Bay Of Blood (Mario Bava, Italien 1971)

Posted by – 30. Juni 2013

IMG_9233In einer idyllischen Bucht geschehen mehrere Morde. Ist ein uralter Fluch der Grund? Nein, hier töten Menschen Menschen. Zuerst sterben die Gräfin Federica Donati (Isa Miranda) und ihr Mann Filippo (Giovanni Nuvoletti). Die Gruppe der Verdächtigen ist groß, sie reicht vom Geschäftsmann Frank Ventura (Cristea Avram) und seiner Freundin Renata (Claudine Auger) über die Tochter der Ermordeten und deren Ehemann Albert (Luigi Pistilli), den seltsamen Insektenforscher Paolo Fosatti (Leopoldo Trieste) und seine kartenlesende Gattin (Laua Betti) bis zum bedrohlichen Fischer Simon (Claudio Camaso). Wer ist der Täter?

Bay Of Blood (OT: Reazione a catena) beginnt mit schönen Naturaufnahmen des Sees und der titelgebenden Bucht, bezaubernd untermalt von Stelvio Ciprianis Score. Doch auch später, wenn die – ziemlich blutige – Mordserie schon in vollem Gange ist, fängt Bavas Kamera immer wieder Szenen von atemberaubender Schönheit ein. Das ist wahrlich eine zauberhafte, verführerische Bucht…. Was anfangs noch wie brutales, äußerst unübersichtliches Verwirrspiel vor zauberhafter Kulisse wirkt, erweist sich am Ende als Einheit, als perfekte Synthese von Form und Inhalt, die viele scheinbar beiläufige Szenen (z.B. die Tiere) in einen größeren Kontext einbettet. Ich bin schwer beeindruckt.

„If you kill for killing’s sake, you’ll become a monster“, sagt eine Figur im Film, spricht damit aber nur die halbe Wahrheit aus. Nein, zum Monster kann man auch werden, wenn man aus anderen Gründen tötet. Habgier zum Beispiel. Sie macht Menschen hässlich, und vielleicht hat der Teufel deswegen das Geld (und den Grundbesitz) erfunden, damit sich unsere Gesichter zu gierigen Fratzen verzerren und wir ihm ähnlicher sind. In Deutschland wurde der Film wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt. Seltsam. Denn hier wird nichts verherrlicht, sondern eher verteufelt – und zwar des Menschen schlechte Charakterzüge. So wirkt diese Beschlagnahmung eher, als hätten die Zensoren Angst davor bekommen, was ihnen aus dem Spiegel entgegen blickt. Sicherlich, die Morde sind von Bava nicht zimperlich inszeniert. Doch auf die Schnelle fallen mir kaum Filme ein, in dem Gewalt schäbiger und die Täter jämmerlicher daher kommen als hier. Zwar sterben die Figuren in „Bay Of Blood“ wie die Fliegen, doch ist ihr Tod niemals beiläufig, sondern ganz und gar einzigartig – im Gegensatz zu den niederen Motiven der Täter.

Man kann es sicherlich herauslesen: Der Film, dieser Hybrid aus Slasher, Giallo, Krimi und pechschwarzer Satire, hat mir gefallen (auch wenn ich diese nichtssagenden Label und Genrebezeichnungen in diesem Fall nicht gerne nenne). „Bay Of Blood“ ist nämlich in erster Linie ein sehr guter Film. Und am Ende gibt es vielleicht doch einen bösen Fluch, einen, der die Menschen schon lange verfolgt: Der vermaledeite Wunsch nach einem eigenen schönen Wassergrundstück und die Bereitschaft, alles dafür zu tun.

Bild © Arrow Video
 

2 Comments on Bay Of Blood (Mario Bava, Italien 1971)

  1. […] Mario Bavas grandiosem „Bay Of Blood“ (OT: „Reazione a catena“) gilt Bob Clarks „Black Christmas“ als der prototypische […]

  2. […] von Mario Bava aus. Aber schon jetzt kann ich sagen: Es gibt Filme, die ich sehr gerne habe, wie „Bay Of Blood“ beispielsweise oder „Blood And Black Lace“ und solche, mit denen ich nicht so recht warm […]

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