Month: März 2013

Fantansy Filmfest Nights 2013

Posted by – 28. März 2013

FFN13_Ein paar Sätze zu den Filmen, die ich auf den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights gesehen habe.

American Mary (Jen Soska, Sylvia Soska, USA 2012)

Die Medizin-Studentin Mary Mason (Katharine Isabelle) braucht Geld und entschließt sich, einen Job in einem Nachtclub anzunehmen. Doch es kommt anders als sie denkt: Weil sich herumspricht, dass Mary gut mit dem Skalpell umgehen kann, häufen sich plötzlich die Anfragen nach illegalen Schönheitsoperationen. „American Mary“ beginnt stark und hat auch im Folgenden immer wieder seine Momente. Leider bleibt der gute erste Eindruck nicht die gesamte Zeit erhalten. Der Schwenk zum „Rape & Revenge“-Movie wirkt weniger wie die stimmige Fortentwicklung der begonnenen Geschichte, sondern eher wie ein Rettungssprung in sichere, aber auch irgendwie langweilige Genre-Gefilde. Trotzdem ein sehenswerter Film. Was bleibt ist die Gewissheit, dass Schönheit relativ ist. Und auch das hat keine festen Grenzen: Was Menschen mit ihrem Gewissen vereinbaren können und was nicht.

John Dies At The End (Don Coscarelli, USA 2012)

Als Dave (Chase Williamson) und John (Rob Mayes) Bekanntschaft mit einer neuen Droge, Sojasauce genannt, machen, ist nichts mehr wie vorher. Haben die beiden einfach nur schreckliche Visionen oder sind sie wirklich einer Weltverschwörung auf der Spur? Und wenn: Können ausgerechnet diese beiden Männer die Erde retten? Der Film verdient mit Sicherheit mehr Beachtung und ich werde mich demnächst auch noch mal länger dazu äußern. Hier nur in aller Kürze. Don Coscarelli hat sich in den letzten Monaten zu einem Regisseur gemausert, dem ich sehr viel Achtung entgegen bringe. Coscarelli hat etwas von einem spielwütigen Kind, das kompromisslos seinen Willen durchsetzt und alles was ihm in den Kopf schießt, schamlos in einen Film verwandelt. Und doch ist das Ganze nie prätentiös, sondern durch und durch ehrliche Fantasy. Das gilt auch für „John Dies At The End“, welches – und dies ist mein Ultrakurzfazit – ein verdammt guter Film ist!

Stoker (Chan-wook Park, USA / UK 2013)

Der Hollywood-Einstand gilt für Ausländer immer als schwer, aber für Park Chan-wook ist das anscheinend kein Problem. Mit „Stoker“ liefert er nicht nur einen rundherum stimmigen Film, sondern gleich auch eines seiner besten Werke überhaupt ab. Im Film geht es um die India Stoker junge India Stoker (Mia Wasikowska), die Nach dem Tod ihres Vaters (Dermot Mulroney) nicht nur mit ihrer Mutter Evelyn (Nicole Kidman), sondern auch mit ihrem wie aus dem Nichts aufgetauchtem Onkel Charlie (Matthew Goode) in einem Haus wohnt. Wer ist der Mann? Wo kommt er so plötzlich her? Und was will er? Toll an „Stoker“ ist nicht nur die Besetzung: Mia Wasikowska („Jane Eyre“) sehe ich wirklich sehr gern und Matthew Goode fast noch lieber. Auch Nicole Kidman war schon lange nicht mehr so gut. Das Drehbuch von „Prison Break“-Star Wentworth Miller, eine tiefe Verbeugung vor „Shadow Of A Doubt“, kann ich seit meinem kleinen Hitchcock-Ausflug auch richtig würdigen. Vermutlich einer der besten Thriller des Jahres.

The Bay (Barry Levinson, USA 2012)

Die Hafenstadt Chesapeake Bay im Bundesstaat Maine lebt überwiegend vom Tourismus. Zumindest bis giftige Substanzen im Wasser nachgewiesen werden. Während der Bürgermeister John Stockman (Frank Deal) noch abwiegelt, treten schon die ersten Erkrankungen auf. Als Wissenschaftler herausfinden, dass der Grund ein durch Wachstumshormone mutierter Parasit ist, ist es schon zu spät. Insgesamt ist „The Bay“, der Found-Footage-Beitrag von Oscar Preisträger Barry Levinson, kein schlechter Film. So richtig überzeugend ist er allerdings auch nicht. Dabei hätte die Idee sowohl im Bereich des realitätsnahen, ökologisch orientierten Tierhorrors als auch als selbstreflexive Medienkritik einiges an Potenzial geboten: Wenn irgendwann einmal die Welt untergeht, dann hätten wir zumindest alles auf Band. Eine längere Kritik gibt’s auf Kino-Zeit.

Bild © Fantasy Filmfest
 

Two Thousand Maniacs! (Herschell Gordon Lewis, USA 1964)

Posted by – 28. März 2013

2000 maniacsDie Videothek bei mir um die Ecke ist vermutlich eine der schlechtesten in ganz Berlin: Geringe Auswahl; und die ranzigen Gebrauchtfilme sind teurer als neue bei Mediamarkt oder Amazon. Neulich jedoch hab ich mal ein Schnäppchen gemacht: Herschell Gordon Lewis „Two Thousand Maniacs!“ für 1,80 Euro.

Das kleine Südstaaten-Städtchen Pleasant Valley und seine Bewohner sehen auf den ersten Blick ganz harmlos aus. Doch alle 100 Jahre steht ein Jubiläum der ganz besonderen Art an: Die Durchreisenden aus dem Norden ahnen anfangs noch nicht, dass sie die Hauptattraktion der Feierlichkeiten sein sollen – und dass sie diese nicht überleben werden.

„Two Thousand Maniacs“ hat schon deswegen den Status als Klassiker inne, weil er als einer der ersten Splatterfilme gilt. So richtig splattrig ist es 1964 natürlich noch nicht zugegangen, zumal Lewis bei knapp zwei Wochen Drehzeit und 65.000 Dollar Budget in seinen Möglichkeiten stark beschränkt war, aber es gibt dennoch einige Szenen, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Man erkennt deutlich, was sich in diesem Film andeutet, und ich muss gestehen, dass er mir trotz Billig-Look und Laien-Darstellern richtig Spaß gemacht hat. Lewis trifft mit seiner überzeichneten Darstellung der verrückten Dorfbewohner, die zum schwungvollen Hillbilly-Score Durchreisende meucheln, einen interessanten Ton. Da reichen diverse moderne Fun-Splatter-Filmchen trotz zigfachem Budget lange nicht heran.

Was mir an dem Film allerdings nicht einfach nur gefallen, sondern was mich geradezu fasziniert und mehr als nur ein bisschen gegruselt hat, war, wie sich eine gesamte Kleinstadt zu einer blutrünstigen Horde zusammenschließt und Menschen aus nichtigen Gründen – in diesem Fall, weil sie Yankees waren – zu ihrem Vergnügen fantasievoll abmurkst. Das hat mich daran erinnert, dass es auf der Welt vermutlich zu jeder Zeit mehr als 2000 Verrückte gab, gibt und immer geben wird. Lewis schafft das, was jeder guten Horror-Comedy gelingen sollte – nämlich bei allem Spaß immer noch echtes Grauen anklingen zu lassen.

Bild © CMV Laservision
 

Mama (Andrés Muschietti, Spanien / Kanada 2013)

Posted by – 24. März 2013

MamaNicht nachvollziehbar handelnde Figuren, Versatzstücke am laufenden Band, ein bis zum Anschlag aufgerissener Score, um den Zuschauer zu erschrecken, sinnfreie Szenen, die nur dazu dienen etwas Atmosphäre zu erzeugen – die aber genau das Gegenteil bewirkten,… – willkommen im Gruselkino des neuen Jahrtausends!

Ein Mann bringt seine Frau um und flieht mit den beiden Töchtern Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse). Sein Bruder Lucas sucht ihn und die Mädchen (Nikolaj Coster-Waldau) in den folgenden Jahren verzweifelt – bis sie fünf Jahre später tatsächlich in einer verfallenen Hütte im Wald gefunden werden. Vom Bruder keine Spur. Lucas und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) nehmen die verwilderten Kinder bei sich auf, müssen aber bald feststellen, dass mit Victoria und Lilly noch etwas anderes, etwas Böses, in ihr Haus gekommen ist.

Wie oben schon angedeutet: Vieles hat mir an „Mama“ nicht gefallen. Der Film wirkt zu sehr wie ein aufgeblasener Kurzfilm, was er ja seinem Wesen nach auch ist. Viel zu oft unterwirft sich Andres Muschietti dem Diktat des (Er)Schreckens, anstatt sich auf seine Geschichte zu konzentrieren. Aber einiges fand ich dann doch richtig prima. Muschiettis Film ist nämlich eigentlich weniger normaler Gruselfilm als ein sozialpsychologisches Märchen darüber, wie Menschen durch ihr Milieu beeinflusst werden. Allerdings erzählt er diese Geschichte nicht wissenschaftlich-analytisch, sondern wählt vielmehr eine im doppelten Sinne fantastische Bildsprache und imposante Metaphern. Als sie nach fünf Jahren in der Hütte gefunden werden, sind sie mehr Monster als Menschen, was sich nicht nur durch ihr Aussehen, sondern in ihrer gesamten Körpersprache zeigt. Erst als sie von Lucas und Annabel liebevoll in die Familie aufgenommen werden, werden sie nach und nach wieder zivilisiert. Zumindest Victoria ist für die Vorzüge des neuen Zuhauses und die Zuneigung ihrer neuen Eltern durchaus empfänglich. Die jüngere Lilly hingegen findet sich in ihrer neuen Lebenswelt nicht zurecht. Zu einflussreich waren ihre Erlebnisse in den Wäldern, zu stark die Bindung zu ihrer „eigentlichen“ Mutter. Muschietti findet für diesen Kampf zweier Adoptivmütter um ihre Kinder starke Bilder, die die Auswirkungen des Milieus auf die beiden Mädchen und ihre Zerrissenheit illustrieren. So bildet das Ziehen und Zerren auch ein ganz zentrales Motiv des Films. Und zumindest auf dieser Ebene ist „Mama“ tatsächlich überaus gelungen. Ob das schon reicht, um „Mama“ insgesamt einen gelungenen Film zu nennen? Hier bin ich jetzt etwas zerrissen. Aber ich würde sagen: Eher nicht. Trotzdem hat er mich okay unterhalten und auch nach dem Kinobesuch noch einige Zeit beschäftigt. Insofern war es auf keinen Fall verschenkte Zeit.

Die gleiche Meinung in anderen Worte gibt’s auch in Nr. 25 des  Multimania-Magazins oder der aktuellen Ausgabe des Kontroversum-Podcasts.

Bild © Universal Pictures Germany
 

Rope (Alfred Hitchcock, USA 1948)

Posted by – 15. März 2013

Hitchcock Collection„Und Hochmut ist’s, wodurch die Engel fielen,  woran der Höllengeist die Menschen fasst“ – Friedrich Schiller

Die Studenten Brandon Shaw (John Dall) und Phillip Morgan (Farley Granger) wollen den perfekten Mord begehen. Ihre Wahl fällt auf ihren Kommilitonen David (Dick Hogan). Um den Triumph ihrer Tat voll auszukosten, legen sie die Leiche in eine Truhe, die auf einer Party am gleichen Abend als Buffet dient. Unter den Partygästen befindet sich auch der scharfsinnige Professor  Rupert Cadell (James Stewart), der bald Verdacht schöpft.

Bei Klassikern solchen Kalibers fühle ich mich manchmal etwas gehemmt, meine Meinung kund zu tun. Zu „Rope“ möchte ich aber dennoch ein paar Sätze schreiben, zum einen weil er mir ganz hervorragend gefallen hat, zum anderen, weil ich aufgrund einer mit 14 Titeln bestückten DVD-Box, die neuerdings mein Regal schmückt, mit dem Gedanken einer kleinen Hitchcock-Retrospektive hier im Blog spiele. Zu Rope möchte ich erst einmal Folgendes sagen. Ich bin froh, dass mir gerade dieser Film als erster aus der Box in die Hände gefallen ist, denn er hat mir richtig Lust gemacht, weitere Hitchcock-Filme zu sehen. „Rope“, der in Deutschland unter dem putzigen Titel „Cocktail für eine Leiche“ bekannt ist, funktioniert sowohl als spannendes Krimi-Kammerspiel als auch als Reflexion über menschliche Allmachtsfantasien. Was ich immer gerne sehe ist die Begrenzung des Raums, sei es durch kammerspielartige Anordnungen wie z.B. bei „12 Angry Men“ oder zum Zwecke klaustrophobischer Szenarien wie etwa bei „Cube“ – oder fast allen Filmen von John Carpenter. Auch „Rope“ zieht einen Teil seiner Kraft aus dem Handlungsort, der Wohnung von  Brandon und Phillip. Hitchock konnte so seine handwerkliche Perfektion unter Beweis stellen, Außerdem steigert die Limitierung des Raums die Spannung erheblich und gibt vielleicht sogar einen Ausblick auf die Zukunft der beiden Mörder.

Über die wahrscheinlich hinlänglich bekannten oder zumindest leicht zu ergoogelnden Besonderheiten von „Rope“ (nur 10 teilweise getarnte Schnitte, selten dezenter Cameo des Meisters, homoerotische Dimension der Geschichte etc.) will ich mich gar nicht äußern. Ein ebenfalls bekannter Aspekt des Films, auf den ich durch das auf der DVD enthaltene Interview mit dem Drehbuchautor Arthur Laurent gestoßen bin, finde ich aber doch interessant. Laurents Version des Scripts, das er gegen Hitchcock allerdings nicht durchsetzen konnte, sah vor, den Mord nicht gleich am Anfang des Films zu zeigen. Der Zuschauer sollte bis zum Ende im Unklaren gelassen werden, ob die beiden Studenten ihren Kommilitonen tatsächlich umgebracht und in der Truhe versteckt haben. Dadurch hätte sich nach dem Autor ein stärkerer Spannungsbogen aufbauen lassen. Ich hätte der Version von Laurent auch den Vorzug gegeben, weil sie einige Stärken des Films noch mehr zum Vorschein gebracht hätte. Ich meine damit gar nicht mal die dramaturgischen Gründe, die Laurent selbst anführt, sondern eine zusätzliche Bedeutungsebene, die diese ungewisse Situation verstärkt hätte. Nämlich, den Zuschauer dazu zu bringen, sich mit den elitären Überlegenheitsfantasien Brandons wirklich auseinanderzusetzen und ihn nicht gleich als gestörten Mörder abzustempeln. In seiner letzten Form ist „Rope“ ein sehr spannender, in seinem Minimalismus faszinierender und absolut präziser Film. Mit der ursprünglichen Drehbuchfassung wäre aber noch eine clevere Reflexionsebene über den nur scheinbar fluiden Übergang zwischen intellektuellem Spiel und blutiger Wirklichkeit hinzu gekommen. Für mich wäre das das i-Tüpfelchen gewesen.

Bild © Cover Universal, Foto ich
 

Es wird eng!

Posted by – 9. März 2013

Meine Film-Regale quellen über. Angeregt durch die Aktion neulich beim Sema, habe ich mich entschlossen, etwas Platz zu schaffen. Deswegen werde ich demnächst immer mal wieder einige DVDs und Blu-Rays verschenken. Hier die Filme der ersten Runde, Oster-Aktion quasi. Von oll bis doll – alles dabei!

Vol 1

Ihr könnt euch bis zu 3 Filme wünschen. Damit der richtige Film auch zum richtigen Rezipienten findet, schreibt mir als Kommentar unter diesen Post kurz, warum der Film gerade bei dir gut aufgehoben wäre. Ich entscheide dann, wer was bekommt. Bei Filmen ab 18 müsste ich noch wissen, dass ihr Volljährig seid. Und vergesst nicht, eine gültige E-Mail-Adresse dazulassen.

Dead Snow (Tommy Wirkola, Norwegen 2009)

Posted by – 7. März 2013

Dead SnowJuhu, Semesterferien. Was gibt es Schöneres als die freie Zeit mit seinen Freunden in einer abgelegenen Hütte irgendwo im norwegischen Nirgendwo zu verbringen? Das denken sich auch Vegard (Lasse Valdal), Chris (Jenny Skavlan), Erlend (Jeppe Laursen), Hanna (Charlotte Frogner), Martin (Vegar Hoel), Liv (Evy Kasseth Røsten) und Roy (Stig Frode Henriksen). Doch die sieben Freunde müssen feststellen, dass so ein Urlaub nur richtig Spaß macht, wenn man nicht plötzlich von einer Horde Nazi-Zombies angegriffen wird.

Weil mir Tommy Wirkolas US-Debüt „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ ganz gut gefallen hat, hat mich wirklich interessiert, was der Mann in heimischen Gefilden so hinbekommt. Durch Zufall flatterte gestern „Dead Snow“ (OT: Død snø) bei mir in die Wohnung und ich konnte meine Neugier umgehend befriedigen. Und ich war überrascht, allerdings im negativen Sinne. Vom Einfallsreichtum seines US-Debüts war in „Dead Snow bestenfalls in der letzten halben Stunde etwas zu bemerken. Die komplette erste Stunde unterscheidet sich nur im Detail von jedem x-beliebigen „Junge Leute irgendwo im der Pampa und dann auf einmal..“-Film. Ok, der eine trägt ein Braindead-T-Shirt, der andere erstickt beinahe (aus Versehen?) seine Freundin mit einem Kissen, aber vielmehr spring hier nicht ins Auge. Warum hat Wirkola seine Idee & das Splatterfeuerwerk nicht früher gestartet, sondern langweilt den Zuschauer eine Stunde mit Versatzstücken bis dann irgendwann – endlich – die Nazi-Zombies zum Einsatz kommen? Das stand wohl so im von Wirkola selbst verfassten Drehbuch.

Warum sollte man sich „Dead Snow“ überhaupt ansehen? Vielleicht, weil er inszenatorisch schon irgendwie in Ordnung geht. Ich verstehe jedenfalls, wie sich Wirkola durch diesen Film – besonders durch das letzte Drittel – für „Hansel & Gretel: Witch Hunters“ empfohlen hat. Außerdem könnten zumindest diejenigen, die noch nicht viel aus dem Genre kennen, Fans von SS-Wiedergängern und Zitatjäger (der Film quillt fast schon über vor Bezügen) auf ihre Kosten kommen. Allerdings: Gerade wenn jemand in diesem Bereich noch unbeleckt ist, sollte er vielleicht lieber zu Peter Jacksons „Braindead“ oder Sam Raimis „Evil Dead“-Trilogie greifen. Etwas besseres gibt es in diesem Genre nicht. Und auch für die, die gerne komische Figuren in Nazi-Uniformen sehen, gibt es interessantere Filme. Und zwar „Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloß Kottlitz“ von Lasse Nolte. Der ist spannender, lustiger und hat mit 46 Minuten die richtige Länge.

Was mir an „Dead Snow“ am besten gefallen hat? Dass die Zombies in ihren Uniformen irgendwann ordentlicher aussahen als die blutverschmierten Helden. Ich bin mir sicher: das bedeutet irgendwas.

Bild © E1 Entertainment
 

Cracker (Michael Winterbottom, Andy Wilson, Simon Cellan Jones, Tim Fywell, Julian Jarrold, Jean Stewart, Roy Battersby, Charles McDougall, UK 1993-1995)

Posted by – 3. März 2013

CrackerSerien. Viele sind zumindest kurzweilig. Und einige wenige gefallen mir auch richtig gut. Den Stellenwert von Filmen erreichen sie für mich dennoch nicht. Es mag stimmen, dass das Mehr an Erzählzeit, über das Serien verfügen, auch Chancen in sich birgt. Trotzdem: Für mich sind sie meist kein geschlossenes Ganzes – schon weil sie auf Biegen und Brechen so lange weitererzählt werden wie die Quote stimmt. Dass verschiedene Autoren und Regisseure an ihnen herumwerkeln macht die Sache auch nicht besser.

Aus diesem Grund habe ich eigentlich nie besonders viel Lust, mich zu Serien zu äußern. Im Falle von „Cracker“ möchte ich nicht nur eine Ausnahme machen. Ich möchte für diese Serie – oder sagen wir besser Filmreihe – sogar richtig laut die Werbetrommel rühren. Im Mittelpunkt von „Cracker“ (in Deutschland unter dem Titel „Für alle Fälle Fitz“ bekannt) steht der übergewichtige, kettenrauchende, fremdgehende, alkohol- und spielsüchtige Eddie „Fitz“ Fitzgerald (Robbie Coltrane), der die Mordkommission von Manchester als Profiler unterstützt. Doch nicht nur Mörder und Polizeikollegen machen dem launischen Psychologen zu schaffen, auch seine Ehe mit Judith (Barbara Flynn) stellt ihn vor große Herausforderungen.

Was die von Jimmy McGovern erdachte Serie von anderen Vertretern ihrer Art unterscheidet, ist zum einen die Länge einer Episode: kaum eine dauert unter 2 Stunden. Doch auch dramaturgisch hebt sich „Crackers“ von seinen Artgenossen ab: Hier geht es nicht um Hooks, Cliffhanger, Twists und möglichst ökonomisches Erzählen. Ruhig, präzise und einfühlsam werden die verschiedenen Kriminalfälle erzählt. Eine Folge dauert so lange wie sie eben dauert. Und wird erzählt, wie es der Geschichte am besten tut.

Diese hervorragend geschriebene und von Coltrane sowie allen anderen Darstellern (Robert Carlyle, John Simm und Christopher Eccleston verhalf die Serie zum Durchbruch!) famos gespielte Filmreihe hat ein von mir besonders geschätztes und erwähnenswertes Merkmal: Sie wagt sich nah – für viele Zuschauer bestimmt zu nah –an die Täter heran. Der Zuschauer erlebt nicht nur die grausamsten Taten, die Verbrechen werden für ihn sogar verständlich. Die Möglichkeit, die Täter als Monster, als Un-Menschen zu klassifizieren und das Gesehene dadurch erträglicher zu machen, gibt es nicht mehr. Jede Folge „Cracker“ ist wie die 2-stündige Reise in den Kopf eines Psychopathen. Es ist klar, dass man nach so einem „Urlaub“ nicht mehr der gleiche ist. Was auch der Grund für jede Menge Kritik sein dürfte, die die Serie bei Erstausstrahlung 1993 einstecken musste. Was „Cracker“ aufbietet, hat mit normaler Fernsehunterhaltung nichts mehr zu tun. Es geht ziemlich an die Nieren. Und so habe ich die Folgen auch nicht am Stück schauen können, sondern brauchte nach jeder Episode einige Wochen Erholung.

Und das soll auch mein Fazit sein: „Cracker“ braucht definitiv Zeit, aber diese Zeit ist gut investiert. Jede Folge ist ein Trip in die dunklen Seiten der menschlichen Psyche, eine manchmal amüsante, aber oft auch qualvolle Reise, von der man verändert zurückkehrt. Warum man das ertragen wollen sollte? Weil das Leid Teil der Welt ist. Und weil es sich vielleicht mindern lässt, wenn wir wissen, wie es entsteht und welche Formen es annehmen kann.

Bild © ITV Studios Home Entertainment