Month: November 2015

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

Posted by – 18. November 2015

Durch meine letzten Texte „The Hunger Games“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3.1) dürfte klar geworden sein, dass ich ein großer Verehrer der Reihe bin. Die Bücher haben mir sehr gut gefallen, die Filme finde ich sogar noch besser. Nun bin ich ein wenig erleichtert, dass sich daran auch durch den letzten Film nichts ändert, gab es doch beim Vorgänger ein Indiz, dass es das große Filme vielleicht an der nötigen Konsequenz missen lassen würde. Doch jetzt bin ich beruhigt, Francis Lawrence bringt die Adaption zu einem würdigen Abschluss und zeigt, dass Blockbuster und Anspruch ebenso wenig ein Widerspruch sind wie ein Kino für jugendliche Zuschauer, das gleichzeitig auch Erwachsene herausfordern kann. Der starke „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ komplettiert die Reihe, die ich als Ganzes nun ohne Zögern als Meisterwerk bezeichne. Meine ausführliche Kritik gibt es wie stets auf Kino-Zeit.

Batman Begins (Christopher Nolan, USA 2005)

Posted by – 14. November 2015

Dark Knight TrilogieNachdem ich mich gerade wieder wie ein kleines Kind über „Batman“-Comics freue, wollte ich mir gerne auch noch einmal Christopher Nolans Vision des Dunklen Ritters zu Gemüte führen. Nolan hat bisher ausnahmslos Filme gemacht, die mich gleichzeitig ärgern und faszinieren, aber unterm Strich trotzdem seltsam kalt lassen. Diesem widersprüchlichen Gefühl möchte ich beim Wiedersehen von „Batman Begins“ und hoffentlich in Kürze auch den folgenden beiden Teilen einmal nachspüren.

In „Batman Begins“, der von verschiedenen Batman-Comics beeinflusst wurde, setzt Nolan sich ausführlich mit der Entstehung des dunklen Ritters auseinander. Er beleuchtet relevante Aspekte von Bruce Waynes Jugend, setzt sich mit dem durch den Tod seiner Eltern verursachten Trauma auseinander und schildert seine ersten Versuche, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. In dieser Ausführlichkeit ist das bisher in keinem Film erzählt worden. Auffällig ist aber eher Nolans Versuch, die Batman-Geschichte möglichst realistisch aufzubereiten. Er erklärt nicht nur das psychische Profil seines Helden, sondern legt bei dessen Fähigkeiten und den von ihm zur Verbrecherjagd genutzten Gadgets viel Wert auf Plausibilität. Dieses Vorgehen passt zu Nolans Art, Filme zu machen und macht im Hinblick auf Batman auch durchaus Sinn, gehört er doch zu der Art Held, der einen mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Zugang möglich erscheinen lässt. Dieser Ansatz spiegelt sich im Design, den Kostümen, der Kampftechnik usw. wider. Der Nachteil: Je ernster man ein fantastisches Thema nimmt, je mehr fordert es die Rezipienten heraus, das Ergebnis auf Herz und Nieren zu prüfen und es besonders knauserig zu sein.

Geht man so an den Film, dann findet man natürlich einiges, an dem man herummäkeln könnte. Ich muss zugeben, ich selbst schwanke bei „Batman Begins“ auch stark zwischen den Polen Bewunderung und Missmut. Ich mag z.B. Christian Bale nicht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mein ambivalentes Verhältnis zu dem Film. Bevor ich etwas näher auf das eingehe, was mich stört, möchte ich zuvor auf jeden Fall noch kurz auf die Stärken des Films eingehen und erwähnen, dass „Batman Begins“ phasenweise wirklich grandios aussieht. Die vielleicht wunderbarste Szene der ganzen Nolan-Reihe endet damit, dass ein unter Drogen gesetzter, brennenden Batman aus einem Fenster stürzt. Insgesamt gefällt mir die erste Filmhälfte rund um Ausbildung und Entstehungsmythos besser als der Part, wo ein totgeglaubter Bekannter zurückkehrt, der Plan des Oberschurken wie auch das Finale. Meine Lieblingsfiguren in Nolans Batman sind Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred sowie Gary Oldman als Commissioner Gorden.

Schön finde ich weiterhin, dass hier nahezu alles mit allem zusammenhängt und zusammen, man merkt es – soll es etwas Großes ergeben. Wenn man mal von der Figur Jonathan Crane alias Scarecrow (Cilian Murphy) absieht, die mir ein wenig wie das fünfte Rad am Batmobil vorkommt, merkt man schon, dass Nolan hier mehr im Sinn hatte, als eine einfache Superhelden-Geschichte zu erzählen. Ihm geht es darum, das Wesen eines Superhelden zu ergründen, auszuloten, wie der Held zum Helden werden kann, nämlich indem er nicht mehr Mensch, sondern Symbol ist und wie es überhaupt möglich ist, außerhalb des Gesetzes für die Einhaltung ebendieses zu sorgen. Welche Antworten Nolan hier findet – keine Ahnung. Und hier beginnen meines Erachtens die Probleme dieses Films. Er möchte erkennbar eine realistischere Batman-Version sein, die ohne allzu grelle Effekte und comichafte Übertreibungen auskommt. Mal abgesehen davon, dass Nolan das meiner Meinung nach nicht durchhält und im letzten Filmdrittel unpassend dick aufträgt und sich ein wenig ideenlos in der Comic-Mottenkisten bedient, sind Übertreibungen genauso an anderer Stelle zu finden, allerdings weniger auf der Handlungs- als auf der Bedeutungsebene. Alles ist so wichtig, so ernst, so tiefsinnig. Der tiefere Sinn quillt dem Film aus allen Poren, legt sich über die prägnante Handlung und elegante Optik; und man muss gedanklich schon ordentlich kratzen, um hinter allem geronnenen Schmu das freizulegen, was den Film eigentlich so gut macht.

Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit dem Nolan den Stoff angeht. Ich finde der Film sieht sehr gut aus. Gotham war nie schöner. Ich finde „Batman Begins“ ist eine sehr gute Superhelden-Origin-Story. Abgesehen von Bale finde ich die Besetzung super. Aber ich komme einfach nicht mit dem Gelaber klar.

Nachtrag: Ich beende diesen Text am 14.11.2015, einen Tag nach den verehrenden Anschlägen von Paris. Ich erwähne das nur, weil sich angesichts der wahren Ereignisse die Limitierungen von Filmen wie „Batman Begins“ zeigen. Sowohl Bruce Wayne als auch sein Widersacher wollen das Verbrechen in Gotham bekämpfen, der eine indem er die Stadt dem Erdboden gleich macht, der andere, indem er zum er zu einem Symbol und als Übermensch für Recht und Ordnung sorgt. Bruce Wayne sagt, „As a man, I’m flesh and blood, I can be ignored, I can be destroyed; but as a symbol… as a symbol I can be incorruptible, I can be everlasting.“ Wayne irrt sich nicht, was die Macht von Symbolen betrifft. Aber er irrt sich, wenn er das für eine Lösung hält. Vor dem Hintergrund des weltweiten Terrors zeigt sich allerdings, das die Methode, die Menschheit hinter einer Idee zu vereinen letztlich für das Gute wie für das Böse genutzt werden kann. Was wir brauchen, um gemeinsam in Frieden zu leben, ist sicherlich weder ein Superheld noch eine bestimmte Religion, sondern etwas anderes.

Bild © Warner Home Video

Batman (Tim Burton, GB / USA 1989)

Posted by – 7. November 2015

batmanManchmal denke ich, Superhelden-Filme sind erst seit „X-Men“ und „Spider-Man“ das, was sie heute sind. Rein technisch aber auch erzählerisch haben die DC- und vor allem Marvel-Filme seitdem einen Quantensprung nach vorne gemacht. Trotzdem gibt es natürlich auch schon vorher einige Exemplare, die eine enorme Bedeutung für das Genre hatten. Neben Richard Donners „Superman“ (1978) ist das natürlich vor allem Tim Burtons „Batman“, der gute zehn Jahre nach Donners Film erschien und vieles bereits andeutete, das in weiteren zehn Jahren langsam eine erkennbare Gestalt annehmen sollte. Da ich gerade „Batman“-Comics verschlinge, hatte ich Lust, mir Burtons Film und vielleicht auch die Nachfolger mal wieder anzusehen.

In Burtons Film nach einem Drehbuch von Sam Hamm und Warren Skaaren gibt es zur Abwechslung mal keine ausführliche Origin-Story des Helden. Hier ist die Fledermaus in Gotham schon fleißig am Schurken vermöbeln. Während Polizei, Presse und Bevölkerung noch rätselt, wer sich hinter der Maske verbirgt, wird der Zuschauer direkt in die Entstehungsgeschichte von Batmans Erzfeind, dem Joker, geworfen. Dieser heißt hier Jack Napir (Jack Nicholson), ist von Beruf Gangster und wird von seinem Boss (Jack Palance) in eine Falle gelockt, weil Napir mit dessen Frau rumgemacht hat. Statt wie geplant von der Polizei erschossen zu werden, stürzt er nach einem Kampf mit Batman (Michael Keaton), der ebenfalls mit von der Partie ist, in einen Bottich mit grüner Chemie-Sauce, wodurch er zum einen ein bisschen wahnsinnig wird und zum anderen sein charakteristisches Äußeres erhält. Es dauert nicht lange, da geraten Batman und Joker schon wieder aneinander, weil sie sich beide in die Fotografin Vicki Vale (Kim Basinger) vergucken.

Ich würde sagen, „Batman“ ist nicht nur, aber vor allem aufgrund seines Erscheinungsbildes interessant. Burtons detailverliebter, morbid-bizarrer Stil, der sich schon im Vorgänger „Beetlejuice“ deutlich gezeigt hatte, passt wie die schwarz behandschuhte Faust aufs geschminkte Joker-Auge. „Irgendwie so“, das dachte ich damals als ich den Film im Kino gesehen habe und das denke ich auch noch heute beim keine-Ahnung-wie-vielten Sehen, muss ein Batman-Film aussehen. Lustvoll übertrieben, comichaft – aber trotzdem düster und mit dem notwendigen Realismus, dass man eine wie die hier erzählte Geschichte ernst nehmen kann. Hier war ein Mann mit Vision am Werk. Burton hält sich, soweit ich das beurteilen kann, nur grob an die Comic-Vorlagen, sondern interpretiert seine Welt und die Figuren durchaus eigenständig. Für meinen Geschmack etwas starr in der Bewegung, den Action-Szenen (was bestimmt auch an Batmans unkomfortablen Gummikostüm liegt, der es ihm nicht einmal möglich macht, den Kopf zu drehen), ist sein Film äußerst lebendig in der Inszenierung, gespickt mit vielen lustigen und verstörenden Szenen, so dass bei mir auch beim wiederholten Sehen nie Langeweile aufkam.

Enttäuscht bin ich persönlich von Jack Nicholson. Während ich Michael Keaton als Bruce Wayne / Batman richtig klasse finde, störe ich mich zunehmend an Nicholsons Joker. Früher fand ich seine Performance wirklich toll. Nachdem Heath Ledgers selbstzerfleischender Darstellung in „The Dark Knight“ und einigen Comics, die ich in letzter Zeit gelesen habe, muss ich sagen, dass er meine Vision des Superschurken gar nicht trifft. Ich finde seine durch den Unfall verursachte Wandlung nicht glaubwürdig und ich halte Nicholsons Spiel weiterhin für zu selbstverliebt – die Figur wird vom Schauspieler immer wieder überlagert. Dass mich sein Joker nervt und mir Unbehagen bereitet, ist auf der anderen Seite auch wieder gar nicht schlecht, denn ich glaube, so jemand wie der Joker, der muss dem Zuschauer einfach ein wenig weh tun. Was dann bei Burton auch ganz gut gelungen ist, ist der Zusammenhang von Pro- und Antagonist. Wie sich zum Schluss herausstellt, ist aber nicht nur Batman für die Entstehung des Jokers verantwortlich – auch anders herum hat Napir dazu beigetragen, dass aus Bruce Wayne Batman wurde. Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Yin und Yang. Doch, doch, das ist alles für seine Zeit schon ganz gut und aller Schwächen zum Trotz noch ein Quäntchen besser (origineller, spannender, überraschender, spritziger,…) als Christopher Nolans „Batman Begins“, den ich mir die Tage ebenfalls noch einmal ansehen werde.

Bild © Warner Home Video

Horrorctober 2015

Posted by – 4. November 2015

Das war in diesem Jahr wohl nix mit dem #Horrorctober. 13 Filme wollte ich schauen, 4 habe ich dann nur geschafft. Und die Texte sind zu kurz und kommen zu spät, aber Bitteschön!

Tales Of Halloween (Neil Marshall, Lucky McKee, Darren Lynn Bousman u.a., USA 2015)

Ich bin kein großer Fan von Kurzfilmen, aber um mich schon Ende September in #Horrorctober-Stimmung zu bringen, hatte ich mir „Tales Of Halloween“ angeschaut. In zehn Episoden von zumindest handwerklich recht ordentlicher Qualität präsentieren namhafte Regisseure wie u.a. Neil Marshall, Mike Mendez oder Lucky McKee ihre kleinen Visionen von Halloween. Zu den Highlights der Compilation zähle ich Paul Solets atmosphärischen „The Weak and the Wicked“, in dem sich ein junger Mann mit dämonischer Hilfe einer Straßengang entgegenstellt. Auch gut weil witzig: Der Beitrag von Neil Marshall („The Descent“) um einen gemeinen Killerkürbis, der eine Kleinstadt terrorisiert. Genre-Fans dürfen sich über ein paar schöne Cameo-Auftritte von Joe Dante, John Landis und Stuart Gordon freuen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich bei den meisten Filmen dieser Veröffentlichung eine wirklich gute Idee vermisst habe, die über das hinausgeht, was man ohnehin aus dem Genre kennt. Echte Überraschungen bietet „Tales Of Halloween“ leider nicht. Einzige Ausnahme: Lucky McKees greller Beitrag, der zwar nicht besonders spannend ist, aber durch seine Unangepasstheit positiv hervorsticht.

Julia’s Eyes (Guillem Morales, Spanien 2010)

Mein zweiter #Horrorctober-Film. In „Julia’s Eyes“ (OT: Los ojos de Julia) geht es um eine Frau, deren blinde Zwillingsschwester sich das Leben nimmt. Oder war es doch kein Selbstmord? Auch wenn ich die Geschichte rückblickend etwas wirr erzähle und jetzt auch nicht unbedingt wirklich glaubhaft fand, muss ich doch sagen, dass Guillem Morales aus seiner Prämisse viel herausholt und einen insgesamt spannenden Film hinbekommen hat, bei dem vor allem einige inszenatorisch gelungenen Momente in Erinnerung bleiben. Weil der Film nun aber schon fast anderthalb Monate zurück liegt und ich mir keine Notizen gemacht habe, fällt mir mehr zu sagen auch nicht ein. Wer Gruselfilme mag und mal etwas anderes sehen möchte, sollte trotzdem mal einen Blick riskieren.

Crimson Peak (Guillermo del Toro, USA 2015)

Nach seinen letzten Filmen – „Pans Labyrinth“, „Hellboy – Die goldene Armee“ und „Pacific Rim“ sind die Erwartungen an Guillermo del Toros neustes Werk natürlich gigantisch. In „Crimson Peak“ erzählt del Toro die Geschichte von Edith Cushing (Mia Wasikowska), die von dem Geist ihrer toten Mutter gewarnt wird:„Hüte dich vor Crimson Peak.“ Erst Jahre später wird ihr die Bedeutung dieser Worte klar, doch da ist sie schon mit Baronett Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verheiratet und wohnt zusammen mit ihm und seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) auf dessen deren Anwesen – wo sie bald um ihr Leben bangen muss. Eines kann man del Toro nicht absprechen: rein optisch ist sein romantisches Gruselmärchen – abgesehen von den doof aussehenden CGI-Gespenstern – eine Augenweide. Allerdings scheint die kreative Energie, die in die Optik geflossen ist, an anderer Stelle zu fehlen. Irgendwo versteckt sich in diesen überbordenden Bilderwelten vielleicht ein guter Film, ich weiß es nicht, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich mich beim ersten Sehen trotz Kino-Bonus etwas gelangweilt habe.

Opera (Dario Argento, USA 1988)

In Argentos Filmen spielt die Geschichte meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind ästhetische Erfahrungen und wollen auch als solche wahrgenommen und geschätzt werden. Wer hier keinen Zugang findet, kann mit seinen Filmen oft nichts oder nur wenig anfangen und bleibt „außen vor“. Aber auch wenn es keine Geschichte im herkömmlichen Sinne gibt, so gibt es doch immer wiederkehrende Motive und Themen, wie z.B. auf einer sehr konkreten Ebene die ästhetische Gewaltakte, oder abstrakter, das Sujet des (Zu)Sehens. „Opera“ ist nicht nur deswegen interessant, weil er einfach einer der letzten großen Filme des Meisters Argento ist, sondern auch weil hier beide sich durch sein Werk ziehenden Elemente sehr schön deutlich zusammentreffen, weil hier das einem Mord zuschauen müssen, thematisiert wird. Die junge Opernsängern Betty (Cristina Marsillach) kann nach dem Unfall einer Kollegin deren Rolle in Verdis „Macbeth“ übernehmen, doch die Proben werden von Morden überschattet, deren Zeuge die junge Sängerin gezwungenermaßen wird. Ein feiner Film, zu dem ich mich gerne, irgendwann wenn mal Zeit ist, ausführlicher äußern möchte.