Fantasy Filmfest 2013 (1)

Posted by – 25. August 2013

fff13

Ich schaue mir wieder einiges auf dem Fantasy Filmfest an. Hier werde ich in den kommenden Tage ein paar Sätze zu den gesehenen Filmen posten. Zunächst zu Tag eins und zwei.

The Philosophers (John Huddles, USA 2013)

Ein Teilbereich der Philosophie beschäftig sich mit der Frage: „Was sollen wir tun?“ John Huddles treibt dies in seinem Film „The Philosophers“ ins Extreme und lässt eine Philosophieklasse in Gedankenexperimenten überlegen, wie sie sich im Falle eines Atomkriegs verhalten würden: Der rettende Bunker hat nur für eine begrenzte Anzahl von Personen Platz. Wer darf hinein? Und wer ist verzichtbar? Ich bin sehr angetan davon, wie Huddles es schafft, sein „Kopfkino“ stets spannend zu halten und zum Schluss sogar noch Emotionen als der prä-rationale Ur-Grund zu identifizieren, der jedes Denken bedingt und jede Entscheidung mindestens ebenso stark beeinflusst wie ein kühl durchdachtes Argument. Da verzeihe ich dem Film ein paar platte Exkurse in die Küchenphilosophie gern. Mehr von mir dazu im AGM-Blog.

 Haunter (Vincenzo Natali, Kanada 2013)

„Groundhog Day“, „The Others“, A Nightmare On Elm Street“, „Shining“, „Twin Peaks“, Nothing“, „Sinister“,… – Vincenzo Natalis „Haunter“ kommt am Anfang ein wenig wie ein Best-Of des Fantastischen Films der letzten 50 Jahre daher, entpuppt sich aber im Verlauf als etwas ganz Eigenes, ein wilder Ritt durch verschiedene Zeitebenen und Genres sowie ein Dekaden überspannender Geisterkrimi der etwas anderen Art, in dem ein junges, mutiges Gespenst seinen Mörder stellt. Ich halte Natali für einen sehr vielseitigen und außergewöhnlich einfallsreichen Filmemacher, der sich seinen Sujets stilistisch virtuos aber gleichwohl variable nähert. Und trotzdem deutet sich mittlerweile die – meist technisch, in diesem Fall aber metaphysisch induzierte – Iteration von Identität(en) als Natalis Kernthema an. In dieser Hinsicht erinnert er fast ein wenig an seinen kanadischen Kollegen David Cronenberg. Und ich muss sagen, ich mag das! Eine Anmerkung noch zu „Haunter“, der mir insgesamt ganz ausgezeichnet gefallen hat: Die Hauptdarstellerin Abigail Breslin – mit der habe ich bis zum Schluss leider etwas gefremdelt.

Devil’s Pass (Renny Harlin, USA, UK, Russland 2013)

Ich mag Berg- und Schnee-Filme. Mit Renny Harlins „Devil’s Pass“ (aka: The Dyatlov Pass Incident) bin ich allerdings nicht glücklich geworden. Fünf Studenten aus Oregon machen sich auf nach Russland, um den bis heute ungeklärten Tod von neun Ski-Wanderern im nördlichen Ural aus dem Jahr 1959 zu untersuchen. Dabei müssen sie allerdings schnell feststellen, dass es am Hang des Berges Cholat Sjachl nicht mit rechten Dingen zugeht. Zuerst spielen GPS und Kompass verrückt, dann entdecken sie Fußspuren und eine abgeschnittene Zunge und schließlich den Eingang zu einem Bunker. Seltsam, die Bunkertür lässt sich nur von außen öffnen… In seinen besten Momenten erinnert „Devil’s Pass“ an eine Mischung aus „Blairwich Project“ und „Lost“, wirklich gute Ideen kommen allerdings nur in homöopathischen Dosen vor. Schön, dass das alles auf wahren Begebenheiten beruht, ärgerlicher als die hanebüchene Auflösung des Ganzen ist allerdings Harlins Versuch, die Geschichte aus (pseudo-)dokumentarischem Material zusammenzusetzen. So ungekonnt habe ich das noch nicht gesehen, also echt jetzt! Bleibt zu hoffen, dass wir das alles auch bald hinter uns haben. Jedenfalls arbeiten Filme wie „Devil’s Pass“ hart daran, dass  bald aber auch wirklich niemand mehr „Found Footage“ sehen will.

Raze (Josh C. Waller, USA 2013)

Auf nahezu jedem Fantasy Filmfest gibt es einen Film, der heftige Kontroversen auslöst.  „Raze“ von Josh C. Waller, ein Film über Frauen, die gezwungen sind, sich in illegalen Wettkämpfen zu Tode zu prügeln, könnte der diesjährige Kandidat sein. Handwerklich ist Wallers Film jedenfalls exzellent gearbeitet. Die Farbdramaturgie und der Scores haben mich ein wenig an Vincenzo Natalis „Cube erinnert. Inhaltlich sehe ich eher Parallelen zu „Martyrs“. Ob „Raze“ auf maximalen Effekt ausgerichtete Exploitation ist oder ein Film, über den es sich länger nachzudenken lohnt – das habe ich bis jetzt noch nicht entscheiden können. Ein intensives Kinoerlebnis war er ohne Frage. (Eine längere Kritik von mir gibt’s hier.)

Bild © Fantasy Filmfest
 

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