Catwoman (Pitof, USA 2004)

Posted by – 21. Januar 2015

Catwoman

Ein verschmähtes Werk der Filmgeschichte neu zu entdecken und herauszufinden, dass es, entgegen allen anders lautenden Behauptungen, doch ganz toll ist – davon träume ich schon länger. Um diesen Traum jetzt endlich Wirklichkeit werden zu lassen, habe ich mir „Catwoman“ ausgesucht. Den findet ja bekanntlich niemand gut. Auch wenn ich große Vorbehalte gegen Regisseure habe, die nur mit ihrem Spitznamen gecredited werden, kann ich sagen, dass mir Pitofs „Vidocq“ ganz gut gefällt und zumindest insofern schon einmal nichts dagegen spräche, dass ich auch mit „Catwoman“ etwas würde anfangen können. Soviel vorweg: Meinen Wunsch konnte ich mir leider nicht erfüllen. Aber immerhin bin ich nicht grandios gescheitert, sondern lag nur ein klitzekleines Bisschen daneben.

Nun, wieso das? An der Story kann’s wohl nicht liegen, denn die ist doch so generisch wie fast alle Superhelden-Filme. Und sind die Effekte aus dem Computer nicht ziemlich käsig und Halle Berry als Catwoman nicht ganz unpeinlich? Dass der Film in der Gunst der Kritiker und Zuschauer nicht besonders hoch lag, ist jedenfalls verständlich. Ein paar Details sind sicher kaum der Rede wert, andere, durchaus handfeste Probleme lassen sich nicht so leicht vom Tisch wischen. Eines davon ist der Spannungsaufbau, der nicht nur völlig überraschungsfrei verläuft – der Zuschauer weiß leider auch stets mehr als seine Protagonistin, was den Film zusätzlich ausbremst. Während die daraus resultierende Langeweile vielleicht noch durch seine Schauwerte kaschiert werden könnte, sind es leider genau diese, die ihm einen weiteren, unschönen Schmiss verpassen. Superheldinnen sind ein trauriger Mangel in der Marvel- und, wie in in diesem Falle, in der DC-Filmwelt. „Catwoman“ ist eine Figur, die, so behaupte ich mal, durchaus Potenzial gehabt hätte, die Weichen für zukünftige Comic-Verfilmungen zu stellen, doch leider scheitert Pitof hier. In emanzipatorischer Hinsicht ist sein Film leider alles andere als gelungen. Dafür, dass es thematisch um ein gefährliches Schönheitsprodukt geht, mit dem die Frauen dieser Welt versklavt werden sollen, wird zumindest nach meinem Empfinden seine Protagonistin als Sexsymbol zu sehr ausgestellt. Ganz abgesehen davon, dass sich hochhackige Schuhe vielleicht für den Laufsteg, ganz bestimmt aber nicht für eine Heldin eignen, die mit neuen inneren und äußeren Stärken gegen ihre Mörder und die Versklavung der Frau eintritt bzw. eintreten soll. Die Kamera klebt zudem viel zu oft an ihrem Hintern, um dem Film ernsthaft abzunehmen, dass er sich für die gesamte Person interessiert.

Wahrscheinlich lohnt es nicht, darauf im Detail etwas zu erwidern und es ist bestimmt ebenso müßig, ausgewählte Aspekte zur Verteidigung zu nennen, die den Film charmant machen. Da wäre zum Beispiel die schöne Kamera von Thierry Arbogast und überhaupt nicht wenige visuelle Ideen, wie man sie so noch nicht gesehen hat. Und manchmal dreht der Film völlig frei, wie bei der Basketball-Musical-Schmunzel-Einlage oder der wunderbaren Sequenz, als Patience (Halle Berry) mit ihrer Freundin telefoniert und dabei miezisch durch ihre Wohnung tänzelt. Manchmal ist der Film so leicht, so unschuldig wie ein Blättchen Katzenminze. Ja, sicher, bei einigen Szenen stellen sich einem die Nackenhärchen auf, und der eine oder andere Zuschauer mag immer mal wieder versucht sein, wegzugucken, aber – und nun zu dem wichtigsten Grund, warum ich den Film gar nicht so übel fand – ich bin mir sicher: das soll so. Denn „Catwoman“ legt durch seine Aktionen, die manchmal jenseits der Schamgrenze sind, etwas frei, was bei vielen anderen Superhelden-Filmen bestenfalls vage durchschimmert. Nämlich dass diese Sache mit den kostümierten Helden und ihren Fähigkeiten einfach etwas ist, was die Grenzen des guten Geschmacks und die Konventionen überschreiten muss! Der Blick auf sein weibliches Subjekt mag ein männlicher sein. Und doch gelingt es Halle Berry sich irgendwie freizuspielen, so als würde sich ihre Catwoman immer weiter von den Erwartungen der Zuschauer emanzipieren. Ob Pitof das seinem Film in vollem Bewusstsein angelegt hat oder ob ihm hier intuitiv etwas geglückt ist, weiß ich nicht. Jedenfalls macht er dem Zuschauer durch seine Inszenierung diese Grenz-Übertritte immer wieder bewusst. Im Gegensatz zu den pubertären Ermächtigungsfantasien vieler anderer Superhelden-Filme vermittelt Pitof ein Gefühl der Travestie, die ja das Leben eines Helden in Strumpfhosen auch immer bedeutet. Das macht „Catwoman“ zwar nicht zu einem der besten Superhelden-Filme, aber dennoch zu einem, den man kennen und nicht gleich abfällig zur Seite schieben sollte.

Ein Fazit zu ziehen, fällt mir schwer. Mir hat „Catwoman“ irgendwie gefallen, es hat mir aus noch nicht völlig geklärten Gründen Spaß gemacht, ihn zu sehen und ein paar Tage über ihn nachzudenken. Vielleicht sehe ich ein Stück Freiheit, wo gar keine ist, doch trotz und vielleicht auch gerade wegen seiner Schwächen (von denen sich ein paar sogar als seine Stärken erweisen), kann ich jedem Superhelden-Fan nur empfehlen, sich den Film noch einmal offen (oder vielleicht auch dicht) anzusehen.

Bild © Warner Home Video

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