Bourne-Trilogie (Doug Liman, Paul Greengrass, USA 2002/2004/2007)

Posted by – 6. September 2012

In einem Abwasch bespreche ich hier für euch die „Bourne“-Trilogie – die ja eigentlich keine ist. Das beweist der vierten Teil, der gerade im Kino läuft.

In „The Bourne Identity“ wird ein Mann (Matt Damon) aus dem Wasser gefischt. Sei Gedächtnis hat er verloren. Trotzdem wird schnell klar, dass er kein einfacher Tourist ist, der über Bord gegangen ist. Bei seiner Suche nach sich selbst bringen ein Mikrochip unter seiner Haut und seine besonderen Fähigkeiten den Mann schnell auf eine heiße Spur: Er ist Superagent Jason Bourne, der im Namen der amerikanischen Regierung als Killer gearbeitet hat. Seine Auftraggeber haben allerdings gar kein Interesse, dass Bourne frei herumläuft und so findet sich der ehemalige Killer selbst auf der Abschussliste wieder. Hilfe erhält er nur von Weltenbummlerin Marie (Franka Potente).

Der erste Teil ist – trotz gut inszenierter Action – definitiv der gefühlvollste aller drei Teile. Und das liegt an Franke Potente. Sie bringt einen Ton in den Film, der den Nachfolgern völlig abgeht. Manchmal wirkt es ja ein bisschen seltsam, wenn deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen den Deutschen geben müssen. Nicht so bei Potente. Ihre Figur fügt sich völlig natürlich in die Geschichte ein. Und auch die Chemie zwischen ihr und Damon stimmt. Dazu sind die Personen in der Agency – voran die von Brian Cox und Chris Cooper gespielten Bösewichte – ebenfalls einfallsreich, mehrdimensional und gut gespielt. Die Figuren  in Teil eins sind wirklich glaubwürdig –  und das ist etwas, nicht von allen Personen in den kommenden Teilen behaupten kann.

Der erste Teil endet mit einem Etappensieg für Bourne. Wenn sie ihn nicht in Ruhe lassen, werde er den Kampf vor ihre Haustür tragen. Das darf der Zuschauer dann in den nächsten beiden Teilen erleben.

Ab „The Bourne Supremacy“ ist alles etwas anders. Das liegt daran, dass Doug Liman von Paul Greengrass abgelöst wird, der schon mit „Bloody Sunday“ einen ganz fantastischen, halb-dokumentarischen Film gemacht hat. Seinem Stil – der omnipräsenten Handkamera, den Parallelmontagen und rasanten Schnitten –  ist er auch in seinen beiden „Bourne“-Filmen treu geblieben – ja, er scheint ihn geradezu perfektioniert zu haben.

Jason und Marie sind in Teil zwei untergetaucht und haben sich in Indien ein eigenes Leben aufgebaut. Doch eine politische Intrige zerrt den ehemaligen Agenten wieder ans Tageslicht und belastet ihn darüber hinaus mit einem Mord, den er allerdings nicht begangen hat. Mit letzter Kraft kann Bourne seinen Häschern entkommen. Marie hat allerdings nicht soviel Glück. Bourne beschließt darauf hin, ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit aufzuräumen.

Was die Action betrifft, ist der zweite Teil ein einziger Rausch und damit absoluter Genuss. In diesem Moment würde ich „The Bourne Supremacy“ sogar nach „A Quantum Of Solace“ als besten Action-Film der letzten 10 Jahre bezeichnen, auch, weil hier künstlerische Gesichtspunkte nicht zu kurz kommen. Im Gegensatz zum folgenden Teil hat es Drehbuchautor Tony Gilroy auch noch geschafft, ein passables Script zu fabrizieren, das die Geschichte um Jason Bourne weiter voran treibt und bei paar Überraschungen bereit hält. Auch die emotionale Seite der Geschichte kommt – vor allem am Anfang bei Maries Tod und am Ende, wenn Bourne nach Russland reist – nicht zu kurz. Auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein können, haben mir beim nochmaligen Gucken der ersten und zweite Teil beide ungefähr gleichgut gefallen.

Der dritte Teil, „The Bourne Ultimatum“, geht genau dort weiter, wo der zweite endete. Bourne ist bei seiner Reise nach Moskau, wo er der Tochter seines ersten Opfers seine Taten beichtet, schwer verletzt worden – schafft es aber mit letzter Kraft zu fliehen. Doch damit hat der gebeutelte Agent noch immer keine Ruhe. Denn die Regierung ist ihm weiterhin dicht auf den Fersen. Wird es Bourne endlich schaffen, die falschen Vorwürfe gegen ihn zu entkräften und seine Erinnerung endgültig wieder herzustellen.

Der dritte Teil könnte unter dem Motto stehen: „Jemand ist für all das verantwortlich. Und ich werde ihn finden.“ Die Kausalkette lässt sich natürlich immer weiter zurückverfolgen, weil jede Wirkung eine vorausgehende Ursache hat. So kann man natürlich noch hundert weitere Bourne-Filme drehen. Aber die eigentliche Geschichte ist meiner Meinung nach schon in Teil zwei erzählt und alles was hier noch drangehängt wird, macht die Ausgangsidee nicht besser. Hinzu kommt ein wirklich schlechtes Drehbuch, dass zahlreiche Elemente der Vorgänger einfach dreist kopiert und dem Zuschauer ansonsten auch noch ziemlich viel Unsinn auftischt. Durch die rasante Inszenierung von Greengrass wird aber sogar „The Bourne Ultimatum“ (was für ein Ultimanum eigentlich?) zu einem einigermaßen kurzweiligen Filmerlebnis.

Fazit: Die drei „Bourne-Filme“ sind nicht gleich gut, aber alle machen Laune. Wenn man mal eine gute Agenten/Action-Reihe sehen möchte, dann macht man mit den Filmen bestimmt nichts falsch.

P.S. Ein besonderes Kompliment geht noch an die Polizei in jedem Land. Egal ob in Deutschland, Russland, Marokko oder Schweiz – die Beamten verstehen ihr Handwerk. Sie lassen nicht locker, komme was wolle. Aus diesem Grund setzen sie Bourne manchmal auch mehr zu als alle Super-Spezial-Agenten der Regierung zusammen.

Bild © Universal Pictures
 

4 Comments on Bourne-Trilogie (Doug Liman, Paul Greengrass, USA 2002/2004/2007)

  1. sebastian sagt:

    Schöne Zusammenfassung, der ist vollkommen zustimme. Was mich aber etwas schockiert ist deine Aussage, A Quantum of Solace sei der beste Actionfilm der letzten 10 Jahre. Zum einen ist er einer der schwächeren modernen Bonds und zum anderen ist gerade die Action so mies inszeniert, dass man oft nicht mal weiß, wer eigentlich gerade wem auf den Fersen ist.

    (Mein Trilogie Recap ist übrigens auch gerade erschienen 😉 )

    • 3jH sagt:

      Quantum ist ein ganz großartiger Film, darauf lasse ich nichts kommen. Meiner Meinung nach der stärkste Bond überhaupt und außerdem einer der paradigmatischer Vertreter selten Genres “Action-Arthouse” 😉

  2. […] wieder eingefallen und ich gelobe, dass ich das demnächst auch mal durchziehe und dann auch was dazu hier ins Blog stelle. Aber vorher hier ein paar Sätze zum aktuellen Teil, „The Bourne Legacy“, der es nicht ganz […]

  3. […] als der Vorgänger und geht von der Atemlosigkeit ein bisschen Richtung Paul Greengrass’ „Bourne“-Filme – nur dass Forster seinen Film mit einem größeren Kunstanspruch umsetzt. Die Szene in […]

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