Month: Juni 2013

Bay Of Blood (Mario Bava, Italien 1971)

Posted by – 30. Juni 2013

IMG_9233In einer idyllischen Bucht geschehen mehrere Morde. Ist ein uralter Fluch der Grund? Nein, hier töten Menschen Menschen. Zuerst sterben die Gräfin Federica Donati (Isa Miranda) und ihr Mann Filippo (Giovanni Nuvoletti). Die Gruppe der Verdächtigen ist groß, sie reicht vom Geschäftsmann Frank Ventura (Cristea Avram) und seiner Freundin Renata (Claudine Auger) über die Tochter der Ermordeten und deren Ehemann Albert (Luigi Pistilli), den seltsamen Insektenforscher Paolo Fosatti (Leopoldo Trieste) und seine kartenlesende Gattin (Laua Betti) bis zum bedrohlichen Fischer Simon (Claudio Camaso). Wer ist der Täter?

Bay Of Blood (OT: Reazione a catena) beginnt mit schönen Naturaufnahmen des Sees und der titelgebenden Bucht, bezaubernd untermalt von Stelvio Ciprianis Score. Doch auch später, wenn die – ziemlich blutige – Mordserie schon in vollem Gange ist, fängt Bavas Kamera immer wieder Szenen von atemberaubender Schönheit ein. Das ist wahrlich eine zauberhafte, verführerische Bucht…. Was anfangs noch wie brutales, äußerst unübersichtliches Verwirrspiel vor zauberhafter Kulisse wirkt, erweist sich am Ende als Einheit, als perfekte Synthese von Form und Inhalt, die viele scheinbar beiläufige Szenen (z.B. die Tiere) in einen größeren Kontext einbettet. Ich bin schwer beeindruckt.

„If you kill for killing’s sake, you’ll become a monster“, sagt eine Figur im Film, spricht damit aber nur die halbe Wahrheit aus. Nein, zum Monster kann man auch werden, wenn man aus anderen Gründen tötet. Habgier zum Beispiel. Sie macht Menschen hässlich, und vielleicht hat der Teufel deswegen das Geld (und den Grundbesitz) erfunden, damit sich unsere Gesichter zu gierigen Fratzen verzerren und wir ihm ähnlicher sind. In Deutschland wurde der Film wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt. Seltsam. Denn hier wird nichts verherrlicht, sondern eher verteufelt – und zwar des Menschen schlechte Charakterzüge. So wirkt diese Beschlagnahmung eher, als hätten die Zensoren Angst davor bekommen, was ihnen aus dem Spiegel entgegen blickt. Sicherlich, die Morde sind von Bava nicht zimperlich inszeniert. Doch auf die Schnelle fallen mir kaum Filme ein, in dem Gewalt schäbiger und die Täter jämmerlicher daher kommen als hier. Zwar sterben die Figuren in „Bay Of Blood“ wie die Fliegen, doch ist ihr Tod niemals beiläufig, sondern ganz und gar einzigartig – im Gegensatz zu den niederen Motiven der Täter.

Man kann es sicherlich herauslesen: Der Film, dieser Hybrid aus Slasher, Giallo, Krimi und pechschwarzer Satire, hat mir gefallen (auch wenn ich diese nichtssagenden Label und Genrebezeichnungen in diesem Fall nicht gerne nenne). „Bay Of Blood“ ist nämlich in erster Linie ein sehr guter Film. Und am Ende gibt es vielleicht doch einen bösen Fluch, einen, der die Menschen schon lange verfolgt: Der vermaledeite Wunsch nach einem eigenen schönen Wassergrundstück und die Bereitschaft, alles dafür zu tun.

Bild © Arrow Video
 

Child’s Play (Tom Holland, USA 1988)

Posted by – 23. Juni 2013

childs playWird Zeit, mal die ganzen „Klassiker“ nachzuholen, die ich in meiner Jugend verpasst habe. Nächster Halt: Tom Hollands subversiver „Child’s Play“, besser bekannt unter dem uneleganten deutschen Titel: „Chucky – Die Mörderpuppe“.

Karen (Catherine Hicks) hat ein Problem. Ihr Sohn Andy (Alex Vincent) wünscht sich zum Geburtstag nichts lieber als eine Good Guy Puppe. Die 100 Dollar dafür kann Karen jedoch einfach nicht aufbringen. Doch dann hat sie scheinbar Glück – ein Obdachloser bietet ihr die Puppe zum einem Drittel des Preises an. Was sie nicht weiß: In der Puppe lebt der Geist des Serienkillers Charles Lee Ray (Brad Dourif).

Auf den ersten Blick ist „Child’s Play“ zunächst einmal ein nettes, schauriges Unterhaltungsprodukt der Achtziger Jahre. Außerdem hat Tom Holland mit der Mörderpuppe Chucky Sternchen des Horrorkinos geschaffen, das zwar nicht ganz mit seinen Kollegen Freddy, Jason & Co mithalten kann, das aber immerhin so beliebt war, dass es die Reihe auf bisher vier Fortsetzungen gebracht hat. Doch unter der Oberfläche von „Child’s Play“ liegt etwas verborgen, das auf viel unbequemere Art gruselig ist als der eigentliche Film. Unsere kapitalistische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen nicht zufrieden sind. Sie sollen kaufen, um ihre innere Leere zu füllen. „Child’s Play“ bringt  die Perversität der Conditio Humana des modernen Menschen schön auf den Punkt. Ein Junge wünscht sich über alle Maßen.. – Plastikschrott. Die Mutter gibt wider besseres Wissens nach – und holt das Böse ins Haus. Interessant – aber eben auch besonders gemein! – wird das Ganze dadurch, weil sich das Böse durch einen unschuldigen Kinderwunsch Zugang verschafft. Freundschaft fürs Leben verspricht die mörderische Puppe und in der Tat: Dass ein Bedürfnis durch das und nur durch das, was die Werbung anpreist, gestillt werden kann, gehört zu den ersten Dingen, die Kinder lernen. Wer nicht haben will oder kaufen kann, ist in der Konsumgesellschaft nutzlos.

Zum Schluss ist man fast froh, dass es sich beim Geist in der Maschine „nur“ um die Seele eines Massenmörders handelt.  Schlimmer wäre die Vorstellung, dass sich das (kapitalistische) System endgültig vom Menschen entkoppelt hat und ein gefräßiges Eigenleben führt. Dem Killer kann Andy die Freundschaft kündigen, ganz aufzuhalten ist der Bösewicht durch einen Schuss ins Herz– die höhere Macht, die uns verspricht, die Leere zu füllen (die sie selbst erst produziert hat), wäre nicht so leicht zu besiegen gewesen. Ihr fehlt ein Herz.

Bild © MGM 
 

Valerie And Her Week Of Wonders (Jaromil Jireš, CSSR, 1970)

Posted by – 23. Juni 2013

ValerieDie Tschechoslowakische „Neue Welle“ der späten Sechziger Jahre steht für kreative Energie und mutige, unverbrauchte und originelle Filme. „Valerie And Her Week Of Wonders“ (OT: Valerie a tyden divu) – der Film von Jaromil Jires nach dem gleichnamigem Roman von Vítězslav Nezvals aus dem Jahr 1935 kann dieser Bewegnung wohl zugerechnet werden – war meine erste, ein wenig ernüchternde Begegnung mit ihr.

Alles beginnt damit, dass der 13-jährigen Valerie (Jaroslava Schallerová) ihre Ohrringe gestohlen werden. Der Dieb, Orlík (Petr Kopriva), bringt sie allerdings kurze Zeit später zurück und weist Valerie darauf hin, dass nur diese Ohrringe sie retten können. Am nächsten Tag kommt eine Truppe Schauspieler in ihr Dorf , um auf der Hochzeit von Hedvika (Alena Stojáková) zu spielen. In Menge entdeckt Valerie eine seltsame Person, bleich, mit fürchterlichen Zähnen. Seltsamerweise scheint auch ihre Großmutter (Helena Anýzová)  mit einem Mal verändert.

„Valerie And Her Week Of Wonders“ war für mich am ehesten wohl so etwas wie ein verästeltes Coming-of-Age-Movie; der Film enthält aber auch Spuren von Märchen, Fantasy und Horror, wirkt als Ganzes jedoch eher wie ein surrealistisches Kunstprojekt und ist als Film ein ganz und gar entrücktes, aus der Welt gefallenes Etwas. Und genau hier haben für mich als Zuschauer die Probleme angefangen: Ich will die Leistungen von Jaromil Jireš in keiner Weise herabwürdigen. „Valerie And Her Week Of Wonders“ ist mit Sicherheit ein außergewöhnlicher Film mit einer eigenen Bildsprache. Doch,in einem Niemandsland, wo keine erkennbaren Regeln gelten, wo alles möglich ist, fällt es mir sehr schwer interessiert zu bleiben. Die Lebenden verhalten sich wie die Toten; und die Toten erstehen wieder auf. Es gibt keine Fallhöhe, kein Drama.

Fazit für mich: Ich habe wenig mitgenommen und wenn, dann eher Frust als Wunder. Dass ich nach „Valerie And Her Week Of Wonders“ zuerst überlegt habe, wohin ich die DVD ins Regal stelle (entweder alphabetisch oder zu den Vampiren oder zu den zu verschenkenden Filmen?), spricht wohl nicht für mich, aber vielleicht auch nicht für den Film.

Bild © Bildstörung / Alive
 

Es wird eng! (4)

Posted by – 22. Juni 2013

Es ist wieder eng geworden im Regal, und ich verschenke ein paar Sachen, um Platz zu schaffen. Folgende Filme suchen ein neues Zuhause:

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Ihr könnt euch bis zu 3 DVDs wünschen. Damit jeder Film auch eine gute Bleibe findet, schreibt mir als Kommentar unter diesen Post kurz, warum das entsprechende Werk gerade bei Euch besonders gut aufgehoben wäre. Lasst eine funktionierende E-Mail-Adresse da. Ich entscheide dann, wer was bekommt.

Leprechaun (Mike Jones, USA 1993)

Posted by – 20. Juni 2013

leprechaun„Leprechaun“ ist einer dieser Filme, um die ich immer einen Bogen gemacht habe. Wahrscheinlich lag’s am Bösewicht, dem von Warwick Davis („Willow“) gespielten Killerkobold, den ich irgendwie uncool fand und finde. Weil mir die DVD letztes Wochenende auf einem Cuxhavener Flohmarkt quasi für umsonst in die Hände gefallen ist, bin ich gestern endlich über meinen Schatten gesprungen – und habe es nicht wirklich bereut.

J.D. Reding (John Sanderford) hat sich ein Haus auf dem Land gekauft. Zusammen mit seiner Tochter Tory (Jennifer Aniston), die davon gar nicht begeistert ist, will er das Haus auf Vordermann bringen. Was beide nicht wissen: In dem Haus ist seit 10 Jahren ein fieser kleiner Leprechaun gefangen, den sie unabsichtlich befreien. Auf der Suche nach seinem Schatz tötet der fiese Kobold alle, die sich ihm in den Weg stellen.

Ein Leprechaun ist ein boshaftes Fabelwesen aus der irischen Mythologie. Der Sage nach ist es gierig und hinterlistig – beschenkt aber denjenigen reich, dem es gelingt, ihm das Versteck seines Schatzes zu entlocken. Mike Jones hat die Vorlage zur Kenntnis genommen, übertreibt die negativen Eigenschaften des Leprechaun allerdings drastisch und macht die Sagengestalt zu einem an schlechten Scherzen Gefallen habenden, fiesen Killer. Das ist ja erst einmal keine schlechte Idee, deren Umsetzung ist allerdings zwiespältig. Zumindest am Anfang hatte ich große Probleme mit der lahmen Dramaturgie und der 08/15-Story. Auch fehlte mir irgendwie eine zusätzliche Ebene, die dem Film noch etwas mehr Tiefe gegeben hätte. Im weiteren Fortgang hat sich mein erster Eindruck zum Glück ein wenig relativiert. Zwar wird die Geschichte nicht überraschender und der Verlauf bewegt sich im Rahmen der Erwartungen. Trotzdem nimmt der Film Fahrt auf, und die sich häufenden trashig-grotesken Einfälle machen Spaß und haben mich nicht nur einmal an die „Nightmare“-Reihe denken lassen. Ja, wenn man es recht bedenkt, hat der Leprechaun in Aussehen und Charakter gar nicht mal so wenig Ähnlichkeit mit Freddy Krueger.

Außerdem positiv: Irgendwie hat es Jones geschafft, mich auf angenehme Weise ein wenig hinters Licht zu führen. Den lustig angezogenen kleinen Kerl nimmt man trotz seiner Angeberei nicht so richtig ernst, doch nach und stellt man fest, dass er sein Gold durchaus wiederhaben will und er seine ganze Kraft einsetzt, es zu bekommen. Und mit Kraft ist tatsächlich Körperkraft gemeint. Auch wenn der Kobold ein wenig zaubern kann und ein paar Tricks auf Lager hat, geht er sehr physisch gegen seine Opfer vor: er beißt und kratzt und hier und da bricht er auch mal ein Genick. Das waren in den 90ern noch alles schöne, handgemachte, grumpelige Effekte und die stehen „Leprechaun“ und seiner Hauptfigur gar nicht schlecht zu Gesicht. Ach ja, und Jennifer Aniston in ihrer ersten Kinorolle. Die Szene, in der der Leprechaun ihrem Arsch nachrennt, ist wirklich lustig.

Ich habe meine Meinung zu Killerkobolden nach dem Film nicht komplett geändert. Aber gefallen hat mir „Leprechaun“ wie gesagt trotzdem. Und ich freue mich nun fast schon ein wenig auf die kommenden Teile, vor allem auf den vierten, der mir gerade auf  Twitter von Trash-Commando nachdrücklich ans Herz gelegt worden ist.

Bild © Splendid Film/WVG
 

The Purge (James DeMonaco, USA 2013)

Posted by – 18. Juni 2013

Was wäre, wenn eine Nacht lang alles erlaubt ist? Mit diesem Gedankenexperiment setzt sich James DeMonaco in seiner pechschwarzen Sozialsatire „The Purge“ auseinander. Die Story: In der nahen Zukunft gibt es den sogenannten „Purge-Day“. 12 Stunden existieren keinerlei Gesetze. Die Bevölkerung darf sich nach belieben den Schädel einschlagen. Das wirkt sich positiv auf die Kriminalitätsrate des Restjahres aus und ist so schlecht für die Überbevölkerung auch nicht. Was sich auf dem Papier möglicherweise hanebüchen liest (zumindest ging es mir ein wenig so, als ich vor ein paar Wochen das erste mal die Inhaltsangabe des Films zur Kenntnis genommen habe) funktioniert im Film dann  überraschender Weise ganz tadellos. Es ist faszinierend, mit welcher Überzeugungskraft DeMonaco seine Geschichte erzählt und wie schnell man als Zuschauer richtig im Film ist. Vielleicht ist die Prämisse des Films so fern der Realität dann doch nicht?

Wer wissen will, was ich insgesamt von „The Purge“ halte, kann ja mal auf Kino-Zeit.de vorbei schauen. Außerdem war er Hauptthema in unserem letzten Podcast.

Man Of Steel (Zach Snyder, USA 2013)

Posted by – 16. Juni 2013

Man Of SteelSuperman hat eine Schwäche: Er ist zu stark. Denn ohne die zumindest hypothetische Chance, dass Superman scheitert, kein Drama. Um ihn verwundbar zu machen, wurde tonnenweise Kryptonit herangeschafft oder ihm eine Frau an die Seite gestellt, die er zu beschützen hatte. So richtig funktionieren wollte das alles nicht. Supermans Schwächen wirkten stets konstruiert und gekünstelt. Jetzt hat sich Zach Snyder („Watchmen“, „Sucker Punch“) dem bekanntesten Superhelden angenommen und das Problem mit der Unbesiegbarkeit auf Snyder-typische Art und Weise gelöst.

Der Planet Krypton ist dem Untergang geweiht. Über die Frage, wie man der drohenden Vernichtung begegnet, kommt es zum Putschversuch durch den Krieger General Zod (Michael Shannon). Der Wissenschaftler Jor-El (Russell Crowe) schafft es gerade noch rechtzeitig, seinen neugeborenen Sohn Kal-El in Sicherheit zu bringen. Er schickt ihn in einer Raumkapsel zur Erde. 30 Jahre später ist aus dem Neugeborenen ein junger Mann geworden. Unter dem Namen Clark Kent (Henry Cavill) lebt er bei seinen Pflegeeltern (Diane Lane und Kevin Costner) auf einer Ranch. Doch Clark ist anders als andere Kinder. Auf der Erde verfügt der Abkömmling von Krypton über Superkräfte. Doch er ist nicht der einzig Überlebende. Auch General Zod und seine Schergen haben überlebt. Und sie wollen die Erde zu einem neuen Krypton machen…

Schon der Anfang des Films, der Militärputsch auf Krypton und die anschließende Zerstörung des Planeten sind bombastisch. Aber das ist angesichts der entfesselten letzten Stunde des Films rein gar nichts. Snyder unterläuft alle Erwartungen und schafft einen Superman der Superlative, einen, der seinen Namen endlich einmal verdient. Clarks Kindheit, die Entdeckung seiner Kräfte, der Versuch, diese verborgen zu halten und die quälende Frage ‚Wo komme ich her?’ sind nur die Ruhe vor dem Sturm. Doch sobald Clark in einem auf der Erde versteckten Raumschiff Hinweise auf seine Abstammung erhält, aktiviert er damit gleichzeitig einen Sender, der Zod über seinen Aufenthaltsort informiert und die Invasion der Erde einläutet.

Die Story von „Man Of Steel“ stammt aus der Feder von Christopher Nolan und David S. Goyer. Dementsprechend düster ist der Stoff geraten. Und natürlich darf man bei Nolan erwarten, dass die Geschichte mehr Tiefe hat als beim Durschnitts-Superhelden-Film. Interessant an „Man Of Steel“ ist in diesem Zusammenhang, dass der Film nicht nur dem Superhelden-Genre, sondern gleichermaßen der Science Fiction verpflichtet ist. Und das nicht nur, weil es viel um Raumschiffe, Technik, Terraforming usw. geht. Auch der Auftakt um Krypton, der Grund warum Jor-El seinen Sohn zur Erde schickt, ebenso wie die Motivation von Zod, nach dem Jungen zu suchen, sind um Grunde Elemente der Science Fiction. Denn immer geht es auch um die Frage der Entstehung, Entwicklung und des Überlebens von Zivilisationen. Die Bewohner Kryptons haben es nicht geschafft, doch zumindest die Waisen unter ihnen unternehmen den Versuch, nicht nur das eigene Volk zu retten, sondern auch anderen Lebewesen im Universum dabei zu helfen, eine nachhaltige Lebensgrundlage zu schaffen. Einer Samenzelle gleich fliegt das Raumschiff mit dem Baby Kal-El durchs Weltall – und es sieht in einer der folgenden Szenen fast so aus, als würde sie die Erde befruchten.

Zum Schluss ist die Saat gesät. Clark Kent hat als Superman auf der Erde Fuß gefasst und die erste Bedrohung abgewendet. Die Menschheit hat einen neuen Helden, einen, der fast schon göttliches Vorbild ist, der sie liebt, aber auch selbst geliebt werden will. Und vielleicht werden sich die Bewohner der Erde durch den Mann in ihrer Mitte bald sogar selbst verändern. Snyder sucht mit „Man Of Steel“ nicht nach dem Kleinen im Großen, dem Menschlichen im Göttlichen. Ihn interessiert vielmehr, wie groß Größe sein kann. Folgerichtig ist er der erste Regisseur, der Superman tatsächlich von der Leine lässt. Superman unchained sozusagen. Zumindest die letzten 40 Minuten des Films, dieses unglaubliche (CGI-)Inferno, ist dann auch wirklich ziemlich dick aufgetragen, manche würden vielleicht sagen, zu „super“, auch weil der Showdown an und für sich gute Schauspieler wie Amy Adams als Reporterin Lois Lane an die Grenzen ihrer Mimik führen. Aber trotzdem ist „Man Of Steel“ vielleicht der beste, auf jeden Fall aber der in sich stimmigste Superman-Film, den es bis dato gibt.

Bild © Warner Bros.
 

Night Of The Creeps (Fred Dekker, USA 1986)

Posted by – 7. Juni 2013

night of the creepsAlles Gute kommt von oben? Nicht immer. Jedenfalls nicht in Fred Dekkers Horror-Parodie „Night Of The Creeps“. Was hier auf die Erde stürzt ist ein fieser wurmartiger Parasit, der sich im Hirn von Menschen einnistet und dort seine Eier legt. Aber der Reihe nach.

1959. Während die Polizei einer Kleinstadt gerade einen entflohenen Serienkiller sucht, sitzen der Student Johnny und sein Rendezvous Pam am Waldrand in Jonnys Auto – als sie plötzlich ein seltsames Objekt abstürzen sehen.  Während Johnny sich auf die Suche nach der Absturzstelle macht, bleibt Pam im Wagen – und hat das Pech, von dem entflohenen Killer mit einer Axt in kleine Teile zerlegt zu werden. Doch auch Johnny hat nicht wesentlich mehr Glück: Im Wald findet er tatsächlich die Stelle, an dem das Objekt abgestützt ist, was aber nur dazu führt, dass er sich mit einem Killer-Parasiten infiziert.

27 Jahre später.  Um in eine Studentenverbindung aufgenommen zu werden, brechen Chris Romero (Jason Lively) und sein Kumpel James Carpenter Hooper (Steve Marshall)  in den Keller der Universität ein und erwecken dort aus Versehen den mit dem Parasiten infizierten Leichnam Johnnys zum Leben. Bald wimmelt es auf dem Campus von widerlichen Parasiten – den Creeps – die nach und nach die Studentenschaft infizieren und zu wandelnden Zeitbomben machen.

Schon die Namen der Figuren – Chris Romero, James Carpenter Hooper, aber auch Chris’ Freundin Cynthia Cronenberg (Jill Whitlow), Detective Ray Cameron oder Sgt. Raimi – machen deutlich, „Night Of The Creeps“ ist eine Homage an den Horrorfilm und seine Macher. Dabei nimmt Fred Dekker allerdings weder seine Vorbilder noch sich selbst so richtig ernst. Das Ergebnis ist ein kunterbunter Achtzigerjahre-Horror-Spaß, der voller Freude Filme wie „Shivers“, „Dawn Of The Dead“ oder „The Blob“ zitiert und mit Sicherheit auch selbst wieder neuere Filme wie James Gunns „Slither“ beeinflusst hat. Und auch der Subtext – das Böse dringt über deine Körperöffnung in dich ein und macht dich zu einem bräsigen Zombie – kann man als ironischen Kommentar auf den amerikanischen Puritanismus deuten.

Zugegeben. So ganz gnädig ist die Zeit mit „Night Of The Creeps“ nicht umgegangen. Viele der Effekte sind schlecht gealtert. Und auch der Humor ist nicht wirklich aus diesem Jahrtausend. Für jeden, der wissen will, wie es damals in den Achtzigern zugegangen ist oder der in dem Jahrzehnt und mit diesem Film groß geworden ist, ist „Night Of The Creeps“ ein Muss. Besonders schön ist der in schwarz-weiß gehaltene Anfang und die Szene mit dem Axtkiller (der später im Film im wahrsten Sinne noch einmal ausgebuddelt wird); aber auch sonst gibt es immer wieder Momente, die einfach nur Spaß machen und wehmütig an die Achtzigerjahre denken lassen. Außerdem beweist Dekker in seinem Debüt auch immer wieder großen Einfallsreichtum, der ihn eigentlich dazu hätte qualifizieren sollen, im Anschluss an „Night Of The Creeps“ noch ein paar tolle Filme zu machen. Mein persönlicher Lieblingsmoment ist der, als  Detective Cameron (ganz groß: Tom Atkins) gegen Ende in einer wunderbar gefilmten One-Man-Show mit den Creeps aufräumt. Und dann natürlich das Ende des Director’s Cuts. Dieser unterscheidet sich von der Kinoversion eigentlich nur durch das Finale. Da wird die filmische Klammer zugemacht und die Außerirdischen vom Anfang tauchen noch einmal in einer witzigen Szene auf. Das Gute kommt nämlich doch von oben, nicht immer, aber ziemlich oft.

Bild © Winkler Film
 

After Earth (M. Night Shyamalan, USA 2013)

Posted by – 7. Juni 2013

AfterEarthDie Dinge sind nie so wie sie auf den ersten Blick scheinen in den Filmen des M. Night Shyamalan. Es sind fantasievolle Filme voller Geheimnisse, deren Lösung gleich unsere gesamte Weltsicht auf den Kopf stellt und uns dazu einlädt, etwas weniger verbissen an unsere Überzeugungen zu glauben. Für „After Earth“ gilt das allerdings nur sehr bedingt, da er auf einer Idee von Will Smith  beruht und für den größten Teil des Drehbuchs Gary Whitta („The Book of Eli“) verantwortlich ist. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen man glaubt, etwas von dem Talent Shyamalans zu bemerken.

„After Earth“ ist im Prinzip ein Abenteuerfilm in dessen Zentrum eine Vater und Sohn Beziehung steht. Die Geschichte spielt eintausend Jahre in der Zukunft. Die Menschheit hat ihren Planeten runtergewirtschaftet und musste deswegen umziehen. Ihre neue Heimat heißt Nova Prime, doch auch dort droht Gefahr in Gestalt der bösen Ursa, Wesen, die menschliche Angst wahrnehmen können und fast unbesiegbar sind. Als der furchtlose Cypher Raige (Will Smith), einer der wenigen Menschen die es mit den Ursa aufnehmen können und sein Sohn, der dreizehnjährige Kitai (Jaden Smith) nach einem Asteroiden-Hagel mit ihrem Raumschiff auf der Erde notlanden müssen, wir der Vater schwer verletzt – und der Sohn muss zeigen, was in ihm steckt.

Es gibt natürlich auch einiges zu mäkeln. Während bei vielen die Scientology-Warnglocken angesprungen sind und seitdem unablässig bimmeln, hat mich das Credo des Films („Fear is not real. It is a product of thoughts you create. Do not misunderstand me. Danger is very real. But fear is a choice.“) eigentlich nur genervt und ich finde es in Bezug auf die erzählte Geschichte nicht konsistent; und ich bin mir auch nicht sicher, ob Will Smith wirklich für die Rolle des furchtlosen, gefühlskalten Superkämpfers geeignet ist. Das Frauenbild des Film ist auch nicht das aller modernste. Zusätzlich – und das störte mich am meisten – gibt es immer wieder Momente, in denen das Drehbuch nicht wirklich schlüssig ist. Warum ist ein Ursa an Bord und warum überhaupt sind diese Wesen so geschaffen, dass sie nur Angst wahrnehmen können. Ist das nicht furchtbar unpraktisch?  Usw.

Trotzdem hat mir „After Earth“ insgesamt doch nicht schlecht gefallen. Die Geschichte ist einfach aber gut. Sie bietet eine interessante Grundidee, Dramatik, Überraschungen und ist straightforward erzählt. Interessant ist auch das Verhältnis von Natur und Technik. Dieser Punkt verdient noch mal eine ausführliche Analyse. Und auch mit der Moral kann ich mich anfreunden: Kinder können durchaus in die Fußstapfen ihrer Eltern treten – um ans Ziel zu kommen, müssen sie trotzdem ihre eigenen Wege gehen. Insofern ist „After Earth“ meiner Meinung  durchaus einen Blick wert.

Eine längere Rezension von mir findet man auf Kino-Zeit.de, und hier unterhalte ich mich mit Michael und Sophie  über den Film.

Bild © Sony
 

Snake Eyes (Brian de Palma, 1988)

Posted by – 1. Juni 2013

snake eyesDraußen: ein Herbststurm. Drinnen: Cop Rick Santoro (Nicolas Cage) wird während eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Anschlags auf den US-Verteidigungsminister. Santoros Freund, Kevin Dunne (Gary Sinise), ein Mitarbeiter des Ministers, erschießt den Mörder, einen mutmaßlichen arabischen Terroristen. Doch was ist genau geschehen? Je tiefer Santoro gräbt, desto weniger scheint alles zusammenzupassen.

Der Film beginnt mit einer knapp 13-minütigen Plan-Sequenz, die Santoro durch die Halle folgt. Schnell wird klar: Auch der Cop hat Dreck am Stecken, er ist bis über beide Ohren korrupt und ein manischer Spieler obendrein. Die Welt, in der Santoro wandelt ist ebenfalls schmutzig und durch und durch kaputt. Am Anfang lässt Santoro noch verlauten, dass es genau seine Welt ist und er sich darin pudelwohl fühlt.  Das bringt die von Nicolas Cage gespielte Figur so überzeugend vor, dass der Zuschauer geneigt ist, es ihm sofort zu glauben. Doch seine Nachforschungen sind ein Stich ins Wespennest. Je mehr er über die wahren Hintergründe des Attentats herausfindet, desto weniger glücklich ist Santoro damit, Teil dieses korrupten, verdorbenen Systems zu sein.

So wie sich die Ereignisse für den Antihelden im Verlauf der Untersuchungen in immer neuem Licht präsentieren, wird „Snake Eyes“ auch für den Zuschauer zu einem spannenden und im besten Fall sehr verwirrenden Erlebnis. Nicht nur die Figuren streifen ihre Identitäten ab wie es ihnen gefällt – auch der Film als solcher weigert sich den Regeln zu gehorchen, die man von ihm erwartet. Der filmische Raum bricht auf, wird zur Kulisse und entlarvt die Bilder als Illusion. Das, was im Film eigentlich wahr sein sollte, sind nur noch die Geschichten der Figuren, die durch jede darauf folgende Szene relativiert werden können.

Der Showdown scheint im Vergleich zum restlichen Film etwas abzufallen. Besonders wohl scheint sich Santoro in seiner alten Haut doch nicht gefühlt zu haben. Jedenfalls schmeißt er alles hin – und beginnt ein neues Leben. Der Bösewicht erkennt, dass er gescheitert ist und beendet seines. Abermals bricht der filmische Raum auf. Draußen: kein Herbststurm, sondern ein heftiger Hurrikan. Doch der Sünder hat Buße getan. Und bald scheint wieder die Sonne. Das ist schön.

 Bild © Touchstone