Month: Oktober 2016

Notizen #15

Posted by – 30. Oktober 2016

#horrorctober Film 8-12

Lisa And The Devil (Mario Bava, Italien / Deutschland / Spanien 1972)

Kurz nachdem Lisa (Elke Sommer) auf ihrem Spanien-Trip ein Wandgemälde betrachtet, das den Teufel zeigt, verläuft sie sich in der Stadt und findet sich kurz darauf in einer unheimlichen Halbwelt wieder, in der Leibhaftige selbst die Strippen zieht. – So oder auch ganz anders könnte man den Inhalt von Mario Bavas drittletztem Film beschreiben. Ich kenne mich mit Bava noch nicht genug aus, um diesen Film als Quintessenz seines Schaffens zu bezeichnen, aber man darf, denke ich, behaupten, dass sich in „Lisa And The Devil“ (OT: Lisa e il diavolo) viele Motive seines Schaffens wiederfinden und dieser stimmungs- und geheimnisvolle Film zumindest insofern ein Highlight seines Gesamtwerks darstellt. Gehört nach erster Einschätzung nicht zu meinen allerliebsten Bava-Filmen, ist aber weiter oben mit dabei.

Bad Biology (Frank Henenlotter, USA 2008)

Für jeden Topf ein Deckelchen: Eine Frau mit einer 7-fach Klitoris und unstillbarem Sexhunger gerät an einen jungen Mann mit mutiertem, mörderischem Riesenpenis. Dort, wo die Geschichte von (Charlee Danielson) und Batz (Anthony Sneed) eigentlich erst beginnt, ist sie auch leider schon wieder zu Ende. Und vorher passiert in Henenlotters Film leider auch nichts, was man von ihm nicht schon kennt und leider auch schon wesentlich besser in „Brain Damage“ oder „Basket Case“ (hier was zum ebenfalls guten zweiten Teil) gesehen hätte. Immerhin – und zumindest das muss man ihm zugutehalten – ist „Bad Biology“ eben auch kein Film von der Stange, sondern in seinem Zusammenspiel aus Komik, Tragik und Horror ein echter Henenlotter.

Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural (Richard Blackburn, USA 1975)

Wenn Jean Rollin ein Vertreter der Tschechoslowakische Neuen Welle gewesen wäre und er in den späten 1960er Jahren in die USA geladen worden wäre, um unter völliger künstlerischer Freiheit eine Version von „Alice In Wonderland“ zu drehen, wer weiß, vielleicht wäre dann ein Film wie „Lemora: A Child’s Tale of The Supernatural“ dabei herausgekommen. Jedenfalls ist Richard Blackburns Film definitiv die Entdeckung meines diesjährigen Horrorctober. Es ist ein Werk, von dessen Existenz ich – und bestimmt noch ein paar andere da draußen – bis vor ganz kurzer Zeit keine Ahnung hatte. Sehr gerne möchte ich zu dessen wachsender Bekanntheit und Ruhm beitragen indem ich hier verkünde, was für ein wunderbarer und eigensinniger (im aller wohlmeinendsten Wortsinne!) Film Blackburns „Lemora“ doch ist. Anschauen und weitersagen!

Green Room (Jeremy Saulnier, USA 2016)

Nazis vs. Punks: Bei ihr Tour durch den Nordwesten der USA landet die Punk-Band Ain’t Rights in einer abgelegenen Nazi-Bar auf dem Land. Zwar geht das Konzert ohne größere Pannen über die Bühne, aber als die Band danach im Backstage-Bereich einen Mord beobachtet, ist die braune Kacke am dampfen. – „Green Room“ ist ein geradliniger, recht harter Thriller, aber mir will, wie schon bei Jeremy Saulniers Vorgängerfilm „Blue Ruin“, nicht wirklich einleuchten, warum er bei Kritik und Publikum so gut angekommen ist. Vieles an diesem Film ist gut, ordentlich, hier stimmt das Große und Ganze wie das Detail. Und trotzdem sträube ich mich, „Green Room“ wirklich zu mögen. Vielleicht weil ihr den alle mögt. Und ich hier der eigentliche Punk bin.

Textas Chainsaw Massacre 2 (Tobe Hooper, USA 1986)

WAHNSINN!!!1

 

Notizen #14

Posted by – 15. Oktober 2016

Als nächsten Programmpunkt im #horrorctober (Film 4-7) habe ich mir ein paar mir unbekannte Slasher-Jahre angesehen. Von hui bis pfui war alles dabei.

Terror Train (Roger Spottiswoode, USA / Kanada 1980)

Ein Film, den ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte, den ich zufällig auf Youtube entdeckt und den ich mir trotz schlechter Bild- und Tonqualität und störender Untertitel angesehen habe. Daran kann man schon erkennen, dass „Terror Train“ von Roger Spottiswoode gar nicht so schlecht sein kann. Hier läuft zwar weitestgehend alles nach bekanntem Strickmuster ab, aber auf eine angenehm zurückhaltende Art und Weise, mit Gefühl für die Figuren und Blick für die Atmosphäre des ungewöhnlichen Settings: Der Film spielt in einem Zug, den die nach und nach dahinscheidenden Mitglieder einer Uni-Verbindung zwecks rauschhafter Party gemietet haben. Vielleicht noch erwähnenswert: Neben Jamie Lee Curtis, die in gefühlt jedem dritten Slasher der Dekade mitspielt ist auch der Zauberer David Copperfield mit von der Partie.

The Burning (Tony Maylam, USA 1981)

Meine Erwartung an meinen 5. #horrorctober-Film waren aufgrund einer Empfehlung eines ansonsten sehr zuverlässigen Tippgebers in Sachen Slasher-Kunst hoch – zu hoch wie sich leider herausstellte. Ein durch die Folgen eines Streichs verunstalteter Sommercamp-Aufseher rächt sich hier an ein paar Teenies, und das beste, das ich über ihn sagen kann, ist, dass mir nichts wirklich Schlechtes zu ihm einfällt. Sagen wir mal ganz nichtssagend: ein solider Genrebeitrag. Filmquiz-Frage: Welche Oscar-Preisträgerin ist hier in ihrer ersten Rolle zu sehen? Richtig, Holly Hunter!

Offerings (Christopher Reynolds, USA 1989)

Ich kann mir ja einiges gutschreiben. Aber im Falle von Christopher Reynolds „Offerings“ fällt mir nichts mehr ein. Wer einen amateurhaften, durch und durch unoriginellen Slasher (am auffälligsten bedient Reynolds sich bei John Carpenters „Halloween“, sogar die Musik ist nur einen Millimeter vom Plagiat entfernt) mit wirklich dilettantischen Darstellerinnen und Darstellern sehen will, der ist hier richtig. Allenfalls der ein oder andere Mord ist ganz hübsch in Szene gesetzt aber das fällt angesichts der ganzen anderen Unzulänglichkeiten kaum noch ins Gewicht.

Alice Sweet Alice (Alfred Sole, USA 1976)

Hui! „Alice Sweet Alice“ – hierzulande vielleicht eher bekannt unter dem Titel „Communion – Messe des Grauens“ – ist definitiv das bisherige Highlight meiner diesjährigen #Horrortober-Saison. Er ist schön, er ist ungewöhnlich. Und er ist irgendwie auf eine besondere Art spannend, die ich noch gar nicht richtig fassen kann. Die Atmosphäre dieses brutalen Psychothrillers mit Giallo-Einschlag hat mich jedenfalls ziemlich gepackt; und anders als andere würde ich es Alfred Sole, der das Drehbuch zusammen mit Rosemary Ritvo schrieb, nicht negativ auslegen, dass er sich in seinem Film scheinbar nicht so recht entscheiden kann, welchen Fokus die Geschichte haben soll. Die Unsicherheit, in welche Richtung sich die Story entwickelt, hat den Film für mich noch interessanter gemacht. Ob Alice dann zum Schluss wirklich noch… – naja, ich will ja nicht zu viel verraten. So oder so ist „Alice Sweet Alice“ wahres Genre-Juwel und so in etwas das Gegenteil von dem, was der „dilettantisch inszenierter blutrünstiger Gruselfilm“. Wobei, blutrünstig…

Notizen #13

Posted by – 6. Oktober 2016

Und wieder mal haben wir Oktober. Im Rahmen der Internet-Aktion #Horrorctober werden ich und andere uns bis zum 31. des Monats 13 Horrorfilme ansehen. Im letzten Jahr hat das bei mir leider nicht so gut geklappt. Auch wenn es sich andeutet, dass ich aufgrund eines neuen Jobs wieder wenig Zeit haben werde, will ich, trotz Filmkrise, es zumindest nicht unversucht lassen, die Aufgabe zu bewältigen. Was ich mir anschauen werde, steht hier. Eine Liste aller anderen Teilnehmer, Links zu ihren Listen und Texten hier. Statt längerer Kritiken werde ich mich diesmal wahrscheinlich nur in Form einiger Sammelnotizen begnügen. Los geht’s mit Film 1-3..

Don’t Breathe (Fede Alvarez, USA 2016)

Den diesjährigen, hoch erfreulichen Auftakt macht „Don’t Breathe“, den ich, zugegeben, schon im September gesehen habe – aber wir wollen da mal nicht so sein. Der Film von Fede Alvarez ist ein Paradebeispiel dafür, dass im Horror-Genre immer noch etwas geht und man dafür nicht mal das Rad neu erfinden muss: Erzählerisch effizient, clever, vom Szenario her minimalistisch, hinsichtlich seiner Bezüge aber reichhaltig, stilistisch herausragend, aber trotzdem nie selbstzweckhaft oder gar selbstverliebt. Zweifellos einer der ganz wichtigen Horrorfilme 2016. Hier meine Kritik auf Kino-Zeit.de.

Hush (Mike Flanagan, USA 2016)

Weil ich nach „Don’t Breathe“ Lust hatte, mir noch ein paar andere Filme anzusehen, die grob in die Rubrik „Home Invasion“ fallen, habe ich mich ein wenig umgesehen und mich schließlich für „Hush“ von Mike Flanagan entschieden, den es praktischerweise bei Netflix gab. Inhaltlich gibt es sogar einige Parallelen zu Alvarez’ Film, was nicht nur durch das minimalistische Szenario gegeben war. Bei Alvarez war der Antagonist blind, bei seinem Flanagan ist die Protagonistin taub. Doch leider macht der US-Amerikaner nicht annähernd so viel aus der Ausgangssituation wie sein Kollege aus Uruguay. Das Ergebnis ist ordentlich inszeniert, aber wenig überraschend und deswegen leider nur mäßig spannend. „Hush“ hat etwas von einer Fingerübung. Er ist der nette Horrorfilm für zwischendurch, aber keiner, für den man lange, anhaltende Liebe entwickelt.

Knock Knock (Eli Roth, USA, Chile 2015)

Von diesem Film wurde mir vorab abgeraten, weil a) schlecht und b) kein Horror und c) noch irgendwas (vergessen). Aber ich fand die Ausgangslage doch so spannend – Strohwitwer bekommt Besuch von zwei unbekannten Damen,..–, weil das könnte ja jedem mal passieren und da kann man sich durch einen Film wie „Knock Knock“ schon mal seelisch drauf vorbereiten. Den Anfang, vielleicht sogar gut die erste Hälfte, fand ich dann fast auch grandios, das Gefühl von drohender Gefahr, knisternde Erotik, eine Stimmung, die mehr und mehr ins Unangenehme kippt. Leider ändern nicht nur die beiden Besucherinnen ihr, sondern der ganze Film im weiteren Verlauf sein Gesicht. Die im positiven wie negativen sinnliche Stimmung weicht (wie man das ja von Roth schon kennt“) einer, meiner Wahrnehmung nach platten, grell-satirischen Ausrichtung. Doch wo ich bei „Hostel“ noch eine Ahnung davon hatte, in welche Richtung die Spitzen gerichtet sind, habe ich bei „Knock Knock“ keine Idee mehr, gegen wen oder was diese Satire gerichtet sein soll. Schlussendlich fand ich den Film wohl nicht so schlecht wie diejenigen, die mir von ihm abgeraten haben, für einen großen Wurf halte ich ihn allerdings auch nicht.