Christine (John Carpenter, USA 1983)

Posted by – 13. April 2013

ChristineLet me tell you something about love. It has a voracious appetite. It eat’s everything. Friendship, family…“ – Arnie Cunningham

Wenn es einen Film von John Carpenter gibt, mit dem ich noch nie so richtig warm geworden bin, dann ist das „Christine“.  Das könnte natürlich auch an der Roman-Vorlage von Stephen King liegen. Für die gilt das gleiche. Da mein Kontakt mit Roman und Film allerdings bis in die Schulzeit zurückreicht, wird es Zeit, so denke ich mir gerade, zumindest den Film, der seit ein paar Monaten unbeachtet im Regal steht, einer Neusichtung zu unterziehen.

Darum geht’s: Arnie (Keith Gordon), hat es nicht leicht an der High School. Er ist der Prügelknabe der Stärkeren. Vor allem Buddy (William Ostrander) und seine Gang haben es auf ihn abgesehen. Doch als sich Arnie einen stark renovierungsbedürftigen 1958er Plymouth Fury zulegt und diesen wieder auf Vordermann bringt, geht auf einmal eine Veränderung in dem Außenseiter vor. Selbst sein bester Freund Dennis (Dennis Guilder) erkennt ihn bald kaum noch wieder. Als plötzlich Buddys Gang unfreiwillig ins Jenseits befördert wird, beginnt sich auch der Polizist Rudolph Junkins (Harry Dean Stanton) für Arnie und sein Auto zu interessieren.

Mich erinnert der Film gerade an die maskuline Variante von „Carrie“. Statt einem Mädchen, das sich mit den Problemen des Erwachsenwerdens herumschlagen muss, ist es hier der junge Außenseiter Arnie. In beiden Filmen geht es um die erste Liebe.  Doch statt des Schulballs, um den sich bei Carrie alles dreht, geht es hier um Autos. Und ich mag einfach keine Filme mit Autos. Mochte ich noch nie. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dem Film bzw. dem Roman bisher so wenig abgewinnen konnte. Aber eigentlich geht es in „Christine“ nicht um ein Auto. Im weitesten Sinne geht es um falsche Freunde, seien es Personen, Gruppen oder Gegenstände, jedenfalls um Dinge, die einem das Gefühl von Stärke vermitteln, die einen aber letzten Endes zerstören. Drogen könnte man hierzu zählen. Manche Fetische. Extreme Gruppierungen.

Aber diese Ebene, die der Stoff um das mörderische Auto zweifellos besitzt, ist nur eine vom mehren Aspekten, die ich an dem Film mag. Keith Gordons Performance als Arnie Cunningham beispielsweise, die ich früher immer etwas over the top fand, hat mir heute ziemlich gut gefallen. Alle Figuren des Films sind in gewisser Weise ja Karikaturen, aber trotz der Übertreibungen – hier passt es und bringt sogar noch den ironischen Ton des Stoffes besser heraus. Das größte Pfund ist aber –  wie bei allen Filmen des Regisseurs – John Carpenters Inszenierung. Und das, obwohl das Skipt Carpenter eigentlich wenig Möglichkeiten gibt, seine Stärken wie die Inszenierung von geschlossenen Räumen voll auszuspielen. Aber auch so gibt es einiges, das ins Auge springt. Die brennende Christine beispielsweise, die Buddy verfolgt und überfährt und dann irgendwann – beobachtet vom Garagenbesitzer – verkohlt zurück zu ihrem Stellplatz kommt, gehört zu den maßvollen, aber nichtsdestotrotz vorhandenen Highlights dieses insgesamt recht ruhigen Films. In dieser Sequenz zeigt Carpenter sein Gefühl für Bild, Bewegung, Erzählton (unheimlich, aber nicht ohne Augenzwinkern) und Musik sehr gut. Ebenfalls erwähnenswert die Szene mit Arnie, der schon völlig von Christine besessen ist und Dennis während einer Spritztour. Aus ihr stammt auch das Zitat am Anfang des Textes, das die – ich sag jetzt einfach mal – „Moral“ des Films deutlich macht. Die falsche Liebe kann dich verschlingen.

Ich denke, „Christine“ gehört trotz einiger Vorzüge nicht zu Carpenters besten Filmen. Trotzdem muss ich meine Meinung von damals revidieren und sage, doch, heute gefällt er mir. Eine der besseren Stephen-King-Verfilmungen ist er obendrein. Und, obwohl ich keine Autos mag: Christine ist verdammt schön.

Bild © Sony
 

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