Suspiria (Dario Argento, Italien 1977)

Posted by – 20. September 2013

suspiria2Neulich haben wir im Rahmen unseres mehr oder weniger regelmäßigen Videoabends schon zum zweiten Mal Dario Argentos monumentalen „Susiria“ gesehen. Und gestern, kaum einen Monat später, hatte ich gleich noch einmal an anderem Orte die Gelegenheit ihn in Groß zu erleben. Und „erleben“ ist hier genau das richtige Wort.

Auf der reinen Handlungsebene passiert in „Susiria“ recht wenig: Der Film handelt von Suzanne Banyon (Jessica Harper), die nach Freiburg reist, um dort Ballettunterricht zu nehmen. Doch schon bald häufen sich die unheimlichen Vorkommnisse in der Ballettschule und Suzy beginnt zu ahnen, dass in dem Gebäude dunkle Mächte am Werk sind. Ich habe vor ein paar Jahre auf Filmstarts.de schon einmal etwas zu dem Film geschrieben. Die Kritik beginnt mit dem Satz: „Manche Filme muss der Zuschauer erleben, um sie zu begreifen“.  Auch heute denke ich noch, dass einen Film von Argento zu verstehen nicht heißen kann, ihn zu analysieren und so eine den Bildern innewohnende, tiefere Bedeutung ans Tageslicht zu befördern. Nicht, dass sich auf diesem Wege  auch die eine oder andere Erkenntnis gewinnen ließe. Doch so ginge auch etwas verloren, etwas das seine Kraft vor allem erst auf sub-rationaler Ebene entfaltet. Man muss wie Alice dem Kaninchen in den Bau folgen bzw. sich wie Suzanne in die Ballettschule wagen. Einen Argento-Film zu verstehen, heißt für mich, sich dem Seherlebnis zu öffnen und dann nach innen zu fühlen. Dem einen erleichtert dies vielleicht ein alkoholisches Getränk, dem anderen die Inhalation indianischer Zauberkräuter. Auch ein kleiner Fieberschub schadet dem Filmgenuss sicher nicht. Was mir diesmal noch einmal in besonderem Maße bewusst geworden ist, ist, wie die verschiedenen Bestandteile des Films, die Kamera, die den Blick des Zuschauers führt, das Licht, die Farbkompositionen und natürlich die Musik der Progrock-Band Goblin ein Eigenleben führen. In manchen besonderen Momenten kommt mir der Film dann weniger vor wie ein einzelnes sakrales Monument, sondern wie etwas, das vielen uralten, lebenden Wesen besteht, wie in sich verschlungene Drachen, die sich nach tausendjährigem Schlaf langsam zu recken und strecken beginnen.

„Suspiria“ ist ein audio-visueller Rausch und wohl als Argentos wichtigsten Film zu bezeichnen, zumindest als denjenigen seiner Filme, dessen Vorzüge sich am leichtesten zeigen, ja, einen förmlich angreifen. Trotzdem, das zeigt mir die mittlerweile fünfte Sichtung, ist er keiner, den man sich schnell satt sieht. Im Gegenteil. Die Erfahrung wird immer reichhaltiger. Man spürt die Drachen immer deutlicher.

 Bild ©  Dragon
 

1 Comment on Suspiria (Dario Argento, Italien 1977)

  1. […] er ist auch allumfassend atmosphärisch – ja er ist Atmosphäre; und wenn ich jetzt Argentos „Suspiria“ als Vergleich heranziehe, ist das sicherlich einerseits irreführend, andererseits auch wieder […]

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