Brave (Mark Andrews, Brenda Chapman, USA 2012)

Posted by 13. August 2012

Die letzten zwei Wochen war ich in Schottland. Ich könnte stundenlang über die beeindruckende Landschaft oder den großartigen Whisky (Talisker, mhmm..) schwärmen. Aber dies ist ja ein Film-Blog. Deswegen möchte ich anstelle der Annehmlichkeiten meinen Unmut über das neue Pixar-Werk „Brave“ kundtun. Mit den einstigen Heldentaten der Animationsschmiede hat dieser seltsam platte und nicht besonders stimmige Film nicht mehr viel zu tun.

Darum geht’s: Merida ist eine Frau mit eigenem Kopf. Und das Leben, das ihre Mutter Elinor für sie vorsieht, ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Anstatt einen der Söhne eines anderen Clans zu heiraten, reitet die talentierte Bogenschützin  durch die Wälder. Als es darüber zum Streit mit ihrer Mutter kommt, flieht Merida aus der Burg. Im Wald trifft sie eine Hexe, die ihr anbietet, die Einstellung ihrer Mutter zum Thema Hochzeit zu ändern. Merida willigt ein. Der Zauber wirkt – allerdings ganz anders als es Merida sich gewünscht hat.

Eigentlich klingt sie vielversprechend, die von Brenda Chapman erdachte Geschichte um die Tochter eines Clan-Chiefes im historischen Schottland, das sich von den verstaubten Bräuchen emanzipiert.  Doch leider lässt das Drehbuch, das Chapman zusammen mit Mark Andrews, Steve Purcell und Irene Mecchi geschrieben hat, genau die Eigenschaften vermissen, die ältere Pixar-Produktionen ausgezeichnet hat. Das sind neben den liebevollen Animationen und ihrem Faible für Außenseiter vor allem natürlich die charmanten Figuren. Bei Pixar werden die Randfiguren zu Helden, da erhalten Wesen die Chance einmal im Mittelpunkt zu stehen, denen es sonst nicht vergönnt ist. Man denke nur an „Finding Nemo“, „Ratatouille“ oder „Wall-E“. Da sind auch die Nebenfiguren keine bloßen Stichwortgeber, sondern durchdacht und warmherzig dargestellt. Dazu sind die Pixar-Geschichten verrückt, schelmisch und manchmal sogar subversiv. „Brave“ hat diese Stärken nicht.

Die aufbegehrende Hauptfigur ist noch einigermaßen sympathisch gezeichnet, auch wenn sie die Komplexität anderer Pixar-Protagonisten vermissen lässt; alle anderen Figuren hingegen sind bloßen Karikaturen, die für einen schnellen Lacher lieblos verheizt werden. Das ist eher das, was man von Disney-Filmen kennt, aber keinesfalls, was man vom Pixar erwartet. Und auch originelle Ideen habe zumindest ich nicht entdecken können. Im Gegensatz dazu machen sich eher einige Einfälle bemerkbar, die nicht besonders durchdacht oder überkonstruiert wirken. Natürlich ist Meridas Vater Fergus ein berühmter Bärentöter, natürlich kann die Hexe vor allem Bärenzauber und natürlich nimmt „Brave“ gleich auch noch für das ganze Land schicksalhafte Ausmaße an. Aber warum muss Merida unbedingt das Tuch heilmachen, damit der Zauber gebrochen wird? Warum ändert Mammi Bär ihren Charakter, die drei Bären-Brüder aber nicht?

Wenn ich an „Brave“ nun unbedingt etwas loben müsste, dann würde ich mich wohl für die Animationen entscheiden. Die Landschaften, das Licht, die Bewegungen der Figuren – all das ist erste Sahne und State oft the Art. Leider ist dieser Pluspunkt ohne eine gute Geschichte und lebendige Figuren nicht viel wert.

Bild © Walt Disney
 

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