Month: Juni 2012

Phantasm (Don Coscarelli, USA 1979)

Posted by – 30. Juni 2012

Hat der unheimliche, riesenhafte Bestatter (Angus Scrimm) gerade tatsächlich einen Sarg allein in den Leichenwagen gehoben? Mike (A. Michael Baldwin), der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem älteren Bruder Jody (Bill Thornbury) in Oregon lebt, traut seinen Augen nicht. War das nur eine Sinnesträuschung? Aber auch in den folgenden Tagen fällt Mike im Umkreis des Bestattungsinstituts immer mehr Sonderbares auf. Doch niemand glaubt ihm.

Die Geschichte von Don Coscarelli beginnt klassisch, wird im weiteren Verlauf aber immer fantastischer, so dass ich diejenigen, die den Film noch nicht kennen, vor dem Weiterlesen warnen möchte. Ich denke, das Skurrilitäten-Kabinett von „Phantasm“ lässt sich am besten genießen, wenn man so wenig wie möglich weiß.

Denn Mike findet bald heraus, dass der Bestattungsunternehmer, der Tall Man, in seiner Bestattungshalle menschliche Körper zu Zwergen schrumpft und sie durch ein Portal in eine andere Dimension veschickt, wo sie als Sklaven arbeiten müssen. Aber auch auf Erden sind sie dem Hünen zum Gehorsam verpflichtet, weswegen Mike, nachdem er das Geheimnis des Tall Man gelüftet hat, auch bald von den gefährlichen kleinen Wesen verfolgt wird. Zusammen mit seinem Bruder und dessen Freund Reggie (Reggie Bannister) versucht Mike den Spuk aufzuhalten.

Der damals erst 22-jährige Don Coscarelli hat den Film, das erkennt man an jeder Szene, mit vollem Einsatz gedreht. Er selbst ist für Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt verantwortlich, die Schauspieler setzen sich größtenteils aus Freunden und Bekannten zusammen – und auch seine Familie hat Coscarelli in das Projekt einbezogen. Dass der kaum 650.000 $ teure Film handwerklich schon aus diesem Grund nicht perfekt sein kann, versteht sich von selbst. Schneiden z.B. gehört anscheinend weniger zu Coscarellis Talenten und auch das Drehbuch ist offensichtlich nicht vollends durchdacht. Doch nicht nur die zweifellos ebenfalls vorhandenen Stärken, die „Phantasm“ auszeichnen, nein, es sind in diesem Fall auch die Unzulänglichkeiten, die ihn zu etwas Besonderem machen. So hebt sich z.B. die Szenenfolge, die statt einer normalen Erzähl- zuweilen eher einer assoziativen Traumlogik zu folgen scheint, von anderen Horrorfilmen durchaus ab. Der Eindruck des Traumhaften wird durch das naiv-monotone, aber auch sehr treibende Thema von Myrow und Seagrave noch verstärkt.

Mich erinnert „Phantasm“ ein wenig an Romane von Stephen King, in deren Zentrum ja auch häufig Jugendliche und ihr erster Kontakt mit dem Bösen steht. Solche Romane oder eben auch Filme wie „Phantasm“ sind ein Fenster in die Vergangenheit. Durch sie können wir einen Blick erhaschen auf die Zeit als unsere wildwüchsigen Ängste noch nicht durch Logik und Rationalität beschnitten worden waren. Damals wussten wir noch, dass unter jedem Bett ein Killerzwerg und hinter jedem Spiegel ein großer, böser Mann lauern konnte.

Bild © Anchor Bay
 

Scream-Trilogie (Wes Craven, USA 1996/1997/2000)

Posted by – 24. Juni 2012

Wochenende. Nichts zu tun. Ein guter Zeitpunkt, mich noch einmal zu vergewissern, was ich eigentlich von Wes Cravens „Scream“-Trilogie halte. Schließlich ist es schon über 10 Jahre her, dass ich die Filme das letzte Mal gesehen habe.

In Scream terrorisiert ein maskierter Killer das Städtchen Woodsboro. Ein Teenager nach dem anderen fällt ihm zum Opfer. Nur die tapfere Sidney Prescott (Neve Campbell) stellt sich dem Meuchelmörder in den Weg.  Viel mehr muss man zu der wirren Geschichte, die sich daraus entspinnt, eigentlich gar nicht sagen.

Zu den Stärken von Teil 1 gehört auf alle Fälle der brillante Prolog: Die junge Casey Becker (Drew Barrymore), die eigentlich nur einen schönen Videoabend mit ihrem Freund verbringen wollte, wird von einem unheimlichen Anrufer belästigt, der mit ihr ein „Frage-und-Antwort-Spiel“ zum Thema Horrorfilme spielen will. Das Spiel endet mit ihrem Tod. Meiner Meinung nach wird die Kraft dieses fulminanten Auftakts im Folgenden kaum noch erreicht. Eine Szene, die da vielleicht noch mithalten kann, ist die in der Garage:  Als Tatum Riley (Rose McGowan) auf einer Party gerade Bier holen will, trifft sie  auf den Killer, den sie erst für ihren Freund hält. Hier stimmt das Verhältnis von guter Idee, Spannung und dem richtigen Quäntchen Augenzwinkern. Noch. Was mich auch schon zu den Dingen bringt, die mir am ersten Teil nicht gefallen. Ich will mich hier nicht in Kleinigkeiten verrennen, denn der erste Teil ist wirklich ein größtenteils sehr spannender Film, der dem Genre noch mal eine neue Richtig gegeben hat. Was mich allerdings wirklich nervt und mir den Spaß verleidet, ist zum einen der ewig grimassierende Stuart (Matthew Lillard), an dem alles so übertrieben und unnatürlich ist, dass ich dem nichts abgewinnen kann. Aber auch die anderen Figuren sind nur Stichwortgeber, Dialogaufsager und Opfer für den Killer. Selbst Sidney, das Final Girl, hat keine besonderen Eigenschaften. Und die Liebesgeschichte zwischen ihr und Billy (Skeet Ulrich) funktioniert, nebenbei gesagt, auch nicht.

Auch Scream 2 zwei beginnt spannend. Schauplatz des Prologs ist diesmal ein Kino, in dem „Stab“ (ein Film über die Ereignisse in Teil 1) gezeigt wird. Obwohl das Kino gut gefüllt ist, schafft es Ghostface, der maskierte Killer, eine Frau im Kinosaal umzubringen und unbemerkt zu entkommen. Austragungsort der weiteren Geschichte ist ein College, an dem auch Sidney Schülerin ist.

In Sachen Spannung kann dieser Teil dem Vorgänger keine Zacken aus der Krone brechen, auch wenn es den einen oder anderen Gänsehautmoment gibt. Erfreulicher Weise sind die Figuren weniger nervig als im Vorgänger, leider auch ziemlich uninteressant. Da reißt auch Liev Schreiber nichts. Der spielt Cotton Weary, den Mann, der ein Jahr zu unrecht für den Mord an Sidneys Mutter einsaß. Hinzu kommt wieder die charakteristische Selbstbezüglichkeit, die hier allerdings eher unbeholfen als pfiffig wirkt. Auch, dass der Killer nur ein Mensch ist, der durchaus mal stolpert oder gegen eine Tür läuft, beginnt ab diesem Teil unlustig zu werden. Eigentlich ist „Scream 2“ ganz treffend damit beschrieben, dass lediglich die Elemente des ersten Teils variiert werden. Neue Einfälle konnte ich nicht mehr ausmachen. Neu ist nur, dass auf Logik und Plausibilität völlig verzichtet wird. Eine Referenz an andere Slasher? Wenn ich meine Lieblings-Szene in „Scream 2“ wählen sollte, wäre es vermutlich, als der Killer Cici (Sarah Michelle Gellar) vom Balkon schmeißt: Dies geschieht mit einer solchen Beiläufigkeit, die auf mich bei den ganzen Bezügen, Referenzen und prätentiösen Metagetue einfach nur wohltuend wirkt.

Nach Teil 2 ist es mir dann gar nicht leicht gefallen, Scream 3 einzulegen. Aber was muss, das muss. Verglichen mit den anderen beiden Teilen ist schon der Auftakt schwach: Der Ghostface-Killer hat einen elektronischen Stimmimitator, den er gleich erst mal dazu benutzt, um Cotton Weary und dessen Freundin umzulegen. Und schwach geht’s auch weiter: Der Killer metzelt sich am Set des Drehs zu „Stab 3 durch die Beteiligten.

Wenn man alle Teile nacheinander schaut, wird einem umso mehr bewusst, dass nach dem guten Auftakt nichts Neues mehr kommt. Was überraschen soll überraschen nicht mehr (wenn man für Überraschungen das Stilmittel „Stimmenimitator“ bracht, ist man sowieso auf verlorenem Posten), die Witze sind immer die gleichen und die oft gelobte Meta-Perspektive erschöpft sich (eigentlich schon ab Teil 2) darin, dass die Figuren ständig über die Genre-Regeln des Slashers plappern müssen. Jedenfalls war „Scream 3“ für mich der langweiligste Teil der Trilogie. Gegen Ende fragt der Killer Sidney, ob sie nicht wissen wolle, wer ihre Mutter getötet hat und überhaupt hinter den ganzen Morden stecke. Mir zumindest war das zu diesem Zeitpunkt schon schnurzpiepegal.

Soviel meine Notizen zu den ersten drei Teilen. (Ich habe gerade das Gefühl, dass ich alles Wichtige weggelassen habe). Noch ein Hinweis. Auch wenn ich bisher immer von „Trilogie“ gesprochen habe, ist mir natürlich bewusst, dass Wes Craven letztes Jahr neu angesetzt und Scream 4 nachgeschoben hat. Meine Meinung dazu, die dann doch erstaunlich positiv ausfiel, kann man hier nachlesen.

Bild © Studiocanal
 

Prometheus (Ridley Scott, USA 2012)

Posted by – 23. Juni 2012

Der Weltraum, unendliche Weiten. Möglicherweise stammt der Keim, der das Leben auf der Erde möglich machte, von irgendwo dort oben. Und  vielleicht lauert in der endlosen Finsternis auch der Anfang vom Ende.

Nachdem ich gerade schon für das Multimania Magazin einen Artikel zu „Prometheus“ geschrieben habe, hier nur in Kürze einige Gedanken zum Film, kritische Anmerkungen, die sicherlich berechtigt wären, einmal außen vor gelassen. Nach den letzten Filmen von Sir Ridley Scott – und ich meine damit seine Filme der letzten zwanzig Jahre – dachte ich: von dem Mann können wir nichts mehr erwarten. Wirklich schlecht waren sie, vielleicht bis auf „G.I. Jane“, wohl alle nicht, dazu ist Scott einfach ein zu routinierter Regisseur, aber richtig gut gefallen hat mir eben auch nichts. Doch ich habe Scott wohl zu früh abgeschrieben. Mit „Prometheus“ ist ihm, meiner Meinung nach, ein sehr spätes, dafür aber umso erfreulicheres Comeback gelungen.

Die Forscher Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) finden Hinweise darauf, dass die Erde vor langer Zeit schon einmal von Außerirdischen besucht wurde. Die Spur führt ans andere Ende des Universums, zum Mond LV-223. Die mächtige Weyland Corporation schickt die Wissenschaftler samt Team zu dem Mond, um auf ihm dem Ursprung des Lebens nachzuspüren. Doch statt Leben wartet dort nur Tod auf die Crew.

In Scotts Film ist Prometheus der Name des Raumschiffs, das die Forscher zu ihrem Ziel bringt. Natürlich hat es mit dem Filmtitel noch mehr auf sich, schließlich erschuf nach griechischer Sage der Titan Prometheus den Menschen und auch im Film geht es um den Ursprung des Lebens. Dabei erschafft Scott in gewisser Weise sich selbst, vor allem aber den Alien-Mythos neu. Das Alien wird in „Prometheus“ als Symptom einer weit größeren Gefahr interpretiert. Ich vermute, dass diese Neuinterpretation vielen treuen Alien-Fans gegen den Strich gehen wird, aber ich denke, Scott hatte keine Wahl als das Projekt auf eine andere Ebene zu hieven, nur hierdurch konnte er sich freispielen und die Möglichkeiten schaffen, eine spannungs- und überraschungsreiche Geschichte zu beginnen, die sogar noch den mit Sicherheit kommenden Sequels die Chance zum Ausbau bietet. Und vielleicht wird Scott (oder sein Nachfolger) sogar noch etwas mutiger sein und sich von der alten Alien-Reihe ganz lösen, um die mit „Prometheus“ vielversprechend begonnene  neue Reihe kompromisslos weitererzählen.

Bild © Twentieth Century Fox
 

„Night Train Murders“ (Aldo Lado, Italien 1975)

Posted by – 23. Juni 2012

Margaret (Irene Miracle) und Lisa (Laura D’Angelo) wollen mit dem Zug von München nach Italien, um mit Lisas Eltern gemeinsam Weihnachten zu feiern. Im Zug stoßen sie auf  zwei Kriminelle, Blackie (Flavio Bucci) und seinen heroinsüchtigen Kumpel Curly (Gianfranco De Grassi), die auf der Flucht vor der Polizei sind. In Innsbruck müssen Margret und Lisa allerdings umsteigen – und finden sich auf einmal in einem fast verlassenen Nachtzug mit den beiden Ganoven wieder.

Zunächst war ich sehr skeptisch, als ich Aldo Lados „Night Train Murders“ (OT: L’ultimo treno della notte) eingelegt habe. Weder habe ich ein Faible für Terror-Filme im Allgemeinen, noch kann ich mit Wes Cravens „Last House On The Left“ (1972) besonders viel anfangen, als dessen heimlicher Nachfolger „Night Train Murders“ manchmal bezeichnet wird. Auch nach dem Film bin ich immer noch kein sonderlich großer Freund des Genres, muss aber zugeben, dass er mich positiv überrascht hat. Schon die ersten Minuten, in denen zu seltsamer Schlagermusik Rüpel Blackie und Curly einen Weihnachtsmann verkloppen und ausrauben, haben was und deuten die Stoßrichtung des Films an; im weiteren Verlauf steigern sich Lado und sein Team, Kameramann Gábor Pogány und Cutter Alberto Gallitti, visuell, aber auch in Sachen Suspense immer mehr und zeigen, dass sie echte Könner sind. Und auch der Score ist von Ennio Morricone und wie in dessen musikalischem Opus Magnum „Once Upon A Time In The West“ (OT: C’era una volta il West) wird auch in „Night Train Murders“ eine traurige Melodie, die von der Trostlosigkeit des Diesseits erzählt, mit einer Mundharmonika gespielt.

Aber nicht nur was die Form betrifft, auch inhaltlich, ist „Night Train Murders“ trotz der großen Ähnlichkeit lange nicht so ein Schmarrn wie „Last House On The Left“. Interessant ist, dass Blackie und Curly anfangs in gewisser Weise sogar noch als eine Art Rebellen dargestellt werden, die sich über gesellschaftliche Normen hinwegsetzen und dabei sogar schon mal deutlich machen, dass auch hinter der bürgerlichen Fassade nicht als Gold ist, was glänzt. Als sie z.B. eine Gruppe älterer Herren im Zug mit einem Hitler-Gruß grüßen, salutieren die Alt-Nazis reflexartig zurück. Im verlassenen Nachtzug übertreten die beiden Männer dann allerdings die letzte Grenze – und fallen über Margaret und Lisa her. Doch auch hier bleibt „Night Train Murders“ interessant. Denn auch wenn die beiden Männer zweifellos die Aggressoren sind, sorgt doch eine geheimnisvolle, offensichtlich wohlhabende Frau (Macha Méril), die Blackie im anderen Zug kennengelernt hat und die seitdem die beiden Männer begleitet, erst für die Atmosphäre, welche die Situation eskalieren lässt.

Zum Schluss holt das Establishment die beiden „Freidenker“ allerdings in Form von Lisas Eltern wieder ein und sie müssen dafür büßen, dass sie sich radikal außerhalb aller Normen bewegt haben. Dass es aber letzten Endes die Gesellschaft ist, die Gewalt hervorbringt, ist in „Night Train Murders“ immer mitgedacht. Bestraft werden die gesellschaftlich Schwachen. Die reiche Dame aus dem Zug richtet ihren Schleier und macht sich von dannen.

Bild © Shameless
 

Torso (Sergio Martino, Italien 1973)

Posted by – 16. Juni 2012

Es gab Fenchel-Kartoffel-Suppe, frisches Brot, Butter, Käse. Und zu trinken einen Chardonnay. Dann: Erdbeeren als Nachtisch und ein Gläschen Chatreuse, um die Sache abzurunden. Dazu Gespräche über den Unterschied zwischen Massenmördern, Serienkillern, Amokläufern, Terroristen und politischen Attentätern, die in eine Diskussion über Zurechnungs- und Schuldfähigkeit mündeten. Soweit so schön. Dann war mit „Torso“ (OT: I corpi presentano tracce di violenza carnale) der Film für den gestrigen Videoabend an der Reihe. Und schon bald haben wir uns, glaube ich, alle an den Küchentisch zurückgewünscht. Denn „Torso“, aka „Die Säge des Teufels“, ist, seiner Bekanntheit und dem reißerischen internationalen Titel zum Trotz, nach meinem derzeitig Geschmacks- und Kenntnisstand, ein eher schwacher Vertreter des italienisches Thriller-Subgenre namens Giallo.

Ein Serienkiller erwürgt attraktive Studentinnen der Kunstgeschichte. Weil sie sich in der Stadt nicht sicher fühlen, fliehen die vier Freundinnen Daniela (Tina Aumont), Jane (Suzy Kendall), Katia (Angela Covello) und Ursula (Carla Brait) in eine abgelegene Villa. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass sie auch hier in Gefahr sind.

Dafür, dass die Giallo-Zutaten vorhanden sind und mir Martino durch „Der Killer von Wien“ (OT: Lo strano vizio della Signora Wardh) eigentlich als ordentlicher Regisseur in Erinnerung war, ist „Torso“ doch ein überraschend lahmer, uninspirierter und spannungsarmer Film geworden. Die Geschichte ist lieblos zusammengeklaubt, die Auflösung wirkt völlig beliebig und die Figuren sind durch die Bank uninteressant. Sinnlose Nacktszenen wechseln sich mit den Attacken des Killers ab. Und selbst die Morde – ein Aushängeschild des Giallo – sind, trotz einer gewissen Härte, langweilig in Szene gesetzt. Lediglich zwei Sequenzen ragen aus der trüben Filmsuppe ein wenig heraus: Zum einen, als die bekiffte Carol (Conchita Airoldi) nach einer Party in den Wald läuft, wo der Killer schon auf sie wartet. An sich völlig sinnfrei (warum geht sie in den Wald? warum ist der Killer schon da? etc.), kommt hier wenigstens mal etwas Stimmung auf. Leider ist dieser Moment schnell wieder vorbei. Etwas länger und noch etwas besser gelungen ist der Teil des Films, als der Killer die vier Mädchen im Haus überfällt. Anstatt dass der Zuschauer hier mit weiteren Mordszenen gelangweilt wird, geht es nach einem Cut aus der Perspektive von Jane (Suzy Kendell) weiter, die die Attacke des Killers schlicht verpennt hat und diesen nun beim Zerlegen der Leichen ihrer Freundinnen überrascht. Was nun folgt ist mit Sicherheit die beste Viertelstunde des Films. Die wiegt den mäßigen Gesamteindruck des Films allerdings nicht auf.

Ich vermute, dass ich „Torso“, abgesehen von den beiden eben genannten Szenen, schnell vergessen werde. Das Essen und die gestrigen Gespräche über Massenmörder werden mir bestimmt länger in Erinnerung bleiben.

Und noch ein Satz zum Satz auf dem Cover der Shameless-DVD. „Where Whores Meet Saws“ – der geht einfach gar nicht.

Bild © Shameless
 

Return Of The Living Dead (Dan O’Bannon, USA 1985)

Posted by – 16. Juni 2012

Vieles wird vom Regen fortgespült. Aber manches bleibt. Einer meiner Lieblingszombiefilme zum Beispiel: „Return Of The Living Dead“. Seine Atmosphäre und Tonalität sind in meinen Augen etwas besonderes, weil der Spagat zwischen Horror, Komik und Tragik hier so wunderbar gelungen ist. Vor ein paar Tagen habe ich ihn nach sehr langer Zeit endlich mal wieder gesehen und erfreut festgestellt, dass ich ihn immer noch herausragend finde.

Frank (James Karen) und Freddy (Thom Mathews), zwei Mitarbeiter eines medizinischen Versandhauses, öffnen versehentlich einen Behälter der US Army. Das daraus entweichende Gas hat die Eigenschaft, alles Tote wieder zum Leben zu erwecken. Die daraufhin Amok laufende Leiche aus dem Lagerraum können die beiden nur mit Hilfe von Versandhaus-Chef Burt (Clu Gulager) unschädlich machen. Die zuckenden Leichenteile im nahen Krematorium zu entsorgen erweist sich allerdings als keine gute Idee, denn der Rauch, der noch Spuren des gefährlichen Toxins 245 enthält, gelangt durch den Regen ins Grundwasser. Zu blöd, dass sich genau neben dem Krematorium ein Friedhof befindet…

Dan O’Bannon mag ein eigensinniger und schwieriger Mensch gewesen sein. Seinen Kollegen hat er es mit Sicherheit nicht immer leicht gemacht. Für viele Filmfreunde hingegen gilt er als Lichtgestalt. Er war ein großartiger Drehbuchautor wie er unter anderem bei „Dark Star“, „Alien“ und „Total Recall“ unter Beweis gestellt hat, ist aber auch, wie sich bei „Return Of The Living Dead“ zeigt, ein extrem fähiger Regisseur. Der Film, der in Deutschland unter dem unschönen Namen „Verdammt, die Zombies kommen“ vermarktet wurde, strotzt geradezu vor unzähligen kleinen Gags und charmanten Ideen. Aber auch der intellektuelle Überbau stimmt.

„You mean the movie lied? Oh jesus!“ Frank, Burt und Freddy sind schockiert als sie feststellen, dass man die Zombies nicht töten kann, indem man ihr Gehirn zerstört. Diese Erkenntnis gibt auch gleich die Marschrichtung für den Film vor, denn auch auf den Zuschauer warten einige kleine Genre-Variationen, die allerdings eine große Wirkung entfalten. Sowieso sind die Zombies bei O’Bannon sehr gelungene Vertreter ihrer Zunft. Was ihre Lust auf GEHIIIIRN betrifft, kennen sie keine Kompromisse, ansonsten zeigen sie sich aber als genreuntypisch individuell und erstaunlich intelligent. Besonders mitgenommen haben mich als Jugendlicher immer die langen Verwandlungsszenen, wenn lebende Menschen durch Toxin 245 infiziert werden. Freddy und Frank, die am Anfang des Films das Gift eingeatmet haben, erleiden nahezu den kompletten Film über dieses Schicksal. Leben ist Leiden, scheint O’Bannon zu finden, und am Ende wartet auf den Menschen weder Nirwana noch Himmel, sondern der unendliche Hunger auf Gehirne. Der rabenschwarze Grundton dieses vermeintlich lustigen Films ist kein Ausrutscher, sondern Konzept. Und es ist bestimmt auch kein Zufall, dass an dem Friedhofstor ein Grafitti prangt, das dem Zuschauer unmissverständlich klar macht: „No Future“.

Versteckt hinter allen Kautzigkeiten und Genrebestandteilen macht O’Bannon  philosophisches Kino, das von einer sehr pessimistischen Grundaussage geprägt ist. Das wurde auch schon bei seinem Erstlingswerk „Dark Star“ deutlich, aber auch bei vielen seiner anderen Filme ist dies zu erkennen. O’Bannon hat , behaupte ich mal, schon immer versteckt politisches Kino gemacht. Und auch „Return Of The Living Dead“ ist voll von kritischen Anspielungen. Dass es beispielsweise in seinem Film gar keine Möglichkeit gibt, die Zombies aufzuhalten, ist eine Zuspitzung der Aussage von Romeros Film(en), wo der Bedrohung ja zumindest prinzipiell – zum Beispiel durch einen schönen Kopfschuss –Einhalt zu gebieten war. Die Menschen haben die Nebenfolgen ihrer Technologien nicht mehr unter Kontrolle. Neuere, weitere Technologien sind darauf keine Antwort. In dieser Hinsicht ist O’Bannons Film sehr ätzend zeitkritisch und vermutlich auch weitsichtig. In diesem Zusammenhang darf auch das wunderschöne Ende nicht vergessen werden. „The Rain will wash everything away“ heißt es da. Dass dem nicht so ist, davon handelt dieser Film.

Bild © MGM
 

Chernobyl Diaries (Brad Parker, USA 2012)

Posted by – 15. Juni 2012

Einen Horrorfilm in der gespenstischen Pripjat anzusiedeln, ist eine prima Idee. Die Stadt, die nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl geräumt wurde, ist schon ganz ohne fiktive Elemente ein unheimlicher Ort, wie man im oscarprämierten Dokumentarfilm „Chernobyl Heart“ oder in dem Kurzfilm „The Door“ erleben kann. Und vielleicht liegt genau hier auch das Problem. Die Aura dieses Ortes ist so mächtig, dass man sich schon eine besonders gute Geschichte ausdenken muss, um die Erinnerungen an den echten Schrecken zu überlagern. Oren Peli („Paranormal Activitiy“), der sich für Idee und Drehbuch verantwortlich zeigt sowie Regisseur Brad Parker, haben das leider nicht geschafft, ich möchte sogar behaupten – sie haben es gar nicht richtig versucht, so lahm ist das Ergebnis geraten. Dass ein paar Urlauber im Rahmen einer Extremtour die Stadt Pripjat besuchen, dann aber feststellen müssen, dass diese alles andere als verlassen ist, reicht als hier einfach nicht aus. Für den Horror ist dann auch noch die naheliegenste aller Möglichkeiten verantwortlich, nämlich (und ich spoiler jetzt einfach mal ohne ein schlechtes Gewissen zu haben) die mutierte Fauna rund um Pripjat sowie die zurückgebliebenen Arbeiter aus Tschernobyl. Beide Gruppen verhalten sich dabei kaum nachvollziehbar, was zumindest mich im Laufe des Films immer mehr frustriert hat. Nicht so sehr allerdings, wie die konventionellen Schockeffekte, verbunden mit dem übertriebenen, viel zu lauten Sounddesign. Ich kann dieser Überwältigungsstrategie, die auf die Reflexe des Zuschauers zielt, jedenfalls nicht das Geringste abgewinnen.

Ein bisschen freundlicher formuliere ich es auf the Spine.

The Raid: Redemption (Gareth Evans, Indonesien / USA 2011)

Posted by – 13. Juni 2012

Eine Gruppe unerfahrener Polizisten, ein Hochhaus und eine Horde blutgieriger Gangster. Mehr braucht es manchmal nicht. Und somit war einer der Filme, die bei mir in den letzten Wochen am meisten Eindruck gemacht haben, „The Raid: Redemption“ (OT: Serbuan maut). Einen derart energetischen, aufs Wesentliche reduzierten und dabei im Detail trotzdem reichen „Martial Arts“-Film wie den des Walisers Gareth Evans habe ich schon lange nicht gesehen. Es geht um eine Spezialeinheit der Polizei, die einen Gangsterboss festnehmen will. Der hat sich allerdings in einem Hochhauses verschanzt. Schnell werden die Polizisten in blutige Auseinandersetzungen mit dessen Schergen verwickelt. Und die haben es in sich… Denn härter ging es in einem Film dieses Genres wohl selten zu und trotzdem bleibt der künstlerische Anspruch nicht auf der Strecke. Das macht „The Raid“ zu einem echten Genre-Highlight. Und viel mehr will ich hier auch gar nicht über den Film schreiben, das durfte ich auf Kino-Zeit.de schon tun. Nur noch soviel, um ein wenig Werbung für den Endgegner des Films zu machen: Dieser Herr namens Mad Dog (Yayan Ruhian) – und hier stimmt der Name mal – ist wirklich ein voll krass verrückter Hund. Das müsst ihr euch ansehen!

Footprints On The Moon (Luigi Bazzoni, Italien 1975)

Posted by – 9. Juni 2012

Erfreulicherweise haben wir es geschafft, unseren Videoabend wiederzubeleben. Da treffen wir uns zu dritt oder zu viert, essen was Leckeres und schauen danach bei einem Gläschen Chatreuse einen Film auf großer Leinwand. Letzte Woche war dann „Footprints On The Moon“ (OT: Le Omre) an der Reihe.

Immer wieder träumt Alice Cespi (Florinda Bolkan) von einem Film, in dem ein Astronaut auf dem Mond zurückgelassen wird. Selbst Beruhigungsmedikamente helfen ihr nicht. Als sie eines Tages zur Arbeit kommt, erfährt Alice, dass sie anscheinend seit ein paar Tagen gefehlt hat. Wo sie in der Zwischenzeit war, weiß die verunsicherte Frau allerdings nicht. Eine Postkarte, die Alice in ihrem Mülleimer findet, führt sie schließlich auf die türkische Insel Garma. Überrascht muss sie feststellen, dass man sie hier anscheinend kennt.

Derzeit versuchen wir beim Videoabend, uns in die Welt des Giallo einzusehen. Bei  „Footprints On The Moon“ mussten wir dann aber feststellen, dass wir es nicht mit einem typischen Vertreter besagten Genres zu tun hatten. Was nicht weiter schlimm war, denn Bazzonis Film entpuppte sich allem Schubladendenken zum Trotz als düstere Variante des „Alice im Wunderland“-Themas und als wunderbar trauriges Filmerlebnis. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen ist der Handlungsverlauf kaum vorhersehbar. Manch einer mag eine vage Ahnung haben – wie alles schlussendlich zusammenhängt, ist dann aber wirklich überrascht. Zum zweiten versteht es Bazzoni meisterhaft, für Atmosphäre zu sorgen. Selten war Einsamkeit so spürbar. Mit den grellen Stilmitteln normaler Gialli hat das alles nichts zu tun. Schon eher orientiert sich Bazzoni bei „Footprints“ an der Stimmung älterer Gruselfilme, meidet es allerdings geschickt, zu dick aufzutragen. Ein weiterer Grund, den Film zu mögen, ist Florinda Bolkan. „Footprints“ ist nach „A Lizard in a Woman’s Skin“ erst der zweite Film, den ich mit ihr sehe, aber schon jetzt glaube ich sagen zu können, dass es sich um eine ganz hervorragende Darstellerin für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs handelt. Zu guter Letzt – und das ist es, was mich an diesem Film am meisten fasziniert hat – ist es Bazzonis Art, das Thema anzugehen. Ich habe mich schon immer für die unterschiedlichen Darstellungsformen psychischer Erkankungen interessiert, welche die sogenannte Realität als Konstrukt denunzieren. „Footprints“ geht hier erfrischend eigene Wege.

Zum Schluss bekommt der Zuschauer ein besseres Verständnis dafür, was es mit Alices Träumen auf sich hat. Was genau die neu enthüllten Informationen allerdings bedeuten, bleibt ein Geheimnis. Für mich war der Film deswegen nach dem Abspann noch lange nicht vorbei.

 Bild © Shameless
 

Cigarette Burns (John Carpenter, USA 2005)

Posted by – 9. Juni 2012

Der kürzlich gesehene „The Ward“ hat mir wieder ganz schrecklich Lust auf John-Carpenter-Filme gemacht. „Cigarette Burns“, sein Beitrag für die Horror-Kurzfilm-Reihe „Masters Of Horror“, hat dieser Euphorie allerdings gleich wieder einen Dämpfer versetzt.

Geld spielt für Bellinger (Udo Kier) keine Rolle. Was er will ist die letzte Kopie des Films „Fin Absolute du Monde“, die seit ihrer Uraufführung als verschollen gilt. Deswegen soll Jimmy Sweetman (Norman Reedus), Kinobesitzer und Experte für die Beschaffung besonderer Filme, Bellinger die Kopie verschaffen. Das trifft sich für Jimmy gut, schließlich schuldet er dem Vater seiner verstorbenen Frau noch viel Knete, was er nach erledigtem Job zurückzahlen könnte. Doch Geld ist bald seine kleinste Sorge. Je näher er dem Film kommt, desto auswegloser verliert er sich in einer düsteren Welt voller tödlicher Geheimnisse.

Nein, dieser Film ist John Carpenter nicht besonders gut gelungen. Gemessen an den anderen Teilen der „Masters Of Horror“-Reihe mag er okay sein, bezogen auf Klassiker wie „Halloween“, „The Thing“, „Prince Of Darkness“, „The Fog“ (uvm.) fällt „Cigarette Burns“ aber gehörig ab.  Sich als Filmemacher einmal selbstreflexiv mit den Schattenseiten seiner Kunst auseinandersetzen zu dürfen, muss für Carpenter verlockend gewesen sein. Doch es wird schnell deutlich, dass die Story aus der Feder von Drew McWeeny und Scott Swan Carpenters Stärken, beispielsweise der klaustrophobischen Inszenierung von Raum, nicht wirklich entgegenkommt.

Das soll jetzt gar nicht in einen umfassenden Verriss münden. Ganz unspannend ist „Cigarette Burns“ nicht. Und für Fans deftiger Szenen gibt es auch den einen oder anderen Moment – z.B. als eine Figur auf die Idee kommt, den Filmprojektor mit Gedärmen statt Zelluloid zu füttern. Außerdem haben wir noch einen gefangenen Engel ohne Flügel, der traurig auf einem Drehpodest ausgestellt wird. In seinen  besten Momenten erinnert „Cigarette Burs“ sogar ein wenig an Polanskis „The Ninth Gate“ oder an Theodore Roszaks  Roman „Schattenlichter“. Aber letztlich sind die knappen 60 Minuten Spielzeit einfach zu wenig, um derartige Ideen weiterzuentwickeln. Also kein Verriss, aber dennoch die Enttäuschung darüber, dass „Cigarette Burns“ einfach nur ein gerade mal überdurchschnittlicher Kurzfilm in einer mittelmäßigen Horror-Reihe ist.

 Bild © Splendid