Month: September 2012

Resident Evil: Retribution (Paul W. S. Anderson, USA 2012)

Posted by – 29. September 2012

„Resident Evil: Retribution“ ist eindeutig die Kinosplitterbombe des Sommers. Da kann sich die deutsche Filmkritik noch so abmühen und behaupten, der sei Film sinnlos, dumm, zusammengeklaubt, inhaltlich schwach […]. Das geht völlig am Thema vorbei. Denn es geht Paul W.S. Anderson schon lange nicht mehr um Inhalte, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.

Worum geht’s denn dann? Die Story-Fragmente, die Anderson dem Zuschauer um die Ohren ballert, handeln von Alice (Milla Jovovich), die nach den Ereignissen des vierten Teils im einem Stützpunkt der Umbrella Coporation aufwacht. Als Gefangene! Doch ausgerechnet ihr Erzfeind Albert Wesker (Shawn Robert) verhilft ihr zur Flucht. Unterstützt von Ada Wong (Bingbing Li), einem Klon von Rain Ocampo (Michelle Rodriguez) und den Söldnern Leon S. Kennedy (Johann Urb), Barry Burton (Kevin Durand) Luther West (Boris Kodjoe), versucht Alice sich ihren Weg aus dem Umbrella-Komplex freizukämpfen. Keine leichte Aufgabe, denn ihre ehemalige Partnerin, die zur Killermaschine gewordene Jill Valentine (Sienna Guillory), diverse Monster und ein Haufen Zombies haben die Verfolgung aufgenommen…

Was bei anderen die Geschichte oder zumindest zusammenhängende Handlungselemente sind, das ist bei Anderson eine Tischbombe, gefüllt mit allerlei buntem Zeug: kleine Mosaikteilchen, Ideensplittern und Mikromomente, die wie zufällig in den Film gesprengt werden. Mit anderen Worten: Ja, der Film ist absolut STUPID! Aber trotzdem. Oder deswegen ist er etwas Besonderes. Mich jedenfalls hat er fasziniert! Die Bilder haben sich völlig von der Geschichte gelöst, die naive Tonspur scheint  unverbunden neben dem Film herzutreiben. Es gibt nicht einmal mehr längere Sequenzen, die in einem logischen Zusammenhang stehen – dafür aber wahnsinnig viele wunderschöne, schwerelose Action-Momente. Ach ja, viel Ironie und Zitate, massig Zitate. (Sogar „Star Wars IV“ ist dabei.) Ich merke gerade – ich mutiere zum Anderson-Fan

Ich hatte vermutlich etwas Glück, dass ich den vierten Teil, „Resident Evil: After Life“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte. So kamen mir viele Passagen originell vor, die aber eigentlich nur Diebesgut waren. Aber wer so schön klaut, dem sei vergeben. Man nehme nur den Anfang, der das Ende des letzten Teils noch einmal in Zeitlupe – und rückwärts! – zeigt. Anfänge konnte Anderson schon immer, aber dieses aus der Zeitgefallene, sich den Gesetzen der Physik entgegen stellende Todesballett sucht wahrhaftig seines Gleichen. Ganz groß!

Bild © Constantin Film
 

Hellraiser (Clive Barker, UK 1987)

Posted by – 28. September 2012

„This isn’t for your eyes!“

Gestern war wieder Videoabend. Und jetzt habe ich endlich mal Clive Barkers „Hellraiser“ auf großer Leinwand gesehen. Was für ein Vergnügen!

Abenteurer Frank (Sean Chapman) erwirbt eine Puzzelbox, doch statt Lust bringt sie ihm nur Frust bringt und befördert ihn direkt in die Hölle. Ein paar Monate später ziehen Franks Halbbruder Larry (Andrew Robinson) und dessen Frau Julia (Clare Higgins) in das Haus in dem Frank verschwand. Sie ahnen nicht, dass Frank gar nicht fort ist, sondern als untotes Geschöpf zwischen den Sphären vor sich hin vegetiert. Doch ein Tropfen Blut gibt Frank die Kraft, wieder zurückzukommen…

Ich will jetzt gar nicht lange den Blog volljuchzen. Ich habe mich vor einiger Zeit schon auf Filmstarts ausführlich über dieses Kleinod ausgelassen. Vielleicht nur soviel: Einige kleinere Schwächen – z.B. die gestelzten Dialoge, das hölzerne Schauspiel (von quasi jedem außer Clare Higgins) oder die nicht immer gelungenen Spezialeffekte – muss man gar nicht wegdiskutieren. Ich zumindest sehe da keinen Sinn drin. Sie sind da. Aber sie spielen keine Rolle. Der Film hat eine solche Ausstrahlung, ist sinnlich, schlau und furchteinflößend, dass er mich bisher jedes Mal wieder gepackt hat. „Hellraiser“ bleibt für mich einer der interessantesten Horrorfilme – und zwar weil der Horror hier einem elementaren Gefühl entspringt: Der Sehnsucht

Also, guckt alle schnell diesen Film. Or: „your suffering will be legendary, even in hell.“

Bild © Boulevard Entertainment
 

Picnic at Hanging Rock (Peter Weir, Australien 1975)

Posted by – 20. September 2012

Seit einem Monat sitze ich auf einer Lichtung im Wald und versuche, das Gesehene zu verarbeiten. Die Luft ist heiß und staubig. Verdorrtes Gras. Am Horizont wachsen Berge. Die Geschichte ist einfach. Am Valentinstag im Jahre 1900 machen die Schülerinnen eines Mädcheninternats einen Ausflug zum Hanging Rock. Doch dann verschwinden auf mysteriöse Weise drei junge Mädchen und die Lehrerin Miss McCraw (Vivean Gray). Ein Mädchen taucht Tage später wieder auf, kann sich aber an nichts erinnern. Die anderen bleiben verschwunden.

Sie bleiben verschwunden und alles ist eben doch nicht so einfach in Peter Weirs Film „Picnic at Hanging Rock“. Es gibt keine Erklärung für die Ereignisse, die den Niedergang der Mädchenschule einläuten. Es gibt Verdächtige, aber ihnen kann nichts bewiesen werden. Wir wissen, dass eines der Mädchen ihr Verschwinden ankündigte, doch auch diese Spur verläuft im roten australischen Wüstensand. Eine Schülerin, Miranda (Anne-Louise Lambert) hält alles für übernatürlich, aber auch dieser Pfad wird nicht weiterverfolgt. In Weirs Film scheint eine Welt hinter der sichtbaren Realität verborgen, die aber nie in den Vordergrund tritt, doch man fühlt, dass da mehr sein muss. Aber das Geheimnis bleibt verborgen und wird bis zum Ende nicht preisgegeben. Rational konnte ich den Film nicht erfassen. Ich konnte nur dasitzen, genießen, die schwüle australische Luft atmen, dem Surren der Luft an Fuße des Hanging Rock lauschen. Und spüren, wie sich hinter den ruhigen Bildern etwas bewegt.

Manche Filme sind unvergleichlich. Peter Weirs „Picnic at Hanging Rock“ ist einer davon.  Sein Film ist eine stimmungsvolle Meditation voller Geheimnisse, die zu Panflötenmelodien über die Leinwand flimmert und sich tief in das Unterbewusstsein krallt und einen nie wieder los lässt.

Keine Ahnung.

Bild © Koch Media
 

Resident Evil (Paul W. S. Anderson, USA / UK / Deutschland 2002)

Posted by – 16. September 2012

Alle schimpfen über Paul W. S. Anderson. Ich frage mich warum. Ist doch spannend, was der Mann macht. Oder habe ich seine schlechten Filme einfach noch nicht gesehen? Wie auch immer. Um mich auf „Resident Evil: Retribution“ vorzubereiten, den ich nächste Woche sehen werde, hatte ich mir vorgenommen, die ersten vier Teile vorher noch einmal durchzuschauen. Schaffe ich aber nicht. Hier aber zumindest schon einmal einige Sätze zum ersten Teil, „Resident Evil“.

In einem geheimen Forschungslabor der Umbrella Corporation setzt ein Unbekannter das gefährliche T-Virus frei. Selbiges kann tote Zellen wiederbeleben. Damit das Virus nicht entkommt, beschließt die Red Queen, der Zentralcomputer des Labors, alle Mitarbeiter zu töten. Eine Spezialeinheit der Umbrella Corporation wird geschickt, um den Computer abzuschalten. Doch das Team sieht sich nicht nur mit der wehrhaften Red Queen konfrontiert, sondern auch mit dem Personal, das mittlerweile durch das Virus verändert wurde.

Besonders der Anfang oder besser: die beiden Anfänge des Films (eigentlich sind es drei Anfänge, denn ganz zum Schluss, da fängt alles noch einmal an…), haben es in sich: Die Szenen, in denen das Virus freigesetzt wird und der Zentralcomputer vom Hive (so heißt das supergeheime Forschungslabor) die Beschäftigen niedermetzelt, sind unglaublich stimmungsvoll. Man merkt sofort: Der Regisseur hat was auf dem Kasten! Aber auch die Momente nach dem Anfang – der zweite Anfang –, in dem eine offensichtlich desorientierte Frau (Milla Jovovich) im Badezimmers eines großen, verlassenen Anwesens aufwacht, habe eine sehr spezielle, luzide Atmosphäre. Hier wirkt „Resident Evil“ fast wie ein Traum. Und im weiteren Verlauf des Films fragt man sich immer wieder, wann man eigentlich aufgewacht ist – oder ob man vielleicht immer noch träumt? Interessant sind diese beiden Praeludien des Films vor allem deswegen, weil so unterschiedlich sind, so als wären sie von zwei unterschiedlichen Personen inszeniert. Oder sogar von dreien: Denn im Mittelteil des Films ist wieder alles anderes, aber diesmal ziemlich konventionell. Da ähnelt „Resident Evil“ plötzlich zwar einem solidem inszenierten, irgendwie einen x-beliebigen Zombie-Shooter. Langeweile. Dann auch mal Ärger. Und wieder Augenblicke des Staunens. Magie. Licht und Dunkelheit. Bewunderung. Entsetzen,…

Paul W. S. Anderson ist ein Chamäleon. Seine filmische Handschrift ist in „Resident Evil“ die einer multiplen Persönlichkeit. Und dieses zusammengewürfelte Hin- und Her, dieses „Mal so, Mal so“, Hott & Hüh ist wohl auch das, was meine übersättigte, multitaskinggeschädigte, zitatgeile Generation verdient hat. Mit dem nötigen Maß an Ambiguitätstoleranz kann man diesen eklektizistischen Scheiß dennoch ganz gut aushalten, ja – sogar genießen.

Bild © Constantin Film
 

Abraham Lincoln: Vampire Hunter (Timur Bekmambetov, USA 2012)

Posted by – 11. September 2012

Weil seine Mutter (Robin McLeavy) von einem Vampir umgebracht wurde, ist Abraham Lincoln (Benjamin Walker) nicht gut auf Blutsauger zu sprechen. Eine Möglichkeit sich zu rächen bekommt Abe aber erst, als er durch den geheimnisvollen Henry Sturgess (Dominic Cooper) in die Kunst des Vampiretötens eingeführt wird. Mit einer Axt und unterstützt von seiner Frau (Mary Elizabeth Winstead) und Freund (Jimmi Simpson) geht der junge Mann daraufhin äußerst erfolgreich gegen alle Vampire und deren fiesen Boss (Rufus Sewell) vor – und wird nebenher auch noch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das ist schon harter Tobak: Bei seinem Krieg gegen die Sklaverei ging es Lincoln gar nicht in erster Linie darum, den Menschen die Freiheit zu schenken – eigentlich wollte er nur den in den Südstaaten ansässigen Vampiren ihre Lebensgrundlage entziehen. Über diese und andere Ideen, die von abstrus bis menschenverachtend reichen, möchte man gar nicht weiter nachdenken. Aber auch den Mist, den Seth Grahame-Smith („Dark Shadows“) hier zusammengeschrieben hat, einmal völlig bei Seite gelassen – auch sonst bietet der neue Film von Timur Bekmambetov wenig Grund zur Freude. Wehmütig denke ich an „Night Watch“ (OT: Nochnoy Dozor) und „Day Watch“ (OT: Nochnoy Bazar), wo sich Style und Substance noch ganz wunderbar die Waage gehalten haben; sogar zum überkandidelten „Wanted“ lässt sich einiges Positive anführen. Bei Bekmambetov gibt es immer eine gehörige Portion Irrsinn. Der Mann hat(te) die Fantasy und das Handwerkszeug, Filme einfach mal anders zu machen. Auch in „Abraham Lincoln“ finden sich noch einige wenige Momente, in denen das Können Bekmambetovs aufblitzt, z.B. wenn Abe in/auf/unter einer galoppierenden Pferdeherde gegen einen Vampir kämpft; oder beim Showdown in einem Zug, wenn die Schwerelosigkeit und alle anderen Regeln der Physik endgültig aufgehoben scheinen. Doch solche Momente sind einfach zu selten. Die Geschichte zieht nicht, die Figuren bleiben uninteressant. Es überwiegt die Aneinanderreihung von schlechten Dialogen, mäßigem Schauspiel und CGI-Actionsequenzen, die überwältigen sollen, aber leider kalt lassen.

Wenn man „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ nicht als Totalausfall bezeichnen möchte, funktioniert das zumindest für mich am besten, wenn man ihn im Kontext von Bekmambetovs Gesamtwerk sieht. Der Russe hat sich schon immer für Stoffe interessiert, die der gemeinhin für wahr gehaltenen Weltordnung  ein düsteres Spiegelbild entgegenstellt: In den beiden Wächter-Filmen sind es eine Gruppe Zauberer, die die irdischen Geschicke lenken, in „Wanted“ bestimmen Killer im Auftrag einer anonymen Macht das Weltgeschehen und in „Abraham Lincoln“ ist es eben nur vordergründig der Recht schaffende 16. Präsident der Vereinigten Staaten, der sich für die Freiheit einsetzt – in Wirklichkeit aber nur seine persönlichen Rachegelüste befriedigen will.  Dieses Motiv zieht sich wie ein kaum hörbarer Missklang durch die bunten Bilderwelten und macht für mich seine Filme – selbst die schlechten, wie „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ – immer noch interessant.

Bild © Twentieth Century Fox
 

Merantau (Gareth Evans, Indonesien 2009)

Posted by – 11. September 2012

Schon irgendwie witzig, der Werdegang des Walisers Gareth Evans: Da fliegt er nach Indonesien, um eine Dokumentation über Silat, die Martial Arts der indonesischen Inseln zu drehen – und auf einmal wohnt der Mann in Jakarta und dreht einen Kampfsportfilm nach dem anderen. Sein dritter Film „Berandal“, eine Fortsetzung zu „The Raid“ ist bereits in Arbeit.

Aber der Reihe nach: Nachdem mich „The Raid“ so dermaßen umgehauen hat (mit etwas Abstand sogar noch mehr, mittlerweile bin ich überzeugt, einen neuen Martial-Arts-Klassiker gesehen zu haben!), war ich natürlich auch neugierig auf Evans ersten Kampfsportfilm, „Merantau“.  Darin geht es um den jungen Tomatenbauer Yuda (Iko Uwais), der zufrieden mit seiner Mutter und einem Bruder auf dem Land lebt. Doch dann kommt die Zeit, dass Yuda sein Heimatdorf verlassen muss, um sich auf spirituelle Erweckungsreise – Merantau – zu begeben. Diese führt den jungen Mann nach Jakarta. Dort lernt er Astri (Sisca Jessica) kennen, die als Tänzerin arbeitet. Als sie von dem brutalen Mädchenhändler Ratger (Mads Koudal) zur Prostitution gezwungen werden soll, weiß Yuda wohin ihn sein Merantau geführt hat – und versucht mit allen Mitteln das Mädchen zu retten.

Die Klasse (den Druck, die Intensität, die Atmosphäre, die Dramatik,…) von „The Raid“ hat „Merantau“ noch nicht, auch wenn die Anlagen hier schon klar zu erkennen sind. „Metrantau“ beginnt ruhig und nimmt sich für einen Martial-Arts-Film ungewöhnlich viel Zeit, seine Hauptfigur vorzustellen. Dies gehört nicht unbedingt zu den Stärken des Films, da der rechtschaffende, aber auch leicht naive Yuda weder ein besonders komplexer noch einfallsreicher Charakter ist. Den Anfang etwas zu straffen oder Yuda ein paar mehr Ecken und Kanten zu gönnen, wäre vielleicht die bessere Entscheidung gewesen. Nichtsdestotrotz hat Evans seine Geschichte im Griff. Die Figuren agieren überzeugend und der Action-Pegel schlägt im weiteren Verlauf immer weiter aus (und sprengt am Ende sogar die Skala). Es gibt einen wunderbaren Moment im Film: Yuda telefoniert gerade mit zu Hause, da beobachtet er, wie Astri von einigen Männern in den Nachtclub gezerrt wird. An dieser Stelle muss Yuda eine Entscheidung treffen. Soll er sich, komme was wolle, voll und ganz für Astri einsetzen – oder wegsehen? Er muss nicht lange überlegen, er weiß, was richtig ist. Wo andere Filme erst zu einem Exkurs darüber ausholen, dass mit großer Macht auch große Verantwortung einhergeht, passieren Entscheidungen in „Merantau“ innerhalb von Sekunden. Insofern interessiert Evans am Kampfsport auch nicht die Entwicklung seines Helden zum Martial-Arts-Meister. Die Figuren sind schon „ausgewachsen“ und unterscheiden sich allein durch ihre Willenskraft. Der Held ist hier nicht nur deswegen der Held, weil er die moralisch richtige Seite gewählt hat, sondern auch, weil er es im Gegensatz zu den anderen immer wieder schafft aufzustehen. Und das muss er auch. Denn die zweite Hälfte des Films besteht aus Action non stop, bei der der Held nicht geschont wird. Die Kämpfe sind allesamt großartig choreografiert und müssen sich keinesfalls hinter den Stunts des thailändischen Martial-Arts-Krachers „Onk Bak“ & co verstecken. In seiner Direktheit und Konsequenz zeigen sich in Evans Langfilmdebüt durchaus schon die Anlagen für „The Raid“. Ich bin sehr gespannt, wie sich Evans Karriere weiterentwickelt und blicke jetzt schon erwartungsfroh in die Zukunft. „Berandal“ ist für 2013 angekündigt.

P.S. Hat das Cover der deutschen DVD irgend etwas mit dem Film zu tun?

Bild © Sunfilm
 

Fantasy Filmfest 2012

Posted by – 8. September 2012

Seitdem ich in Berlin wohne, gehört das Fantasy Filmfest (neben Weihnachten, Geburtstag und Urlaub) zu den Höhepunkten meines Jahres. Umso bedauerlicher, dass mir eigentlich fast immer etwas dazwischen kommt. Nicht so in diesem Jahr. Ich habe mir zwar nicht besonders viel angesehen, hatte aber mit den Filmen fast durchweg Glück.

In Anfang in diesem Jahr machte „Game Of Werewolves“ (mehr dazu hier).  Nachdem ich kürzlich soviel Freude an „Howling III: The Marsupials“ und auch „The Undying Monster“ mir Spaß gemacht hat, dachte ich, ich müsste mal mehr Werwolf-Filme guten. Der spanische „Game Of Werewolves“ hat mich ebenfalls nicht enttäuscht. Für mich war der Film sogar nach Neil Marshalls „Dog Soldier“ einer der originellsten und charmantesten Werwolf-Filme der letzten 20 Jahre.

Etwas weniger Freude hatte ich mit dem „Thale“. Wie auch schon im grandiosen „Trollhunter“ steht hier auch ein Stück norwegische Folklore im Zentrum, aber anders als André Øvredal schafft es Aleksander Nordaas meines Erachtens selten, den Zuschauer auch nur ansatzweise ähnlich zu verzaubern.  Eine ausführliche Review von mir findet ihr hier.

„Girls Agains Boys“ habe ich mir ehrlich gesagt nur wegen des Titels angeschaut. Ein Glücksgriff. Vordergründig mag es sich um ein normales „Rape And Revenge“-Movie handeln. Unter der Oberfläche steckt in ihm aber soviel mehr! Ich weiß, das ist schnell behauptet und müsste weiter ausgeführt werden, damit deutlich wird, was ich damit meine und bei Gelegenheit werde ich das vielleicht auch mal tun, z.B. anlässlich des DVD-Starts des Films, der hoffentlich kommen wird.

Mein Highlight des Fantasy Filmfests 2012 war aber „Excision (meine Lobdudelei gibt’s hier). Direkt nach dem Screening dachte ich noch, „Excsion“ wäre gut, aber nicht wirklich toll. Doch je mehr ich über den Film nachgedacht habe, desto mehr ist mir über ihn ein- und an ihm aufgefallen. Der Film tut erst, als wäre er dein Freund. Aber dann! „Excision“ ist eine einzige, blutige Erziehungsmetapher, die sich lange geschickt als schwarze Komödie tarnt, obwohl er doch ein galliges Drama ist.  Und tut richtig weh. In a good way.

Zum Abschluss gab es noch „Cockneys vs. Zombies (meine Rezension auf Kino-Zeit). Falls ich es in diesem Blog noch nicht erwähnt habe: Ich kann lustigen Zombiefilmen nichts abgewinnen. Das liegt schon daran, dass ich sie in der Regel nicht lustig finde. Insofern hatte es der Film Matthias Hoene bei natürlich auch schwer, auch wenn ich zugegeben muss, dass sein Film bestimmt nicht die schlechteste ZomCom ist. Meiner Meinung nach ist das Comedy-Virus ansteckender und ungleich gefährlicher als jede Zombie-Epidemie, es wird irgendwann jedes Genre infizieren und einen qualvollen Tod sterben lassen. Der Zombie-Film ist auf dem besten Weg dahin.

Bild © Rosebud Entertainment
 

Bourne-Trilogie (Doug Liman, Paul Greengrass, USA 2002/2004/2007)

Posted by – 6. September 2012

In einem Abwasch bespreche ich hier für euch die „Bourne“-Trilogie – die ja eigentlich keine ist. Das beweist der vierten Teil, der gerade im Kino läuft.

In „The Bourne Identity“ wird ein Mann (Matt Damon) aus dem Wasser gefischt. Sei Gedächtnis hat er verloren. Trotzdem wird schnell klar, dass er kein einfacher Tourist ist, der über Bord gegangen ist. Bei seiner Suche nach sich selbst bringen ein Mikrochip unter seiner Haut und seine besonderen Fähigkeiten den Mann schnell auf eine heiße Spur: Er ist Superagent Jason Bourne, der im Namen der amerikanischen Regierung als Killer gearbeitet hat. Seine Auftraggeber haben allerdings gar kein Interesse, dass Bourne frei herumläuft und so findet sich der ehemalige Killer selbst auf der Abschussliste wieder. Hilfe erhält er nur von Weltenbummlerin Marie (Franka Potente).

Der erste Teil ist – trotz gut inszenierter Action – definitiv der gefühlvollste aller drei Teile. Und das liegt an Franke Potente. Sie bringt einen Ton in den Film, der den Nachfolgern völlig abgeht. Manchmal wirkt es ja ein bisschen seltsam, wenn deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen den Deutschen geben müssen. Nicht so bei Potente. Ihre Figur fügt sich völlig natürlich in die Geschichte ein. Und auch die Chemie zwischen ihr und Damon stimmt. Dazu sind die Personen in der Agency – voran die von Brian Cox und Chris Cooper gespielten Bösewichte – ebenfalls einfallsreich, mehrdimensional und gut gespielt. Die Figuren  in Teil eins sind wirklich glaubwürdig –  und das ist etwas, nicht von allen Personen in den kommenden Teilen behaupten kann.

Der erste Teil endet mit einem Etappensieg für Bourne. Wenn sie ihn nicht in Ruhe lassen, werde er den Kampf vor ihre Haustür tragen. Das darf der Zuschauer dann in den nächsten beiden Teilen erleben.

Ab „The Bourne Supremacy“ ist alles etwas anders. Das liegt daran, dass Doug Liman von Paul Greengrass abgelöst wird, der schon mit „Bloody Sunday“ einen ganz fantastischen, halb-dokumentarischen Film gemacht hat. Seinem Stil – der omnipräsenten Handkamera, den Parallelmontagen und rasanten Schnitten –  ist er auch in seinen beiden „Bourne“-Filmen treu geblieben – ja, er scheint ihn geradezu perfektioniert zu haben.

Jason und Marie sind in Teil zwei untergetaucht und haben sich in Indien ein eigenes Leben aufgebaut. Doch eine politische Intrige zerrt den ehemaligen Agenten wieder ans Tageslicht und belastet ihn darüber hinaus mit einem Mord, den er allerdings nicht begangen hat. Mit letzter Kraft kann Bourne seinen Häschern entkommen. Marie hat allerdings nicht soviel Glück. Bourne beschließt darauf hin, ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit aufzuräumen.

Was die Action betrifft, ist der zweite Teil ein einziger Rausch und damit absoluter Genuss. In diesem Moment würde ich „The Bourne Supremacy“ sogar nach „A Quantum Of Solace“ als besten Action-Film der letzten 10 Jahre bezeichnen, auch, weil hier künstlerische Gesichtspunkte nicht zu kurz kommen. Im Gegensatz zum folgenden Teil hat es Drehbuchautor Tony Gilroy auch noch geschafft, ein passables Script zu fabrizieren, das die Geschichte um Jason Bourne weiter voran treibt und bei paar Überraschungen bereit hält. Auch die emotionale Seite der Geschichte kommt – vor allem am Anfang bei Maries Tod und am Ende, wenn Bourne nach Russland reist – nicht zu kurz. Auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein können, haben mir beim nochmaligen Gucken der ersten und zweite Teil beide ungefähr gleichgut gefallen.

Der dritte Teil, „The Bourne Ultimatum“, geht genau dort weiter, wo der zweite endete. Bourne ist bei seiner Reise nach Moskau, wo er der Tochter seines ersten Opfers seine Taten beichtet, schwer verletzt worden – schafft es aber mit letzter Kraft zu fliehen. Doch damit hat der gebeutelte Agent noch immer keine Ruhe. Denn die Regierung ist ihm weiterhin dicht auf den Fersen. Wird es Bourne endlich schaffen, die falschen Vorwürfe gegen ihn zu entkräften und seine Erinnerung endgültig wieder herzustellen.

Der dritte Teil könnte unter dem Motto stehen: „Jemand ist für all das verantwortlich. Und ich werde ihn finden.“ Die Kausalkette lässt sich natürlich immer weiter zurückverfolgen, weil jede Wirkung eine vorausgehende Ursache hat. So kann man natürlich noch hundert weitere Bourne-Filme drehen. Aber die eigentliche Geschichte ist meiner Meinung nach schon in Teil zwei erzählt und alles was hier noch drangehängt wird, macht die Ausgangsidee nicht besser. Hinzu kommt ein wirklich schlechtes Drehbuch, dass zahlreiche Elemente der Vorgänger einfach dreist kopiert und dem Zuschauer ansonsten auch noch ziemlich viel Unsinn auftischt. Durch die rasante Inszenierung von Greengrass wird aber sogar „The Bourne Ultimatum“ (was für ein Ultimanum eigentlich?) zu einem einigermaßen kurzweiligen Filmerlebnis.

Fazit: Die drei „Bourne-Filme“ sind nicht gleich gut, aber alle machen Laune. Wenn man mal eine gute Agenten/Action-Reihe sehen möchte, dann macht man mit den Filmen bestimmt nichts falsch.

P.S. Ein besonderes Kompliment geht noch an die Polizei in jedem Land. Egal ob in Deutschland, Russland, Marokko oder Schweiz – die Beamten verstehen ihr Handwerk. Sie lassen nicht locker, komme was wolle. Aus diesem Grund setzen sie Bourne manchmal auch mehr zu als alle Super-Spezial-Agenten der Regierung zusammen.

Bild © Universal Pictures
 

La Fée (Dominique Abel, Fiona Gordon und Bruno Romy, Frankreich 2010

Posted by – 3. September 2012

Ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber ich beschäftige mich ja beruflich mit Wünschen. Auch wenn er ansonsten nicht zu meinen bevorzugten Genres gehört, ist „La Fée“ von Dominique Abel, Fiona Gordon und Bruno Romy zumindest in dieser Hinsicht interessant.

Denn Dom (Dominique Abel), arbeitet als Nachtwächter in einem kleinen Hotel in Havre. Und man kann nicht behaupten – soviel wird schon in den ersten Minuten des Films deutlich – dass der Mann besonders vom Glück verfolgt wäre. Wahrscheinlich will er auch deswegen nicht so recht glauben, dass die Frau namens Fiona (Fiona Gordon), die eines Tages vor ihm steht, tatsächlich, wie sie behauptet, eine Fee ist. Doch als die ersten beiden Wünschen in Erfüllung gehen (ein Roller und lebenslang kostenlos Benzin) glaub er’s dann doch. Aber noch ehe sich der Nachtportier über seinen dritten Wunsch im klaren wird, merkt er, wie sehr er sich zu Fiona hingezogen fühlt.

In „La Fée“ wird deutlich: So leicht ist das mit dem Wünschen gar nicht. Auch wenn mir der sehr slapstickhafte, mitunter auch an Improvisationstheater erinnernde Film ansonsten nicht so sehr lag, hat mich zumindest dieser Aspekt interessiert. Warum hat Dom solche Probleme, sich für seinen dritten Wunsch zu entscheiden? Das viel mir dann wirklich erst kurz vorm Ende wie Schuppen von den Augen: Dom kann sich deswegen nicht für seinen dritten Wunsch entscheiden kann, wer er – zusammen mit Fiona – bereits wunschlos glücklich ist. Schöne Sache.

Bild © Pandastorm Pictures
 

The Bourne Legacy (Tony Gilroy, USA 2012)

Posted by – 2. September 2012

Es hat bei mir etwas gedauert, bis ich die Bourne-Filme zu schätzen wusste. „The Bourne Identity“ von Doug Liman war mir erst etwas zu lahm, die beiden folgenden Teile von Paul Greengrass zu hektisch. Aber irgendwann, bei einer TV-Sichtung des ersten Teils, hat es dann Klick gemacht und auf einmal fand ich ihn mitreißend. Ähnlich erging es mir mit Teil zwei und Teil drei. Eigentlich wollte ich aus diesem Grund die Bourne-Filme mal am Stück gucken, was ich aber bisher nicht geschafft habe. Bisher. Anlässlich des Release von „The Bourne Legacy“ ist mir dieses Projekt aber wieder eingefallen und ich gelobe, dass ich das demnächst auch mal durchziehe und dann auch was dazu hier ins Blog stelle. Aber vorher hier ein paar Sätze zum aktuellen Teil, „The Bourne Legacy“, der es nicht ganz schafft, mit den Vorgängern mitzuhalten. (Ein ausführlicheres Review gibt’s hier.)

Weil Jason Bourne den Geheimdienst ärgert sollen alle Top-Secret-Programme, in denen Menschen durch Medikamente zu Supersoldaten gemacht werden, geschlossen werden. Damit nichts an die Öffentlichkeit gerät, müssen allerdings auch alle Agenten und involvierten Wissenschaftler sterben. Aaron Cross (Jeremy Renner) aka Agent Nummer 5 entgeht aber den Anschlägen. Zusammen mit Chemikerin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), die aufgrund ihres Insiderwissens ebenfalls zur Zielscheibe geworden ist, versucht er seinen Häschern zu entkommen.

Über die Geschichte muss man wohl nicht viele Worte verlieren. Innerhalb des Bourne-Universums ist sie glaubwürdig genug, aber in gewisser Weise auch überflüssig, weil sie nichts wesentlich Neues über die Killer-Programme der Regierung enthüllt. Insofern kann man Paul Greengrass schon verstehen, dass er nach „The Bourne Ultimatum“ entgültig die Nase voll hatte. Rein vom Erleben, habe ich mich bei „The Bourne Legacy“ die ersten 30 Minuten etwas gelangweilt: Agent Nummer 5 läuft durch den Wald, während anderswo umständlich die Weichen gestellt werden, ihn und alle anderen Agenten aus dem Weg zu träumen. Das hätte man für meinen Geschmack kürzer erzählen dürfen. Aber dann, irgendwann in der Mitte, gab es dann eine grandiose Actionsequenz, die mich wieder geweckt hat: Erst werden Dr. Marta Shearing Kollegen brutal von einem anderen Chemiker erschossen, aber die stärkste Sequenz geht erst nach dem Blutbad los. Da sitzt Marta zu Hause in ihrem renovierungsbedürftigen Haus (dieses Haus ist es übrigens, das einer Profil von dieser ansonsten austauschbaren Figur am nächsten kommt), als die Polizei vorbei kommt, um sie noch einmal zu den Vorfällen im Labor zu verhören. Doch die Stimmung kippt, Marta merkt, dass die Beamten ihr nicht helfen, sondern ihr anscheinend eine Teilschuld an den Vorfällen unterstellen wollen. Je mehr sich Marte gegen die Anschuldigungen wehrt, je aggressiver werden auch die Beamten – und schließlich merkt Marta, ihr Besuch ganz andere Absichten hat, als sie zu verhören.

Leider hat mich nach dieser grandiosen Sequenz nichts mehr vom Hocker gerissen. Als Tony Gilroy dann im Finale versucht, es noch einmal richtig krachen zu lassen, hat das bei mir eher den gegenteiligen Effekt ausgelöst. Der „Endgegner“ wurde mir etwas zu unvermittelt aus dem Hut gezaubert und die Verfolgungsjagd per Auto und Motorrad war für mich over the top. Ich fasse mal so zusammen: „The Bourne Legacy“ über weite Strecken ein kurzweiliger Actionfilm. Aber Gilroy scheint sich entschieden zu haben, dass das Franchise etwas mehr Gewalt benötigt. Das führt daszu, dass Agent Nummer fünf weder bei freundlichem Sicherheitspersonal noch unschuldigen Wolfsrudeln Gnade kennt und alles was sich ihm in den Weg stellt, kurzerhand niedermetzelt. Verglichen mit den Vorgängern hat „The Bourne Legacy“ deswegen das Herz aber nicht mehr am rechten Fleck.

Bild © Universal Pictures