28 Days Later (Danny Boyle, Großbritannien 2002)

Posted by – 16. Januar 2015

28 days laterDa überlebst du die Zombie-Apokalypse, weil du dich während des Ausbruchs der Epidemie zufällig gerade im Koma befindest; du wachst auf und schlägst dich mit ein paar weiteren Überlebenden zum letzten Militärstützpunkt durch – nur um festzustellen, dass die Soldaten beinahe verroht sind, wie die tollwütigen Infizierten. Doof gelaufen. Aber angesichts der globalen Katastrophe eben auch nur eine kleine Tragödie, die im Meer des Schreckens sicherlich untergegangen wäre – hätten sich Danny Boyle und Alex Garland nicht entschlossen, genau darüber einen Film zu machen. Warum tun sie das? Weil sie zu Recht der Meinung sind, dass man das Kleine sehen muss, um das Große zu verstehen.

Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist nicht nur ein absoluter Zusammenbruch der Zivilisation, sondern auch die Erosion unserer Werte. Richtig ist in der postapokalyptischen Welt von „28 Days Later“ nur, was verhindert, dass du krepierst. Jede Art von Gemeinschaft kann hier nur Zweckbündnis sein. Wer nicht so lebt, lebt bald gar nicht mehr. Denn: „People killing people“, wie eine Figur an einer Stelle ganz richtig bemerkt. Die guten Menschen haben diese Welt bereits freiwillig verlassen. Wer noch lebt, hat entweder den Schuss nicht gehört oder ist bereit, alles zu opfern – auch seine Menschlichkeit. Da braucht es gar keine Zombies respektive mit dem „Wut“-Virus infizierte Maniacs, um deutlich zu machen, dass wir am Arsch sind.

Danny Boyle und sein Kameramann Anthony Dod Mantle schaffen Bilder, die zusammen mit der Musik von John Murphy zu Momenten werden, die sich einbrennen und einem auch noch Jahre später nicht aus dem Kopf gehen. „28 Days Later“ gehört meiner Meinung nach insofern fraglos zu den interessantesten Beiträgen des Epidemie- und Zombie-Genres, eben weil hier anhand einer kleinen Gruppe von Leuten bereits so viel erzählt wird. Tolles Drehbuch von Alex Garland auch! Dass ich diesen Film trotzdem nicht zu meinen ganz persönlichen Lieblingen zähle, hat aber genau diesen Grund: er ist mir ein klein wenig zu sehr auf diese schicken Szenen aus. Wenn der Protagonist Jim (Cillian Murphy) anfangs in seinem Krankenhauskittel durch das verlassene London stromert, dann ist das atmosphärisch, sehr sogar; oder wenn er man Ende – selbst schon beinahe ein lebender Toter – Jagd auf die letzten Un-Menschen macht: très chic! Für einen Film, der den Untergang wirklich fühl- und erfahrbar macht, ist das alles meiner Ansicht nach aber zu ästhetisch. John Rambo sagt: „Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden“. Ich wandle das mal leicht ab und sage: „Um nicht nur einen guten, sondern einen richtig großartigen Zombiefilm zu machen, darf man sich nicht davor fürchten, selbst ein wenig zu stinken“. Etwas mehr Mief hätte „28 Days Later“ bestimmt gut getan. Ansonsten aber starker Film!

Bild © Twentieth Century Fox

3 Comments on 28 Days Later (Danny Boyle, Großbritannien 2002)

  1. bullion sagt:

    Ich mag den Film auch sehr, wenngleich ich das letzte Drittel deutlich schwächer finde. Auch der Videolook ist gewöhnungsbedürftig, aber mich packt die Atmosphäre dennoch jedes Mal. Ich mag übrigens auch die Fortsetzung sehr, die teils enorm intensiv ist, aber auch dämliche Elemente enthält.

    • 3jH sagt:

      Ich finde die Fortsetzung sogar noch besser. Mich stört etwas, dass es einen Ober-Don-Infizierten gibt, aber ansonsten finde ich “28 Weeks” fast in jeder Hinsicht einen Tick zackiger. Zumindest ist das meine Meinung von 2008, da habe ich ihn das letzte Mal gesehen. Wird Zeit für eine Neusichtung.

  2. […] Der Anfang hat mir fast noch besser gefallen als der des kürzlich von mir gesehenen „28 Days Later“, in dem sich die Hauptfigur und mit ihr der Zuschauer zunächst in einem (scheinbar) […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.