Oblivion (Joseph Kosinski, USA 2013)

Posted by – 17. April 2013

oblivionDie Erde wurde angegriffen. Die Menschheit hat gegen die Aliens gewonnen – doch  ihre Heimat liegt nun in Schutt und Asche. Während sich ein Großteil der überlebenden Menschheit auf den Weg zum Mond Titan gemacht hat, halten der Techniker Jack (Tom Cruise) und seine Frau Victoria (Andrea Riseborough) die Stellung auf der Erde. Sie überwachen den Abbau wertvoller Ressourcen,  halten die Maschinen in Gang und verteidigen diese gegen Plünderer. Dann fällt plötzlich eine Frau vom Himmel (Olga Kurylenko), die Jack aus seinen Träumen zu kennen glaubt…

Diebstahl von Ideen, Unoriginalität, Logiklöcher & Plotholes, Tom Cruise, Style Over Substance… – „Oblivion“ Joseph Kosinski hat sich schon so einiges vorwerfen lassen müssen. Hinzu kam noch die peinliche Sache mit der Graphic Novel, auf der die Story angeblich beruhte, bei der es sich dann aber doch nur um ein paar-seitiges Werbematerial handelte. Ich will jetzt gar nicht einzeln auf alle Punkte eingehen und auch nicht meine eigenen Kritikpunkte an den Film ausführen (die Action-Szene mit den drei Drohnen, Morgan Freeman). Ich möchte nur sagen, dass es mir manchmal recht willkürlich zu sein scheint, ob man das Werk eines Filmemachers als cleveres Zitatkino, liebevolle Hommage oder eben als Plagiat einstuft. In diesem Falle finde ich es jedenfalls nicht schlimm, dass Kosinski vor vielen Science-Fiction-Klassikern würdevoll seinen Hut zieht. Mir hat das Wiedererkennen der Vorlagen jedenfalls Spaß gemacht.

Im Zusammenhang mit dem „Das haben wir doch alles schon gesehen“-Vorwurf möchte ich auch noch meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass damit allem Anschein nach auch die Grundidee des Films gemeint ist. Meiner Meinung nach ist sie weder aus einem anderen Film „geklaut“ noch kann man ihr eine gewisse Cleverness absprechen. Jetzt muss ich mal spoilern: Es geht ja im Wesentlichen darum, dass sich außerirdische Invasoren der Menschen selbst bedienen, um die Erde zu erobern bzw. auszubeuten. Sie nutzen genau das, was sie beim Erstkontakt vorfinden: Ein Spaceshuttle und die darauf befindlichen Informationen – inklusive Besatzung. Sehr treffend lässt sich ein großer Teil des Films, verstärkt durch die kühlen, technisch-glatten Bilder, deswegen auch als Metapher der Entfremdung des Menschen von sich selbst interpretieren. Der Mensch wird als Instrument einer fremden Macht zu seinem eigenen Feind. Ohne es zu wissen. Schon dieser Teil des Plots ist meiner Meinung nach gute Science Fiction. Kosinski hebt seine Geschichte allerdings noch auf eine höhere Ebene. Denn: Warum merkt der Mensch eigentlich nicht, dass er manipuliert wird? Warum schöpft er keinen Verdacht? Ganz einfach: weil er vergisst.

Er vergisst und zwar alle fünf Jahre. Und hier kommen wir zum Titel – „Oblivion“. Im Film sind die Aliens dafür verantwortlich, weil sie ihre menschlichen Werkzeuge alle fünf Jahre einer Gedächtnislöschung unterziehen. So wird aufkeimender Verdacht im Keim erstickt. In der Zwischenzeit reicht eine gute Geschichte aus den Bestandteilen Mann, Frau, wichtiger Job, Zukunftsplan und Hoffnungen, um die Protagonisten auf Spur zu halten. Im Film sind es Aliens, die Menschen vergessen lassen, aber in Wirklichkeit vergisst die Menschheit auch ganz gut allein, oder? Und auf einmal ist „Oblivion“ nicht einfach nur gute Science Fiction, sondern ein tiefenpsychologischer Ökothriller und eine drastische Gesellschaftskritik, die man hinter den spiegelnden Oberflächen des Films nicht so leicht erkennt. Dort sieht man nur sein eigenes Gesicht.

Bild © Universal Pictures 
 

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