Spasmo (Umberto Lenzi, Italien 1974)

Posted by – 16. April 2012

Ich habe neulich gelesen, Umberto Lenzi, Erfinder des Italienischen Kannibalen-Films, wäre ein unterschätzter Regisseur. Dies könne man unter anderem an seinem Film „Spasmo“ ganz gut beobachten. Das hat mich neugierig gemacht. Bis auf  „Mondo Cannibale“ (OT: Il paese del sesso selvaggio) völlig Lenzi-unterfahren habe ich mir daraufhin besagten „Spasmo“ durch ein großes Onlineversandhaus zuschicken lassen..

Aber  jetzt zu berichten, was ich da gesehen habe, fällt mir gar nicht leicht. Nach einem Auftakt, der scheinbar nichts mit der folgenden Handlung zu tun hat, lernt der Zuschauer Christian Baumann (Robert Hoffmann) kennen, als er gerade  mit seiner Freundin unterwegs ist. Am Strand finden die beiden eine bewusstlose Frau (Suzy Kendall). Die Frau ist  unverletzt, stellt sich als Barbara vor und verschwindet. Als Christian sie kurze Zeit später auf einer Party wieder trifft, gibt er seiner Freundin den Laufpass und sucht sich stattdessen mit Barbara ein Hotelzimmer. Ehe die beiden aber zur Tat schreiten können, wird Christian im Badezimmer von einem Unbekannten (Adolfo Lastretti ) mit einer Waffe bedroht. Im folgenden Handgemenge fällt ein Schuss. Im Glauben, einen Mord begangen zu haben, verstecken sich Christian und Barbara im Haus von Barbaras Freundin.

Soweit zum Inhalt. Was sich geschrieben noch einigermaßen stimmig anhört, kommt einem im Film viel weniger plausibel herüber. Und nach Ankunft von Christian und Barbara in besagtem Haus, folgt Lenzis Film noch weniger einer erkennbaren Handlungslogik. Personen tauchen auf, verschwinden, alles wird immer rätselhafter und erinnert mehr und  mehr an einen Traum. Wird Christian verrückt? Und wenn ja, warum eigentlich? Hat es irgendetwas mit den ersten Minuten des Films zu tun? Warum ist der Tote aus Christians Badezimmer auf einmal wieder da? Und warum liegen eigentlich überall aufblasbare Gummipuppen herum? Der Zuschauer bekommt die Antworten auf diese Fragen. Aber bis dahin muss er sich in Geduld üben. Und wenn dann am Ende die Auflösung durch die Tür stolpert, ist sie auch nicht befriedigend. Damit diese Schlusspointe funktioniert, hätte Lenzi den Film anders aufbauen müssen.

Ich kann also nicht sagen, dass mir „Spasmo“ außerordentlich gut gefallen hat. Auch wenn er optisch ein paar schöne Momente besitzt und die Stimmung dezent unheimlich ist – richtig fesseln konnte er mich nie. Dazu war er zu wirr. Diese Unbestimmt- und Verrücktheit als stilistisches Ausdrucksmittel zu sehen, ist mir nicht gelungen. Für mich waren sie das Resultat einer schlecht erzählten Geschichte.

Bild © Media Blasters Inc.
 

1 Comment on Spasmo (Umberto Lenzi, Italien 1974)

  1. […] und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen […]

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