Phantasm (Don Coscarelli, USA 1979)

Posted by – 30. Juni 2012

Hat der unheimliche, riesenhafte Bestatter (Angus Scrimm) gerade tatsächlich einen Sarg allein in den Leichenwagen gehoben? Mike (A. Michael Baldwin), der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem älteren Bruder Jody (Bill Thornbury) in Oregon lebt, traut seinen Augen nicht. War das nur eine Sinnesträuschung? Aber auch in den folgenden Tagen fällt Mike im Umkreis des Bestattungsinstituts immer mehr Sonderbares auf. Doch niemand glaubt ihm.

Die Geschichte von Don Coscarelli beginnt klassisch, wird im weiteren Verlauf aber immer fantastischer, so dass ich diejenigen, die den Film noch nicht kennen, vor dem Weiterlesen warnen möchte. Ich denke, das Skurrilitäten-Kabinett von „Phantasm“ lässt sich am besten genießen, wenn man so wenig wie möglich weiß.

Denn Mike findet bald heraus, dass der Bestattungsunternehmer, der Tall Man, in seiner Bestattungshalle menschliche Körper zu Zwergen schrumpft und sie durch ein Portal in eine andere Dimension veschickt, wo sie als Sklaven arbeiten müssen. Aber auch auf Erden sind sie dem Hünen zum Gehorsam verpflichtet, weswegen Mike, nachdem er das Geheimnis des Tall Man gelüftet hat, auch bald von den gefährlichen kleinen Wesen verfolgt wird. Zusammen mit seinem Bruder und dessen Freund Reggie (Reggie Bannister) versucht Mike den Spuk aufzuhalten.

Der damals erst 22-jährige Don Coscarelli hat den Film, das erkennt man an jeder Szene, mit vollem Einsatz gedreht. Er selbst ist für Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt verantwortlich, die Schauspieler setzen sich größtenteils aus Freunden und Bekannten zusammen – und auch seine Familie hat Coscarelli in das Projekt einbezogen. Dass der kaum 650.000 $ teure Film handwerklich schon aus diesem Grund nicht perfekt sein kann, versteht sich von selbst. Schneiden z.B. gehört anscheinend weniger zu Coscarellis Talenten und auch das Drehbuch ist offensichtlich nicht vollends durchdacht. Doch nicht nur die zweifellos ebenfalls vorhandenen Stärken, die „Phantasm“ auszeichnen, nein, es sind in diesem Fall auch die Unzulänglichkeiten, die ihn zu etwas Besonderem machen. So hebt sich z.B. die Szenenfolge, die statt einer normalen Erzähl- zuweilen eher einer assoziativen Traumlogik zu folgen scheint, von anderen Horrorfilmen durchaus ab. Der Eindruck des Traumhaften wird durch das naiv-monotone, aber auch sehr treibende Thema von Myrow und Seagrave noch verstärkt.

Mich erinnert „Phantasm“ ein wenig an Romane von Stephen King, in deren Zentrum ja auch häufig Jugendliche und ihr erster Kontakt mit dem Bösen steht. Solche Romane oder eben auch Filme wie „Phantasm“ sind ein Fenster in die Vergangenheit. Durch sie können wir einen Blick erhaschen auf die Zeit als unsere wildwüchsigen Ängste noch nicht durch Logik und Rationalität beschnitten worden waren. Damals wussten wir noch, dass unter jedem Bett ein Killerzwerg und hinter jedem Spiegel ein großer, böser Mann lauern konnte.

Bild © Anchor Bay
 

3 Comments on Phantasm (Don Coscarelli, USA 1979)

  1. […] 10 Jahre hat es gedauert, bis Don Coscarelli seine mit „Phantasm“ begonnene Geschichte endlich weiter erzählt. Genug Zeit zum Überlegen – so sollte man […]

  2. […] hat, sind die Markenzeichen der Reihe vorhanden. Auch die typische, irgendwie apokalyptische „Phantasm“-Atmosphäre, zu deren wesentlichen Bestandteilen die Titelmelodie und assoziative, oft eher […]

  3. […] lässt. Doch die immerwährende Wiederholung macht auch dem Besondersten irgendwann den Garaus. Den ersten und mit Abstrichten auch noch den zweiten Teil finde ich fantastisch, im Text zum letzten Teil […]

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