Inherent Vice (Paul Thomas Anderson, USA 2014)

Posted by – 15. August 2015

Inherent ViceIm Los Angeles der 1970er Jahre arbeitet Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) als Privatdetektiv – wenn er den Tag nicht gerade stoned im Marihuana-Nebel auf dem Sofa verbringt. Dann taucht seine Ex-Freundin Shasta Fay Hepworth (Katherine Waterston) auf, und er hat einen neuen Fall: er soll ihren Liebhaber, den Immobilienhai Mickey Wolfmann (Eric Roberts) retten, den dessen Frau Sloane (Serena Scott Thomas) und deren Lover Riggs Warbling (Andrew Simpson) in eine psychiatrische Anstalt stecken wollen. Doch kaum hat Sportello erste Nachforschungen anstellt, überschlagen sich die Ereignisse – Shasta wie auch Wolfmann sind plötzlich verschwunden, sein Freundfeind, der Cop Christian „Bigfoot“ Bjornsen (Josh Brolin), tritt ihm die Tür ein, und dann wird Sportelle auch noch in der Wüste niedergeschlagen. Soweit alles klar? Sportello jedenfalls nicht. Aber das hält ihn nicht davon ab, sich von da an noch mehr in den Fall zu hängen.

„Boogie Nights“, „Magnolia“, „Punch-Drunk Love“, „There Will Be Blood“,„The Master“ – Paul Thomas Anderson macht sehr unterschiedliche aber ohne Frage brillant Filme. Doch mit ihrer Makellosigkeit geht auch eine gewisse Kälte einher, die es mir schwer macht, sie richtig zu mögen – von großer Liebe ganz zu schweigen. Das gilt auch für die Thomas-Pynchon-Verfilmung „Inherent Vice“. In dieser somnambul-dämmrigen Krimi-Face, zeigt Anderson weitere Facetten seines Könnens, aber auch diesmal bin ich nicht so richtig war mit dem Film geworden. Anderson ist der Erste, der sich an eine Verfilmung eines Romans des geheimnisvollen Thomas Pynchon gewagt hat, und man könnte sagen – hier haben sich zwei gefunden, denn beide Künstler sind in ihrem Schaffen überaus eigensinnig. Das kommt „Inherent Vice“ doppelt zu gute. Auf der inhaltlichen Ebene fordert der skurrile Zeitgeist-Krimi-Plot heraus, die Inszenierung von Anderson schafft es aber irgendwie einen ästhetischen Sinn über diesen „Unsinn“ zu legen, so dass es der Geschichte möglich wird, auch als Film zu funktionieren. Und auch wenn es, wie gesagt, die große Liebe zwischen mir und dem Film nicht geworden ist, habe ich es trotzdem irgendwie genossen habe, mit Doc Sportello durch diese Geschichte zu gleiten. Den Faden hatte ich recht schnell verloren, glaube ich jedenfalls, vielleicht auch nicht, egal, jedenfalls, „Big Lebowski“ trifft hier „China Town“ und „Der Tod kennt keine Wiederkehr“. Und dann ist da natürlich noch viel Anderson-Eigenes, die Kälte und Distanz, die den Film irgendwie unnahbar macht und einen außen, ihn aber auch zu dem macht, was er ist, einen weiteren verdammt starken Film von Paul Thomas Anderson nämlich: kryptisch, kühl und clever. Und auf seine sehr spezielle lethargische Art und Weise brüllend komisch.

© Warner Bros.

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