Onibaba (Kaneto Shindō, Japan 1964)

Posted by – 11. Oktober 2013

Onibaba#horrorctober – das heißt: Vom 1. bis zum 31. Oktober schaue ich mir 13 mir unbekannte Horrorfilme an. Mein erster Film, „Onibaba“ von Kaneto Shindō, war gleich einer, den ich ohne Zögern als Meisterwerk bezeichnen würde. Alle weiteren Filme, die ich in den nächsten 3 Wochen schauen werde, dürften es sehr schwer haben, mir ähnlich gut zu gefallen.

„Onibaba“ handelt von zwei Frauen, einer jungen (Jitsuko Yoshimura) und ihrer Stiefmutter (Nobuko Otowa), die während des Bürgerkrieges im Japan des 14. Jahrhunderts zu überleben versuchen. Die beiden wohnen in einem kleinen Haus in einem Schilfmeer und töten ahnungslose Samurai, um deren Rüstungen zu verkaufen. Dann kehrt ihr Nachbar Hachi (Kei Satō ) aus dem Krieg heim und berichtet, dass der Sohn der älteren bzw. der Mann der jüngeren Frau gefallen ist. Hachi und die junge Frau beginnen bald darauf eine Affäre – sehr zum Missfallen der Schwiegermutter.

Im Nachhinein bin ich etwas verwundert, dass der Film jetzt über ein Jahr ungesehen im Regal stand. Aber manchmal braucht es einfach einen besonderen Anlass – wie den #horrorctober. Dabei ist „Onibaba“ nicht einmal ein Horrorfilm im klassischen Sinne, sondern eher ein expressionistisches, mit schwarzer Farbe gemaltes Sozialdrama und eine düstere Parabel, wahlweise über den Krieg, der die Menschen verschlingt wie das Grasmeer die Frauen im Film. Oder über die zersetzende Kraft des Kapitalismus. Oder vielleicht einfach auch Gefühle wie Angst und Neid, die das menschliche Antlitz zu dämonischen Fratzen verzerren?

Unabhängig von allen inhaltlichen Deutungsmöglichkeiten – hier möchte ich mich nach dem ersten Sehen zunächst einmal heraushalten – muss ich sagen, dass mich der Film  schon allein durch seine visuelle Kraft weggeblasen oder besser: hinein gesogen hat. Einen Tag nach Filmsichtung fällt es mir immer noch nicht leicht, die richtigen Worte für das Gesehene zu finden. Dieses Grasmeer, der Wind… fange ich an und weiß schon nicht weiter. Ich würde gerade lieber Bilder oder Filmausschnitte posten und sagen – schau doch selbst! Und vielleicht breche ich diesen Text deswegen an hier auch einfach ab. An dieser Stelle kann ich erst einmal nur sagen, dass „Onibaba“ ein sehr intensives Filmerlebnis war, eines das nachklingt, und dass ich auch jetzt noch im Bann dieser unglaublichen und schwer zu beschreibenden Bilder bin. Aber schau selbst. Dieses Grasmeer, der Wind..

Übrigens: Der #horrorctober ist mittlerweile keine kleine Sache mehr. Die durch Initiative von Kontroversum-Kollege Patrick entstandene Aktion hat viele Mitstreiter gefunden. Hier gibt es eine (unvollständige) Liste der Leute, die mitmachen, mit Links zu ihren Blogs und Letterboxd-Accounts.

Bild © Eureka Entertainment
 

1 Comment on Onibaba (Kaneto Shindō, Japan 1964)

  1. […] Zu vielen persönlichen Highlights abseits der deutschen Kinostarts habe ich etwas geschrieben („Onibaba“, „The Wicker Man“, „Night Of The Hunted“, „Tokyo Story“, „Bay Of Blood“, „The […]

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