Giallo Collection Teil 1 (Vittorio Sindoni, Piero Schivazappa, Francesco Mazzei, Italien 1968/69/73)

Posted by – 27. Mai 2013

Giallo Collection

Allen fortgeschrittenen Anfängern in Sachen Giallo möchte ich gerne diese quietsch-gelbe Box empfehlen. Gar nicht mal, weil alle Filme darin jetzt wahnsinnig gut sind. Sondern, weil hier einige weniger bekannte und trotzdem sehenswerte Vertreter endlich einmal in Deutschland erscheinen. Und mit „The Frightend Woman“ (OT: Femina ridens) hat die Box immerhin einen echten Knaller dabei!

Aber der Reihe nach. Den (chronologischen) Anfang in der Box macht „Deadly Inheritance“ (OT: L’ Assassino ha le mane pulite) von Vittorio Sindoni aus dem Jahre 1968, der mit diesem Film sein Debüt gibt. Darin geht es um blutige Erbstreitigkeiten. Das Erbe eines Mannes soll nämlich erst dann an seine Verwandten verteilt werden, wenn sein Sohn Janot (Ernesto Colli) das 21. Lebensjahr erreicht hat. Je weniger Angehörige, desto mehr Geld für den einzelnen, denkt sich wohl einer der Erben – und killt eiskalt die potenziellen Konkurrenten. Auch die clevere Simone (Femi Benussi) muss um ihr Leben fürchten. Dieser früher Giallo steht weit hinter der visuellen Extravaganz der Genre-Platzhirsche zurück; aber es ist eben auch ein Film, der vor der großen Giallo-Welle der Frühsiebziger zeitlich um einiges voraus war und die für späteren Filme stilbildende Elemente mitprägte. Vor allem aus diesem Grund ist Sindonis ein guter Film für den Zuschauer, der sich mit den Anfängen des Genres bekanntmachen will. Besonders gelungen ist der Score von Stefano Torossi. Fazito insofern: Solide

Das Highlight dieser und der Box und mit seinem Jahrgang 1969 ebenfalls ein früher Vertreter des Genres ist Piero Schivazappas „The Frightend Woman“ (OT: Femina ridens). Wie Sindonis ist auch Schivazappas Film in der „Giallo Collection“ von Koch zum ersten Mal in Deutschland erhältlich. Die Geschichte: Der exzentrische, selbstverliebte und misogyne Dr. Sayer (Philippe Leroy) entführt junge Frauen. In seiner Villa quält und erniedrigt er sie. Der Grund? Sayer befürchtet, die Frauen würden naher Zukunft die Männer unterwerfen und biologisch überflüssig machen. Sein neustes Opfer: die Journalistin Maria (Dagmar Lassander). Doch hat Sayer – auch wenn es erst so scheint – in Maria kein leichtes Opfer gefunden. „The Frightend Woman“ ist kein klassischer Giallo. Die typischen Erkennungsmerkmale fehlen fast völlig. Das fängt schon damit an, dass es keinen Killer gibt, sondern dass Schivazappa sich in dem Film auf das Psychospiel seiner beiden Protagonisten konzentriert. Das ist sehr spannend, aber auch ziemlich merkwürdig. Irgendwann scheint sich der Film in einen LSD-Trip zu verwandelt, von dem er bis zum Schluss nicht mehr herunterkommt. Ein wunderbarer und wunderlicher Film, über den ich mich gerne irgendwann noch einmal länger äußern würde. Vielen Dank an Koch Media für dieses Release!

Auch der dritte Film aus der Collection, „The Weapon, the Hour, & the Motive“ (OT: L’ Arma, l’ora, il movente ) von Francesco Mazzei aus dem Jahre 1973 – der Hochzeit der Gialli – kann sich (nun) sehen lassen. Auch er feiert in dieser Box Deutschlandpremiere. Am Anfang des Films steht, wie so oft in diesem Genre, ein Mord: Der Priester Don Giorgio hat eine Affäre mit gleich zwei verheirateten Frauen. Weil ihn sein Gewissen quält, beendet er die Beziehung – und wird kurz darauf ermordet in der Kirche aufgefunden. War es eine seiner Liebschaften, z.B. die rachsüchtige Giulia? Oder doch die gehörnte Orchidea? Oder hatte der Mord ganz andere Gründe? Kommissar Franco (Renzo Montagnani) ermittelt – und hat es mit weiteren Toten zu tun. Mazzeis Film besticht vor allem durch sein religiöses Ambiente. Viele Szenen spielen in der Kirche oder in den Gewölben darunter. Der Regisseur, der auch für Story & Drehbuch seines Films mitverantwortlich war, lässt es sich nicht nehmen, gehörig gegen die Kirche auszuteilen. Nicht nur Pater Giorgio, auch die Nonnen des Ordens, werden bei der exzessiven Selbstgeißlung gezeigt. Trotzdem will Mazzei seinen Film sicher nicht in erster Linie als Seitenhieb gegen die Kirche, sondern als spannenden Thriller verstanden wissen. Und das ist ihm, von einigen Längen abgesehen, auch gelungen. Leider ist dieses Mazzeis einziger Film als Regisseur. Schade, da wäre bestimmt noch was gegangen.

Bild © Koch Media
 

1 Comment on Giallo Collection Teil 1 (Vittorio Sindoni, Piero Schivazappa, Francesco Mazzei, Italien 1968/69/73)

  1. […] ich neulich ein wenig Werbung für die „Giallo Collection Teil 1“ gemacht habe, möchte ich, der Vollständigkeit halber, auch ein paar Sätze zum zweiten Teil […]

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