Berlinale 2013 – Vorab

Posted by 6. Februar 2013

Morgen geht sie los, die 63. Berlinale.  Ich bin schätzungsweise zum sechsten Mal als Journalist dabei. Neu ist allerdings, dass ich diesmal  vorhabe, auch ein wenig privat mitzuschreiben und die Notizen hier ins Blog zu stellen. Vielleicht interessiert es ja wen.

Hier schon mal ein paar Sätze zu den Sachen, die ich bereits im Vorfeld sehen konnte.

For Marx (Svetlana Baskova, Russland 2012)

Mein erster Film in diesem Jahr war Svetlana Baskovas „For Marx“ (OT: Za Marksa…) in der Sektion Forum. Ein Film, bei dem man gleich zu spüren bekommt, was die Berliner Filmfestspiele so anstrengend machen kann: Es ist ein sperriges, teils sprödes, teils albernes, theaterhaftes Stück über Arbeiter einer Stahlfabrik, die eine unabhängige Gewerkschaft organisieren – was die Besitzer der Fabriken gar nicht gerne sehen. Ich will „For Marx“ nicht schlecht machen, es ist ein mutiger Film!, aber ich konnte wenig damit anfangen. Vielleicht fehlte mir dafür auch einfach Hintergrundwissen über die historische, wirtschaftliche und/oder jetzige politische Situation Russlands. Oder über Marx. Ich habe mich trotzdem an einer ausführlicheren Kritik im Kino-Zeit-Blog versucht.

A Daughter (Thanos Anastopoulos, Griechenland / Italien 2012)

Der zweiter Film, noch mal im Forum, (OT: I kóri), hat mir gleich wesentlich besser gefallen. „A Daughter“ ist eine stille Reflexion über intergenerationelle Gerechtigkeit und funktioniert für mich sowohl als Familiendrama als auch als Kommentar zur Situation Griechenlands. Kurz: Sehenswert. Lang: Gibt es auf Kino-Zeit

Fatal (Lee Don-ku, Korea 2012)

Mein erster Film in der Sektion Panorama war „Fatal“ (OT: Kashi-ggot), den man mit etwas sanftem Druck vielleicht in die Schublade „Koreanischer Rachethriller“ stecken darf.  Regisseur Lee Don-ku erzählt darin die Geschichte von Sung-gong (Nam Yeon-woo), der als Jugendlicher zusammen mit Kumpels ein Mädchen vergewaltigt hat. Jahre später trifft er das Mädchen wieder.  Mit „Fatal“ versucht sich Lee Don-ku  einen anderen Zugang an der Täter-Opfer-Beziehung. Hier rächt sich nicht das Opfer an dem Täter, hier ist der Täter selber Opfer, weswegen er erneut zum Täter wird und – vermeintlich auch im Namen des Opfers – seine Mittäter bestraft. Mir persönlich waren die Figuren des Films zu sehr Funktionen in einer formelhaften Auseinandersetzung mit dem Thema, als dass ich das zugrunde liegende, menschliche Drama richtig zu würdigen gewusst hätte.

Upstream Color (Shane Carruth, USA 2013)

Bei „Upstream Color” von Shane Carruth im Panorama werden die Meinungen auseinandergehen. Schon sein Debüt, der Zeitreisefilm „Primer“, wurde kontrovers diskutiert. Kris (Amy Seimetz) und Jeff (Shane Carruth) treffen zufällig aufeinander. Beide wurden einst Opfer einer Entführung. Doch sie stellen fest, dass sie noch mehr gemeinsam haben und auf merkwürdige Weise miteinander verbunden sind. „Upstream Color” ist ein ganz seltsamer Film. Während man bei „Primer“ zumindest noch das Thema benennen konnte, ist es bei Carruths neuem Film nahezu unmöglich in Kürze zu sagen, worum es überhaupt geht. Deswegen halte ich mich mit voreiligen Erklärungsversuchen auch einfach mal zurück, sondern sage nur: Liebt oder hasst ihn, aber – lasst ihn euch nicht entgehen!

Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, Deutschland 2013)

Katzen spielten auch auf der Berlinale 2012 eine wichtige Rolle. Mein Lieblingsfilm im letzten Jahr war „Rent-a-Cat“ (OT: Rentaneko) von Naoko Ogigami (der leider nur schwer auf DVD oder Blu-Ray zu bekommen ist.) Aber auch in diesem Jahr scheinen diese Tiere wichtig zu sein. So war mein bisheriges Highlight „Das merkwürdige Kätzchen“.  Der unspektakulär-spektakuläre Film von Ramon Zürcher taucht ein in den Alltag einer Familie: Karin und Simon, Geschwister, sind bei ihren Eltern und der kleinen Schwester Clara zu Besuch. Am Tag laufen die Vorbereitungen für ein am Abend stattfindendes Essen. That’s it! Aber was hat das titelgebende Kätzchen damit zu tun? Und wieso merkwürdig? Die Antworten bekommt ihr hier.

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