Month: Juli 2015

Big Trouble In Little China (John Carpenter, USA 1986)

Posted by – 30. Juli 2015

big troubleDer Trucker Jack Burton (Kurt Russell) hilft seinem Freund Wang Chi (Dennis Dun) seine Verlobte aus den Klauen von Lo Pan, einem uralten chinesischen Magier (James Hong) und seinen Schergen zu befreien. Unterstützt werden die beiden von dem Touristen-Führer Egg Shen (Victor Wong) und der Anwältin Grace Law (Kim Cattrall).

Mit „Big Trouble In Little China“ verbinde ich viel. Ich sah ihn das erste Mal zu einer Zeit, in der sich seine wahnwitzigen Ideen wie Lichtblitze in mein junges Hirn brannten und die Synapsen neu verschalteten. Im zarten Teenager-Alter habe ich ihn das erste Mal gesehen, und es ist nicht übertrieben zu sagen – nach diesem verrückten Action-Fantasy-Spukfilm mit Hongkong-Flair war ich ein anderer. Seitdem habe ich aber nicht nur ein Faible für große Strohhüte. Ich war damals sehr empfänglich für Geschichten, die zeigen, dass neben unserer sichtbaren noch eine andere, uns verborgene Welt existiert. John Carpenters Film spielt in San Franciscos Stadtteil China-Town. Doch: Einmal falsch abgebogen, finden sich Jack und Wang gleich inmitten eines Straßenkampfs zwischen zwei rivalisierenden Gangs wieder, bei dem auch die „3 Stürme“ – die Magier Regen, Donner und Blitz – und schließlich sogar Lo Pan mitmischen. Dies ist Jacks erste Begegnung mit dem Übersinnlichen, dabei bleibt es jedoch selbstverständlich nicht. Im Folgenden gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich hinter jeder Ecke und Tür eine bewusstseinserweiternde Überraschung auf die Helden wartet, und das war, wie gesagt eine Idee, die ich damals wie heute sehr mochte – das überall Geheimnisse und Überraschungen lauern. Und apropos Held: Kurt Russels Jack Burton ist ein wirklich interessanter Vertreter dieser Gattung, ein nicht gerade überkomplex gestrickter Charakter, aber ein Kumpel-Typ, einer, mit dem man Pferde bzw. entführte grünäugige Ladys (zurück-)stehlen kann. Neben der Non-Stop-Action und dem Ideenfeuerwerk ist es wahrscheinlich diese charmante Figur, die mir den Film, der so ehrlich und unbedarft ist wie sein Protagonist, so ans Herz hat wachsen lassen.

Bei aller Liebe zu dem Film gehören dazu auch noch ein paar melancholische Worte. Ich habe „Big Trouble In Little China“ in den letzten Jahrzehnten oft gesehen, doch spätestens mit der Begegnung vor ein paar Tagen muss ich leider feststellen, dass der Film – trotz aller Begeisterung, die ich oben geschrieben habe durchblicken lassen – seine Wirkung nicht mehr annähernd in dem Maße entfaltet wie früher. Ich gebe zu, diesmal habe ich ihn unter unvorteilhaften Bedingungen gesehen, gestückelt, in drei Anläufen, weil ich immer so müde war. Die letzte Etappe war die zermürbendste auf dem Fernseher meiner Eltern. Wir brauchten ca. eine Stunde, um eine DVD zum Laufen zu bringen und sind bis zum Schluss der Einstellung des komplizierten Soundsystems nicht Herr geworden. Das macht wahrscheinlich nur einen kleinen Teil des empfundenen Qualitätsverlusts aus. Vielleicht ist es die Übersättigung an Attraktionen, vielleicht lege ich heute einfach auf andere Dinge Wert als damals. Mit dem Film verhält es sich ein wenig so wie mit dem Jahrmarkt, den ich heutzutage auch nicht mehr mit der gleichen Faszination erleben kann wie als Kind. Das Gefühl ist einfach anders.

Wir hatten schöne Zeiten zusammen, aber jetzt behalte ich dich lieber in guter Erinnerung, anstatt mir durch die Wirklichkeit etwas anderes einreden zu lassen. Und während du, oh „Big Trouble In Little China“, dich auf dem festen Platz in meinem Herzen ein wenig ausruhen und neue Kraft schöpfen darfst, schaue ich mir ein paar der Filme an, die ich noch nicht so oft gesehen habe.

Bild © Twentieth Century Fox

Starman (John Carpenter, USA 1984)

Posted by – 26. Juli 2015

StarmanDie Voyager Golden Record ist eine Datenplatte, die mit der Raumsonde Voyager in die Weiten des Universums gesendet worden ist. Mit ihrer Hilfe sollten Aliens von der Existenz der Menschheit erfahren. Extrem unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. John Carpenters „Starman“, der auf einem Drehbuch von Bruce A. Evans und Raynold Gideon beruht, spielt die Idee durch, was wäre wenn eine außerirdische Intelligenz die Einladung annimmt. Doch anders als in so vielen Science-Fiction-Filmen erweisen sich hier nicht die Besucher als feindlich, sondern die Menschheit als verdammt schlechter Gastgeber. Kaum angekommen, wird das UFO auch schon abgeschossen. Der „Starman“ an Bord überlebt, nimmt die Gestalt des verstorbenen Mannes (Jeff Bridges) von Jenny Hayden (Karen Allen) an und reist mit ihr quer durch die USA zu dem Ort, wo er in zwei Tagen wieder abgeholt werden soll. Und wie soll es anders sein: das Militär ist ihnen dicht auf den Fersen.

Da es niemand sonst so richtig tut, möchte ich hier eine Lanze für John Carpenters „Starman“ brechen, den ich nach einer Ewigkeit vor ein paar Tagen wieder einmal gesehen habe. Das Science-Fiction-Roadmovie, dem die typischen thematischen und stilistischen Erkennungsmerkmale des Regisseurs zwar fehlen, weiß nichtsdestotrotz zu überzeugen, weil es nämlich nicht nur ganz wunderbare, prägnante Momente (die Szene mit dem Baby!, herrliche Landschaftsaufnahmen), sondern auch inhaltlich einiges zu bieten hat. Dass der Mensch mehr ist als sein Körper, gehört zu einer häufig strapazierten Binsenweisheit des Wohlfühlkinos. Dass der Mensch wie jedes Lebewesen aber nun mal eben auch Körper ist und dass damit einiges zusammenhängt, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt. Nicht umsonst besorgt sich das außerirdische Energiewesen in Carpenters Film erst einmal einen Körper, denn nur so kann es erleben, wie es ist ein Erdenbewohner zu sein und nur auf diesem Weg ist es in der Lage, eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Doch es sind nicht nur die Chancen der Körperlichkeit, welche die Geschichte vorantreiben, sondern auch ihre Tücken. Der Starman ist gefangen im Fleisch, unddas mit allen seinen Bedürfnissen – Hunger, Schmerzen und vor allem Liebe – die zwar nicht das Ziel, aber doch die Beschaffenheit seiner Reise bestimmen. Und für Jenny Hayden ist die Gestalt des Außerirdischen natürlich alles andere als nebensächlich. Dass er aussieht wie ihr verstorbener Mann ist anfangs natürlich vor allem ein Grund für Irritation, Angst und Misstrauen. Doch schon bald ist es gerade seine Gestalt, die ihr hilft, Vertrauen zu fassen und sich schließlich sogar zu verlieben. Mit Blick auf viele seiner anderen Filme frage ich mich, ob es vielleicht dieser Aspekt gewesen sein könnte, der Carpenters Interesse an dem Stoff geweckt hat – dass unsere Körper letztlich unsere Freiheitsgrade bestimmen, dass wir in gewisser Weise sogar ihre Gefangenen sind, weil sie bestimmen, was wir tun und empfinden können.

Aber ich will diesen Gedanken auch nicht überstrapazieren. Denn wie gesagt, dies ist ein Carpenter-Film der etwas anderen Art, einer in dem der Regisseur seine Vielfältigkeit und sein großes thematisches Spektrum unter Beweis stellt. Hier geht es nicht um Angst, es geht um Liebe, weniger um Zwänge denn um Möglichkeiten und nicht carpenter-typisch ums Gefangensein, sondern um Freiheit. „Starman“ gehört zu den seltenen Filmen, welche die schönen Seiten der USA zeigen, in denen es um Hilfsbereitschaft geht und um guten Kuchen. Er ist damit ein wenig wie ein Märchen, in dem der Außerirdische wie die gute Fee dem Menschen seine Wünsche erfüllt. Nach der Begegnung mit dem Starman sind alle, die es zugelassen haben, bereichert. Sie hatten die Chance, etwas zu lernen. Und auch er selbst hat zum Schluss, wenn er sich auf den Rückweg zu seinem Planeten macht, wertvolle Erfahrungen dazugewonnen.

Bild © Sony Pictures

Schindler’s List (Steven Spielberg, USA 1993)

Posted by – 20. Juli 2015

Schindlers-ListeIm Zweiten Weltkrieg gelingt es dem deutschen Geschäftsmann Oskar Schindler, über eintausend Juden vor der Ermordung zu retten, indem er sie in seiner Fabrik „kriegswichtige Arbeit“ verrichten lässt.

Eine kurze Inhaltsangabe, ein Satz – aber eine Geschichte, die so voll Bedeutung, Grausamkeit, Tragik und Mut ist, dass ich mich, ehrlich gesagt, ein wenig scheue, mich überhaupt zu Steven Spielbergs meisterhaftem Film nach dem Roman von Thomas Keneally, der sich 194 intensive Minuten mit der oben genannten Situation auseinandersetzt, zu äußern. Ich habe ihn vor ein paar Tagen zum ersten Mal komplett gesehen. Und da ist immer noch dieses Frösteln, wenn ich an ihn denke. Viel ist zu „Schindler’s List“ schon geschrieben worden, von Leuten die sich besser mit Film, mit Spielberg und mit dem Dritten Reich auskennen, und ich möchte das jetzt nicht alles wiederkäuen, sondern lediglich zwei Aspekte kurz vorstellen, die mir an dem Film besonders wichtig sind und die ich für sehr gelungen halte.

Der eine Aspekt betrifft den Wahnsinn des Dritten Reiches – oder vielmehr Hitlers Wahnsinn, sein (Selbst-)Zerstörungstrieb. Hitlers einziges Ziel – hier folge ich Sebastian Haffner, der in „Anmerkungen zu Hitler“ eindrucksvoll die Geschehnisse des Krieges analysiert –war ja nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1941 nicht mehr die Vorherrschaft in Europa, sondern allein die Vernichtung aller Juden, die seitdem mit noch größerer Systematik und kompromissloser Entschlossenheit vorangetrieben wurde. Doch während die Todesmaschine effizient ihren Dienst verrichtete, machten sich Auflösungserscheinungen in allen anderen Bereichen bemerkbar. Spielbergs Verdienst ist es, hierfür Szenen zu finden. Stellvertretend für den Irrsinn des Systems kann hier Ralph Fiennes Figur genannt werden, der als sadistischer Nazioffizier Amon Göth das Arbeitslager Plaszow und spätere KZ Plaszow leitete. Das Chaos, das er erzeugte, konnte Schindler sich zu Nutze zu machen, zumindest spielte es ihm in die Hände.

Der andere Aspekt, den ich erwähnen möchte, betrifft den Mann Oskar Schindler beziehungsweise dessen filmische Reinkarnation. Ein Vorwurf, der spätestens nach Erscheinen der Schindler-Biografie von David M. Crowe immer wieder im Zusammenhang mit Spielbergs Film zu hören ist, lautet, Schindler sei zu sehr als Held dargestellt, wobei er doch auch ein Opportunist gewesen sein soll, dem es lange Zeit nicht um die Rettung von Menschen, sondern vor allem um seinen persönlichen Erfolg ging. Wie es sich in Wirklichkeit verhielt, mag ich nicht beurteilen. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass der Film diesem Charakterzug einerseits Rechnung trägt und für meine Begriffe den Wandel seiner Persönlichkeit – den es ohne Zweifel gegeben hat – ziemlich präzise nachzeichnet. Zum anderen möchte ich herausstellen, dass die Rettung so vieler Menschen nur möglich war, weil Schindler es verstanden hat, sein Fähnchen in den Wind zu drehen. Nur weil er nach außen Nazi war, weil er es verstanden hat, mit wichtigen Entscheidungsträgern des Nazi-Regimes umzugehen und in der Lage war, Unrecht vor seinen Augen geschehen zu lassen, konnte er helfen. Wäre er ein wenig mehr „Held“ gewesen, wer weiß, was dann geschehen wäre.

Oskar Schindler hat etwa 1200 Menschenleben gerettet. Spielbergs Film hilft, dass die Erinnerung daran ebenfalls lebt.

Bild © Universal

Ant-Man (Peyton Reed, USA 2015)

Posted by – 20. Juli 2015

Superhelden-Filme aus dem Hause Disney/Marvel – so mein Eindruck – stagnieren gerade auf hohem Niveau. Mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so leicht, dazu überhaupt noch etwas Interessantes zu schreiben, so gleichgeschaltet kommen mir die Filme gerade vor. „Avengers: Age Of Ultron“ habe ich aus diesem Grund schon gar nicht mehr mit einem Text gewürdigt. „Ant-Man“ heißt nun der jüngste (Fließband-)Produkt aus der Marvel-Film-Schmiede, das – überraschender Weise – im engen Rahmen seiner Möglichkeiten sogar mal wieder für etwas Abwechslung sorgt. Argumente für den Film ist neben dem sympathischen Humor vor sein visueller Einfallsreichtum. Wenn man sich jetzt noch dazu entschließen könnte, mal keine 08/15-Geschichte zu erzählen und sich daran erinnern würde, dass vor allem spannende Konflikte und mehrdimensionale Figuren Filme interessant machen, dann würde ich mich vielleicht bald wieder zu den Marvel-Fanboys zählen. Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu „Ant-Man“ geschrieben.

Es wird eng (12)

Posted by – 20. Juli 2015

Streng genommen ist diesmal nicht fehlender Platz der Grund für diesen Post (ich habe ein neues Regal und daher mehr Platz für Filme), aber aus alter Gewohnheit belasse ich es mal bei dem bekannten Titel. Und auch sonst bleibt alles beim Alten: Ich möchte DVDs loswerden, ihr könnt sie haben. Dazu schreibt ihr mir einfach in einem Kommentar, warum die gewünschten Filme (bis zu drei) bei euch besonders gut aufgehoben wären. Wenn sich mehrere Menschen den gleichen Film wünschen, entscheidet der überzeugendere Kommentar.

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P.S. Bei DVDs handelt es sich um eine aussterbende Spezies, und dies ist wahrscheinlich die letzte oder vorletzte derartige Aktion. Das mag für den einen oder anderen Grund sein, hier noch einmal zuzuschlagen. Denn wer weiß – in ein paar hundert Jahren sind die Dinger vielleicht richtig was wert.

Trespass (Walter Hill, USA 1992)

Posted by – 19. Juli 2015

TrespassDen beiden Feuerwehrmännern Vince Gillian (Bill Paxton) und Don Perry (William Sadler) fällt eine Schatzkarte in die Hände. In einem verlassenen Gebäude soll die Beute eines Kirchenraubs versteckt sein. Gold! So viel Gold! Hoffnungsfroh machen sich die beiden Männer auf die Suche, nicht ahnend, dass das Gebäude zur gleichen Zeit auch von King James (Ice-T) und seiner Gang zwecks Hinrichtung eines Rivalen besetzt wird. Und Zeugen können die Gangster natürlich nicht gebrauchen.

Ich kenne bisher nur wenige Filme von Walter Hill, und „Trespass“ legt den Schluss nahe, dass das ein großer Fehler ist. Zwar wird der Gesamteindruck ein wenig durch das linkische Schauspiel des Duos Ice-T & Ice-Cube geschmälert, aber ansonsten ist dies ein Film nach einem Drehbuch von Bob Gale und Robert Zemeckis ganz nach meinem Geschmack: hard-boiled, direkt, voller Action und trotzdem mit dem gewissen Subtext, der die Abenteuerfilme der letzten Dekaden kurzerhand auf die Müllhalde der Vergangenheit verweist. Glorreiche Abenteuer, edle Helden und echte Freundschaft, ja schöne Geschichten über Menschen, die etwas Tolles erleben – so die Aussage des Films – gibt es heute nicht mehr. Aber warum? Weil der Mensch gierig ist und das macht ihn hässlich. Goodbye Abenteuerfilm, Tschüss Buddymovie, Hallo „Trespass“!

Und weil ich eigentlich gar nicht mehr zu sagen habe, als dass ich den Film großartig finde, ende ich mit diesem von Wikiquote geklauten, aber sehr treffenden Sinnspruch: „Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, und dem Menschen, der Verstand bekommt! Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber; denn ihr Ertrag ist besser als Gold. Sie ist edler denn Perlen; und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen.“

Amen.

Bild © Koch Media

Manhattan Baby (Lucio Fulci, Italien 1982)

Posted by – 18. Juli 2015

Manhattan BabyIch habe noch so einige Lücken, was das Werk von Lucio Fulci angeht. Und das darf natürlich nicht sein. Deswegen werde ich mir in den folgenden Wochen alles, was mir von ihm in die Hände fällt, zu Gemüte führen. Den Anfang meiner planlosen Reise durch sein Schaffen macht der allgemein eher wenig geschätzte „Manhattan Baby“ (OT: L’Occhio del male), an dem weder die Splatter-Gourmets unter Fulcis Anhängern, noch diejenigen, die eher seine atmosphärischen, häufig surrealistischen Werke zu schätzen Gefallen gefunden haben. Auch mich konnte der Film nicht gerade zu Jubelstürmen hinreißen, aber ein wohlgesonnenes „hat was“ ist auf jeden Fall drin.

Zum „Inhalt“ (es geht um ein verfluchtes Amulett, mit dessen Hilfe der Geist eines bösen Pharaos von den Kindern eines Wissenschaftlers Besitz ergreift), muss man nicht viel sagen. Die Geschichte scheint, wie so oft bei Fulci, als notwendiger aber lästiger Ballast. Doch anders als beispielsweise im Vorgänger „The New York Ripper“ (OT: Lo Squartatore di New York), mit dem „Manhattan Baby“ den Handlungsort teilt, geht es dem Italiener hier auch nicht darum, möglichst unappetitliche Situationen in Szene zu setzen, sondern um… – ja um was eigentlich? Auf den ersten Blick ist sein Film ein recht konventionelles Gruselstück, auf den zweiten aber auch wieder nicht, weil das alles nicht besonders spannend ist und auch nicht wirklich Sinn ergibt. Figuren kommen und gehen, manchmal sterben sie, mitunter verschwinden sie auch einfach, hier leuchten mal die Augen blau, da liegt auf einmal Wüstensand auf dem Boden des Kinderzimmers, in der Schublade ist ein Skorpion, und im Finale erwachen Tierpräparate zum Leben. Kraut und Rüben. Der Film wirkt wie eine luschig erzählte Mischung aus „Poltergeist“, „The Exorcist“ und „The Mummy“ (nur ohne Mumie), in der nicht einmal der böse Pharao weiß, was er eigentlich will. Qualitativ hochwertig ist das sicherlich nicht – den Vorwurf, der Film wäre irgendwie konventionell oder der Expressionist Fulci habe sich hier nicht richtig ausgelebt, kann man so aber nicht stehen lassen. Trotz der etwas zähen Story, die nicht so richtig in Gang kommen will und viel Leerlauf, gibt es auch immer wieder geniale Momente, in denen der Regisseur zeigt, was er kann bzw. worauf es ihm eigentlich ankommt. In seinen Filmen bricht stets das Böse in die Welt, doch im Gegensatz zum Stilisten Dario Argento tut es das bei Fulci mit brachialer Gewalt: Wände brechen auf, Körper werden von Spießen durchbohrt, das Blut schießt aus Augen und Ohren… Nein, subtil ist das was Fulci uns hier zeigt nicht. Auch wenn er in „Manhattan Baby“ ein wenig verhaltener zu Werke geht als in manch anderen seiner Filme, scheint auch dieser Film mit einigem Hass inszeniert zu sein. Ich weiß nicht viel über Fulci. Aber ein glücklicher Mann, das merkt man hier, war er bestimmt nicht.

Trotzdem will ich mich nicht beschweren, denn „Manhattan Baby“ hatte wie gesagt etwas. Und wenn es nur dieses vage Gefühl ist, dass hinter der Geschichte und den Bildern eines Films mehr ist, als man rational erfassen kann. Und dass ein Amulett eben manchmal nicht nur ein Amulett ist, sondern etwas, in dem der Geist eines bösen Pharaos schlummert. Ich freue mich schon darauf, den „bösen Geist“ in den Filmen von Fulci noch etwas besser kennenzulernen.

Bild © Marketing Film

The Hitcher (Robert Harmon, USA 1986)

Posted by – 18. Juli 2015

HitcherIch komme bedauerlicher Weise gerade nicht besonders oft dazu, mir einen Film anzugucken. Und selbst zu den wenigen, die ich sehe, schaffe ich es leider nicht immer, etwas aufzuschreiben. Für Robert Harmons „The Hitcher“ muss ich dem zeitintensiven Alltag jetzt aber noch eine Stunde abringen, denn zu diesem Film nichts zu sagen – das geht einfach nicht. Robert Harmons Wahnsinnswerk aus Feuer und Wasser, Staub, Blut und Zelluloid gehört zu der Handvoll Filme, die eine besonders wichtige Rolle bei meiner cineastischen Sozialisation gespielt haben.

Schon der Anfang: Da fährt der junge und zu Beginn noch reichlich naive Jim Halsey (C. Thomas Howell) einsam über den Highway. Er hat den Auftrag, einen Wagen von Chicago nach San Diego zu überführen. Er kämpft mit aller Kraft gegen die Müdigkeit an und denkt im ersten Augenblick, dieser Anhalter (Rutger Hauer), der am Straßenrad im Regen steht, wäre seine Rettung. Doch der Mann, der sich als John Ryder vorstellt, entpuppt sich nicht als die erwünschte Abwechslung von der monotonen Autofahrt – zumindest nicht so, wie Jim es sich vorgestellt hat. Ryder ist ein Psychopath, das wird schon in den ersten Minuten dieses Films klar. „Say ‚I want to die’“ fordert er den junge Mann auf. (Ich. Gänsehaut. Jedes Mal.) Doch dieser entscheidet sich für das Leben und schafft es sogar, Ryder aus dem Auto zu schmeißen. Was folgt ist ein spannendes, von einer seltsam ambivalenten Atmosphäre getragenes Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Kurier und dem Anhalter. Die endlose Straße bietet keine Zuflucht. Wo immer der eine auftaucht, ist der andere schon gewesen und hat sein blutiges Werk verrichtet.

Die Motive des geheimnisvollen Killers bleiben im Verborgenen. Es ist fast so, als hätte sich Jim durch seinen ersten kleinen Etappensieg als würdiger Mitspieler erwiesen, vielleicht sieht Ryder auch etwas in dem jungen Fahrer, das er zum Vorschein bringen will. „Stop me“ fordert er ihn an einer Stelle auf, aber man weiß nicht, ob es sein Ernst ist oder ob es zu seinem sadistischen Spiel gehört. Hier verhält es sich mit Ryder ein wenig wie mit dem ganzen Film, dessen vielleicht größte Stärke es ist, dass man bei ihm nicht weiß, woran man ist und dass man ihn auf viele Arten deuten kann: als apokalyptischen Highway-Western, als brutale Coming-of-Age-Parabel (vielleicht sogar mit homoerotischem Subtext?) oder auch als den ultimativen Kampf des Guten gegen das Böse. Gerade einige weniger unlogische Momente heben die surrealen Aspekte des Films hervor und manchmal wähnt man sich beinahe in der Halluzination eines schizophrenen Killers. Die Bilder des Films leben, sie flirren in der Hitze über dem Asphalt, verschwimmen beim Blick durch die schmierige Windschutzscheibe und verlieren sich im explodierenden Licht des nächtlichen Regens. Jedenfalls scheinen sie bei jeder Sichtung ihr Erscheinungsbild geringfügig zu ändern. Doch ob hier zwei gegeneinander oder einer gegen sich selbst kämpft – sicher scheint nur: hier findet eine Auseinandersetzung statt, die so kraftvoll und elementar wohl nur selten ins Bild gesetzt worden ist.

Mit dem Gewehr streicht Jim zum Schluss dem vor ihm auf der Straße liegenden Anhalter eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Geste hat beinahe etwas Zärtliches, Intimes. Vielleicht, weil er neben aller Qual Ryder auch etwas zu verdanken hat? Durch ihn ist er in eine Welt eingeführt worden, in der Mann-Sein vor allem bedeutet, zu töten. Diese Botschaft macht den ohnehin nicht gerade heiteren Film gleich noch etwas trostloser.

Bild © Momentum

Memoirs Of An Invisible Man (John Carpenter, USA 1992)

Posted by – 17. Juli 2015

Jagd auf einen UnsichtbarenWer würde nicht gerne einmal Mäuschen spielen und sich, ohne bemerkt zu werden, an Orten aufhalten, zu denen man sonst keinen Zugang hat? Wer wäre nicht gerne einmal unsichtbar? Bestimmt die meisten. Was man sich allerdings selten klar macht, ist, welche Einschränkungen dieser vermeintliche Zustand absoluter Freiheit mit sich bringt. Nicht gesehen zu werden heißt nämlich vor allem eins – unendlich allein zu sein. Wie in John Carpenters „Memoirs Of An Invisible Man“. Da macht der lebefreudige Geschäftsmann Nick Halloway (Chevy Chase) während einer Tagung in einem Forschungszentrum ein Nickerchen. Durch einen Unfall im Labor wird ein Teil des Gebäudes sowie er selbst unsichtbar. Ehe er sich versieht ist ihm eine Spezialeinheit der C.I.A. unter der Führung des skrupellosen David Jenkins (Sam Neill) auf den Fersen. Sie wollen sich die Fähigkeiten des Unsichtbaren zu Nutze machen.

Die folgende Stunde ist Nick auf der Flucht, und ich fühlte mich nicht nur einmal an Andrew Davis’ meisterlichen „The Fugative“ erinnert. Dessen Spannung und Dichte erreicht Carpenters Film zwar nicht, seine Stärken liegen dafür anderswo. Allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig ähnlich wie mit dem Protagonisten – es fällt mir gar nicht so leicht zu sagen, wo sie sich befinden. Ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum dieser Film so mäßige Kritiken eingefahren hat, da ich ihn als reinen Unterhaltungsfilm wie auch im Kontext von Carpenters Werk (als dessen er auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar ist) sehr schätze. Denn von den Möglichkeiten, die seine Unsichtbarkeit bieten sollte, bekommt Nick nur wenig mit. Er ist ein Gejagter, der ständig kurz davor steht, entdeckt zu werden. Er kann kaum schlafen, weil das Licht durch seine Augenlider scheint, er darf nicht essen, weil die Nahrung in seinem Magen natürlich nicht unsichtbar ist und er sich so verraten würde, er kann sich niemandem anvertrauen, weil der C.I.A. alles überwacht. Nick kann alles Sehen, aber er hat so gut wie keinen Einfluss auf die Dinge. Jede Intervention von ihm würde sofort seine Häscher auf ihn aufmerksam machen. Unsichtbar bedeutet bei Carpenter nicht frei, sondern gefangen zu sein. Wie Carpenter diesen Aspekt von Unsichtbarkeit hier herausarbeitet, finde ich besonders reizvoll.

Was nicht heißen soll, dass sich meine Sympathie diesem Film gegenüber hierin erschöpft. Von den zahlreichen Dingen, die ich an ihm mag, möchte ich vor allen noch einmal die drei Hauptdarsteller, Chevey Chase, Sam Neill und mit Einschränkung auch Daryl Hannah hervorheben, die jeder für sich wie auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Chase hatte vor, mit diesem Film ins ernstere Fach zu wechseln, doch seine „funny bones“ kann er nicht komplett verstecken. Ich finde ihn einfach super besetzt in der Rolle des gelangweilten Playboys, der sich seine Wirklichkeit Stück für Stück zurück erkämpfen muss, und der erst durch sein Verschwinden lernt, in welcher Weise er in der Welt sein will. Neills Figur ist der perfekte Antagonist für diesen passiven Helden, sein David Jenkins ist ebenso clever wie skrupellos, gierig und omnipräsent. Er ist es gewohnt, Druck auf andere Menschen auszuüben, er drängt sie immer weiter an den Rand, bis sie sich entweder unterwerfen oder von der Klippe stürzen. Oder wie Nick, der irgendwann zum Gegenangriff bläst.

Einen kleineren Kritikpunkt hätte ich aber dennoch. Nicks furchtbare Situation, gejagt zu werden, nirgendwo hin zu können und allein zu sein, wird vielleicht ein wenig zu sehr abgemildert durch den Love Interest in Gestalt von Daryl Hannah. Die Chemie zwischen ihrer Figur und Nick stimmt, aber mit Sicherheit wäre alles noch etwas dramatischer, wenn Nick niemanden hätte, der ihn unterstützt. Ich selbst bin unsicher, ob ich mir den Film hier anders wünsche, denn einerseits fehlt ihm so, wie er ist, die letzte Konsequenz, andererseits gefällt mir gerade die Mischung aus Tragik und Humor, Anspruch und Unterhaltung. Doch auch so, wie er ist, habe ich „Memoirs Of An Invisible Man“ unheimlich gern. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich ihn sehe, auch wenn ich es nicht bis ins Detail erklären kann.

Bildm © Euro Video

Terminator: Genisys (Alan Taylor, USA 2015)

Posted by – 6. Juli 2015

„Wenn man die Terminator-Filme mag, wird man diesen Film lieben.“ James Cameron soll das gesagt haben. Und „dieser Film“ ist natürlich „Terminator: Genisys“, der wie zuvor „Terminator: Die Erlösung“ als erster Teil einer neuen Trilogie konzipiert ist. Ob das was wird, daran habe ich allerdings meine Zweifel. Auch wenn die Action zumeist kurzweilig ist, ist der Mangel an Ideen doch eklatant. Warum will man diese Geschichte vom Kampf des Menschen gegen die Maschinen weitererzählen, wenn es so offensichtlich nichts zu erzählen gibt? Am lässt sich Teil 5 als eine Sammlung der vermeintlichen Highlights des ersten und zweiten Teils beschreiben. Doch Szenen dieses „Best-of“ verblassen vor denen, auf die sie anspielen. Und das ist nicht das einzige Problem von „Terminator: Genisys“. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine längere Kritik von mir.