Alucarda (Juan López Moctezuma, Mexiko 1978)

Posted by 1. Dezember 2013

AlucardaSatanismus, Besessenheit und Exorzismus im Nonnenkloster klingt nach den Zutaten für einen Film nach meinem Geschmack. Die ersten Bissen waren auch wirklich lecker. Aber als ich brav aufgegessen hatte, kam’s mir wieder zu den Ohren raus.

Mitte des 19. Jahrhunderts findet die 15 jährige Justine (Susana Kamini) nach dem Tod ihrer Eltern ein neues Zuhause im Nonnenkloster. Dort freundet sie sich mit ihrer gleichaltrigen Waise Alucarda (Tina Romero) an. Schnell werden die beiden unzertrennlich. Doch Alucarda ist vom Teufel besessen und auch Justine schwört Gott bald ab. Als Alucarda und Justine sogar während der Bibelstunde gotteslästerliches Verhalten an den Tag legen, wird es Pater Lázaro (David Silva) und den Nonnen zu bunt und man beschließt, es mal mit einem Exorzismus zu versuchen – mit schrecklichen Folgen.

Besonders gefallen hat mir an „Alucarda“ (OT: Alucarda, la hija de las tinieblas), meinem ersten Film von Juan López Moctezuma, wie er sein Bild der Kirche vor 150 Jahren zeichnet und zeigt, was es heißen kann, in einer christlichen Gemeinschaft besessen gewesen zu sein. Das gelingt ihm nicht ganz ohne Schmuddelmomente, aber ich war positiv überrascht, wie ernst Moctezuma das Thema handhabt. Besessenheit darf hier durchaus als Metapher für jede Form von Ideen verstanden werden, die Jugendliche „infiziert“ und sie in  den Augen der Erwachsenen als „krank“ erscheinen lässt, so dass das gewaltsame Austreiben dieser Idee durch einen Exorzismus als einzige Lösung erscheint. Dass man dabei mitunter auch ein Stück Seele herausreißt, macht Moctezuma in eindrucksvollen Bildern deutlich. Ich denke da z.B. an den „Vampirmoment“ des Films, als die arme Justine, nachdem sie schon die brutale Teufelsaustreibung über sich ergehen lassen musste, nun auch noch mit quälendem Weihwasser bespritzt wird, bis sie zum Schluss – mehr aus Verzweiflung als aus Bösartigkeit – eine Nonne beißt. Weiterhin mochte ich noch Tina Romero dichtes, schwarzes Haupthaar und eine Handvoll Szenen, wie die ersten Begegnung von Justine und Alucarda mit den Zigeunern (Claudio Brooks Kostüm!!) und natürlich auch das feurige Finale, in dem Alucarda noch einmal zeigen kann, was es heißt, des Satans jüngste Tochter zu erzürnen.

All das ist wirklich delikat, aber, um im Bild zu bleiben, so ganz gemundet hat mir „Alucarda“ leider doch nicht. Das lag nicht an den offensichtlichen Schwächen wie den Darstellern und der rein gar nicht auf Spannung ausgelegten Erzählweise. Beides hat mich nicht gestört. Gestört hat mich allerdings das Sounddesign, oder anders gesagt: Der Film besteht zu großen Teilen aus in allen Varianten und Tonhöhen kreischenden Weibern – und das ging mir einfach zu sehr auf die Ohren. Gänsehaut, gerne! Aber nicht, wenn sie durch die Frequenz von hysterischen Schreien hervorgerufen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt kommt mir „Alucarda“ deswegen eher vor wie Special Interest als ein Geheimtipp. Jetzt muss ich erst einmal verdauen. Mal sehen wir mir der Film bekommt.

Bild © CMV Laservsion
 

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