Snake Eyes (Brian de Palma, 1988)

Posted by 1. Juni 2013

snake eyesDraußen: ein Herbststurm. Drinnen: Cop Rick Santoro (Nicolas Cage) wird während eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Anschlags auf den US-Verteidigungsminister. Santoros Freund, Kevin Dunne (Gary Sinise), ein Mitarbeiter des Ministers, erschießt den Mörder, einen mutmaßlichen arabischen Terroristen. Doch was ist genau geschehen? Je tiefer Santoro gräbt, desto weniger scheint alles zusammenzupassen.

Der Film beginnt mit einer knapp 13-minütigen Plan-Sequenz, die Santoro durch die Halle folgt. Schnell wird klar: Auch der Cop hat Dreck am Stecken, er ist bis über beide Ohren korrupt und ein manischer Spieler obendrein. Die Welt, in der Santoro wandelt ist ebenfalls schmutzig und durch und durch kaputt. Am Anfang lässt Santoro noch verlauten, dass es genau seine Welt ist und er sich darin pudelwohl fühlt.  Das bringt die von Nicolas Cage gespielte Figur so überzeugend vor, dass der Zuschauer geneigt ist, es ihm sofort zu glauben. Doch seine Nachforschungen sind ein Stich ins Wespennest. Je mehr er über die wahren Hintergründe des Attentats herausfindet, desto weniger glücklich ist Santoro damit, Teil dieses korrupten, verdorbenen Systems zu sein.

So wie sich die Ereignisse für den Antihelden im Verlauf der Untersuchungen in immer neuem Licht präsentieren, wird „Snake Eyes“ auch für den Zuschauer zu einem spannenden und im besten Fall sehr verwirrenden Erlebnis. Nicht nur die Figuren streifen ihre Identitäten ab wie es ihnen gefällt – auch der Film als solcher weigert sich den Regeln zu gehorchen, die man von ihm erwartet. Der filmische Raum bricht auf, wird zur Kulisse und entlarvt die Bilder als Illusion. Das, was im Film eigentlich wahr sein sollte, sind nur noch die Geschichten der Figuren, die durch jede darauf folgende Szene relativiert werden können.

Der Showdown scheint im Vergleich zum restlichen Film etwas abzufallen. Besonders wohl scheint sich Santoro in seiner alten Haut doch nicht gefühlt zu haben. Jedenfalls schmeißt er alles hin – und beginnt ein neues Leben. Der Bösewicht erkennt, dass er gescheitert ist und beendet seines. Abermals bricht der filmische Raum auf. Draußen: kein Herbststurm, sondern ein heftiger Hurrikan. Doch der Sünder hat Buße getan. Und bald scheint wieder die Sonne. Das ist schön.

 Bild © Touchstone
 

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