Month: September 2015

Notizen #1

Posted by – 24. September 2015

Von meinem Ziel, über jeden Film, den ich sehe, etwas zu schreiben, wie so manches Blogger-Vorbild es schafft, bin ich leider weit entfernt. Bedauerlicherweise sehe ich auch nicht, dass sich das in naher Zukunft ändert. Die Freuden des Vaterseins sind etwas, das man mit Zeit bezahlt. Ganz abgesehen von der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Und dies und jenes. Die Fülle der Welt, könnte man sagen, und die Knappheit der Zeit sind schuld. Und natürlich meine angeborene Faulheit. Jedenfalls überlege ich schon länger, ob es nicht vielleicht gut wäre, ab und an einen Sammelpost zu verfassen, in dem ich über die Filme, zu denen mir etwas einfällt, zumindest kurz etwas sage. Dafür spricht, dass ich mein Filme-Sehen, wenn auch nicht vollständig, so doch umfassender dokumentieren würde. Dagegen spricht, dass ich möglicherweise manchmal den leichten Weg des Kurztexts wählen und mich vor einer etwas gründlicheren Auseinandersetzung mit einem Film drücken könnte. (Stichwort Faulheit.) Wie dem auch sei – ich werde es nur herausfinden, wenn ich es ausprobiere.

Avengers 2: Age of Ultron (Joss Whedon, USA 2015)

Zunächst das Positive: Es gibt wahrscheinlich wenig Regisseure/Autoren, die es so hinbekommen, wie Joss Whedon, mit 10 und mehr Figuren zu jonglieren, ohne dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, einer von ihnen würde zu kurz kommen. Dieses Kunststück ist dem Erfinder von „Buffy“, „Firefly“ und „Dollhouse“ auch in „Avengers 2: Age of Ultron“ wieder einmal gelungen. Ansonsten: Stagnation auf hohem Niveau. Schöne Effekte, aber wenig, das mich wirklich berührt hat. Ausnahmen sind da vielleicht die ersten beiden Auftritte von Ultron. Doof: Insgesamt wieder keinen guten Bösewicht hinbekommen. Quicksilver & Scarlett Witch: Verschenkt.

The Warriors (Walter Hill, USA 1979)

Nachdem ich neulich von „Trespass“ so positiv überrascht war, habe ich als Nachfolge-Hill mal „The Warriors“ aus dem Regal gezogen. Ein schönes Wiedersehen! Der Film spielt in der Welt rivalisierender New Yorker Straßengangs. Als ein Treffen, das eigentlich dazu gedacht war, die Gruppen zusammenzuführen, eskaliert, befinden sich die „Warriors“ auf einmal auf der Flucht. Gejagt von der Polizei und den anderen Gangs müssen Swan (Michael Beck) und die verbleibenden Mitglieder seiner Gruppe versuchen, sich in heimatliche Gefilde durchzuschlagen. „The Warriors“ ist Atmosphäre pur. Mir gefällt außerdem, dass die Figuren immer in Bewegung sind, und mich der Film mal an einen Traum, mal an ein Computerspiel erinnert.

The Conjuring (James Wan, USA 2013)

Jetzt habe ich endlich auch „The Conjuring“ gesehen und ich verstehe weder die Hater noch die Fürsprecher. Für mich war er ein in ziemlich jeder Hinsicht durchschnittlicher Gruselfilm. Deshalb gibt es nicht groß etwas zu meckern, weiß aber auch nicht, was an diesem Mix von Genrestandards besonders toll gewesen sein soll. James Wan traut sich nix, und so ist das Positivste, das ich über ihn sagen kann, dass er manche Fehler moderner Grusel- und Horrorfilme nicht macht. Zu einem Highlight des Genres macht es das „The Conjuring“ aber nicht.

City of the Living Dead (Italien, Lucio Fulci, 1980)

Ich darf demnächst mal was Längeres über Lucios Fulcis „The House By The Cemetery“ (OT: Quella villa accanto al cimitero) schreiben und deswegen wollte ich mir gerne noch mal die so genannte „Hell“-Trilogie vergegenwärtigen. „City Of The Living Dead“ (OT: Paura nella città dei morti viventi), besser bekannt unter dem deutschen Titel „Ein Zombie hing am Glockenseil“, hatte ich bis vor Kurzem erst ein Mal (damals noch auf VHS in einer verstümmelten Videotheken-Fassung) gesehen. Wie mit fast allem von Fulci, das ich bisher gesehen habe, hat mich auch dieser Film nicht besonders angesprochen, auch wenn manche Szenen natürlich im Gedächtnis bleiben. Wahrscheinlich ist Fulci ohnehin ein Mann des Augenblicks. Andererseits gehören Fulcis Filme zu denen, wo ich das Gefühl nicht loswerde, dass da mehr ist, als man sieht. Muss ich dringend noch einmal gucken.

High Noon (Fred Zinnemann, USA 1952)

Dafür, dass ich mit Western wenig anfangen kann, finde ich „High Noon“ von Fred Zinnemann ganz schön toll. Vielleicht weil der Film eigentlich gar kein klassischer Western ist, sondern eher ein sozialpsychologisches Experiment mit einer universellen, zeitlosen Aussage. Auch wenn seine Handlung nicht auf einen Raum beschränkt ist, erinnert er mich doch ein wenig an „12 Angry Men“, weil er ähnlich systematisch vorgeht. Während bei Sidney Lumets ein Geschworener nach und nach seine Kollegen überzeugt, dass ein wenig Zweifel hinsichtlich der Schuld des Angeklagten angebracht wäre, greift bei Zinnemann der Zweifel immer weiter um sich, so dass ein Town Marshall schlussendlich ohne Unterstützung seiner Freunde, Kollegen – ja seines ganzen Dorfes! – seinem Erzfeind gegenübersteht.

WarGames (John Badham, USA 1983)

Weil ich neulich mal etwas für eine „John Badham“-Publikation zu „Nick Of Time“ schreiben durfte, habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten einige Filme dieses großartigen Filmemachers angesehen. Mein Favorit? „WarGames“! Ich mag ihn nicht nur, weil ich ihn wahnsinnig unterhaltsam, sondern auch auf verschiedenen Ebenen sehr clever finde. Es geht ums Denken, Wahrnehmen und Beurteilen, dabei zeichnet der Film und seine Geschichte selbst die Funktionsweise des Gehirns nach. Ein Gehirn deutet nach Gerhard Roth die ihm zukommenden Daten nach drei Prinzipien, 1. dem Ort, wo die Daten verarbeitet werden, 2. werden die Informationen verschiedener Sinnesareale in einer parallelen Konsistenzprüfung auf ihre Stimmigkeit geprüft und 3. werden sie konsekutiven Konsistenzprüfungen mit früheren Daten (Gedächtnisdaten) auf Widerspruchsfreiheit hin analysiert. In „WarGames“ verkennt nicht nur der Computer – wie Computer das in Filme ja ziemlich oft tun – die Realität, auch der Mensch missinterpretiert die Tatsachen und hätte die Welt beinahe in einen alles vernichtenden Atomkrieg manövriert, weil er – und das zeigt Badham hier sehr geschickt – nur innerhalb des Systems mit eigenen Zuständen interagiert. Der Supergau als Folgefehler. Meisterwerk.

To be continued

Liebster Blog-Award oder: Es ist schon wieder passiert

Posted by – 22. September 2015

Es ist schon wieder passiert. Jemand mag dieses Blog und hat es für den „Liebster Blog-Award“ nominiert. Wenn einem das passiert muss man Fragen beantworten, die sich der Nominierende für einen ausgedacht hat. Und danach – geht’s von vorne los, in dem man ein Blog mag und dessen Besitzerin oder Besitzer mit Fragen beschenkt. Usw. Also vielen Dank an Jan von Paranoyer, ich werde mir alle Mühe geben und die Fragen beantworten. Und los.

Aliens begegnen uns ja ständig in allen möglichen Medien. Doch wie sieht es für dich in der Realität aus? Glaubst du an die Existenz von außerirdischem Leben irgendwo im All oder hältst du die Erde für einen (für uns) glücklichen Zufall?

Da die Möglichkeit von Leben im Universum durch uns Erdbewohner schon zweifelsfrei belegt ist, spricht nach meinem Dafürhalten nichts gegen außerirdisches Leben oder: Was einmal geht, geht auch zweimal.

Empfindest du TV-Serien wirklich, wie immer mal wieder postuliert wird, als „Medium der Zukunft“, das dem Kino den Rang ablaufen wird (oder es schon getan hat)? Oder ist das alles zu sehr gehypt?

Es ist schwer, etwas Gescheites über die Zukunft zu sagen. Ich bekomme jedenfalls mal wieder gar nichts mit und wusste deswegen auch nicht, dass das postuliert wird. Ich schaue lieber Filme als Serien. Und wenn ich mal einen Film auf der großen Leinwand sehe, finde ich das meist besonders schön. Andererseits: Serien sind ja auch nur lange, schlecht erzählte Filme. Und Filme letzten Endes auch nur Serien – wenn die Zeitkurve lang genug ist. In der Zukunft, soviel kann man mit Sicherheit sagen, ist alles eins.

Ganz ehrlich: Verfolgst du manche Blogs nur, damit du über die dort veröffentlichten Meinungen den Kopf schütteln kannst?

Nein.

Manche Leute lehnen schwarz/weiß-Filme kategorisch ab. Findest du diese Haltung albern oder kannst du sie, zumindest auf irgendeiner Ebene, nachvollziehen?

Je älter ich werde, desto mehr bekomme ich mit, was alles so gemeint und gefunden wird auf dieser seltsamen Welt. Da ist echt allerhand abstruses Zeug dabei. Aber hallo! Insofern finde ich die Haltung, schwarz/weiß-Filme kategorisch abzulehnen, jetzt nicht mal besonders albern.

„Mann benutzt lebenden Igel als Fußball.“ Wie sehr regen dich solche Meldungen auf bzw. lassen sie dich an dem Zustand der Menschheit verzweifeln (alternativ kann auch jede andere Meldung eingesetzt/gedacht werden)?

Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit „solche Meldungen“ meinst. Wenn du Meldungen meinst, die keinen anderen Zweck haben, als mit dem Leid von Mensch und Tier zu unterhalten und daraus Kapital zu schlagen – finde ich scheiße.

Was sind deine Strategien, um nach einem stressigen Tag wieder einen Ausgleich zu finden?

Unterschiedlich. Wenn die Arbeit stressig war, hilft mir oft schon der Rückweg mit dem Fahrrad, um mich zu entspannen. Sport generell gut. Spaziergänge. Tee. Ich kann mich auch beim Kochen gut entspannen. Manchmal auch bei Gesprächen. Heißes Bad. Wenn es der nächste Tag zulässt, bleibe gerne lange auf und schaue mehrere Filme am Stück. Schreiben. Und wenn die Freizeit mal stressig ist, hilft oft Arbeiten.

Auf welches Medium/Kunstform könntest du persönlich am ehesten verzichten (ohne es selbstredend ganz abschaffen zu wollen, da ja jeder sein Faible haben darf)? Bücher, TV, Radio, Videospiele oder etwas ganz anderes?

Ich kann auf Filme und Bücher nur schwer verzichten, beim Rest fällt es mir leichter.

Blogger, besonders die Film- und/oder Buchaffinen, berichten ja immer wieder von Platzproblemen. Kennst du das oder hast du deine Sammelwut im Griff bzw. einen Weg gefunden, alles unterzubringen?

Ich habe Platzprobleme, aber nicht wegen Büchern oder Filmen (auch wenn ich davon auch so einige hab), sondern wegen Kram – seltsamen Dinge, von denen man nicht genau weiß, wo sie eigentlich herkommen und was man damit anfangen soll, die sich aber irgendwie im Haus verbreiten, festsetzen und auch wieder loszuwerden sind. Schwierige Kiste, dieser Kram.

Wo wir gerade bei Sammelwut sind: hast du als Kind Zeitschriften gesammelt? Wenn ja, welche und vor allem: tust du es heute noch?

Ich habe als Kind die Rock Hard und Metal Hammer gelesen sowie so eine komische Videozeitung, deren Name mir gerade nicht einfällt. Heute bewahre ich nur noch die Zeitschriften auf, zu denen ich etwas beigesteuert habe.

Twitter interessiert es, den Deutschen im Klischee sowieso, andere nehmen es einfach hin: das Wetter. Welche Jahreszeit entspricht deiner Vorstellung von einem „super Wetter“ am ehesten und warum?

Ich mag Wetter mit Charakter, profilierte Jahreszeiten, unglaublich heiße Sommer, eisige Winter mit viel Schnee, einen bunten Herbst und lieblichen hormonschwangeren Frühling.

 

Die Regeln, wenn du nominiert wurdest und mitmachst:

  • Danke dem Blogger, der Dich nominiert hat. ✓
  • Verlinke den Blogger, der Dich nominiert hat. ✓
  • Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in Deinen Post ein.
  • Beantworte die Dir gestellten Fragen. ✓
  • Erstelle 10 neue Fragen für die Blogger, die Du nominierst.
  • Nominiere Blogs, die weniger als 300 Follower haben.
  • Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass Du sie nominiert hast.

The Treasure Of The Sierra Madre (John Huston, USA 1948)

Posted by – 6. September 2015

der schatz der sierra badreWas eigentlich aus dem Abenteuerfilm geworden ist, habe ich mich neulich mal gefragt. Er ist verschwunden, oder? Warum dem so ist, dass ist mir gerade durch John Hustons wahnsinnig guten „The Treasure Of The Sierra Madre“ noch einmal klarer geworden.

Als „eine waghalsige Unternehmung aus Gründen des Forschungsdrangs oder des Übermuts mit lebensbedrohlichen Aspekten, unberechenbaren Gefahren und manchmal fatalem Ausgang“ bezeichnet Walter Moers in seinem Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ das Abenteuer. Der Abenteuerfilm ist schließlich hervorgegangen aus dem Abenteuerroman, dessen schillerndste Vertreter Walter Scott, Jules Verne, Alexandre Dumas und Herman Melville waren. Charakteristisch für die meisten Abenteuerromane und -filme ist, dass in ihrem Zentrum eine Hauptfigur oder eine Gruppe von Figuren steht, die ihre gewohnte Welt verlassen muss und eine fremde, oft gefährliche Reise unternimmt. Die Geschichten spielen meist in einer Zeit, als die Welt für den Menschen tatsächlich noch ein Abenteuer war, als es noch Rätsel zu lösen und Schätze zu entdecken gab, als fremde Länder und Kulturen noch geheimnisvoll, ja unheimlich anmuteten.

Soweit trifft das auch auf „The Treasure Of The Sierra Madre“ zu, diesen frühen Klassiker des Genres, der aber gleichzeitig bereits dessen Ende einläutet: Die Geschichte spielt in Mexiko im Jahr 1925: Die Amerikaner Fred C. Dobbs (Humphrey Bogart) und Bob Curtin (Tim Holt) werden um ihren Lohn betrogen und entschließen sich daraufhin, zusammen mit dem Schatzsucher (Walter Huston) eine Goldader zu suchen. Der Weg ist gepflastert mit Gefahren, aber vor allem die Gier der Schatzsucher gefährdet das Projekt.

Abenteuerfilme gibt es so lange wie das Kino selbst, ihre Hochzeit hatten sie allerdings zwischen den 1930er und 1960er Jahren, bis sie in den folgenden Jahrzehnten immer seltener gedreht wurden. Änderten sich einfach die Begrifflichkeiten oder gibt es heute weniger Stoff, den man als Abenteuer bezeichnen würde? Wahrscheinlich beides. Fremde Länder und Kulturen sind weitestgehend erforscht und für uns alle im Fernsehen sichtbar. Und der klassische Held hat auch ausgedient. Was gut, was böse ist, das weiß heute niemand mehr, und das, was früher als Abenteuer galt, ist heute bestenfalls eine Bedrohung, die es zu bekämpfen gilt. All das zeichnet sich bereits 1948 in Hustons Film ab, in dem die Helden eigentlich keine und fremden Länder reizlose Staubwüsten sind. Der titelgebende Schatz ist lediglich eine Chimäre. Nach diesem Abenteuerfilm gibt es eigentlich nichts mehr zu erzählen.

Dafür, dass der klassische Abenteuerfilm heute nahezu verschwunden ist, gibt es aber noch eine andere Erklärung. Sie heißt CGI – Computer-Generated Imagery. Alles, was vorstellbar ist, ja, sogar noch mehr, lässt sich heute mittels Computertechnologie visualisieren. Unsere Fantasie hat die Realität überholt. Dass wir irgendwo auf der Welt ein Fleckchen Erde entdecken, an dem es noch Abenteuer zu erleben gibt, ist unwahrscheinlich. Das Unbekannte liegt im Cyberspace, die neuen Geheimnisse und Herausforderungen lauern im Reich der Bits und Bytes, der Nullen und Einsen und virtuellen Realitäten. Der antiquierte Begriff des Abenteuers will zu diesen schönen neuen Welten nicht so recht passen. Die Krise des klassischen Abenteuerfilms ist somit nicht nur nicht überwunden – es ist fraglich, ob das Genre überhaupt ein Revival erlebt und sich wirklich noch einmal in alte Höhen erhebt. Während optisch alles möglich ist, gibt es inhaltlich – das hat Huston beim „The Treasure Of The Sierra Madre“ deutlich gemacht – nichts Heroisches mehr zu erzählen. Aber solange wir nichts vermissen, ist das alles wahrscheinlich nicht so schlimm.

Bild © Warner Home Video

Now You See Me (Louis Leterrier, USA / Frankreich 2013)

Posted by – 6. September 2015

now you see meDie vier Zauberer Atlas (Jesse Eisenberg), Henley (Isla Fisher), Merritt (Woody Harrelson) und Jack (Dave Franco) werden von einem Unbekannten ausgewählt. Sechs Jahre sind sie als „ The Four Horsemen“ weltberühmt und geben, finanziert von dem Millionär Arthur Tressler (Michael Caine), riesige Shows. Doch die vier und der Unbekannte im Hintergrund verfolgen ein ganz anderes Ziel. Bald schon sind ihnen Detective Dylan Rhodes (Mark Ruffalo), die Interpol-Agentin Alma Dray (Mélanie Laurent) und der Spezialist für Trickbetrüger Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) auf den Fersen.

Das perfekte Verbrechen hat ohne Frage viel mit Täuschung zu tun. Und so ist es auch eine reizvolle Idee, dass Zauberer ihre Kunst nutzen, um den Superheist durchzuführen. Was auf dem Papier interessant klingt, ist in fertiger Form nach einem Drehbuch von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt allerdings unerwartet öde. Da kann auch die flotte Regie von Louis Leterrier nichts retten. Doch woran scheitert „Now You See Me“ genau? Meiner Ansicht nach liegt das vor allem an drei Dingen. Erstens: Der Haltung des Films bzw. seiner Autoren. Boaz Yakin, Edward Ricourt und Ed Solomon kommen sich selbst so schlau vor, dabei ist ihr Werk im Detail alles andere als das. Der große Plan, der am Ende dem staunenden Zuschauer offenbart wird, ist in Wirklichkeit so löchrig wie ein Schweizer Käse. Man darf staunen, dass er überhaupt funktioniert hat. So lange der Film unterhält, ist es vielleicht nicht ganz so wichtig, ob das alles Sinn macht, was mich zum zweiten Kritikpunkt bringt. Nach der Exposition und spätestens nach der ersten großen Show, in der die Zauberer eine Bank ausrauben, geht dem Film merklich die Luft aus. Keine der kommenden Shows erreicht den Unterhaltungswert der ersten, und das Finale ist dann der absolute Tiefpunkt an Entertainment. Doch selbst dieser dramaturgische Sinkflug des Films wäre vielleicht bei (dritter Kritikpunkt) weniger farblosen Figuren noch zu verschmerzen gewesen. Das was Steven Soderbergh bei den „Oceans“-Filmen geschafft hat, gelingt Leterrier hier nicht im Ansatz. Eisenberg, Fisher, Harrelson und Franco hinterlassen keinen bleibenden Eindruck und auch Altstars wie Freeman oder Cain können viel retten.

Die drei genannten Punkte waren für mich die Hauptgründe, dass der „Now You See Me“ für mich nicht funktioniert hat. Da muss ich gar nicht erst erwähnen, dass die Auflösung sehr unglaubwürdig war. Aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass man den Film auch mögen kann. Er ist wie gesagt flott inszeniert und er hat das Potenzial das zu schaffen, was ein guter Zaubertrick schaffen sollte, nämlich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vom Eigentlichen abzulenken. Wem es reicht, dass er nach etwas mehr als 100 leidlich unterhaltsamen Minuten erfolgreich getäuscht wurde, darf sich freuen. Nur wer sich wie ich hinterher darüber ärgert, dass hier nichts Substanz hatte, dass 99 Prozent des Films Täuschung für das letzte Aha-Prozent sind, sollte einen Bogen um diesen „Zaubertrick“ machen und es vielleicht doch lieber noch einmal mit „The Prestige“ oder „The Incredible Burt Wonderstone“ (meine Rezension dazu gibt’s hier) versuchen.

Bild © Concorde

My Skinny Sister (Sanna Lenken, Schweden / Deutschland 2015)

Posted by – 3. September 2015

Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu „My Skinny Sister“ (Min lilla syster) geschrieben, der Mitte September unter dem Namen „Stella“ in den deutschen Kinos startet. Für die Langfassung klickt ihr hier. In Kürze: Ich kann diesen Film empfehlen. Auch wenn er für meinen Geschmack manchmal etwas zu wenig in die Tiefe gegangen ist, wird hier doch mit hohem Einfühlungsvermögen eine Familie in der Krise portraitiert. Was tun, wenn die ältere Schwester auf einmal magersüchtig ist? Fertige Antworten werden von der Sanna Lenken, die sich für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, hier nicht gegen. Wohl aber erhält der Zuschauer einen Eindruck davon, wie in einer Familie alles mit allem zusammenhängt. „My Skinny Sister“ ist aber nicht nur ein Film über eine Familie, sondern auch ein Film für die ganze Familie: warmherzig, rührend und zum Nachdenken anregend.