Month: Mai 2012

The Exorcist (William Friedkin, USA 1973)

Posted by – 25. Mai 2012

Peter, Sebastian und ich haben neulich bei Twitter mal über die verschiedenen Fassungen von William Friedkins „The Exorcist“ gesprochen.  Kurz darauf fiel die Entscheidung, uns parallel den Director’s Cut anzusehen und gleichzeitig darüber zu twittern. Gestern war es soweit. Mit dabei waren auch noch Rob, Laura und Annika. Es war ein sehr schöner Abend weil: nette Leute und lustige Kommentare. Aber natürlich auch, weil „The Excorist“ – das ist mir gestern wieder klar geworden – ein ganz formidabler Film ist. Auf einer oberflächlichen Ebene ist es ein straighter, spannender Okkultismus-Thriller. Dahinter scheint er aber  vielschichtiger und bedeutungsreicher zu sein, als man zunächst annimmt.

Aufgrund von Dreharbeiten zieht die geschiedene Filmschauspielerin Chris MacNeil (Ellen Burstyn) mit ihrer Tochter Regan (Linda Blair) und zwei Hausangestellten nach Washington D.C. in eine Stadtvilla. Als Regan schleichend ihr Verhalten ändert, sucht Chris verschiedene Ärzte auf – ohne Erfolg. Als einer der Ärzte vorschlägt, Chris solle einen Exorzismus versuchen, ist sie zunächst skeptisch. Doch Regans Verhalten nimmt immer drastischere Züge an, so dass die überforderte Mutter keine andere Wahl mehr hat.

Zunächst scheint „The Exorcist“ drei Geschichten zu erzählen, die von Pater Lancaster Merrin (Max von Sydow), die von Damien Karras (Jason Miller) sowie Chris MacNeil und ihrer Tochter Regan. Es funktioniert ganz wunderbar, wie ungezwungen und trotzdem stimmig Friedkin diese Erzählstränge zusammenführt. Schon von Anfang an ist die Stimmung bedrohlich, aber auf eine solch subtile Weise, wie man sie nur ganz selten findet. „Rosemarys Baby“ könnte man als Film anführen, der einen ähnlich gelungenen, sukzessiven Spannungsaufbau hat. Das Grauen in „The Exorcist“ wird aber im weiteren Verlauf  expliziter  dargestellt als in Polanskis Film. Die zunehmende Vulgarität, der großzügige Einsatz von Körperflüssigkeiten und das Fortschreiten von Regans äußerlichem und innerlichem Verfall sollen den Zuschauer  schockieren – aber der Schock ist hier kein genrekonformer Selbstzweck, sondern ein Symptom der Entfremdung. Nichts ist größer als die Angst vor Tabubrüchen. Und Regans Verhalten liegt definitiv außerhalb der Norm. Sie gehört nicht mehr dazu. Die Fremdheit, die das eigene Kind, das ja eigentlich das vertrauteste auf der Welt sein sollte, auf einmal ausstrahlt, ist wahrscheinlich das Verstörendste an dem ganzen Film. Und das auch deshalb, weil bestimmt jeder eigene Erfahrungen mit dem Fremden hat – z.B. mit Menschen, die anders aussehen oder andere Sprachspiele spielen – und insofern die im Film geschilderte Situation bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann.

Hätte Mutter Chris die Veränderungen an ihrer Tochter nicht einfach als Zeichen ihrer Individualität und Entfaltung ihrer Persönlichkeit akzeptieren können? Natürlich nicht. Die Abweichungen von der Norm waren einfach zu groß. Da konnte einfach nur ein Dämon dahinter stecken. Heute sind es auch gene mal Horrorfilme, gewaltverherrlichende Computerspiele oder das böse Internet.

Bild © Warner
 

Slaughter High (George Dugdale, Mark Ezra, Peter Litten, USA 1986)

Posted by – 25. Mai 2012

Damals, zu Schulzeiten, machte eine schäbige VHS-Kassette die Runde. Darauf: Ein Zusammenschnitt der besten Gore- & Splatter-Szenen (oder was der Macher dieser Kassette eben dafür hielt). Ich muss zugeben, dass mir viele Bilder dieser Kassette immer noch im Kopf herumspuken. Etliche der auf dem Band ausschnittsweise gezeigten Filme habe ich mittlerweile in Gänze sehen können, bei anderen Schnipseln habe ich immer noch nicht rausgefunden, woher sie stammen. Ich arbeite dran. Und ab und an stellt sich ein kleines Erfolgserlebnis ein. Denn auch von „Slaughter High“ enthielt das VHS-Tape einige Szenen, und die habe ich kürzlich durch einen Tipp dem Film zuordnen können. Ein guter Grund, mir „Slaughter High“ einmal komplett anzusehen.

Tatort Mädchenumkleide: Um Schulnerd Marty (Simon Scuddamore) einen Streich zu spielen, lockt ihn Carol (Caroline Munro) in eine Falle. Kopfüber wird Marty von seinen schon dort lauernden Mitschülern in die Toilette getunkt, bis er vom Sportlehrer gerettet wird. Als Skip (Carmine Iannaccone), Kopf der Gang, aber auch noch Martys Chemie-Experiment sabotiert, kommt es zur Katastrophe. 10 Jahre später.  Carol, Skip und die ganze Clique werden zu einer Überraschungsparty in ihre alte Schule eingeladen. Statt einem schönen Fest erwartet sie in dem alten Gemäuer allerdings ein Psychopath, der sich viele unschöne Methoden ausgedacht hat, die Lebenszeit der „Partygäste“ radikal zu verkürzen.

Zuallererst ist mir Sountrack aufgefallen: mal ulkiger Rock, mal verspielter Reggae, mal ganz klassisch orchestral bis jazzig. Das verpasst dem Ganzen nicht nur einen passablen Drive,  sondern den Film für mich von Beginn an als ironischen Kommentar ausgewiesen und ihn mich als eine Art Satire sehen lassen. Dass die Story von Logiklöchern wimmelt, der Film erzählerisch oft einer holprigen Fahrt über ein marodes Kopfsteinpflaster gleicht und die Figuren durchweg simpel gestrickte Karikaturen von egoistischen Unsympathen sind, hat mich deswegen weniger gestört, als es bei anderen Zuschauern wohl der Fall wäre. Sicherlich:  ein paar völlig hirnrissige Szenen sind auch dabei und nicht jede davon kann man gutschreiben. Einige haben mit einem Speer zu tun, andere mit dem Verhalten der Protagonisten, von denen einige den Darwin-Award tatsächlich verdient hätten. Es ist absolut nachzuvollziehen, dass „Slaughter High“ nie zu den Klassikern des Genres gehört hat und wohl auch nie gehören wird. Dazu bringt er zu wenig Neues und die gebrachten Standards sind von zu schwankender Qualität. Trotzdem mag ich den Film weder als schlecht noch uninteressant bezeichnen. Und das hat hoffentlich nichts  mit romantischer Verklärung zu tun (Stichwort VHS-Tape). Das verlassende Schulgebäude ist ein atmosphärischer Ort. Den Machern gelingen hier ein paar wirklich gute Szenen. Hervorzuheben wäre hier vor allem der Showdown, bei dem Carol, vom Killer verfolgt, durch das verfallene Gemäuer flieht. Aber auch ein paar der Mordszenen bleiben im Gedächtnis. Da ist z. B. das vergiftete Bier zu nennen, das dem Bauch schlecht bekommt. Oder die Badszene, in der demonstriert wird, wie man sich lieber nicht verhalten sollte, wenn plötzlich Säure in die Wanne läuft. Oder – und diese Szene ist mir auch von damals noch in Erinnerung geblieben – als eine Frau auf der Fluch in einen Schacht fällt und vom Killer daran gehindert wird, wieder herauszukommen. Auch wenn dieser Mord zu den weniger brutalen des Films gehört, habe ich ihn als den unangenehmsten wahrgenommen. Insgesamt haftet dem Film von George Dugdale, Mark Ezra und Peter Litten eine eigenartige, manchmal fast schrullige Stimmung an, die ihm durchaus Wiedererkennungswert geben.

Und dann endet alles dort, wo es auch begonnen hat: In der Mädchenumkleidekabine. Zumindest hätte es dort enden können. Aber der Film geht noch einen Moment weiter und bietet für das Gesehene noch eine alternative Deutungsmöglichkeit an.  Mir kam das ein bisschen angehängt und aufgesetzt vor, rückte allerdings auf der anderen Seite einige vermeintliche Unzulänglichkeiten in ein neues Licht.

Bild © Arrow Video
 

21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Posted by – 20. Mai 2012

Mir fallen nicht besonders viele wirklich lustige Filme ein. Und kaum einer stammt aus der letzten Dekade. Mit Filmen wie „Scott Pilgrim“, „Hangover“ oder „Kick Ass“ (die schmeiße ich jetzt mal absichtlich in einen Topf) kann man mich sogar jagen. Doch bei „21 Jump Street“ habe ich mich dann überraschender Weise doch amüsiert.

Damals in der Highschool waren Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) an den unterschiedlichen Enden der Beliebtheitsskala zu finden: Sport-Ass Jenko nahm es mit dem Lernen nicht so genau, war aber dafür der Schwarm aller Mädchen, Streber Schmidt hingegen war kaum mehr als der gehänselte Schulclown. Ein Wunder, dass die beiden trotz aller Unterschiedlichkeit Freunde werden und zwar, als sie sich ein paar Jahre später auf der Polizeischule wiedertreffen und sich gegenseitig durch die Ausbildung helfen. Nach einem verpatzten Job werden beiden verdonnert, undercover, getarnt als Schüler, in einer Highschool nach der Quelle einer illegalen Designerdroge zu ermitteln. Beide heften sich an die Fersen des mutmaßlichen Zwischenhändlers Eric (Dave Franco). Doch die Ermittlungen sind nicht das Einzige, das die beiden vor eine Herausforderung stellt: In den Jahren ihrer Abwesenheit hat sich die Schule geändert. Mittlerweile gelten nervige Typen wie Schmidt als cool, während Jenko mehr und mehr zum Außenseiter wird.

„21 Jump Street“, die Serie, stammt aus den 1980er Jahren. Mit ihr gelang Johnny Depp der Durchbruch. Sie Serie handelte von jungen Polizisten, die in der Schule verdeckt ermittelten. Aber damit hat es sich mit Gemeinsamkeiten zwischen Serie und Film auch schon fast. Lord und Miller wissen, was das Publikum dieser Tage lustig findet und geizen nicht, ihr Wissen anzuwenden. Schon der Anfang, wenn die beiden Protagonisten eingeführt werden, ist wirklich komisch. Schmidt, der zu Schulzeiten ein ernsthaftes Eminem-Fanboy-Problem hatte, fragt seine Angebetete da, ob diese mit ihm zum Abschlussball gehen würde. Natürlich will sie nicht. Die Szene endet damit, dass Schmidt und Jenko (der wegen zu schlechter Noten nicht zum Ball darf) beide weinend vor der Schultür sitzen – bis sie sich gegenseitig bemerken. Und auch im weiteren Verlauf bleibt die Gagdichte hoch. Jedes Mal, wenn man glaubt, man hätte jetzt den besten Witz gesehen, schaffen die beiden Regisseure es, noch einen draufzusetzen und einen ironischen Querverweis aufs Actionkino nach dem anderen aus dem Hut zu zaubern.

Das geht mitunter natürlich auch ganz schön derbe zur Sache. Und auch die Grenze zum Klamauk wird gelegentlich überschritten. Doch meistens meiden Lord und Miller die allzu billigen Gags und manövrieren überraschend intelligent und stilsicher durch die ereignisreiche Geschichte. Zumindest war das die längste Zeit mein Eindruck. Denn nachdem „21, Jump Street“ sehr lange sehr gut funktioniert hat, können es die beiden Regisseure dann doch nicht lassen und setzten sich am Ende noch einmal zu gewollt und primitiv über den guten Geschmack hinweg. Gegen das absurd übertriebene und recht blutige Finale ist an sich nichts zu sagen, wohl aber gegen einen Schlussgag, der für den einfachen Kinogänger gemacht zu sein scheint. Im Lichte des billigen Endes könnte man fast geneigt sein, die Meinung über den Film im Nachgang noch einmal zu ändern und sich auch bei anderen Szenen des Film zu fragen, ob nicht vielleicht doch eher dümmlicher Schülerhumor als ironischer Hintersinn Pate gestanden hat. Und ehe er noch nöliger wird, lieber schnell online mit dem Text!

Bild © Sony
 

Attenberg (Athina Rachel Tsangari, Griechenland 2010)

Posted by – 15. Mai 2012

Mein Traum von heute Nacht: Ich war im Berliner Kino Arsenal bei einer Veranstaltung. Es wurde ein Film gezeigt über den im Anschluss mit einem Filmwissenschaftlicher diskutiert werden konnte. Der Film, ich weiß nicht mehr welcher es war, kam bei Publikum nicht so gut an. Nach vielen Buh-Rufen wurde der er abgebrochen und gleich mit der Diskussion gestartet. Mensch Leute, ich wollte den Film sehen! Außerdem könnt ihr doch jetzt schlecht diskutieren, wenn ihr gar nicht wisst, worüber! Ich war gerade dabei, mich rechtschaffend zu empören, da bin ich aufgewacht.

„Attenberg“, der zweite Film der Griechin Athina Rachel Tsangari, hat mit meinem Traum eigentlich gar nichts zu tun. Da ich ihn aber vor ein paar Tagen im Arsenal gesehen habe, hat er mich wohl einfach daran erinnert, dass ich noch gar nichts zum Film aufgeschrieben habe.

Marina (Ariane Labed) mag Tierdokumentationen von David Attenborough, den sie Attenberg nennt. Und auch sonst ist die junge Frau keine durchschnittliche Vertreterin der Gattung Mensch. Wie ihre Artgenossen leben und lieben, das alles ist ihr fremd. Ihre einzigen Bezugspersonen sind ihr todkranker Vater, ein kauziger und zeitkritischer Architekt und ihre Freundin Bella, mit der Marina Küssen und Tanzschritte einübt. Doch dann wird Marina, die als Fahrerin für ein Unternehmen arbeitet, ein neuer Fahrgast zugeteilt und sie beschließt, ihrem Vorbild Attenberg nachzueifern und selbst die (Liebes-)Geheimnisse ihrer Artgenossen zu erforschen.

Um „Attenberg“ zu verstehen, muss man wohl selbst noch ein wenig Forschung in den Film stecken. Tsangari hat es jedenfalls augenscheinlich nicht darauf angelegt, dass sich ihr Film leicht entschlüsseln ließe. Ungeachtet dessen ist es faszinierend,  Marina dabei zuzusehen, wie unbeholfen, dabei aber gleichzeitig eine vereinnahmend Ehrlichkeit an den Tag legend, durchs Leben stakt. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mit dem Film meine Schwierigkeiten hatte. Am Anfang habe ich mich unruhig auf meinem Sitz gewunden. Die Grenze zur Genervtheit wurde zwar nie überschritten, aber sie war eine Zeitlang in Sichtweite, wohl auch deswegen, weil mir die Skurrilität der Szenen anfangs etwas zu bemüht vorkam. Doch irgendwie hat mich der „Attenberg“ dann doch noch in seinen Bann gezogen. Vielleicht lag es vor allem an Marinas Beziehung zu ihrem Vater (ebenfalls eine sehr interessante Figur!). Irgendwo hier, in dem Leben das die beiden zusammen hatten, das aber vor dem erzählten Film liegt, scheint der eigentlich interessante Kern der Geschichte zu stecken.  Denn – soviel ist sicher – irgendwas ist in Marinas Erziehung gehörig schief gelaufen. Gleichzeit stellt sich allerdings die Frage, ob das wirklich so schlimm ist.

Nach dem Film gab es im Arsenal übrigens noch eine Diskussion mit der Regisseurin. Die habe ich mir allerdings nicht mehr angehört. Und jetzt muss ich komischerweise wieder an meinen Traum von heute Nacht denken.

Bild © Rapid Eye Movies
 

End Of Animal (Sung-Hee Jo, Korea 2010)

Posted by – 14. Mai 2012

Die einzige Zeitangabe, auf die in „End Of Animal“ Verlass ist, ist der Countdown des Fremden (Park Hae-il), den Sun-young (Lee Min-ji) in ihrem Taxi mitnimmt. Danach werden alle Zeitangaben unzuverlässig. 5 Minuten sind 30 Minuten sind eine Ewigkeit. Nach Ablauf des Countdowns ist die Welt eine andere. Sun-young irrt durch ein unwirkliches koreanisches Nirgendwo, trifft einen Jungen, ein reiches Pärchen, einen Mann mit einem Fahrrad bis sie zum Schluss, dem absoluten Ende, auch noch einmal den Fremden aus dem Taxi wieder trifft.

Regisseur Sung-Hee Jo, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, lässt in seinem Debütfilm keinen Zweifel daran, wie es um die Menschheit steht. Die Personen, die Sun-young trifft, entpuppen sich allesamt als seelenlose Wesen, die den eigenen Vorteil über alles stellen. Der Junge (Park Se-jong) zeigt sich bald sich als aggressiver Egomane, die Frau als diebische Elster, der Mann auf dem Fahrrad (Yoo Sung-mok) als gefährlicher Psychopath. Das alles ist durchaus stimmungsvoll, mitunter aber auch zäh. Aber vielleicht muss der Weltuntergang etwas langweilig sein. Wäre er unterhaltsam, würde der Zuschauer ja gar nicht schnallen, dass die Apokalypse, naja – irgendwie nicht gut ist. Dazu passt, dass die schwangere Sun-young, die für den Zuschauer bei aller Tristesse eine Art Ankerpunkt ist, sich am Ende als ebenso banales Wesen entpuppt wie alle anderen Figuren des Film auch.

„End Of Animal“ scheint so etwas sein zu wollen wie die koreanische Antwort auf Becketts „Warten auf Godot“ und Satres „Geschlossene Gesellschaft“. Am Ende ist jede Hoffnung, der Mensch könne mehr sein als ein Tier, über Bord geworfen. Was mir allerdings als letzte Wahrheit nicht besonders interessant und darüber hinaus einigermaßen widersprüchlich vorkommt. Tiere schauen schließlich keine Filme.

Bild © Rapid Eye Movies
 

Slither (James Gunn, USA 2006)

Posted by – 14. Mai 2012

Dass so ein Komet mal irgendetwas Schönes, Freundliches zur Erde bringt, ist sicher nicht die Regel. Auch bei James Gunns Debüt „Slither“ hat der Himmelskörper, der nahe der Kleinstadt Wheelsy abstürzt, für ihre Bewohner nichts wirklich Gutes, sondern wieder einmal nur eine gemeingefährliche außerirdische Lebensform dabei. Und so nimmt die Geschichte  ihren Gang:  Weil seine Frau Starla (Elizabeth Banks) ihn abgewiesen hat, wandert der sexuell frustrierte   Grant (Michael Rooker) durchs nächtliche Wheelsy. Statt einem amourösen Abenteuer findet Grant allerdings nur einen außerirdischen Parasiten, der den Mann in ein fleischfressendes, unförmiges Monster verwandelt. Sheriff Bill Pardy (Nathan Fillion) und eine Gruppe Dorfbewohner machen sich auf, den Mutanten zur Strecke zu bringen. Das mit mäßigem Erfolg.

Sein Debüt wirkt wie ein Fan-Film. In „Slither“ hat James Gunn so ziemlich alles untergebracht, was es je in Alien-Invasion-Filmen der letzten Jahrzehnte gab. Hinabstürzende Meteoriten, schleimige Würmer, Menschen, die außerirdischen Parasiten als Wirte dienen, große, unförmige Monster, die sich von rohem Fleisch ernähren und wachsen bis sie platzen, Blut, das ätzend ist wie Säure und vieles, vieles mehr. „Slither“ ist damit so eine Art best of. Habe ich mich bei ersten Gucken noch darüber gefreut, dass er für Fans solcher Filme so gut wie keine Wünsche offen lässt, habe ich es eben, bei der Zweitsichtung, als sehr positiv empfunden, dass Gunn der Mehrheit seiner Figuren mit dem nötigen Respekt begegnet und sie nicht zu charakterlosem Mutantenfutter degradiert. Die fast schon tragische Dreiecksgeschichte zwischen Nathan Fillion (wie immer sehr witzig), Elizabeth Banks und Michael Rooker, die durch die Mutation von letzterem ins grotesk-dramatische übersteigert wird, ist nur ein Beispiel für die gelungene Chemie zwischen den Figuren.

„Slither“ ist bestimmt kein Meisterwerk. Dazu ist er nicht originell genug. Ein handwerklich guter, in gewisser Weise kompromissloser und gleichzeitig sehr humorvoller Film ist er dennoch. Wenn die infizierten Personen sich über ihren schrecklichen Hunger beklagen während sie alles in sich reinstopfen, kann man das durchaus auch auf den Film in seiner Gesamtheit beziehen. James Gunn hat schreckliche Lust, Filme zu machen und alles in sein Debüt gestopft. Dass er, wenn er etwas maßvoller agiert, noch um ein vielfaches effizienter sein kann, hat er ja schließlich  in seinem zweiten Spielfilm „Super“ gezeigt.

Bild © Universal
 

My Neighbor Totoro (Hayao Miyazaki, Japan 1988)

Posted by – 14. Mai 2012

Satsuki und die kleine Schwester Mei ziehen mit ihrem Vater in ein Haus auf dem Land. Sie wollen näher bei ihrer Mutter sein, die sich in einer nahen Klinik von einer schweren Krankheit erholt. In das Haus, das von vielen geheimnisvollen Wesen bewohnt scheint, verlieben sich die beiden Schwestern sofort. Als Mei eines Tages eine kleine, seltsame Kreatur entdeckt und ihr in den Wald folgt, lernt sie im Inneren eines riesigen Baumes den flauschigen Riesen Totoro kennen. Es dauert nicht lange und Mei, Satsuki und Totoro sind gute Freunde.

Durch Kinderaugen gesehen ist die Welt eine andere. Für Mei und Satsuki ist sie voller Geister und wunderbarer Geschöpfe. Ihr Vater, Professor Tsakabe, tut allerdings nicht, was Erwachsene in ähnlichen Filmen (und im echten Leben?) gerne tun: ihre Kinder belehren, was es gibt und was nicht. Eltern wünschen sich fantasievolle Kinder, aber diese seltsamen Gedanken haben bitteschön der Realität nicht in die Quere zu kommen und hinter hohen Mauern im Reich der Fantasy zu bleiben. Bei Hayao Miyazaki gibt es diese Trennung nicht. Es gibt keine Mauern, keine Ausgrenzung und ebenso wenig eine zwanghafte Einteilung in Gut und Böse. Auch wenn Tsakabe Totoro nicht sehen kann, nimmt er die Realität seiner Töchter als gleichberechtigt an. Er versucht nicht, ihnen ihre guten Geister auszureden, sondern akzeptiert ihre Welt voll und ganz. Dass so eine Einstellung ihr Gutes hat, auch wenn sie mit „normalen“ Realitätskonzepten kollidiert, wird in „My Neighbor Totoro“ (OT: Tonari no Totoro) offensichtlich. Immerhin findet Satsuki mit Hilfe Totoros und des tollen Katzenbusses ihre kleine Schwester wieder. Und auch die Mutter der beiden wird bestimmt ganz schnell wieder gesund. Mei, Satsuki und Totoro haben ihr schließlich einen super gesunden Maiskolben vorbei gebracht.

Ich bin immer noch ganz beschwingt von diesem Film, den ich gestern, mit Werbeunterbrechung und seltsamer deutscher Synchro im TV gesehen habe (eine Buddha-Statue wurde, wenn ich mich nicht verhört habe, mit lieber Herr Jesu angesprochen, die Bento-Box mit Butterbrot übersetzt). „My Neighbor Totoro“ ist ein Film voller Wunder und dadurch ein ganz wunderbarer Film. Also keine Angst, liebe Eltern. Wenn ihr euren Kindern oder auch euch selbst einmal etwas Gutes tun wollt, lasst die Finger von dem honigsüßen, aber ungesunden Disneyzeug und legt Totoro oder einen anderen Film von Hayao Miyazaki ein.

Bild © Universum
 

Howling III: The Marsupials (Philippe Mora, Australien 1987)

Posted by – 12. Mai 2012

Ich mag zwar Monster aller Art, habe aber kein besonderes Faible für Werwolffilme. Bisher dachte ich, dass das vielleicht auch an den oft wenig ansprechenden Werwolfkostümen liegen könnte. Seit „Howling III“ von Philippe Mora weißt ich aber sicher, dass es damit nichts zu tun hat, denn: schlechtere Kostüme als hier sind kaum möglich. Und trotzdem fand ich den Film einfach nur geil.

Der Anthropologe Professor Harry Beckmeyer (Barry Otto) ist sich sicher: Es gibt Werwölfe. Vom Präsidenten persönlich bekommt er den Auftrag, entsprechenden Berichten nachzugehen. Seine Spur führt ihn in ein australisches Dorf. Währenddessen in Sydney: Als Donny (Leigh Biolos) die wunderschöne Jerboa (Imogen Annesley) sieht, weiß er sofort – die Frau ist wie geschaffen für den Film. Er überredet die Schönheit, am Werwolffilm des Horrorregisseurs Jack Citron (Frank Thring) mitzuwirken. Was Donny nicht ahnt: Jerboa ist wirklich ein Werwolf.

Drei Gründe, warum „Howling III“ ein toller Film ist. Erstens: Er ist Fantasy im allerbesten Sinne. Genregrenzen existieren hier nicht. Man kann sogar behaupten, dass Mora das Lykanthrop-Genre neu erfindet. Seine Ideen bestimmen die Struktur des Films und nicht umgekehrt. Zweitens (hängt mit erstens zusammen): Um einen Film zu entdecken, der dermaßen mit den Erwartungen spielt (oder vielmehr: sich um diese gar nicht kümmert), findet man selten. „Howling III“ ist wirklich nie vorhersehbar und auch aus diesem Grund äußerst unterhaltsam. Drittens: Ich habe schon lange keinen „Horror“film mehr gesehen, der eine so schöne, im positiven Sinne gutgemeinte Geschichte der Toleranz und  interkulturellen Verständigung erzählte. Ich bin fast versucht, ihn aus diesem Grund mal in meinem Seminar zu zeigen. Und als vierten Grund, der sehr für „Howling III“ spricht, also Bonus-Grund quasi, möchte ich gerne noch den Papst anführen. Er hat wahrscheinlich selten eine bessere Tat getan, als in diesem Film.

Natürlich muss man, was die Kostüme und Special-Effects angeht, Abstriche machen. Wenn sich die drei Nonnen, die Jerboa zurückholen wollen, in Werwölfe verwandeln, sehen sie eher wie Wersäue aus; und auch die diversen Verwandlungsszenen sind alles andere als perfekt. Und trotzdem hat es Philippe Mora irgendwie geschafft, dass diese Mankos allesamt nicht weiter ins Gewicht fallen. Und jetzt bin ich schon sehr gespannt auf „Howling II: Stirba – Werewolf Bitch“, der auf der IMDB mit einer Wertung von 2,9/10 abgestraft wurde. Das sind immerhin 0,2 Prozentpunkte mehr als bei „Howling III: The Marsupials“. Es wird also voraussichtlich noch besser werden.

Bild © Best Entertainment
 

The Perfume Of The Lady in Black (Francesco Barilli, Italien 1974)

Posted by – 6. Mai 2012

Hiermit bringe ich die Reihenfolge der Texte in diesem Blog durcheinander. Eigentlich möchte ich meine Gedanken direkt nach Filmsichtung notieren, damit der Eindruck möglichst frisch ist. Im Falle von Francesco Barillis Debüt „The Perfume Of The Lady in Black“ (OT: Il profumo della signora in nero) sind jetzt allerdings schon mehrere Wochen vergangen, dass wir ihn im Rahmen unseres wiederbelebten Videoabends gesehen haben, und ich merke, dass meine Erinnerung schon jetzt sehr blass geworden ist. Trotzdem möchte ich den Film, der mir insgesamt gut gefallen hat, nicht ohne ein paar Worte davon kommen lassen.

„The Perfume Of The Lady in Black“ handelt von Silvia Hacherman (Mimsy Farmer), die eines Abends im Spiegel eine fremde Frau erblickt. Doch das ist erst der Anfang einer Reihe unheimlicher Erlebnisse, mit denen sie konfrontiert werden wird. Haben ihre zwielichtigen Freunde etwas damit zu tun? Oder verliert Silvia einfach den Verstand?

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen bei diesem Film. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich bisher nichts dazu geschrieben habe. „The Perfume Of The Lady in Black“ beginnt angenehm langsam und es dauert ein wenig, bis der Zuschauer die Stoßrichtung des Films erkennt und sich die unheimlichen Vorzeichen häufen und schließlich in einem splattrigen Finale kulminieren. Was mir gefallen hat: Mimsy Farmer. Anfangs wirkt ihre Figur Silvia noch selbstbewusst, mit beiden Beinen im Leben stehend, doch nach und nach entgleitet ihr die Realität. Man kann sich an Polanskis „Ekel“ (Frau dreht durch), „Rosmaries Baby“ (zwielichtige Freunde und Nachbarn) oder auch gelegentlich an Hitchcocks „Psycho“ erinnert fühlen. Ich musste auch sofort an „Spasmo“ denken, auch wenn die Atmosphäre beider Filme völlig unterschiedlich ist. Doch zwischen Christian und Silvia gibt es einige Parallelen. Ebenfalls wunderbar bei „The Perfume Of The Lady in Black“ ist die Inneneinrichtung der Räume, die einem das Gefühl vermittelt, auf einem Drogentrip zu sein. Und das passt ja auch zur Geschichte. Nicht so gut gefallen haben mir die anderen Figuren, z.B. Roberto (Maurizio Bonuglia), Silvias Lover, dem man anmerkt, dass er in dem Film eigentlich gar keine richtige Funktion erfüllt. Kein Wunder: In den Extras der DVD erfährt man, dass sein Charakter nachträglich in das Drehbuch integriert wurde. Als Romantic Interest war er ein Zugeständnis an das finanzierende Studio. Aber auch die Wendung, die der Film ganz am Ende nimmt, esist mir nicht ganz geheuer. Sicherlich, das Thema Schwarze Magie wurde schon vorher angesprochen, das Finale war für meinen Geschmack etwas zu abgehoben und losgelöst vom Rest.

Im Moment ist „The Perfume Of The Lady in Black“ für mich ein sehr eigener Film und eine interessante, visuell ansprechende Mischung aus Giallo, Psychothriller und Okkultismusspuk – wobei auf den letzten Aspekt meinethalben hätte verzichtet werden können. Eine abschließende Meinung kann ich mir gerade noch nicht bilden.

Bild © Raro Video / Nocturno
 

Eden Lake (James Watkins, UK 2008)

Posted by – 5. Mai 2012

Ich gebe zu,  „Eden Lake“ hatte es gestern nicht leicht, nachdem ich zuvor den tollen „Don’t Look Now“ auf großer Leinwand sehen durfte. Aber ich denke, es lag nicht nur an meiner Stimmung, dass James Watkins Film nicht überzeugen konnte. Die Story (Pärchen macht Urlaub auf dem Ländle und gerät dort mit einigen verrohten Einheimischen aneinander) ist nicht neu, auch, wenn wir es diesmal nicht mit amerikanischen Rednecks, sondern Jugendlichen in der englischen Provinz zu tun haben. Auch sind Kelly Reilly und Michael Fassbenden sicherlich besser Schauspieler als der Großteil der Darsteller in ähnlichen Produktionen. Und James Watkins macht seinen Job in seinem Regiedebüt nicht einmal sonderlich schlecht. Dennoch schafft er es an keiner Stelle, sich freizuspielen. Wenn man nichts Gutes sagen kann, soll man ja schweigen. Deswegen mache ich es kurz: Egal von welcher von welcher Seite man es beleuchtet, „Eden Lake“ sticht nirgend heraus, grenzt sich nicht ab, erhellt keine besonderen Aspekte der Geschichte (das Thema Jugendgewalt hätte sich hier ja angeboten..) und wird dadurch trotz guter Ausgangslage zu einer doch recht ermüdenden Angelegenheit.