Child’s Play (Tom Holland, USA 1988)

Posted by – 23. Juni 2013

childs playWird Zeit, mal die ganzen „Klassiker“ nachzuholen, die ich in meiner Jugend verpasst habe. Nächster Halt: Tom Hollands subversiver „Child’s Play“, besser bekannt unter dem uneleganten deutschen Titel: „Chucky – Die Mörderpuppe“.

Karen (Catherine Hicks) hat ein Problem. Ihr Sohn Andy (Alex Vincent) wünscht sich zum Geburtstag nichts lieber als eine Good Guy Puppe. Die 100 Dollar dafür kann Karen jedoch einfach nicht aufbringen. Doch dann hat sie scheinbar Glück – ein Obdachloser bietet ihr die Puppe zum einem Drittel des Preises an. Was sie nicht weiß: In der Puppe lebt der Geist des Serienkillers Charles Lee Ray (Brad Dourif).

Auf den ersten Blick ist „Child’s Play“ zunächst einmal ein nettes, schauriges Unterhaltungsprodukt der Achtziger Jahre. Außerdem hat Tom Holland mit der Mörderpuppe Chucky Sternchen des Horrorkinos geschaffen, das zwar nicht ganz mit seinen Kollegen Freddy, Jason & Co mithalten kann, das aber immerhin so beliebt war, dass es die Reihe auf bisher vier Fortsetzungen gebracht hat. Doch unter der Oberfläche von „Child’s Play“ liegt etwas verborgen, das auf viel unbequemere Art gruselig ist als der eigentliche Film. Unsere kapitalistische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen nicht zufrieden sind. Sie sollen kaufen, um ihre innere Leere zu füllen. „Child’s Play“ bringt  die Perversität der Conditio Humana des modernen Menschen schön auf den Punkt. Ein Junge wünscht sich über alle Maßen.. – Plastikschrott. Die Mutter gibt wider besseres Wissens nach – und holt das Böse ins Haus. Interessant – aber eben auch besonders gemein! – wird das Ganze dadurch, weil sich das Böse durch einen unschuldigen Kinderwunsch Zugang verschafft. Freundschaft fürs Leben verspricht die mörderische Puppe und in der Tat: Dass ein Bedürfnis durch das und nur durch das, was die Werbung anpreist, gestillt werden kann, gehört zu den ersten Dingen, die Kinder lernen. Wer nicht haben will oder kaufen kann, ist in der Konsumgesellschaft nutzlos.

Zum Schluss ist man fast froh, dass es sich beim Geist in der Maschine „nur“ um die Seele eines Massenmörders handelt.  Schlimmer wäre die Vorstellung, dass sich das (kapitalistische) System endgültig vom Menschen entkoppelt hat und ein gefräßiges Eigenleben führt. Dem Killer kann Andy die Freundschaft kündigen, ganz aufzuhalten ist der Bösewicht durch einen Schuss ins Herz– die höhere Macht, die uns verspricht, die Leere zu füllen (die sie selbst erst produziert hat), wäre nicht so leicht zu besiegen gewesen. Ihr fehlt ein Herz.

Bild © MGM 
 

2 Comments on Child’s Play (Tom Holland, USA 1988)

  1. […] ich mich vor etwas über einem Jahr über meine erste Begegnung mit Tom Hollands „Child’s Play“ gefreut hatte, war ich sehr gespannt auf ein Wiedersehen mit seinem Debütfilm, der […]

  2. […] Horror ist mal mehr (z.B. in „Honeymoon“ oder „Mama“), mal weniger offensichtlich (z.B. „Child’s Play“). „The Babadook“ darf hier aber, denke ich, zu den eindeutigen Vertretern gezählt werden, […]

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