Kino 2011: Meine Top 10

Posted by – 22. März 2012

Seit 2005 führe ich Listen über meine Kinobesuche und versuche mich am Ende des Jahres zu entscheiden, welche 10 Filme mir am besten gefallen haben. Leider sind die meisten Listen mit der unangekündigten Auflösung des Filmstarts-Forums im digitalen Nirwana verschwunden. Nur die von 2011 konnte gerettet – und soll hier aus archivarischen Gründen verewigt werden. Filme ungefähr in Reihenfolge des Gefallens.

Melancholia (Lars von Trier, Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland 2011)

Lars von Trier lässt die Welt untergehen wie noch keiner die Welt untergehen lassen hat. In „Melancholia“ verbinden sich die Experimentierfreunde des Dänen mit hohem ästhetischen und inhaltlichem Anspruch und exzellentem Schauspiel. Ich habe Kirsten Dunst noch nicht so gut gesehen. Gänsehaut. Und auch Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, Alexander und Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling und viele mehr spielen als ginge es wirklich um ihr Leben. Etliche Szenen lassen mich einfach nicht mehr los. Dass Beste an „Melancholia“ ist allerdings, dass man ihn sowohl als Drama über das Ende der Erde sehen kann, als auch dieses Ende als Metapher für die von der Hauptfigur durchlebten Depression sehen kann. Film des Jahres. Ohne Frage.

Super (James Gunn, USA 2010)

Ich habe „Super“ auf dem Fantasy Filmfest 2011 gesehen und war sprachlos. So einen mächtigen Film hätte ich von James Gunn nicht erwartet. Ich mag „Slither“, mir gefallen seine „PG-Porn“-Sachen und ich schmunzle ab und zu über seine Nachrichten auf Twitter. Aber „Super“ stellt mal all das in den Schatten und beweist, dass Gunn ein bemerkenswerter Filmemacher ist, hinter dessen albernem Auftreten ein kluger Kopf steckt, der bösen Witz mit sensiblem Ernst verbinden kann. „Super“ ist jedenfalls super.

Perfect Sense (David Mackenzie, UK, Schweden, Dänemark, Irland 2011)

Ein ein Film über die Liebe, einer, der sie in höchsten Tönen besingt, ja, ihr ein Mahnmal schafft – das Bildnis zweier Menschen, in eine Umarmung versunken –und dabei unglaublich traurig ist, so dass man mit dem Weinen gar nicht mehr aufhören mag. Vielleicht ein wenig auch aus Freude, schließlich ist David Mackenzies sechster Film ein ganz toller, einer, der trotz aller Tristesse doch etwas Hoffnung spendet. Denn vielleicht gibt es ihn ja wirklich, den perfekten Sinn?

Source Code (Duncan Jones, USA 2011)

Direkt nach dem Sehen kam mir „Source Code“ vor wie eine Mischung aus Jones’ erstem Film „Moon“, „Twelve Monkeys“ und einer explosiven Variante von „Groundhog Day“. Keine Ahnung ob diese Vergleiche weiterhelfen. Soviel ist sicher: „Source Code“ ist exzellente Science Fiction, die durch die gekonnt umgesetzte, visionären Grundidee besticht. Diese offenbart sich allerdings nicht auf den ersten Blick, sondern will gefunden werden.

Black Swan (Darren Aronofsky, USA 2010)

Für mich der beste Film von Darren Aronofsky: dicht, bild- und tongewaltig, unheimlich – und möglicherweise so nah dran an der Wirklichkeit manch geschundener Ballerina, dass man gleich doppelt Gänsehaut bekommen kann.

Das rote Zimmer (Rudolf Thome, Deutschland 2011)

Mein erster Film von Rudolf Thome war gleich eine kleine Offenbarung. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt weder etwas von dieser Art Liebesfilm, noch etwas davon, dass man Geschichten so leichtfüßig, beschwingt und trotzdem auch spannend erzählen kann.

Schlafkrankheit (Ulrich Köhler, Deutschland 2011) 

War mein Highlight auf der Berlinale 2011. Erst schön erdig, aber dann lässt Köhler seinen Film unvermittelt so richtig schön wegdriften. Am Ende steht ein Nilpferd. Und das muss da auch stehen!

Über uns das All (Jan Schomburg, Deutschland 2011)

Eigentlich erzählt Jan Schomburg in „Über uns das All“ eine sehr konkrete Geschichte: Eine Frau verliert ihren Mann. Und doch ist sein Film einer voller Leerstellen, Unschärfen & -tiefen, Geheimnisse und damit ein faszinierender Trip in den Möglichkeitsraum, der sich unsichtbar neben unserer Alltagswelt gefindet. Ein weiteres Argument für den Film: Die wie immer wundervolle Sandra Hüller. Längeren Text von mir zum Film gibt es hier.

Thor (Kenneth Branagh, USA 2011)

Ein wenig wundert mich ja schon, dass „Thor“ einen Platz in meinen Top 10 ergattert hat, aber so sagen es die Aufzeichnungen. Vielleicht hat sich schon 2011 eine gewisse Superhelden-Müdigkeit bei mir eingestellt, so dass der quietschbunte aber trotzdem mit dem nötigen Gespür für Drama ausgestattete Film einfach herausstach. Naja, schlecht ist er nicht.

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