Dredd 3D (Pete Travis, USA 2012)

Posted by – 14. Oktober 2012

Es gibt ein paar Superhelden, die habe ich etwas weniger lieb als andere. Den Punisher zum Beispiel. Oder den Ghost Rider. Und auch der Judge Dredd gehört zu dieser illustren Runde. Meine Helden dürfen durchaus düstere, gebrochene Charaktere sein. Aber sie sollten zumindest versuchen, die Menschenrechte zu achten und nicht jeden Bösewicht gleich niederzumetzeln. Auch wenn Judge Dredd deswegen so gar nicht in mein Heldenschema passt, war ich doch gespannt auf die Neu-Verfilmung, die schon etliche gute Kritiken einfahren konnte und auch bei der Internet Movie Database recht gut bewertet wurde. Vorgestern habe ich „Dredd 3D“ nun gesehen. Und ich muss sagen: Kein freundlicher Film, aber er hat was.

Irgendwann in der Zukunft. Ein Großteil von Amerika ist radioaktives Ödland. Leben ist nur noch in riesigen Stadtkomplexen möglich. Die Story des Film  spielt in Mega City One. Doch dort regiert das Verbrechen. Nur die Judges, Polizisten, Richter und Vollstrecker in einem, versuchen sich dem Chaos entgegenzustellen. Judge Dredd (Karl Urban) ist der berühmteste unter ihnen. Als er zusammen mit seiner PSI-begabten Kollegin Cassandra Anderson  (Olivia Thirlby) einen Gangster festnehmen will, der mit der Designer-Droge Slo-Mo dealt, gerät er allerdings der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey) in die Quere.

Die Ähnlichkeiten von „Dredd 3D“ und Gareth Evans „The Raid“ sind unverkennbar. In beiden Filmen sitzt eine Gruppe Polizisten in einem Hochhaus fest und versucht sich ihren Weg freizukämpfen. Beide Filme sind brutal und düster; doch während „The Raid“ ein agiler, toll choreografierter Kampfsport Film ist, setzen Regisseur Pete Travis und Autor Alex Garland  andere Schwerpunkte. “Dredd 3D” ist trotz zahlreicher Explosionen seltsam schwerfällig und wirkt gegenüber Evans leichtfüßigem Film wie ein bleierner Koloss. Karl Urban („Star Trekk“, „Pathfinder“) ist großartig in der Rolle des wortkargen, desillusionierten Gesetzeshüters. In seiner Uniform fast träge, doch gleichzeitig unglaublich selbstsicher und präsent, stampft er durch den Gebäudekomplex und ballert alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Judge Dredd nimmt seinen Helm nie ab, strahlt allein mit seiner Mundpartie  aber soviel Bitterkeit und Verachtung aus, dass man eine Gänsehaut bekommen kann. Da ist man als Zuschauer durchaus froh, wenn ab und an jemand wieder einen Slow-Motion-Rausch hat, alles strahlt und glitzert oder Olivia Thirlby strahlend blondes Haar durchs Bild weht und ein bisschen Licht in dieses nachtschwarze Etwas von einem Film bringt.  Wenn man das alles sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die Zeit der Helden vorbei ist. „Dredd 3D“ ist bitterböses, galliges, ja fast schon zynisches Action-Kino – aber vielleicht auch genau der Film, den wir für den ersten Teil des 21. Jahrhunderts verdient haben.

Also, wie gesagt, der Film hat was. Aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob mir das wirklich gefällt. Hätte ich den Film gemacht, ich glaube, dann wäre Slo-Mo legal und Judge Dredd würde 90 Minuten lang high in der Badewanne sitzen und mit den Blasen spielen. Das wäre doch auch mal schön. Nicht immer diese ganze Gewalt. Brrr.

Bild © Universum Film
 

2 Comments on Dredd 3D (Pete Travis, USA 2012)

  1. Rotze sagt:

    Ich muss ja zugeben das mich das Dredd-Remake am Anfang so überhaupt nicht interessiert hat! Nachdem in den USA aber dieser Hype losgetreten wurde fiebere ich dem hiesigen Kinostart doch schon entgegen. Dein Review bestätigt für mich jedenfalls meine Vorfreude 😉

  2. […] und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der […]

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