Tag: Actionfilm

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Notizen #9

Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Notizen #5

Posted by – 15. Februar 2016

Mission: Impossible – Rogue Nation (Christopher McQuarrie, USA 2015)

Seit „Originaltitel Mission: Impossible – Ghost Protocol“ habe ich ein Problem: Immer, wenn ich Tom Cruise sehe, sehe ich Jogi Löw. Das ist leider überhaupt nicht zweckdienlich, wenn man Film sieht, ihn eigentlich spannend finden will, aber die ganze Zeit Mission-Jogi-Kopfkino hat. Unabhängig davon halte ich den aktuellen, wie schon den Teil davor, für keinen besonders interessanten Film. Christopher McQuarrie legt einfach zu viel Wert auf die belanglosen Aspekte des neuen Abenteuers von Superagent Ethan Hunt (Cruise): Verfolgungsjagden, hübsche Bilder, vielsagende Dialoge, die eigentlich gar nichts sagen. Dabei versteckt sich im Film ein durchaus mitreißendes Drama um die heimatlose Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), die für alle und niemanden zwischen den Stühlen agiert. Ihre Geschichte hätte ich gerne gesehen, nicht die von Team Jogitom.

Everest (Baltasar Kormákur, USA / Großbritannien / Island 2015)

„Everest“ von Baltasar Kormákur wollte ich eigentlich im letzten Jahr im IMAX sehen, aber es hatte nicht sein sollen. Nun habe ich ihn bei meiner neuen Stamm-Videothek „Amazon Prime“ nachgeholt und bin eigentlich ganz angetan: Atemraubende Kulissen, Einblicke in die Mentalitäten von Extrembergsteigern und letztendlich – in diesem Fall ist das wirklich wichtig – eine wahre Geschichte. Mit schnürt es jedenfalls immer noch die Kehle zu, wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen schon bei dem Versuch, den Mount Everest zu besteigen, ums Leben gekommen sind. Die Ereignisse, die im Jahr 1996 stattfanden und bei denen 8, teilweise sehr erfahrende Bergsteiger wie Rob Hall und Scott Fischer, starben, finde ich besonders tragisch. Dass sich Kormákur etwas zu wenig an den Fakten entlanghangelt und auf eindrucksvolle Bilder setzt, sich dabei aber meiner Meinung sehr zurückhält, was die Analyse der Situation angeht. Wie konnte das Unglück und geschehen? Eine sinnvolle Ergänzung zum Film sind somit sicherlich die Bücher von Jon Krakauer „Into thin air“ und „The Climb – Tragic Ambitions on Everest“ von Anatoli Nikolajewitsch Bukrejew. Zwar ganz ohne Bilder aber noch spannender als der Film!

Slow West (John Maclean, Großbritannien / Neuseeland 2015)

Nicht nur der Film des Musikers John Maclean, der sich wie seine Figuren durch die Wildwest-Landschaft mühsam und misstönend über die Zeit quält, war mir nicht angenehm. Irgendwie piekst es mich auch, dass ich beim im Internet Herumlesen fast überwiegend auf Texte gestoßen bin, in denen nicht nur sehr wohlwollend über „Slow West“ berichtet wurde – das gehört sich ja auch so –, sondern sogar beinahe verehrend und auf eine Art und Weise argumentierend, die mir nicht so richtig zugänglich werden wollte. Dass sich hier auf besonders clevere Art mit dem Gründungsmythos auseinandergesetzt wurde, dass hier Fantasien – vor allem männliche – entlarvt werden, dass hier das – angeblich tote – Genre „Western“ einen vitalen Lebensbeweis antritt… All das steht geschrieben. All das ist bestimmt nicht falsch. Aber des wegen gleich Juhu rufen? Ich verstehe schon, dass Junge Jake Cavendish (Kodi Smit-McPhee) einer verklärten Vorstellung über seine Möchtegernfreundin Rose Ross (Caren Pistorius) aufgesessen ist, wie er zum Ende hin unsanft erfahren muss. Interessant sind darüber hinaus sicherlich einige Brüche mit den Zuschauererwartungen. Meine Kritik, dass Maclean den Ton nicht trifft, dass die Aneinanderreihung von ausgestellt lakonischen Szenen, slapstickhaften Momenten und überraschend harten Gewaltausbrüchen, willkürlich wirkt und keinen erkennbaren Zweck hinsichtlich des Hauptthemas, der Dekonstruktion von Wunschträumen, erfüllt, lässt sich natürlich wie alles damit entkräften, dass der Regisseur bewusst die Erwartungen des Zuschauers unterlaufen will. Aber warum? Um zu zeigen, dass unsere Vorstellungen über den Wilden Westen eben nur Vorstellungen sind? Ahnten wir so etwas nicht schon?

Prison (Renny Harlin, USA 1987)

„Prison“ von Renny Harlin ist ein wunderbar sinnloser, aber extrem unterhaltsamer Film. Und sehr hübsch fotografiert ist er auch. Mac Ahlberg, der für „Re-Animator“ und „From Beyond“ oder dem – mittlerweile denke ich auch von mir – unterschätzten „King of the Ants“ als Kameramann verantwortlich ist, hat auch hier exzellente Arbeit geleistet. Auch Harlin als Regisseur wächst mir langsam ans Herz. Seine Filme sind direkt, effizient und pragmatisch. Und trotzdem haben seine mir bekannten Filme auch einen irgendwie verträumten Unterton, so als würde hinter der Oberfläche noch etwas anderes schlummern. Ein Bild, das mir gerade in den Sinn kommt: Einen Harlin-Film zu gucken ist, wie über einen zugefrorenen finnischen See zu laufen. Die Eisfläche ist glatt, perfekt und kühl, aber man spürt die Strömung unter seinen Füßen, fühlt den Abgrund des schwarzen Gewässers. Ich habe den Film zum ersten Mal gesehen und zwei Szenen entdeckt, die auch auf der in meinem Text zu „Slaughter High“ bereits erwähnten VHS-Kassette war: Die, als der eine Häftling von Metallrohren durchbohrt wird und die, als ein Wärter von Stacheldraht malträtiert wird. Was ich etwas schade finde ist, dass die Blu-Ray, die seit neuestem in meinem Besitz ist, keine nennenswerten Extras enthält. Über so einen Film gibt es doch bestimmt einiges zu erzählen, ein paar Interviews oder besser noch – ein Audiokommentar wäre entzückend gewesen!

Escape From Alcatraz (Don Siegel, USA 1979)

Nicht einfach ein Gefängnisfilm, sondern eine Art Prototyp des Gefängnis- und Ausbruchsfilms, an dem sich gefühlt alle folgenden Filme orientieren. (Harlins „Prison“ z.B.) Hat mir mal wieder Spaß gemacht, ihn zu sehen. Erkenntnisse: Auch wenn man Menschen entkleidet, sie aller Dinge entledigt, abschrubbt und in ein Gefängnis auf einem Felsbrocken sperrt, verlieren sie trotzdem nicht ihre Persönlichkeit. Sie bleiben, was sie waren, auch wenn sie die neue Umwelt natürlich zwingt, sich anzupassen. Faszinierend dabei ist auch, wie „professionell“ und mit welcher Ruhe sich Protagonist Frank Morris (Clint Eastwood) einen Überblick verschafft, die richtigen Leute kennenlernt und seinen Ausbruch vorbereitet und durchführt. Das wirkt fast ein wenig gelangweilt, vielleicht weil er tut, was er eben tut und das für ihn tatsächlich nichts Außergewöhnliches ist. Der Film hingegen ist in seiner Klarheit und Kraft schon etwas Besonderes.

Now You See Me (Louis Leterrier, USA / Frankreich 2013)

Posted by – 6. September 2015

now you see meDie vier Zauberer Atlas (Jesse Eisenberg), Henley (Isla Fisher), Merritt (Woody Harrelson) und Jack (Dave Franco) werden von einem Unbekannten ausgewählt. Sechs Jahre sind sie als „ The Four Horsemen“ weltberühmt und geben, finanziert von dem Millionär Arthur Tressler (Michael Caine), riesige Shows. Doch die vier und der Unbekannte im Hintergrund verfolgen ein ganz anderes Ziel. Bald schon sind ihnen Detective Dylan Rhodes (Mark Ruffalo), die Interpol-Agentin Alma Dray (Mélanie Laurent) und der Spezialist für Trickbetrüger Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) auf den Fersen.

Das perfekte Verbrechen hat ohne Frage viel mit Täuschung zu tun. Und so ist es auch eine reizvolle Idee, dass Zauberer ihre Kunst nutzen, um den Superheist durchzuführen. Was auf dem Papier interessant klingt, ist in fertiger Form nach einem Drehbuch von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt allerdings unerwartet öde. Da kann auch die flotte Regie von Louis Leterrier nichts retten. Doch woran scheitert „Now You See Me“ genau? Meiner Ansicht nach liegt das vor allem an drei Dingen. Erstens: Der Haltung des Films bzw. seiner Autoren. Boaz Yakin, Edward Ricourt und Ed Solomon kommen sich selbst so schlau vor, dabei ist ihr Werk im Detail alles andere als das. Der große Plan, der am Ende dem staunenden Zuschauer offenbart wird, ist in Wirklichkeit so löchrig wie ein Schweizer Käse. Man darf staunen, dass er überhaupt funktioniert hat. So lange der Film unterhält, ist es vielleicht nicht ganz so wichtig, ob das alles Sinn macht, was mich zum zweiten Kritikpunkt bringt. Nach der Exposition und spätestens nach der ersten großen Show, in der die Zauberer eine Bank ausrauben, geht dem Film merklich die Luft aus. Keine der kommenden Shows erreicht den Unterhaltungswert der ersten, und das Finale ist dann der absolute Tiefpunkt an Entertainment. Doch selbst dieser dramaturgische Sinkflug des Films wäre vielleicht bei (dritter Kritikpunkt) weniger farblosen Figuren noch zu verschmerzen gewesen. Das was Steven Soderbergh bei den „Oceans“-Filmen geschafft hat, gelingt Leterrier hier nicht im Ansatz. Eisenberg, Fisher, Harrelson und Franco hinterlassen keinen bleibenden Eindruck und auch Altstars wie Freeman oder Cain können viel retten.

Die drei genannten Punkte waren für mich die Hauptgründe, dass der „Now You See Me“ für mich nicht funktioniert hat. Da muss ich gar nicht erst erwähnen, dass die Auflösung sehr unglaubwürdig war. Aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass man den Film auch mögen kann. Er ist wie gesagt flott inszeniert und er hat das Potenzial das zu schaffen, was ein guter Zaubertrick schaffen sollte, nämlich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vom Eigentlichen abzulenken. Wem es reicht, dass er nach etwas mehr als 100 leidlich unterhaltsamen Minuten erfolgreich getäuscht wurde, darf sich freuen. Nur wer sich wie ich hinterher darüber ärgert, dass hier nichts Substanz hatte, dass 99 Prozent des Films Täuschung für das letzte Aha-Prozent sind, sollte einen Bogen um diesen „Zaubertrick“ machen und es vielleicht doch lieber noch einmal mit „The Prestige“ oder „The Incredible Burt Wonderstone“ (meine Rezension dazu gibt’s hier) versuchen.

Bild © Concorde

They Live (John Carpenter, USA 1988)

Posted by – 16. August 2015

they live„So ein Humbug“, sagt mein Vater nach dem Film, und meine Mutter: „Bist du nicht langsam zu alt für sowas?“ Ich fühle mich geehrt, dass mir ein so exklusiver Geschmack bescheinigt wird. Aber ich wundere mich auch: Wie können meine Eltern nicht erkennen, was für einen fantastischen Film sie mit John Carpenters „They Live“ vor sich haben?

Auf der Suche nach Arbeit kommt John Nada (Roddy Piper) nach Los Angeles und heuert dort auf dem Bau an. Mehr oder weniger zufällig fällt ihm ein Karton mit Sonnenbrillen in die Hände. John traut seinen Augen nicht – der Blick durch die Brille offenbart, wie die Welt wirklich ist: Die Erde ist von Außerirdischen infiltriert, die alle Menschen mit unterbewussten Botschaften beeinflussen. Zusammen mit seinem Kumpel Frank (Keith David) sagt er den Besetzern den Kampf an. Wobei der Ausdruck „Kumpel“ der Geschichte vorgreift. Ehe John und Frank an einem Strang ziehen und den Außerirdischen entgegentreten, muss John seinen Kollegen zunächst einmal von seiner Entdeckung überzeugen, was in eine der längsten Prügelszenen der Filmgeschichte kulminiert. „Put the glasses on! Put ‚em on!“. Bäng. Zosch. Krawumm.

Humbug ist das aus einem bestimmten Blickwinkel natürlich schon. Da prügeln sich zwei, weil der eine will, dass der andere eine Brille aufsetzt, das ist schon was anderes, als man sonntäglich beim Tatort zu sehen bekommt. Und ich kann meinen Eltern eigentlich auch nicht vorwerfen, dass sie von „They Live“ nicht so fasziniert sind wie ich heute. Denn ehrlich gesagt hatte ich diesen Carpenter-Film auch nicht in bester Erinnerung, ich habe ihn erst jetzt wirklich ins Herz geschlossen. Denn Humbug in dem Sinne, dass hier Bedeutung vorgegeben wird, die tatsächlich aber nur Schwindel ist – das ist der Film mit Sicherheit nicht, das ist mir diesmal klar geworden. Es geht um eine fremde Macht, die die Menschen über die wahre Beschaffenheit der Welt im Unklaren lässt. Willensfreiheit ist in diesem Szenario eine Illusion. Die Menschen werden durch unbewusste Signale gesteuert und dazu animiert, zu gehorchen und zu konsumieren. Ich will hier nicht den Gesellschaftskritiker raushängen lassen, aber ganz anders geht es in der Welt ja wirklich nicht zu. Im Kapitalismus muss der Mensch zum Kaufen animiert werden – um jeden Preis. Wir sind schon so erzogen, aber auch die allgegenwärtige Werbung macht uns jeden Tag klar: der Mensch ist ein Mängelwesen, doch er kann diesem Mangel durch Konsum entgegenwirken. Und selbst für diejenigen, die aus dem System ausbrechen wollen, gibt es noch das passende Selbsthilfebuch oder den Yogakurs im Angebot. Doch mit der Selbstverwirklichung verhält es sich wie mit dem Esel und der Karotte, natürlich ist sie nicht erreichbar, ständig fehlt noch ein weiterer Konsumartikel zum letzten Glück.

Da hat es der Widerstand im Film natürlich ein wenig leichter: Brille auf – und schon lässt sich die Illusion als solche entlarven. Man merkt schon daran, wie genial Carpenters Drehbuch ist, dass es Menschen gibt, die den Film als Humbug bezeichnen. In plakativen und eindringlichen Bildern wird hier die moderne westliche Gesellschaft aufs Korn genommen, aber aller Einfachheit zum Trotz ist es gar nicht so leicht, die Ähnlichkeit zwischen Fiktion und Wirklichkeit klar zu erkennen – so umfassend ist die Gehirnwäsche, der die meisten von uns seit Beginn ihres Lebens ausgesetzt sind. Ehe ich zu verschwörungstheortetisch klinge, möchte ich einfach noch einmal betonen, was für einen großen Spaß dieser Film macht, wenn man ihn mit der richtigen Einstellung anguckt. Humbug im Sinne von Quatsch mit Soße ist er nämlich auch. Man merkt allen Beteiligten ihren Spaß an, den sie während des Drehs hatten. Allen voran Roderick George Toombs, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Roddy Piper, was mich zum Schluss noch zu einem traurigen Anlass bringt. Piper ist ist am 1. August 2015, einen Tag nachdem ich mir „They Live“ angesehen habe, gestorben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich weder ein besonderes Interesse am Wrestling noch bewusst andere Filme mit Piper gesehen habe, geht mir sein Tod nahe. Piper hat in Carpenters Film eine unheimlich sympathische Ausstrahlung und nicht zuletzt ist er der Grund dafür, warum „They Live“ so ein feiner Film geworden ist. Oder mit John Nadas Worten: „I have come here to chew bubblegum and kick ass… and I’m all out of bubblegum.“ Oh ja, das ist ihm gelungen! Die außerirdischen Invasoren haben hier den Arschtritt ihres Lebens bekommen. Außerhalb des Films verhält sich alles leider etwas komplizierter. Wir haben keine Brille, die uns dabei hilft, die Welt zu erkennen, wie sie wirklich ist.

Bild © Optimum

Big Trouble In Little China (John Carpenter, USA 1986)

Posted by – 30. Juli 2015

big troubleDer Trucker Jack Burton (Kurt Russell) hilft seinem Freund Wang Chi (Dennis Dun) seine Verlobte aus den Klauen von Lo Pan, einem uralten chinesischen Magier (James Hong) und seinen Schergen zu befreien. Unterstützt werden die beiden von dem Touristen-Führer Egg Shen (Victor Wong) und der Anwältin Grace Law (Kim Cattrall).

Mit „Big Trouble In Little China“ verbinde ich viel. Ich sah ihn das erste Mal zu einer Zeit, in der sich seine wahnwitzigen Ideen wie Lichtblitze in mein junges Hirn brannten und die Synapsen neu verschalteten. Im zarten Teenager-Alter habe ich ihn das erste Mal gesehen, und es ist nicht übertrieben zu sagen – nach diesem verrückten Action-Fantasy-Spukfilm mit Hongkong-Flair war ich ein anderer. Seitdem habe ich aber nicht nur ein Faible für große Strohhüte. Ich war damals sehr empfänglich für Geschichten, die zeigen, dass neben unserer sichtbaren noch eine andere, uns verborgene Welt existiert. John Carpenters Film spielt in San Franciscos Stadtteil China-Town. Doch: Einmal falsch abgebogen, finden sich Jack und Wang gleich inmitten eines Straßenkampfs zwischen zwei rivalisierenden Gangs wieder, bei dem auch die „3 Stürme“ – die Magier Regen, Donner und Blitz – und schließlich sogar Lo Pan mitmischen. Dies ist Jacks erste Begegnung mit dem Übersinnlichen, dabei bleibt es jedoch selbstverständlich nicht. Im Folgenden gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich hinter jeder Ecke und Tür eine bewusstseinserweiternde Überraschung auf die Helden wartet, und das war, wie gesagt eine Idee, die ich damals wie heute sehr mochte – das überall Geheimnisse und Überraschungen lauern. Und apropos Held: Kurt Russels Jack Burton ist ein wirklich interessanter Vertreter dieser Gattung, ein nicht gerade überkomplex gestrickter Charakter, aber ein Kumpel-Typ, einer, mit dem man Pferde bzw. entführte grünäugige Ladys (zurück-)stehlen kann. Neben der Non-Stop-Action und dem Ideenfeuerwerk ist es wahrscheinlich diese charmante Figur, die mir den Film, der so ehrlich und unbedarft ist wie sein Protagonist, so ans Herz hat wachsen lassen.

Bei aller Liebe zu dem Film gehören dazu auch noch ein paar melancholische Worte. Ich habe „Big Trouble In Little China“ in den letzten Jahrzehnten oft gesehen, doch spätestens mit der Begegnung vor ein paar Tagen muss ich leider feststellen, dass der Film – trotz aller Begeisterung, die ich oben geschrieben habe durchblicken lassen – seine Wirkung nicht mehr annähernd in dem Maße entfaltet wie früher. Ich gebe zu, diesmal habe ich ihn unter unvorteilhaften Bedingungen gesehen, gestückelt, in drei Anläufen, weil ich immer so müde war. Die letzte Etappe war die zermürbendste auf dem Fernseher meiner Eltern. Wir brauchten ca. eine Stunde, um eine DVD zum Laufen zu bringen und sind bis zum Schluss der Einstellung des komplizierten Soundsystems nicht Herr geworden. Das macht wahrscheinlich nur einen kleinen Teil des empfundenen Qualitätsverlusts aus. Vielleicht ist es die Übersättigung an Attraktionen, vielleicht lege ich heute einfach auf andere Dinge Wert als damals. Mit dem Film verhält es sich ein wenig so wie mit dem Jahrmarkt, den ich heutzutage auch nicht mehr mit der gleichen Faszination erleben kann wie als Kind. Das Gefühl ist einfach anders.

Wir hatten schöne Zeiten zusammen, aber jetzt behalte ich dich lieber in guter Erinnerung, anstatt mir durch die Wirklichkeit etwas anderes einreden zu lassen. Und während du, oh „Big Trouble In Little China“, dich auf dem festen Platz in meinem Herzen ein wenig ausruhen und neue Kraft schöpfen darfst, schaue ich mir ein paar der Filme an, die ich noch nicht so oft gesehen habe.

Bild © Twentieth Century Fox

Ant-Man (Peyton Reed, USA 2015)

Posted by – 20. Juli 2015

Superhelden-Filme aus dem Hause Disney/Marvel – so mein Eindruck – stagnieren gerade auf hohem Niveau. Mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so leicht, dazu überhaupt noch etwas Interessantes zu schreiben, so gleichgeschaltet kommen mir die Filme gerade vor. „Avengers: Age Of Ultron“ habe ich aus diesem Grund schon gar nicht mehr mit einem Text gewürdigt. „Ant-Man“ heißt nun der jüngste (Fließband-)Produkt aus der Marvel-Film-Schmiede, das – überraschender Weise – im engen Rahmen seiner Möglichkeiten sogar mal wieder für etwas Abwechslung sorgt. Argumente für den Film ist neben dem sympathischen Humor vor sein visueller Einfallsreichtum. Wenn man sich jetzt noch dazu entschließen könnte, mal keine 08/15-Geschichte zu erzählen und sich daran erinnern würde, dass vor allem spannende Konflikte und mehrdimensionale Figuren Filme interessant machen, dann würde ich mich vielleicht bald wieder zu den Marvel-Fanboys zählen. Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu „Ant-Man“ geschrieben.

Trespass (Walter Hill, USA 1992)

Posted by – 19. Juli 2015

TrespassDen beiden Feuerwehrmännern Vince Gillian (Bill Paxton) und Don Perry (William Sadler) fällt eine Schatzkarte in die Hände. In einem verlassenen Gebäude soll die Beute eines Kirchenraubs versteckt sein. Gold! So viel Gold! Hoffnungsfroh machen sich die beiden Männer auf die Suche, nicht ahnend, dass das Gebäude zur gleichen Zeit auch von King James (Ice-T) und seiner Gang zwecks Hinrichtung eines Rivalen besetzt wird. Und Zeugen können die Gangster natürlich nicht gebrauchen.

Ich kenne bisher nur wenige Filme von Walter Hill, und „Trespass“ legt den Schluss nahe, dass das ein großer Fehler ist. Zwar wird der Gesamteindruck ein wenig durch das linkische Schauspiel des Duos Ice-T & Ice-Cube geschmälert, aber ansonsten ist dies ein Film nach einem Drehbuch von Bob Gale und Robert Zemeckis ganz nach meinem Geschmack: hard-boiled, direkt, voller Action und trotzdem mit dem gewissen Subtext, der die Abenteuerfilme der letzten Dekaden kurzerhand auf die Müllhalde der Vergangenheit verweist. Glorreiche Abenteuer, edle Helden und echte Freundschaft, ja schöne Geschichten über Menschen, die etwas Tolles erleben – so die Aussage des Films – gibt es heute nicht mehr. Aber warum? Weil der Mensch gierig ist und das macht ihn hässlich. Goodbye Abenteuerfilm, Tschüss Buddymovie, Hallo „Trespass“!

Und weil ich eigentlich gar nicht mehr zu sagen habe, als dass ich den Film großartig finde, ende ich mit diesem von Wikiquote geklauten, aber sehr treffenden Sinnspruch: „Wohl dem Menschen, der Weisheit findet, und dem Menschen, der Verstand bekommt! Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber; denn ihr Ertrag ist besser als Gold. Sie ist edler denn Perlen; und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen.“

Amen.

Bild © Koch Media

Terminator: Genisys (Alan Taylor, USA 2015)

Posted by – 6. Juli 2015

„Wenn man die Terminator-Filme mag, wird man diesen Film lieben.“ James Cameron soll das gesagt haben. Und „dieser Film“ ist natürlich „Terminator: Genisys“, der wie zuvor „Terminator: Die Erlösung“ als erster Teil einer neuen Trilogie konzipiert ist. Ob das was wird, daran habe ich allerdings meine Zweifel. Auch wenn die Action zumeist kurzweilig ist, ist der Mangel an Ideen doch eklatant. Warum will man diese Geschichte vom Kampf des Menschen gegen die Maschinen weitererzählen, wenn es so offensichtlich nichts zu erzählen gibt? Am lässt sich Teil 5 als eine Sammlung der vermeintlichen Highlights des ersten und zweiten Teils beschreiben. Doch Szenen dieses „Best-of“ verblassen vor denen, auf die sie anspielen. Und das ist nicht das einzige Problem von „Terminator: Genisys“. Auf Kino-Zeit.de gibt es eine längere Kritik von mir.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Posted by – 14. Juni 2015

mad max 4Die himmelhoch jauchzenden Hymnen zu diesem geisteskranken Wunderwerk sind alle schon gesungen. Ich reihe mich da mitsummend einfach mal ein und gestehe, dass auch ich von diesem Wahnsinn überwältigt wurde und immer noch bin, ja – seit dem Kinobesuch, der nun schon wieder etwas zurück liegt, denke ich eigentlich beinahe täglich daran, wann ich „Mad Max: Fury Road“ endlich noch einmal sehen kann.

Zum Film: Ich versuche mich kurz zu fassen, nur einen Gedanken zum Film in Kontext der drei Vorgänger (1, 2 & 3)  möchte ich hier zur Diskussion stellen.

Was an dieser späten Fortsetzung besonders ins Auge sticht: Max (Tom Hardy) kommt diesmal über weite Stecken eine besonders passive Rolle zu. Gleich zu Beginn wird er von Immortan Joes (Hugh Keays-Byrne) Waterboys gefangen genommen und dient im ersten Filmdrittel zunächst als Blutreserve; danach ist sein Kopf für längere Zeit in einem eisernen Gesichtskäfig gefangen. Überhaupt ist es nicht Max, der hier die Richtung der Handlung bestimmt, sondern Imperator Furiosa (Charlize Theron), die mit ein paar Sklavinnen vor Joe und seinen Schergen ausbüxt. Dass die Männer in dem hier skizzierten patriarchalen Gesellschaftssystem nicht gut wegkommen, war dann gleich Anlass für lächerliche Kritik seitens eines Grüppchens von „Männerrechtlern“, die zum Boykott des Films aufriefen. Die Kritik, die auf der einen Seite nicht gerade von besonderer Cleverness zeugt, deutet noch einmal auf der anderen Seite auf den bereits erwähnten Aspekt hin, der an „Mad Max: Fury Road“ tatsächlich auffällig ist: Die Absenz seines Helden. Die „gefühlte Nebensächlichkeit“ der Hauptfigur ist zwar bereits seit dem ersten Teil ein bekanntes (wenn auch wenig diskutiertes) Phänomen, aber im aktuellen Teil ist Max eine derart zentrale Randfigur von solcher augenfälliger Unscheinbarkeit, dass man hierüber vielleicht doch einmal kurz nachdenken und auch die Vorgänger im Lichte der wohl möglich gewonnenen Erkenntnis neu betrachten sollte.

Denn Individuen spielen in Millers Filmen kaum eine Rolle. Der ehemalige Unfallarzt interessiert sich offensichtlich für Kollisionen, Explosionen und Destruktion bewegter Körper, aber auch diese – so scheint es mir nach Sichtung der vier Teile – sind wahrscheinlich stellvertretend für etwas ganz anderes gedacht, nämlich den Konflikt und Zusammenprall von unterschiedlichen Denkrichtungen und Gesellschaftssystemen. Die „Mad Max“-Reihe wäre insofern natürlich dem Actiongenre zuzuordnen, aber es ist „soziologische Action“, nicht psychologische. Es geht nicht darum, dass ein Held, ein Individuum, irgendwelche famosen Dinge vollbringt, sondern darum wie sich die Gesellschaft nach der Apokalypse neu formt. Rückblickend finde ich es interessant, wie sich jeder der Teile mit Themen, die uns in den letzten 30 Jahren umgetrieben haben – von den „Grenzen des Wachstum“ über den „Clash Of Cultures“ bis hin zum „Krieg der Geschlechter“ – auseinandersetzt. Dass Max als Person hierbei keine besondere Rolle spielen kann, versteht sich von selbst. Als Funktion ist er allerdings zentral. Denn seine Madness als ein „Verrückt-Sein“, ist keine individuelle Eigenschaft. Es der von ihm (für den Zuschauer) eingenommene Blickwinkel von außen auf die Systeme, die Miller für uns in den vier wunderbaren Filmen so eindrucksvoll gegen die Wand rasen lässt.

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