Messiah Of Evil (Willard Huyck, Gloria Katz, USA 1973)

Posted by – 2. Mai 2016

Messiah Of Evil„Ein wenig seltsam ist es schon“, erinnere ich mich, diesen Text vor zwei Wochen schon einmal begonnen zu haben, „dass ich von „Messiah Of Evil“ zuvor noch nie etwas gehört habe“. Eigentlich hatte ihn, diesen Text, nämlich schon zu Dreiviertel fertig, aber dann ist er mir leider irgendwie verloren gegangen. Ich vermute technisches Versagen. Meine Lust, das Geschriebene zu rekonstruieren, hält sich in Grenzen. Aber der Film von Willard Huyck & Gloria Katz ist so gut, dass ich ihn auch nicht kompletten auslassen kann und zumindest ein paar Sätze tippen muss. Denn er enthält derart markante Szenen, dass es für Freunde des Phantastischen Films eigentlich undenkbar ist, wenn schon nicht den ganzen Film so noch nicht mal diese besagten Teile aus ihm zu kennen.

Der Inhalt ist schnell erzählt und ohnehin nicht das, was „Messiah Of Evil“ so besonders macht: Es geht um die junge Arletty (Marianna Hill), die auf der Suche nach ihrem Vater, einem Künstler, in das Küstenstädtchen Pointe Dune gerät. Das Haus ihres Vaters findet sie verlassen vor, dafür trifft sie im Dorf Thom, der sich für die örtliche Legende vom blutigen Mond interessiert, und seine beiden Begleiterinnen Laura (Anitra Ford) und Toni (Joy Bang). Die Dorfbewohner verhalten sich indes äußerst seltsam und scheinen mehr zu wissen, als sie zu verraten bereit sind.

Der Zuschauer ahnt zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig mehr, nämlich, dass die Dorfbewohner nicht nur seltsam, sondern durchaus gewaltbereit sind und, wie sich kurze Zeit später herausstellt, eine Vorliebe für rohes Fleisch haben. Die erste Szene, in der das ganz deutlich wird, ist gleich eines der Highlights des Films. Laura ist genervt von ihrer Gesellschaft und zudem ein wenig eifersüchtig auf Thom, der heftig Arletty umgarnt. Daraufhin macht sie sich auf den Weg ins Dorf, wo sie einer Fußgängerin in den Supermarkt hinterhergeht. Was folgt, ist wohl einer der besten in einem Einkaufstempel spielenden Momente, die es überhaupt gibt. Auch dem Kino wird im weiteren Verlauf noch eine längere Sequenz gewidmet (diesmal macht Toni Bekanntschaft mit den Dorfbewohnern), von deren Existenz nichts gewusst zu haben, für mich rückblickend irgendwie bizarr anmutet.

Doch „Messiah Of Evil“ ist nicht nur ein Film mit einer Handvoll herausragender Szenen, er ist auch allumfassend atmosphärisch – ja er ist Atmosphäre; und wenn ich jetzt Argentos „Suspiria“ als Vergleich heranziehe, ist das sicherlich einerseits irreführend, andererseits auch wieder nicht. Wer sich Huycks & Katz’ Film weniger als zusammenhängende Geschichte, sondern mehr als stimmungsvolle Geisterbahnfahrt vorstellt, liegt gar nicht so falsch. Und wo wir gerade beim Vergleichen sind: Auch wenn die Ausstattung tatsächlich ein wenig an Argento erinnert (das Haus von Arlettys Vater ist ein Traum!!), hat mich der Film gleich in mehreren Momenten an John Carpenter erinnert; und auch wenn ich noch nichts derartiges gelesen habe, möchte ich wetten, dass Carpenter „Messiah Of Evil“ kannte und sich in Filmen wie „The Fog“ (das isolierte Küstenstädtchen) „Prince Of Darkness“ (die vor der Kirche lauernden Besessenen) oder „Mouth Of Madness“ (die Atmosphäre in der Stadt und der sich ausbreitende Wahnsinn) davon inspirieren ließ.

Viel mehr will ich in dieser Textrekonstruktion auch gar nicht sagen, höchstens noch einmal herausstellen, dass „Messiah Of Evil“ meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Film ist, den sich jeder Fan der Phantasik, sofern noch nicht geschehen, ganz dringend anschauen sollte. Ob er wirklich zu den großen, vergessenen Meisterwerken gehört oder ich einfach mal wieder keinen Plan hatte, dürft ihr mir gerne in die Kommentare schreiben.

Bild © Alive

3 Comments on Messiah Of Evil (Willard Huyck, Gloria Katz, USA 1973)

  1. […] – Und zum Abschluss noch einer meiner liebsten Filme: „Messias des Bösen“ aka „Blood Busters“., der meine Träume schon seit den späten 80ern durchpflügt, seit ich ihn in halbwachem Zustand im Dämmerlicht nach einer Silvester-Party sah. Yzordderrexxiii hat ihn jetzt auch für sich entdeckt. […]

  2. Arne sagt:

    Sehr schön. Das Prädikat Meisterwerk halte ich tatsächlich für etwas hoch gegriffen, aber einflussreich war der Film bestimmt, das kann ich mir auch kaum anders vorstellen. Und einige Eindrücke, wie das traumhafte Haus, oder die Szenen in Supermarkt und Kino, sind wirklich sehr einprägsam. Jedenfalls bin ich jetzt ein wenig stolz, dich auf diesen Film gebracht zu haben, dabei wusste ich nicht einmal, was uns erwartet 🙂

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