Month: Dezember 2014

Kino 2014: Meine Top 10

Posted by – 29. Dezember 2014

Um die 80 Filme habe ich dieses Jahr im Kino gesehen. Die besten 10 stelle ich hier kurz vor. Und kurz heißt wirklich kurz, denn zu den meisten habe ich mich im Laufe des Jahres schon geäußert. Diesmal ist es mir unglaublich schwer gefallen, mich bei den Plätzen sieben bis zehn zu entscheiden. Einige, wie z.B. „Guardians Of The Galaxy“, „Her“ oder „Boyhood“ waren heiße Kandidaten, haben es dann aber doch nicht auf die Liste geschafft. Andere, wie „Das merkwürdige Kätzchen“ (Kritik hier!), hatten zwar Anfang dieses Jahres offiziell Kinostart, liegen aber gefühlt so lange zurück (ich hatte ich schon das Jahr zuvor gesehen), dass ich sie hier irgendwie nicht nennen mag. Lange Rede – hier meine Top 10 2014.

Under The Skin (Jonathan Glazer, Großbritannien, Schweiz, USA 2013)

Eine verführerische, namenlose Frau (Scarlett Johansson) fährt durch Schottland und lockt Männer in ihren Van, die sie dann… Und hier versagt die Sprache bereits, das adäquat wiederzugeben, was die hypnotischen Bilder dem Zuschauer zeigen: Sie locken wie die Frau im Auto, umgarnen und verführen den Betrachter – um ihn dann mit ein Ruck hineinzureißen und zu verschlingen.„Under The Skin“ ist mein Film des Jahres, weil er bei mir zum einen im unmittelbaren Erleben die größte Kraft entfaltet hat und weil er zum anderen reich an Interpretationsmöglichkeiten ist. Ich favorisiere die Deutung, dass es sich um eine Allegorie auf Prostitution handelt. Eine heiß-kalte Kinoerfahrung sondergleichen! Für ein paar mehr Sätze mehr geht’s hier zu meiner Fantasy-Filmfest-Zusammenfassung. Wenn ich es schaffe, ihn ein zweites Mal zu sehen, gibt’s vielleicht auch einen längeren Text.

Maps To The Stars (David Cronenberg, USA / Kanada 2014)

Mir fällt kein zweiter Regisseur ein, der mich regelmäßig mit jedem neuen Film in Erstaunen versetzt. Obwohl David Cronenberg zu den Filmemachern gehört, in dessen Werken sich durchaus ein roter Faden erkennen lässt, ist jeder Film wieder überraschend. Ich glaube, wer „Maps To The Stars“ nur als Hollywood-„Satire“ sieht, wird ihn bestenfalls gut finden. Um jedoch hin und weg zu sein – so wie ich – muss man in ihm schon einen weiteren Versuch Cronenbergs über menschliche Existenzformen sehen. Und wo lassen sich Trans- und Deformationen des Homo Sapiens besser zeigen, als in der (Alp-)Traumfabrik? Zum Blog-Artikel geht’s hier.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Francis Lawrence, USA 2014)

Der dritte Platz meiner Jahres-Top-10 ist, fast schon traditionell, „The Hunger Games“. Eigentlich wird erst in „The Hunger Games: Mockingjay – Part 1“ deutlich, in welche Richtung sich die todtraurige Handlung entwickelt. Die ersten beiden Teile haben gezeigt, wie das Unrechtssystem Panem funktioniert. Der dritte Teil handelt vom Aufbegehren der Unterdrückten. Es geht nicht nur um ein perverses, degeneriertes Gesellschaftssystem, es zeigt sich auch, dass sich selbst die Revolution dessen Regeln beugen muss. Dieser Teil ist ein sehr starker Film. Wie stark er im Vergleich zu den Vorgängern ist, mag ich nach einmaligem Sehen noch nicht entscheiden, faszinierend an Teil drei finde ich allerdings, wie sehr er sich von der normalen Blockbuster-Dramaturgie unterscheidet. Der ergreifendste Moment ist ein Bombenangriff, von dem man nicht mehr sieht als die im Bunker zusammengekauerten Menschen. Gänsehaut. Hier meine komplette Kritik auf Kino-Zeit.

All Is Lost (J. C. Chandor, USA 2013)

Ich habe „Gravity“ gesehen und war – abgesehen von dem nervigen Score – sehr angetan. Dann habe ich ihn mir noch einmal auf DVD angesehen und war, aus Gründen die mir da noch nicht ganz klar waren, weniger begeistert. Als ich dann J. C. Chandors „All Is Lost“ ansichtig wurde, in dem ein großartiger Robert Redford bis zum letzten Moment gegen die Natur trotzt, war mir auf einmal klar, was mich an „Gravity“ stört: In Alfonso Cuaróns Weltraum ist mir einfach zu viel los. Überall Raumstationen und Satelliten bzw. deren Trümmer. Und George Clooney. In „All Is Lost“ gibt es nur den alten Mann und das Meer, was für mich wesentlich besser funktioniert. Etwas mehr dazu hier im Blog.

Enemy (Denis Villeneuve, Spanien / Kanada 2013)

Der meistgelesene Artikel in meinem Blog dieses Jahr. „Arachnida – Spinnentiere – werden nicht nur mit menschlichen Ängsten, sondern ebenso mit Weiblichkeit und Mutterschaft assoziiert,“ schrieb ich über den Film und weiter: „Es darf angenommen werden, dass ein Teil des Subjekts seine Zukunft als Familienvater als ebensolche Gefahr wahrnimmt wie ein anderer Teil seine zwielichtige Vergangenheit samt Sex-Clubs und Affären. Die Akzeptanz der einen Realität führt immer auch zur Aufgabe der anderen.“ Vielleicht hat dieser Interpretationsansatz dem ein oder anderen geholfen, besser mit dem Film zurechtzukommen. Ich glaube immer noch, dass dieser Zugang ein guter Startpunkt ist, sich diesem verrätselten aber trotzdem äußerst spannenden und bedeutungsreichen Werk zu nähern. Freue mich auf die Zweitsichtung (aus tagesaktuellem Anlass) wie ein Schneekönig.

Höhere Gewalt (Ruben Östlund, Schweden / Dänemark / Frankreich /Norwegen 2014)

In „Höhere Gewalt“ (OT: Turist) macht eine schwedische Familie Skiurlaub in den französischen Alpen. Bei einer Lawine flieht der Vater – und lässt die Mutter und die Kinder zurück. Alle überleben, aber hinterher ist das Familienleben nicht mehr wie es mal war. Außerdem entspinnt sich ein Streit darüber, wie die Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. „Ich teile deine Sicht auf die Dinge nicht“, sagt er. Und sie verzweifelt immer mehr. Das klingt nach viel Psychologie, doch „Höhere Gewalt“ ist eher ein soziologisches Experiment über Geschlechterrollen. Und bietet viel Stoff zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob der Film auch mit umgekehrten Rollen – sie flieht und lässt ihn und die Kinder zurück – auf gleiche Weise funktionieren würde.

Black Coal, Thin Ice (Diao Yinan, China 2014)

Am ehesten erinnert die Geschichte an den amerikanischen Film noir, dessen düstere, pessimistische Weltsicht er teilt. Trotzdem fällt es mir schwer, „Black Coal, Thin Ice“ als neo noir zu bezeichnen, weil er inhaltlich und ästhetisch zwar ähnlich, aber doch signifikant anders ist. „Black Coal, Thin Ice“ ist selbst ein wenig wie ein kohlrabenschwarzer, zugefrorener See, bei dem man nie genau weiß, ob das Eis dick genug ist, um zu tragen. Es knirscht bedrohlich, je weiter man sich in diesen Film wagt. Darüber hinaus ist Yinans Film auch ziemlich lustig. Auf einmal steht da ein Pferd auf dem Flur, ein anderes Mal findet sich der Zuschauer inmitten einer skurrilen Schlittschuhverfolgungsjagd wieder. Mehr als einmal gelingt es dem Regisseur den Zuschauer aufs Glatteis zu führen, ganze Handlungsstränge verschwinden im Nichts, rätselhafte, ja surreale Momente tauchen auf, verschwinden als wären sie nie dagewesen. Ein verzweifelter Humor zieht sich durch den Film, Augenblicke großer Schönheit schlagen um in ätzende Sozialkritik. Denn schlussendlich geht der große, Jahre umfassende Kriminalfall des Films auf eine Bagatelle zurück. Und es sind mal wieder die Armen und sozial Schwachen, die darunter zu leiden haben.

Gone Girl (David Fincher, USA 2014)

Über „Gone Girl“ gäbe es so viel zu schreiben; das habe ich lieber gleich gelassen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie gut ich den Film eigentlich finde. Die Romanvorlage hatte ich vorab gelesen, die erste Hälfte, die alles so wunderbar in der Schwebe lässt, fand ich toll, die zweite war mir zu stark konstruiert. Trotzdem mochte ich das Buch. Und den Film von Fincher wohl sogar noch etwas lieber. Die weniger glaubwürdigen Momente des Buches spielen der Satire, die der Film eindeutig ist, in die Hände und veredeln die Reflexion über Schein und Sein und die Absurdität der Beziehungshölle. Hinter den glatten Oberflächen und perfekten Bildern tun sich ewige Abgründe auf. Mit einer anderen weiblichen Hauptdarstellerin (z.B. Meg Ryan oder besser noch Reese Witherspoon!), die nicht so offensichtlich den Twist des Films vorwegnimmt, wäre „Gone Girl“ wahrscheinlich noch ein oder zwei Plätze weiter oben in meiner Jahres-Top-10 gewesen. Für’s erste muss er sich mit Platz 8 begnügen.

Wara No Tate (Takashi Miike, Japan 2013)

Ein Killer, ein Kopfgeld von einer Milliarde Yen und eine Handvoll korrupter Cops – mehr braucht Takashi Miike nicht für seinen ultraspannenden Thriller „Wara no tate“. Das bedeutet „Schild aus Stroh“ und spielt darauf an, wie fragil der Schutz ist, den das japanische Rechtssystem gewährt, wenn ausreichend Geld im Spiel ist. Miike stellt hier unterschiedliche Gesichter des Bösen vor und stellt letztlich die Frage, welche davon die Gesellschaft am ehesten zersetzt. Für den Zuschauer ist das eine Achterbahnfahrt an deren Ende sein moralischer Orientierungssinn ordentlich durcheinander geschüttelt sein dürfte. Für Kino-Zeit habe ich den Film ausführlich gelobt, bitte hier klicken.

Need For Speed (Scott Waugh, USA 2014)

Bis vor kurzem war Richard Linklaters „Boyhood“ noch auf diesem Listenplatz. Im letzten Moment habe ich mich umentschieden und Martin Scorseses bitterböse Kapitalismus-Satire „The Wolf of Wall Street“ vorgezogen. Im allerletzten Moment bin ich dann ein weiteres Mal umgeschwenkt und habe „Need For Speed“ hierhin verpflanzt. Warum? Scott Waugh ist hier ein unglaublich stylischer, visuell starker, herrlich ernsthafter und gleichzeitig wunderbar naiv-komischer Film gelungen. Sind das die 80er oder schon die 90er Jahre? Oder ist es ein zeitloses, hyperreales Jetzt, in das Waugh den Zuschauer katapultiert? Das Computerspiel gibt es seit 1994, es wird aber immer noch fortgesetzt. Der Film ist nun das längst fällige Denkmal des bis heute über 100 Million Male verkauften Spiels. Selbst wenn man „Need For Speed“ nicht irgendwann mal selbst gespielt hat – der Freude an dem Film hat das bei mir keinen Abbruch getan.

Wolf Creek (Greg McLean, Australien / Kanada 2005)

Posted by – 29. Dezember 2014

Wolf CreekZu den cineastischen (Horror-)Sensationen der letzten 10 Jahre gehört für mich eindeutig die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“, die viele Genreverwandten mit Leichtigkeit in die Tasche steckt. Zur Story, die angeblich auf einer wahren Begebenheit fußt: In einem klapprigen Auto touren die Engländerinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) mit ihrem australischen Freund Ben (Nathan Phillips) durchs endlose Hinterland des 5. Kontinents. Nach mehreren feuchtfröhlichen Stationen, Nächten im Zelt,Erfahrungen mit verrohten Einheimischen und einer zaghaften Annäherung zwischen Liz und Ben, kommen die drei schließlich im einsamen Nationalpark „Wolf Creek“ an.

Von hier aus hätte der Film auch ohne weiteres als romantisches Roadmovie vor den atemberaubenden Kulissen des „Back of beyond“ weitergehen können. Doch wer weiß, in welchem Genre er sich befindet, weiß auch, dass es anders kommen muss: Als die drei Backpacker versuchen, ihre Reise fortzusetzen, merken sie, dass ihr Wagen nicht mehr funktioniert und sie Stunden von der nächsten Zivilisationsoase entfernt in der Wildnis festsitzen. „Zum Glück“ erscheint Hilfe in Gestalt des Naturburschen Mick (John Jarret), der sie mit seinem Truck zu seinem Camp abschleppt. Dass Mick entgegen dem ersten Anschein kein netter Mensch ist und andere Pläne mit ihren hat, erfahren die drei am nächsten Morgen.

Strukturell haben Greg McLeans „Wolf Creek“ und Eli Roths „Hostel“ aus dem gleichen Jahr (und meiner Meinung nach ebenfalls ein herausragender Horrorfilm!) viel miteinander gemein. Beide Filme setzten auf eine sehr lange Exposition, um die Figuren vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich bei den Protagonisten um Backpacker, deren Reise durch ein fremdes Land direkt ins Verderben führt. Und genau wie in „Hostel“ sind es auch in „Wolf Creek“ die Einheimischen bzw. einer von denen, der für die jungen Touristen das Ende der Reise bedeuten. Das waren allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten, denn atmosphärisch gehen beide Filme unterschiedliche Wege. Während Roth dem Zuschauer mit diebischer Freude Genreklischees neu verpackt präsentiert und auf dessen voyeuristische Neigungen baut, beschreitet McLean beinahe dokumentarische Wege und erzeugt dadurch einen Realismus, der an die Nieren geht. Und im Vorbeigehen räumt der Regisseur mit dem Crocodile-Dundee-Mythos auf und zeichnet ein sehr düsteres Portrait des Kontinents, in dessen unendlichen Weiten sich der Wahnsinn ausbreitet.

Die Hoffnung, dass sich McLean nach „Wolf Creek“ als einer der großen seines Fachs etablieren würde, haben sich für mich allerdings mittlerweile fast zerschlagen. Der Krokodil-Horrorfilm „Rogue“ aus dem Jahre 2007 war unspektakulär, aber alles in allem noch durchaus ok. In dem unangenehm zynischen „Wolf Creek 2“ (2014) hingegen, mit dem McLean versucht, an seinen erfolgreichen Debütfilm anzuschließen, setzt der Australier ganz auf das Prinzip der Steigerung und nivelliert so alles, was den Vorgänger so interessant macht. (Dazu hier eine Kurz-Notiz.) Aber auch wenn McLean nun nicht der große Horror-Hoffnungsträger ist: „Wolf Creek“ ist und bleibt eine dreckige kleine Genre-Perle, die man kennen sollte.

Bild © Studiocanal

Elektra (Rob Bowman, USA, Kanada, Schweiz 2005)

Posted by – 13. Dezember 2014

elektraWas ich über „Daredevil“ gesagt habe, nämlich dass er rückblickend vor allem deswegen so interessant ist, weil er sich von den geleckten, aktuellen Marvel-Produktionen abhebt, gilt für „Elektra“ sogar noch mehr. Das liegt nicht nur an der Heldin – eine absolute Ausnahmeerscheinung in der männerdominierten Filmwelt Marvels – sondern auch an seiner von einer seltsamen Melancholie und Schwere durchzogenen Stimmung.

Elektra Natchios (Jennifer Garner) arbeitet als Profikillerin. Bei ihrem neuen Auftrag – auf einer abgelegenen Insel soll sie Mark Miller (Goran Višnjić) und dessen 13-jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) umbringen – schaltet sich ihr Gewissen ein. Sie lehnt den Job ab. Und ehe sie sich versieht, befindet sie sich in der Rolle der Beschützerin der Millers. Keine leichte Aufgabe, denn die gefährliche Verbrecherorganisation „Die Hand“ hat es auf Vater und Tochter abgesehen.

In kurzen Rückblicken erfährt der Zuschauer, dass Elektra, die ja eigentlich in „Daredevil“ gestorben war, von einem blinden Sensei namens Stick (Terence Stamp) von den Toten zurückgeholt und zu einer noch besseren Kämpferin ausgebildet wurde. Vielleicht war es ihr Tod, vielleicht die Ausbildung durch Stick oder das tägliche Meditationstraining, jedenfalls ist Elektra seitdem nicht nur besonders kampfstark, sondern kann manchmal auch einen Blick in die Zukunft werfen. Wenn man von dieser Fähigkeit absieht, und davon dass die Schergen der Hand mit Superkräften ausgestattet sind, könnte „Elektra“ auch als bodenständiger Actionfilm über Profis auf Abwegen durchgehen. Ja, wahrscheinlich funktioniert nahezu jeder Vertreter dieser Kategorie, der nach dem Muster „Killer kneift und bekommt danach selber Ärger“ aufgebaut ist. Und in der Tat strahlt Bowmans Film die Melancholie und Einsamkeit aus, die in diesem Genre charakteristisch ist. Zwar sind auch viele Superhelden Einzelgänger, müssen sie ja darauf achten, dass niemand ihre zweite Identität erkennt, doch so richtig trostlos geht es dort trotzdem nicht zu. Es ist eher eine kindliche Lust an Heimlichkeiten, würde ich mal behaupten, das viele Superhelden-Filme gemeinsam haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Elektra ist schon durch ihr rotes Kostüm farbdramaturgisch in dem entsättigten Film isoliert, aber auch dem Charakter ihrer Figur fällt es unglaublich schwer, andere Menschen an sich heranzulassen. Hier wartet der Film auch nicht, wie sonst üblich, mit einem Charakterwandel auf – ein Küsschen hier, ein freundlicher Blick da, aber ansonsten bleibt Elektra die einsame Wölfin und unnahbare Killerin. Trotzdem ist der Film natürlich kein ausgefeiltes Psychogramm, sondern immer noch eine Comic-Verfilmung, in gewisser Hinsicht so eine besonders grob geschnitzte. Genauer darüber nachdenken, was da eigentlich warum passiert, sollte man eher nicht, das versaut einem den Spaß. Auf die Comic-Elemente möchte ich aber genauso wenig verzichten wie auf übernatürlichen Aspekte des Films, besonders die von Hong-Kong-Kino inspirierten (Super-)Schurken, den geschwinden Boss, einen steinharten Koloss, eine Dame, deren Küsse töten und ein Tätowierter, der die Bilder auf seinem Körper zum Leben erwecken kann. Besonders letztgenannter hat es mir angetan. Die Kämpfe mit den Schurken sind allesamt ordentlich choreografiert und hübsch anzusehen und warten mit der ein oder anderen feinen visuellen Idee auf.

Wenn man, wie gesagt, mal davon absieht, dass die Geschichte hinten, vorne und mittendrin kaum Sinn macht (was mir persönlich ziemlich leicht fällt), kann man durchaus mal behaupten, dass man es bei „Elektra“, wenn auch nicht mit einem Meisterwerk, so doch mit einem unterschätzten Beitrag im Marvel-Universum zu tun hat. Aus dem Giftschrank einer der bekömmlicheren Tropfen.

Bild © Universum
 

The Divergent (Neil Burger, USA 2014)

Posted by – 10. Dezember 2014

divergent„Tut mir leid, ihr Nörgler da draußen“, habe ich diesen Text während des Filmschauens etwas voreilig begonnen, „ich weiß nicht, was ihr habt, „The Divergent“ ist doch wirklich nicht schlecht!“ Doch dann ging der Film weiter. Und der Satz machte auf einmal nicht mehr so viel Sinn. Dabei ging alles recht vielversprechend los.

„The Divergent“, der auf dem ersten Teil der Roman-Trilogie von Veronica Roth beruht, erzählt die Geschichte der jungen Beatrice (Shailene Woodley), die mit ihrem Bruder Caleb (Ansel Elgort) und ihren Eltern Natalie (Ashley Judd) und Andrew Prior (Tony Goldwyn) in Chicago wohnt. Die Stadt ist zerstört und von einer Schutzmauer umgeben. Die Menschen sind in ein Kastensystem eingeteilt, den Altruan, zu denen auch die Familie Prior gehört, die sich um andere kümmern und die Regierung stellen, die Kämpferkaste der Ferox, den Wissenschaftler genannt „Ken“, die Candor, die das Justizsystem bilden und die friedfertigen Amite, die für Verwaltung und Landwirtschaft zuständig sind. Zu ihrem 16. Geburtstag machen die Jugendlichen einen Eignungstest und können sich danach entscheiden, ob sie, was die Regel ist, in der Kaste ihrer Eltern bleiben oder wechseln wollen. Diese Entscheidung steht nun für Beatrice und ihren Bruder an.

Wahrscheinlich verrate ich nicht zu viel, der Filmtitel deutet es ja ebenfalls an: Sowohl Beatrice als auch ihr Bruder entscheiden sich gegen die Kaste ihrer Eltern. Sie wird Ferox, er Ken. Der Zuschauer begleitet die junge Frau in ihrer neuen Lebenswelt, in der sie weiterhin verschiedene Prüfungen bestehen muss. In dieser, seiner stärksten Phase wirkt „The Divergent“ wie die Verfilmung eines futuristischen Bildungsromans. Interessant ist der Spagat, den Regisseur Neil Burger hier hinbekommt, indem er keinen Zweifel daran lässt, dass wir uns in einer Dystopie bewegen. Stabilität und Nachhaltigkeit sind in dieser Welt gleichbedeutend damit, seinen Platz zu kennen. Diesen Aspekt betreffend erinnert Burgers Film sehr an „Snowpiercer“. Damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten aber auch schon. Burger ist viel weniger in das seinem Film zu Grunde liegende Konstrukt verliebt als sein koreanischer Kollege Joon-ho Bong, Burger interessiert sich für seine Figuren, zumindest für seine Hauptfigur, die versucht ihren Platz im Leben zu finden. Wer sich z.B. noch erinnert, wie es damals war, als die Empfehlungen ausgesprochen wurden, welche weiterführende Schule man besuchen soll – eine Lebensentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen – hat vielleicht eine Ahnung davon, wie sich „The Divergent“ in seinen besten Momenten anfühlt. An dieser Stelle muss das andere Standbein des erwähnten Spagats, man könnte auch sagen, die freundliche Seite des Films genannt werden. Für komplexe Wesen, die Menschen nun mal sind, ist es nämlich nicht nur unangenehm, in eine Schublade gesteckt zu werden. Gleichzeitig will man nämlich unbedingt irgendwo zu gehören. Diese beiden widerstreitenden Wünsche, einzigartig und gleichzeitig ein Teil von etwas zu sein, repräsentiert die Figur der Beatrice ganz wunderbar. Ihr dabei zuzusehen, wie sie eine für sie neue Welt kennenlernt und versucht, dort ihren Platz zu finden, ist spannend und einfühlsam erzählt.

Doch anders als die meisten anderen Jugendlichen, die sich komplett wohl in ihrer Schublade fühlen, ist Beatrice am zweifeln. Denn ihre Testergebnisse waren uneindeutig. Irgendwo hier beginnen aber auch die Probleme des filmischen Konstrukts. Ein Unbestimmter zu sein, ist nämlich etwas ganz Schlimmes. Wird das bekannt, fliegt man sofort aus seiner Kaste und muss sein restliches Leben jenseits der Armutsgrenze auf der Straße verbringen. Bei den Ferox wird man sogar umgebracht. Beatrice muss also höllisch aufpassen, dass niemand mitbekommt, dass sie nicht dazu gehört. Das ist anfangs noch ganz spannend, aber wirkt dann aber bald – ab hier muss ich leider selbst zum Nörgler werden – ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Genau wie die Verschwörung, der Beatrice dann auf die Schliche kommt und die sie wegen ihrer besonderen Fähigkeiten verhindern kann. In dieser Phase wimmelt es von plausiblen Momenten, die sowohl die innere Logik der Geschichte als auch das Verhalten der Figuren betreffen. Kate Winslet, die ich eigentlich sehr mag und die hier die Oberverschwörerin Jeanine Matthews spielt, habe ich noch nie so lustlos spielen sehen. Vielleicht kein Wunder, so eindimensional wie diese Figur angelegt ist. Die letzte halbe Stunde, wenn das interessante Sci-Fi-Jugenddrama zum Actionfilm morpht und sich Salve für Salve weiter ins Abseits ballert, habe ich mich nur noch gelangweilt. Sehr schade, nach dem starken Beginn und der interessanten Mischung aus Dystopie und Coming of Age und der wunderbaren Shailene Woodley. Die Romanvorlage kenne ich nicht und ich habe keine Ahnung, was in Teil zwei und drei passieren soll. Aber nach diesem durchwachsenen Auftakt, hält sich meine Neugier in Grenzen.

Bild ©  Concorde Video 
 

The Hobbit: The Battle of the Five Armies (Peter Jackson, Neuseeland / UK / USA 2014)

Posted by – 9. Dezember 2014

Aus J. R. R. Tolkiens „The Hobbit or There and Back Again“ ist ein großer Film geworden. Fast acht Stunden benötigt Peter Jackson, um das doch recht übersichtliche Buch für die Leinwand zu adaptieren. Im letzten Teil treten nicht zwei, nicht drei, sondern gleich fünf Heere gegeneinander an. Vorher reiten noch kleine, große, hässliche und schöne Wesen, mal hier, mal da entlang; die Sonne geht auf und unter, desorientierte Schauspieler und Pixelwesen, sagen irgendwelche Sätze in die Kamera… Trotzdem bleibt der Film seltsam leer. Für Kino-Zeit.de habe ich meinem Unmut Luft gemacht. (Etwas nach unten scrollen, zuerst kommt die eher wohlwollende Kritik von Kollege Diekhaus.)

Daredevil (Mark Steven Johnson, USA 2003)

Posted by – 8. Dezember 2014

daredevilMittlerweile, so scheint es, haben die Marvel-Helden die Kinos erobert und fest in ihrem stählernen Griff. Es gibt kein Entkommen mehr aus Marvel Cinematic Universe. Vor etwas über 10 Jahren war die Situation noch nicht ganz so krass, da wurden noch (Marvel-)Filme gemacht, die mit dem geleckten Coorporate Design heutiger Beiträge nicht allzu viel zu tun hatten. Ein bisschen wehmütig hat mich das Wiedersehen mit „Daredevil“ an diese Zeit erinnert.

Es geht um den Anwalt Matt Murdock (Ben Affleck), der durch einen Unfall in der Kindheit erblindet ist, seitdem aber besondere Fähigkeiten hat. Kostümiert und mit geschärften Sinnen macht er Jagd auf die Ganoven, die mit legalen Mitteln nicht zu fassen sind. Als der die ebenso kampfstarke wie schöne Griechin Elektra Natchios (Jennifer Garner) kennenlernt, ahnt er noch nicht, dass er bald die Chance bekommen wird, den mysteriösen Tod seines Vaters aufzuklären.

Marvel war im frühen Jahrtausend noch in der Findungsphase was kostümierte Männer, die von Hausdächern entschlossen herabblicken, angeht. Schon damals feierte Marvel mit Filmen wie „X-Men“ oder „Spider-Man“ Erfolge, aber selbst die Gurken, zu denen gemeinhin auch „Daredevil“ gezählt wird, haben noch den gewissen Charme des Unvollkommenen. Ein helles Licht in der Dunkelheit des Marvel Cinematic Universe ist Mark Steven Johnsons Film tatsächlich nicht – das sehe ich auch nach der Zweitsichtung noch so –, aber er wird nicht ganz zu Recht so gebashed, finde ich. Es gibt viele schöne Einfälle in dem Film, bereits zu Beginn, als der Teufel in eine Kirche stürzt; die von Colin Farrells völlig überzogene, aber trotzdem irgendwie ziemliche geile Interpretation des Superschurken Deadshot; oder der völlig sinnbefreite Kampf zwischen Matt Murdock und Elektra Natchios auf dem Kinderspielplatz – so eine Szene wäre heute gar nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass sich Johnson gar nicht mal so schlecht darin schlägt, sich den Herausforderungen, die der „Daredevil“-Stoff durch die Blindheit seines Helden mit sich bringt, zumindest entschlossen zu stellen. In Ansätzen klappt es gar nicht schlecht, die veränderte Wahrnehmung des Protagonisten auf die Kämpfe zu übertragen. Hier wäre vor allem die Sequenz zu nennen als Daredevil einen zu Unrecht freigesprochenen Verbrecher jagt und in einer Kneipe stellt. Das darauf folgende unübersichtliche Getümmel zeigt meines Erachtens recht gut die mit seiner besonderen Wahrnehmung zusammenhängenden Fähigkeiten des blinden Superhelden.

So gut wie an dieser Stelle klappt das im weiteren Verlauf leider nur noch selten. Was dem Film, wenn auch vielleicht nicht das Genick bricht, so aber doch diesen einen gehörigen Knacks verpasst, ist die Action, die ihm mehr schlecht als recht funktioniert. Viele Bewegungsabläufe wirken von Sam Raimis „Spider-Man“ abgeguckt, ohne allerdings dessen Eleganz zu erreichen, es will den Effektkünstlern einfach nicht gelingen, die Bewegungen echt aussehen zu lassen. Mich hat das während des Films immer wieder herausgerissen, mir ist ein unbeweglicher „Batman“ à la Tim Burton lieber als Choreografien der Marke „gewollt und nicht gekonnt“. Einige andere Kritiken wie die an Ben Affleck als Hauptdarsteller, kann ich nachvollziehen, hat mich allerdings nicht gestört. Das ernsthafte Musikproblem, das dem Film mitunter unterstellt wird, höre ich ebenfalls nicht. Für mich sind Figuren wie Songs gleichermaßen over the top und passen daher gut zusammen.

Wie gesagt, „Daredevil“ gehört noch zu den Filmen, bei denen von der eintönigen Qualität späterer Produktionen noch nicht allzu viel zu merken war. Besser macht ihn das freilich auch nicht. Aber allein, dass er ein Stück aus der Masse der Hochglanz-Produkte herausragt, macht ihn schon sehenswert. Und wenn ich mir hier im Blog nicht immer Sachen schwarz auf weiß vornehmen würde, die ich dann in 97,9 % der Fälle nicht einhalte, würde ich sagen, dass ich mir demnächst mal die ganzen „hässlichen Entlein“ der Marvel-Filme zu Gemüte führe – vielleicht finde sich ja doch der eine oder andere schwarze Schwan darunter.

Bild © Studiocanal
 

Final Words (Manuel Antônio de Macedo, Brasilien 1993)

Posted by – 7. Dezember 2014

Madox FinalDie Apokalypse ist schriftgewordene Ekstase – Honoré de Balzac

Ich hatte neulich den Auftrag, einen Text über die Apokalypse bzw. apokalyptische Filme zu schreiben. (Anfangs hieß das Thema noch „Endzeit“, wozu mit wesentlich mehr eingefallen wäre.) Gar nicht so leicht, denn so viele Filme, ist mir nach einigem Nachdenken aufgegangen, die sich wirklich mit dem Untergangs beschäftigen und Bilder dafür finden, gibt es gar nicht. Entweder die Apokalypse wird gerade noch verhindert, oder sie wird im Vorspann des Films kurz abgehandelt. Zum Glück ist mir ein Film wieder eingefallen, den ich im Rahmen eines Brasilien-Specials mal auf einem Regionalsender gesehen habe. Meine Erinnerung ist zugegebener Maßen etwas nebulös und ich bitte vage und ungenauere Aussagen zu entschuldigen.

„Final Words“ (OT: O último relatório) von Manuel Antônio de Macedo, hierzulande auch bekannt unter dem korrekt übersetzten, aber doch irgendwie weniger schönen Titel „Der letzte Bericht“, ist in meiner Erinnerung das Manifest der Apokalypse schlechthin. Hier geht die Welt unter, aber so richtig! In ihm bekommt der arbeitslose Journalist Madox (Wilson Carrero) den Auftrag, den Tag des jüngsten Gerichts zu protokollieren. Ob von Gott oder dem Teufel beauftragt und warum gerade er, das weiß er selber nicht so genau. Auf jeden Fall steht eines Morgens ein offensichtlich nicht-menschliches Geschöpf vor seiner Apartmenttür in São Paulo und weiht den ungläubigen Reporter in seine neue Aufgabe ein. Widerspruch ausgeschlossen und schwupps geht auch schon die Welt unter.

So schön und detailverliebt wie in de Macedos TV-Film hat man das allerdings noch nie erlebt, da öffnen sich die Himmelspforten, schwarz wird zu weiß, oben zu unten; der Boden reißt auf, ihm entströmen die Himmels- und Höllenscharen, welche die Menschen ihrer Bestimmung zuführen, frei nach dem Motto „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Und der gute (faule?) Madox ist gezwungen, über alles haarklein zu berichten. Ein Haufen Arbeit, was die über sechsstündige Laufzeit des Films durchaus rechtfertigt. Viel passiert auf der reinen Handlungsebene nicht, Langeweile kommt in diesem apokalyptischen Doku-Thriller, der die bürokratische Seite des Weltuntergangs zeigt, zumindest für den Zuschauer, trotzdem nicht auf. Während die Szenen im Pugatorium nichts für schwache Nerven sind, entbehren die Interviews mit den vor der Himmelspforte Wartenden allerdings nicht einer gewissen Komik, ach was, sie sind zum Schreien! Wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist, sind die himmlischen Heerscharen Schafe im Wolfsfell. Freud und Leid liegen auch am Ende unserer Tage und in diesem letzten Bericht nicht allzu viele Seiten auseinander.

„Schönschmerz“ und „Gutweh“ sind wohl die Begriffe, der das Gefühl, das der Film auslöst, am ehesten beschreiben. „Final Words“ ist ein Film über das Ende. Doch gibt es kaum eine zweite Geschichte, die so stark den Wunsch auslöst, zu wissen, wie es weitergeht. Insofern bewahrheitet sich mal wieder, dass jedem Ende auch ein Anfang innewohnt. De Macedos tragikomisches Stück TV lässt den Zuschauer nicht allein, sondern vermittelt – gerade ob der Endgültigkeit seiner Geschichte – paradoxerweise Hoffnung. Und vielleicht ist das die Erkenntnis, die ich aus meinem Streifzug durch die Filmwelt der Apokalypse mitgenommen habe und die dieser Film mir noch einmal in besonderer Weise ins Gedächtnis zurückgerufen hat, dass es nämlich nie um das Ereignis als solches geht, sondern um das Gefühl. Der Weltuntergang am frühen Morgen kann einem dem Sprichwort nach ja den ganzen Tag versauen. Wenn die Welt allerdings so schön wie hier untergeht, zehrt man da Jahre von.

Bild © Mil Imagens
 

Antboy (Ask Hasselbalch, Dänemark 2013)

Posted by – 6. Dezember 2014

AntboyNur ein paar Worte, weil ich es so schön finde, dass es Filme wie diesen gibt, Superhelden-Filme, die ihre Geschichte mal nicht mit den typischen Sprüche klopfenden Muskelpaketen erzählen, sondern ins Schulmilieu verlagern und einen Jugendlichen als Protagonisten haben.

Da wird der schüchterne Pelle (Oscar Dietz) von einer Ameise gebissen und hat danach Superfähigkeiten: Er kann plötzlich Wände hinaufklettern, sein Urin ist die reinste Säure und er ist ziemlich stark – wenn er genug Zucker zu essen bekommt. Anfangs weiß Pelle kaum wie ihm geschieht, Comic-Nerd Wilhelm (Samuel Ting Graf) klärt ihn jedoch auf und entwirft für ihn ein Kostüm. Aus Pelle wird Antboy! Sein erster großer Job als Superheld lässt nicht lange auf sich warten. Seine heimliche Liebe Amanda (Amalie Kruse Jensen) wird von Super-Bösewicht „Der Floh“ (Nicolas Bro) entführt. Zusammen mit Wilhelm und Amandas Ida (Amalie Kruse Jensen) macht sich Antboy an die Rettung.

Der Film von Ask Hasselbalch ist vor allem deswegen so charmant, weil er ihn nicht als Parodie auf Superheldenfilme anlegt, sondern seine Geschichte und die Figuren ernst nimmt, aber gerade hierdurch subversiv lustig ist. Wenn man sieht, wie gut die Standard-Superheldenfilm-Dramaturgie im Grundschulmilieu und wahrscheinlich auch im Kindergarten oder der Seniorenresidenz (freue mich schon auf „GrANTpa“!) funktioniert bzw. funktionieren würde, sagt das vieles über das aktuelle Superheldenkino, das sich zwar immer redlich aber letztlich erfolglos müht, mehr sein zu wollen, als naive Ermächtigungsphantasie.

Dies wäre dann auch mein einziger Kritikpunkt an Hasselbalchs Film, dass er nämlich seinen besonderen Humor gewinnt, indem er alles so macht, wie es sich in dem Genre gehört, aber leider, das ist die Kehrseite der Medaille, deswegen weder Überraschungen noch besondere Finesse bietet. Aber vielleicht wird dieser kleine Schönheitsfehler ja in der Fortsetzung „Den Røde Furies Hævn“ ausgemerzt. Ich freue mich jedenfalls darauf.

Bild © Ascot Elite
 

John Wick (Chad Stahelski, David Leitch, USA / Kanada / China 2014)

Posted by – 1. Dezember 2014

„Papa, da sind Monster im Haus…“ – mit diesen Worten beginnt das Actionmanifest „Universal Soldier – Day Of Reckoning“ von John Hyams. „John Wick“, das Debüt der ehemaligen Stuntmen David Leitch und Chad Stahelski, startet mit einem Beagle und endet mit einem Kampfhund. Auch Wick hat Monster in seinem Haus und auch ihm werden gleich am Anfang Dinge genommen, die er liebt. Und auch er ist, wie die Soldaten in Hyams Film, eine Kampfmaschine. Doch wo Hyams trotz aller vordergründigen Brutalität mit erstaunlichem Feingefühl vorging und einen der geistreichsten Genrebeiträge der letzten Dekade erschuf, gibt es in Leitch & Stahelskis ultra-brutaler Killer-Phantasmagorie jenseits der stilisierten Gewalt nur wenig zu entdecken. Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu dem Film geschrieben.