21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Posted by – 20. Mai 2012

Mir fallen nicht besonders viele wirklich lustige Filme ein. Und kaum einer stammt aus der letzten Dekade. Mit Filmen wie „Scott Pilgrim“, „Hangover“ oder „Kick Ass“ (die schmeiße ich jetzt mal absichtlich in einen Topf) kann man mich sogar jagen. Doch bei „21 Jump Street“ habe ich mich dann überraschender Weise doch amüsiert.

Damals in der Highschool waren Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) an den unterschiedlichen Enden der Beliebtheitsskala zu finden: Sport-Ass Jenko nahm es mit dem Lernen nicht so genau, war aber dafür der Schwarm aller Mädchen, Streber Schmidt hingegen war kaum mehr als der gehänselte Schulclown. Ein Wunder, dass die beiden trotz aller Unterschiedlichkeit Freunde werden und zwar, als sie sich ein paar Jahre später auf der Polizeischule wiedertreffen und sich gegenseitig durch die Ausbildung helfen. Nach einem verpatzten Job werden beiden verdonnert, undercover, getarnt als Schüler, in einer Highschool nach der Quelle einer illegalen Designerdroge zu ermitteln. Beide heften sich an die Fersen des mutmaßlichen Zwischenhändlers Eric (Dave Franco). Doch die Ermittlungen sind nicht das Einzige, das die beiden vor eine Herausforderung stellt: In den Jahren ihrer Abwesenheit hat sich die Schule geändert. Mittlerweile gelten nervige Typen wie Schmidt als cool, während Jenko mehr und mehr zum Außenseiter wird.

„21 Jump Street“, die Serie, stammt aus den 1980er Jahren. Mit ihr gelang Johnny Depp der Durchbruch. Sie Serie handelte von jungen Polizisten, die in der Schule verdeckt ermittelten. Aber damit hat es sich mit Gemeinsamkeiten zwischen Serie und Film auch schon fast. Lord und Miller wissen, was das Publikum dieser Tage lustig findet und geizen nicht, ihr Wissen anzuwenden. Schon der Anfang, wenn die beiden Protagonisten eingeführt werden, ist wirklich komisch. Schmidt, der zu Schulzeiten ein ernsthaftes Eminem-Fanboy-Problem hatte, fragt seine Angebetete da, ob diese mit ihm zum Abschlussball gehen würde. Natürlich will sie nicht. Die Szene endet damit, dass Schmidt und Jenko (der wegen zu schlechter Noten nicht zum Ball darf) beide weinend vor der Schultür sitzen – bis sie sich gegenseitig bemerken. Und auch im weiteren Verlauf bleibt die Gagdichte hoch. Jedes Mal, wenn man glaubt, man hätte jetzt den besten Witz gesehen, schaffen die beiden Regisseure es, noch einen draufzusetzen und einen ironischen Querverweis aufs Actionkino nach dem anderen aus dem Hut zu zaubern.

Das geht mitunter natürlich auch ganz schön derbe zur Sache. Und auch die Grenze zum Klamauk wird gelegentlich überschritten. Doch meistens meiden Lord und Miller die allzu billigen Gags und manövrieren überraschend intelligent und stilsicher durch die ereignisreiche Geschichte. Zumindest war das die längste Zeit mein Eindruck. Denn nachdem „21, Jump Street“ sehr lange sehr gut funktioniert hat, können es die beiden Regisseure dann doch nicht lassen und setzten sich am Ende noch einmal zu gewollt und primitiv über den guten Geschmack hinweg. Gegen das absurd übertriebene und recht blutige Finale ist an sich nichts zu sagen, wohl aber gegen einen Schlussgag, der für den einfachen Kinogänger gemacht zu sein scheint. Im Lichte des billigen Endes könnte man fast geneigt sein, die Meinung über den Film im Nachgang noch einmal zu ändern und sich auch bei anderen Szenen des Film zu fragen, ob nicht vielleicht doch eher dümmlicher Schülerhumor als ironischer Hintersinn Pate gestanden hat. Und ehe er noch nöliger wird, lieber schnell online mit dem Text!

Bild © Sony
 

1 Comment on 21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

  1. […] Ich sortiere mich irgendwo dazwischen ein. Ich fand ihn ähnlich gut wie bei der Erstsichtung (hier etwas mehr dazu) und sogar auf Deutsch war er nicht unlustig. Diesmal ist mir sogar noch mehr klar […]

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