwas von dieser Art Liebesfilm, noch etwas davon, dass man Geschichten so leichtfüßig, beschwingt und trotzdem auch spannend erzählen kann.

Schlafkrankheit (Ulrich Köhler, Deutschland 2011) 

War mein Highlight auf der Berlinale 2011. Erst schön erdig, aber dann lässt Köhler seinen Film unvermittelt so richtig schön wegdriften. Am Ende steht ein Nilpferd. Und das muss da auch stehen!

Über uns das All (Jan Schomburg, Deutschland 2011)

Eigentlich erzählt Jan Schomburg in „Über uns das All“ eine sehr konkrete Geschichte: Eine Frau verliert ihren Mann. Und doch ist sein Film einer voller Leerstellen, Unschärfen & -tiefen, Geheimnisse und damit ein faszinierender Trip in den Möglichkeitsraum, der sich unsichtbar neben unserer Alltagswelt gefindet. Ein weiteres Argument für den Film: Die wie immer wundervolle Sandra Hüller. Längeren Text von mir zum Film gibt es hier.

Thor (Kenneth Branagh, USA 2011)

Ein wenig wundert mich ja schon, dass „Thor“ einen Platz in meinen Top 10 ergattert hat, aber so sagen es die Aufzeichnungen. Vielleicht hat sich schon 2011 eine gewisse Superhelden-Müdigkeit bei mir eingestellt, so dass der quietschbunte aber trotzdem mit dem nötigen Gespür für Drama ausgestattete Film einfach herausstach. Naja, schlecht ist er nicht.

The Hunger Games (Gary Ross, USA 2012)

Posted by – 21. März 2012

Eine Sache, die ich spannend finde, ist, Filme mit ihren Literaturvorlagen zu vergleichen. Ich frage mich schon beim Lesen immer – wie könnte man das umsetzen? Dazu hatte ich gerade wieder die Gelegenheit. Vor ein paar Tagen habe ich den ersten Teil der Verfilmung von Suzanne Collins Science-Fiction-Trilogie „The Hunger Games“ gesehen. Den ersten Roman hatte ich ein paar Wochen zuvor gelesen. Genaugenommen war es erst der Roman, der überhaupt mein Interesse an dem Stoff geweckt hat. Zuvor hatte ich „The Hunger Games“ immer ein wenig in die Ecke „Twilight“, „Harry Potter“ und „Tintenherz“ gesteckt, und auch der Trailer des Films hat mich nicht missionieren können. Nach der Lektüre sah die Sache aber anders aus: die düstere, um nicht so zu sagen todtraurige und über alle Maßen deprimierende Geschichte über Jugendliche, die sich in einer Freiluftarena gegenseitig umbringen müssen, hatte mit Rowling, Meyer und Funke rein gar nichts gemein. Ich hatte Bilder im Kopf. Und ich war sehr gespannt, wie Gary Ross  („Pleasantville“, „Seabiscuit“) die Sache angehen würde..

Verglichen mit dem Buch wirkte der Film auf mich erst etwas glatt. Im dekadenten Capitol ist der Hochglanz-Look äußerst passend; aber gerade in Distrikt 12, der Minenarbeiter-Distrikt, aus dem die Protagonistin Katniss Everdeen (im Film gespielt von Jennifer Lawrence“) kommt, hatte ich mir die Menschen noch ärmlicher, noch heruntergekommener vorgestellt. Auch während der Hunger-Spiele habe ich beim Lesen den Durst, den Hunger und die Erschöpfung der Heldin förmlich gespürt. Auch hier bleibt der Film etwas hinter der Vorlage zurück. Aber: Insgesamt war ich erstaunt und absolut positiv überrascht, wie gut es Ross verstanden hat, der Umsetzung einen in sich stimmigen Look zu geben und so gut wie alles Wichtige, das den ersten Roman so spannend, emotional und berührend macht, in den Film zu übersetzen. Eine große Leistung, wie ich finde. Ich bin gespannt, ob Gary Ross dieses Kunststück auch in den kommenden Teilen (die ich bis dahin gelesen haben werde) glücken wird. Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich „The Hunger Games“ jedenfalls für eine äußerst gelungene Literaturverfilmung und ich hoffe, den Film bald ein zweites Mal sehen zu können.

Meine etwas ausführlichere Meinung zur Verfilmung findet man auf Kino-Zeit.de.

Bild © Studiocanal

 

Um mich dran zu erinnern

Posted by – 21. März 2012

Seitdem ich es jobbedingt nur noch selten Filmkritiken schreibe, rauschen die Filme nur so an mir vorbei. Es gibt nichts, woran ich mich festhalten, keinen Text, über den ich mir den Film erarbeiten kann und der mir hilft, mich später daran zu erinnern, was ich mal gedacht habe. Die Foren, in denen ich zumindest über meine Kinobesuche Buch führe und das Google-Doc, in das ich mit einigen Leute seit ein paar Wochen alles Gesehene notiere, helfen Ordnen, reichen aber zum richtigen Erinnern nicht aus. Eine gute Gelegenheit, noch einmal den Versuch zu startet, dieses Blog zu beleben. Falls es mir gelingt, einigermaßen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hier zu schreiben, belebt das bestimmt den Geist und sortiert die Gedanken. Wenn ich mich mal an meine Meinung erinnern will, muss ich einfach hier nachschauen. Und im besten Fall hält mich das Schreiben hier auch noch von den wichtigen, aber doch auch öft öden Dingen des Lebens ab.