Long Weekend (Jamie Blanks, Australien 2008)

Posted by – 10. Januar 2016

Long WeekendWir trampeln auf ihr herum, hinterlassen überall unseren Müll, nehmen ihr die Luft zum Atmen, vergiften ihr Blut und töten gedankenlos ihre Kinder. Doch in unbeobachteten Momenten schlägt sie zurück. Die Rede ist von der Natur, die in Jamie Blanks Ökothriller „Long Weekend“ aufbegehrt. Dass man diese lieber nicht zum Feind haben möchte, muss ein Pärchen am eigenen Leib erfahren, als es im australischen Outback Urlaub macht.

Peter (James Caviezel) und seine Frau Carla (Claudia Karvan) planen Camping-Wochenende an einem verlassenen Ort an der australischen Küste. Der Urlaub dient allerdings nicht nur der Erholung. Das Paar hofft auch, so ihre Ehekrise in de Griff zu bekommen. Doch schon auf dem Weg in die Wildnis schleichen sich Misstöne in die Gruppe ein: Nicht nur, dass Peter aus Unachtsamkeit ein Känguruh überfährt, auch was die Richtigkeit der Route betrifft, machen sich Zweifel breit. Und auch, als Peter und Carla schließlich den Strand erreichen, bleibt die Unsicherheit, ob sie wirklich den beabsichtigten Ort gefunden haben.

„Long Weekend“ ist eine sehr ausbalancierte Mischung aus Ehedrama, Ökohorror und Psychoterror. Regisseur Jamie Blanks hat gut daran getan, Film von Colin Eggleston aus dem Jahr 1978 noch einmal neu aufzuleben, schließlich ist das Thema aktueller denn je. Dank des nuancierten Spiels von James Caviezel und Claudia Karvan und der –für einen Genrefilm – subtilen Regie wird das wahre Thema des Films bis zum Schluss in der Schwebe gehalten. Zwar erhält der Zuschauer immer wieder Hinweise auf das Fehlverhalten von Carla und vor allem Peter, wodurch ein Rachefeldzug von Mutter Gaia gegen die menschlichen Eindringlinge suggiert wird, doch letztlich bleibt offen, ob ob es nun die Natur ist, die den beiden ans Leder will, oder ob sich die beiden selbst zugrunde richten. Betrachtet man den Menschen als Teil der Natur, unterscheiden sich die beide Lesarten möglicherweise nicht einmal groß von einander.

Es sind weniger explizite Szenen, sondern vielmehr die Momente unterschwelliger Bedrohung, aus denen der Film seine Spannung zieht. Blanks lässt sich nicht dazu hinreißen, dem Horror ein Gesicht zu geben, und gerade auf diesem Weg wird ein starkes Gefühl des Unbehagens erzeugt. Für den Splatter-Fan ist „Long Weekend“ dementsprechend nix. Dafür  bietet der Film nicht genug unfreiwillig abgegebene Körperflüssigkeit. Doch alle Freunden der gepflegten Gänsehaut, möchte ich dieses Remake gerne ans Herz legen. Vom (ebenfalls gruseligen) Cover-Text – „Der ultimative Thriller von Regisseur von Düstere Legenden“ – sollte sich niemand abschrecken lassen.

Bild © Tiberius Film

3 Comments on Long Weekend (Jamie Blanks, Australien 2008)

  1. CDW sagt:

    „Catweazle“ und nuancierte Spiel? Ich weiß nicht, er hat doch nur einen Gesichtsausdruck.
    Die alten australischen Ökothriller mochte ich, so auch diesen.
    Dieses Remake ist okay, aber auch unbedeutend und unnötig und hat im Gegensatz zum Original zu Recht kaum Beachtung gefunden. Aber zugegeben, wir sind seinerzeit trotz später Stunde nicht im Kino eingeschlafen.

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