Quantum Of Solace (Mark Forster, UK / USA 2008)

Posted by – 29. Oktober 2012

Am Wochenende habe ich nach einem Film-Halbmarathon spät nachts noch mal einen Großteil von „Quantum Of Solace“ gesehen. Hätte ich den Film nicht nach der Hälfte aufgrund von akuter Müdigkeit abbrechen müssen, wäre das glaube ich mein fünftes Mal gewesen. Aber auch so kann ich immer noch sagen: Was! Für! Ein! Film! Weil ich mir eh gerade das Hirn über „Skyfall“ zermartert habe (und was an ihm nicht stimmt), bietet es sich natürlich an, auch mal ein paar Sätze zu dem meiner Meinung nach besten Bond-Film überhaupt aufzuschreiben.

Story: James Bond ist zurück. Und er hat Rachegefühle! Nachdem seine geliebte Vesper im vorigen Teil in den Tod getrieben wurde, macht sich Bond (Daniel Craig) daran, die Verantwortlichen auf eigene Faust aufzuspüren … und zu liquidieren.

Schon der 21. James Bond-Film stellte einen gewaltigen Einschnitt im Franchise um den berühmten Geheimagenten dar. Unter der Regie von Martin Campbell und mit Daniel Craig als James Bond wurden die Uhren des Bond-Universums zurückgestellt und die Reihe begann noch einmal ganz vorne mit „Casino Royal“, Ian Fleming erstem Bond Roman. Bond 22, „Ein Quantum Trost“, schließt genau dort an, wo der letzte „Casino Royal“ endete. (Die beiden Teile sind die bisher einzigen, die eine fortlaufende Geschichte erzählen.) Nachdem er dort seine Geliebte sterben sah, macht er sich nun auf die Suche nach den Verantwortlichen. Die forensische Abteilung des Geheimdienstes kann einen M16-Verräter mit einem Bankkonto auf Haiti in Verbindung bringen, wo Bond auf die Spur des zwielichtigen Ökomagnaten Dominic Greene (toll: Mathieu Amalric) kommt. Steckt er hinter Vespers Tod?

Bereits in „Casino Royal“ wurden die scheinbar unverrückbaren Gesetze der Bond-Reihe einer Revision unterzogen. Der Ton wurde härte, der heldenhafte Geheimagent war auf einmal wieder mehr Mensch. Die sinnfreien Materialschlachten der Vorgänger wurden durch handgemachte Man-To-Man-Action abgelöst. Doch Marc Forster, der neue Regisseur, treibt die Änderungen noch weiter voran – und nicht wenige konservative Fans werden sich nach Ansicht von „Quantum Of Solace“ fragen, ob das eigentlich noch der Bond ist, der sie die letzten Dekaden begleitet hat. Forster hat den Film so fantastisch inszeniert, dass es einem den Atem verschlagen kann. Die Kamera, der Schnitt, die sagenhafte Filmmusik – das alles ist over the top. Zusätzlich ist „Ein Quantum Trost“ noch actionlastiger als der Vorgänger und geht von der Atemlosigkeit ein bisschen Richtung Paul Greengrass’ „Bourne“-Filme – nur dass Forster seinen Film mit einem größeren Kunstanspruch umsetzt. Die Szene in dem Opernhaus, in dem Bond Greene und seinen Widersacher aus „Casino Royal“, Mr. White, wiederentdeckt, wurde in der berühmten Kulisse von „Tosca“ aufgenommen und ist für mich eine der Szenen des neuen Jahrtausends [/exaggerateoff].

„Je älter man wird, desto häufiger verwechselt man die Schurken mit den Helden“ wird irgendwann im Film gesagt. Diese Aussage ist sehr treffend und gibt den Grundtenor des Filmes an. Der einst charismatische Geheimagent ist zum effizienten Rächer geworden, der Bösewicht ist ein berühmter Naturschützer und der hemdsärmlige CIA macht mit allen Seiten Geschäfte, Hauptsache, der Gewinn stimmt. „Quantum Of Solace“ verlässt noch ein Stück weiter als „Casino Royal“ die 30 Jahre lang zementierte Spur. Und auch der Titelsong von Alica Keys und Jack White ist auf interessante Weise anders. Das wird nicht jedem gefallen. Produzentin und Mastermind Barbara Broccoli hat Mut bewiesen, einen künstlerisch derart ambitionierten Regisseur wie Forster („Stay“, „The Kite Runner“) zu engagieren. Doch das Risiko hat sich gelohnt. Wer es schafft, sich auf Forsters Herangehensweise einzulassen und dieses Action-Arthouse-Mosaik zu entschlüsseln, sieht einen der besten Bond-Filme aller Zeiten.

Bild © Sony
 

3 Comments on Quantum Of Solace (Mark Forster, UK / USA 2008)

  1. sebastian sagt:

    Dieses Mal bin ich gar nicht deiner Meinung. Die Action war verwirrend choreografiert (bei der Autoverfolgungsjagd zu Beginn des Filmes wusste man zwischendurch gar nicht mehr wer wen verfolgt), die vielen Ortswechsel unmotiviert und überflüssig, die Story (soweit ich mich erinnere) verworren und die Endsequenz einfach doof. Für mich war das einer der schlechtesten Bondfilme und nach dem starken Casino Royal eine herbe Enttäuschung.

    Zugegeben, das sind 4 Jahre alte Erinnerungen, den diesen Teil sah ich seit der Kinovorführung nicht nochmal, und ich neige dazu Meinungen mit der Zeit zu übertreiben, aber ich mochte A Quantum of Solace kein Stück.

    • 3jH sagt:

      Unmotivierte Ortswechsel sind ja eines der Markenzeichen der anderen Bondfilme. Bei Quantum fand ich die Locations allerdings sehr gut zu der jeweiligen Stimmung der Szenen passend. Auch in dieser Hinsicht finde ich den Film deswegen herausragend.

  2. […] für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die […]

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