Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Posted by – 14. Juni 2015

mad max 4Die himmelhoch jauchzenden Hymnen zu diesem geisteskranken Wunderwerk sind alle schon gesungen. Ich reihe mich da mitsummend einfach mal ein und gestehe, dass auch ich von diesem Wahnsinn überwältigt wurde und immer noch bin, ja – seit dem Kinobesuch, der nun schon wieder etwas zurück liegt, denke ich eigentlich beinahe täglich daran, wann ich „Mad Max: Fury Road“ endlich noch einmal sehen kann.

Zum Film: Ich versuche mich kurz zu fassen, nur einen Gedanken zum Film in Kontext der drei Vorgänger (1, 2 & 3)  möchte ich hier zur Diskussion stellen.

Was an dieser späten Fortsetzung besonders ins Auge sticht: Max (Tom Hardy) kommt diesmal über weite Stecken eine besonders passive Rolle zu. Gleich zu Beginn wird er von Immortan Joes (Hugh Keays-Byrne) Waterboys gefangen genommen und dient im ersten Filmdrittel zunächst als Blutreserve; danach ist sein Kopf für längere Zeit in einem eisernen Gesichtskäfig gefangen. Überhaupt ist es nicht Max, der hier die Richtung der Handlung bestimmt, sondern Imperator Furiosa (Charlize Theron), die mit ein paar Sklavinnen vor Joe und seinen Schergen ausbüxt. Dass die Männer in dem hier skizzierten patriarchalen Gesellschaftssystem nicht gut wegkommen, war dann gleich Anlass für lächerliche Kritik seitens eines Grüppchens von „Männerrechtlern“, die zum Boykott des Films aufriefen. Die Kritik, die auf der einen Seite nicht gerade von besonderer Cleverness zeugt, deutet noch einmal auf der anderen Seite auf den bereits erwähnten Aspekt hin, der an „Mad Max: Fury Road“ tatsächlich auffällig ist: Die Absenz seines Helden. Die „gefühlte Nebensächlichkeit“ der Hauptfigur ist zwar bereits seit dem ersten Teil ein bekanntes (wenn auch wenig diskutiertes) Phänomen, aber im aktuellen Teil ist Max eine derart zentrale Randfigur von solcher augenfälliger Unscheinbarkeit, dass man hierüber vielleicht doch einmal kurz nachdenken und auch die Vorgänger im Lichte der wohl möglich gewonnenen Erkenntnis neu betrachten sollte.

Denn Individuen spielen in Millers Filmen kaum eine Rolle. Der ehemalige Unfallarzt interessiert sich offensichtlich für Kollisionen, Explosionen und Destruktion bewegter Körper, aber auch diese – so scheint es mir nach Sichtung der vier Teile – sind wahrscheinlich stellvertretend für etwas ganz anderes gedacht, nämlich den Konflikt und Zusammenprall von unterschiedlichen Denkrichtungen und Gesellschaftssystemen. Die „Mad Max“-Reihe wäre insofern natürlich dem Actiongenre zuzuordnen, aber es ist „soziologische Action“, nicht psychologische. Es geht nicht darum, dass ein Held, ein Individuum, irgendwelche famosen Dinge vollbringt, sondern darum wie sich die Gesellschaft nach der Apokalypse neu formt. Rückblickend finde ich es interessant, wie sich jeder der Teile mit Themen, die uns in den letzten 30 Jahren umgetrieben haben – von den „Grenzen des Wachstum“ über den „Clash Of Cultures“ bis hin zum „Krieg der Geschlechter“ – auseinandersetzt. Dass Max als Person hierbei keine besondere Rolle spielen kann, versteht sich von selbst. Als Funktion ist er allerdings zentral. Denn seine Madness als ein „Verrückt-Sein“, ist keine individuelle Eigenschaft. Es der von ihm (für den Zuschauer) eingenommene Blickwinkel von außen auf die Systeme, die Miller für uns in den vier wunderbaren Filmen so eindrucksvoll gegen die Wand rasen lässt.

© Warner Bros.

1 Comment on Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

  1. […] dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum […]

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