Maze Runner (Wes Ball, USA, Kanada, UK 2014)

Posted by – 17. Februar 2015

maze runnerHier noch ein paar Nachzügler-Worte zu „Maze Runner“, den ich kurz vor Weihnachten gesehen habe. Unterm Tannenbaum lagen dann die Bücher der Jugendromanreihe von James Dashner, und ich wollte zumindest den ersten Teil der Trilogie gelesen haben, bevor ich etwas zur Verfilmung des ersten aufschreibe. Buch fertig, es kann losgehen. Ich starte mit der Feststellung, dass mir der Film, was eher selten der Fall ist, ein gutes Stück besser gefallen hat als das Buch. Das empfand ich als mäßig geschrieben und unangenehm in die Länge gezogen. Der Film hingegen wirft den Zuschauer direkt in die Geschichte, der wie der Protagonist zuerst überhaupt nicht weiß, was vor sich geht.

Wir erwachen im Film mit Thomas (Dylan O’Brien), der anfangs weder seinen Namen weiß, noch wie er auf die von hohen Mauern umzogene Lichtung zu den anderen jungen Männer kommt. Das sind z.B. ihr Anführer Alby (Aml Ameen), sein Stellvertreter Newt (Thomas Sangster), der gutherzige Chuck (Blake Cooper) und der aggressive Gally (Will Poulter). Alle 30 Tage, erklären sie ihm, wird ein neuer Junge auf die Lichtung gebracht. Dort leben sie, dort arbeiten sie, von dort aus erforschen sie das riesige Labyrinth jenseits der Mauern. Doch mit Thomas, das ahnt anfangs noch niemand, wird sich alles ändern.

Zumindest in der ersten Hälfte sitzen die Daumenschrauben. Man weiß nie mehr als Thomas. Mit ihm lernen wir seinen neuen Lebensraum bei den Lichtern (so nennen sich die Jungs auf der Lichtung) kennen. Sowohl die soziale Struktur, die sich hier gebildet hat, ist interessant, das Machtgefüge, als auch die die Spezialisierung auf verschiedene Arbeitsbereiche je nach Fähigkeit, dann die jugendkulturellen und quasi-religiösen Erscheinungsformen, die wir Stück für Stück besser kennenlernen, ohne dass irgendwas zu Tode erklärt wird. Eine mindestens ebenso große Anziehungskraft auf Thomas wie auch den Zuschauer übt natürlich das Labyrinth aus, von dem wir anfangs nur seine riesigen Mauern sehen. Schon von außen löst der Anblick eine Gänsehaut aus, die sich nach den ersten neugierig-schüchternen Blicken des Protagonisten ins Innere noch verstärkt. Die Angst, was sich wohl in ihm befindet, geschürt durch Erzählungen der anderen Jungen, ist beinahe größer, so lange alles noch im Dunkeln liegt. Mit jedem Flashback, der Thomas ein Stück seiner Vergangenheit enthüllt und jeder neuen Erkenntnis über die Gesetzmäßigkeiten des Labyrinths, vor allem aber mit immer häufigeren Auftauchen der „Griewer“ genannten Wesen, die zuerst nur im Labyrinth, im weiteren Verlauf der Handlung aber auch außerhalb ihr Unwesen treiben, hat bei mir der Schrecken und ein Stück weit auch die Faszination an der Geschichte nachgelassen.

„Maze Runner“ ist anfangs noch ein großes Geheimnis, wandelt sich aber immer mehr zu einer vereinfachten Version von „Lord Of The Flies“ und einer entschärften von „Cube“, was bereits andeutet, dass beide Vorbilder nicht erreicht werden. Und auch wenn der Film den Zuschauer von einem halb gelösten direkt ins nächste Rätsel entlässt, sind zumindest am Ende bei mir erste Zweifel gesät, ob die impliziten Versprechen an alle Freunde des phantastischen Films in den nächsten Teilen tatsächlich eingelöst werden. Man wird sehen.

Bild © Fox Deutschland

7 Comments on Maze Runner (Wes Ball, USA, Kanada, UK 2014)

  1. bullion sagt:

    Ich habe gerade den zweiten Teil der Vorlage beendet. Soviel kann ich verraten: Die Rätsel gehen weiter, doch auch das Versprechen einer Auflösung bleibt bestehen. Ich hatte meinen Spaß und freue mich somit auf die Verfilmung, die ich noch nicht gesehen habe.

    • 3jH sagt:

      Bin gespannt, wie du den Film findest. Hatte ihn vor dem Lesen gesehen. Mir hat er wie geschrieben besser gefallen, bei Buch habe ich mich irgendwie künstlich ausgebremst gefühlt. Werde aber auch die Tage den zweiten Roman anfangen, will ja schon wissen wie’s weitergeht.

  2. Sebasrian sagt:

    Habe erst den Film gesehen, den ich fürchterlich fand, dann wollte ich aber doch wissen, wie es weiter geht, habe das zweite Buch gelesen, das totaler Mist ist und kämpfe mich nun durch den dritten, um das Thema nun abzuharken. Dann muss ich die Filme wenigstens nicht schauen.

    • 3jH sagt:

      Fürchterlich fand ich zum Glück beides nicht, wobei das Buch meine Geduld manchmal schon arg strapaziert hat. Und ein wenig möchte ich nun natürlich auch wissen, wie’s weitergeht, wobei ich beim zweiten nun zuerst das Buch lesen und dann den Film sehen werden. Zumindest ist das der Plan.

      Sebasrian?

  3. Sebastian sagt:

    Das ist mein Alter Ego für die Momente, wenn ich nicht nur einen Film, sondern auch ein Buch doof finde.

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