Month: Mai 2013

The Fury (Brian de Palma, USA 1978)

Posted by – 31. Mai 2013

Teufelskreis AlphaFür gut erzählte Geschichten über Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten habe ich ein Faible. Z.B. fand ich den (leider noch nicht verfilmten) Roman „Carrion Comfort“ von Dan Simmons ganz großartig; oder „Firestarter“ von Stephen King (okaye Verfilmung 1984 durch Mark L. Lester); oder den durch Brian de Palma großartig umgesetzten King-Roman „Carrie“. In die Liste meiner liebsten PSI- (und de-Palma-)Filme gehört aber mit Sicherheit auch „The Fury“, den ich mir gestern seit vielen Jahren endlich einmal wieder angesehen habe.

Es geht um den ehemaligen Agenten Peter Sandza (Kirk Douglas), dessen Sohn Robin (Andrew Stevens) über besondere Fähigkeiten verfügt. Bei einem Ausflug zum Strand werden Vater und Sohn auf einmal von maskierten Männern angegriffen. Peter Sandza kommt dabei scheinbar ums Leben. Robin wird von Sandzas Ex-Kollegen Childress (John Cassavetes) gerettet. Was Robin nicht weiß: Eigentlich hat Childress den Überfall eingefädelt, weil er den begabten jungen Mann für sich haben will. Sandza, der überlebt hat, macht sich auf die Suche nach seinem Sohn. Dabei soll ihm – die ebenfalls mit PSI-Fähigkeiten ausgestattete – Gillian Bellaver (Amy Irving) helfen.

Während ich hier so tippe, bestätigt sich noch einmal der Eindruck, den ich gestern Abend beim Schauen hatte: „The Fury“ ist – aber das gilt ja auch für alle anderen de Palma Filme – ein recht merkwürdiges Ding, bei dem alles nicht so recht zusammenzupassen scheint. Die Inhaltsangabe suggeriert einen Agenten-Thriller. Und das ist „The Fury“ zumindest irgendwie auch: Peter Sandza sucht seinen Sohn, wird von seinem Kollegen durch die Stadt gehetzt und liefert sich wilde Verfolgungsjagden mit dessen Agenten. Auf der anderen Seite liegt ein Fokus auf Gillian, ihre Fähigkeiten und Problemen sowie ihrer Zeit in der Schule für Begabte. Beide Handlungsstränge haben miteinander zu tun, doch führen sie auch ein Eigenleben. Notdürftig werden beide sie durch die Figur Hester (Carrie Snodgress) – Peter Sandzas Freundin und gleichzeitig Mitarbeiterin in Gillians Schule – zusammengehalten – richtig zusammengehörig wirken sie auf mich trotzdem nicht. Jede Geschichte hätte auch ohne die andere funktioniert. Mir persönlich gefällt der parapsychologische Teil um Gillian (und Robin) weit besser. Der Thriller-Part mit dem in die Jahre gekommenen Kirk Douglas wirkt auf mich etwas wie ein Zugeständnis an einen alten Star der sich noch einmal als Action-Held sehen will.

Dass das alles keinen besonders harmonischen Eindruck macht, soll aber nicht als große Kritik an dem Film aufgefasst werden. Für mich macht es immer auch ein wenig den Reiz von de Palmas Filmen aus, dass da eben nicht alles glatt und reibungslos zusammengeht. Krude Storylines, skizzenhafte Figuren, grelle Psychologie und der außergewöhnliche Stil de Palmas ergeben ein ganz eigenes Gemisch, das Spaß machen kann. Noch ein paar schöne Details an „The Fury“: Daryl Hannah in einer frühen Rolle; und John Cassavetes mal wieder als Schauspieler. Und apropos Inszenierung: Auch „The Fury“ hat wieder reichlich wahnsinnig gute Momente. Wunderbare Szenen sind z.B. die, als Gillian die Gedanken ihres Arztes Dr. Jim McKeever (Charles Durning) liest; die Szenen auf der Straße, nachdem als sie aus dem Institut geflohen ist; als Robin zum Schluss dann angekündigter Weise völlig frei dreht, Körper durch die Gegend gewirbelt werden, verplatzen. In manchen Momenten erinnert „The Fury“ stark – und nicht nur thematisch, sondern auch atmosphärisch und inszenatorisch – an „Scanners“. Und ich frage mich, inwieweit David Cronenberg sich wohl von de Palmas Film hat beeinflussen lassen.

Am Anfang habe ich gesagt, dass ich „gut erzählte“ Geschichten über Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten mag. Vielleicht muss ich das noch etwas eingrenzen: Bei Filmen zumindest reicht es, wenn sie visuell eindrucksvoll sind und es schaffen, eine eigene Stimmung herzustellen. Und das schafft de Palmas mit „The Fury“ definitiv.

 Bild © Twentieth Century Fox
 

Giallo Collection Teil 1 (Vittorio Sindoni, Piero Schivazappa, Francesco Mazzei, Italien 1968/69/73)

Posted by – 27. Mai 2013

Giallo Collection

Allen fortgeschrittenen Anfängern in Sachen Giallo möchte ich gerne diese quietsch-gelbe Box empfehlen. Gar nicht mal, weil alle Filme darin jetzt wahnsinnig gut sind. Sondern, weil hier einige weniger bekannte und trotzdem sehenswerte Vertreter endlich einmal in Deutschland erscheinen. Und mit „The Frightend Woman“ (OT: Femina ridens) hat die Box immerhin einen echten Knaller dabei!

Aber der Reihe nach. Den (chronologischen) Anfang in der Box macht „Deadly Inheritance“ (OT: L’ Assassino ha le mane pulite) von Vittorio Sindoni aus dem Jahre 1968, der mit diesem Film sein Debüt gibt. Darin geht es um blutige Erbstreitigkeiten. Das Erbe eines Mannes soll nämlich erst dann an seine Verwandten verteilt werden, wenn sein Sohn Janot (Ernesto Colli) das 21. Lebensjahr erreicht hat. Je weniger Angehörige, desto mehr Geld für den einzelnen, denkt sich wohl einer der Erben – und killt eiskalt die potenziellen Konkurrenten. Auch die clevere Simone (Femi Benussi) muss um ihr Leben fürchten. Dieser früher Giallo steht weit hinter der visuellen Extravaganz der Genre-Platzhirsche zurück; aber es ist eben auch ein Film, der vor der großen Giallo-Welle der Frühsiebziger zeitlich um einiges voraus war und die für späteren Filme stilbildende Elemente mitprägte. Vor allem aus diesem Grund ist Sindonis ein guter Film für den Zuschauer, der sich mit den Anfängen des Genres bekanntmachen will. Besonders gelungen ist der Score von Stefano Torossi. Fazito insofern: Solide

Das Highlight dieser und der Box und mit seinem Jahrgang 1969 ebenfalls ein früher Vertreter des Genres ist Piero Schivazappas „The Frightend Woman“ (OT: Femina ridens). Wie Sindonis ist auch Schivazappas Film in der „Giallo Collection“ von Koch zum ersten Mal in Deutschland erhältlich. Die Geschichte: Der exzentrische, selbstverliebte und misogyne Dr. Sayer (Philippe Leroy) entführt junge Frauen. In seiner Villa quält und erniedrigt er sie. Der Grund? Sayer befürchtet, die Frauen würden naher Zukunft die Männer unterwerfen und biologisch überflüssig machen. Sein neustes Opfer: die Journalistin Maria (Dagmar Lassander). Doch hat Sayer – auch wenn es erst so scheint – in Maria kein leichtes Opfer gefunden. „The Frightend Woman“ ist kein klassischer Giallo. Die typischen Erkennungsmerkmale fehlen fast völlig. Das fängt schon damit an, dass es keinen Killer gibt, sondern dass Schivazappa sich in dem Film auf das Psychospiel seiner beiden Protagonisten konzentriert. Das ist sehr spannend, aber auch ziemlich merkwürdig. Irgendwann scheint sich der Film in einen LSD-Trip zu verwandelt, von dem er bis zum Schluss nicht mehr herunterkommt. Ein wunderbarer und wunderlicher Film, über den ich mich gerne irgendwann noch einmal länger äußern würde. Vielen Dank an Koch Media für dieses Release!

Auch der dritte Film aus der Collection, „The Weapon, the Hour, & the Motive“ (OT: L’ Arma, l’ora, il movente ) von Francesco Mazzei aus dem Jahre 1973 – der Hochzeit der Gialli – kann sich (nun) sehen lassen. Auch er feiert in dieser Box Deutschlandpremiere. Am Anfang des Films steht, wie so oft in diesem Genre, ein Mord: Der Priester Don Giorgio hat eine Affäre mit gleich zwei verheirateten Frauen. Weil ihn sein Gewissen quält, beendet er die Beziehung – und wird kurz darauf ermordet in der Kirche aufgefunden. War es eine seiner Liebschaften, z.B. die rachsüchtige Giulia? Oder doch die gehörnte Orchidea? Oder hatte der Mord ganz andere Gründe? Kommissar Franco (Renzo Montagnani) ermittelt – und hat es mit weiteren Toten zu tun. Mazzeis Film besticht vor allem durch sein religiöses Ambiente. Viele Szenen spielen in der Kirche oder in den Gewölben darunter. Der Regisseur, der auch für Story & Drehbuch seines Films mitverantwortlich war, lässt es sich nicht nehmen, gehörig gegen die Kirche auszuteilen. Nicht nur Pater Giorgio, auch die Nonnen des Ordens, werden bei der exzessiven Selbstgeißlung gezeigt. Trotzdem will Mazzei seinen Film sicher nicht in erster Linie als Seitenhieb gegen die Kirche, sondern als spannenden Thriller verstanden wissen. Und das ist ihm, von einigen Längen abgesehen, auch gelungen. Leider ist dieses Mazzeis einziger Film als Regisseur. Schade, da wäre bestimmt noch was gegangen.

Bild © Koch Media
 

Sisters (Brian de Palma, USA 1973)

Posted by – 10. Mai 2013

SistersIch versuche gerade ein paar meiner Bildungslücken in Sachen Brian de Palma zu schließen. Da stolpere ich vor ein paar Tagen doch zufällig in einem kleinem Weddinger Laden für gebrauchte CDs und DVDs über seinen mir bisher unbekannten Thriller „Sisters“. 2,90 Euro.

Der Film handelt zunächst von Danielle (Margot Kidder), die einen Mann namens Philip (Lisle Wilson) bei der TV-Show „Peeping Tom“ kennen lernt.  Die darauf folgende Liebesnacht überlebt Philip nicht. Danach verschiebt sich die Perspektive: Danielles Nachbarin, die Journalistin Grace Collier (Jennifer Salt), hat den Mord beobachtet und beschuldigt Danielle. Doch die Polizei glaubt ihr nicht. Der Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt schon etwas schlauer als Grace, der weiß nämlich, oder darf zumindest begründet vermuten, dass für den Mord nicht Danielle, sondern ihre Zwillingsschwester Dominique verantwortlich ist. Zusammen mit dem Detektiv Joseph Larch (Charles Durning) versucht sie das auch zu beweisen. Während Larch dem Sofa folgt, in dem beide die Leiche vermuten, macht sich Grace auf den Weg in die Anstalt, in der Danielle und ihre Schwester damals gewohnt haben.

Auch in diesem frühen Film von ihm lassen sich schon viele seiner Trademarkts auffinden: Hitchcock-Zitate, tolle Kamerafahrten, das Zwillingsmotiv, Splitscreens.  Und auch das Wirre, das Irre, das psychologisch Abstruse, sexuell Aufgeladene, dümmlich Genialistische, das in vielen späteren Filmen – mal mehr mal weniger – vorhanden ist, findet sich hier. Was ich an „Sisters“ allerdings vor allem bemerkenswert finde, ist, wie stark  der (schwarze) Humor ausgeprägt ist. Anfangs wähnt man sich noch in einem normalen Thriller, aber je weiter die Zeit voran schreitet, desto kurioser wird alles. Als Grace in der Anstalt angekommen ist, wird für den Zuschauer noch einmal erklärt, was dieser ohnehin schon vermutet: nämlich dass Danielle und Dominique einmal siamesische Zwillinge waren, aber irgendwann getrennt wurden. Seitdem ist Danielle verrückt und kann nicht so gut mit Männern. Und auch die Rolle des Herrn, der sich zuvor als ihr Mann ausgegeben hatte, Emil Breton (William Finley), wird klar: Eigentlich ist er auch noch Danielles Arzt. Soweit. Aber auf das Was kommt es im letzten Filmdrittel sowie viel weniger an als auf das Wie. In der Anstalt wird Grace dann für eine Patientin gehalten und später dann noch von Breton hypnotisiert. Die weitere Geschichte und die Rückblenden, gestalten sich für den Zuschauer als eine Art Rausch, bei dem man nie so ganz sicher sein kann, was davon wahr und was Traum war. Das ist alles ziemlich durchgeknallt und mündet schließlich in einer grandiosen Schlusssequenz, die ich jetzt mal hier nicht verrate, nachdem ich ja schon alles andere gespoilert habe. Und wenn ich auch während des Films lange Zeit nicht sicher war, ob mir „Sisters“ wirklich gefällt, spätestens am Ende war ich dann doch ziemlich amüsiert – und zufrieden. Die 2,90 Euro habe ich jedenfalls nicht bereut.

Bild © Indigo
 

Fascination (Jean Rollin, Frankreich 1979)

Posted by – 8. Mai 2013

Fascination

Der Betrüger Mark (Jean-Pierre Lemaire) flüchtet sich, von seinen ehemaligen Komplizen verfolgt, die Taschen voller Gold, in ein verlassen aussehendes Schloss. Ganz verlassen ist es dann aber doch nicht: Neben ihm befinden sich in dem Gemäuer auch noch Eva (Brigitte Lahaie) und Elisabeth (Franca Maï). Die beiden hübschen jungen Damen versuchen ihren Gast zu überreden, bis zum Abend zu bleiben, denn da kommen weitere Besucher in das Schloss und Mark könnte der Ehrengast bei dieser mysteriösen Zusammenkunft sein.

Jetzt bist du in der Welt von Elisabeth und Eva, in der Welt von Wahnsinn und Mord.

Im Zentrum des mitternächtlichen Fests – ich glaube, ich verrate hier nicht zu viel – steht natürlich ein Menschenopfer. Inspiriert wurde Jean Rollin, wie er in den Extras der DVD berichtet, zu seinem Film dadurch, dass es früher für einen Teil der Oberschicht wohl gang und gäbe war, regelmäßig ein Schlückchen frisches (Tier-)Blut zu trinken. Dadurch sollte der Alterungsprozess aufgehalten werden. Die Frauen in „Fascination“ wollen sich aber nicht mehr mit Ochsenblut begnügen, sondern opfern lieber einen Menschen. Die Rolle des Opfers war für den Strolch Mark vorgesehen, doch weil Elisabeth sich  in den hübschen, selbstsicheren Mann verguckt, läuft nicht alles ganz nach Plan.

„Fascination“ ist trotzdem wahrscheinlich kein Film über Frauen, die dem Schönheitswahn verfallen sind (obwohl – das vielleicht auch?), sondern eher einer – wie schon der Titel suggeriert – über die Anziehung des Verbotenen. Diese funktioniert reziprok: Trotz aller Warnungen und Anzeichen von Gefahr – schließlich hat Eva ihre Widersacher mal kurzerhand mit der Sense weggesäbelt – will Mark unbedingt bleiben und an der mitternächtlichen Zeremonie teilnehmen. Nicht nur er ist fasziniert vom Schloss, den schönen Frauen (auch ich habe mich etwas in Brigitte Lahaie verliebt), der geheimnisvollen Veranstaltung um Mitternacht und der Gefahr, in der er sich offenkundig befindet. Auch die Frauen, zumindest Elisabeth, für welche die Welt aus „Wahnsinn und Mord“ Normalität darstellt, ist angezogen vom Anderen in Form des jungen Mannes, der für eine Welt steht, die ihr ganz unbekannt ist. Insofern geht es in „Fascination“ meiner Ansicht nach weder um Gut und Böse, noch um Liebe wie hier und da zu lesen ist. Es geht um den Reiz des Unbekannten, den Magnetismus des Fremden, den Wunsch, dass es noch irgendetwas jenseits sattsam Bekannten geben möge. In einer der plakativsten aber trotzdem schönsten Szenen des kommt das Ying und Yand des Films sehr gut zum Ausdruck: Da steht  Eva, nackt und unschuldig wie die erste Frau, auf der Brücke zum Schloss – und schwingt die Sense. Leben und Tod, Lust und Grauen, Rein- und Verdorbenheit – all das steckt in diesem Bild. Auf der anderen Seite – und das ist, soweit ich mir das Kino von Rollin  bisher erschlossen zu haben glaube, eine etwas versteckte aber dennoch ebenfalls wesentliche Aussage des Films – geht es hier nicht um die naive Sehnsucht einer (schwarzen) Romantik. Rollin scheint sehr genau zu wissen, dass die Vorstellung oft prunkvoller ist als die Wirklichkeit. Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es ja auch. Und so müssen sowohl Mark als auch Elisabeth schließlich erkennen , dass am Ende der Suche nach dem verheißungsvollen Unbekannten nur Enttäuschung steht.

Der Film hat mich zwar insgesamt etwas weniger fasziniert als „The Iron Rose“ und als es mich der Titel vermuten ließ. Gefallen hat er mir aber trotzdem. Im Moment scheint mir, dass man sich bei  diesem Film am besten einfach fallen lässt – und genießt. „Fascination“ war meine zweite Begegnung mit Jean Rollin. Nächste Station: „The Night Of The Hunted“.

Bild © X-NK
 

Dead Shadows (David Cholewa, Frankreich 2012)

Posted by – 5. Mai 2013

Dead Shadows

Auch bei Filmen gibt es bei mir so etwas wie Prokrastination. Statt einen guten oder wichtigen, schaue ich mir manchmal lieber einen schlechten Film an. Da verschmerze ich es eher, wenn ich hinterher nichts drüber schreibe. Auch „Dead Shadows“ war eigentlich als Prokrastinations-Film gedacht. Die Story: Damals in der Nacht, als ein Komet am Himmel erschienen ist, hat Chris seine Eltern verloren. Noch Jahre später ist der junge Mann (Fabian Wolfrom) traumatisiert. Dem erneuten Erscheinen eines Kometen sieht Chris deswegen mit großer Besorgnis entgegen. Zu Recht! Denn mit Eintreffen des Himmelskörpers bricht die Hölle los. – Und das ist dann stellenweise so bizarr, dass ich jetzt doch zwei Sätze dazu schreiben möchte. „Dead Shadows“ ist schlecht. Richtig übel. Er erinnert an ein unförmiges Monster, das aus Teilen von „Slithers“, „Grabbers“, „Attack The Block“, „The Thing“, „The Signal“ und noch etlichen weiteren Titeln ungelenk zusammengebaut wurde. Alles schon irgendwo gesehen, aber selten so amateurhaft. Die Schauspieler agieren wie Leute, die zum ersten Mal in einem Film mitspielen, die Musik wabert nebenher und scheint aus ganz anderes Sphären zu kommen. Die Story ist wirr, so etwas wie eine Dramaturgie existiert praktisch nicht. Eine Zeitlang habe ich deswegen sogar überlegt, ob ich „Dead Shadows“ einfach ausmache…

…doch dann zaubert der junge Franzose David Cholewa in seinem Debüt auf einmal Szenen aus dem Hut, die von apokalyptischer Schönheit sind. Irgendwann im letzten Drittel wird „Dead Shadows Dead Shadows“ zu einem psychotischen (Body-)Horror-Trip, der es in sich hat. Meine Lieblingsszene: Chris sitzt nach dem Kampf mit paar Typen erschöpft in einer Ecke, als ein Wesen, halb Frau, halb Spinnenmutant auftaucht, das Carpenters „The Thing“ entsprungen sein könnte. Doch das Wesen greift ihn nicht etwa an, sondern schmiegt sich zärtlich an seinen Rücken. Erst in diesem Moment habe ich erahnt, worum es Cholewa eigentlich geht. Die Monster des Films, sie alle haben irgendwie mit Chris zu tun. Vielleicht ist sogar er der Ursprung allen Grauens – weil er es als Kind selbst erlebt hat – und „Dead Shadows“ ist am Ende eine seltsame Variante des Coming-of-Age-Films? Wenn zum Schluss die Apokalypse über die Welt hereinbricht, wirkt das jedenfalls nicht wie das Ende von allem, sondern wie ein vielversprechender Anfang – zumindest für Chris.

Ich will „Dead Shadows“ nicht gutreden und würde ihn auch nicht weiterempfehlen, aber so schlecht wie ich am Anfang dachte, war er dann doch nicht. Ja, es gibt sogar einiges zu entdecken. Und dass er an ein paar Stellen an die Filme John Carpenters erinnert, ist, wie man in den Extras der DVD erfährt, auch kein Zufall: Cholewa ist nämlich ein ganz großer Fan von ihm. Und Carpenter-Fans kann man ja eigentlich nichts übel nehmen.

Bild © Mad Dimension
 

Star Trek Into Darkness (J. J. Abrams, USA 2013)

Posted by – 4. Mai 2013

star trek into darknessDer neue „Star Trek“ trägt den Untertitel „Into Darkness“. Aber „Rüpel im Weltraum“ hätte auch gepasst.

Eigentlich sollte Captain James T. Kirk (Chris Pine) seines Kommandos über das Rauschiff Enterprise enthoben werden, weil er mal wieder nicht auf die erste Direktive geachtet hat. Als dann aber die Föderation vom Superterroristen John Harrison (Benedict Cumberbatch), einem ehemaligen Mitglied der Flotte bedroht wird, darf Kirk doch Captain des Schiffs bleiben. Zusammen mit seiner Crew, dem Vulkanier Spock (Zachary Quinto), dem Bordarzt Leonard „Pille“ McCoy (Karl Urban), Lt. Nyota Uhura (Zoë Saldaña), Ensign Pavel Chekov (Anton Yelchin) und Lt. Hikaru Sulu (John Cho) düst er los Richtung Heimatwelt der Klingonen, wo sich Harrison mutmaßlich aufhält. Nur Chefingenieur Lt. Montgomery „Scotty“ Scott (Simon Pegg) bleibt zu Hause. Der ist sauer auf Kirk, weil dieser erlaubt hat, die Enterprise mit unbekannten Torpedos zu bewaffnen.

Manch einer sagt, Regisseur, Autor und Produzent J. J. Abrams stehe für die Zukunft des Kinos. Mit „Alias“ und vor allem „Lost“ hat er der Serienwelt neue Impulse gegeben. Und auch der vor sich hinsiechenden „Mission: Impossible“-Reihe hat er einen modernen Anstrich verpasst. Richtig warm geworden bin ich mit Abrams’ Filmen bisher allerdings nicht. Durch seinen „Star Trek“-Reboot  ist mir jetzt bewusst geworden, dass er für mich – nicht böse sein, liebe Abrams-Fans – weniger Erneuerer als vielmehr eine Art „Gozer“ des Kinos ist. Abrams reißt alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist, vergisst aber leider oft, hinterher wieder etwas Gleichwertiges aufzubauen. Aber ehe ich mich in solch abstrakten Aussagen verliere, hier mal ein paar Beispiele dazu, was mir am neuen „Star Trek Into Darkness“ (das wie der erste auf einem Drehbuch der Söldner Roberto Orci, Alex Kurtzman und – diesmal neu hinzugekommen – Damon Lindelof beruht) nicht gefällt.

Zugeben, der Film hat mich schon in den ersten Minuten verloren. Da rennen Pille und Kirk auf irgendeinem Planeten, alles hübsch bunt, durch den Wald – verfolgt von Eingeborenen. Plötzlich taucht ein großes Tier vor Kirk auf, das von ihm ohne Zögern erschossen wird. Pille weist Kirk kurz darauf hin, dass dieses Tier ihnen zur Flucht verholfen hätte, aber hey, was soll’s, weiter geht’s. Diese Szene, die für einen Lacher sorgen sollte, ist symptomatisch für den gesamten Film, in dem für einen kleinen Gag oder eine mittelgroße Sensation alles geopfert wird: Der Charakter der Figuren, die erste Direktive, ein Leben, der Frieden, egal: Hauptsache es wummst. Die Werte, die der Film – ob absichtlich oder fahrlässig – propagiert, sind damit keine, die irgendetwas mit dem alten „Star Trek“-Universum zu tun haben. Abrams’ Figuren sind einfach nur noch Rüpel im Weltraum: Kirk ist ein von Rachegedanken getriebener Cowboy, Pille spielt kaum mit und der ursprünglich emotionslose Vulkanier hat sich in dieser alternativen Star-Trek-Realität erst zum brodelnden Vulkan, dann zur Heulsuse entwickelt. Der lustvoll overactende Benedict „Sherlock“ Cumberbatch macht da noch den besten Eindruck. Und Uhura, neben dem neuen Besatzungsmitglied Carol Marcus (Alice Eve) die einzige Frau im Film, darf Ohrringe tragen und zum Schluss mal auf den Bösewicht schießen, womit  sich ihre Rolle ganz gut zusammenfassen lässt.

Ich könnte das alles auch einfach mit einem Achselzucken abtun, wenn „Star Trek Into Darkness“ wenigstens genug visuelle Ideen parat hätte, die für mich einen Film ganz wesentlich ausmachen. Und in der Tat ist dies der einzige Bereich, wo der Film an einigen Stellen Punkte machen kann. Eine (leider sehr kurze) Raumschlacht kann hier genannt werden; oder auch das Faustduell zwischen Spock und dem bösen Harrison. Für einen 130 Minuten langen Film sind ein paar Action-Fitzelchen allerdings zu wenig, zumal es keine wirklich interessante Geschichte gibt, die die Zeit bis zur nächsten Action-Szene überbrückt. Und wenn man an die Tonnen von Geld denkt, die in dieses Projekt geschüttet worden sind, ist es fast schon verwunderlich, wie wenig spektakulär „Star Trek Into Darkness“ daherkommt. Eine handvoll Szenen sehen nach hochwertiger CGI-Arbeit aus, andere wieder gar nicht. Und auch das 3D scheint mir nicht immer gelungen, vor allem wenn an den Bildrändern nach einem Zoom verschwommene 3D-Nasen ins Bild ragen.

Soweit so schlecht. Wer das hier liest, sollte sich allerdings trotzdem nicht zu sehr abschrecken lassen. Als Indikator dafür, ob er gefällt oder nicht, nehme man am besten den ersten Teil des Reboot in Augenschein. Ich vermute: Wer diesen „Star Trek“-Film mochte (warum auch immer), der wird den Into Darkness voraussichtlich noch besser finden. Ich habe schon mit dem ersten gefremdelt, und da Abrams hier den beschrittenen Weg weitergeht, ist es kein Wunder, dass ich damit immer noch nichts anfangen kann. Abrams macht alles kaputt und verkauft dem Zuschauer die Trümmer als zeitgemäße Kunst. Operation gelungen, Patient tot. Und das Publikum? Amüsiert sich prächtig. Und jetzt liegt auch das von Gene Roddenberry so liebevoll erdachte und von Rick Berman einfallsreich ausformulierte Star-Trek-Universum in Schutt und Asche. Düstere Zeiten für Science-Fiction-, pechschwarze für Star-Trek-Fans. Ja, der neue „Star Trek“ führt wirklich direkt in die Dunkelheit. Insofern passt der Titel doch. Ich will da nicht mit. Ich bin raus.

Bild © Paramount Pictures 
 

Es wird eng! (3)

Posted by – 4. Mai 2013

Ich möchte mich wieder mal von einigen DVDs, BDs und einem PS3-Spiel verabschieden. Zur Auswahl stehen:

es wird eng 3

Wenn du etwas davon geschenkt haben möchtest: Wünsch dir bis zu 3 Filme und schreib mir als Kommentar unter diesen Post kurz, warum die Filme gerade bei dir besonders gut aufgehoben wären. Und lasst eine funktionierende E-Mail-Adresse da. Ansonsten alles wie beim letzten Mal. Ich entscheide, wer was bekommt.

Iron Man 3 (Shane Black, USA 2013)

Posted by – 3. Mai 2013

Eigentlich wollte ich das Blog mit einer schwungvollen „Iron Man“-Retrospektive rocken an deren Ende dann der glorreiche dritte Teil rezensiert worden wäre. Aber wie das immer so ist. Lust und Laune sind so unberechenbar wie das Wetter, weswegen ich die  Besprechung zu Teil eins und zwei erst einmal verschiebe und bezüglich des dritten auf meine Kritik bei Kino-Zeit.de und meine Unterhaltung mit Michael, Patrick und Sophie verweise. Nur soviel: Mir hat der Shane Blacks Sequel  ziemlich gut gefallen. Black ist nicht nur ein würdiger, sehr unterhaltsamer, sondern auch ein cleverer „Iron Man“-Teil gelungen: Stark gespielt, hervorragende, spritzige Dialoge, explosiv und trotzdem mit Gespür für den einen oder anderen ruhigen Moment. „Iron Man 3“ ist nicht ohne Fehler. Aber wie auch der „Iron Man“-Rüstung ihre Dellen habe zumindest ich dem Film ein paar Macken gern verziehen. Alles weitere am angegebenen Orte.