Black Christmas (Bob Clark, Kanada 1974)

Posted by – 7. Dezember 2013

black christmas 74An das Remake von „Black Christmas“ kann ich mich nicht besonders gut erinnern. Aber wie man hier nachlesen kann, fand ich es wohl nicht so gut. Jetzt hatte ich endlich mal die Gelegenheit die Erinnerung an das Original von Bob Clark aufzufrischen. Es geht um eine Gruppe Studentinnen, die sich in einem Wohnheim für die große Weihnachtsparty bereit machen. Die festliche Stimmung wird allerdings durch das Verschwinden eines der Mädchen getrübt. Niemand ahnt, dass das erst der Anfang einer blutigen Mordserie ist.

Neben Mario Bavas grandiosem „Bay Of Blood“ (OT: „Reazione a catena“) gilt Bob Clarks „Black Christmas“ als der prototypische Slasher, er passt nicht nur genau ins Schema, er definiert es. Verglichen mit Filmen, die heute unter dem Label Slasher laufen, lassen sich trotzdem einige Unterschiede ausmachen, und es ist zum Teil ihnen zu verdanken, dass „Black Christmas“ so gut ist. Zum einen geht Clark deutlich zurückhaltender vor als seine Kollegen in spe. Der Gewaltpegel ist relativ niedrig, der erste Mord geschieht recht schnell, aber dann dauert es fast bis zum Finale, ehe mal wieder richtig was los ist. Diese Zeit ist jedoch nicht etwa langweilig, Clark und sein Drehbuchautor A. Roy Moore nutzten sie, um ein interessantes Figuren- und damit Beziehungsgeflecht um die schwangere Protagonistin zu installieren, das schon für sich genommen sehr spannend ist. Man kann gar nicht anders als mitzuraten, wer denn wohl der Verrückte auf dem Dachboden ist. Der schräge Klavierscore deutet in Richtung einer der Figuren, es gibt allerdings  Indizien, die dieser Spur widersprechen und möglicherweise weitere Hinweise, die  in eine noch andere Richtung führen. Doch „Black Christmas“ ist nicht in erster Linie ein Film zum mitraten, sondern einer, der von seiner Stimmung lebt. Ohnehin schon stark inszeniert und mit exzellenter Kameraarbeit gesegnet, streut Clark immer wieder großartige Szenen ein – wie z.B.  gleich zu Beginn, wenn man die Kletterpartie die Fassade des Wohnheims hinauf aus Sicht des schnaufenden Killers miterlebt, sein späteres Ausflippen auf dem Dachboden oder den Showdown – die noch einmal hervorstechen.

Aber Vorsicht! Die ruhige Erzählweise und der langsame Anstieg  der Spannungskurve – das alles ist ein Trick, durch den der Zuschauer eingelullt wird, so dass der Paukenschlag am Schluss so richtig sitzt: Am Ende, mit der letzten Kamerafahrt, löst sich die Wirklichkeit der Geschichte auf und der bisher stoffliche Film wird zu einem körperlosen Ungetüm. Konnte man vorher noch denken, alles würde den Regeln des Whodunnit folgen, muss man auf einmal in Betracht ziehen, dass „Black Christmas“ vielleicht etwas ganz anderes ist, eine Meditation über etwas Verdrängtes, bei der die sprichwörtlichen Leichen nicht im Keller, sondern eben auf dem Dachboden liegen. Ein wirklich guter Film! Und einer, dessen fiebrige Eleganz man vielleicht sogar noch ein wenig bewusster wahrnimmt, wenn man ihn sieht, während man mit einer fetten Erkältung auf dem Sofa vor sich hin vegetiert. So wie ich gerade.

Bild © Capelight Pictures
 

1 Comment on Black Christmas (Bob Clark, Kanada 1974)

  1. […] zur Weihnachtszeit: Yzordderrexxiii über Bob Clarks spannenden Weihnachts-Slasher-Prototyp „Black Christmas“ alias „Jessy – Treppe in den […]

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