300: Rise Of An Empire (Noam Murro, USA 2014)

Posted by – 9. März 2014

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Schon „300“ von Zach Snyder war in meinen Augen ziemlicher Müll – und das ohne ihm dafür faschistoide Tendenzen unterstellen zu müssen. Ich habe eh nicht verstanden, warum dieser Film in den Augen vieler Leute Kultstatus genießt. Die Kämpfe werden als eindrucksvoll und toll choreografiert bezeichnet, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Der Digi-Look tat sein Übriges, um diesem fürchterlichen Hybrid aus zynischem Comic und fremdbestimmtem Computerspiel jeden Ansatz von Unmittelbarkeit zu nehmen.

Angesichts von Noam Murros Nachfolger „300: Rise Of An Empire“ kann ich jetzt jedoch ein gewisses Verständnis für Snyders Film aufbringen. Immerhin kann man seinem Werk zugutehalten, dass es absolut schnörkellos erzählt ist. Kaum ein Gramm Fett zu viel am Körper dieses Spartaner-Films. Anders verhält es sich mit dem, was Murro hier veranstaltet. Der Film, der die Parallelereignisse zu „300“ schildert, erzählt von der Seeschlacht zwischen Griechen und Persern und wirkt, als wäre alles, was bei Snyder zu Gunsten einer straighten Story weggelassen wurde, stattdessen hier untergebracht: ein filmisches Waisenhaus für unerwünschte Ideen. Ästhetisch verfolgt Murro ein ähnliches Konzept wie der erste Teil. Ihm gelingen zugegebenermaßen einige gute Momente, beispielsweise, wenn man die Kämpfe wie durch eine Glasscheibe von unten sieht oder der Held am Ende mit einem Pferd über das schwimmende, brennende Schiffswrack galoppiert. Es gibt zwar viel Blut, aber keinen roten Faden, einen Leichenberg überflüssiger Ideen, aber keine dramaturgische Linie. Ein kleines Schwätzchen im Spartaner-Dorf, kurzer Schwenk zu dem Buckligen aus Teil eins, ach ja, schnell noch erzählen, wie Xerxes (Rodrigo Santoro) eigentlich so groß geworden ist. Ein Vater-Sohn-Konflikt und das Drama um den Ziehonkel. Es muss fast die Hälfte des Films vergehen, bis ich dahinterkomme, dass der griechische General Themistokles (Sullivan Stapleton) eigentlich die Hauptfigur ist – wobei auch das gleich wieder relativiert werden muss: Die einzig interessante Storyline des Films handelt nämlich von Artemisia (Eva Green), einer Griechin, die von ihren eigenen Landsleuten versklavt, gefoltert und vergewaltigt wurde, bis sie schließlich bei den Persern ein freundliches Zuhause findet. Sie ist die Antagonistin, die Gegenspielerin von Themistokles, aber für viele Zuschauer (wie auch mich) die eigentliche Heldin. Leider weiß Murro davon nichts und lässt die Figur zum Schluss gänzlich ehrlos über die Klinge springen.

Es lebe Hellas? Es lebe Sparta? Bitte nicht! Lasst im unzweifelhaft kommenden nächsten Teil bitte Artemisia wieder auferstehen – die einzige Lichtgestalt in diesem geschmacklosen, einfältigen und vor allem ziemlich seelenlos langweiligen Film aus der Rechnerkonserve.

Bild © Warner Bros. 
 

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