Rope (Alfred Hitchcock, USA 1948)

Posted by – 15. März 2013

Hitchcock Collection„Und Hochmut ist’s, wodurch die Engel fielen,  woran der Höllengeist die Menschen fasst“ – Friedrich Schiller

Die Studenten Brandon Shaw (John Dall) und Phillip Morgan (Farley Granger) wollen den perfekten Mord begehen. Ihre Wahl fällt auf ihren Kommilitonen David (Dick Hogan). Um den Triumph ihrer Tat voll auszukosten, legen sie die Leiche in eine Truhe, die auf einer Party am gleichen Abend als Buffet dient. Unter den Partygästen befindet sich auch der scharfsinnige Professor  Rupert Cadell (James Stewart), der bald Verdacht schöpft.

Bei Klassikern solchen Kalibers fühle ich mich manchmal etwas gehemmt, meine Meinung kund zu tun. Zu „Rope“ möchte ich aber dennoch ein paar Sätze schreiben, zum einen weil er mir ganz hervorragend gefallen hat, zum anderen, weil ich aufgrund einer mit 14 Titeln bestückten DVD-Box, die neuerdings mein Regal schmückt, mit dem Gedanken einer kleinen Hitchcock-Retrospektive hier im Blog spiele. Zu Rope möchte ich erst einmal Folgendes sagen. Ich bin froh, dass mir gerade dieser Film als erster aus der Box in die Hände gefallen ist, denn er hat mir richtig Lust gemacht, weitere Hitchcock-Filme zu sehen. „Rope“, der in Deutschland unter dem putzigen Titel „Cocktail für eine Leiche“ bekannt ist, funktioniert sowohl als spannendes Krimi-Kammerspiel als auch als Reflexion über menschliche Allmachtsfantasien. Was ich immer gerne sehe ist die Begrenzung des Raums, sei es durch kammerspielartige Anordnungen wie z.B. bei „12 Angry Men“ oder zum Zwecke klaustrophobischer Szenarien wie etwa bei „Cube“ – oder fast allen Filmen von John Carpenter. Auch „Rope“ zieht einen Teil seiner Kraft aus dem Handlungsort, der Wohnung von  Brandon und Phillip. Hitchock konnte so seine handwerkliche Perfektion unter Beweis stellen, Außerdem steigert die Limitierung des Raums die Spannung erheblich und gibt vielleicht sogar einen Ausblick auf die Zukunft der beiden Mörder.

Über die wahrscheinlich hinlänglich bekannten oder zumindest leicht zu ergoogelnden Besonderheiten von „Rope“ (nur 10 teilweise getarnte Schnitte, selten dezenter Cameo des Meisters, homoerotische Dimension der Geschichte etc.) will ich mich gar nicht äußern. Ein ebenfalls bekannter Aspekt des Films, auf den ich durch das auf der DVD enthaltene Interview mit dem Drehbuchautor Arthur Laurent gestoßen bin, finde ich aber doch interessant. Laurents Version des Scripts, das er gegen Hitchcock allerdings nicht durchsetzen konnte, sah vor, den Mord nicht gleich am Anfang des Films zu zeigen. Der Zuschauer sollte bis zum Ende im Unklaren gelassen werden, ob die beiden Studenten ihren Kommilitonen tatsächlich umgebracht und in der Truhe versteckt haben. Dadurch hätte sich nach dem Autor ein stärkerer Spannungsbogen aufbauen lassen. Ich hätte der Version von Laurent auch den Vorzug gegeben, weil sie einige Stärken des Films noch mehr zum Vorschein gebracht hätte. Ich meine damit gar nicht mal die dramaturgischen Gründe, die Laurent selbst anführt, sondern eine zusätzliche Bedeutungsebene, die diese ungewisse Situation verstärkt hätte. Nämlich, den Zuschauer dazu zu bringen, sich mit den elitären Überlegenheitsfantasien Brandons wirklich auseinanderzusetzen und ihn nicht gleich als gestörten Mörder abzustempeln. In seiner letzten Form ist „Rope“ ein sehr spannender, in seinem Minimalismus faszinierender und absolut präziser Film. Mit der ursprünglichen Drehbuchfassung wäre aber noch eine clevere Reflexionsebene über den nur scheinbar fluiden Übergang zwischen intellektuellem Spiel und blutiger Wirklichkeit hinzu gekommen. Für mich wäre das das i-Tüpfelchen gewesen.

Bild © Cover Universal, Foto ich
 

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