Scream-Trilogie (Wes Craven, USA 1996/1997/2000)

Posted by – 24. Juni 2012

Wochenende. Nichts zu tun. Ein guter Zeitpunkt, mich noch einmal zu vergewissern, was ich eigentlich von Wes Cravens „Scream“-Trilogie halte. Schließlich ist es schon über 10 Jahre her, dass ich die Filme das letzte Mal gesehen habe.

In Scream terrorisiert ein maskierter Killer das Städtchen Woodsboro. Ein Teenager nach dem anderen fällt ihm zum Opfer. Nur die tapfere Sidney Prescott (Neve Campbell) stellt sich dem Meuchelmörder in den Weg.  Viel mehr muss man zu der wirren Geschichte, die sich daraus entspinnt, eigentlich gar nicht sagen.

Zu den Stärken von Teil 1 gehört auf alle Fälle der brillante Prolog: Die junge Casey Becker (Drew Barrymore), die eigentlich nur einen schönen Videoabend mit ihrem Freund verbringen wollte, wird von einem unheimlichen Anrufer belästigt, der mit ihr ein „Frage-und-Antwort-Spiel“ zum Thema Horrorfilme spielen will. Das Spiel endet mit ihrem Tod. Meiner Meinung nach wird die Kraft dieses fulminanten Auftakts im Folgenden kaum noch erreicht. Eine Szene, die da vielleicht noch mithalten kann, ist die in der Garage:  Als Tatum Riley (Rose McGowan) auf einer Party gerade Bier holen will, trifft sie  auf den Killer, den sie erst für ihren Freund hält. Hier stimmt das Verhältnis von guter Idee, Spannung und dem richtigen Quäntchen Augenzwinkern. Noch. Was mich auch schon zu den Dingen bringt, die mir am ersten Teil nicht gefallen. Ich will mich hier nicht in Kleinigkeiten verrennen, denn der erste Teil ist wirklich ein größtenteils sehr spannender Film, der dem Genre noch mal eine neue Richtig gegeben hat. Was mich allerdings wirklich nervt und mir den Spaß verleidet, ist zum einen der ewig grimassierende Stuart (Matthew Lillard), an dem alles so übertrieben und unnatürlich ist, dass ich dem nichts abgewinnen kann. Aber auch die anderen Figuren sind nur Stichwortgeber, Dialogaufsager und Opfer für den Killer. Selbst Sidney, das Final Girl, hat keine besonderen Eigenschaften. Und die Liebesgeschichte zwischen ihr und Billy (Skeet Ulrich) funktioniert, nebenbei gesagt, auch nicht.

Auch Scream 2 zwei beginnt spannend. Schauplatz des Prologs ist diesmal ein Kino, in dem „Stab“ (ein Film über die Ereignisse in Teil 1) gezeigt wird. Obwohl das Kino gut gefüllt ist, schafft es Ghostface, der maskierte Killer, eine Frau im Kinosaal umzubringen und unbemerkt zu entkommen. Austragungsort der weiteren Geschichte ist ein College, an dem auch Sidney Schülerin ist.

In Sachen Spannung kann dieser Teil dem Vorgänger keine Zacken aus der Krone brechen, auch wenn es den einen oder anderen Gänsehautmoment gibt. Erfreulicher Weise sind die Figuren weniger nervig als im Vorgänger, leider auch ziemlich uninteressant. Da reißt auch Liev Schreiber nichts. Der spielt Cotton Weary, den Mann, der ein Jahr zu unrecht für den Mord an Sidneys Mutter einsaß. Hinzu kommt wieder die charakteristische Selbstbezüglichkeit, die hier allerdings eher unbeholfen als pfiffig wirkt. Auch, dass der Killer nur ein Mensch ist, der durchaus mal stolpert oder gegen eine Tür läuft, beginnt ab diesem Teil unlustig zu werden. Eigentlich ist „Scream 2“ ganz treffend damit beschrieben, dass lediglich die Elemente des ersten Teils variiert werden. Neue Einfälle konnte ich nicht mehr ausmachen. Neu ist nur, dass auf Logik und Plausibilität völlig verzichtet wird. Eine Referenz an andere Slasher? Wenn ich meine Lieblings-Szene in „Scream 2“ wählen sollte, wäre es vermutlich, als der Killer Cici (Sarah Michelle Gellar) vom Balkon schmeißt: Dies geschieht mit einer solchen Beiläufigkeit, die auf mich bei den ganzen Bezügen, Referenzen und prätentiösen Metagetue einfach nur wohltuend wirkt.

Nach Teil 2 ist es mir dann gar nicht leicht gefallen, Scream 3 einzulegen. Aber was muss, das muss. Verglichen mit den anderen beiden Teilen ist schon der Auftakt schwach: Der Ghostface-Killer hat einen elektronischen Stimmimitator, den er gleich erst mal dazu benutzt, um Cotton Weary und dessen Freundin umzulegen. Und schwach geht’s auch weiter: Der Killer metzelt sich am Set des Drehs zu „Stab 3 durch die Beteiligten.

Wenn man alle Teile nacheinander schaut, wird einem umso mehr bewusst, dass nach dem guten Auftakt nichts Neues mehr kommt. Was überraschen soll überraschen nicht mehr (wenn man für Überraschungen das Stilmittel „Stimmenimitator“ bracht, ist man sowieso auf verlorenem Posten), die Witze sind immer die gleichen und die oft gelobte Meta-Perspektive erschöpft sich (eigentlich schon ab Teil 2) darin, dass die Figuren ständig über die Genre-Regeln des Slashers plappern müssen. Jedenfalls war „Scream 3“ für mich der langweiligste Teil der Trilogie. Gegen Ende fragt der Killer Sidney, ob sie nicht wissen wolle, wer ihre Mutter getötet hat und überhaupt hinter den ganzen Morden stecke. Mir zumindest war das zu diesem Zeitpunkt schon schnurzpiepegal.

Soviel meine Notizen zu den ersten drei Teilen. (Ich habe gerade das Gefühl, dass ich alles Wichtige weggelassen habe). Noch ein Hinweis. Auch wenn ich bisher immer von „Trilogie“ gesprochen habe, ist mir natürlich bewusst, dass Wes Craven letztes Jahr neu angesetzt und Scream 4 nachgeschoben hat. Meine Meinung dazu, die dann doch erstaunlich positiv ausfiel, kann man hier nachlesen.

Bild © Studiocanal
 

2 Comments on Scream-Trilogie (Wes Craven, USA 1996/1997/2000)

  1. […] denkt, der Teeny-Slasher sei – spätestens – mit Wes Cravens Zitatorgie „Scream” zu Grabe getragen worden, irrt. Es ist lange her, dass sich das Genre so vital wie im Fall […]

  2. […] „Scream“ hat Wes Craven im Jahre 1996 den Slasher auf ein neues Niveau gehoben. In seinem […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.