Kino 2013: Meine Top 10

Posted by – 19. Dezember 2013

Knapp 100 Filme habe ich dieses Jahr im Kino gesehen. 100 Filme – das heißt natürlich auch, dass ich die große Mehrheit der Kinostarts verpasst habe. Gern gesehen hätte ich z.B. noch „La Vie d’Adéle“, „Captain Phillips“, „Prisoners“, „The Bling Ring“, „Finsterworld“, „Blue Jasmin“, „Die andere Heimat“… Aber da habe ich wenigstens schon mal was, auf das ich mich 2014 freuen kann. So, aber jetzt zu den Top 10 dieses Jahres. Folgende Filme haben mir am besten gefallen:

Rust And Bone (Jacques Audiard, Frankreich / Belgien 2013)

Vor drei Jahren hat Jacques Audiard mit „A Prophet“ (OT: Un prophète) meine Jahresliste angeführt. Jetzt steht er ein weiteres Mal auf dem Siegertreppchen. Dabei kann ich nicht einmal genau sagen, um was für eine Art Film es sich bei „Rust And Bone“ (OT: De rouille et d’os) handelt. Ein Liebesfilm? Ein Sozialdrama? Es geht um die Beziehung zweier Menschen, die das Schicksal an den Rand der Gesellschaft getrieben hat. Ein Problemfilm ist  „Rust And Bone“ trotzdem nicht – schon deswegen, weil Audiard Probleme zur Selbstverständlichkeit macht und sie so in die Normalität holt. „Rust And Bone“ überrascht, unterläuft die Erwartungen, ist schön und hässlich, brüllend laut und hingehaucht leise, ist so zart und gewaltig, dass es weh tut.

The Hunt (Thomas Vinterberg, Dänemark / Schweden 2012)

Thomas Vinterbergs „Das Fest“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Die darauf folgenden Filme haben mir dann aber nicht mehr so gefallen. Mit „Die Jagd“ (OT: Jagten) hat  er nun doch noch einmal einen Film gemacht, der mich gefesselt und nicht wenig verstört hat. Analytisch zeichnet Vinterberg die auf einen vermeintlichen Fall von Kindesmissbrauch folgende Kausalkette nach und legt dabei offen, wie aus besten Absichten Böses entsteht.

The Hunger Games: Catching Fire (Francis Lawrence, USA 2013)

Die Demütigungsmaschine des Capitols kommt erst im zweiten Teil der „Hunger Games“ so richtig auf Touren. Die Fortsetzung steht dem ersten Film in nichts nach, sondern treibt die todtraurige Geschichte in der grausamen Welt von Panem unbarmherzig voran. In der diesjährigen Blockbuster-Saison ist „The Hunger Games: Catching Fire“ mit Sicherheit der relevanteste Film. Panem et circenses – das hat im alten Rom funktioniert, das funktioniert im Film. Und vielleicht funktioniert das auch in der Jetztzeit gar nicht schlecht. Ein Blick auf aktuelle Reality-Formate legt diesen Schluss jedenfalls nahe. (Mehr dazu)

Oz: The Great And Powerful (Sam Raimi, USA 2013)

Eine Ode an die Schaffenskraft, die aber vor allem erst einmal zeigt, dass hinter jeder Illusion eine ganze Menge Arbeit steckt. Die eigentliche Pointe an Raimis Film ist allerdings noch eine andere: „Oz: The Great And Powerful“ ist ein Meisterstück über das Thema Täuschung. Nicht nur, dass alle Figuren sich gegenseitig belügen: Raimi führt auch den Walt-Disney-Konzern mit diesem trojanischen Pferd an der Nase herum und dazu das Publikum gleich mit. (Mehr dazu)

Stoker (Chan-wook Park, USA, UK 2013)

Mit seinem Hollywood-Einstand liefert Chan-wook Park nicht nur eine tiefe Verbeugung vor Hitchcocks „Shadow Of A Doubt“ ab, für mich ist ihm mit „Stoker“ auch gleich der beste Film seiner Karriere gelungen: Mia Wasikowska und Matthew Goode liefern sich in diesem fiebrigen Thriller ein Psychoduell sondergleichen. Es gibt bestimmt tiefsinnigere Filme in meiner Liste. Aber nur wenige, die mich so verzaubert haben wie Parks „Stoker“. Die Szene des Jahres: Das Klavierduett zwischen India und ihrem Onkel.

Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow, USA 2012)

Kathryn Bigelow ist mit Zero Dark Thirty ein sehr spannender, vielschichtiger Film gelungen, aber auch einer, der es dem Zuschauer nicht ganz leicht macht: Ähnlich wie David Finchers „Zodiac“ ist auch Bigelows Film ein Recherchethriller, der sich über viele Jahre erstreckt und dabei eher die Struktur der Suche und des zugrunde liegenden Konflikts analysiert, als auf konkrete Charaktere abhebt. Trotzdem: Es ist faszinierend anzusehen, wie es Bigelow gelingt, das große Ganze am Detail deutlich zu machen und dadurch die Mechanismen eines fast schon archetypischen Konflikts freizulegen. (Mehr dazu)

Gravity (Alfonso Cuarón, USA 2013)­­

Auf den ersten Blick wirkt „Gravity“ wie ein klassischer Katastrophenfilm, ein Weltraum-Abenteuer vor dem Hintergrund einer Havarie in der Umlaufbahn der Erde. Beim genaueren Hinsehen geht es aber vor allem um die Anziehungskräfte zwischen Menschen – Liebe, Freundschaft, Vertrauen –, die hier den Unterschied machen zwischen Objekt und Subjekt, Leben und Tod. Und die schlussendlich verhindern, dass wir in der Dunkelheit des Weltraums einfach verschwinden.  Ein großes, wichtiges und existenzielles Kinoerlebnis! (Mehr dazu)

Before Midnight (Richard Linklater, USA / Griechenland 2013 )

Nach „Before Sunrise“ (1995) und „Before Sunset“ (2004) ist „Before Midnight“ der dritte Teil von Richard Linklaters dialoglastiger Romanze um das Pärchen Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy). Die beiden sind mittlerweile verheiratet und leben zusammen mit ihren beiden Töchtern in Paris. Während ihres Sommerurlaubs in Griechenland kommt es zwischen ihnen zu einer langen Diskussion um ihre gemeinsame und berufliche Zukunft – die in einem heftigen Streit mündet. Formal ist „Before Midnight“ den beiden anderen Teilen sehr ähnlich. Was den dritten Teil allerdings von den Vorgängern unterscheidet, ist die Fallhöhe, die beide Protagonisten mittlerweile haben. Es ist kein Urlaubsflirt, und die beiden haben nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Leben, sondern auch für das ihrer Kinder. Ihr Scheitern würde gleichzeitig eine Katastrophe für andere bedeuten. Für mich der düsterste, aber auch beste Film der Reihe.

The Act Of Killing (Joshua Oppenheimer, Dänemark / Norwegen / Großbritannien 2012)

Wie kann man einen Film ertragen, in dem sich Kriegsverbrecher, die in den 1960er Jahren für Massenmorde in Indonesien verantwortlich waren, ihrer Taten rühmen, mit stolzgeschwellter Brust und einem Lächeln im Gesicht erzählen, wie sie andere Menschen gefoltert und zu Tausenden umgebracht haben – und die dann sogar beginnen, ihre Verbrechen für Joshua Oppenheimers Dokumentarfilm nachzustellen? Eine Antwort auf diese Frage habe ich nicht. Aber ich glaube, dass man sich diesen Film ansehen und es zu ertragen versuchen sollte. Alles andere wäre Verdrängen.

White House Down (Roland Emmerich, USA 2013)

Bis vor kurzem befand sich an diesem Platz noch Roman Polanskis „Venus In Fur“. Ohne Frage auch ein toller Film. Aber von Polanski erwarte ich auch Großes, von anderen hingegen nicht. Insofern widme ich den zehnten Platz auf dem Treppchen meinem persönlichen Shooting-Star des Jahres: Roland Emmerich. In „White House Down“ legt der Mann aus Sindelfingen zwar nur das Weiße Haus in Schutt und Asche, nimmt damit aber gekonnt das Herz der Vereinigten Staaten ins Visier. Das Ergebnis: sein bester Film überhaupt. „White House Down“ ist spannend, explosiv, komisch – und hat eine gehörigen Portion Chuzpe. (Mehr dazu)

Für alle, die lieber hören als lesen: Hier unterhalte ich mich mit Patrick und Michael über unsere Jahres-Top-10.

4 Comments on Kino 2013: Meine Top 10

  1. sebastian sagt:

    Du hast wie immer eine Liste, die ich persönlich sonderbar bis konfus finde. Es ist bei dir immer wie das Rätsel “Welche(r) Film(e) passen/passt nicht in die Reihe?
    Die Hälfte der Filme kann ich aber so unterschreiben. Die Spitze deiner Liste reißt es einfach raus.

    • 3jH sagt:

      Ich mag alle Filme der Liste, die ich, wie du dir vorstellen kannst, selbst nicht konfus finde, sehr gerne. Und es hätte noch ein paar gegeben, die einen Platz auf ihr verdient hätten – wie z.B. der tolle The Broken Circle Breakdown! Oder Frances Ha. Oder oder. Aber in diesem Jahr habe ich – tatsächlich mehr noch als sonst – das Gefühl, dass ich ein paar für mich relevante Sachen verpasst habe. Die Liste hätte wahrscheinlich auch ganz anders aussehen können.

  2. Wir haben beide schon festgestellt, dass wir einige Überschneidungen haben, wie zB “Rust & Bone”, “Stoker”, “Zero Dark Thirty”, “Gravity” und “Before Midnight”. All diese 5 Filme sind auch in meiner Filmliste wiederzufinden. “Oz” und “The Act of Killing” habe ich noch nicht gesehen und “Catching Fire” mochte ich gerne, schafft es aber nicht auf die Top 10 Liste, ist eher auf der Guilty-Pleasure-Liste (mit “Star Trek Into Darkness” und “The Hobbit 2″). Sind bei mir Filme, die mir unheimlich viel Spaß gemacht haben. Mich überrascht ja “White House Down” bei dir, aber du wirst schon deine Gründe gehabt haben. :-)

    Und von den oben in deiner Einleitung erwähnten Filmen, die du noch nicht gesehen hast, habe ich „La Vie d’Adéle“, „Captain Phillips“, „The Bling Ring“ und „Blue Jasmine“ gesehen, wobei es nur einer in die Top 10 schaffte.

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