Across The River (Lorenzo Bianchini, Italien 2013)

Posted by 1. Februar 2015

across the riverVielleicht darf ich auch einfach mal schreiben, dass mir nicht viel zu einem Film einfällt. Kritiken lese ich eigentlich nicht allzu oft, aber zu „Across The River“ (OT: Oltre il Guado) sind mir einige sehr positive Texte untergekommen und deswegen wollte ich ihn gerne sehen. Das habe ich jetzt getan. Mir ist allerdings nicht klar geworden, was Publikum und Kritik an dem mehrfach ausgezeichneten Film sehen. Ich habe nicht einmal viel zu meckern, weil: da ist einfach nichts. Bestenfalls dieses Nichts kann ich kritisieren, ein Horror- bzw. Gruselfilm sollte ja „Etwas“ haben und zwar ein Etwas, das Angst macht.

Ein Mann (Marco Marchese) läuft erst durch einen Wald, dann durch ein verlassenes Dorf. Da mal eine schräge Klaviernote, dort ein Horn. In einigen Texten ist zu lesen, der Regisseur Lorenzo Bianchini, der hier auch für das Drehbuch und den Schnitt verantwortlich zeichnet, spiele mit Genre-Konventionen, ich aber sage: er reiht sie aneinander. Das hat man alles schon etliche Male und zwar meist besser gesehen. Lediglich das Timing unterscheidet sich ein wenig von ähnlichen Produktionen. Soweit, dies als „behutsamen Spannungsaufbau“ zu bezeichnen, würde ich aber auch nicht gehen. Und nur dafür, dass Bianchini wie ich kein großer Fan von Jump Scares zu sein scheint, bin ich noch nicht bereit zu klatschen. Zumindest ich war nicht ge- sondern eher entspannt, um nicht zu sagen gelangweilt – bist das Genervt sein dazu kam. Änderungsvorschlag für den Film: Alle Nebenstränge (alten Mann, Sanitäter und vor allem die beiden Schwestern weglassen), die Im-Traum-Ertrinken-Szene zum Schluss noch einmal wiederholen und ihn nicht aufwachen lassen. Dann wäre das zwar immer noch kein toller Film, aber zumindest wäre er dann stringenter aufgebaut und hätte am Ende auf die zwei schmierigen Schwestern aus der Mottenkiste des Horrorfilms verzichten können.

Positiv aufgefallen ist mir lediglich, wie der Aktions- und Wahrnehmungsradius der Hauptfigur immer weiter schrumpft. Stehen ihm am Anfang Wald und Wiesen offen und ist sein Sensorium durch die Kameras an den Füchsen sogar noch erweitert, verengen sich die Grenzen seiner Welt nach dem Ansteigen des Flusses und seiner Ankunft im Dorf immer weiter, bis er schließlich desorientiert durch die verfallenen Räume irrt. Ein glücklicher Zuschauer ist wohl einer, auf den sich diese Irritation und Klaustrophobie überträgt. Das hat bei mir leider nur in sofern funktioniert, dass mein Sofa von Filmminute zu -minute unbequemer geworden ist.

Bild © Marctropolis

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