Faust (Alexander Sokurow, Russland 2011)

Posted by – 29. April 2012

“Wenn das Gewölbe widerschallt, fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt”… Ich habe den Faust in der Schule gelesen und war durchaus angetan von der Wortgewalt des Textes und dem Inhalt der Geschichte. In  Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ schließt der Gelehrte, Doktor Heinrich Faust, einen Pakt mit dem Teufel. Zum Preis seiner Seele der Teufel dem Doktor Einsicht in die tiefsten Dinge ermöglichen. Mephisto fädelt darauf hin eine Liebschaft zwischen dem Doktor und der jungen Margarete ein. Ganz klar, dass das nicht gut ausgeht.

Bei Aleksandr Sokurov heißt Mephisto Mauritius (Anton Adassinsky), doch ist nicht die einzige Änderung, die der russische Filmemacher an dem Stoff vorgenommen hat. Der Teufel ist hier kein charismatischer Verführer, sondern ein unförmiges, fast schon Mitleid erregendes Wesen und auch Heinrich Faust (Johannes Zeiler), ein armer, gleichwohl egoistischer und gieriger Mann, der  mit dem Intellektuellen aus Gothes Fassung wenig gemein hat. Sein Gehilfe Wagner (Georg Friedrich) hat die Grenzen zum Wahnsinn noch offensichtlicher überschritten. Die Figuren in Sokurovs Version drängeln sich förmlich durch die Szenen, schmiegen sich aneinander oder wirken, als wollten sie sich verschlingen. Hinzu kommen Sokurovs schwindelerregende Experimente mit verschiedenen Kameralinsen, die mir ein Gefühl der Desorientierung vermitteln. Angenehm ist das nicht. Aber interessant.

Doch auch wenn dieser „Faust“ hier auch ein faszinierender Film sein mag – mich konnte er nicht ganz überzeugen. Zwar habe ich die Stimmung als sehr unangenehm empfunden (was ich mochte!) und fand darüber hinaus die Neuinterpretation der Figuren zumindest spannend, doch mir fehlte ein Moment, den ich in Goethes Faust so mag: Die Unzufriedenheit des Protagonisten mit der Welt, die Sehnsucht, nach etwas anderem und die Bereitschaft, dafür seine Menschlichkeit zu opfern (ha, so beschrieben, ist Clive Barkers „Hellraiser“ auch nur eine Version des Faust..). Sehnsucht bleibt in dieser Version auf der Stecke. Außerdem hat sich mir nicht erschlossen, was der Zweck dieses Neuansatzes sein soll. Aber das mag an mir liegen und daran, dass ich Sokurovs andere Filme nicht kenne. „Faust“ ist nach „Moloch“, „Taurus“ und „Solntse“ der vierte und letzte Teil seiner Tetralogie über die Beschaffenheit der Macht.

Vermutlich sollte ich erst Sokurovs anderen Werke studieren, ehe ich mir ein Urteil über seinen „Faust“ erlaube. Aber soviel schon mal: Es ist ein herausfordernder, alles andere als angenehmer Film, der, wenn er wirklich Geheimnisse versteckt hält, diese zumindest nicht allzu bereitwillig freigibt. Und es ist auf jeden Fall ein Film, nach dem ein großer Schluck Vodka nichts schaden kann.

Bild © Ascot Elite
 

1 Comment on Faust (Alexander Sokurow, Russland 2011)

  1. […] Alexander Sokurow („Faust“) hier zeigt, ist sowohl inhaltlich, erzählerisch als auch formal herausfordernd: Unzählige […]

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