Month: April 2013

The Red Queen Kills Seven Times (Emilio Miraglia, Italien 1971)

Posted by – 28. April 2013

The Red Queen 2Ein verlockender Titel, ein paar guten Kritiken und ein gesundes Grundinteresse am Giallo haben mich neugierig gemacht auf Emilio Miraglias „The Red Queen Kills Seven Times“ (OT: La Dama rossa uccide sette volte). Der Film handelt von der Familie Wildenbrück. Im Mittelalter soll es zwei Schwestern gegeben haben, die schwarze und die rote Königin. Die schwarze ermordete ihre rote Schwester, doch diese kam von den Toten zurück, tötete zunächst sechs Unschuldige – bevor sie sich an Schwester rächte. Einer Legende nach wiederholen sich diese Geschehnisse alle hundert Jahre. Auch im zwanzigsten Jahrhundert hat sich die Prophezeiung zumindest schon zum Teil erfüllt, denn aus Versehen brachte Kitty Wildenbrück (Barbara Bouchet) ihre Schwester Evelyn um. Als plötzlich weitere Personen grausam ermordet werden, scheint sich die Familienlegende wieder einmal zu erfüllen.

Ich kann gar nicht genau sagen wieso, aber irgendwie ist der Film an mir vorbeigerauscht und ich habe keinen Moment gefunden, in dem ich wirklich einsteigen konnte. Vielleicht habe ich ihm einfach nicht die nötige Aufmerksamkeit entgegengebracht. Eigentlich waren alle wichtigen Giallo-Ingredienzien vorhanden, die Stimmung stimmte, der Film spielt im schönen Würzburg, es gab eine Handvoll atmosphärischer Momente und viele Tote (schon wieder 7!), der Score von Bruno Nicolai hat meine Ohren umschmeichelt und die Auflösung war gar nicht mal sooo doof. Trotzdem bin ich nicht reingekommen und kann am Ende nur sagen, dass „The Red Queen Kills Seven Times“ wahrscheinlich sogar ein überdurchschnittlicher Giallo war – nur eben nicht mit mir kompatibel.

Das Beste am Film: Eine (Traum-)Sequenz, in der die rote Königin messerschwingend und in Zeitlupe einen Gang entlang läuft, die ich schon aus dem Trailer kannte, die ich gestern Nacht ironischer Weise sekundenschlafbedingt irgendwie verpasst haben muss, so dass ich sie mir gerade noch mal herausgesucht habe. Schade, dass es in „The Red Queen Kills Seven Times“ nicht mehr solcher Momente gegeben hat. Dann hätte es etwas werden können mit mir und der roten Königin.

Bild © Eyecatcher Movies
 

Berberian Sound Studio (Peter Strickland, Großbritannien 2012)

Posted by – 28. April 2013

Berberian Sound Studio„Berberian Sound Studio“ – ein Film über die Macht von Gemüse?

Der Tontechniker Gilderoy (Toby Jones) reist nach Italien, um den Giallo „The Equestrian Vortex“ von Meisterregisseur Santini (Antonio Mancino) zu vertonen. Zusammen mit Produzent Francesco (Cosimo Fusco) macht er sich ans Werk. Doch schon bald verliert er sich immer mehr in der Geräuschwelt des Films. Und auch in der Realität beginnen ihm die Dinge seltsam vorzukommen. Verliert er den Verstand?

Viel passiert nicht in Peter Stricklands Film. Die meiste Zeit verbringt man damit, Gilderoy bei der Arbeit zuzusehen oder viel mehr – zuzuhören. Synchronsprecherinnen kommen und gehen, Gilderoy prügelt, zerhackt, zerstückelt derweil verschiedene Gemüsesorten, um den perfekten Sound für den Film zu finden. Außerdem versucht er seine Reisekosten erstattet zu bekommen, was sich als ziemlich schwierig herausstellt. Doch irgendwas passiert mit Gilderoy. Die Welt um ihn herum erscheint ihm immer seltsamer. Hat das mit dem Film zu tun? Für ihn wird es ständig schwieriger zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. Nach und nach wird aus ihm ein anderer. Am deutlichsten wird das wohl in der Szene, in der der sonst so schüchterne Mann plötzlich eine der Frauen, die für die Schreie im Film zuständig ist, durch quälende Geräusche über den Kopfhörer zu Höchstleistungen ankurbeln will.

Auf einer abstrakten Ebene ist mir der Film sehr sympathisch. Unser Gehirn braucht nicht nur visuelle Reize, um die überzeugende Illusion der Wahrheit eines Films zu konstruieren. Wie wichtig hierfür auch akustische Signale sind, merken wir in jedem Horrorfilm – und das zeigt uns Strickland auch kunstvoll in „Berberian Sound Studio“. Verglichen mit den Neo-Gialli „Amer“ und „Masks“ schneidet er meinem Geschmack nach jedenfalls recht gut ab. So ganz hin und weg bin ich aber trotzdem nicht. „Katalin Varga“, Stricklands Debütfilm, hat mich vor ein paar Jahren auf der Berlinale bereits ratlos zurückgelassen. Das hat der Regisseur mit „Berberian Sound Studio“ nun erneut geschafft. Worum geht es Strickland und worum geht es in seinem Film? Keine Ahnung. Ist es eine Homage an Gruselfilme im Allgemeinen und den Giallo im Besonderen? Bestimmt zumindest zum Teil. Geht es um die Macht der Geräusche und jemanden, der sich im Universum der Klänge verliert? Wahrscheinlich auch nicht ganz falsch. Aber irgendwie verliere ich mich auch selbst beim drüber Nachdenken und komme zu keinem vernünftigen Ergebnis. Offenes Ende.

Zuschauer bzw. –hörer mit einem akustischen Faible werden diesen originellen Film bestimmt mögen. Mich hat dieses Experiment leider nicht komplett überzeugt und gestern Nacht vor allem müde gemacht – bin ich doch eher Freund von Bildern und Geschichten. „The Equestrian Vortex“ wäre insofern sicherlich eher etwas für mich gewesen. Aber jetzt: Silenzio.

Bild © Artificial Eye

The Phantom (Paolo Barzman, USA / Kanada 2009)

Posted by – 28. April 2013

The PhantomVor vielen Jahren habe ich auch mal das eine oder andere „Phantom“-Comic gelesen. Insofern hatte ich zumindest ein Grundinteresse an diesem zweiteiligen Film. Manchmal sind es ja gerade die Sachen mit besonders schlechtem Artwork, die dann doch positiv überraschen. Leider hat die Comic-Verfilmung von Paolo Barzman selbst diese vage Hoffnung enttäuscht.

Chris Moore (Ryan Carnes) interessiert sich weniger für die Uni als mit seinem Kumpel über die Dächer der Stadt zu flitzen. Doch als ihm eine geheime Organisation mitteilt, dass er tatsächlich der Spross eines Superhelden „Phantom“ ist und seine Adoptiv-Eltern plötzlich  umgebracht werden, muss der junge Mann Verantwortung übernehmen und sich entscheiden, ob er das Erbe seiner Vorfahren antreten will.

Es gibt eine ganze Reihe von „Phantom“-Verfilmungen. Ohne einen davon gesehen zu haben, erlaube ich mir trotzdem anzunehmen, dass Barzmans Umsetzung zu den schlechtesten gehört. Hier stimmt eigentlich gar nichts. Story (dumm), die Figuren (uninteressant), die Schauspieler (mäßig), das Design (billig) usw. Dabei fand ich zumindest  den Anfang, als die Hauptfigur als junger, eigensinniger Parcours-Sportler vorgestellt wird,  noch ganz interessant. Doch damit ist es spätestens vorbei, als er auf eine Geheimorganisation trifft, die ihn mit seinem Erbe vertraut macht und er in seinen kugelsicheren, kraftverstärkenden, aber trotzdem völlig deppert aussehenden Trainingsanzug schlüpft. Mein persönliches Highlight am Film? Dass Chris, wenn er nicht gerade in seinem Kostüm unterwegs ist, eine lila Mütze auf hat. Corporate Color quasi. Bis auf die lustige Mütze ist „The Phantom“ leider ein ziemlich mickriges Filmchen. Selbiges war als Pilot für eine Serie gedacht, die verständlicherweise nie produziert wurde.

Bild © Koch Media
 

Oblivion (Joseph Kosinski, USA 2013)

Posted by – 17. April 2013

oblivionDie Erde wurde angegriffen. Die Menschheit hat gegen die Aliens gewonnen – doch  ihre Heimat liegt nun in Schutt und Asche. Während sich ein Großteil der überlebenden Menschheit auf den Weg zum Mond Titan gemacht hat, halten der Techniker Jack (Tom Cruise) und seine Frau Victoria (Andrea Riseborough) die Stellung auf der Erde. Sie überwachen den Abbau wertvoller Ressourcen,  halten die Maschinen in Gang und verteidigen diese gegen Plünderer. Dann fällt plötzlich eine Frau vom Himmel (Olga Kurylenko), die Jack aus seinen Träumen zu kennen glaubt…

Diebstahl von Ideen, Unoriginalität, Logiklöcher & Plotholes, Tom Cruise, Style Over Substance… – „Oblivion“ Joseph Kosinski hat sich schon so einiges vorwerfen lassen müssen. Hinzu kam noch die peinliche Sache mit der Graphic Novel, auf der die Story angeblich beruhte, bei der es sich dann aber doch nur um ein paar-seitiges Werbematerial handelte. Ich will jetzt gar nicht einzeln auf alle Punkte eingehen und auch nicht meine eigenen Kritikpunkte an den Film ausführen (die Action-Szene mit den drei Drohnen, Morgan Freeman). Ich möchte nur sagen, dass es mir manchmal recht willkürlich zu sein scheint, ob man das Werk eines Filmemachers als cleveres Zitatkino, liebevolle Hommage oder eben als Plagiat einstuft. In diesem Falle finde ich es jedenfalls nicht schlimm, dass Kosinski vor vielen Science-Fiction-Klassikern würdevoll seinen Hut zieht. Mir hat das Wiedererkennen der Vorlagen jedenfalls Spaß gemacht.

Im Zusammenhang mit dem „Das haben wir doch alles schon gesehen“-Vorwurf möchte ich auch noch meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass damit allem Anschein nach auch die Grundidee des Films gemeint ist. Meiner Meinung nach ist sie weder aus einem anderen Film „geklaut“ noch kann man ihr eine gewisse Cleverness absprechen. Jetzt muss ich mal spoilern: Es geht ja im Wesentlichen darum, dass sich außerirdische Invasoren der Menschen selbst bedienen, um die Erde zu erobern bzw. auszubeuten. Sie nutzen genau das, was sie beim Erstkontakt vorfinden: Ein Spaceshuttle und die darauf befindlichen Informationen – inklusive Besatzung. Sehr treffend lässt sich ein großer Teil des Films, verstärkt durch die kühlen, technisch-glatten Bilder, deswegen auch als Metapher der Entfremdung des Menschen von sich selbst interpretieren. Der Mensch wird als Instrument einer fremden Macht zu seinem eigenen Feind. Ohne es zu wissen. Schon dieser Teil des Plots ist meiner Meinung nach gute Science Fiction. Kosinski hebt seine Geschichte allerdings noch auf eine höhere Ebene. Denn: Warum merkt der Mensch eigentlich nicht, dass er manipuliert wird? Warum schöpft er keinen Verdacht? Ganz einfach: weil er vergisst.

Er vergisst und zwar alle fünf Jahre. Und hier kommen wir zum Titel – „Oblivion“. Im Film sind die Aliens dafür verantwortlich, weil sie ihre menschlichen Werkzeuge alle fünf Jahre einer Gedächtnislöschung unterziehen. So wird aufkeimender Verdacht im Keim erstickt. In der Zwischenzeit reicht eine gute Geschichte aus den Bestandteilen Mann, Frau, wichtiger Job, Zukunftsplan und Hoffnungen, um die Protagonisten auf Spur zu halten. Im Film sind es Aliens, die Menschen vergessen lassen, aber in Wirklichkeit vergisst die Menschheit auch ganz gut allein, oder? Und auf einmal ist „Oblivion“ nicht einfach nur gute Science Fiction, sondern ein tiefenpsychologischer Ökothriller und eine drastische Gesellschaftskritik, die man hinter den spiegelnden Oberflächen des Films nicht so leicht erkennt. Dort sieht man nur sein eigenes Gesicht.

Bild © Universal Pictures 
 

The Iron Rose (Jean Rollin, Frankreich 1973)

Posted by – 14. April 2013

The Iron RoseIn „The Iron Rose“ verliert ein Pärchen zunächst eine Uhr, dann die Zeit und schließlich sich selbst. Und ich bin verwirrt, möchte aber trotzdem ein paar Sätze zu diesem faszinierenden Film loswerden.

Die Handlung von „The Iron Rose“ (OT: La Rose de Fer; in Deutschland als „Die Eiserne Rose“ oder „Friedhof der toten Seelen“ bekannt), meiner ersten, sehnsüchtig erwarteten Begegnung mit einem Film des französischen Enfant Terrible Jean Rollin, lässt sich so zusammenfassen: Ein frisch verliebtes Pärchen gelangt bei einem Fahrradausflug auf einen Friedhof, auf dem es beschließt zu picknicken – und verirrt sich. Wobei man hier schon einwenden dürfte, dass „verliebt“ vielleicht ein wenig übertrieben ist. Die beiden haben sich tags zuvor auf einer Familienfeier kennengelernt. Sie (Mireille Dargent) war fasziniert von ihm (Françoise Pascal), weil er der langweiligen Festivität durch ein morbides Gedicht etwas Leben eingehaucht hatte. Der anschließende Flirt mündete in besagter Fahrradtour. Doch obwohl ein gewisses Knistern zwischen den beiden unverkennbar war, werden erste Spannungen deutlich, als sie den Ausgang des Friedhofs nicht mehr finden. Während er die Sache herunterspielt und meint, dass man sich auf einem Provinzfriedhof ja wohl nur schlecht langfristig verirren könne, ist sie sichtlich nervöser, sogar ängstlich. Das unterschiedliche Verhalten der Figuren angesichts des Friedhofs und dem, wofür er steht, lässt sich meiner Meinung nach gut als Ausgangspunkt für einen Deutungsversuch nutzen.

Er, der anfangs noch wie ein Rebell und Freigeist wirkt, in dem er die Festgesellschaft mit seiner Einlage provoziert, weil er beim Flirt nichts anbrennen lässt und einen Friedhof als Picknickplatz wählt, der mutig in ein Grab hinabsteigt (wo er seine Uhr verliert) und die Frau überredet, ihm zu folgen, er, der mit dem Morbiden, dem Tod nur kokettiert – er bricht im Angesicht seiner Endlichkeit ein. In gewissem Sinne war er ein Betrüger und Materialist. Das zeigt sich im Film sehr schön daran, wie dringend er seine Uhr wiederfinden will. Sie hingegen ist empfindsam und ehrlich in Bezug auf das, was sie fühlt. Manchmal scheint sie fast wie ein Kind, das Fangen und Verstecken spielen will. Das Labyrinth des Friedhofs kostet sie fast den Verstand. Doch sie kämpft nicht dagegen an, sie akzeptiert und überwindet schließlich ihre Angst. Sie hat die Furcht hinter sich gelassen, aber damit auch weltliche Kategorien. Als er schließlich seine Uhr und damit die Zeit wieder findet, ist das für ihn das Ende. Und ein trauriges dazu. Sie tanzt noch eine Nacht beseelt über den Friedhof. Und als sie ihm dann folgt, tut sie es im Einklang mit sich, der Welt und der Unendlichkeit. Sie ist frei.

Wenn „The Iron Rose“ nicht diese Körperlichkeit und extreme Sinnlichkeit hätte, würde ich sagen, Rollin hat einen buddhistischen Film gemacht, in dem der immerwährende Leidenskreislauf, den das Leben bedeutet, nur überwunden werden kann, in dem das Selbst aufgegeben wird. Aber: Hätte sich Rollin, wäre das tatsächlich sein Anliegen gewesen, nicht etwas weniger an der nackten Haut seiner Hauptdarstellerin Dargent erfreuen müssen? Vielleicht ist genau das aber gerade der verschmitzte Witz des Films, durch den Rollin sich und seine Einstellung zum Leben sympathisch positioniert. Der Titel, die eiserne Rose als groteskes Symbol für unendliche, aber kalte, tote Liebe, würde diese Lesart noch einmal stützen.

Bild © VZ-Handelsgesellschaft
 

Evil Dead (Fede Alvarez, USA 2013)

Posted by – 13. April 2013

Evil Dead RemakeGestern habe ich noch für die kommende, zwölfte Ausgabe des AGM geschrieben, dass es sich beim demnächst im Kino anlaufenden „Evil Dead“ um ein gelungenes Remake des Raimi-Klassikers handelt. Heute, nachdem ich  einmal drüber geschlafen habe, möchte ich diese Aussage zwar nicht revidieren, allerdings doch ein wenig relativieren bzw. ins rechte Licht rücken. Ich bin immer noch der Meinung, dass der Film von Fede Alvarez seine Vorzüge hat. Aber ich denke auch, dass bei einer Neuinterpretation eines Stoffs erkennbar sein sollte, inwieweit sie künstlerischen Mehrwert darstellt. Und das fehlt mir bei diesem Remake leider etwas.

Alvarez übernimmt die Grundprämissen von Raimis Film (Wald, Hütte, Necromonicon), weicht aber im Detail recht stark von der Originalgeschichte ab: Hier geht es um David (Shiloh Fernandez), der mit seinen Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) in der Waldhütte Urlaub machen will, der sich aber gleichzeitig noch um seine Schwester Mia (Jane Levy) kümmern muss, die gerade versucht von ihrer Heroinsucht loszukommen. Allerdings läuft diese, im Vergleich zum Original durchaus differenziertere Figurenkonstellation ins Leere: Mias Drogensucht, die durchaus das Potenzial geboten hätte, der Besessenheit durch Dämonen eine neue Facette abzugewinnen, wird im Folgenden kaum weiter thematisiert. Und auch die Beziehung zwischen Mia und ihrem Bruder sowie der Konflikt zwischen ihnen werden nicht entwickelt. Was weiterhin an dem Remake auffällt (was ihn aber ebenso wenig wie die inhaltlichen Änderungen signifikant vom Original unterscheidet), sind die rabiaten, aber gut gemachten Splatter-Einlagen: Da werden Gliedmaßen abgesägt, Knochen zertrümmert, Körper zerteilt oder mit Nagelschussgeräten bearbeitet. Wahrscheinlich ist diese kompromisslose Härte, die in ihrer Übertreibung aber gleichzeitig schon wieder einen Schritt in Richtung Komödie macht und hierin die größte Nähe zum Original hat, der stärkste Aspekt des Films. Aber Ramis „Evil Dead“-Filme sind ja nicht deswegen so großartig, weil sie blutrünstig sind, sondern weil sie einen ganz eigenen Ton haben und vor inszenatorischem Einfallsreichtum nur so wimmeln. Was der 1978 in Montevideo geborene Regisseur hier zeigt, kann sich durchaus sehen lassen. Von der überbordenden Kreativität Raimis, der, als er 1981 „The Evil Dead“ drehte, erst 23 Jahre alt war, ist Alvarez allerdings ziemlich weit entfernt.

„Evil Dead“ ist geradliniger, blutrünstiger Horror, der zeigt, dass auch nach „Cabin In The Woods“ noch Filme über Hütten im Wald möglich sind. Insofern: gelungen. Es ist ein Film für Leute, die sehen wollen, wie sich jemand mit einem Brotmesser den Arm absägt. Insofern: gelungen. Doch Alvarez Remake ist eben auch eines, das Experimentierfreude und eigene Ideen – vom feurige Finale vielleicht einmal abgesehen – schmerzlich missen lässt und dem Original deswegen in keiner Hinsicht das Wasser abgraben kann. Wer die Filme von Sam Raimi liebt, wird dieses Remake nicht unbedingt hassen, würde vermutlich aber sehr gut ohne es auskommen.

Bild © Sony
 

Es wird eng! (2)

Posted by – 13. April 2013

Es ist immer noch zu eng im Filmregel. Deswegen möchte ich mich weiterhin von einigen weniger geliebten oder doppelten Filmen verabschieden. Zur Auswahl stehen:

Ungeliebte Stiefkinder

„Regeln“ wie beim letzten Mal: Ihr könnt euch bis zu 3 Filme wünschen. Damit jeder Film ein schönes Zuhause  findet, schreibt mir als Kommentar unter diesen Post kurz, warum er gerade bei dir besonders gut aufgehoben wäre und lasst eine funktionierende E-Mail-Adresse da. Ich entscheide, wer was bekommt.

Dressed To Kill (Brian de Palma, USA 1980)

Posted by – 13. April 2013

dressed to killDo you want to fuck me? – Liz

Kate (Angie Dickinson) ist gelangweilt von ihrer Ehe. Kurz nachdem sie ihrem Psychiater Dr. Elliott (Michael Caine) davon erzählt und anschließend  mit einem Unbekannten fremd geht, wird sie umgebracht. Zeuge des Mordes ist Callgirl Liz (Nancy Allen), die als Täter eine große blonde Frau mit Sonnenbrille gesehen zu haben glaubt. Doch die Polizei nimmt ihr das nicht ab. Schlimmer noch: Liz selbst gerät als vermeintliche Mörderin ins Visier der Cops. Gemeinsam mit Kates Sohn Peter (Keith Gordon) macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Killer.

So erzählt, könnte dies die Story eines ganz normalen Thrillers sein. Doch „Dressed To Kill“ ist anders. Sex sickert ihm aus jeder Pore. Er ist auf eine Art und Weise pervers, die sich mir im ersten Moment noch gar nicht erschlossen hat. Ein wenig wie ein Apfel – außen wunderschön, verlockend, innen: faul. Ich lasse jetzt mal seine stilistischen Merkmale des Films, die offensichtlichen Hitchcock-Zitate und Giallo-Momente, die Plansequenzen, Splitscreens, de Palmas thematisches Repertoire von Voyeurismus und multiplen Persönlichkeiten weg und sage lieber ein paar Worte zu diesem Ton, diesem Missklang, der sich, manchmal kaum hörbar, dann wieder überdeutlich, durch den Film zieht.

„Dressed To Kill“ ist ein Film über (gestörte) Sexualität. Schon die erste Szene, eine Vergewaltigungsfantasie von Kate während des unbefriedigenden Beischlafs mit ihrem Mann, gibt die Richtung vor. Kurze Zeit später baggert sie zuerst ihren Psychiater und danach im Museum einen Fremden an. Mit beiden Männern hat sie keinen Glücksgriff getan. Mit dem Psychiater, weil dieser gleichzeitig ein gefährlicher Psychopath ist, mit dem anderen Mann, weil dieser sie  beim auf den Museumsbesuch folgenden Sex mit einer Geschlechtskrankheit ansteckt. Und so geht es in dem Film auch weiter: Angestaute sexuelle Energie wohin man sieht, notgeile Frauen, gestörte Männer. Ich bin mir relativ sicher, dass de Palma, dem wir auch das seltsame Drehbuch zum Film verdanken, nicht sagen wollte: Frauen, gebt Acht, vor welchem Mann ihr mit dem Kotelett winkt – er könnte ein Wolf sein. Es geht wohl eher in die Richtung zu zeigen, was das krampfhaft Verdrängte aus dem Menschen macht, wenn es sich mit Gewalt wieder seinen Weg an die Oberfläche bahnt. Die Menschen in de Palmas Film sind nicht Opfer ihrer Triebe – sie sind Opfer des Versuchs, ihre Triebe zu kontrollieren. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, sind die Frauen des Films trotz ihrer Opferrolle hier die stärkeren Figuren, ganz einfach aus dem Grund, weil sie im Gegensatz zu den grotesken Männern ihren Instinkten folgen.  Wohltuend habe ich deswegen auch die Beziehung zwischen Liz und Peter empfunden. Auch wenn sie sich aufgrund ihrer angedeuteten erotischen Konnotation außerhalb von gesellschaftlich Normen bewegt, ist sie doch angenehm entspannt, unverkrampft und deswegen ein auffälliger Kontrapunkt zum Rest des Films.

Man kann es bestimmt herauslesen: Ich bin mir über den Film ziemlich im Unklaren. Irgendwas ist da, das ich nicht zu greifen kriege. Zum Schluss, nach etwas Nachdenken, bin ich mir aber zumindest in dieser Hinsicht (fast) sicher: „Dressed To Kill“ ist nicht nur eine Verbeugung vor Hitchcock, sondern gleichzeitig auch eine Form von Satire auf den Erfinder des Thrillers. Und – das ist das Seltsame daran – ich bin mir gar nicht sicher, ob dies von de Palma wirklich beabsichtigt war. Ich würde nicht soweit gehen, den Film als unfreiwillig komisch zu bezeichnen. Komisch, auf eine bizarre Art und Weise, ist er nichtsdestotrotz. Vielleicht muss er das auch sein, weil man das Thema Sexualität bei aller gesellschaftlichen Überformung heute gar nicht mehr anders thematisieren kann. „Dressed To Kill“ erinnert mich ein wenig an die Geschichte von Eva, Adam und dem Apfel, weil auch dort die Frau dafür bestraft wird, dass sie sich normal verhält. Und weil man auch diese Geschichte auslegen kann, wie man gerade Lust hat.

Bild © MGM
 

Christine (John Carpenter, USA 1983)

Posted by – 13. April 2013

ChristineLet me tell you something about love. It has a voracious appetite. It eat’s everything. Friendship, family…“ – Arnie Cunningham

Wenn es einen Film von John Carpenter gibt, mit dem ich noch nie so richtig warm geworden bin, dann ist das „Christine“.  Das könnte natürlich auch an der Roman-Vorlage von Stephen King liegen. Für die gilt das gleiche. Da mein Kontakt mit Roman und Film allerdings bis in die Schulzeit zurückreicht, wird es Zeit, so denke ich mir gerade, zumindest den Film, der seit ein paar Monaten unbeachtet im Regal steht, einer Neusichtung zu unterziehen.

Darum geht’s: Arnie (Keith Gordon), hat es nicht leicht an der High School. Er ist der Prügelknabe der Stärkeren. Vor allem Buddy (William Ostrander) und seine Gang haben es auf ihn abgesehen. Doch als sich Arnie einen stark renovierungsbedürftigen 1958er Plymouth Fury zulegt und diesen wieder auf Vordermann bringt, geht auf einmal eine Veränderung in dem Außenseiter vor. Selbst sein bester Freund Dennis (Dennis Guilder) erkennt ihn bald kaum noch wieder. Als plötzlich Buddys Gang unfreiwillig ins Jenseits befördert wird, beginnt sich auch der Polizist Rudolph Junkins (Harry Dean Stanton) für Arnie und sein Auto zu interessieren.

Mich erinnert der Film gerade an die maskuline Variante von „Carrie“. Statt einem Mädchen, das sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens herumschlagen muss, ist es hier der junge Außenseiter Arnie. In beiden Filmen geht es um die erste Liebe.  Doch statt des Schulballs, um den sich bei Carrie alles dreht, geht es hier um Autos. Und ich mag einfach keine Filme mit Autos. Mochte ich noch nie. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dem Film bzw. dem Roman bisher so wenig abgewinnen konnte. Aber eigentlich geht es in „Christine“ nicht um ein Auto. Im weitesten Sinne geht es um falsche Freunde, seien es Personen, Gruppen oder Gegenstände, jedenfalls um Dinge, die einem das Gefühl von Stärke vermitteln, die einen aber letzten Endes zerstören. Drogen könnte man hierzu zählen. Manche Fetische. Extreme Gruppierungen.

Aber diese Ebene, die der Stoff um das mörderische Auto zweifellos besitzt, ist nur eine vom mehren Aspekten, die ich an dem Film mag. Keith Gordons Performance als Arnie Cunningham beispielsweise, die ich früher immer etwas over the top fand, hat mir heute ziemlich gut gefallen. Alle Figuren des Films sind in gewisser Weise ja Karikaturen, aber trotz der Übertreibungen – hier passt es und bringt sogar noch den ironischen Ton des Stoffes besser heraus. Das größte Pfund ist aber –  wie bei allen Filmen des Regisseurs – John Carpenters Inszenierung. Und das, obwohl das Skipt Carpenter eigentlich wenig Möglichkeiten gibt, seine Stärken wie die Inszenierung von geschlossenen Räumen voll auszuspielen. Aber auch so gibt es einiges, das ins Auge springt. Die brennende Christine beispielsweise, die Buddy verfolgt und überfährt und dann irgendwann – beobachtet vom Garagenbesitzer – verkohlt zurück zu ihrem Stellplatz kommt, gehört zu den maßvollen, aber nichtsdestotrotz vorhandenen Highlights dieses insgesamt recht ruhigen Films. In dieser Sequenz zeigt Carpenter sein Gefühl für Bild, Bewegung, Erzählton (unheimlich, aber nicht ohne Augenzwinkern) und Musik sehr gut. Ebenfalls erwähnenswert die Szene mit Arnie, der schon völlig von Christine besessen ist und Dennis während einer Spritztour. Aus ihr stammt auch das Zitat am Anfang des Textes, das die – ich sag jetzt einfach mal – „Moral“ des Films deutlich macht. Die falsche Liebe kann dich verschlingen.

Ich denke, „Christine“ gehört trotz einiger Vorzüge nicht zu Carpenters besten Filmen. Trotzdem muss ich meine Meinung von damals revidieren und sage, doch, heute gefällt er mir. Eine der besseren Stephen-King-Verfilmungen ist er obendrein. Und, obwohl ich keine Autos mag: Christine ist verdammt schön.

Bild © Sony
 

Seven Deaths In The Catseye (Antonio Margheriti, Italien 1973)

Posted by – 2. April 2013

sieben toteOstern auf dem Land. Während die erweiterte Familie unten in der Wohnstube lärmt, musste ich mich mal kurz ins Obergeschoss zurückziehen und durchatmen. Und einen Film schauen. Die Wahl fiel auf „La Morte Negli Occhi Del Gatto“ internationally know as „Seven Deaths In The Catseye“, einen Giallo, der in großen Elektronikmärkten gerade für 2,99 Euro verscherbelt wird. Titel sagte mir was, der Regisseur Antonio Margheriti nicht.

Es geht um die junge Corringa (Jane Birkin), die, nachdem sie das Internat geschmissen hat, zum Schloss ihrer Familie reist, um ihre Mutter und Tante zu besuchen. Dort treibt sich allerdings auch ein Killer herum, der die Schlossbewohner nach und nach dezimiert.

Ein guter Giallo fühlt sich irgendwie immer ganz eigenartig an. Zu den typischen Ingredenzien (schwarze Handschuhe, Rasiermesser,…),  stilisierte Morde, oft aus der Sicht des Killers und dem damit verbundene voyeuristischen Blick auf Gewalt, kommt oft eine wirre Geschichte, an die man sich schon kurz nach dem Film nicht mehr erinnern kann. Bei „Seven Deaths In The Catseye“ kam so richtiges Giallo-Feeling bei mir allerdings nicht auf, obwohl die „Zutaten“ durchaus vorhanden waren. Allerdings fühlten sich die sieben Morde  an wie drei und auch sonst geht es in Margheritis Film zumindest was Sex & Crime betrifft eher unspektakulär zu. Was auffällig war, waren eher viele kleine Sonderbarkeiten, die jede für sich genommen durchaus interessant waren bzw. gewesen wären, hätte Margheriti irgendwas daraus gemacht und sie besser in die Geschichte eingebaut. In dieser Form wirkten sie für mich nicht durchdacht, vielleicht sogar aufgesetzt. Um gleich mal den dem skurrilsten Einfall zu nennen: Im Zimmer von Corringas Neffen wohnt ein Affe, der im Film als Orang-Utan bezeichnet wird, der aber aussieht wie ein Schauspieler in einem schlechten Gorilla-Kostüm. Aber unabhängig von der Qualität der Verkleidung: Dieser Einfall trägt überhaupt nichts zur Geschichte bei, sorgt an keiner Stelle für einen Aha-Effekt, sondern nur für milde Irritation. Nichts gegen die Affen-Idee an sich, aber so dargestellt funktioniert sie jedenfalls nicht. Daneben lassen sich eine Reihe weiterer Beispiele nennen (das Vampirthema, die titelgebende Katze,…), womit Margheriti sicher etwas Interessantes im Sinn hatte, das  dann aber leider nicht weiterverfolgt.

Vielleicht würden diese ganzen Seltsamkeiten für den einen oder anderen den Reiz des Films ausmachen. Für mich war „Seven Deaths In The Catseye“ ein einigermaßen unterhaltsamer Krimi mit Mysterytouch – aber eben auch ein Film der verpassten Möglichkeiten. Wenn ich zum Schluss noch etwas hervorheben müsste, was mir besonders gut gefallen hat, wäre das zum einen Jane Birkin und  zum anderen das Schloss, in dem die Geschichte spielt. Beide scheinen ein Geheimnis zu verbergen, das im Film bis zum Ende nicht gelüftet wird.

Bild © VZ-Handelsgesellschaft mbH