Mad Max 2: The Road Warrior (George Miller, Australien 1981)

Posted by – 4. Juni 2015

Apokalypse – das ist, wenn die Welt untergeht. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Enthüllung“, „Entschleierung“. Gemeint ist damit der tatsächliche Welt-Untergang, das Ende der Geschichte und – wie manche glauben – das Reich Gottes. In George Millers „Mad Max“-Fortsetzung liegt das Ende schon hinter uns. Wer denkt, schlimmer als die Vernichtung der Zivilisation könnte es den Menschen nicht treffen, sieht sich durch „Mad Max 2: The Road Warrior“ eines besseren belehrt. Vom Paradies jedenfalls keine Spur.

In einem postapokalyptischen Ödland streiten sich die letzten Überlebenden um die verbliebenen Ressourcen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Die geänderten Umstände haben auch den Menschen geändert, der Wahnsinn steht den meisten ins Gesicht geschrieben. Und in ihrer Garderobe äußert er sich auch. Der Ex-Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) ist einer der wenigen, die das Pech haben, zu stark zu sein, um zu sterben. Ziellos düst der Einzelgänger mit seinem aufgemotzten Ford Interceptor durch die kargen Weiten Australiens. Er wurde einst verlassen, jetzt verlässt er sich auf niemanden mehr. Das einzige Lebewesen, das er in seiner Nähe duldet, ist ein Hund, der ihn auf seinem Weg begleitet. Alle anderen weißt er schroff von sich. Doch es ist klar – ewig kann man alleine nicht zu recht kommen. Als er eine Gruppe von Menschen trifft, die über größere Benzinvorräte verfügen, aus diesem Grund von einer Horde Outlaws unter der Führung des brutalen Humungus (Kjell Nilsson) bedroht werden, sieht er sich gezwungen, zu kooperieren.

Was folgt, ist ein bizarrer, fiebriger Action-Trip, in dem sich eine markante Szene an die nächste reiht, wobei die Teile aber mehr ergeben als endzeitliches Stückwerk. Wie schon der Vorgänger ist „Mad Max 2: The Road Warrior“ weniger Geschichte als ein Gefühl. Und zwar kein Schönes! Wenn man sich als Sci-Fi-, Endzeit- und Action-Fan natürlich auch ordentlich freuen darf, ist der Film hinter aller cineastischen Energie von Nihilismus und einer diffusen Traurigkeit geprägt. Meine Lieblingsszene kommt gleich am Anfang: Max hat den Straßenkampf gegen ein paar Rowdys gewonnen und darf nun die Belohnung einheimsen: Ein liegengebliebenes Fahrzeug hat noch etwas Benzin im Tank: Während Max misstrauisch die Straße im Blick behält und mit ein paar Schüsseln das herauslaufende Benzin auffängt, sieht der Zuschauer wie sich der Treibstoff mit dem Blut des Fahrzeuginsassen mischt. Eindrucksvoller als durch dieses Bild kann man das Thema von „Mad Max 2: The Road Warrior“ nicht zum Ausdruck bringen. Die Lebensenergie der Motoren ist zur Lebensenergie des Menschen geworden. Aber wenn Sprit alles ist, worum es geht, dann ist klar, dass etwas auf der Strecke bleibt.

Große Katastrophen beinhalten, auch wenn das zynisch klingen mag, immer die Chance auf einen Wandel. Nicht in diesem Fall. Die Menschen hier konnten die Vergangenheit nicht loslassen und klammern sich immer noch an das schwarze Gold, das sie in Bewegung hält, aber eigentlich Stillstand bedeutet. Damit geht es im Vorgänger wie in der Fortsetzung ums Scheitern – das der Zivilisation wie das des Protagonisten. Während im ersten Teil Max‘ fader Sieg gegen die Mörder seiner Familie eigentlich eine Niederlage war, ist hier sein Scheitern in gewisser Weise ein Erfolg. Max, ein Messias wider Willen, ist für uns gescheitert, aber nicht für unsere Erlösung und unser Seelenheil, sondern damit wir weiter sündigen können. Nach der Entschleierung und dem Ende der Geschichte beginnt nicht hier das Reich Gottes, sondern ein endloses, leeres Jammertal.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins.

2 Comments on Mad Max 2: The Road Warrior (George Miller, Australien 1981)

  1. […] konnte wie die beiden Vorgänger. Kurzweilig ist freilich auch er. Doch was gibt es nach „Mad Max 2: The Road Warrior“ eigentlich noch zu erzählen? Jedenfalls konnte es nicht weiter bergab gehen, deswegen musste […]

  2. […] Ich versuche mich kurz zu fassen, nur einen Gedanken zum Film in Kontext der drei Vorgänger (1, 2 & 3)  möchte ich hier zur Diskussion […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.