Month: April 2012

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by – 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht „Die Rächer“ nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch „Die Rächer“ nennen.

Bild © Walt Disney
 

Faust (Alexander Sokurow, Russland 2011)

Posted by – 29. April 2012

„Wenn das Gewölbe widerschallt, fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt“… Ich habe den Faust in der Schule gelesen und war durchaus angetan von der Wortgewalt des Textes und dem Inhalt der Geschichte. In  Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ schließt der Gelehrte, Doktor Heinrich Faust, einen Pakt mit dem Teufel. Zum Preis seiner Seele der Teufel dem Doktor Einsicht in die tiefsten Dinge ermöglichen. Mephisto fädelt darauf hin eine Liebschaft zwischen dem Doktor und der jungen Margarete ein. Ganz klar, dass das nicht gut ausgeht.

Bei Aleksandr Sokurov heißt Mephisto Mauritius (Anton Adassinsky), doch ist nicht die einzige Änderung, die der russische Filmemacher an dem Stoff vorgenommen hat. Der Teufel ist hier kein charismatischer Verführer, sondern ein unförmiges, fast schon Mitleid erregendes Wesen und auch Heinrich Faust (Johannes Zeiler), ein armer, gleichwohl egoistischer und gieriger Mann, der  mit dem Intellektuellen aus Gothes Fassung wenig gemein hat. Sein Gehilfe Wagner (Georg Friedrich) hat die Grenzen zum Wahnsinn noch offensichtlicher überschritten. Die Figuren in Sokurovs Version drängeln sich förmlich durch die Szenen, schmiegen sich aneinander oder wirken, als wollten sie sich verschlingen. Hinzu kommen Sokurovs schwindelerregende Experimente mit verschiedenen Kameralinsen, die mir ein Gefühl der Desorientierung vermitteln. Angenehm ist das nicht. Aber interessant.

Doch auch wenn dieser „Faust“ hier auch ein faszinierender Film sein mag – mich konnte er nicht ganz überzeugen. Zwar habe ich die Stimmung als sehr unangenehm empfunden (was ich mochte!) und fand darüber hinaus die Neuinterpretation der Figuren zumindest spannend, doch mir fehlte ein Moment, den ich in Goethes Faust so mag: Die Unzufriedenheit des Protagonisten mit der Welt, die Sehnsucht, nach etwas anderem und die Bereitschaft, dafür seine Menschlichkeit zu opfern (ha, so beschrieben, ist Clive Barkers „Hellraiser“ auch nur eine Version des Faust..). Sehnsucht bleibt in dieser Version auf der Stecke. Außerdem hat sich mir nicht erschlossen, was der Zweck dieses Neuansatzes sein soll. Aber das mag an mir liegen und daran, dass ich Sokurovs andere Filme nicht kenne. „Faust“ ist nach „Moloch“, „Taurus“ und „Solntse“ der vierte und letzte Teil seiner Tetralogie über die Beschaffenheit der Macht.

Vermutlich sollte ich erst Sokurovs anderen Werke studieren, ehe ich mir ein Urteil über seinen „Faust“ erlaube. Aber soviel schon mal: Es ist ein herausfordernder, alles andere als angenehmer Film, der, wenn er wirklich Geheimnisse versteckt hält, diese zumindest nicht allzu bereitwillig freigibt. Und es ist auf jeden Fall ein Film, nach dem ein großer Schluck Vodka nichts schaden kann.

Bild © Ascot Elite
 

Trollhunter (André Øvredal, Norwegen 2010)

Posted by – 23. April 2012

Ich hatte einen schönen Abend. Die Erkältung klingt ab, die Lasagne hat in freundlicher Gesellschaft noch besser geschmeckt und im Anschluss gab es einen tollen Film, von dem ich hier kurz berichten will.

Zuerst halten die drei Filmstudenten Thomas (Glenn Erland Tosterud), Kalle (Tomas Alf Larsen) und Johanna (Johanna Mørck) Hans (Otto Jespersen) für einen Wilderer, doch als sie ihn mehrere Tage beschatten finden sie heraus: der Mann hat einen ganz anderen Job. Denn Hans ist Trolljäger. Im Auftrag der norwegischen Regierung erledigt er Trolle, die aus ihrem Revier ausgebrochen sind. Und Hans hat keine Lust mehr, zu schweigen und nimmt die drei Studenten deswegen mit auf einen irren Trip quer durchs Land, um sich bei seiner Arbeit filmen zu lassen.

Found-Footage-Filme waren noch nie so richtig mein Fall. „Blair Witch Project“ fand ich gut, alles was danach kam, weniger. Vielleicht, weil ich das Genre als erzählerisch limitiert empfinde und der Doku-Look bei Spielfilmlänge auf mich gezwungen wirkt. Bei Trollhunter (OT: Trolljegeren) von André Øvredal allerdings hatte ich all diese Probleme nicht. Im Gegenteil. Ich bin gerade immer noch wie elektrisiert und ganz verknallt in diesen wunderbaren wunderbaren Film.

„Trollhunter“ überführt die Sagengestalt in die reale Welt und deutet gleichzeig die norwegische Wirklichkeit so, dass ganz alltägliche Dinge, wie Hochspannungsleitungen, Steinschläge und umgestürzte Bäume, auf einmal Indizien für etwas Phantastisches werden. Bei ihrer Reise durch Norwegen, die auch durch fabelhafte Landschaftsaufnahmen besticht, bekommen die Studenten – und mit ihnen der Zuschauer – eine ganze Reihe von Informationen über die Geheimnisse des Landes. Dazu zählt natürlich vor allem ganz viel Insiderwissen über Trolle im Allgemeinen und das Leben und Sterben von Trollen in Norwegen im Besonderen. Vieles davon ist irre komisch, anderes einfach nur absurd, wieder anderes richtig ans Herz gehend. Aber alles trägt dazu bei, dass „Trollhunter“ eine ganz eigene Stimmung hat.

Von zwei, bis drei kleine Problemchen abgesehen, z.B. Thomas’ T(r)ollwutinfention, die irgendwie im Sande verläuft, oder der neuen Kamerafrau, die sich zu nahtlos ins Geschehen einfügt, war „Trollhunter“ eine der schönsten Entdeckungen der letzten Zeit und ein Film, für den ich von nun an richtig die Werbetrommel rühren werden.

Und jetzt habe ich vor lauter Schwärmerei ganz vergessen, etwas über den großen, den einzigen, den tragischen Trolljäger Hans zu schreiben, der schon allein Grund genug wäre, den Film toll zu finden. Hätte ich diesen Film als Kind gesehen, wäre mein Berufswunsch wahrscheinlich auch Trolljegeren gewesen.

 Bild © Universal
 

House Of 1000 Corpses (Rob Zombie, USA 2003)

Posted by – 18. April 2012

Mir geht es scheiße. Ich bin krank und liege mit Kopf- und Halsweh im Bett. Was liegt da näher, als mir Rob Zombies „House Of 1000 Corpses“ anzusehen, den ich schon beim ersten Mal nicht wirklich mochte.

Der Horrorfreak Jerry (Chris Hardwick) und seine Freunde befinden sich auf einer Tour durch Amerika, um die gruseligsten Provinzattraktionen aufzuspüren. Im Gruselkabinett von Captain Spaulding (Sid Haig) werden sie fündig: Sie erfahren vom Mythos des Dr. Satan, der vor Jahren Menschenexperimente in einer nahen Klinik durchführte, bis er schließlich an den Galgen gebracht wurde und bekommen von Spaulding gleich noch eine Wegbeschreibung zur mutmaßlichen Todesstätte des Killers. Als sie auf dem Weg dahin die attraktive Anhalterin Baby (Sheri Moon Zombie) mitnehmen, ahnen die vier Jugendlichen noch nicht, dass sie sich bereits in den Fängen der mörderischen Familie Firefly befinden.

Eine Gruppe Jugendlicher, ein einsames Haus, eine degenerierte Sippe. Die Parallelen zu Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Masscre“ sind unverkennbar. Aber auch Oliver Stones „Natural Born Killers“ stand augenscheinlich Pate, denn nicht Jerry und seine Freunde sind die Protagonisten von Rob Zombies Film, sondern ohne Frage die brutale Outlaw-Familie. Die Fireflys, ihr skurriles Äußeres und ihre Folterorgien werden hier förmlich abgefeiert. Die Umkehrung der Perspektiven, der hohe Gewaltpegel und der zynische Grundton machen den „House Of 1000 Corpses“ nicht leicht verdaulich. Umso mehr, weil Zombie sein Handwerk versteht, was besonders später deutlich wird, wenn der Film jede Bodenhaftung verliert und zu einem satanisch-bizarren Trip wird.

Mit der Familie Firefly, hier insbesondere mit Captain Spaulding, hat Zombie moderne Horrorikonen geschaffen, und irgendwie leuchtet mir auch ein, warum „House Of 1000 Corpses“ beim „Fachpublikum“ so hohes Ansehen genießt. Ich habe allerdings gerade wieder festgestellt, dass der Film für mich – auch mit dickem Schädel – nichts ist. Ich dachte, mit getrübten Sinnen könnte ich vielleicht etwas entdecken, das mir bei ersten Mal entgangen ist. Aber ich sehe nichts, das ich gerne sehen würde – keine interessante Geschichte, keine Einblicke in die Figuren, nichts was über bloßen Sadismus hinausgeht, keine wie auch immer geartete Auseinandersetzung mit dem Stoff. Also, vielen Dank für die teuflische Party, aber ich gehe dann mal lieber wieder ins Bett.

Bild © Sunfilm
 

Livid (Alexandre Bustillo, Julien Maury, Frankreich 2011)

Posted by – 17. April 2012

Mit „Livid“ – nach „Inside“ dem erst zweiten Film des Regieduos Alexandre Bustillo und Julien Maury – hatte ich eben die Gelegenheit, mein Spektrum, was seltsame Vampirfilme angeht, zu erweitern. „Livid“ (OT: Livide) handelt von Lucy (Chloé Coulloud), einer angehenden Krankenpflegerin, die zusammen mit ihren Freunden William (Félix Moati) und Ben (Jérémy Kapone) in das Anwesen von Mrs. Jessel (Marie-Claude Pietragalla) einbricht. Dort soll nämlich ein Schatz versteckt sein. Doch statt das Haus reich wieder zu verlassen, müssen die jungen Leute feststellen, dass zum einen auf einmal alle Ausgänge versperrt und sie zum anderen nicht die Einzigen in dem alten Gemäuer sind.

Der Anfang von „Livid“ ist unspektakulär, aber aufgrund von Chloé Coulloud, die den Charakter von Lucy gleich von Beginn mit genügend Ecken und Kanten ausstattet, nicht uninteressant. Im Mittelteil, als Lucy mit ihren Freunden auf der Suche nach dem Schatz durch das Gemäuer irrt, nimmt „Livid“ hingegen fast schon ärgerliche Ausmaße an. Das liegt unter anderem daran, dass Alexandre Bustillo und Julien Maury ein Klischee ans nächste reihen. Dem netten Gothic-Look zum Trotz hat für mich in diesem Stadium nur wenig darauf hingedeutet, dass ich es hier mit zwei sehr hoch gehandelten Filmemachern zu tun habe. Im letzten Drittel nimmt das Gruselfilmchen von Mauray/Bustillo jedoch noch einmal eine unerwartete Richtung und wächst über sich hinaus: „Livid“ wird durch neue Informationen, die dem Zuschauer vor allem durch Rückblenden näher gebracht werden, sowie durch neue Entwicklungen auf der Jetzt-Ebene zu einem Hybrid aus Vampir-, Hexen- und Fantasyfilm; und auch visuell legen sich Mauray/Bustillo auf den letzten Meter noch einmal richtig ins Zeug. Nicht jeden wird das  mit einigen Längen, dem einfallslosen Mittelteil und manchem logischen Aussetzer versöhnen. Ich werde „Livid“, der hier und da einige Neuerungen einbringt und zudem noch eine hintergründig traurige Geschichte erzählt, nichts desto trotz als interessante Variation des Vampir-Themas und damit sicherlich insgesamt positiv in Erinnerung behalten.

Bild © Sunfilm 
 

Das mutierende Filmstöckchen

Posted by – 17. April 2012

Die Krabbe war so freundlich, mir ein mutiertes Filmstöckchen zuzuwerfen.

Hier die Antworten.

Schaust du lieber Filme, oder Serien und warum?

Filme. Ich mag die Idee, das Filme ein abgeschlossenes Ganzes sind, das so und genau so sein soll, wie es sich mir präsentiert. Das kann es bei Serien natürlich auch geben. Aber in der Regel entwickeln sich Serien im Laufe ihrer Produktion weiter und werden so lange fortgeschrieben, bis die Quoten nicht mehr stimmen.

Gibt es eine Paarung in einer Serie, die du ganz besonders magst? Das muss nicht unbedingt ein romantisches Paar sein, sondern können auch gut funtionierende Figurkombinationen, die einfach eine tolle Chemie auf dem Bildschirm miteinander haben.

Die Chemie der Firefly-Besatzung hat gestimmt.

Schaue ich einen Film oder eine Serie, den/die ich mag, schaue ich oft weiteres der involvierten Personen, um deren Gesamtwerk besser zu verstehen. Tust du das auch und wenn ja, was waren für dich besonders ergiebige Exkurse?

Das mache ich auf jeden Fall auch. Immer, wenn mir ein Film sehr gut gefällt, schaue ich mir so viel wie möglich von dem Regisseur an. Besonders, wenn ich schon am Anfang glaube, eine bestimmte Handschrift zu erkennen. Sehr ergiebige Exkurse hatte ich zum Beispiel mit Peter Greenaway, Dario Argento, Guy Maddin, Jean-Pierre Melville, aber auch vielen anderen.  Und es warten auch schon wieder neue Reisen auf mich, auf die ich mich sehr freue: Akira Kurosawa, Lucio Fulci, Mario Bava, Jack Shoulder,…

In welchem Medium funktioniert für dich emotionaler oder dramatischer payoff am besten und warum und was sind für dich unerlässliche Bausteine dazu?

Ich verstehe die Frage nicht.  🙂

Welche Serie hat deiner Meinung nach zu früh das zeitliche gesegnet und welche lief definitiv zu lange weiter, nachdem sie ihren Zenit lange überschritten hat?

„Dollhouse“

So, fertig.

Bis das Filmstöckchen in meiner Obhut mutiert und andere infiziert, kann es allerdings noch etwas dauern.

Spasmo (Umberto Lenzi, Italien 1974)

Posted by – 16. April 2012

Ich habe neulich gelesen, Umberto Lenzi, Erfinder des Italienischen Kannibalen-Films, wäre ein unterschätzter Regisseur. Dies könne man unter anderem an seinem Film „Spasmo“ ganz gut beobachten. Das hat mich neugierig gemacht. Bis auf  „Mondo Cannibale“ (OT: Il paese del sesso selvaggio) völlig Lenzi-unterfahren habe ich mir daraufhin besagten „Spasmo“ durch ein großes Onlineversandhaus zuschicken lassen..

Aber  jetzt zu berichten, was ich da gesehen habe, fällt mir gar nicht leicht. Nach einem Auftakt, der scheinbar nichts mit der folgenden Handlung zu tun hat, lernt der Zuschauer Christian Baumann (Robert Hoffmann) kennen, als er gerade  mit seiner Freundin unterwegs ist. Am Strand finden die beiden eine bewusstlose Frau (Suzy Kendall). Die Frau ist  unverletzt, stellt sich als Barbara vor und verschwindet. Als Christian sie kurze Zeit später auf einer Party wieder trifft, gibt er seiner Freundin den Laufpass und sucht sich stattdessen mit Barbara ein Hotelzimmer. Ehe die beiden aber zur Tat schreiten können, wird Christian im Badezimmer von einem Unbekannten (Adolfo Lastretti ) mit einer Waffe bedroht. Im folgenden Handgemenge fällt ein Schuss. Im Glauben, einen Mord begangen zu haben, verstecken sich Christian und Barbara im Haus von Barbaras Freundin.

Soweit zum Inhalt. Was sich geschrieben noch einigermaßen stimmig anhört, kommt einem im Film viel weniger plausibel herüber. Und nach Ankunft von Christian und Barbara in besagtem Haus, folgt Lenzis Film noch weniger einer erkennbaren Handlungslogik. Personen tauchen auf, verschwinden, alles wird immer rätselhafter und erinnert mehr und  mehr an einen Traum. Wird Christian verrückt? Und wenn ja, warum eigentlich? Hat es irgendetwas mit den ersten Minuten des Films zu tun? Warum ist der Tote aus Christians Badezimmer auf einmal wieder da? Und warum liegen eigentlich überall aufblasbare Gummipuppen herum? Der Zuschauer bekommt die Antworten auf diese Fragen. Aber bis dahin muss er sich in Geduld üben. Und wenn dann am Ende die Auflösung durch die Tür stolpert, ist sie auch nicht befriedigend. Damit diese Schlusspointe funktioniert, hätte Lenzi den Film anders aufbauen müssen.

Ich kann also nicht sagen, dass mir „Spasmo“ außerordentlich gut gefallen hat. Auch wenn er optisch ein paar schöne Momente besitzt und die Stimmung dezent unheimlich ist – richtig fesseln konnte er mich nie. Dazu war er zu wirr. Diese Unbestimmt- und Verrücktheit als stilistisches Ausdrucksmittel zu sehen, ist mir nicht gelungen. Für mich waren sie das Resultat einer schlecht erzählten Geschichte.

Bild © Media Blasters Inc.
 

Battleship (Peter Berg, USA 2012)

Posted by – 15. April 2012

Aliens wollen mal wieder die Erde erobern. Dass es auch dieses Mal nicht klappt, liegt daran, dass die Außerirdischen alles andere als vorbereitet aufmarschieren. Einerseits hochtechnisiert, so dass sie irre Entfernungen von jetzt auf gleich überwinden können, scheint es ihren Raumschiffen andererseits an so etwas wie einem Ortungssystem zu fehlen. So verlieren die Angreifer gleich in der Erdumlaufbahn eines ihrer Schiffe, weil sie gegen einen Satelliten brettern. Und ihre Pechsträhne hält auch nach der Landung in den Gewässern vor Hawaii an. Denn die Nationen der Erdlinge veranstaltet ausgerechnet dort, wo die Invasoren niedergehen, einen kleinen Wettkampf ihrer Kriegsflotten. So ein paar Kriegsschiffe sollten für die überlegene Technik der Aliens eigentlich kein Problem sein. Leider haben diese ihre Angriffssysteme – das gilt für ihre Raumschiffe sowie auch im Nahkampf für ihre Körperpanzer – so programmiert, dass Feinde tendenziell nicht angegriffen werden. Was auf den Displays grün (und nicht rot!) blinkt, wird verschont. Und grün blinkt so ziemlich alles. Das gibt den Menschen unter der Führung des Heißsporns Alex Hopper (Taylor Kitsch) die Möglichkeit, die Angreifer nach und nach auszuschalten.

Wer einen intelligenten/spannenden/originellen Alien-Invationen-Film sehen möchte, soviel sollte klar geworden sein, trifft mit „Battleship“ die falsche Wahl. Aber dies war wohl auch kaum vorrangiges Ziel seiner Macher. Bei einer Verfilmung des Spiels „Schiffe versenken“ stehen natürlich die Schauwerte im Vordergrund. Und tatsächlich beginnt nach einer halben Stunde, in der Figuren vorgestellt werden (und die mir eigentlich ganz gut gefallen hat), schon der anderthalbstündige Showdown. Überraschenderweise hat der Film für mich auch hier keinen Boden gut gemacht – und das auch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass „Battleship“ nicht viel mehr sein will als ein Actionfilm, bei dem möglichst viel zu Bruch geht. Das liegt zum einen an dem schon erwähnten Punkt, dass die Angreifer aufgrund ihrer unpraktikablen Technik keine echten Gegner sind, zum anderen aber auch daran, dass die zuvor nicht ungeschickt aufgebaute Beziehungskonstellation, leichtfertig – und im Falle von Stone Hopper (Alexander Skarsgård) ganz wortwörtlich – über Bord geworfen wird. Während der Scharmützel im Verlauf des Film passiert emotional rein gar nichts mehr. Aber auch die Actionszenen habe mir nicht wirklich gut gefallen: Manche Sequenzen scheinen sich zu wiederholen, z.B. wenn die Raumschiffe der Außerirdischen aus dem Wasser hopsen. Und das CGI mag auf der Höhe der Zeit sein, richtig Wucht hat trotzdem kaum eine der Szenen.

Trotzdem ist „Battleship“ nicht völlig uninteressant. Die erste halbe Stunde bietet immerhin gute Comedy; und danach kann man dicke Hawaiianer zählen, sich fragen, ob man da gerade Militärpropaganda schaut (oder ob es vielleicht doch irgendeinen Hintersinn gibt?), sich über die verpeilten Außerirdischen oder wahlweise Rihanna in ihrer ersten Rolle beömmeln. Oder doch einfach nur den Mut von Liam Neeson bewundern, der nach „The A-Team“, „Clash Of The Titans“, „The Grey“ und „Wrath Of The Titans“ wieder mal in einem nach rationalen Maßstäben miesen Film mitmacht, ohne dadurch das Gesicht zu verlieren.

Bild © Universal Pictures
 

The Ward (John Carpenter, USA 2010)

Posted by – 15. April 2012

John Carpenter hab ich gern. Und deswegen habe ich auch ein wenig gezögert, mir „The Ward“ anzusehen. Er wäre nicht der erste Regisseur, der sein Bild mit seinem Spätwerk selber demontiert. Jetzt habe ich mich doch getraut und bin froh.

Der Film handelt von Kristen (Amber Heard), die, kurz nachdem sie ein altes Farmhaus in Brand gesetzt hat, in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Die junge Frau kann sich an nichts erinnern. Dr. Stringer (Jared Harris) versucht mit „modernen“ Methoden (der Film spielt 1966), Kristen zu helfen. Erfolglos. Stattdessen verschlimmert sich ihr Zustand. Sie beginnt, den Geist einer entstellten Frau zu sehen, der sich als alles andere als harmlos erweist: Nach und nach fallen Kristens Mitpatientinnen dem Spuk zum Opfer. Was ist da los in der Anstalt?

Ich würde nach „The Ward“ nicht überschwänglich verkünden, dass John Carpenter wieder da sei. An viele, vor allem ältere Filme des Regisseurs, reicht er nicht heran. Schon allein deswegen, weil Carpenter damals einen bestimmten Stil geprägt hat, den er später lediglich zu kultivierten schien. Auf der anderen Seite gehöre ich zu denen, die auch seinen neueren Filmen wie „Vampires“ und sogar „Ghosts Of Mars“ etwas abgewinnen können und somit der Meinung sind, dass Carpenter nie richtig weg war. „The Ward“, der wie die Carpenter-Version einer Kreuzung von „One Flew Over The Cuckoo’s Nest“ und „Suspiria“ wirkt, illustriert dies meiner Meinung nach eindrucksvoll.

Gemeinsam mit älteren Filmen hat „The Ward“, dass Carpenter sich wieder einmal einen begrenzten Raum, dieses mal die geschlossene Anstalt, gewählt hat, indem er seine Geschichte spielen lässt. So klaustrophobisch wie in „The Thing“ oder „Prince Of Darkness“ geht es zwar nicht zu, dennoch ist das Eingesperrtsein auch hier wieder Movens der Geschichte. Anders als in seinen älteren Filmen wagt sich Carpenter aber diesmal an die Inszenierung von inneren Prozessen für die die geschlossene Anstalt hier eher Metapher als tatsächlicher Raum ist. Das gibt Carpenter Gelegenheit für visuelle und akustische Experimente. Eine wunderbare Szene ist, als die Mädchen anscheinend die einzigen in der Anstalt sind, helles Licht das Behandlungszimmer durchflutet und sie eine Platte auflegen und dazu tanzen. All das zusammen, das fiebrige Spiel mit Hell und Dunkel, Geräuschen und Melodien, mit klaren Bildern und Unschärfen ist auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders subtil, aber auch unprätentiös sauberes Horror-Handwerk.  In seiner Expressivität, vor allem in Bezug auf die andern Filme Carpenters, ist es eine wunderbare Erweiterung.

Trotz des modernen Looks strahlt der Film eine altmodische Gelassenheit aus, die aber nicht auf Kosten der Spannung geht. Und sogar ein Quäntchen carpentertypischen Humors lässt sich finden, z.B. als ein Mädchen von dem Geist geholt wird und dieser ihr vor der tödlichen Attacke, beinahe fürsorglich, die Brille abnimmt. „The Ward“ ist, genau wie der Regisseur sagt, ein „old school horror movie by an old school director“. Und das finde ich gut.

 Bild © Concorde 
 

The Bird With The Crystal Plumage (Dario Argento, Italinen 1970)

Posted by – 3. April 2012

 Meinen ersten Film von Dario Argento habe ich auf dem Flohmarkt der Bonner Rheinaue gekauft. Es war „Phenomena“. Der Film hat mich damals total umgehauen und mir eine Tür zu einem Genre aufgestoßen, mit dem ich bis dahin nur oberflächlich Bekanntschaft gemacht hatte. Das meiste von Argento habe ich mir den folgenden Jahren nach und nach angeschaut. Ein paar Lücken gibt es aber immer noch, wenn auch seit gestern eine weniger: Mit „The Bird With The Crystal Plumage“ (OT: L’uccello dalle piume di cristallo) habe ich nun endlich Argentos Debüt gesehen und damit die sogenannte Tier-Trilogie komplettiert (die des Weiteren aus „The Cat o’Nine Tails“ (1971) und „Four Flies On Grey Velvet“ (1972) besteht.)

„The Bird With The Crystal Plumage“ handelt von dem amerikanischen Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante), der in Rom Zeuge eines Mordversuchs wird. Er beobachtet, wie eine Frau (Eva Renzi) in einer Kunstgalerie von einem Unbekannten attackiert wird und nur schwer verletzt überlebt. Dalmas wird daraufhin zum Hauptverdächtigen – was ihn aber nicht davon abhält, sich mit Hilfe seiner Freundin Julia (Suzy Kendall) auf die Suche nach dem Täter zu machen. Bei diesem soll es sich um einen schon länger gesuchten Serienmörder handeln.

Die Geschichten, könnte man meinen, seien im Laufe von Argentos Karriere immer unwichtiger und abstrakter geworden. Stil verdrängte immer die Substanz, die zumindest bei seinen ersten Filmen noch vorhanden gewesen sein soll. Sein Debüt ist auf den ersten Blick ein normaler Krimi mit einer „sinnvollen“ Handlung: Sam versucht sich im Laufe des Film immer wieder die beobachtete Tat zu vergegenwärtigen, weil er der Meinung ist, er hätte ein Detail übersehen, das ihn zum Täter führen könnte. Mit ihm hat auch der Zuschauer das Gefühl, er könne den Fall durchschauen, wenn er nur genau genug hinsehen würde. Doch  dieser Eindruck ist, meine ich, bereits in diesem frühen Film bloße Illusion. Die scheinbar realistische Handlung suggeriert Rationalität, folgt aber in Wirklichkeit nur den Gesetzen des Genres und den Regeln, die Argento für seine Geschichten vorsieht. Weder ergeben sich die einzelne Handlungsabschnitte logisch auseinander, noch gibt es psychologische Notwendigkeiten für das Verhalten der Figuren, noch hat die ganze Geschichte einen tieferen Sinn. Und schon gar nicht ist der Täter zu erraten. Argento zeigt sich schon in „The Bird With The Crystal Plumage“ als begnadeter Stilist einer Form, die sich in den kommenden Filmen noch entwickeln sollte. Ob diese mit dem Begriff „Giallo“ tatsächlich schon auf den Punkt gebracht ist, bezweifele ich. Argento hat den Mord und seine Rahmenbedingungen zu einer Kunstform erhoben und in den 1970er und 80er Jahren ein filmisches Instrumentarium entwickelt, um die Essenz des Tötens freizulegen. Insofern ist das im Film gezeigte Gemälde „Mord im Park“ auch paradigmatisch für das Werk Argentos und prophetisch für alle seiner weiteren Filme.

Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass mir „The Bird With The Crystal Plumage“ von den ersten drei Argento-Filmen am besten gefallen hat. Das kann aber auch daran liegen, dass die Erinnerung an ihn im Gegensatz zu den anderen beiden noch frisch ist. Ich fand ihn durchweg spannend und einige Sequenzen (der Auftakt bei der Kunstgalerie oder als Sam den einen Killer verfolgt oder als Julia in ihrem Zimmer bedroht wird oder oder oder) sind grandios inszeniert und genau das, wofür ich Argento schätzte.